Unverhofft lebenslänglich

I - 1.

Richardson war zum berühmten Forscher geworden, als er in seinen noch sehr jungen Jahren das Volk der Caley entdeckt hatte. Der Planet, der sich durch vor allem seine vielen Monde und die sehr starke, große Sonne hervorhob, war gar von ihm benannt worden. Er hatte diese Welt höchstpersönlich erforschen wollen und durch die Nähe zum daryllischen System mit seinen überaus aggressiven und nicht selten auch mordenden Bewohnern, hatte ihm niemand so recht die erste Reise nach Caley streitig gemacht.

Damals war er draufgängerisch gewesen, jung, voller Ideale und voller hoher Ziele. Arkay, wie die Caley ihn nannten, war noch immer stolz auf seine Entdeckungen von damals, wenn auch er nie Vorträge darüber würde halten können. Es war lang her, alles war anders gekommen als geplant.

An diesem Morgen ließ er sich seufzend auf einer weiten, reich gepolsterten Bank nieder und reckte seinen Rücken. "Ich gehe keinen weiteren Schritt mehr, ganz gleich, was du sagen magst, Jann", behauptete er, nicht zum ersten Mal auf ihrer Wanderung. Dieses Mal waren sie jedoch in dem Haus angelangt, in dem er vor Beginn ihres Kreuzzuges über den Planeten Caley seine Bücher und Notizen in schweren Kisten untergestellt hatte.

Jann lachte, streckte seine kräftigen Schultern und ließ sich katzenhaft geschmeidig neben seinem Gefährten nieder. "Liebling, keine Angst, auch diese Reise endet in dem Ort, in dem sie begonnen wurde. Offensichtlich muss unser zweiter Sohn sich unter anderen Völkern umsehen, bevor er die Reise erneut allein unternehmen kann. Wir beide aber werden uns hier niederlassen." Seine großen Hände, mit denen er sehr kräftig zupacken, ja sogar Nüsse knacken konnte, begannen zärtlich, hinter den Ohren des Forschers zu kraulen.

"Arkay! Sind deine Bücher alle noch da? Sind die Menschen vielleicht alle so passend für uns Caley?" Der jüngste Sohn aus ihrer Beziehung, Devi, kam hereingestoben, ganz die Lebensfreude der jungen Puppen, wie ihre ungefährliche Vorstufe genannt wurde.

Bis vor einigen Jahren, bis vor der ersten und gleichzeitig auch ein wenig unfreiwilligen Expedition zum Planeten selbshatte R. K. Richardson gedacht, dass die Caley eigentlich nur aus den zierlichen, verspielten Puppen bestanden. Doch in dem Moment, in dem er auf einem Forschungstreffen mit etlichen Professoren den kleinen Jann mit den großen unschuldigen Augen niedlich fand und unvorsichtig berührte, nur um ihm mit den Fingern einige Haare aus dem Gesicht zu streichen, wurde sein Leben umgekehrt und auf den Kopf gestellt.

Liebevoll betrachtete er seinen Gefährten, der mit seinem Sohn schmuste, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Aus der niedlichen Puppe war ein kräftiger großer Mann mit dunkelblonder Löwenmähne geworden. Am nächsten Morgen würde Devi ebenso wie sein Vater fern der Heimat suchen, um vielleicht ebenfalls seinen Gefährten an einem anderen Ort als hier auf den unzähligen Inseln Caleys zu finden.

Jann und er waren nicht immer einer Meinung gewesen, sicherlich am Anfang schon gerade nicht, aber Richardson war dennoch glücklich. Allein Jann anzusehen, brachte ein Kribbeln in ihn, die Berührungen schufen fast immer gleich Lust auf mehr; das hätte Richardson, der früher nie Spaß an Sex gehabt hatte, niemals geglaubt.

Seufzend sah er Devi hinterher, der sich nun nach Jahren der Wanderung mit seinem Vater und ihm allein aufmachen musste, um die Traditionen seines Volkes zu folgen. Richardson selber gedachte ein Buch darüber zu schreiben. Seine Diktiermaschine hatte er schon im kleinen Arbeitszimmer mit Blick auf die See aufgestellt.

Eine dunkle Stimme rief ihn aus der Richtung des Schlafzimmers, und Richardson ließ die Seiten mit seinen Notizen folgsam in die Bücherkiste fallen, um dem Ruf seines Gefährte zu folgen, bevor dieser ihn suchen kam. Er würde das Buch schreiben, später, nachdem er sich noch einmal von den Vorzügen seiner Beziehung überzeugt hatte.

 

Devi besah sich sein Bündel und dankte Arkay, dem Gefährten seines Vaters und damit dem Grund seiner Existenz, für den Kamm und ein goldenes Kettchen mit kleinen grünen Edelsteinen, das er sich um die Taille legte. Er sah seinem Vater sehr ähnlich, dunkle Haut und haselnussfarbenes Haar zu grüngoldenen Augen. Deswegen mochte Arkay ihn vielleicht auch lieber als seinen älteren Bruder, der ein dunklerer Typ mit harscheren Zügen gewesen war.

Die Raumfähre würde sehr bald ablegen, und so umarmte Devi Jann und Arkay noch einmal fest, schob seine leise Furcht vor der Fremde zur Seite und bestieg das Boot, das ihn zur übernächsten Insel mitnehmen würde. Dort starteten immer die Raumfähren, es war die einzige Insel mit mehr als einem Hafen für die von Sonnensegeln betriebenen Fährschiffe. Eine der wenigen unbewohnten Inseln auf ihrer Welt, weil dort der Vulkan noch nicht vollkommen ruhig war. Auch wenn Außenstehende immer wieder behaupteten, dass er nicht mehr gefährlich war, würden die Caley sich nie dort nieder lassen, wenn der Vulkan noch nicht fertig geworden war, die Insel zu bauen.

Devi verbrachte die Fahrt damit, sich ein neues Paar Shorts zu nähen und die anderen Puppen kennen zu lernen, die mit ihm fuhren. Zum Teil mit dem selben Ziel wie er, zum Teil auf dem Weg in einen größeren Raumhafen. Arkay hatte ihm gesagt, dass er vorsichtig sein sollte, aber dennoch folgte Devi sorglos dem Weg, denn so viele Caley vor ihm eingeschlagen hatten, und begab sich zum Palast der Schätze, einem großen Hotel für Leute, die Kontakt zu anderen suchten. Eigentlich der perfekte Ort für einen Caley.

Aufgeregt folgte er den anderen Puppen und dem Personal des Palastes, die im letzten Zwischenstopp der Fähre zugestiegen waren, durch den Nebeneingang. Die Gäste kamen wohl auf der anderen Seite an, um gleich in der prunkvollen Halle begrüßt zu werden.

Der Palast selber bestand aus mehreren großen Hauptgebäuden, in denen lauter für Devi fremde Dinge eingerichtet waren. Läden, in denen man kaufen sollte, nicht tauschen durfte. Kasinos, in denen man um Geld spielte. Außerdem gab es überall Pools, die wie das Meer sein sollten, wo doch ein Meer gleich daneben lag. Devi war fasziniert, wie viel er lernen konnte, indem er sich nur die Werbebroschüre für den Palast vorlesen ließ.

Es gab Badelandschaften und Restaurants, in denen eine intime Atmosphäre herrschte und Vertraulichkeiten nicht hinaus dringen sollten. Was Vertraulichkeiten sein mochten, wurde allerdings nicht erklärt. All dies war prickelnd neu, und mit einem Mal war Devi froh, dass er seine Erfüllung zu Hause noch nicht hatte finden können.

Er war allerdings auch froh, dass sein Vater Jann ihm einiges über den Palast erzählt hatte, über den alten Palast, denn es war schon so viele Jahre her, dass er selber dorthin gereist war. Der alte Palast der Schätze war noch ein Luxushotel und Tagungszentrum gewesen, in dem große Wissenschaftler wie Arkay geehrt wurden und sich treffen konnten.

Im hinteren Teil der offiziellen Hallen halfen zwei andere Caley, die schon ein Weilchen da waren, Devi bei der Wahl der Kleidung. So wenig wie möglich, und bei der Wahl des Schmucks. So edel wie möglich.

Anschließend trug er seine neue enge Wildledershorts, die niedrig auf den Hüften saß, dazu leichte Sandalen mit goldenen Akzenten, die Goldkette um die Taille, Goldkettchen für die Handgelenke und wegen der Hitze nur ein ärmelloses cremefarbenes Hemdchen.

So angezogen begab er sich zur Agentur der Keys, die mit einer sehr schönen Frau belegt war. Frauen waren Devi ebenfalls neu, es gab sie auf Caley nur sehr selten. Sie war sehr freundlich, als sie erfuhr, dass er in der Halle für die neu ankommenden Gäste da sein wollte, um eine Weile lang zu sehen, ob er hier sein Glück finden konnte. Sie versprach ihm freies Essen und natürlich Betreuung und freies Geleit für den Fall, dass er fündig wurde, dann bat sie ihn, immer zuerst zu ihr zu kommen, wenn er einen Gast ins Auge gefasst hatte.

Devi versprach dies ernsthaft und folgte seinen neuen Freunden, zwei fast silberblonden und einem schwarzhaarigem Caley zu ihren Arbeitsstätten, bei denen es sich um Tischchen handelte, an denen die Gäste, die auf ihre Zimmerschlüssel warteten, kleine Cocktails erhielten.

 

Cedric war müde, als er aus dem luxuriösen Shuttle stieg, das ihn von dem Passagierschiff, das zu groß war, um selber auf dem tropischen Planeten zu landen, zum Palast der Schätze gebracht hatte. Sein Körper sagte ihm, dass es späte Nacht war, so wie im Palast der Muscheln, in dem er die letzten Wochen verbracht hatte, doch hier war gerade einmal früher Mittag. Das war der Nachteil an seinem Job als Fotoreporter, aber damit konnte er leben.

Ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er dem Pagen folgte, der seine Koffer auf einem schwebenden Trolley beförderte. Die letzte Reportage war gut gewesen, und Cedric war sehr zufrieden mit sich. Gute Bilder, ein provokanter, sorgfältig recherchierter Artikel, der aus weiser Überlegung heraus unter einen Pseudonym erschienen war. Er hatte ihm reichlich Aufmerksamkeit beschert, die er nicht wirklich auskosten wollte, denn er hatte einige sehr reiche und mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten in Misskredit gebracht. Sein Verlag hatte ihn ordentlich dafür bezahlt, und nun wartete sowohl dieser als auch die begierige Leserschaft auf weitere Reportagen in anderen Palästen.

Aber heute würde er damit ganz bestimmt nicht anfangen. Cedric rieb sich in einem unbeobachteten Moment über das Gesicht, fuhr sich mit den Händen durch die hellbraunen kurzen Haare und strich sie aus der Stirn. Heute würde er sich nur noch darum kümmern, ein Zimmer zu bekommen, einen Alibikey, um nicht aufzufallen und dann ein weiches Bett, um darin nicht mehr zu tun als zu schlafen.

Der Page in seiner netten, sehr knappen Uniform in Grüngold verneigte sich vor ihm, als sie die riesenhafte Empfangshalle erreicht hatten. Böden aus Marmor, Tische aus edlem, dunklen Holz und viele grüne Inseln exklusivster Pflanzen, von denen Cedric kaum welche auch nur vom Sehen her kannte, verliehen mit Goldschnörkeln und Kristall dem Raum einen äußerst teuren Eindruck, der von den zahlreichen leicht, aber kostbar bekleideten Männern und Frauen, die Erfrischungen reichten, noch vermehrt wurde. Während der Page das Gepäck wegbrachte, so dass es die Atmosphäre nicht störte, ließ sich Cedric von einem hübschen Jungen einen Drink reichen.

Ihm war bewusst, dass er in seiner beigefarbenen Cargohose und dem olivgrünen Shirt nicht hierher passte, doch am nächsten Tag würde er das ändern. Auf Reisen war er lieber bequem gekleidet, da störten ihn auch die befremdeten Blicke nicht.

Devi hob den Kopf, als der Inhalt eines neuen Shuttles in die Halle gewandert kam. Einer seines Volkes hatte sich schon ein Tablett Cocktails geholt und umstrich die neuen Gäste lächelnd, berührte die Menschen und anderen Wesen hier und dort unauffällig. Maude, die hübsche Frau in der Agentur der unabhängigen Hosts und Hostessen lehnte sich zu Devi hin und fragte ihn lächelnd "Na? Ein Opfer dabei?"

Devi hob die Schultern und meinte mit den Beinen baumelnd "Ich schau gleich mal, ob ich..." Er stockte, als er den hochgewachsenen jungen Menschen sah, der einem der Pagen folgte. "Oh, schau mal der dort."

Maude verzog abschätzend den sorgfältig geschminkten Mund, dann meinte sie "Ich wette, dass er nicht genug Geld für eine Keysuite hat."

Unruhig verfolgte Devi, wie der Mann sich durch das von einem Bartschatten betonten Gesicht rieb, als sei er sehr müde. "Hm, vielleicht sollte ich ihn mal berühren, was meinst du?" Er wollte gerade aufspringen, als Maude ihm eine Hand auf den Unterarm legte. "Warte, ich glaube, dass er seinen Schlüssel erhält; wenn er danach nicht gleich zu mir kommt, kannst du ihn immer noch anfallen gehen. Ich mach das schon."

Ihr Grinsen war verheißungsvoll, und Devi hopste davon, um die anderen Reisenden ein wenig zu umschwirren, bis sie ihn wieder rufen würde. Natürlich ließ er den jungen Mann nicht aus den Augen, der seinen Cocktail kostete und dann auf einem Tischchen abstellte, als sein Schlüssel, ein gewöhnlicher Bungalowschlüssel, gebracht wurde.

Cedric sah seinen Schlüssel an und seufzte innerlich. Für einen Key hatte sein Verlag nicht genug Geld, im letzten Palast war es auch nur ein Glücksfall gewesen, der ihn an den schönen Haliotes-Key hatte kommen lassen. Die junge Frau war bezaubernd in ihren perlmuttschimmernden Kleidern gewesen und sehr perfekt in ihrer Art, nie aufdringlich, aber immer da, wenn er etwas wünschte. Mit einem weiteren Seufzen schob er den Gedanken an die angenehme Zeit dort von sich und schlenderte gemütlich in Richtung der Agentur, in der Begleiter vermietet wurden. Ohne konnte man sich in den Palästen einfach nicht sehen lassen; es gehörte nun einmal dazu.

Er schilderte der hübschen Frau, die ihn mit einem professionell warmen Lächeln empfing, was er in etwa suchte und bereitete sich schon einmal gedanklich auf den Schock vor, den ihm der Preis mit Sicherheit bescheren würde.

Devi sah, wie Maude dem jungen Mann eine Liste mit Preisen vorlegte, offensichtlich hatte er nach einer Frau verlangt. Noch nervöser ging er vor einer der Säulen in Wachposition, während der neue Gast und Maude sich ein wenig unterhielten. Sie nickte etwas erklärend in Richtung der Begrüßungshalle; Devi vermutete, dass sie nun anfragte, wie der Gast denn zu diesen niedlichen, caleyschen Jungs stehen würde, das tat sie hin und wieder. Es war ja bekannt, dass die Caley nicht für Geld arbeiteten, sondern lediglich Unterkunft, Essen und gute Behandlung. Nicht selten wurden sie deswegen mal für einen Abend dazu gebeten. Auch nun winkte Maude ihm unauffällig, und er trat zum Tresen, in die Nähe des Mannes, um mit großen Augen zu ihm aufzublicken.

Cedric zögerte unschlüssig. Nicht nur ein Mann, nein, auch noch ein halbes Kind war es, was ihm da mit grüngoldenem Blick aus einem zarten, herzförmigen Gesicht entgegen sah. Auch die gebräunte Haut hatte einen leichten Goldton, und selbst im hellbraunen, kinnlangen Haar war eine Spur Gold zu finden. Erst nach einem weiteren Hinsehen bemerkte Cedric, dass es zumindest dort Goldpuder war.

Aber er brauchte einen Begleiter, und die Frauen, die in seiner Preisklasse gelegen hätten, waren entweder schon vergeben oder von einer Art, die er sich beim besten Willen nicht als Begleiter vorstellen konnte. Alles andere war schlicht unbezahlbar.

Wieder sah er zu dem zierlichen Jungen hin, der so unschuldig wirkte, als sich ein liebenswertes, fröhliches Lächeln auf den Schmollmund schlich. Wenn er wenigstens nicht so jung wäre! Für einige Zeit würde Cedric es bestimmt gelingen, ein Interesse an Männern vorzutäuschen, aber... 'Aber wenn ich ihn nicht wähle, nimmt ihn jemand anderes. Bei mir ist er zumindest für die Zeit, die ich hier brauchen werde, in... Sicherheit?' Das Wort passte nicht, aber ihm fiel kein besseres ein.

Er rieb sich über das unrasierte Kinn und erwiderte das Lächeln des Jungen leicht. "Hi, ich bin Cedric. Dein Name ist Devi? Meinst du, dass es für dich akzeptabel wäre, mein Begleiter zu sein?"

Devi lächelte nun deutlich breiter "Es wäre mir eine Freude, Cedric."

Maude setzte daraufhin den Vertrag auf, in dem bestätigt wurde, dass der Holder für Devi darüber unterrichtet wurde, dass ein freier Key zu seinen Konditionen gebucht wurde. Welches die Konditionen genau waren, hatte Maude nicht eingetragen, aber das war für die Caley ja allgemein bekannt.

Devi lächelte dem jungen Mann noch einmal zu und nahm den schweren Schlüssel zum Bungalow vom Tresen. "Ich gehe voran, wenn es recht ist, Cedric. Die Wege hier sind ziemlich weit, wir werden eines der kleinen Elektrofahrzeuge nehmen müssen. Hast du eine Lieblingsfarbe?", fragte er munter, während er mit dem Schlüssel zum Ausgang in Richtung Wagenpark hüpfte. Er hatte erst vor zwei Tagen gelernt, wie man mit den Wagen fuhr, aber war optimistisch, dass nicht wieder so ein Unfall passieren würde wie am ersten Tag.

"Grün und Goldbraun", antwortete Cedric und unterdrückte ein Gähnen. Ihm war es nur Recht, wenn sie nicht mehr laufen mussten, auch wenn er eigentlich auf dem Schiff zu viel Ruhe gehabt hatte. Daran hatten auch die wunderbaren Fitnessdecks nicht viel ändern können, die er regelmäßig besucht hatte.

Devi hob kurz den Kopf und wollte Cedric anlächeln, weil er die Antwort für ein Kompliment gehalten hatte, aber offensichtlich dachte sein attraktiver Begleiter gar nicht so richtig an ihn. Deswegen wählte er einen kleinen grünen Wagen mit hellen Ledersitzen und Messingarmaturen, damit das Gold auch genügend beachtet wurde, und fragte Cedric, ob er fahren wolle, was dieser nun wirklich gähnend verneinte.

Ein wenig anders hatte Devi sich den Nachmittag mit seinem hübschen Menschen schon vorgestellt, aber er kletterte dennoch ohne Kommentar zur Müdigkeit des Mannes auf den Fahrersitz und lenkte den kleinen, surrenden Wagen über die geschwungenen Wege zwischen Palmenalleen und den weiß getünchten Bungalows mit den vielen kleinen Pools dazwischen. Der Bungalow seines Holders lag in einer Gruppe von günstigeren Häusern, die sich zu fünf Häusern einen ausladenden Pool, zwei Tennisplätze und einen Strandabschnitt teilte.

Als er den Wagen geparkt hatte, war Cedric bereits auf den Weg zum Bungalow gelaufen, weil die Kofferträger sich dort gerade mit den Taschen abschleppten, die offensichtlich zum Teil schwer waren. Devi beeilte sich, um hinter Cedric her zu kommen und fragte als erstes, als sie die Flügeltüren hinter den Trägern schlossen "Kann ich etwas für dich tun? Ein Bad einlassen, einen Drink mixen oder vielleicht eine Massage zur Entspannung?"

Cedric genoss die perfekt eingestellte Klimaanlage, die nicht nur den Bungalow auf einer angenehmen Temperatur hielt, selbst wenn die großen Fenster offen standen, sondern auch die leichte Schwüle ausglich. Es ließ ihn sofort etwas wacher und aufnahmefähiger werden. Der hier und da von kostbaren Teppichen bedeckte Boden war aus hellem, poliertem Stein, zu dem die dunklen Möbel einen reizvollen Kontrast bildeten. Ein großer Ventilator drehte sich träge und nur zu Dekorationszwecken an der Decke. Durch die von Perlenvorhängen verdeckten Torbögen konnte Cedric einen Blick auf das Schlafzimmer mit dem riesenhaften Himmelbett und auf ein Bad werfen.

Baden klang gut, und er lächelte seinem zierlichen Begleiter zu. Allein an dessen großen, hellen Augen konnte man schon die Verwirrung über Cedrics Verhalten sehen, der ihn bisher nicht einmal berührt hatte. An diesem Abend würde er das auch nicht mehr, beschloss er. Von Verstellung würde er die folgenden Wochen noch genug haben.

"Erst ein Bad, dann im Wasser einen Drink, das wäre nett." Schon wieder musste er ein Gähnen unterdrücken, aber sich jetzt hinzulegen, wäre das Dümmste, was er tun konnte. "Tut mir leid, dass ich gerade etwas stumm und unleidlich bin, morgen wird das besser. Dort, wo ich herkomme, herrscht jetzt tiefste Nacht, und ich stecke diese Zeitverschiebungen nicht besonders gut weg."

Zeitverschiebung hatte Devi ebenfalls erfahren, als er im Palast angefangen hatte. Er nickte verständnisvoll und streifte seine Sandalen von den Füßen, bevor er in das Badezimmer huschte, um Wasser von angenehmer Badetemperatur in die weite, in den Fußboden eingelassene, korallenfarbene Wanne einlaufen zu lassen. Er richtete ein Tablett mit entspannenden und belebenden Salzen und Schaumzusätzen, dann regelte er die Klimaanlage ein wenig wärmer, damit sein Gastgeber nach dem Bad nicht fror.


© by Jainoh & Pandorah