Torhüter

14.

Es überraschte Paul, dass er spüren konnte, wie Mateo sich entspannte. Er hatte nicht gemerkt, dass sein Schatz so verkrampft gewesen war. /Du musst vorsichtig und langsam sein/, wiederholte er stumm. /Nicht überrumpeln. Und wenn er abbricht, weil er Angst bekommt, ist das okay./

Die Gedanken machten das Zusammensein mit Mateo auf der einen Seite ein wenig einfacher, da sie ihn sich nicht in Erregung verlieren ließen, auf der anderen Seite jedoch gleichzeitig schwerer, da er immer wieder überlegte, ob er nicht zu weit ging. Dennoch überwog eindeutig die Freude, ihm nahe sein zu dürfen und das Glück, dass er ihm genug vertraute, um überhaupt so weit zu gehen.

Vorsichtig tastete er sich weiter vor, küsste wieder die Schlüsselbeine, knabberte sacht daran und fuhr mit der Zunge die empfindliche Haut über dem Brustbein nach. Dann ließ er von Mateos Brust ab, um sich stattdessen mit Lippen und Zähnen den Händen, seinen Handgelenken und der weichen Haut auf der Innenseite der Arme zu widmen.

Als er keinen Widerstand spürte, sah er auf. Mateo hatte die Augen geschlossen und schien sich ganz ihm hinzugeben. Sein Gesicht war gerötet, und durch die leicht geöffneten Lippen konnte Paul die ebenmäßigen Zähne sehen, die er eben noch ertastet hatte. Mit dem halb von den Schultern gerutschten Oberteil, das ein Stück der glatten Brust entblößte, war sein Freund ein unendlich erotischer Anblick. /Vielleicht auch gerade, weil ich nicht weiß, wie weit ich noch gehen darf. Das macht es um so kostbarer./

Er kehrte zu der nackten Brust zurück und öffnete einen weiteren Knopf, um die Brustwarzen erreichen zu können. Nach einem weiteren Blick in das noch immer entspannte Gesicht seines Geliebten begann er, feuchte Kreise um sie zu ziehen, abwechselnd von einer zu der anderen übergehend, sich ihnen nur langsam nähernd.

Die Erlebnisse, die Mateo verarbeiten musste, wurden von Moment zu Moment intensiver. Er öffnete seinen Mund, um ihn jedoch wortlos wieder zu schließen, nur um einen Augenblick später nach Luft zu schnappen, als Paul sich seiner Brust zuwandte. Dass seine Finger sensibel waren, dass er es gern hatte, auf die Hand geküsst zu werden, wusste Paul schon und hatte dieses Wissen auch einige Male eingesetzt. Doch wie sensibel seine Brustwarzen auf die Berührung reagierten, wenn Pauls Zunge daran entlang strich und erst auf den darauffolgenden kleinen kühlen Schauer, wenn sein Atem darüber hauchte, überraschte Mateo. Mit einem leisen Japser streckte er sich noch mehr, seine Finger verstärkten den Griff in den Stoff von Pauls Ärmel, ohne das er es merkte.

Langsam knöpfte Paul das Oberteil ganz auf und bedeckte jede freigelegte Stelle mit Zärtlichkeiten. Es gelang ihm, es Mateo gänzlich auszuziehen, ohne diesen zu Atem kommen zu lassen. Rasch entledigte er sich auch seines Pyjamahemdes, um sich dann wieder lang neben Mateo auszustrecken. Als sich ihre nackte Haut berührte, stöhnte er leise auf. Er fing die Lippen seines Freundes zu einem erneuten Kuss, der nicht mehr so sanft und leicht war, sondern leidenschaftlicher, fordernder wurde, während er mit einer Hand über den Rücken streichelte und sich nun auch tiefer wagte, über Mateos Hintern strich, ohne dort jedoch länger zu verweilen.

Mateo brauchte einige Augenblicke, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Haut an Haut zu liegen, die Wärme und das Leben des anderen so direkt zu spüren, war gänzlich neu für ihn. Er stellte fest, dass es herrlich war und er nie wieder allein im Bett sein wollte, um dieses Gefühl nicht mehr vermissen zu müssen. Eine Hand strich leicht und nicht störend, sondern eher wie neugierig fragend über seinen Hintern, während sein Mund von Pauls Lippen eindringlicher in Beschlag genommen wurde.

Mateo drängte sich als Antwort dichter an den Körper seines Geliebten heran und hielt ihn mit einem Arm an sich gepresst, während er mit den Lippen sein Gesicht und den Hals entlang tastete, jedoch nicht fähig, wirklich gezielt zu berühren.

Eine Weile ließ Paul sich Zeit, obwohl es anstrengend war, Mateo nur durch die Schlafanzughose streicheln zu dürfen. Immer wieder kehrte er zu dem nackten Oberkörper zurück, um seine weiche Haut an Bauch, Rücken, den Seiten zu berühren, nach der er süchtig war.

Sein Körper brannte, er wollte mehr, wollte seinen Freund enger spüren, ohne Stoff. Jede fahrige Liebkosung von Mateo erhitzte das Feuer in ihm weiter, jagte prickelnde Schauer durch ihn hindurch, trotz der Unerfahrenheit seines Geliebten. Vielleicht war es auch gerade die scheue Ungewissheit, mit der Mateo seine Gesten erwiderte, die ihn so verrückt machte. Schließlich gab er auf.

Langsam, um ihn nicht zu erschrecken, zog er ihm die Hose aus, ohne jedoch damit innezuhalten, ihn zu verwöhnen und zu umwerben. Dann gab er ihm Ruhe, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, indem er ihn wieder nur hielt und küsste, ihn aber nicht unterhalb der Hüfte anfasste, selbst wenn er es noch so gerne gewollt hätte.

/Ich bin nackt und er nicht. Stört mich das?/ Zaghaft hakte Mateo seine Finger in den Bund von Pauls Hose, zuckte zurück, nur um den Kopf zu heben, um einen fragenden Blick in das Gesicht seines Geliebten zu erhaschen. /Will ich das überhaupt? Nur ich bin nackt, aber ich kann ihm vertrauen. Ich will, dass er mich anfasst, dass er mir zeigt, wie gut es sich anfühlt. Das wird es doch auch, oder? Es wird gut sein, wie kann es mit ihm anders werden? Da braucht er sich nicht auch ausziehen, so ist es fast sicherer, nicht zuviel auf einmal./

Mutiger als zuvor legte Mateo seine Handfläche auf Pauls Taille und strich tastend zu den Rippenansätzen hinauf, wo sich die Ansätze der Brustmuskeln abzeichneten, die er mit den Fingerspitzen erkundete. Mit einem Lächeln ließ er sich auf den Rücken sinken, während er mit der Hand zu Pauls Hüfte strich, wo er ihn ein wenig in seine Richtung zog. Eben gerade nur, mehr ein kleines Zeichen als eine Aufforderung.

Paul folgte der Geste dennoch, war es doch genau das, was er jetzt wollte, auf seinem Freund zu liegen, ihn mit dem gesamten Körper zu spüren, seine Hitze, seine Erregung. Zwar begann seine eigene Hose ihn mittlerweile wirklich zu stören, doch für den Moment ignorierte er sie noch, während er Mateos Gesicht, Hals und Schultern mit Küssen bedeckte und mit den Händen kräftig seine Seiten entlang strich, über die Hüften, dann zu seinem Hintern, um ihn zu umfassen.

Erst als er sich gegen ihn zu bewegen begann, wurde ihm das volle Ausmaß des störenden Stoffes bewusst. Er wollte das nicht, wollte Mateo näher, intensiver haben. Er sah auf und in Mateos gerötetes, mit feinem Schweiß bedecktes Gesicht, das so voller Vertrauen und ohne Angst war. Mit einem Lächeln küsste er ihn erneut, dann rollte er sich von ihm, um sich hektisch die Hose auszuziehen. Als er sich wieder an ihn schmiegte und ein Bein zwischen Mateos schob, betete er, dass es ihn nicht verschrecken würde.

Mateo keuchte leise und konnte seine Bewegungen gegen Paul nicht mehr zurückhalten. Die Hitzeschauer, die seinen Körper erfassten, als sein Schoß gegen das Bein und die Hüfte seines Geliebten gedrängt wurde, waren einfach zuviel, um noch Bedenken zu zu lassen. Um nicht aufzustöhnen, presste er sein Gesicht gegen Pauls Schulter, und seine Finger verkrampften sich in das Laken, während er auf die Bewegungen einging, die ihm vorgegeben wurden.

Die erstickten Laute, der wundervolle Körper, der sich ihm vollkommen hingab, der warme Atem, der ihn streifte, die deutliche Erregung, die gegen ihn gepresst wurde, all das ließ Paul jede Sorge vergessen. Mateo wollte ihn genauso wie Paul ihn. Paul schob sich gänzlich auf ihn, bis er seinen Schoß gegen den seines Geliebten reiben konnte, und stöhnte auf, als die Hitze zwischen ihnen noch um ein Vielfaches anzusteigen schien.

Seine Hände glitten unter Mateos Hintern, umfassten ihn und drückten ihn fester an sich, als könnten sie so miteinander verschmelzen. Atemlos flüsterte er Kosenamen, während er das Tempo zu steigern begann. Er konnte sich nicht mehr beherrschen und wollte es auch gar nicht. Für ihn gab es kein Zurück.

Doch erst, als er spürte, wie sich Mateo unter ihm aufbäumte, wie er sich fast schon verzweifelt an ihn klammerte, um einen Aufschrei zu unterdrücken, ließ er sich vollkommen fallen. Für endlose Augenblicke ging seine Welt in einem Sturm an Gefühlen unter, bis er schließlich erschöpft auf seinem Freund zusammensackte.

Einige schwere Atemzüge lang blieb er liegen, ehe er sich von ihm rollte, ihn jedoch mit und auf sich zog, um ihn zu entlasten, ohne die Nähe zu verlieren. Mit einem Arm hielt er ihn fest an sich gedrückt, mit der anderen Hand streichelte er sacht und gleichmäßig über den schweißnassen Rücken seines Geliebten.

Mateo fühlte sich zufrieden und zugleich schwer auf eine angenehme Art, als würde er in die Unterlage einsinken. Verspätet, nachdem er sich leise seufzend angeschmiegt hatte, spürte Mateo, dass eben der angenehm warme Stoff unter ihm Pauls Haut war. Nach und nach kehrte er in die reale Welt zurück und versuchte sich zu erinnern, was in welcher Reihenfolge soeben mit ihm passiert war. Endlich wurde er wach genug, um alles wieder zu wissen und begann sofort damit, sich zu schämen.

Paul streichelte ihn, wartete nicht einfach nur ab, was er sagen würde, sondern zeigte ihm gleich, dass er Mateo noch immer gern hatte. /War es denn gut? Was war überhaupt?/ Verwirrt rief Mateo sich in Erinnerung, wie Paul ihn gegen sich gezogen hatte, wie sie sich immer härter und gar nicht mehr so zärtlich und zurückhaltend gegeneinander bewegt hatten. Und ihm fielen wieder die Worte ein, die sein Geliebter in sein Ohr... ja, gestöhnt hatte, war wohl die richtige Bezeichnung.

Unsicher hob Mateo den Kopf und betrachtete Pauls Gesicht. Nun wirkte er friedlich, ein wenig schien er immer zu lächeln, so auch jetzt, aber nichts von der Leidenschaft war ihm noch anzusehen. Nichts von dem Feuer, dass er mit jeder Bewegung, mit jedem Laut und Kosewort auf Mateo übertragen hatte. /Hab ich ihn auch so anstecken können wie er mich? War es... gut? Ich muss nachdenken... erst mal nachdenken./

Er hielt die Nähe, die klebrige Feuchtigkeit zwischen ihnen nicht mehr aus, stemmte sich mit den Händen gegen die Matratze und entkam Paul ohne ein Wort ins Bad, auch wenn er die Tür nicht schloss, sondern nur anlehnte, um ihn nicht vollkommen auszuschließen.

Mateo starrte in den Spiegel, sein Gesicht war gerötet und feuchtglänzend. Seinen Lippen sah man an, dass Paul nicht nur zart geküsst hatte, sondern auch recht rücksichtslos gebissen. Selbst wenn Mateo es in dem Moment nicht gemerkt hatte, so spürte er nun, als er kühles Wasser gegen sein Gesicht schöpfte, wie die empfindliche Haut prickelte, als hätte er sich gerade nicht allzu vorsichtig rasiert.

Er zischte leise und ließ sich nackt, wie er war, auf dem Badewannenrand nieder, drehte die beiden altmodischen Hähne auf, prüfte die Temperatur, gab Öle in die Wanne, noch bevor er bemerkte, dass sein Körper beschlossen hatte, dass ein Bad nach solch einer Erfahrung das beste sein würde.

Paul blieb liegen, wie er war, und sah zur Decke empor. Im Zimmer war es warm genug, um jeden Menschen mit Ausnahme von Mateo nicht frieren zu lassen, während der Schweiß trocknete. Wohlige Erfüllung hüllte ihn ein, die nur noch dadurch perfekter gewesen wäre, wenn Mateo nicht aufgestanden und gegangen wäre. Ohne auch nur ein Wort. Sein Lächeln verschwand. /Hat es ihm nicht gefallen? War es für ihn nicht schön genug? Fühlt er sich jetzt schmutzig? Habe ich ihn doch überrumpelt, obwohl ich versucht habe, mir Zeit zu lassen?/ Energisch verdrängte er die unsichere kleine Stimme.

/Unfug. Aber es war sein erstes Mal. Er hat sich mir... er hat sich mir vollkommen geöffnet, war gar nicht mehr zurückhaltend und schüchtern./ Ein wonniger Ausdruck zog über Pauls Gesicht, als er sich an die Laute erinnerte, die Mateo von sich gegeben hatte, daran, wie intensiv es gewesen war, wie energisch sich sein Liebster gegen ihn bewegt hatte. /Es war wohl mehr Nähe, als er jemals in seinem Leben erfahren hat. Er braucht Abstand, ein paar Minuten für sich. So ist er nun einmal, mein Liebling./

Paul ließ ihm Zeit, während die angenehme Schwere langsam aus ihm wich. Schließlich stand er auf und zog die Vorhänge zu, dann schüttelte er das Bett neu auf. Sein Blick fiel auf die Reste des Tees, doch er entschied sich, dass er lieber noch eine Weile Mateos Geschmack behalten wollte.

Vorsichtig klopfte er an die nur angelehnte Tür zum Bad. Mit Mateo im Arm wäre er auch gerne noch einen Ewigkeit im Bett geblieben, auch bis zum nächsten Morgen, doch so fühlte er sich nun selber klebrig. "Kann ich reinkommen?"

Mateo schlang sich rasch ein Handtuch um die Hüften. "Sicher, sicher. Soll ich eben... rausgehen?" Er fühlte sich nicht nackt mit Paul, das überraschte ihn. Für gewöhnlich mochte er es nicht einmal, wenn ihn jemand mit bloßen Füßen erwischte, wie manchmal der Paketbote an einem Samstag, doch mit Paul fühlte er sich nicht einmal bei dem Gedanken, vollkommen unbekleidet zu bleiben, schlecht.

Paul öffnete die Tür und lächelte ihn an. "Nein, musst du nicht. Ich wollte nur duschen. Aber da du dir gerade Wasser einlässt, werde ich damit noch warten." Er haschte nach Mateos Gesicht und drückte ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Wange. Ein wenig Reue spielte in seiner Miene, als er die leicht geschwollenen Lippen sah. "Oh je, tut mir leid, das war ich wohl etwas zu leidenschaftlich."

Mateo lächelte und begegnete dem Blick in seine Augen ein wenig kurzsichtig. "Nein, warst du nicht", widersprach er fest. Hastig stellte er das Wasser ab, legte das Handtuch auf den Hocker neben der Wanne und kletterte vorsichtig in das schon recht heiße Wasser. Alles war leicht mit einem Mal, er fühlte sich, als brauchte er sich nicht verstecken, und er wusste mit einer ihn überraschenden Sicherheit, dass er es nie wieder wollte. "Wenn es dir nichts ausmacht zu baden... ich bin gleich fertig."

"Hetz dich nur nicht." Paul hockte sich neben die Wanne und stützte sich mit den Unterarmen auf dem Rand, legte das Kinn auf die Hände. "Wenn du magst, seife ich dir gleich den Rücken ein." Er grinste und zwinkerte ihm zu. "Ganz harmlos, wirklich nur einseifen."

Obwohl er es genoss, von Paul mit Seife und Wasser mehr gestreichelt als gewaschen zu werden, wollte Mateo doch sehr bald wieder aus der Wanne. Er tauchte unter und wusch sich die Haare, bevor er die Wanne freigab.

Er schaffte es, schnell genug angezogen und im Bett zu sein, um sich die Brille aufzusetzen, bevor Paul in den Raum kam. Sein Freund war nackt ebenso schlank und elegant, wie er angezogen schon wirkte. Seine langen Beine wurden von dem kleinen Handtuch eher noch betont, und Mateo beneidete ihn um die Proportionen, das kräftige Kreuz zu den schmalen Hüften und seinen zarten Gliedern.

Doch als Paul an das Bett trat, um seinen Schlafanzug aufzunehmen, schlug Mateo die Augen nieder und legte seine Brille auf den Nachttisch. Die Wärme, die der Sex in ihm hinterlassen hatte, kühlte allmählich aus, seine Schüchternheit kehrte zurück. Mateo blieben lediglich die Gewissheit, dass der Sex etwas zwischen ihnen geändert hatte, und in dem Moment, in dem er Pauls muskulösen Körper betrachtet hatte, war Mateo klar geworden, was es war.

Erleichtert kuschelte Mateo sich in seine Decke. /Davor hattest du die ganze Zeit Angst, nicht wahr? Nun ist es offiziell. Du liebst Männer, nicht nur mit deinen Gedanken und den Augen, auch mit deinem Fleisch und Blut, wie es in diesen alten Geschichten so schön heißt. Du magst es, wenn der Körper neben deinem kräftig und hart ist, maskulin./

Er schloss die Augen, versuchte, sich an das Lieben zu erinnern, auch wenn alles sehr verwischt war. /Und du magst es, wenn dein Liebhaber entschlossen ist, dir Entscheidungen abnimmt. Merkwürdig, was ich im Leben sonst verabscheue, dieses unterlegen sein, beschützt und gleichzeitig angegriffen werden, mochte ich an Paul eben gerade besonders./

"Gute Nacht." Paul sah zu seinem Schatz hinüber und sehnte sich bereits jetzt wieder nach dessen Nähe. Oder vielleicht auch gerade jetzt besonders, wo sie sich so nah gewesen waren. Er schaltete das Licht aus und rutschte dann entschlossen zu ihm, um einen Arm um ihn zu legen.

"Guten Nacht." Mateo drehte sich mit dem Rücken zu Paul und ließ sich dichter ziehen, bis ihre Körper sich berührte. Obwohl er sein ganzes Leben allein geschlafen hatte, konnte er sich nun vorstellen, dass er von diesem Tag an für das restliche Leben nur noch in Pauls Umarmung einschlafen wollte. /Das hieße, es übertreiben, oder?/ Er driftete in einen trägen Glückszustand, der nach und nach zu tiefem Schlaf wurde.

Paul war sich sicher, dass er sich seit Ewigkeiten nicht mehr so wunderbar gefühlt hatte. Seinen Geliebten zu halten, seinen Duft zu riechen, seine Wärme zu spüren, seinen Atem zu hören, war wie ein lang vermisster Traum. Ruhe und Frieden flossen in einem gleichmäßigen Strom durch ihn hindurch, wuschen Ängste beiseite und ließen Narben blasser werden. /Womit habe ich einen Engel wie dich nur verdient?/, dachte er schläfrig, als er Mateos Nacken leicht mit den Lippen berührte.

Doch unvermittelt schlich sich ein anderer Gedanke zu ihm und weckte ihn vollkommen wieder auf, als ein kühler Schauer seinen Rücken hinabrann. /Verdammt! Das gibt Probleme. Wieso nur habe ich das nicht früher in Betracht gezogen?/

Paul erwachte vor Mateo. Die Sorge vom Vorabend hatte ihn nicht verlassen, doch er hatte sie in den Hinterkopf verdrängt, da es dafür im Moment ohnehin keine Lösung zu geben schien. Er würde aus dem Gefühl heraus entscheiden müssen. Er richtete sich halb auf und stützte sich auf dem Ellbogen ab. Lächelnd blickte er auf seinen zerzausten Geliebten. /Ich will dich nie wieder gehen lassen./

Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, küsste er Mateos Mundwinkel, dann stand er leise auf, um zu duschen. Das Bad war nicht so groß, dass man zu zweit bequem die morgendlichen Dinge verrichten konnte, zudem wusste er zu Genüge, dass sein Schatz morgens als erstes gerne Ruhe hatte. Dennoch kam er frisch und sauber wieder zu ihm ins Bett, um ihn erneut in den Arm zu nehmen, seine Nähe zu genießen und ihm beim Aufwachen zuzusehen.

Mateo spürte Paul noch, bevor er so richtig wach war. Es war herrlich, auch wenn er seinen Morgensprecher vermisste. Als nächstes erschnupperte er, dass sein Freund sich rasiert haben musste, er roch nach dem leichten Aftershave, das Mateo so süchtig gemacht hatte in den letzten Tagen. "Hm... erzähl mir etwas, damit ich wach werde, bitte." Groggy schob er sein Gesicht gegen Pauls Brust und wartete auf den herrlichen Schauer in seinem Bauch, den die Samtstimme seines Freundes immer hervorrief.

Paul lachte leise und zauste ihm das Haar, kraulte sanft seinen Nacken, während er den Mund dichter an das Ohr seines Geliebten heranbrachte. "Hm, ich liebe dich, du bist ein wundervoller Mann. Ich bin glücklich, dass ich dich gefunden habe. Dein vom Schlaf geknautschtes Gesicht mit den zerwühlten Haaren ist so hinreißend, dass ich dich jeden Morgen aufwachen sehen will. Ich liebe deine kleinen Ohren und deine schönen Augen, ich liebe es, dir das sagen zu dürfen, ich liebe, wie du riechst."

Er setzte die Aufzählung noch eine ganze Zeitlang fort und kam schließlich zu der Erkenntnis, dass er seinen Vorsatz unmöglich durchführen konnte, jedes Detail, was seinen Liebling so einzigartig machte, aufzuzählen. Es war einfach zu viel. Deswegen küsste er Mateo schließlich, seufzte leise und zufrieden.

Mateo hörte gar nicht so richtig zu, es war auch unwichtig, was er erzählt bekam, solange es von einer so herrlichen Stimme vorgetragen wurde. Nach und nach wachte er auf und wehrte Pauls Hände ab, die seine Haare wuschelten, was er nie gemocht hatte. Er streckte sich und murmelte ein leises "Danke", bevor er sich ins Bad flüchtete zum Rasieren und Gesicht waschen und menschlich werden.

Mateo frühstückte, während Paul auscheckte und den Wagen schon einmal belud, um sich dann auf eine Tasse Tee zu ihm zu setzen. Noch einmal rief Mateo bei Theo an, um sich zu bedanken für den netten Nachmittag und den Stein. In dem sehr langen Telefonat erzählte der Wissenschaftler Mateo eifrig, dass er sich noch einmal erinnert hatte und ihm die Liste aller Mitglieder der Expedition zuschicken würde, damit sie die verbleibenden Steinstücke finden konnten.

Mehr als zufrieden fuhr Mateo mit Paul nach Hause und merkte vor Aufregung um all die neuen Erkenntnisse nicht einmal, wie müde er war. Als sie mit ihren Taschen die Treppen erklommen, begann in Mateo jedoch erneut diese Unsicherheit. /Wie viel will er denn mit mir zusammen sein? Will er, dass wir jede Nacht miteinander verbringen? Will ich das denn überhaupt? Na ja, in meinem Bett geht das nicht, zu eng. Was hat er für ein Bett? Mateo! Hör auf so zu denken. Erst mal geht jeder brav in sein eigenes Zimmer! Außerdem hast du einen kleinen Kater, der auch mal was von dir haben möchte./

Vor seiner Wohnungstür verabschiedete er Paul deswegen fest und küsste ihn nur kurz, um sich dann entschlossen seiner Tür zuzuwenden, ohne das Angebot einer weiteren gemeinsamen Nacht zu machen. /Ich muss morgen arbeiten. Besser für mich ist es auf jeden Fall./

Paul grinste. "Wann immer du dich danach fühlst oder Sehnsucht nach mir hast, komm ruhig rüber. Du kannst dir sicher sein, du kommst nie ungelegen. Denn meine Sehnsucht nach dir wird einsetzen, sobald du aus meinem Blick verschwunden bist." Er lachte. "Aber ich sehe ein, dass du deinen Kater begrüßen musst. Und ein wenig Wäsche wegräumen."

Rasch küsste er ihn noch einmal auf den Nacken und war dann auch schon in seiner Wohnung verschwunden, ehe Mateo auch nur den Schlüssel ins Schloss gesteckt hatte. Natürlich war Flaco das erste, was Mateo anfiel, sobald er die Tür geöffnet hatte. Auch wenn er dieses Mal nicht so lang fort gewesen war, strich der Kater doch schnurrend und nach Aufmerksamkeit bettelnd um seine Beine, kaum dass Mateo eingetreten war.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh