Sonntag 2.2

17.

Als Bastien nach einem heftigen Austausch von Küssen wieder ein wenig klarer denken konnte, fand er sich auf dem Bett liegend wieder. Fayes überraschend leichter Körper war der Länge nach auf ihm ausgestreckt. Ein herrliches Gefühl erfasste ihn, als er seine Hände langsam über den warmen Rücken streichen ließ, um am Hosenbund unter des leichte Hemd zu gelangen, das Fayes Figur so vortrefflich ausgestellte. Mit einer geschickten Bewegung rollte Bastien herum und zog Faye zugleich das Hemd hoch, so dass er den Androiden gleich darauf unter sich liegen hatte und dessen nackten Bauch und die Brust mit den Lippen erkunden konnte. "Hm, du riechst und schmeckst sogar perfekt, mein Engel."

Faye lachte, einfach aus purem Glück, weil die Welt mit einem Mal strahlend und wundervoll war. So losgelöst und voller Freude hatte er sich noch nie gefühlt, nicht einmal mit Arlin zusammen. Mit vergnügt blitzenden Augen richtete er sich auf den Ellbogen auf und streichelte Bastien über die kurzen Haare, während er wohlig mit seiner Aufmerksamkeit der Spur der Lippen auf seinem Körper folgte. "Ich will nicht perfekt sein, Bastien, und das bin ich auch nicht. Aber wenn du es mir noch ein paar Mal sagst, glaube ich das vielleicht doch noch. Pass auf, dann werde ich unerträglich und eingebildet."

Bastien versenkte seine Zunge kurz in dem Bauchnabel seines Geliebten, dann murmelte er gegen dessen Bauch gedämpft "Hm... mir egal. Für mich bist du es." Er schaffte es, Fayes Hose zu öffnen und zog sie ihm von den Hüften, während er die weiche Haut am Bauch und die Leisten entlang mit den Lippen ertastete. Dann hielt er kurz inne und blickte in das Gesicht des anderen. "Darf ich das hier überhaupt?"

Lächelnd ließ Faye sich wieder zurück auf die Matratze sinken und schloss die Augen. Bereits jetzt zog sich ein vielversprechendes Prickeln durch seinen Körper, bis hinein in die Fingerspitzen. "Ja, im Moment darfst du das. Bis ich dich wieder küssen möchte." Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen, als er die Augen erneut aufschlug und über seine Brust zu Bastien sah. "Nicht, dass ich es nicht die ganze Zeit wollte. Ich muss nur gerade Prioritäten setzen."

Bastien lachte auf und gab Faye frei. "Lass uns Prioritäten setzten. Ich will dich gern ansehen, darf ich dich ausziehen?"

Faye setzte sich auf und stieß die Schuhe von den Füßen. "Machen wir einen Handel. Für jedes Kleidungsstück, dass du mir ausziehen darfst, bekomme ich einen Kuss. Natürlich einen richtigen. Ist das fair?"

"Einen richtigen? Was kann ich darunter verstehen, Faye? Zeigst du mir einen?" Bastien setzte die Hände neben die Schultern seines Geliebten und blickte ihm in die Augen. "Als Vorschuss auf... sagen wir die Socken?"

"Auf eine Socke." Da war er wieder, dieser atemberaubend kribbelnde Stich im Magen. Faye umfing Bastiens Gesicht mit beiden Händen; er liebte den Anblick. Mit einer Hand wanderte er über Hals und Schultern, um sie auf Bastiens Rücken zur Ruhe kommen zu lassen, während er mit der anderen Bastiens Hinterkopf umfasste, um seinen Freund an sich zu ziehen. Ganz zart liebkoste er mit den Lippen Bastiens, zupfte an ihnen, saugte vorsichtig daran, bevor er sie mit der Zungenspitze nachzeichnete. Die Augen schließend und den Geschmack ebenso genießend wie die Wärme, die ihn erfüllte, wurde er fordernder und bettelte um Einlass.

Seufzend ergab Bastien sich den Händen und legte sich auf Faye, um ihn dichter spüren zu können. Langsam drehte er sein Gesicht weiter und gab dem Drängen der geschickten Lippen und der Zunge nach. Faye schmeckte nach dem schweren Rotwein, und das Gefühl seiner Zunge entsprach dem Gefühl einer menschlichen Zunge, ein wenig rau, genau richtig. Während sie sich küssten, streichelte Faye ihm erneut durch die Haare. Unbewusst hatte Bastien ein Bein zwischen Fayes Beine geschoben und ihn mit einer Hand an der Hüfte weiter herum gezogen. Der Kitzel, der von ihrem Kuss ausging, ließ sich als Sehnen in Bastiens Bauch nieder, um dort stetig anzuwachsen, bis er sich von allein gegen Fayes Körper drängte, nicht mehr in der Lage, sein Verlangen zu verstecken.

Weiter Bastiens Griff folgend schob Faye sein Bein über die schmale Hüfte des anderen und drückte ihn damit eng an sich. Ein köstlicher Rausch floss durch ihn hindurch und ließ ihn aufseufzen. Als sich ihre Münder endlich wieder voneinander lösten, sagte er atemlos "Das reicht für mehr als nur eine Socke." Zudem stellte er fest, dass er viel zu ungeduldig war, um das so wie angekündigt durchzuführen. Allein zu spüren, dass Bastien ihn wollte, ließ seine Sehnsucht auf mehr von der warmen Haut anwachsen. Rasch streifte er sein ihn ohnehin nur noch spärlich bedeckendes Hemd über den Kopf, um Bastien gleich wieder mit den Armen zu umfangen. Es war deutlich besser, und mit einem Lächeln flüsterte er "Und du bist perfekt für mich."

"Na na, für den Charme sind die Franzosen zuständig, mon amour", entgegnete Bastien leise, während er sich ein wenig entfernte, um sich die Hose ausziehen zu können. Nur kurz war er nervös, weil ihm der Gedanke kam, dass Faye im Intimbereich ebenso perfekt sein mochte wie am restlichen Körper. Als er die Hose von der schmalen Hüfte geschoben und dabei die Socken ebenfalls ausgezogen und zu Boden geworfen hatte, war sein Verlangen dermaßen gesteigert, dass er gänzlich vergaß, mit Neid auf den perfekten Körper zu sehen. Da war nur noch Begehren in seinen Blicken und in der Art, mit der er seine Finger über den Bauch und die Beine streichen ließ.

Unfähig, seine Gedanken noch in Worte zu kleiden, schob er seinen Körper erneut gegen die warme, weiche Haut des Androiden, während er die Schulter, den Hals, die Brust und immer wieder das Gesicht und den Mund mit den Lippen abtastete. Liebestrunken schloss Bastien die Augen und schmiegte sich eng an Faye an, während er seine Hände über dessen Körper schob, um seinen Geliebten so zu streicheln, dass er sich vielleicht gar verlor. Allein die Vorstellung, dass Faye die Kontrolle in seinen Armen aufgeben würde, war ein Traum.

Bastien der ganzen Länge nach an sich zu spüren, war wundervoll. Nichts war mehr zwischen ihnen, kein Kleidungsstück, nicht einmal Fell, nur Wärme und das prickelnde Leben eines echten Körpers. Faye stöhnte auf, als Bastien ihn besonders richtig streichelte. Der andere Mann schien genau zu wissen, wo er empfindlich war. Kurz flackerte in ihm die Frage empor, ob Bastien die Baupläne derart genau studiert hatte oder ob er einfach nur fühlte, wo es Faye schier verrückt machte, doch sie erlosch gleich wieder unter den wissenden Fingern.

Atemlos flüsterte er den Namen seines Geliebten, haschte fahrig nach dessen Lippen, doch er konnte sich nicht mehr auf Küsse konzentrieren. Sich unter ihm in eine bessere Position windend nahm er die Beine auseinander, um ihn dazwischen gleiten zu lassen, sie dann um ihn zu schlingen und ihn an sich zu pressen, während seine Hände über den Rücken, die Schultern, den Hintern des anderen Mannes glitten, mal leichter, dann wieder fester zupackend. Er liebte das Gefühl der wirklichen Haut, jetzt feucht von Schweiß, und das Muskelspiel darunter.

Faye zu spüren, war so traumhaft, dass Bastien immer wieder die Augen öffnete, um sich zu vergewissern, dass er wirklich den Androiden im Arm hielt, wirklich seine Lippen, seinen heißen, feuchten Körper, sogar sein Geschlecht fühlen konnte. Er konnte es noch immer nicht fassen, dass dieses Wunder ihn gern hatte.

Dass Faye nicht nur Emotionen hatte, die der normalen sozialen Begegnung dienten, sondern die gesamte Palette eines Menschen in sehr deutlicher Ausprägung, bekam Bastien mit, als er seine Hand energisch zwischen ihre Körper schob, um seinen Geliebten zum Höhepunkt zu bringen. Die Laute und heftigen Bewegungen brachten ihn ebenfalls ans Ziel, schneller als er gewollt hatte. Noch während Faye sich stöhnend streckte, schloss Bastien ebenfalls tief durchatmend die Augen, bevor er zufrieden und müde auf ihn niedersank.

Faye lockerte seinen festen Griff und seufzte leise auf. Wohlige Trägheit durchfloss seine Glieder, und ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. Er öffnete die Augen und sah auf den blonden Haarschopf hinab, strich mit dem Blick über den Rücken bis zu dem netten Hintern, den er eben noch umfasst gehabt hatte. Mit den Handflächen streichelte er erneut einmal darüber, dann zu den Schultern empor, um ihn wieder zu umarmen.

"Du hast gesagt, ich wüsste nicht, was Liebe ist, Bastien", murmelte er am Ohr seines Freundes. "Wie fühlt sich Liebe denn an?"

Bastien lachte leise, dann murmelte er "Ein wenig so wie das eben gerade, nur noch schöner." Er streckte sich und rollte herum, von Faye herunter, damit sie sich besser zudecken konnten. "Das..." Er gähnte herzhaft. "Das zeige ich dir morgen, mein Engel."

 

Arlin entließ die Droiden in ihre Aufgaben und fuhr die Schutzschilde hoch, dann lief er rasch ins Bad, um vor seinen Gästen zu duschen. Fröhlich wählte er eine leichte silberne Brille zu seiner Latzhose für den Garten und war bereits dabei, auf seiner Terrasse den Kaffee zu genießen, als Bastien noch mit nassen Haaren, dafür aber einem sehr glücklichen Gesichtsausdruck in die Küche kam. Faye folgte dem Franzosen auf den Fuß, und die Verliebtheit zwischen ihnen beiden war unübersehbar, so dass Arlin sich noch einmal zu seiner Entscheidung, Faye freizugeben, gratulierte.

Natürlich erweckte es den leisen Stich der Eifersucht erneut in ihm, als er während des Frühstücks immer wieder sah, wie Finger sich verirrten und Blicke getauscht wurden. Sa'ini begann ihm zu fehlen, und obgleich sie gar nicht so zueinander gestanden hatten, begann Arlin ihn auch genau in dieser Weise zu vermissen. Nicht mehr als Freund und Fürsprecher, sondern auch als Geliebten gar, obgleich sie das nicht füreinander gewesen waren.

 

Sa'ini war durchaus zufrieden mit sich und den Verhandlungen, bei denen ihm sein alter Meister sehr geholfen hatte; einerseits durch persönlichen Beistand, andererseits auch durch seinen Rat und seine sehr viel tieferen Kenntnisse der Gesetze des Ordens. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Zudem war er auch damit zufrieden, dass es nicht mehr weit bis zu Arlins kleiner Station war. Er schmunzelte in sich hinein, als er die Daten auf seinem Bildschirm überprüfte.

Die letzte Nachricht, die Arlin empfangen hatte, war gefälscht gewesen. In ihr hatte er um mehr Zeit gebeten und sie dann seinem Meister überlassen, der sie Sa'ini am Vortag geschickt hatte. Tatsächlich hatte Sa'ini zu dem Zeitpunkt aber schon über die Hälfte der Reise hinter sich gebracht gehabt.

Sein Herz jubelte auf, als er den kleinen Mond auf den Sichtschirm bekam, der hinter dem Planet auftauchte. Wie sehr hatte er Arlin vermisst! Und wie sehr freute er sich, ihm die guten Ergebnisse mitteilen zu können! Er drosselte die Geschwindigkeit und grinste fröhlich, als er seine Nachricht losschickte, mit der er um Landeerlaubnis bat.

Die Warnsirene ließ Arlin zusammenzucken. Er hatte gerade seine Hände gewaschen, um zum Mittagessen einen frischen Salat zu sich zu nehmen. Bastien und Faye waren im Hintergrund zu hören. Sie packten die Sachen des Androiden und turtelten auf eine schon nicht mehr erträgliche Art, redeten sich mit französischem Unsinn an und fielen alle Nase lang übereinander her.

Seufzend hatte Arlin sich deswegen Zeit im Bad gelassen und hetzte mit nassem Kopffell und nassen Händen zur Zentrale, vollkommen verwirrt, weil er keinen Frachter erwartet hatte. Der Scanner zeigte ihm jedoch Sa'ini an, und sein Herz machte einen fast schon schmerzhaften Satz. Er hatte Faye und Bastien nicht Bescheid gegeben, sondern nur gerufen, dass er den Fehlalarm löschen wolle. Deswegen stand er allein vor der Schleusentür, als das kleine Schiff eingedockt wurde.

Sa'ini strich sich noch einmal rasch mit beiden Händen durch sein feuerfarbenes Haar und zog die goldgelbe Weste zurecht, während die Landeklappe langsam heruntergefahren wurde. Sein Herz machte einen Satz, als er Arlin endlich vor sich sah, die Augen wie immer hinter einer Brille versteckt, nur bekleidet mit einer weißen Shorts und Sandalen. Die Ohren waren aufmerksam aufgerichtet, und um den kleinen Mund lag ein wunderschönes Strahlen, das Sa'ini glücklich machte. Er sprang die Rampe mehr herunter, als dass er sie hinab lief und zog den Katzenmann gleich in die Arme, um ihn fest zu drücken. "Arlin... Ich habe dich vermisst."

Arlin wurde von der Herzlichkeit in Sa'inis Umarmung überrascht, aber auch er hatte ihn zu sehr vermisst, um Fragen zu stellen. Mit geschlossenen Augen drückte er den Kemjasheri'i fest an sich und schob sein Gesicht unter dessen Haare. Endlich murmelte er leise "Aber nun brauchen wir einander nicht vermissen, oder?"

Sa'ini wollte ihn auf den Hals küssen, und gerade noch rechtzeitig fiel ihm ein, dass sie sich zwar nahe waren, aber in dieser Hinsicht noch gar nichts geklärt hatten. So hielt er ihn einfach nur eine Weile fest und versuchte, das Vermissen wieder auszulöschen. "Nein, brauchen wir nicht. Es ist alles wunderbar gelaufen, aber das werde ich dir nicht hier erzählen, in dieser ungemütlichen Halle."

Nur ungern ließ er ihn los und lief noch einmal rasch in sein Schiffchen zurück, um seine Tasche zu holen, ehe er von außen die Rampe wieder einfahren ließ. Es war eher Routine, als dass er befürchtet hätte, dass jemand unbefugt eintreten würde. Er warf sich die Tasche über die Schulter und griff nach Arlins Hand, um gemeinsam mit ihm in den Wohnbereich zurückzukehren, während er ihm vom Flug erzählte.

Selbstverständlich stellte er sein Gepäck samt Schwert im Schlafzimmer ab; er verschwendete nicht einmal einen Gedanken an das Gästezimmer. Nachdem er sich kurz im Bad frisch gemacht hatte, betrat er das Wohnzimmer, wo Arlin bereits Wasser und Obst auf den Tisch vor der gemütlichen Couch gestellt hatte. Sa'ini setzte sich zu ihm und trank einen Schluck Wasser, ehe er von den Verhandlungen zu berichten begann.

"Und das Ergebnis ist weit mehr, als ich gehofft hatte. Der Ordensrat war sich immer noch nicht sicher, ob Sonntag wirklich haltbar ist. Deswegen hat er beschlossen, dass die Station dir auf Lebenszeit zu vermieten ist. Du musst jährlich Pacht zahlen, doch das ist mehr ein symbolischer Beitrag als wirklich von Wert. Regelmäßig mit der Zahlung fallen auch Berichte an. Damit diese ihre Richtigkeit haben und auch garantiert im Sinne des Ordens sind, haben sie hier ab sofort einen Vertreter stationiert. Mich."

Bei dem Wort Zahlung hatte Arlin sich schon aufgerichtet und Luft geholt, um seine Meinung zu sagen, aber als Sa'ini weitersprach, atmete er wieder aus und grinste statt dessen. Spontan sprang er auf und umarmte Sa'ini noch einmal. "Ich freue mich so, Sa! Ich hab mich schon gefragt, mit wem ich in den nächsten Tagen zanken soll, wenn nicht mit dir." Er ließ ihn halb los, aber Sa'inis Arm hielt ihn noch umfasst. Mit einem Mal war das Gesicht seines Freundes so dicht vor ihm, so verführerisch nah. Verträumt hob Arlin eine Hand und legte seine Brille auf den Tisch. "Die stört mich nur", murmelte er leise.

Atemlos erwiderte Sa'ini den Blick der halb geschlossenen Augen, während seine Hand schon fast von allein durch das ein wenig längere Fell auf Arlins Kopf zu streicheln begann. Er war noch gar nicht fertig gewesen mit den guten Nachrichten, aber der Rest trat in den Hintergrund, als für den Moment anderes wichtiger wurde. Eine Weile lang sahen sie sich nur an, dicht beieinander, dann beugte Sa'ini sich vor, zog gleichzeitig Arlin dichter an sich und berührte mit den Lippen seinen Mund; zaghaft zuerst, doch dann mutiger werdend.

Mehr als ein sehnsüchtiger Laut kam Arlin nicht über die Lippen, als Sa'ini nach einigen Küssen das Gesicht ein wenig zurück zog. Erst wollte er etwas sagen, seine Sehnsucht beschreiben, seine Freude, aber die Worte wollten nicht kommen, und so presste Arlin sich einfach erneut gegen den hübschen Mann, auf dessen Schoß er nun mittlerweile saß und lockte seine Lippen, ihm noch einmal zu zeigen, wie geschickt der Kemjasheri'i mit ihnen nicht nur zum Diskutieren umgehen konnte.

 

Bastien wollte sich eigentlich bei Arlin entschuldigen und dann natürlich auch verabschieden, aber als er im Wohnzimmer in die Szene zwischen dem offensichtlich früher als erwartet wiedergekehrten Sa'ini und Arlin stolperte, vergaß er seine Worte und versuchte, sich möglichst unentdeckt zurückzuziehen. Dies misslang, weil er gegen Faye stieß, der ihm gefolgt war.

Arlin zuckte zusammen und drehte sich um, als ein Geräusch von der Tür ihn in die Wirklichkeit zurück holte. Bastien grinste ihn an, und über seine Schulter hinweg konnte Arlin einen fast weißen Haarschopf erkennen. Mit heißen Wangen sprang er vom Schoß des Sonnenpriesters herunter und begann hastig "Sa'ini ist so überraschend wieder hergekommen! Alle fallen hier über mich her! Erst Bastien und nun der Sonnenritter, das ist unfair, ich bin Einsamkeit gewöhnt und ihr..." Hilflos hörte er auf und meinte in das Gelächter von Bastien hinein "... ihr seid rücksichtslos, ich sollte schon längst..." Er hatte vergessen, was er schon längst hätte tun sollen, aber Bastien sprang ein.

"Du solltest schon längst wieder mit uns zum Schott gehen, denn Faye und ich möchten aufbrechen, damit wir nicht in die nächtlichen Stürme geraten."

"Dann bist du diesen lästigen Androiden endlich los." Faye trat hinter Bastien hervor und umarmte seinen Ex-Freund. Er verspürte weder Trauer, noch unglückliche Stiche. Aber ihm war ohnehin, als könnte er das niemals wieder, weil in ihm so viel Glück war. 'Vorsicht, das hast du schon mal gedacht', warnte er sich, aber es war nicht bedrohlich. "Und du kannst allein mit Sa'ini sein, ohne dass wir dich stören."

Arlin wurde noch einmal rot. "Du bist mir nie lästig gewesen, Faye. Aber wenn es dir lästig war, hier bei mir zu sein, dann verabschiede ich dich gern und hoffe, dass du einen Ort findest, an dem du lieber bleiben möchtest." Unsicher sah er zu Sa'ini hin. "Wollen wir die beiden gemeinsam zum Schott begleiten, Sa?"

Sa'ini nickte und wollte den Mund gerade zu einer Antwort öffnen, als Arlin von Faye wieder zu sich herumgezogen wurde. "Du warst mir nie lästig. Und du weißt, dass ich mit dir hier glücklich geworden wäre." Er wandte den Blick ab und sah zu Bastien hin; er musste grinsen, als er an dessen Miene sah, dass Eifersucht in seinem Freund aufstieg. "Geworden wäre, wenn wir beide nicht jemand gefunden hätten, der uns noch viel glücklicher macht." Damit gar er Arlin frei und trat zu Bastien, um diesen Jemand auf die Wange zu küssen und ihm etwas ins Ohr zu flüstern.

Sa'ini nahm Arlins Hand in seine und lächelte ihm zu, während er amüsiert beobachtete, wie sich die aufkommende Düsternis in Bastiens Gesicht zu einem erwartungsvollen Glitzern in den Augen wandelte, während er Faye einen kleinen Klaps auf den Hintern gab.

Gemeinsam gingen sie zum Dock, wo Sa'ini Arlin nebenbei erklärte, dass der kleine Kreuzer nun auch mit zum Bestand von Sonntag 2.2 gehören würde.

 

Arlin sah dem entschwindenden Gleiter so lange nach, wie er als Punkt auf seinem Scanner gezeigt wurde. Ein wenig Traurigkeit setzte sich in ihm fest, aber nicht genug für Tränen, die sie vielleicht fortgespült hätten. "Weißt du, ich wünschte wirklich, dass ich Faye nicht geliebt hätte. Er... hat alles falsch verstanden, und ich und er wären nicht traurig gewesen, wenn ich mich zurückgehalten hätte."

Sa'ini schüttelte den Kopf und umarmte Arlin von hinten, schmiegte seine Wange an die seines Freundes. "Nein, so war es besser. Sonst hätte er vielleicht gar nicht die Augen weit genug geöffnet, um Bastien auch nur anzusehen."

Arlin seufzte und murrte "Ich will, dass alle so glücklich sind wie ich." Dann schloss er jedoch den Schild um Sonntag 2.2 und drehte sich zu seinem Freund herum. "Und wir? Was machen wir jetzt so allein hier auf der Station?" Grinsend drückte er Sa'ini enger an sich.

"Wir machen genau da weiter, wo uns Faye und Bastien unterbrochen haben." Sa'ini lachte und küsste Arlin, allerdings nur auf die Stirn. "Denn ich war noch gar nicht fertig mit meinen Nachrichten für dich." Er löste sich gerade weit genug von ihm, um zwischen sie greifen zu können und eine kleine Chipkarte aus seinem Gürtel zu holen. "Die Kreation Arlin hat nämlich einen neuen Besitzer. Und rate mal, wie der heißt."

Arlin blinzelte einige Male, dann bebte sein Kinn ein wenig, während er den Kopf senkte. "Daran habe ich schon so lange nicht mehr gedacht", flüsterte er schwach und stellte mechanisch die Nachtprogramme ein.

"Musst du von heute an auch nicht mehr." Sa'ini wartete, bis er fertig war, dann reichte er ihm die kleine Karte. "Ich habe dir doch gesagt, nach den Gesetzen der Sonnenritter darf kein Mitglied ein Wesen besitzen, das fühlt und denkt."

"Oh, dann... bin ich frei?" Arlins Finger zitterten ebenfalls, während er das Kärtchen drehte. Mit glänzenden Augen sah er Sa'ini an und musste sich schon wieder über die Augen wischen, weil Tränen darin standen. Ärgerlich nahm er seine Brille ab. "Danke! Ich danke dir so!" Er fiel dem anderen um den Hals und drückte ihn an sich, die Brille und das Kärtchen fest in den Händen.

Sa'ini umarmte ihn und vergrub das Gesicht an seinem Hals. Er lächelte, konnte gar nicht anders bei dem Glück, das er über diese Freude fühlte. Das war fast noch besser, als ihm die Station übergeben zu können.

"Ich habe es dir doch gesagt", wiederholte er, um dann leiser anzufügen "Und ich bin froh, dass ich mich nicht geirrt habe. Ich liebe dich."

Arlins Fell richtete sich auf und er schnurrte unter Tränen. Es war zuviel auf einmal. Frei zu sein, die Station behalten zu können und dazu noch die Liebe des Mannes, den er angebetet hatte, mit dem er sich vor lauter Nervosität permanent hatte streiten wollen, nur um die Spannungen loswerden zu können. Hilflos schmiegte er sich an Sa'ini.

Blind durch seine Tränen und dadurch, dass er die Brille nicht aufsetzen konnte, musste Arlin sich führen lassen und war nur wenig überrascht, dass ihr Weg vor dem Schlafzimmer endete. Mit einem kleinen Lächeln drängte er sich noch dichter an den schönen Mann und hauchte ihm einen Kuss auf die Schläfe. "Heute ist mein Glückstag, mein Lieblingstag, mein... Paradiestag!" Er lachte. "Ich liebe dich auch, Sa'ini, mehr als ich begreifen und erklären kann. Aber wir haben ja Zeit, um das herauszufinden, nicht?"


by Jainoh & Pandorah
 
~ Ende ~