Der Sternschnuppentraum

10.

Den Abend verbrachten sie im Wintergarten, weil es wieder einen sommerlichen Gewitterschauer gab. Während vor den Scheiben der Regen im Garten nieder rauschte, las Phillipe Jean eines seiner neuen Kapitel vor, und sie diskutierten die Formulierungen, während sie von Suzanne noch vor ihrem Feierabend bereitgestellte Brote aßen.

Phillipe zu lauschen, seiner lebhaften Stimme, ihn zu beobachten, wenn er in die Geschichte versunken nachdachte, wenn er etwas zu seiner Zufriedenheit änderte, würde Jean nie müde werden. Fast fand er es ein wenig schade, als es spät geworden war und sie sich zum Schlafen zurückzogen.

Während er einen Blick auf den kleinen Hintern warf, der in der engen, weißen Hose so vortrefflich ausgestellt war, als Phillipe sich seine Sandalen anzog, beschloss Jean jedoch, dass es nicht schlecht sein musste, den Abend für alles weitere in die privaten Räume zu verlegen.

Er ließ Phillipe nur zu gern auf der Treppe den Vortritt. Sein Schlafzimmer war von Rick unaufgefordert vorbereitet worden, eine zweite Decke lag bezogen mit auf dem breiten Bett, und die Tasche seines Gastes stand auf der Anrichte neben der Tür zu seinem Bad.

"Dies ist dein Bad, ich habe zwei; ich hoffe du magst die Einrichtung und hast alles, was du brauchst. Wenn nicht, dann ruf mich, ich bin noch in meinem Arbeitszimmer und hole meine Nachrichten ab, für den Fall, dass ich etwas verpasst haben sollte."

Er küsste Phillipe noch einmal auf die Wange und ging dann in den Nebenraum, der ihm als privates Arbeitszimmer diente, in dem auch sein Telephon stand. Der Computer war bereits eingeschaltet und so brauchte Jean nur Abrufen anwählen. Natürlich waren neben einiger Dankesbriefe und Einladungen zu Feiern oder Benefizveranstaltungen auch Meinungen zu Phillipe dabei.

Paul entschuldigte sich typisch überschwänglich, aber warnte dennoch davor, Phillipe zu ernst zu nehmen, was Jean ein wenig wütend stimmte. Caroline entschuldigte sich nicht, hatte ihm stattdessen noch etliche andere Lektoren und irgendwelche schwulen Möchtegernautoren auf den Hals gehetzt, die ihre Meinung zu Phillipe sagen mussten, was Jean regelrecht verärgerte.

Er stellte den Computer aus, ohne auch nur eine Antwort geschrieben zu haben und lehnte sich seufzend zurück, rieb sich die Augen, nachdem er seine Lesebrille auf den Tisch gelegt hatte. Sein Blick glitt zu dem Bild an der Wand. Eine schwarze Schleife rahmte es ein.

Thomas und er waren fast zehn Jahre zusammen gewesen. Auch Thomas hatten etliche Freunde von Jean belächelt, denn der zierliche, blonde Mann war gern ein wenig extrovertiert in der Art und extravagant im Stil gewesen.

Thomas war ein Maler, auf exotische Auftragsgemälde spezialisiert. Er war kreativ, gleichmäßig fröhlich und unbesorgt und eigentlich immer wahnsinnig auffällig angezogen. /Und untreu, wie ich feststellen musste. Er war nicht der Engel, für den ich ihn gehalten habe./ Denn von einem seiner längeren Urlaube, auf dem er wohl mit etlichen Männern geschlafen hatte, kehrte Thomas mit HIV zurück. Noch bevor er Jean hatte anstecken können, hatte er ihm die Seitensprünge in einer wilden Künstlerkommune in Südamerika gestanden, zu ihrer beider Glück.

Sie hatten sich gestritten, wieder vertragen, die Krankheit hatte sich sehr bald gezeigt, und schließlich hatte Jean ihn bis zum letzten Tag nicht verlassen. Thomas hatte, von einer privaten Krankenschwester versorgt, in der Villa gelebt, wo er im Schlaf verstarb. /Nein, er war nicht perfekt, aber geliebt habe ich ihn trotzdem... ob er mich auch wirklich geliebt hat? Oder war er nur begeistert von einem ruhigen Mann ohne viele Marotten, der ihm das Atelier und später die Pflege bezahlt hat?/

Jean hatte sich geweigert, noch einmal mit Thomas zu schlafen, hatte ihn nie wieder auf den Mund geküsst, nachdem er ihm von den Seitensprüngen berichtet hatte, und nun fragte Jean sich, ob er Phillipe gleich zu Beginn gestehen sollte, dass er zwar nicht offen eifersüchtig war, aber sehr wohl nicht sonderlich vergebend, wenn es um Untreue ging. /Noch einmal schaffe ich es nicht durch solch einen Streit... durch solch eine Zeit./

Phillipe hatte sich für die Nacht fertig gemacht, hatte Zähne geputzt und sich abgeschminkt, sich mit leicht duftender Bodylotion eingecremt und seinen zartroséfarbenen Schlafanzug mit den Spitzen an den Ärmeln angezogen, in dem er sich immer ein bisschen wie eine Märchenprinzessin fühlte. Er fand, dass es passte. Zu der großen Villa und dem großen Schlafzimmer, zu Jean und dazu, wie zuvorkommend, liebevoll und kostbar dieser ihn behandelte.

Doch auch wenn er sich Zeit gelassen hatte, war Jean noch nicht wieder zurück, und Phillipe sah das breite Bett ein wenig unzufrieden an. Allein wollte er sich da nicht hinein legen.

/Ich hole ihn mir einfach/, dachte er verschmitzt und lief auf Zehenspitzen zu dem Arbeitszimmer. Vorsichtig öffnete er die Tür und lugte zu Jean hin, der zurückgelehnt, aber von der Tür abgewandt in einem schwarzen, bequemen Schreibtischstuhl saß und offensichtlich nicht mehr arbeitete, denn der Bildschirm war dunkel.

Phillipes Lächeln vertiefte sich, als er sich mit angehaltenem Atem in den Raum schob und dann so lautlos wie möglich zu ihm schlich. Mit einem kleinen Aufkichern flitzte er um den Stuhl, ließ sich auf Jeans Schoß fallen und schlang die Arme um seinen Hals. "Hab ich dich!"

Jean lachte auf und drückte ihn an sich. "Und ich hab dich gefangen." Er küsste ihn leicht auf den Mund, dann fiel sein Blick auf den Wecker. "Oh, Chéri. Entschuldige, dass ich dich hab warten lassen. Wie konnte ich nur."

"Ich verzeihe dir", erklärte Phillipe großzügig und küsste ihn noch einmal schnell, ehe er sich neugierig umsah. Das Zimmer war größer und natürlich teurer eingerichtet als seines, allein der Computer wirkte schon so, als könne er dreimal so viel in der Hälfte der Zeit leisten, doch Phillipe befand auch fast sofort, dass ihm sein eigenes lieber war, da ihm Jeans ein wenig zu kühl und sachlich vorkam.

/Wie soll man hier in romantische Stimmung zum Schreiben kommen?... Na ja, zumindest, wenn man allein ist./ Dann entdeckte er das Bild eines blonden Mannes über dem Schreibtisch, und unwillkürlich runzelte er die Stirn. Zwar ließ die schwarze Schleife vermuten, dass er wohl nicht mehr lebte, doch mit einem Mal spürte er einen kleinen Stich der Eifersucht.

/Ob das ein Exfreund von ihm ist? Das Photo ist so groß! Ob er noch sehr an ihm hängt?/ Gleich darauf schalt er sich dafür aus, natürlich war er nicht der einzige, der jemals in Jeans Leben getreten war, so wie auch Jean nicht sein erster Freund war. /Aber ich habe keine so großen Photos von ihnen direkt über meinem Arbeitsplatz hängen./ Eigentlich wollte er es gerne ignorieren, doch da hatte er auch schon gefragt. "Wer ist das, Liebling?"

Jean folgte Phillipes Blick auf das gerahmte Bild. "Das war Thomas Lepère." Er seufzte leise, doch dann befand er, dass es immer besser war, er selber erzählte Phillipe von ihm denn irgendwer sonst, und wenn auch nur Suzanne. "Er war Maler, sogar recht ordentlich begabt. Die Gemälde unten in der Halle und in dem Wintergarten sind von ihm. Wir waren etwa zehn Jahre liiert. Er ist vor zwei Jahren an Aids gestorben." Er drückte Phillipe ein wenig. "Er hat mich nicht angesteckt, keine Sorgen, mein Stern."

Ein wenig schuldbewusst senkte Phillipe den Blick, während ein kleines Frösteln seinen Rücken hinab lief. "Das tut mir leid", murmelte er und meinte es ernst, einmal, weil Jean jemanden verloren hatte, den er geliebt hatte, und zum anderen, weil er den kleinen Eifersuchtsstachel noch immer fühlte.

/Zehn Jahre, und dann ist er ihm weggestorben. Kein Wunder, dass er Aidshilfebälle finanziert./ Gleichzeitig war er jedoch erleichtert, dass seine erste, spontane Furcht, die er bei der Erwähnung der Krankheit verspürt hatte, sofort beschwichtigt worden war. Wieder sah er zu dem blonden Mann hoch und fragte sich, ob Jean ihn wohl mit dem anderen verglich. "Vermisst du ihn sehr?"

Jean wiegte den Kopf, dann schüttelte er ihn leicht. "Wir haben sehr viel Zeit für den Abschied gehabt, und das war auch eine schöne Zeit. Nicht immer schön, gerade am Ende nicht, aber ich würde sie genauso wenig missen wollen wie die Jahre davor. Aber ich vermisse ihn nicht in dem Sinne, dass ich ihn mir zurück wünsche." Er warf noch einen Blick auf das Bild, dann erhob er sich langsam und ließ Phillipe von seinem Schoß herunter rutschen.

"Ich habe jemanden vermisst in meinem Leben, nachdem er gestorben war, nicht Thomas im Speziellen, Phillipe. Aber würdest du jetzt aus dem Raum laufen, ich wäre mir sicher, dass alles in mir dich vermissen würde, nur dich."

Phillipe wurde ein wenig rot und schämte sich, weil es genau das war, was er hatte hören wollen. Dennoch war er froh, dass Jean es gesagt hatte. /Ich will nicht auf einen Toten eifersüchtig sein. Also lass es, Phillipe. Außerdem sind wir noch gar nicht sehr lange zusammen, und er hat keine Bilder von dir, die er aufhängen könnte, selbst wenn er wollte./

Er seufzte leise und sah zu Jean hoch. "Entschuldige. Das war dumm von mir. Ich bin nur manchmal ein bisschen schnell eifersüchtig." Verlegen biss er sich auf die Unterlippe, dann lächelte er fast schüchtern und griff nach Jeans Hand, um sich in seinen Arm zu drehen, als sie gemeinsam das Arbeitszimmer verließen, um ins Schlafzimmer zurückzukehren. "Aber ich werde mich bemühen, das bei Thomas sein zu lassen." Sein Blick glitt über das unberührte Bett, und er schmiegte sich ein wenig enger an seinen Liebling, rieb seine Wange an seiner Brust. "Hm, magst du dich nicht auch umziehen? Du trägst noch immer diesen ungemütlichen Anzug."

Jean zog statt einer Antwort seinen Schatz erst einmal in eine innigere Umarmung und küsste ihn leicht auf den Hals. "Das finde ich sehr schön, mein Kätzchen. Sei eifersüchtig und bewach mich ruhig, dann fühle ich mich gleich zehn Jahre jünger!" Er lachte leise auf und warf einen Blick auf das Bett, mit dunkelblauer Seide bezogen. "Ich bin gleich bei dir, mache mich nur schnell frisch, ja?" Er küsste Phillipes Nasenspitze und bemerkte erst, als er schon in der Tür zum Bad stand, dass sein Schatz rosafarbene Spitzenwäsche trug. /Er schlägt wirklich alle Rekorde./

Jean beeilte sich mit dem Rasieren, um seinem Geliebten nicht die zarte Haut zu sehr zu zerkratzen, und dem Umziehen, wobei er auf den Schlafanzug verzichtete und sich lediglich einen schwarzen Morgenmantel aus leichtem Stoff überwarf.

Als er wieder in das Schlafzimmer trat, stand Phillipe noch immer vor dem Bett, die Füße unsicher einwärts gedreht. "Liebling! Du erkältest dich eines Tages wirklich noch! Warum bist du denn nicht einfach in das Bett geklettert?"

Besorgt trat er auf den schlanken Mann zu und zog ihn mit sich zu dem Bett hin, um ihn unter eine der leichten Decken zu schieben; dann hielt er inne und betrachtete das helle Gesicht vor sich, während er über die Brauen und Wangenknochen streichelte. "Denk bitte nicht mehr über das Bild nach. Wenn es dich so sehr stört, dann hänge ich es morgen gleich als erstes ab, Chéri."

Phillipe erwiderte den Blick der hellgrauen Augen, während er dem Gefühl lauschte, das sowohl die fürsorgliche Geste, die zarten Berührungen wie auch Jeans Worte in ihm auslösten, und das ihn überwältigte. Nie war er sich so umsorgt vorgekommen, so sehr geliebt. Stumm hob er die Hand und legte sie an Jeans Wange, ließ sie sachte hinabstreichen, an seinem Hals hinunter und in seinen Nacken. Er streckte sich ein wenig und streifte Jeans Lippen vorsichtig mit seinen.

"Ich liebe dich", sagte er leise und küsste ihn weich, versuchte all das, was er empfand, in diesen einen Kuss zu legen, nur um festzustellen, dass es unmöglich war. Mit einem Lächeln löste er sich wieder von Jean und sah ihn erneut an. "Sehr sogar." Dann seufzte er und gestand "Ja, ich glaube, es stört mich wirklich. Was ja nicht heißt, dass du alles von ihm verbannen sollst, seine Gemälde zum Beispiel nicht. Die haben mir auch gefallen. Nur... dieses große Portrait."

Lächelnd bemerkte Jean, dass Phillipe wirklich ehrlich war. Zu sich selbst und auch zu ihm. "Ich... werde es abhängen. Vielleicht bringe ich es in das Nebengebäude, in dem er gemalt hat. Verwendet habe ich die Räume selber ohnehin nie." Er küsste die kleine Nase und den schmolligen Mund. "Die Gemälde würde ich nicht weggeben, sie sind noch von meiner Mutter gekauft worden, als Thomas und ich uns noch nicht einmal kannten; er war älter als ich."

Um dieses Thema abzuschließen, jedenfalls für den Abend, schob er seinen Schatz noch weiter auf das Bett, um sich besser über ihn beugen zu können. Er ließ seine Lippen von dem einladenden Mund über den Kragen des Hemdchens abwärts wandern, streifte den Hals hier und dort mit der Zunge und genoss es, wenn Phillipe Luft einsog und sich streckte.

Der Stoff war so leicht, dass er nicht viel verbarg. Mit einem diebischen Lächeln bemerkte Jean, dass man sogar die Brustwarzen ausmachen konnte, bevor er sie durch den Stoff hindurch mit den Zähnen leicht zu necken begann. Seine Hände strichen bereits etwas fester an den Seiten entlang zur Phillipes Hüfte.

Phillipe war froh darüber, von dem ein wenig unangenehmen Thema wieder weg zu sein und noch viel glücklicher, direkt zu etwas derart Angenehmen gewechselt zu haben. Leise und wohlig seufzte er auf, als Jean kleine Schauer durch seinen Körper schickte. Er hob den Kopf und küsste ihn auf den Scheitel, ehe er begann, das graumelierte Haar zu streicheln, das sich so gut unter seinen Händen anfühlte. Von dort aus wanderte er tiefer und unter den Kragen des Morgenmantels und fing sanft, aber doch etwas nachdrücklicher an, die Schultern und den Nacken zu massieren.

Jean schloss die Augen und sank ein wenig in sich zusammen, als Phillipe einen verspannten Punkt fand. Er seufzte leise. "Sag bloß, du kannst auch massieren, dann bist du wirklich ein Engel." Mit der Hand streichelte er in langsamen Kreisen über Phillipes Bauch, hörte auch nicht damit auf, als er sich auf die Seite neben seinen Schatz sinken ließ.

Phillipe kicherte. "Engel, ja? Mmh, ich wollte schon immer mal so hübsche, weiße Flügel haben." Er drehte sich auf die Seite und zog mit der Fingerspitze eine Linie von Jeans Stirn über seine Nase bis hin zu seinen Lippen, die er leicht antippte, um sich dann vorzubeugen und sie zart zu küssen.

"Vielleicht Halbengel? Ich kann es ein bisschen." Er ließ seinen Finger weiterwandern, über das Kinn und die Kehle, die Brust hinab, bis er auf den Gürtel stieß. Während er seinen Liebling erneut küsste, öffnete er den Knoten und glitt mit der Hand darunter, nur um festzustellen, dass er sofort Haut spüren konnte. Er lächelte noch auf Jeans Mund und sah dann regelrecht verzückt an ihm herunter.

"Oh. Ich glaube, das gefällt mir." Sachte drängte er sich gegen ihn, bis Jean nachgab und sich auf den Rücken drehte. Phillipe setzte sich auf seiner Hüfte auf und schob den Morgenmantel beiseite, während sein Herz einen kleinen, angenehmen Satz machte. Er hob den Kopf und sah in Jeans helle, ganz offensichtlich etwas überraschten Augen, und sein Lächeln vertiefte sich noch. Mit flachen Händen streichelte er eine Weile Brust und Bauch seines Lieblings, einfach, weil es ihm gefiel und er sich so gut anfühlte, ehe er fester zugriff und ihn zu massieren begann. "Mit Öl geht es besser, aber ich glaube, für den Moment ist es auch so in Ordnung, oder?"

Jean hatte seinen Geliebten versonnen betrachtet, seinen Gesichtsausdruck, während er ihn streichelte. Dieses kleinen Lächeln, das ihm zeigte, dass Phillipe gern mit ihm zusammen war, ihn gern anfasste. Zudem sah Jean an der Shorts, dass es Phillipe nicht nur gefiel, sondern auch erregte; bei ihm war es da nicht anders, zumal Phillipes Hintern ihm immer wieder genau über die richtigen Stellen strich, wenn sein Schatz sich vorlehnte, um die Brust zu streicheln.

Phillipes Stimme holte ihn aus seinem Traumzustand heraus, und er lächelte ihn entschuldigend an. "Öl habe ich leider nicht hier, aber so ist es mehr als in Ordnung; alles, was du tust, ist herrlich, Liebling." Er hob seine Hände und ließ die Finger an den Beinen entlang streicheln, auch wenn er statt der Baumwolle lieber die weiche Haut gespürt hätte.

"Mmh..." Phillipe gab einen kleinen Laut von sich, der fast wie ein Schnurren klang. "Macht nichts." Er beugte sich wieder vor und bedeckte Jeans Brust mit leichten, zarten Küsschen, streichelte ihn hier und da mit der Zunge und genoss den Geschmack seines Freundes, während er ihn weitermassierte.

Langsam wurde ihm jedoch bewusst, dass Jean beinahe nackt war, während er noch immer seinen Schlafanzug trug, was an sich kein wirkliches Problem war; nur verhinderte es erfolgreich, dass er Jeans streichelnden Hände direkt fühlen konnte.

Und das war etwas, auf das er eigentlich ungern verzichten wollte. Seine Griffe wurden wieder leichter, und er fuhr über Jeans Schultern, dann seine Oberarme und die Unterarme hinab, bis er sacht Jeans Finger umfassen konnte. Er führte sie weiter nach oben, unter das Oberteil und lächelte dann, als er die seidige Haut auf seiner spürte. "Ich liebe deine Hände", sagte er leise und wurde ein wenig rot. "Besonders auf mir..."

Wäre er nicht errötet, hätte es sich wie einer der sehr typischen Schlafzimmersprüche angehört, aber die glühenden Wangen zeigten Jean, wie ernsthaft Phillipe bei diesen Dingen war, wie schüchtern im Grunde sein Schatz sein konnte.

Ihn unter dem Shirt zu streicheln, war noch aufregender als direkt zu sehen, wo seine Hände hinfanden, es sah verbotener aus. Sachte umstreichelte er zuerst den Rücken und die schmale Taille, bis auf die Hüften hinunter, dann wendete er sich Phillipes Brust zu und setzte sich schließlich auf, um ihn erneut zu küssen, während er mit den Fingerspitzen auf dem Rücken der Wirbelsäule folgte, bis er an dem Hintern anlangte. Von dort strich er mit flachen Händen über Phillipes Pobacken, um ihn fester gegen sich zu ziehen.

"Du fasst dich wundervoll an, Chéri. Da bin ich froh, dass du meine Hände auf dir magst", murmelte er leise zwischen Küssen.

Mit einem kleinen Aufstöhnen schmiegte Phillipe sich an ihn und erwiderte die Küsse eine Weile, ehe er den Kopf an seine Schulter lehnte, während er seinerseits Jean unter dem Morgenmantel zu streicheln begann, über die Seiten und dann auf den Rücken, um vorsichtig tastend ebenfalls zu seinem Hintern zu wandern. Es weckte heißes Kribbeln in ihm, wie Jean ihn an sich drückte, dass er dessen Erregung an seinem Schoß spüren konnte, jedoch noch mit dem Hauch von Stoff dazwischen, der ihm dennoch allmählich zu viel wurde.

"Ich habe sie gleich von Anfang an gemocht", flüsterte er atemlos. "Schon, als du mir das erste Mal die Hand gereicht hast. Und dann, als wir getanzt haben, als sie auf meinem Rücken lag."

Jean drückte ihn noch einmal an sich, fasziniert von Phillipes Art, ihm einfach durch seine Erzählungen Komplimente zu machen, doch dann wendete er sich weitaus energischer der Aufgabe zu, seinen Schatz von dem Schlafanzug zu befreien. Am Ende der Aktion, die von einem kleinen, spaßhaften Kampf um das Vorrecht oben zu bleiben, begleitet wurde, hatte er Phillipe auf dem Bauch vor sich liegen und konnte in aller Seelenruhe seinen Rücken entlang küssen, um zu dem süßen Po zu kommen, den er schon oft genug mit Blicken berührt hatte.

Nun ließ er seine Finger den kleinen Falten am Übergang zu den Beinen nach innen folgen. Die hatten schon die Shorts am Vortag so neckisch gezeigt, wenn Phillipe sich vorgebeugt hatte, und er genoss es, dass er sein Licht dimmen konnte und so nicht ausschalten musste, um eine romantische Atmosphäre zu schaffen.

Erst jetzt stellte Phillipe fest, dass es Seidenbettwäsche war, die sich kühl und weich an seinen nackten Körper schmiegte und ihm den Eindruck von Luxus vermittelte. Sie bildete einen aufregenden Gegenpart zu Jeans Lippen und Fingern auf ihm, die ebenso weich, jedoch deutlich wärmer waren und zusätzlich Hitze in ihm schafften. Es war sehr angenehm, nahezu reglos zu liegen und sich von Jean verwöhnen zu lassen, und da er ihn nicht sah, schufen die Berührungen eine angespannte Erwartung in ihm, ein Sehnen nach der nächsten, ein Vermuten, wohin sein Liebling sich als nächstes wenden würde, manchmal erfüllt, manchmal nicht.

Phillipe nahm die Beine ein wenig auseinander, um ihm mehr Raum zu geben, damit er ihm wohl tun konnte, während die prickelnde Hitze weiter in ihm anstieg. Bald konnte er nicht mehr ruhig bleiben und begann, sich mit leisen Lauten unter den geschickten Händen zu bewegen.

Das dunkle Seidenbett und darin Phillipes hellen, schlanken Körper zu sehen, die überaus erotischen Bewegungen, mit denen sich Phillipe unter seinen Händen wand, war allein schon Luxus pur, aber dazu noch die kleinen Seufzer, das verhaltene Stöhnen zu hören, ging weit über die Wunschträume von Jean hinaus, und er fand, dass er sich wirklich mehr und mehr Mühe gab, diese Laute noch zu steigern.

Die hilflosen Gesten, die Phillipe machte, wenn er mit einer richtigen Berührung aufhörte, um eine andere zu versuchen, erzeugte eine ungeahnte Spannung in ihm. Im Geiste freute sich Jean bereits auf die Zukunft mit Phillipe, wenn dieser ihm vielleicht mehr vertraute und Lust auf noch ganz andere Spiele als ihr bislang vorsichtiges Kennenlernen haben mochte.

Als Phillipe merkte, dass er bald allein von diesen sanften Zärtlichkeiten und der Reibung auf dem Bett, die seine Bewegungen erzeugten, kommen würde, drehte er sich leicht, bis er Jeans Beine erreichte, und richtete sich halb auf. Er glühte am ganzen Körper, und es war schlicht unmöglich, dass Jean ebenso erregt war, da er ja die ganze Zeit nur ihn berührt hatte. Aber er wollte, dass sein Liebling es genauso schön fand, dass er sich auch derart verlor wie er.

Zart begann er, die Oberschenkel mit kleinen Küssen zu bedecken, strich mit der Zungenspitze über seine Hüftknochen und wanderte dann zum Unterbauch, während seine Hände sich zwischen Jeans Beine schoben und die empfindlichen Innenseiten streichelten. Es war aufregend, ihm so nahe zu sein, seine Wärme zu spüren und die Erektion, die immer wieder leicht seine Wange streifte, und für einen Augenblick überlegte er, ob es Jean wohl mögen würde, wenn er ihn mit dem Mund verwöhnte. Doch er konnte sich nicht dazu überwinden.

Jean war schon sehr erregt gewesen, als Phillipe mit seinen zaghaften Berührungen begann, alles noch zu verschlimmern. Fast sofort wünschte Jean sich, wieder mit ihm schlafen zu können, auch wenn er sich doch vorgenommen hatte, erst einmal nur an Phillipe zu denken. Er ließ seinen Geliebten dennoch zu, weil er das abwechselnde Genießen immer vorgezogen hatte. Er ließ ihn küssen, mit den Lippen und der Zunge streicheln und fragte sich zugleich, ob es Absicht war oder schiere Schüchternheit, dass Phillipe in seinen Zuwendungen zu dem Schoß stets auf einer Sicherheitsentfernung blieb.

/Vermutlich, wie ich ihn kenne, wagt er es nicht, weil er wirklich so naiv ist, wie er tut. Aber ich wage es! Wie mein kleiner Engel schmeckt, wollte ich schon den ganzen Tag über wissen./ Jean brachte Phillipe langsam dazu, sich auf den Rücken zu drehen und wehrte seine Hände nach und nach ab, während er ihn in eine weiter Knutscherei verwickelte, die eines Teenagers würdig gewesen wäre. Aber dieser Mund machte auch einfach nur süchtig danach.

Schließlich beschloss er, dass genug gespielt worden war und sie sich nun ernsthaft daran machen konnten zu lieben. Er umfasste Phillipes Handgelenke resolut, um ihn von sich abzuhalten, während er seine Lippen über den Bauch und die Beine streifen ließ. Ohne weitere Vorwarnung küsste er seinem Geliebten gleich darauf über die Erektion, bevor er sie in den Mund nahm und gleichzeitig seine Hände wieder los ließ. /Schmeckt so lecker und riecht so umwerfend... Wie ein Engel.../

Phillipe stöhnte überrascht auf, als Jean genau das tat, wobei es ihn andersrum eher schüttelte. Aber es fühlte sich wundervoll an, und binnen weniger Augenblicke war er ein dahingeschmolzenes Bündel erregender Gefühle, die in kleinen Explosionen durch seinen Körper zogen und ihm die Fähigkeit zu denken nahezu vollkommen zu nehmen schienen. Er wand sich unter ihm, hob ihm wieder und wieder die Hüfte entgegen, während er weiter und weiter nach oben getrieben wurde.

Wieder stand er kurz davor, ehe er merkte, dass es nicht das war, was er wirklich wollte. Schwer atmend tastete er nach Jean, vergrub die Hände in seinen Haaren und versuchte, ihn von sich wegzuschieben. "Bitte, Liebling... bitte, hör auf", flehte er atemlos, immer wieder von kleinen Lauten unterbrochen, die er nicht unterdrücken konnte. "Ich will... dich ganz spüren... nicht so..."

Jean hielt eher unwillig inne, aber gleich darauf wurde ihm klar, dass Phillipe ihn gerade darum bat, das zu tun, was er sich ohnehin wünschte. Mit seinem schönen Engel zu schlafen war es doch eigentlich, was Jean sich herbeigesehnt hatte. Er küsste den Weg über seinen Bauch wieder hinauf, bevor er leise erwiderte "Dein Wunsch ist mir natürlich zu jeder Zeit Befehl... vor allen Dingen, wenn du damit meine Träume erfüllst, mein Stern."

Und es war wirklich wieder traumhaft. Sie sahen sich an und küssten sich, bevor Phillipe, vermutlich schon durch Jeans Bemühungen zuvor viel zu weit gebracht, die Beherrschung verlor und sich stöhnend unter ihm zu winden begann, ihn damit antrieb. Obwohl die Leidenschaft siegte und sie sich weniger rücksichtsvoll dem Höhepunkt entgegen bewegten, hielt Jean sofort inne, als er spürte, dass Phillipe kam.

Es fiel ihm auch nicht schwer, denn seinen Schatz so zu sehen, hatte er sich schon am Abend zuvor gewünscht. Dort war es zu düster gewesen, und zudem war es das erste Mal. Er war von seinen eigenen Gefühlen zu abgelenkt gewesen. Doch nun konnte er sich an dem entrückten Ausdruck in dem leicht geröteten Gesicht seines Geliebten erfreuen, genau wie an dessen leisen Worten, die er zwischen keuchendem Atem zu sagen versuchte und zwischen den reichlichen Küssen, die sie tauschten. /Er wird mir morgen Vorwürfe machen, dass ich seine schönen Lippen ruiniere./

Doch dann öffnete Phillipe seine wunderschönen Augen und strahlte Jean durch schon wieder von Tränen verhangene Wimpern an. Wie ein Mann nur so unheimlich schön und zugleich dermaßen süß sein konnte, war Jean ein Rätsel. Leider machte dieser Blick ihn auch sprachlos, sonst hätte er seine Gefühle vielleicht in Worte fassen können. So konnte er nur den Blick erwidern und schweigen.

Es dauerte einen Moment, bis Phillipes Gedanken wieder soweit klar geworden waren, dass er begriff, dass zwar er gekommen war, sein Liebling jedoch nicht. Dass Jean trotzdem so ruhig abwartete, bis er wieder zu Atem gekommen war, ließ ihn vor Glück und Liebe beinahe erneut weinen. In Jeans hellen Augen konnte er die gleichen, überwältigenden Gefühle lesen, und Phillipe fand keine Worte, um auszudrücken, was er empfand. Stattdessen begann er, sich erneut gegen ihn zu drängen, um ihm ebenfalls die Erlösung zu bringen, und es brauchte nicht lange, bis Jean den Rhythmus aufnahm.

Versonnen beobachtete Phillipe ihn, spürte ihn in sich, während Jean sich nur noch für sich bewegte, hörte auf die Laute, die sein Freund von sich gab, bis auch dieser schließlich mit einem Aufstöhnen kam. Als Jean auf ihm zusammensackte, umfing er ihn mit den Armen und drückte ihn an sich, streichelte sacht den verschwitzten Rücken und bedeckte die Schulter, die er erreichen konnte, und die Wange mit zarten, kleinen Küssen. Eine Weile rührten sie sich nicht, genossen die Nähe, den Nachhall der geteilten Liebe, bis Jean sich schließlich von ihm rollte.

Phillipe bedauerte das ein bisschen, denn er mochte es gerne, Jean anschließend noch auf sich zu spüren, aber der andere Mann war zu schwer, um länger so zu verweilen. Doch nachdem sie sich abgewischt hatten, blieben sie noch lange beieinander liegen, hielten sich im Arm und sahen sich einfach an, küssten sich zärtlich, um sich dann wieder anzusehen. Und obwohl Phillipe vorgehabt hatte, eigentlich noch einmal duschen zu gehen, driftete er eng an Jean geschmiegt irgendwann in den Schlaf.


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