Der Sternschnuppentraum

9.

Phillipe war noch immer dabei, mit Suzanne zu telephonieren, die er langsam ins Herz zu schließen begann, als Jean klingelte. Er bedankte sich für die Aufmunterung und den Trost, denn diesen konnte sie wirklich gut spenden, und verabschiedete sich, musste sogar etwas lachen, als sie ihn regelrecht zur Tür scheuchte.

Noch einmal wischte er sich über das Gesicht, auch wenn die Tränen schon längst wieder getrocknet waren, während ihm auffiel, dass er noch immer nur den Bademantel trug und kein bisschen geschminkt war. /Und dann noch die verheulten Augen, was wird er nur von mir denken?/

Doch es war keine Zeit mehr für irgendetwas, deswegen stand er auf und öffnete seinem Geliebten. Gleich schien die Welt heller zu werden, als er vor ihm stand, und Phillipe empfand so viel Dankbarkeit, dass er sofort zu ihm gekommen war, dass er nicht viel mehr konnte, als ihn zu umarmen. Er löste sich jedoch schnell wieder von ihm und zog ihn erst einmal in die Wohnung, um die Tür schließen zu können. "Ich bin so froh, dass du da bist, Liebling."

Jean bemerkte lächelnd, dass Suzanne wie üblich Wunder bewirkt hatte und schloss seinen Schatz erleichtert in die Arme, bevor er ihm die Blumen überreichte. Erst jetzt sah er, dass es zwei Rittersporn waren, die er da erwischt hatte. Ihr tiefes Blau passte jedoch gut zu der hellen Gestalt vor ihm.

"Tut mir leid, dass ich dich den Tag über allein gelassen habe, mein Schatz." Er küsste ihn auf die Wangen und dann auf den Mund. So ungeschminkt konnte man die zarten Sommersprossen auf der kleinen Nase noch besser sehen, und die Wimpern wirkten weicher. Sachte strich Jean mit dem Daumen über die Wangen, auf denen man noch gut erkennen konnte, dass Phillipe geweint hatte.

"Und ich wollte dich doch glücklich machen und nicht traurig. Haben sie gesagt, dass ich zu alt bin? Das ist es, nicht wahr?" Er legte den Arm um die schmalen Schultern und führte ihn zu der Couch hin, um ihn dort auf seinen Schoß zu ziehen. Auf den grauen Anzug, den er noch vom Arbeitstag anhatte, nahm er keine Rücksicht. "Ich hab nachgerechnet, Chéri. Es ist ja wahr." Jean drückte einen leichten Kuss auf die Schulter, die vom Bademantel ein wenig freigelassen wurde.

"Ich bin über siebzehn Jahre älter. Wenn du so alt bist wie ich jetzt, bin ich über sechzig. Deswegen hatte ich auch eigentlich vor, nur dein Freund zu sein, mehr nicht. Um dir nicht im Weg zu stehen." Er legte Phillipe eine Hand an die Wange und drehte sein Gesicht zu sich, um ihm in die herrlichen Augen blicken zu können.

"War es sehr selbstsüchtig von mir, dich zu beanspruchen? Zu schwach vielleicht, deinen Reizen so vollkommen zu erliegen?" Er konnte nicht anders, als sich zu wünschen, dass sie sich wieder küssten. Dieser Mund lockte ihn so sehr, der Zug darum allein, die leichte Unsicherheit. So gern hätte er alles mit einer Geste fortgenommen.

Phillipe erwiderte seinen Blick, während ihm auffiel, dass Jean ihm mit diesen Fragen schon wieder ein Kompliment gemacht hatte. /Meinen Reizen erliegen... vollkommen, sagt er./ Er hob eine Hand und streichelte Jean nahezu vorsichtig mit den Fingerrücken über die Wange, drehte sie dann und fuhr mit der Fingerkuppe zart über sein Kinn, umrundete die Lippen. "Aber ich bin dir doch ebenso erlegen. Deinem Charme, deiner Wärme, deiner Behutsamkeit... Immer, wenn du bei mir bist, fühle ich mich, als sei ich ein kostbares Geschenk. Du machst mich glücklich. Mir ist es gleich, wie alt du bist."

Sich vorbeugend hauchte er ihm einen weichen Kuss auf die Lippen. "Ich habe darüber nachgedacht... nach dem Ball und erst recht nach der Lesung. Wir haben uns die Geburtsjahre nicht ausgesucht. Und warum soll das ein Grund sein? Warum, warum, warum? Henri könnte morgen von einer Leiter fallen und tot sein, dann wäre Léon auch allein. Aber sie sagen nicht nur das. Sie sagen auch, du bist zu reich. Du würdest mich nur für ein paar Wochen wollen. Ein reicher, alter Mann, der meint, er könnte sich mit Geld... Ich glaube, er hat mir gar nicht richtig zugehört, als ich ihm gesagt habe, dass alles, was du mir geschenkt hast, Blumen waren."

Jean lächelte und drückte Phillipe ein wenig an sich. "Wenn sie das sagen, dann bin ich das vielleicht auch, Phillipe. Ein reicher, alter Mann. Aber ohne dich würde ich mich wirklich um so viel ärmer fühlen, viel zu viel ärmer."

Er drückte seine Lippen noch einmal leicht auf Phillipes Schläfe, und sie schwiegen eine Weile, einfach nur aneinandergedrängt sitzend. Schließlich fragte Jean seinen Schatz leise "Musst du in den nächsten Tagen viel arbeiten, Chéri? Wenn nicht, dann würde ich dich sehr gern zu mir einladen."

Ein freudiges Kribbeln zog sich durch Phillipe, und mit einem Lächeln, das alle unangenehmen Gedanken verdrängte, sah er auf. "Ich wollte nur schreiben. Tippen, tippen, tippen, bis mir entweder die Tastatur zu rauchen beginnt oder die nächsten Kapitel fertig sind. Aber das kann ich verschieben. Oder vielleicht auch bei dir machen, wenn du zu tun und einen freien Computer hast. Ich müsste nur das, was ich habe, auf Diskette abspeichern." Rasch küsste er ihn auf den Mund. "Danke, Liebling. Das ist eine wundervolle Idee. Ich muss nur ein bisschen packen und mich herrichten, so kann ich nicht raus." Er kicherte, zog demonstrativ an seinem Bademantel und rutschte dann von Jeans Schoß, um nach einem weiteren Kuss im Bad zu verschwinden.

Jean vermerkte in seinem Hinterkopf, dass er den ungebrauchten Laptop aus seinem Büro sicherlich hier zu besserer Verwendung bringen konnte und sah lächelnd zur Badezimmertür, hinter der leises Summen und Wasserrauschen sich vermischte. Er stand langsam auf und durchwanderte die Wohnung, auf der Suche nach mehr Hinweisen zu seinem Schatz. Dann stellte er die Blumen in eine schlanke, hohe Vase und brachte diese in die kleine Küche. Versonnen erinnerte er sich an ihren ersten richtigen Kuss, gleich hier vor der altmodischen Spüle.

Ein Schellen unterbrach ihn in seinen Tagträumen, und nach einem Lauschen auf das Bad beschloss Jean, dass er wohl öffnen musste, wenn Phillipe verhindert war. "Ich gehe schon, Chéri, mach in Ruhe weiter."

Jean blickte nur aus Reflex durch den Spion und sah eine kleine Frau. /Eine der vielen Freundinnen, die ihn nun vor mir warnen wollen?/ Er öffnete die Tür und lächelte trotzdem unverbindlich wie immer. "Hallo."

Die Frau korrigierte ihren Blick nach oben, musterte ihn kurz, dann erwiderte sie das Lächeln leicht und hielt ihm die Hand hin. "Sie müssen Jean Gaby sein, wenn ich mich nicht irre. Ich bin Mignon Cabral, eine Freundin von Phillipe. Ist er da? Kann ich ihn sprechen oder störe ich?"

Jean nickte zurückhaltend freundlich und reichte ihr die Hand. "Nett, Sie kennen zu lernen." Er sah sich zum Bad um und hob die Schultern. "Phillipe ist vor nicht einmal zehn Minuten hinein gegangen, sicherlich wird es noch einen Moment dauern."

Sie lachte leise, folgte ihm in den Flur und schloss die Tür hinter sich. "Da wird es wohl noch ein Weilchen länger dauern. Ich kenne doch Philli." Dann sah sie jedoch kurz in Richtung des Bades und erkundigte sich "Wie geht es ihm? Es ist einiges an Gerüchten durch die Gegend geschwirrt." Sie streifte Jean kurz mit einem Blick. "Er nimmt sich alles immer so schnell zu Herzen. Ich hab heute Mittag schon mal vorbei geschaut, aber da war er wohl nicht da."

"Phillipe geht es wieder ganz gut, aber ich habe trotzdem vorgeschlagen, dass er für ein paar Tage mit zu mir kommt." Er ging in das Wohnzimmer durch und von dort auf den Balkon. "Stört es Sie, wenn ich rauche?" Er war, auch wenn man es ihm nicht anmerken mochte, nervös. Diese Situation erschien ihm nicht sicher genug und das mochte er nicht.

"Nein, gar nicht. Mein Freund raucht auch." Mignon lehnte sich zwischen zwei Blumenkästen an das Balkongeländer und sah zu ihm hin, während sie abwesend mit dem Saum ihres weißen T-Shirts spielte, das ihr zumindest eine Nummer zu groß war. "Ich wollte Phillipe eigentlich ein wenig aufmuntern, aber mir scheint, das ist nicht wirklich nötig." Wieder lächelte sie ein wenig. "Das können Sie bestimmt besser als ich."

Jean blickte über die Dächer und verzog den Mund. Nachdem er ihr eine Zigarette angeboten hatte, die sie ablehnte, schwiegen sie einen Moment lang, während er einmal tief einatmete. Sie wirkte vernünftig, nicht voreingenommen oder gar anklagend. Deswegen beschloss er, dass Ehrlichkeit seine eigenen Sorgen betreffend sicherlich nicht schlecht sein könnte. "Ich hoffe es. Ich fände den Gedanken unerträglich, dass ich ihm aus Liebe schaden könnte."

"Monsieur, ich glaube nicht, dass Sie ihm aus Liebe schaden können. Was ihm schadet, sind diese dummen Vorurteile. Ich behaupte nicht, ich würde Sie kennen und könnte deswegen sagen, wie gut Sie zu Phillipe passen; aber ich kenne jeden aus dem Nichts auftauchend Geliebten meiner Freunde genauso wenig." Abwehrend schüttelte sie den Kopf. "Und diese beurteile ich ja auch nicht nach ihrem Alter oder ihrem Geld."

/Nach dem Geld.../ Jean rauchte nachdenklich bis auf die Hälfte der Zigarette, dann sah er wieder zu ihr hin. "Uns trennt schon nicht wenig, die Jahre hab ich immer zuerst gesehen, aber das Geld... das mag vielleicht viel schlimmer sein."

Das war es vermutlich. Nicht für ihn, denn er hatte es, er gab es nicht gern aus, sondern er gab es einfach nebenbei aus, von den Spenden für Aidshilfen und für die vielen Künstler einmal abgesehen; da gab er es bewusst aus und freute sich, wenn er seinen Anteil beitragen konnte.

/Für meine Sternschnuppe würde ich doch all mein Geld geben, einfach so, es bedeutet mir nichts. Er hingegen muss dafür ziemlich hart arbeiten als Kellner, um schreiben zu können. Ich hoffe sehr, dass Geld und mein Wunsch, es für ihn auszugeben, nie zum Problem wird, dass er sich nie gekauft vorkommt./

So unerfreulich der Gedanke war, brachte er Jean dennoch dazu, über Worte nachzudenken, in die er seine Sorgen kleiden konnte, so dass Phillipe auch wirklich verstand, wie er fühlte. Er streifte die Frau erneut mit einem kleinen Blick, dann löschte er die Zigarette an einem Blumentopf aus, bevor er sie umständlich zur Küche brachte, um etwas zu tun zu haben.

Mignon zögerte einen Moment, dann folgte sie ihm. Der Anblick der Küche, in der noch das Frühstücksgeschirr und Überreste eines Mittagessens standen, entlockte ihr einen kleinen, unwilligen Laut. "Wenn er unglücklich ist, wird Philli immer unordentlich", erklärte sie und seufzte. "Deswegen freue ich mich immer, wenn ich ihn besuche und seine Wohnung aufgeräumt ist."

Energisch machte sie sich daran, die Ordnung wieder herzustellen, als würde sich das Phänomen auch umkehren lassen, während es ihr ganz nebenbei gelang, Jean in ein Gespräch über Theater im Allgemeinen und das, in dem sie ihr Praktikum machte, im Besonderen zu verwickeln.

Als Phillipe geduscht und geföhnt, aber noch immer im Morgenmantel das Bad verließ, hörte er als erstes Mignons Stimme. Unsicher biss er sich auf die Unterlippe, doch dann vernahm er Jeans Antwort, ruhig und sogar ein bisschen amüsiert, was ihn zum erleichterten Aufatmen brachte. Immerhin schienen ihm keine Vorwürfe entgegen geschlagen zu sein.

/Vielleicht ist sie ja doch nicht dagegen?/ Dennoch huschte er erst einmal leise in sein Schlafzimmer, um einer noch immer möglichen Konfrontation wenigstens nicht halb nackt entgegenzutreten. Mignon schien es aber weder auf Streit, noch auf Diskussionen angelegt zu haben, als sie ihn, kaum dass er in weißer Jeans, einem hellem Strassstein im Bauchnabel und einem engen, bunten Top die Küche betreten hatte, umarmte.

Sie schimpfte nur mit ihm, dass er ihr am Mittag nicht geöffnet hatte, doch damit konnte er mit ein wenig schlechtem Gewissen leben. Während sie ihm beim Packen und der Wahl der Kleidung für die nächsten Tage half, vergewisserte sie sich, dass es ihm gut ging, munterte ihn noch weiter auf und fragte ihn ebenso zu Jean aus, wie sie es immer bei seinen Freunden getan hatte.

Lange blieb sie jedoch nicht. "Ich will ja nicht stören", verkündete sie mit einem kleinen Zwinkern, nachdem sie sich ordentlich von Jean verabschiedet hatte, als sie Phillipe im Flur umarmte. Sie küsste ihn rasch auf die Nasenspitze. "Und dass du mir nur nichts auf die dummen Meinungen der anderen gibst. Wenn man deinen Schatz erst einmal zum Reden gebracht hat, ist er nett, wenn auch noch ziemlich zurückhaltend. Und er versteht etwas von Theater. Auf jeden Fall ist er netter als die Männer, die du vorher hattest. Ich wünsche euch alles Gute."

Damit verschwand sie und ließ einen selig lächelnden Phillipe zurück. Rasch lief er zu Jean zurück, lehnte sich an ihn und küsste ihn schnell einmal auf den Mund. "Sie mag dich."

Jean lächelte leicht und küsste ihn einmal zurück, zog ihn enger an sich und genoss das leichte Kribbeln in den Fingern, wenn er Phillipes nackten Rücken zwischen Top und Hose berühren konnte. "Immerhin ist das eine gegen wie vielen Personen? Egal, solange du nicht leidest, ist es egal, Chéri." Jean ließ ihn zwar ungern los, aber wollte seinen Schatz doch endlich für sich haben, weswegen er seine Tasche aufnahm. "Hast du an alles gedacht?"

Phillipe nickte, dann seufzte er. "Nun, immerhin sind sie nur so, weil sie sich Sorgen um mich machen." Der Gedanke half zumindest ein bisschen.

Während der Fahrt erzählte Phillipe Jean nun ruhiger von den Vorwürfen und den Argumenten der anderen. Als sie dann in der Villa ankamen, wählte Jean einen Rundgang durch den Garten, bei dem er Phillipe den kleinen Teich mit den Goldfischen und den von englischen Rosen überrankten Pavillon zeigen wollte, um seinerseits zu berichten, was die Freunde aus seinem Umfeld dachten.

Er machte gleich klar, dass er nicht so dachte und nie so denken würde, aber zu seiner Freude fand er die richtigen Worte, um Phillipe genau wie Mignon zuvor von seiner Sorge zu berichten, dass Phillipe sich mit seinem Geld unwohl fühlen konnte.

Phillipe dachte eine Weile darüber nach, was Jean gesagt hatte, während er den schönen Pavillon bewunderte und den zarten Duft der Rosen genoss. Dass er ein Problem damit haben könnte, dass Jean reich war, befand er kaum eines Gedankens wert; was ihm wesentlich mehr Sorgen machte, war das andere, von dem er berichtet hatte.

Er hatte bis jetzt nicht darüber nachgedacht, aber er wollte nicht, dass Jean wegen ihm schief angesehen wurde. Und er wollte ihm ganz bestimmt nicht schaden und sein Ansehen ruinieren. /Tunte... tuckig... ja, das bin ich wohl./

Er mochte schon allein den Klang dieser Wörter nicht, aber er mochte es sehr wohl, so zu sein. /Er sagt, es stört ihn nicht. Er ist so süß... Aber vielleicht wird es anfangen, wenn die Vorwürfe schlimmer werden. Oder hartnäckig bleiben. Kann ich für ihn damit aufhören? Das Alter, das Geld, wie ich bin... es ist so viel, was uns trennt. An dem Alter und dem Geld können wir nichts ändern./ Er tastete nach dem Stein in seinem Bauchnabel. /Nicht mehr schminken, fast meinen kompletten Kleiderschrank ausmisten, nicht mehr rasieren... oh mein Gott, ich würde aussehen wie Rasputin!/

"Liebling, wegen deinem Geld... Das ist mir gleichgültig. Ich werde nie glauben, dass du versuchst, mich zu kaufen. Liebe lässt sich nicht kaufen. So lange du nur nie denkst, dass ich dich nicht wirklich liebe, sondern allein dein Geld will." Er ließ von den Rosen ab und drehte sich zu ihm um, schaffte es jedoch nicht, ihm ins Gesicht zu sehen. "Aber wegen meiner Art... ich will nicht... ich könnte..." Fröstelnd schlang er die Arme um sich und verstummte für einen Moment. "Wenn es zu sehr schadet, kann ich mich bestimmt ändern", murmelte er schließlich.

Entsetzt starrte Jean ihn einige Atemzüge lang an, dann schüttelte er den Kopf, auch wenn Phillipe das nicht sehen konnte. Rasch war er den einen Schritt auf ihn zugetreten und hatte seinen Schatz von hinten fest umarmt. Er presste seine Lippen auf den Kopf, schmiegte sich dichter an die weichen Haare und seufzte leise. "Denkst du wirklich, dass ich das wollte? Dass ich wollte, dass meine Sternschnuppe so glanzlos wird, wie ich selber bin? Ich erfreue mich doch, seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe, an dem Strahlen, was um dich her ist."

Er drehte ihn dann doch zu sich um. "Solltest du dich eines Morgens einmal danach fühlen, in einem Trainingsanzug zu verschwinden, mit ungewaschenem Haar, unrasiert und ungeschminkt, dann würde mich das sicherlich auch nicht stören, auch wenn es mich sorgen würde, Chéri." Er lachte bei dem Gedanken unwillkürlich auf. Phillipes Erscheinung war dermaßen gepflegt, dass er schier unmöglich schien, ihn anders zu sehen. Selbst verheult im Bademantel, ungeschminkt und ungekämmt, war er noch zauberhaft.

Phillipe musste kichern und fühlte sich gleich wieder besser, so dicht bei seinem Liebling, der ihn hielt und so liebte, wie er war. Er reckte sich, um ihn zu umarmen und erneut zu küssen und dachte bei sich, dass er davon niemals genug bekommen konnte, ihn zu schmecken und die weichen Lippen auf seinen zu fühlen.

"Du bist nicht glanzlos", erklärte er dann ernst, während er ihm in die Augen sah. "Du tust nur alles, um die Welt herum davon zu überzeugen; aber wenn du mich anschaust, so wie jetzt, dann bist du voller Strahlen und Licht und zündest es doch erst in mir an."

Jean lachte leise auf. Eine Mischung aus Glück und Erleichterung ließ ihn sich fühlen wie einen Bergsteiger, der die Gipfel erklommen hatte, dem die Welt zu Füßen lag. Er umarmte Phillipe fester und hob ihn spontan ein wenig hoch.


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