Torhüter

19.

In den nächsten Tagen lernte Mateo einige Dinge über Paul er nannte ihn weiterhin Paul, auch wenn sein Freund und Wächter sich nicht oft in seiner anderen Form zu zeigen wagte und über die geheimnisvolle andere Welt. Sie buchten eine Reise zu der Vulkaninsel, auf der seine Mutter und ihre wissenschaftliche Gruppe die Ausgrabungen geleitet hatten. Im Laufe der Jahre war dort ein Clubhotel entstanden, in dem sich vornehmlich Taucher und frisch Vermählte einschrieben.

Mateo musste in der Zeit bis zu ihrem Abflug täglich mehrere Hitzeattacken über sich ergehen lassen. Jedes Mal brach er zusammen, sie kamen ihm auch stetig schlimmer vor. Einige Male verlor er sogar das Bewusstsein. Zu frieren schien er von Tag zu Tag weniger, was ihn zwar nicht störte, aber schon verwunderte. /Ob Paul mich beschütze, ob er sie fernhält von mir?/

Neben seinen Nachforschungen nach dem sechsten Teil des Puzzles beschäftigte Mateo jedoch noch eine andere Frage, die er sich selber stellte, die er Flaco sicherlich ebenso gestellt hätte, aber Paul gegenüber nicht zu erwähnen wagte.

Erst, als sie auf der wunderschönen Insel einflogen, in deren Mitte der Vulkankrater sich erhob, beschloss er, dass ein solcher farbenfroher Cocktail, wie es in der Hotelbar sicherlich gab, die beste Basis für sein Anliegen war. Die Insel war von Vulkangestein bedeckt, das schwarz war und keine guten Badestrände bildete, da sich der schwarze Stein sehr stark aufheizte. An den Hotelstränden hatte man daher Korallensand von Nachbarinseln angefahren, der unnatürlich aussah und Mateo störte.

Er warf einen Blick auf Paul, der in Jeans und T-Shirt genauso aussah wie jeder andere Mann, attraktiver bestimmt, aber nicht anders. /Du versteckst dein wahres Gesicht, genau wie die Insulaner das wahre Gesicht mit Sand zudecken. Wie kann ich dir denn begreiflich machen, wie wunderschön ich dich finde? Ich werde die Worte niemals richtig sagen können. Wie kann ich mein Begehren nur... Hör auf, Mateo! Du wirst ja schon wieder rot!/

Ein Rezeptionsangestellter schloss den kleinen Bungalow recht weit von all den anderen entfernt auf und erklärte das System, nach dem man sich zur Tauchschule anmelden konnte, ungefragt in akzentfreiem Englisch. Mateo lauschte höflich, mochte ihn nicht unterbrechen, aber suchte Paul mit Blicken um eine Rettung an.

Paul lachte stumm, als er auf Mateos stille Bitte einging und dem Mann ebenso höflich erklärte, dass er den Tauchschein bereits besaß, dass der Service hier wirklich ausgezeichnet sei und dass sie jetzt ein wenig Ruhe haben wollten, um sich von dem langen Flug zu erholen.

Als der Mann den Bungalow verlassen hatte und sie endlich allein und ungestört waren, grinste Paul breit und zwinkerte Mateo schelmisch zu. "Nun, bewähre ich mich als dein Wächter? Habe ich dich eindrucksvoll genug gerettet?"

Mateo lächelte und nickte wild zur Bestätigung. "Das hast du wirklich gut gemacht. Ich will mich nur schnell..." Weiter kam er nicht. Die Hitzewelle aus seinem Inneren verwandelte ihn selber in einen Vulkan, keuchend brach er zusammen, versuchte sich noch abzufangen, aber stürzte vor dem Bett auf den Steinfußboden hin und verlor das Bewusstsein.

"Mateo!" Mit einem Satz war Paul bei seinem Freund, doch zu langsam, um ihn aufzufangen. /Himmel, das wird von Mal zu Mal schlimmer! Irgendwann verletzt er sich ernsthaft bei so einem Sturz!/

Aber das war nicht die einzige Sorge, die ihn quälte, als er seinen Geliebten hochhob und behutsam auf das Bett legte. /So oft, wie er Anfälle bekommt, so heftig, wie sie mittlerweile sind... Es können kaum noch Torhüter übrig sein. Wieso finden sie den Mörder nicht endlich? Warum sind wir überhaupt immer noch allein, um sie zu schützen? Es müsste mittlerweile ein derartiger Notstand ausgebrochen sein, dass keine Rücksicht mehr darauf genommen werden kann, ob die Torhüter von ihren Wächtern etwas mitbekommen oder nicht. Warum geben sie sich nicht mehr Mühe? Schläft der Rat? Verkennt er den Ernst der Lage? Verdammt noch mal!/

Er hätte einiges darum gegeben, die Ratsmitglieder aufsuchen zu können, um mit ihnen zu sprechen. Doch er wagte es nicht mehr, Mateo auch nur für eine halbe Stunde allein zu lassen. Selbst wenn er in ihm ein Tor direkt vor sich hatte, wollte er noch nicht einmal riskieren, es zu benutzen, um wenigstens die neusten Meldungen aus seiner Heimat zu hören, obwohl er es hasste, von allem abgeschnitten zu sein.

Er ging ins Bad, füllte eine Schale mit kaltem Wasser und warf einen Lappen hinein. In der Küche gab er eine Hand voll Eiswürfel dazu und kehrte dann zu seinem Geliebten zurück. Er zog ihm die schweißnasse Kleidung aus, ehe er ihn mit dem Eiswasser das Gesicht abwusch. "Mateo, Liebling, wach auf."

Stöhnend kam Mateo zu sich und sah zuerst gleich in Pauls besorgtes Gesicht. Er hob eine zitternde Hand an seine Wange und lächelte müde. "Hallo. Da bin ich wieder."

Er brauchte bei diesem Anfall erstaunlich lange, um sich zu regenerieren, und es war schon dunkel, die Musik aus der offenen Hotelbar am Pool wurde vom Meereswind zu ihnen getragen, als er sich wieder vollkommen gut fühlte.

Er hatte versucht, sich schön zu machen für Paul. Ein weißes Hemd, das er locker über einer Jeans trug und bei dem er die obersten Knöpfe offen ließ, war schon sehr mutig für seine Verhältnisse. Dazu gab er sich mit seinen Haaren, mit seinem Gesicht, mit den Augenbrauen sehr viel Mühe. Schließlich schlug er Paul vor, einen Cocktail an der Bar trinken zu gehen und lächelte über das Erstaunen in den Augen seines Freundes, da Mateo zuvor nie ausgegangen war.

Paul war überrascht. Einerseits von dem Vorschlag, andererseits von der schlichten Tatsache, dass sein Geliebter irgendwie anders wirkte als sonst. Als hätte er einen Schalter gefunden, um sein Charisma hochzudrehen. Offener, mit blitzenden, braunen Augen, die gerade sehr amüsiert wirkten, und seinen süßen Grübchen, die sich just in dem Moment noch vertieften.

"Ja, gerne. Aber wenn du mich so ansiehst, was könnte ich auch anderes sagen?" Er lachte leise, beugte sich vor, um seinen Schatz auf die Wange zu küssen und hielt sich im letzten Moment davon ab, ihm durch die Haare zu zausen. "Du bist wunderschön. Warte, ich ziehe mich gerade noch um, sonst muss ich mich neben dir ja schämen."

Rasch verschwand er im Bad, um zu duschen, sprang dann nackt durch die Wohnung ins Schlafzimmer und kam nur wenig später fertig wieder zu Mateo zurück. Zu seiner üblichen, hellen Bluejeans trug er weiße Stoffschuhe und ein enges, weißes Oberteil. Er hatte sich die Haare im Nacken zusammengebunden, wie Dennis es fast immer getan hatte, um der Hitze, die hier herrschte, ein wenig entgegen zu wirken.

"Okay, ich bin bereit." Er lächelte Mateo zu, verneigte sich übertrieben vor ihm und bot ihm dann den Arm an. "Darf ich?"

Mateo nahm statt des Armes seine Hand und zog ihn aufgeregt daran in Richtung des Pools, der von kleinen Terrassen umgeben war, die mit Fackeln beleuchtet wurden. Auf einem Plateau spielte eine karibische Band, die zwar passend zum Urlaub war, aber deren Musik Mateo zu laut für eine Unterhaltung erschien. Sie fanden einen kleinen, etwas abgelegenen Tisch, und ein Kellner versorgte sie recht bald mit zwei Cocktails in ausgehöhlten Melonen.

Mateos Blicke glitten über die Paare und Gruppen, die bereits zu dieser Stunde angeheitert um die Tische versammelt saßen. Einige hatten noch Reste des Abendessens vor sich stehen, aber nicht einmal die Erinnerung daran, dass er schon etliche Stunden nichts gegessen hatte, ließ ihn Hunger fühlen. Sie schwiegen ihr gemütliches Schweigen, und Mateo trank sein Getränk aus, um es verstohlen mit dem von Paul auszutauschen.

Erst, als er einige Schlucke von Pauls Cocktail getrunken hatte, machte die Band endlich eine Pause, und Mateo bekam die Gelegenheit, etwas zu erzählen. "Ich habe in den letzten Tagen herausgefunden, dass der sechste Stein hier auf der Insel sein muss. Vermutlich in einem Museum. Wollen wir uns vielleicht morgen so einen Jeep mieten und mal zur Stadt auf die andere Seite rüberfahren?" An seinem Strohhalm saugend sah er seinem Freund ins Gesicht.

Paul lachte. Er langte über den Tisch, um seine Hand kurz über Mateos zu legen und ihn rasch zu streicheln, ehe er sie wieder zurückzog, den Blick jedoch nicht von Mateos Augen nehmend. "Du liebst es, Dinge herauszufinden, zu schweigen und mich dann in einem geeigneten Moment damit zu überrumpeln. Ja, gerne. Ich bin wirklich gespannt, was dieser Kompass macht, wenn er fertig ist." Er seufzte leise. "Vielleicht hilft er ja irgendwie in dieser jetzigen Krise. Erschafft ein stabiles Tor oder zeigt den Weg zu einem stabilen Tor oder etwas in der Art."

Mateo war ein wenig zusammengezuckt, als Paul das 'Verschweigen' ansprach, aber er lächelte dazu nur, auch wenn gerade der Gebrauch des fertigen Kompass ihm klarer und klarer wurde. Statt dazu etwas zu sagen, warf er einen kleinen Blick auf die anderen Tische und die Band, die sich erneut auf das Plateau begab, dann lehnte er sich vor und fragte leise "Wollen wir vielleicht ein wenig an den Strand gehen? Ich meine hinten raus, wo die Felsen so sind, wie es für die Insel richtig ist?"

Paul lächelte, nickte nur und griff nach Mateos Hand, während sie wegschlenderten. Kaum, dass sie die anderen Gäste hinter sich gelassen hatten und aus dem Fackelschein in das sanfte Mondlicht getreten waren, zog er ihn enger an sich und legte ihm einen Arm um die Schultern. Er seufzte, als die Musik leiser wurde und ein Gefühl wie leichte Taubheit bei ihm zurückließ.

Schnell hatten sich seine Ohren jedoch wieder angepasst, nahmen das Rascheln der Blätter im leichten, warmen Wind wahr, das Surren von Insekten. Das ausdauernde Konzert der Zikaden wurde ihm bewusst. Vom Strand her klang das Rauschen der Wellen zu ihnen herüber.

Mateo kletterte auf einige der zu bizarren Formen erstarrten Lavasteine und schlang seine Arme um Pauls Hals. "Ich wollte dir sehr gern etwas sagen, aber deinem echten Ich, Paul. Hier ist ja niemand, nicht wahr? Tust du mir den Gefallen?" Unsicher sah er ihn an. "Muss ich dich dafür loslassen?" Der Gedanke erschien ihm irgendwie unangenehm.

Paul sah zu ihm hoch und hielt ihn fest. "Nein, musst du nicht. Ich kann es jederzeit." Nur einen Augenblick später sahen Rhedyns silberne Augen ihn aus dem schwarzen Gesicht heraus an.

Atemlos erwiderte Mateo den tiefen Blick aus diesen aufregenden Augen. Sein Herz machte einige Sprünge. Dann erinnerte er sich an seinen Plan und festigte seinen Griff um den Nacken, um Paul dichter zu sich zu ziehen. "Ich wollte dir etwas sagen, Paul. Schon ganz lange, schon in England. Ich hab mich nie getraut, aber ich glaube, dass ich mutiger werde, weil ich nun so viele Dinge gelernt und erfahren habe."

Seine Finger fanden den Zopf und lösten das Gummiband vorsichtig aus den silberweißen Haaren. "Ich wollte dir drei Dinge sagen. Es war mir wichtig, dies scheint der beste Moment dafür zu sein und der perfekte Ort." Fragend sah er in das schlanke Gesicht. "Bereit?"

Rhedyn fühlte eine angenehme Nervosität in sich aufsteigen. Mateos ernstes, schönes Gesicht machte die Sache wichtig; die Ruhe um sie herum, ihr Zusammensein unter dem freien Himmel auf dieser schönen Insel ließ es ihm fast feierlich erscheinen. Er nickte, wandte die Augen nicht von ihm ab, während er die schmalen Hände in seinem Nacken spürte, den schlanken Körper an seinem.

"Als erstes wollte ich dir sagen, dass ich dich schön finde. Ich finde nicht, dass du dich verstecken musst. Als Paul oder als Rhedyn." Mateo legte seine Hand an Pauls Wange, den Daumen nahe an dem ernsten Mund. "Wunderschön."

Das Prickeln in Rhedyn verstärkte sich noch und ließ ihn atemlos zurück. Er konnte sich nicht rühren, konnte nur die sanfte Berührung genießen, die tiefen, dunklen Augen, die in der Nacht so samtig und geheimnisvoll wirkten. Sein Herz schlug schneller, und er wollte Mateo küssen, doch reglos blieb er stehen, sah ihn einfach weiter an, während ein weiches Lächeln um seine Lippen zu spielen begann.

"Danke, Engel", flüsterte er kaum hörbar. /Selbst den Mephare mag er./

Mateo lächelte, er liebte es auch, wie Paul ihn nannte. /Engel. Wer weiß, bald.../ "Das zweite ist... komplizierter." Unsicher ließ er Paul los und setzte sich auf den Stein, der die Sonnenwärme des Tages noch abgab. "Ich habe schon zwei Cocktails getrunken, aber Geständnisse sind nicht meine Stärke." Mateo streifte die wehenden Haare des anderen mit einem kleinen Blick, dann hob er das Gesicht wieder, um den silbernen Augen erneut zu begegnen.

"Das zweite ist, dass ich mich verliebt habe in dich. Das ist schön auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite habe ich Angst, dich zu verlieren. Mehr und mehr, jeden Tag. Es ist schlimmer als jeder Hitzeanfall, jedes Frieren. Aber diese Angst ist ein gutes Gefühl geworden, irgendwann. Ich weiß, dass es komisch klingt, weil ich es so schwer erklären kann. Aber nur, weil ich Angst habe, dich zu verlieren, bin ich überhaupt so stark, diese Anfälle zu überstehen. Ich... verbrenne. Seit einigen Tagen sind sie so stark geworden, dass es mich verzehrt, aber deine Stimme holt mich immer wieder zurück. Wenn ich deine Stimme höre, dann will jede Zelle meines Körpers das Feuer löschen und zu dir zurückkehren, anstelle an der Macht des Feuers einzugehen. Deswegen wollte ich dir danken. Ich glaube, dass ich dies nicht ohne dich schaffen würde." Mateo nickte einmal und betrachtete von seiner eigenen Courage überrascht die Spitzen von seinen Schuhen.

Rhedyn wusste nicht, was er sagen sollte, wusste nicht einmal, was er fühlte. Mit einem Mal schien sein Inneres nur noch aus Chaos zu bestehen. Glück und Furcht stritten in ihm, grenzenlose Angst und unbändige Freude. Mateo vertraute ihm, Mateo liebte ihn, sagte ihm, dass er ihm wichtig war. Und gleichzeitig erfuhr Rhedyn, dass die Anfälle noch viel schlimmer waren, als er auch nur in seinen schlimmsten Alpträumen befürchtet hatte. Er fühlte sich schwach und hilflos und gleichzeitig stark und frei, während sein Herz schmerzhaft in seinem Brustkorb hämmerte.

Langsam ließ er sich neben Mateo auf die kantigen Steine sinken und legte eine Hand über seine. "Und ich... ich danke dir, dass du mir das sagst." Seine Stimme war nur sehr leise, um die Unsicherheit, die Schwankungen darin zu verbergen. "Ich will immer für dich da sein. Immer."

Seufzend lehnte Mateo sich an ihn und schmiegte sein Gesicht an seine Schulter. "Das weiß ich", flüsterte er und starrte dann auf das Meer hinaus, das wie ein durch Dünung leicht verzerrter Spiegel vor ihnen ausgebreitet dalag. Er wollte sich nicht fortbewegen, wollte am liebsten immer so bleiben. Mit Paul, in seinen Armen, den richtigen Armen, die jener so verschämt versteckte, was Mateo nicht verstehen konnte.

Eine Zeitlang streichelte Rhedyn nur Mateos Hand, sanft und gleichmäßig, ehe er sie losließ, um den Arm um seine Schultern zu schieben und ihn leicht an sich zu drücken. Der Moment hier war kostbar, so kostbar, dass er es kaum begreifen konnte. Niemals hatte er sich so gefühlt wie jetzt, geliebt und liebend, und beides so wundervoll, so selbstverständlich, ohne Rechtfertigung dessen, was er war, ohne Angst. Er wollte den Augenblick festhalten, nie wieder loslassen und wusste doch, dass die Vergänglichkeit ihn um so wertvoller, um so unverwechselbarer machte.

Eine Weile schwiegen sie, während Rhedyn darauf wartete, dass Mateo ihm das letzte der Dinge erzählte. Er fragte sich, ob es schlimmer werden würde oder einfach nur etwas war, das ihn wie so vieles an dem Mann, den er mehr liebte als jemals etwas zuvor, vollkommen überraschen würde. Doch Mateo machte keine Anstalten fortzufahren. Sacht küsste Rhedyn ihn auf den Scheitel, ehe er schließlich leise fragte "Und das dritte?"

Mateo hatte gerade Luft geholt, um so zufrieden wie möglich zu fragen, ob sie nicht ein wenig Schlaf bekommen sollten, wenn sie einen ereignisreichen Tag vor sich hatten, als die leise Stimme ihn an seinen Versprecher erinnerte. /Verdammt! Jetzt erscheint es mir wieder zuviel verlangt. Wie kann ich nur.../

Unsicher starrte er auf die See hinaus, dann riss er sich zusammen und fragte flüsternd, schüchtern und sich nicht gerade wohl fühlend "Ich... ich wollte fragen, ob..." Er seufzte und schüttelte den Kopf. Entschlossen sah er Paul in das verwirrte Gesicht und holte tief Luft, dann gestand er leise "Ich würde gern mit dir zusammensein, so meine ich." Unsicher verzog er den Mund und wendete sich ab. "Das ist sicherlich unangebracht."

Überrascht sah Rhedyn ihn an, nicht sicher, ob er verstanden hatte, was sein Freund ihm damit sagen wollte. "Du meinst, du willst... Ich soll immer Rhedyn bleiben, wenn wir allein sind? Oder meintest du..."

Ihm fiel der Nachsatz auf, die kleine, scheue Geste, mit der Mateo sich abwandte. Rhedyn legte ihm die Hand an die Wange und drehte den Kopf sacht wieder zurück, seine Finger glitten tiefer, und er hob das Kinn seines Freundes leicht an, so dass er ihm in die Augen sehen konnte.

"Es ist nicht unangebracht, Mateo. Ganz und gar nicht." Er beugte sich vor und berührte zart die Lippen des Geliebten mit den eigenen. "Du machst mich glücklich damit, weil es mir sagt, wie sehr du mich lieben musst."

Mateo lächelte und schloss die Augen, wollte diesen Kuss schon viel zu lange. Kühle, erfahrene Lippen, die seine öffneten, eine Zunge, die seine in einen liebevollen Tanz verwickelte, ihn fast nicht mehr zu Atem kommen ließ. Viel zu lange hatte er geglaubt, dass er Paul nicht in Gefahr bringen wollte, dass die eine Nacht ihm reichen sollte, doch nun realisierte Mateo, dass er einfach Angst vor dem Unbekannten hatte, vor der Hingabe, die er nicht würde kontrollieren können. Trotz der Angst entschied er sich dafür, Paul zu vertrauen. Er lehnte sich an seinen Geliebten und überließ sich seiner Führung, während sie Arm in Arm, sich nicht um andere Gäste in dem Hotel kümmernd, zu ihrem Bungalow zurückgingen.

Bereits vor der Haustür zog Rhedyn seinen Geliebten erneut in einen weiteren, tiefen Kuss, den er im Wohnzimmer auch gleich wieder aufnahm. Es schien ihm, als hätte er endlos darauf verzichten müssen. Er genoss den Geschmack und die vertraute Wärme, das Zungenspiel, das an Tempo zunahm, dann wieder langsamer wurde, sich von stürmisch zu zärtlich und wieder zurück entwickelte, während er seine Hände liebkosend über Mateos Rücken streichen ließ.

Sie stolperten zum Schlafzimmer hinüber, übereifrige Finger waren schon längst mit den Hemdknöpfen beschäftigt, und Mateo hatte es dieses Mal begonnen. Er wollte die glatte, schwarze Haut sehen, wollte seinen Geliebten spüren, wollte ihm zeigen, wie sehr er ihn begehrte, wie wenig ihm all das ausmachte, was er schon erfahren hatte.

Als er ans Bett stieß, hielt Mateo in seinen Bewegungen inne und ließ sich nach hinten sinken, Paul dabei fest im Blick behaltend. Er kümmerte sich nicht um sein Herzrasen und die glühenden Wangen. Er kümmerte sich auch nicht darum, dass die leichte Hose seine Erregung nur sehr schlecht verbarg, denn alles fühlte sich viel zu richtig an, um sich zu sorgen. Er zog sein Hemd gänzlich aus und hielt Paul eine Hand hin, während er rückwärts auf das Bett kroch.

Rhedyn ergriff sie und ließ sich zu ihm ziehen, nutzte den Schwung, um ihn in die Arme zu schließen und mit ihm herumzurollen, bis Mateo unter ihm lag. Er bedeckte sein Gesicht mit Küssen, konnte nicht genug bekommen von dem verlockenden, berauschenden Geschmack, während er Mateos heftigen Herzschlag gegen seiner Brust spürte, die Hitze zwischen ihnen und das Verlangen.

Er wollte ihn überall gleichzeitig berühren, streicheln, liebkosen und sich gleichzeitig jedoch alle Zeit der Welt nehmen. Seine Hände strichen kräftig an Mateos Seiten hinab, federleicht wieder empor, schoben sich zwischen ihre Körper, um seine Brust zu erreichen.

Schweratmend löste sich Rhedyn dann von ihm und sah in das schöne, erhitzte Gesicht seines Geliebten, nur für einen Moment, ehe er den Mund erneut auf die weiche, warme Haut senkte und sachte an der empfindlichen Kehle saugte. Mit der Zunge zeichnete er kleine Kreise den Hals hinab, umspielte nacheinander die Brustwarzen und tauchte weiter nach unten, um sich dem flachen Bauch zu widmen.

Mateo streckte sich unter seine Händen und vergrub sich hilflos windend die Finger in den seidigen Haaren seines Geliebten. "Paul...", flüsterte er leise und seufzte zurückhaltend, als seine Haut von der Zunge in einen kribbelnden, ihn erregenden Zustand versetzt wurde, von dem er nicht gewusst hatte, dass er möglich war.

Rhedyn sah an Mateo empor, spürte die Hände in seinen Haaren, die ihn nicht etwa zum Aufhören bewegen wollten, sondern sich einfach nur festzuhalten schienen. Allein, dass Mateo sich ihm hingab, keine Angst vor ihm hatte, obwohl er Mephare war, jetzt so offensichtlich, bewirkte ein aufregendes Prickeln in ihm. Seine nachtschwarzen Hände auf der Haut des anderen Mannes zu sehen, die dadurch hell, fast blass wirkte, war neu für ihn. /Nicht einfach nur keine Angst. Er findet mich schön./

Er lächelte, als er die gespreizten Finger über Mateos Oberkörper gleiten ließ, ihre Bahnen mit den Augen verfolgte, während seine Zunge eine feuchte Spur vom Bauchnabel zum Hosenbund zeichnete, wo er innehielt. Durch den Stoff hindurch drückte er einen Kuss auf Mateos Schoß, als sich seine Hände daran machten, den Knopf und den Reißverschluss zu öffnen, dann die Jeans über die schmalen Hüften zu ziehen. Während er sie langsam die Beine hinab streifte, bedeckte er die Oberschenkel, die Kniekehlen und schließlich die Waden und die zarte Haut der Knöchel mit Küssen und kleinen, zarten Bissen.

Mateo hatte nicht selten fantasiert, wie es sein würde, sich Paul wieder hinzugeben, weniger schüchtern, weniger unerfahren vielleicht, aber erneut warf es ihn komplett um. Er wurde von den Empfindungen zu sehr mitgenommen, um wirklich durchdacht etwas tun zu können. Statt dessen stöhnte er leise auf und half Paul schon fast zu ungeduldig dabei, die störenden Kleidungsstücke von ihren Körpern zu streifen. Er wollte ihn unverdeckt sehen, wollte diesen schönen, aber ihm noch fremden Körper ansehen dürfen, den sein Geliebter so lange vor ihm versteckt hatte.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh