Sonntag 2.2

16.

Die Tage zogen sich endlos dahin. Es gab natürlich einiges zu tun auf der Station, und Arlin spannte Faye kräftig ein, aber dennoch schienen sie nicht enden zu wollen. Besonders die Abende fand er schlimm, wenn er im leeren Bett einschlief und die leisen Atemzüge neben sich vermisste. Zuerst wechselte er sogar auf Bastiens Seite, weil es dort so gut nach ihm roch, doch schließlich musste er die Bettwäsche wechseln.

Arlin schien es nicht besser zu gehen, obwohl er immerhin regelmäßig Nachricht von Sa'ini bekam. Zuerst war der Katzenmann dann immer aufgedreht, um anschließend um so mehr in düsteres Brüten zu versinken. Nach einem schweigsam eingenommenen Abendessen in der mit einem Mal sehr leer erscheinenden Küche, als sie sich beide noch an einem Glas Wein festhielten und nichts Rechtes mit sich anzufangen wussten, fragte Faye leise, weil seine Stimme die Stille zu stören schien "Du vermisst ihn sehr, nicht?"

Arlin zuckte zusammen, dann richteten sich seine Ohren freudig auf. Es hatte ihn mehr belastet, dass Faye ihm noch immer nicht vergeben hatte, als dass Sa'inis letzten Nachrichten mehr Zeit ausbaten. Mehr Zeit für Verhandlungen mit dem Finanzausschuss des Ordens. Die Frage war rhetorisch und nur zum Zweck einer Unterhaltung gestellt, weswegen er sie ignorierte und statt dessen fragte "Und selber, du vermisst noch viel mehr, nicht wahr, Faye?" Unsicher streifte er das schöne Gesicht des Androiden mit einem Blick "Hat er sich gemeldet?"

Faye schüttelte trübe den Kopf und sah in seinen Wein. "Ich hatte gehofft, er würde es tun. Immerhin haben wir uns ein wenig befreundet. Aber vielleicht habe ich mehr gesehen, als da ist. Weil in mir so ein Tumult ist und gleichzeitig Ruhe und Frieden, wenn ich bei ihm bin. Alles in mir sehnt sich nach ihm, so sehr, dass es manchmal weh tut. Das fühlt sich... noch mal anders an als bei dir. Vielleicht hat er wirklich recht gehabt, als er gesagt hat, ich sei viel zu emotional programmiert worden."

Arlin kicherte hinter vorgehaltener Hand und stupste Faye ein wenig mit dem Finger gegen die Schulter. "Ich glaube, Faye, damit hat der Franzose Recht. Du bist so schrecklich sensibel, sehr emotional und..." er schob seine kleinen Finger unter das gesenkte Kinn "... und gerade das macht dich so unheimlich liebenswert. Man möchte dich glücklich machen, Faye, das machst du mit einem. Ich bin mir sicher, dass Bastien das auch will."

'Nicht liebenswert genug für dich', dachte Faye, doch die Wehmut in dem Gedanken fehlte. Irgendwie war kein Platz mehr dafür da, weil alles in ihm von der Sehnsucht nach Bastien ausgefüllt war. "Meinst du? Ich weiß, er hat mir das Leben gerettet. Aber wenn er jetzt erst einmal wieder im Labor war und seine Freiheit bekommen hat, vielleicht sieht die Welt dann schon wieder ganz anders aus." Jetzt, wo er sie laut aussprach, merkte er, dass er die ganze Zeit schon Furcht davor hatte. Ein Schauer lief durch ihn hindurch, und hastig trank er einen großen Schluck Wein.

Arlin seufzte, er nippte an seinem Glas und dachte bei sich, dass er wirklich nicht mit Fayes Uneinsichtigkeit gerechnet hätte, was sie beiden anging. "Ich glaube, dass es nicht mehr lange dauert und Bastien steht einfach hier vor der Tür. Mit einem Gleiter, mit deinem Pass und du..." Er stand auf und brachte das Weinglas fort "... du brauchst mich nicht mehr ertragen", beendete er leise. Ein wenig war er traurig, dass Faye den Flirt nicht als das, was er gewesen war, ansehen konnte.

Überrascht sah Faye auf. "Dich ertragen? Ich ertrage dich nicht. Ich..." Er verstummte und schaute auf Arlins leicht hängende Ohren. "Du verstehst es nicht, stimmt 's?", fragte er ebenso leise. "Du bist der erste, der mir gesagt hat, dass er mich liebt, dass er mich um meinerselbst Willen gern hat. Und dann hat es gar nicht gestimmt. Ich bin dir nicht böse. War es nie. Aber es hat weh getan. Für mich war es mehr als nur... etwas, um jemanden zu haben. Jetzt geht es wieder."

Stockend wandte er den Blick von Arlin ab, als ihm noch etwas anderes klar wurde. Er spürte Hitze in seinen Wangen, während er an Bastien dachte. Dieser hatte ihm vorgeworfen, dass er sich in das erste Wesen verliebt hatte, das ihm über den Weg gelaufen war. Das stimmte nicht. Doch kaum hatte sich Arlin von ihm abgewandt, hatte er seine Zuneigung gleich dem nächsten geschenkt. Und es war mehr als nur Zuneigung, wie ihm mit einem Mal bewusst wurde. "Bist du böse mit mir?"

Arlin zog seine Brauen zusammen und stemmte eine Faust in die Hüfte. "Allerdings bin ich das so langsam! Ich habe dich sehr wohl geliebt!" Er blickte Faye mit schmalen Augen an. "Es war nur nicht für die Ewigkeit, und das habe ich auch nie versprochen." Da war es ja mit seinen Herren einfacher gewesen. Andererseits sagte er sich, dass er einfach zu pragmatisch mit dem romantischen Faye umging.

'Vielleicht wäre es wirklich gut, wenn der elende Jäger sich beeilen würde, um mich von diesem Sensibelchen zu befreien. Franzosen haben offensichtlich eine Schwäche für schmollende Geliebte.' Seine Gedanken erheiterten Arlin ein wenig, wenn es auch aus einer gewissen unfairen Ader heraus war. Er wollte dem Androiden gerade 'gute Nacht' sagen, als Warnsirenen losheulten und ihn fauchend zusammenfahren ließen.

"Verdammt noch mal!" Rasch lief Arlin in Richtung der Zentrale davon und rief in Fayes Richtung zurück "Sollst sehen, Faye! Dein Bastien kommt dich holen!"

"Du hast mir gesagt, du hättest mich nicht geliebt! Das waren deine eigenen Worte!" Es machte Faye wütend, dass Arlin nun schon wieder etwas anderes behauptete. Mit großen Schritten folgte er ihm, während er gleichzeitig energisch seine Hoffnungen niederkämpfte, was Bastien betraf. Das letzte Mal war es auch nur ein Frachtschiff gewesen, das Ersatzteile für einen der Oktaeder gebracht hatte.

"Das habe ich gesagt, weil ich angenommen habe, dass es keine Liebe gewesen sein kann, wenn sie so schnell erlischt! Entschuldige bitte, dass ich dich so verletzt habe, aber ich selber habe auch getrauert. Ich hätte dich sehr gern weiterhin als Freund gehabt und dachte, dass Ehrlichkeit mir dabei helfen wird. Offensichtlich nicht!", schrie Arlin zurück und fauchte gleich auch noch, seine Ohren legten sich an den Kopf. Er sah kaum hin, während er nur mit halber Aufmerksamkeit den Gleiter scannte, Bastiens Bioscan einholte und dies wohlweislich verschwieg, während er die Schleuse öffnete.

"Und außerdem, mein Lieber, habe ich dich nicht gezwungen, mich zu lieben! Das hast du von allein getan und von allein hast du dich ja wohl hinterher auch in Bastien verliebt. Na vielen Dank für die alleinige Schuld!" Es tat verdammt gut, sich mal wieder auszutoben, Arlin bemerkte zufrieden, dass er schon viel früher hätte zurückmeckern sollen, nicht nur zu Sa'ini, auch und gerade Faye gegenüber.

"Mit Bastien wäre vermutlich rein gar nichts passiert, wenn du dich nicht umentschieden hättest. Mit Bastien ist leider auch gar nichts. Wir sind befreundet. Ich war glücklich mit dir, Arlin!" Zornig wollte Faye ihm an den Kopf werfen, dass er dumm gewesen war, sich überhaupt in ihm zu verlieben und dass er froh war, dass es vorbei war, aber das stimmte nicht. "Und dass du dich in Sa'ini verliebt hast, dafür kannst du nichts, klar. Aber dann erzähl nicht, es wäre kein Grund gewesen!"

"Mit Bastien ist nichts?!" Arlin stemmte nun doch wieder seine Faust in die Hüfte und schüttelte energisch den Kopf. "Du musst wirklich noch viel lernen, Faye. Mit Bastien ist nichts. Und warum hast du ihm dann soviel nachgeseufzt?"

Die Schotts senkten sich über dem kleinen eleganten Gleiter, Sauerstoff wurde ausgetauscht und noch während Arlin sprach, öffnete sich die Schleuse. "Das mit Sa'ini war ein Zufall, aber das mit Bastien, mein Lieber, das war keiner! Ich hab doch gesehen, wie er dich angestarrt hat, wie er dir nach ist, als du im Schnee vermisst wurdest. Und hast du auch nur einmal darüber nachgedacht, wieso er dich abends vor dem Kamin stumm angehimmelt hat?" Energisch schob er die Sicherheitshebel um und stapfte in Richtung der Schleuse. "Androiden!"

"Ich habe nicht von mir gesprochen", grollte Faye zurück. "Und vom Anhimmeln habe ich nichts bemerkt."

Bastien kam über die Rampe seines Gleiters und lachte leicht. "Na, hier ist ja eine Stimmung", stellte er fröhlich fest, während er sich streckte und die schwarze Kleidung richtete.

Fayes Laune schlug von einem Moment auf den anderen um, und der Streit mit Arlin war vergessen. "Bastien!" Es war ein überraschter, freudiger Ausruf, den er nicht unterdrücken konnte. Der andere Mann sah noch viel besser aus, als er ihn in Erinnerung hatte. Fröhlicher, gelöster, mit strahlenden Augen und einem Lächeln um die Lippen, das so echt war wie keines zuvor. 'Sie haben Wort gehalten. Er ist frei. Er ist hier. Und Arlin hat recht. Ich liebe ihn.'

"Du hast dir Zeit gelassen", sagte er mit einem Grinsen. "Ich habe schon überlegt, ob ich dich nicht doch hätte schwören lassen sollen."

"Ich hatte einiges zu organisieren, Faye." Bastien zwinkerte zurück.

Arlins Blicke funkelten noch, aber der Kater begann schon hinter den Brillengläsern zu lächeln. "Hallo, Arlin. Ich habe auch für dich etwas dabei." Er nickte zu einer großen Transportkiste hinter sich. "Bücher und die Spiele, die du haben wolltest."

"Uhi, das ist aber nett von dir! Danke. Du bleibst bis morgen, nicht wahr? Dann lade ich morgen aus. Lass uns jetzt erst einmal aus der Kälte gehen, Bastien, wir haben gerade noch Rotwein getrunken, als die Sirenen losgegangen sind", löste Arlin die Spannung zwischen ihnen auf und hopste durch die Schleuse, der Streit mit Faye und seine Enttäuschung darüber waren vergessen.

Bastien warf Faye einen unsicheren Blick zu, dann nickte er jedoch und machte eine kleine Handbewegung, um ihn zum Vorangehen zu bringen. Es war herrlich, in die gemütliche Küche zu kommen. Durch die Terrassentür wehte noch die Abendbrise herein, und der Duft von Rotwein vermischte sich mit dem nach frischem Gras.

Arlin, ganz der Gastgeber, stellte neue Gläser auf den Tisch, während Bastien seine Sachen in das Schlafzimmer brachte und sich kurz frisch machte. "Na, Faye? Gib es zu. Du bist verschossen in ihn", neckte Arlin den Androiden. "Und das hättest du nie gesehen, wenn ich dich nicht enttäuscht hätte." Er stellte zwei Schälchen mit Knabberzeug und Käsewürfel auf den Tisch und sah Faye aufmerksam an. So wunderschön, so naiv und sensibel und dabei eigentlich doch unzerstörbar konstruiert.

"Ja, bin ich", gab Faye das erste Mal laut zu, seufzte und lächelte dann ein wenig unsicher. "Furchtbar sogar."

 

Bastien starrte sich selber in die Augen. Sein Gesicht sah ausgeruhter aus, als es bei seinem letzten Aufenthalt hier gewesen war. Die eine Woche auf Bechelle, um alles für seinen wertvollen Gast zu richten, hatte ihm eine gesündere Gesichtsfarbe verliehen, auch dort war Sommer zur Zeit. Er lächelte leicht. 'Faye ist nicht dumm, er hat den Abschiedssatz von mir übersetzt und weiß Bescheid. Sobald Arlin ins Bett gegangen ist, können wir uns endlich ehrlich unterhalten.'

Arlin überraschte Bastien, als er in die Küche zurück kehrte, damit, dass er ankündigte "Ich werde morgen sehr früh aufstehen, Bastien. Also werde ich mich jetzt in mein Bett zurückziehen. Ich freue mich aber auf eine Unterhaltung beim Frühstück morgen. Gute Nacht euch beiden!" Rasch lief er in Richtung des Badezimmers davon.

Faye starrte ihm einen Moment lang ausdruckslos hinterher, dann schüttelte er den Kopf. 'Dummkopf, aber so lieb. Er will uns allein lassen, als ob das etwas ändern würde. Nachher wären wir das eh gewesen und auf der Reise sowieso.' Äußerlich gelassen schenkte er Bastien von dem Wein ein und nahm sich selber noch ein Glas, ehe er sich an den Tisch setzte. "Wie war deine Reise? Erfolgreich?"

Bastien sah Faye forschend an und legte den Kopf ein wenig schief. "Ja, das war sie", antwortete er dann langsam, während er auf den Androiden zuging, der sein Weinglas so ruhig in den Fingern drehte. "Ich habe den Pass für dich bekommen. Eine gute Fälschung, damit wirst du ohne Probleme reisen können." Bastien ging neben Fayes Stuhl in die Hocke, um in dessen Gesicht aufzusehen. "Und ich nehme dich gern bis Bechelle mit, wenn es noch immer das ist, was du möchtest." Atemlos wartete er die Antwort ab, während er in den perfekten Zügen nach einem Hinweis suchte.

Faye erwiderte seinen Blick, aber er konnte die Nähe nicht richtig genießen, auch wenn er nur ein wenig die Hand hätte ausstrecken müssen, um Bastien zu berühren. Ihm war, als erwarte der andere etwas, von dem er nicht sagen konnte, was es war.

"Danke... Und natürlich will ich noch immer mit dir kommen. Es sei denn, du hast es dir anders überlegt", meinte er leicht verunsichert.

"Natürlich nicht." Ein merkwürdiger Gedanke schlich sich in Bastiens zuvor ungetrübte Freunde. Er lächelte und senkte den Kopf. "Mon dieu! Faye, du hast überhaupt keine Ahnung, nicht?" Erneut sah er ihm in das Gesicht. "Keine Ahnung, was 'je t'aime' heißt, nicht wahr?", fragte er leise. Mit einem Mal war seine Aufregung fort, er war sich sicher, dass er die Antwort und die Sicherheit für oder wider jetzt erfahren wollte.

Faye spürte Hitze in seine Wangen steigen. "Ich habe versucht, es herauszubekommen. Vermutlich habe ich jede erdenkliche Falschschreibung ausprobiert." Außerdem hatte er es sich nicht gut gemerkt, er war zu abgelenkt gewesen, als Bastien es ihm gesagt hatte. Ihm kamen Arlins Worte ins Gedächtnis, dass der Mann ihn angehimmelt hatte, und plötzlich begann sein Herz sehr schnell zu schlagen. Sein Glas beiseite stellend beugte er sich dem anderen Mann entgegen, indem er sich mit den Ellbogen auf seinen Knien abstützte. "Sag mir, wo ich fündig geworden wäre."

Bastien hätte am liebsten gelacht. "Das war Französisch, und es war nicht schwer herauszufinden, Faye. Vielleicht hättest du Arlin einmal fragen sollen? Der kleine Kater weiß mehr, als du dir vorstellen kannst und ist mit Sicherheit älter, als er zugibt." Lächelnd blickte er Faye in die Augen. "Soll ich dir verraten, was es heißt, oder willst du, dass ich es dir aufschreibe, damit du es selber herausfinden kannst? Es war mein Versprechen, wie ich schon gesagt habe. Am Tag meiner Abreise verrate ich dir, warum du wertvoll bist für mich."

Faye erwiderte den Blick und das Lächeln, als ihn mit einem Mal ein wundervolles Gefühl der Sicherheit und des Glücks überkam. "Ja, ich will, dass du es mir aufschreibst, damit ich weiß, wie es geschrieben wird. Und Arlin... Arlin geht es nichts an." Vorsichtig legte er eine Hand an Bastiens Wange. "Ich bin manchmal ziemlich blind, aber auch ich öffne irgendwann meine Augen. Und dann zu sehen, ist um so schöner." Unsicher küsste er ihn auf den Mund, kurz nur und tastend, ehe er wieder von ihm ließ.

Bastien hatte etwas sagen wollen, aber ihm fehlten schlichtweg die Worte, nachdem Faye ihn geküsst hatte. Das Gefühl der weichen Lippen an seinen, der warme Atem, der den Geschmack von Rotwein trug und dazu das Wissen, dass dieser perfekte Mann ihn liebte und ihm vertraute, ließ Bastiens Herz stolpern. Einen Augenblick lang starrte er in die schönen Augen hoch, dann stand er langsam auf und murmelte leise "Du machst mich glücklich, mon amour, wie ich es eigentlich nicht verdiene."

Er zog seinen Taschenplaner heraus und tippte Faye die Worte ein, dann reichte er ihm lächelnd das schwarze Gerät. "Ich warte im Gästezimmer auf dich, lange wirst du ja nicht suchen müssen." Nebenbei nahm Bastien sein Weinglas auf und ging zielstrebig zum Gästezimmer davon, Aufregung und Vorfreude vermischten sich mit leiser Furcht vor der bevorstehenden Nacht.

Er entzündete rasch einige Kerzen, da sie den Kamin kaum brauchen würden, dann zog er sich die Reisekleidung aus und eine leichte Hose an. Den Oberkörper ließ er aus Berechnung heraus und weil es so warm im Zimmer war frei.

Es verwirrte Faye, dass Bastien ihn so prompt allein ließ, aber die Schreibweise von 'Je t'aime' brachte ihn zum Lachen. Sie hatte gar nichts damit zu tun, was er zu finden versucht hatte. Mit Planer und Weinglas folgte er dem Mann und blieb gleich in der Tür stehen. Schon oft hatte er ihn angeschaut, aber nie war er ihm schöner erschienen. Es war eine Erleichterung zu wissen, woher diese Gefühle kamen und was sie von ihm wollten.

Mit einem Mal überkam ihn jedoch Furcht. Was, wenn es bei Bastien genauso war wie bei Arlin? Ein kleiner Schauer lief durch ihn hindurch, als er versuchte, die Gedanken zu unterdrücken. Dennoch war sein Lächeln unsicher, als er Bastien den Planer zurückgab. "Ich hatte nach Schötäm gesucht. Kein Wunder, dass ich es nicht gefunden habe."

"Und jetzt? Weißt du, was es heißt und glaubst du mir auch, Faye?" Bastien spürte die Unsicherheit in Faye, weswegen er seine Hand umfing, um ihn langsam zu sich auf das Bett zu ziehen.

"Es heißt 'Ich liebe dich'." Faye stellte das Glas auf der Kommode ab, ehe er sich zu Bastien ziehen ließ und sich neben ihn setzte. Er sah ihm ins Gesicht, dann nickte er. "Und ja, ich glaube dir."

"Das ist schön." Bastien lächelte. "Du bist schön... schöner, als ich dich in Erinnerung hatte." Sachte streichelte er mit den Fingerspitzen über Fayes perfektes Gesicht und ließ die Finger in dessen Haare gleiten. Er küsste ihn vorsichtig auf die Wange, dann fragte er leise "Und wie steht es mit dir? Weißt du, wie du fühlst, oder willst du mehr Zeit zum Nachdenken haben?"

"Ich hatte all die Tage Zeit, in denen du nicht hier warst. Ich habe über nicht viel anderes nachgedacht als über dich. Ich habe dich abends beim Einschlafen vermisst und morgens beim Aufwachen, ich habe dich vermisst, wenn ich die Bibliothek durchstöbert und wenn ich Karotten geschält habe." Faye lachte leise und drückte sachte Bastiens Hand, die noch immer mit seiner verschränkt war, dann legte er seine zweite darüber und betrachtete sie sinnend. So geborgen, wie die Finger waren, so wollte er Bastien behüten. "Ich habe auch darüber nachgedacht, dass ich dich nie wieder so traurig sehen will, wie du es lange hier warst. Aber bis vorhin, als ich mich mit Arlin gestritten habe, war mir immer noch nicht wirklich klar, was ich fühle. Jetzt weiß ich es. Aber ich habe Angst. Dass es genauso schnell vorbei ist. Dass du dich als Ersatz fühlen könntest. Dass du denkst, ich wäre nur bei dir, weil niemand anderes da war."

Bastien legte den Kopf schief, dann legte er seine freie Hand an Fayes Wange und murmelte "Ich kann dir nicht viel versprechen, aber eines auf jeden Fall, ich verliebe mich nicht so schnell und entliebe mich noch viel langsamer." Er küsste ihn noch einmal, dieses Mal auf den Mund, der ihn schon die ganze Unterhaltung über gelockt hatte. An seinen Lippen murmelte er "Ich glaube zudem nicht wirklich, dass ich ein Ersatz bin. Wenn es nicht dumme und vollkommen unpassende Liebe wäre, hättest du dir nicht ausgerechnet den Mann gesucht, der dich beinahe umgebracht hätte, oder Faye?" Die jadefarbenen Augen wurden durch dichte Wimpern verhangen, aber wirkten aus der Nähe noch aufregender. Gebannt blickte Bastien hinein.

"Wahrscheinlich nicht", antwortete Faye leise und erwiderte den Blick. Sein Herz pochte heftig, und an den Lippen konnte er Bastiens Wärme spüren. Der Duft, den er so lange herbei gesehnt hatte, hüllte ihn ein und machte ihn kribbelig vor Glück. Bastien war aufregend. "Wenn man liebt, muss man auch vertrauen, nicht?" Er löste eine Hand von Bastiens, um sie dann in dessen Nacken zu legen. "Ich will dir vertrauen", flüsterte er, ehe er seinen Mund wieder auf den des anderen Mannes presste.


by Jainoh & Pandorah