Unverhofft lebenslänglich

I - 2.

Während das Wasser einlief, ging Devi in den Wohnraum zurück und betrachtete Cedric einen Moment lang versonnen, weil der junge Mann ihn gerade nicht beachtete. Die Augen gefielen ihm, er hatte so große, helle Augen. Und der warme Braunton seiner Haut verriet, dass er auch gern einmal in der Sonne war; Devi bekam Lust, ihn im Sonnenlicht zu sehen, im Wasser, nackt vor allen Dingen.

Er füllte Eis, Wermut, Kirschlikör und Soda in ein schweres Kristallglas und umstrich Cedrics Mund mit kleinen Blicken. Sein Gesichtsausdruck wurde verhangen, und er lächelte, auch wenn eine ihm unbekannte Nervosität sich in seinem Magen niederließ. Das Glas mit den Eiswürfeln und einem leichten Manhattan unbeachtet in einer Hand starrte er Cedric auf die Finger, als dieser an seiner Tasche zu kramen begann.

Cedric holte seinen Computer heraus und sah sich suchend um, ehe er ihn auf einen schweren Tisch mit auf Hochglanz polierter Wurzelholzplatte abstellte. Der Akku war fast leer, aber um einmal seine Nachrichten zu prüfen, würde es reichen. Er fing den Blick des Jungen auf, der in der Mitte des Raumes stand, während er den matten Edelstahldeckel hochklappte und die Sicherung löste, um den Bildschirm einzuschalten. Aus Reflex lächelte er zurück und fragte sich gleichzeitig, ob der Junge irgendwelche großartigen Erwartungen an seinen Holder hatte, außer einigem Spaß und ausgehalten zu werden. Immerhin war er freiwillig hier.

Er ließ die Nachrichten auf Text codieren, damit sein kleiner Begleiter nichts mitbekam, dann gab er den Auftrag, sie abzurufen. Während der Computer die schnellste Verbindung suchte und sich einzuloggen versuchte, winkte Cedric den Jungen heran und ließ sich das Glas reichen. "Setz dich. Wenn du selber was willst, frag nicht lange, nimm es dir einfach."

Mit einem kleinen Seitenblick registrierte er vier neue Nachrichten, eine seines Verlags, zwei seiner Eltern und eine seines besten Freundes, und wandte sich erst einmal wieder Devi zu. "Die charmante junge Dame am Empfang hat Konditionen der Caley in dem Vertrag vermerkt. Ich habe vergessen zu fragen... Magst du mir sagen, was ich da jetzt genau unterschrieben habe?"

Devi ließ sich Cedric gegenüber nieder und genoss, wie das durch die hellgelben Vorhänge gefilterte Licht ihn weich umspielte. "Du hast dich verpflichtet, mich mit Respekt zu behandeln und ausreichend zu füttern, sollte es notwendig werden. Ich habe mich verpflichtet, mit dir im Bett soviel Spaß zu haben, wie du willst." Er vertiefte sein Lächeln. "Willst du?"

Cedric lachte auf, auch wenn er sich nicht wirklich vorstellen konnte, mit einem Mann, noch dazu diesem halben Kind, im Bett mehr zu machen als zu schlafen oder vielleicht noch zu kuscheln. Aber das würde er auf sich zukommen lassen müssen. "Das klingt nach jeder Menge Verpflichtungen, denen ich gerne nachkommen werde – was eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Pflichten ist. Die sind zumeist unangenehm." Er ließ seinen Blick über den zierlichen Körper gleiten und dachte bei sich, dass das Füttern die dringlichste Aufgabe sein würde.

Devi hob die Schultern und meinte nun doch ein wenig nervös "Was immer du willst, Cedric." Aber leider stellte sich heraus, dass sein Schatz nur schlafen wollte und nichts weiter. Cedric genoss das warme Bad sichtlich, und Devi genoss es, ihn im Wasser sehen zu können, während er den Stapel flauschiger korallenroter Handtücher einige Male faltete und dann rollte, um sie wieder zu falten, damit er etwas für seine Finger zu tun hatte. Sonst fürchtete er, dass er sich zu Cedric in die Wanne gestürzt hätte, so lecker wie dieser auszusehen begann.

Endlich fragte er, ob Cedric nicht auch hungrig sei und bekam prompt, als hätte der Mann seine Gedanken gelesen, die Mitteilung, dass er sich selber alles bestellen dürfte, was er wollte. Nachdem Devi die Bestellung angenommen hatte, war sein Gast im Bad fertig geworden und kam im hoteleigenen Bademantel zu ihm an den runden Esstisch, der gut und gern auch für zehn Personen gereicht hätte.

Devi stellte gerade die Saftauswahl zwischen die zwei Salatplatten und die Schale mit dem Reis mit Sahnehuhn. "Ich habe als Nachtisch ein wenig Obst bestellt, hiesige Sorten, ich hoffe nicht, dass du allergisch bist, Cedric." Er hatte gerade von einer anderen Puppe gehört, dass Menschen solche Krankheiten haben konnten.

"Obst ist immer gut, und ich bin absolut unempfindlich und pflegeleicht", antwortete Cedric freundlich, während er sich setzte und sich gleich ein großes Glas Saft mit Wasser mischte. Er lobte Devi für seine Auswahl der Badezusätze, die ihn erfrischt und wieder etwas aufgeweckt hatten, ehe er sich dann doch endlich den Nachrichten widmete.

Daniel, sein bester Freund und einer der wenigen, die sein Pseudonym kannten, ließ sich amüsiert über seinen letzten Artikel aus, der einiges an betroffenen, wütenden Reaktionen hervorgerufen hatte. Das Chefsekretariat seines Verlages warnte ihn, da offensichtlich auch dort einige bitterböse Meldungen eingetroffen waren, und seine Eltern schickten ihm die übliche Mischung aus freundlicher Besorgnis, was seine Zukunftsplanung anbetraf, eine Einladung nach Hause, weil sie sich schon so lange nicht mehr gesehen hatten und die neusten Mitteilungen seine Nichten betreffend.

Cedric schaltete den Computer aus und schob ihn von sich, um ihn später aufzuladen, ehe er sich seinem Begleiter widmete, um ihn über die Anlage auszufragen. Leider musste er feststellen, dass der Junge selber noch nicht allzu lange hier war und so keine tieferen Einsichten besaß.

"Was hat dich denn hierher gebracht?", fragte er schließlich neugierig, während er genüsslich von dem Sahnehuhn einen Nachschlag nahm.

"Meine Wanderung als Puppe. Ich bin leider in meiner Heimat nicht glücklich gewesen und muss deswegen gleich meinem Vater schon mein Glück hier und vielleicht sogar weiter weg suchen gehen." Dramatisch sah er Cedric an und schlug mit den Wimpern "Vielleicht", er nippte von seinem Saft und vertiefte den Blick über sein Glas hin erneut, "vielleicht habe ich mein Glück ja schon gefunden."

Leider lachte Cedric daraufhin. Auch wenn es ein schönes Lachen war, ein amüsiertes, so zeigte es Devi, dass der schöne Mann ihn nicht ernst nahm und die Wanderschaft ebenso nicht. Schmollend meinte er deswegen "Ach, vielleicht ist es auch gut so. Es ist so schmerzhaft und unangenehm in der Wandlung, ich hab ein wenig Angst davor." Angst und zugleich eine tiefe Sehnsucht. Ein zerrissenes Gefühl, das Devi reizte.

Cedric verstand nicht wirklich, was der Junge mit Puppe meinte, obwohl er durchaus etwas niedlich Puppenhaftes an sich hatte. Er nahm sich vor, bei Gelegenheit etwas mehr über die Caley heraus zu finden, das konnte nicht schaden, da er seine Zeit mit einem verbringen musste. Neue Völker kennen zu lernen war auch ein Grund für seine wenig sesshafte Berufswahl gewesen, und es begeisterte ihn noch immer. Leider war er an diesem Abend zu müde dafür, aber die angenehme Gesellschaft hatte die Zeit wenigstens soweit vertrieben, dass er guten Gewissens ins Bett gehen konnte.

Nach ein wenig Konversation entschuldigte er sich schließlich bei Devi. Er gab ihm die Erlaubnis, zu kommen und zu gehen, wann und wie er es wollte an diesem Abend und versprach ihm, dass er sich am nächsten Tag mehr um ihn kümmern würde. Dann zog er sich um, schlüpfte in eine Shorts und ein bequemes, beigefarbenes Shirt, ehe er sich in das wunderbar große gemütliche Bett mit den gedrechselten Mahagonipfosten legte, das durchaus mit dem im letzten Palast vergleichbar war, und nur Momente später war er auch schon eingeschlafen.

 

Devi war zwar versucht, die Finger nach dem Mann auszustrecken, aber wagte es dann doch nicht und huschte aus dem Raum hinaus, um später zurückzukehren. Vorerst wollte er einige Besuche erledigen, die er eigentlich täglich im Palast unternahm.

Es war später Nachmittag und die beste Zeit für eine Tasse Tee mit seinem Freund, dem Arzt und Tempelgärtner Adiva. Für gewöhnlich brachte Adiva gerade um diese Uhrzeit frische Blumen in den Tempel seiner Geburtsgöttin Sahjid. Wie Devi wusste, hatten viele Völker Götter oder Göttinnen. Bei den Abd Jabir waren die Weibchen um einiges größer und kräftiger, und es gab auch keine männlichen Götter.

Weibchen waren interessant für Devi, es gab sie in seinem Volk gar nicht, sie waren alle beides, wenn sie die Metaform erreichen durften, deswegen konnte Devi verstehen, dass Adiva ein wenig Angst vor den großen Frauen der Abd Jabir hatte. Es konnte natürlich auch damit zusammen hängen, dass Adiva vor einiger Zeit von seinem Heimatplaneten hatte fliehen müssen.

Devi lief das Wegstück bis zu den friedlichen Tempelgärten der Abd Jabir mit ihren zierlichen offenen Tempelchen und den Blumenmeeren, aus denen er schon einige Exemplare an seinen Vater nach Haus geschickt hatte. Als er am Tempel für die Göttin Sahjid anlangte, der in eine zartroséfarbene Wolke aus Schmetterlingsflieder gehüllt war, entdeckte er den weißen, katzenhaften Adiva gleich bei dem opulenten Altar.

"Adiva! Hier bin ich wieder!" Devi umarmte den zierlichen Abd Jabir und küsste ihn einmal auf den süßen Mund. "Ich hab einen Gast, auf den ich ein wenig das Auge geworfen habe, aber jetzt schläft er, und ich mag ihn noch nicht berühren. Letztes Mal, als mir so komisch war, ist hinterher nichts passiert, und ich will ihn länger so verliebt ansehen." Adiva lachte fröhlich auf und drückte den kleinen Devi, der mal wieder wie ein zu frech geratener kleiner Engel aussah, ein wenig an sich. Er richtete die Blumen, dann ließ er sich von Devi zum Teehaus in der Mitte der Tempelanlage zerren. Geschickt schlängelte er sich durch die mit dicken Sitzkissen umgebenen Teetischchen, um noch einen freien Platz zu ergattern.

Die Caley waren eine zauberhafte Rasse, vor allen Dingen in der unbesorgten Puppenform. Er hatte als Arzt nicht selten mit ihnen zu tun, weil sich viele hier ihre Partner suchten und die Folgen ihrer Werbung und Wandlung zumeist sehr schmerzhaft oder erschreckend waren für unbelesene Wesen, in den allermeisten Fällen männliche Menschen.

Adiva ließ sich grazil auf ein Kissen nieder und legte seinen Schwanz um sich herum, während er zusah, wie Devi zwei anderen Caley zuwinkte und Teeschalen für sie beide vom Tresen herholte. Ein offensichtlich unvorsichtiger Gast des Palastes winkte Devi zu sich an den Tisch, und mit einem kleinen Lächeln beobachtete Adiva, wie Devi sich für einen kurzen Flirt auf den Schoß des Gastes ziehen ließ, aber nach einer kurzen Weile verspielt entkam.

"Ach, es ist so schön, dass du glücklich bist, Adiva."

"Wenn du mich besuchst, bin ich das doch immer, Devi", entgegnete Adiva sanft und nippte vom aromatischen Tee. Eine herrische Abd Jabir kehrte mit ihrem Tross aus drei Männchen und vier Söhnen sowie einer noch sehr kleinen Tochter ein und belagerte mit harschen Kommandos zwei Tischchen.

Adiva linste vorsichtig zu der Ecke hinüber, aber sie waren durch Tuchwände von der Gruppe getrennt, so dass er schwer zu erkennen sein würde. Seufzend zupfte er das roséfarbene und das hellgrüne Tuch, die Farben seiner Göttin, weiter über seinen Kopf und sank in sich zusammen.

Devi war sogleich neben ihm, und schmale Arme drückten ihn kräftig, während sich ein Mund aufdringlich auf seine Nasenspitze presste. "Keine Angst haben, ich pass auf dich auf, wenn ich erst einmal Meta geworden bin."

"Unsinn Devi, dann wirst du für deinen Weg und die Gefährtin... den Gefährten meine ich, da sein müssen. Du musst dann nach Caley zurück."

Sie unterhielten sich noch ein wenig über die Konzerte, die am Abend an den Pools stattfinden würden und verabredeten sich zu einem Frühstück, dann begleitete Devi den zierlichen Arzt zu seiner Praxis zurück, die in einer kleinen Klinik für die unterschiedlichsten Rassen untergebracht war. Sie küssten sich zum Abschied. Als nächstes lief Devi bei dem Haus der Caley vorbei, um seine Tasche mit Kleidung und dem wenigen Geld, das er schon besaß, in Cedrics Zimmer bringen zu lassen. Er besucht noch zwei Caley in Wandlung und beglückwünschte sie, dann lief er eilig wieder zu seinem Gast zurück, der noch immer im Bett lag und wie tot schlief.

Die Sonne senkte sich draußen gerade in flammfarbene Pracht gehüllt in das türkisfarben Wasser, und Devi hatte Lust, mit seinem Mann als Begleitung dem fröhlichen Konzert der Paradiesgruppe zu lauschen und gegrillten Fisch zu essen. Kurzentschlossen nahm er eine der Zierfedern aus einem Gesteck heraus, hockte sich auf das breite Holzkopfteil des Himmelbettes und kitzelte Cedric über die Wange.

Murrend wischte Cedric mit der Hand nach der Fliege, die seinen Schlaf störte, doch sie ließ sich nicht beirren und kehrte zurück, einmal, zweimal... dann hörte er ein leises Kichern, das nicht zu einer Fliege passen wollte, und blinzelte unwillig und verschlafen. Goldbraune, große Augen sahen ihn verschmitzt aus einem herzförmigen Gesicht an, und die schmolligen Lippen in Devis Gesicht waren zu einem verspielten Lächeln verzogen, das Cedric statt zu Verärgerung dazu brachte, es zu erwidern.

Er streckte sich gähnend, wobei er merkte, dass es im Palast der Muscheln mittlerweile Morgen sein musste, denn das Aufwachen fühlte sich natürlich und nicht so erzwungen an. Dann drehte er sich halb zu dem zierlichen Jungen hin. Über dessen Schultern sah er den roten Abendhimmel, der die zarte Gestalt in rotes Gold einhüllte wie in eine Aura.

"Hast du schon Sehnsucht nach meiner Stimme gehabt, Hübscher?", neckte er ihn.

"Ich hatte Sehnsucht nach allem von dir, mein noch Hübscherer." Devi hockte sich bequemer hin und zupfte an seiner Shorts, dann deutete er auf seine Taschen, die gebracht worden waren. "Ich ziehe mich jetzt um für den Abend. Willst du es mir nicht gleich tun und mit mir am Strand etwas essen, bevor du nach einem sehr schönen Glas... Wein vielleicht, wieder in die Träume verschwindest?"

Cedric streckte sich erneut, gähnte versteckt und dachte dabei, dass er zumindest unschuldigen Zärtlichkeiten mit seinem Begleiter nicht mehr würde ausweichen können, wenn er nicht auffallen wollte. Einen Moment überlegte er, was den größeren Vorteil bringen würde, dann setzte er sich auf und nickte. "Ich komme mit, wenn du mir sagst, dass sich der Strand lohnt. Was wäre denn passend an Kleidung?"

"Ich habe keine Ahnung, was für einen Menschen das Passende wäre, soll ich in deinen Taschen nachsehen?" Neugierig sprang Devi von seinem Posten herunter und lief zu den zwei großen Koffern, von denen wenigstens einer die umständlich vielen Kleider der Menschen enthalten sollte.

Cedric lachte und nickte, dann stand er auf, um im Bad seine wie üblich vom Schlafen vollkommen verlegenen Haare mit zwei Handvoll Wasser in einen einigermaßen repräsentativen Zustand zu bringen. Es mochte vielleicht gar nicht so unangenehm sein, mit dem Jungen ein wenig zu kuscheln. So lange Cedrics Eltern nicht erfuhren, wie er an Informationen für seine Berichte gelangte, war alles in Ordnung. Er sah sich im Spiegel in die hellbraunen Augen, schnitt eine Grimasse und dachte daran, dass er schon zwei Mal kurz vor der Enterbung gestanden hatte, weil er zu Methoden gegriffen hatte, die seinen konservativen Herrschaften nicht gefielen.

Devi hatte für Cedric eine sandfarbene Hose und ein leichtes, hellbraunes Hemd herausgesucht. Er legte beides auf den Stuhl neben den Schminkspiegel, der im Vorraum des großzügigen Badezimmers stand. Rasch holte er sich selber eine ärmellose, knielange Tunika in Hellblau, die weite Schlitze für genug Beinfreiheit hatte, sowie eine enge mehr durchsichtige denn weiße Hose mit reichlich goldenen Mustern auf den Beinen, die ihn an seinen Vater erinnerte. Er lief ins Bad und zog sich die Shorts und das Hemdchen vom Tag aus.

Neben Cedrics Rasierzeug stellte er seine zwei Tontöpfchen mit dem Goldstaub und die Fläschchen mit den duftenden Ölen für die Haut. Er wählte eine Mischung aus Jasmin und Zitronengras und bestäubte sich sorgfältig die Brust und die Oberarme. Lächelnd blickte er Cedric im Spiegel an. "Bist du einverstanden mit der Kleidung für dich?" Während er zu den Sachen deutete, tauschte er das Goldkettchen mit den grünen Steinchen gegen eine Kette aus drei Teilen aus, die er als Gürtel in die Hose ziehen wollte.

"Perfekt, das hätte ich auch gewählt", sagte Cedric zufrieden und meinte es ernst. Ohne es zu verstecken, ließ er seinen Blick neugierig über den nackten schlanken Körper gleiten. Es wurde ohnehin von ihm erwartet. Als seine Aufmerksamkeit von dem kleinen festen Hintern angezogen wurde, fiel ihm auf, dass er schon länger keine Aktfotografien mehr gemacht hatte. Er sollte das wirklich mal wieder tun, auch wenn... auch wenn ein halbes Kind kein geeignetes Objekt war. Wie alt mochte der Junge sein? Fünfzehn? Sechzehn? Älter doch kaum.

Vielleicht irrte er sich aber auch. Devi war kein Mensch, selbst wenn die Ähnlichkeit verblüffend war. Ihm fehlten Brustwarzen, was die Brust eigenartig glatt aussehen ließ, ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Nachdenklich trat er neben ihn und schäumte die altmodische Rasiercreme auf. Er rasierte sich nicht oft, aber wenn, dann gerne auf diese Art, und wenn er Devi küsste, wollte er nicht die zarten Lippen zerkratzen.

"Wie alt bist du?", fragte er, ehe er den Schaum aufzutragen begann.

Devi hopste nackt, wie er war, auf den ausladenden Waschtisch und streckte sich einmal, bevor er grinsend ein wenig von dem Goldpuder in seinem Schoss verteilte. Auch hier sah er nicht wie ein Mensch aus, stellte Cedric fest. Er hatte keine Hoden, und der längliche Körperteil zwischen seinen Beinen wies nur vage Ähnlichkeit mit einem Penis auf.

"Ich bin mehr als vier Mal erwachsen. In Menschenjahre, hat Arkay gesagt, sind das etwa zwanzig." Devi hob sein eines Bein an und streifte einen zierlichen Goldring auf den zweiten Zeh, um dasselbe beim anderen Fuß zu wiederholen.

"Zwanzig!?" Überrascht starrte Cedric ihn an. Und vier Mal erwachsen? Diese Wesen waren mit fünf erwachsen? Nun, auf jeden Fall musste er damit schon mal weder in der Kultur der Caley noch für sich ein schlechtes Gewissen haben, dass er um der Tarnung willen etwas mit einem minderjährigen Kind anfing. "Ich hatte dich für jünger gehalten, aber so ist mir das lieber", meinte er offen, bevor er mit den Grimassen begann, die seine Rasur erforderte.

Fast hätte er sich geschnitten, als er mit Devi mitgrinsen musste, weil dieser zu kichern begann, aber er konnte das Unglück gerade noch abwenden. Im Anschluss benutzte er sein liebstes Aftershave, ehe er sich anzog. Er fühlte sich deutlich passender gekleidet als bei seiner Ankunft, aber Devis Anblick verwirrte ihn regelrecht.

Geheimnisvoll verhüllt in der hellblauen Tunika, gleichzeitig offenherzig durch deren Schlitze und die zarte weiße Hose, verzauberte der junge Caley seine Sinne; und in ihm flüsterte etwas mit unangenehmer Deutlichkeit, dass er diesen Abend genießen würde. "Du siehst atemberaubend aus, Hübscher", sagte er schließlich bewundernd, als er seine Stimme wieder gefunden hatte.

Devi lächelte, als ein ungewohnt intensives Glücksgefühl ihn erfasste. Er winkte Cedric und nahm den Zimmerschlüssel an sich, den er sich wie einen Schmuck um den Hals hängte. "Komm mit, ich hoffe, dass wir einen schönen Platz bekommen werden."

Er brachte Cedric mit dem Elektrowagen zum abgelegenen Restaurant am Kliff, wo die riesenhaften Fische auf Spießen gegrillt wurden und man in Nischen mit Blick auf die von Monden beleuchtete See und die dort abendlich fliegenden Fischschwärme essen konnte. Devi wählte entschlossen einen Tisch aus und bestimmte, dass sie vom Buffet essen würden. Die Wahl des Getränks überließ er Cedric, während er ihm bereits eine der besten Vorspeisen reservierte, die aus kleinen Spießen bestanden. "Iss das, es macht die Sinne wach, sagen die Abd Jabir."

Da er selber immer Hunger hatte, aßen sie die Vorspeise und einen Teil ihrer vom Buffet geholten Hauptgerichte schweigsam, dann begann Devi Cedric nach seinem Leben auszufragen, während er schon einigermaßen gesättigt mit seinem Saftglas spielte und hin und wieder daran nippte. Zwischendurch sorgte er dafür, dass Cedric sein leichter Wein nicht ausgehen konnte, und dass der junge Mann, der noch immer viel zu müde wirkte, auch wenn das Rasieren ihn deutlich attraktiver gemacht hatte, wenn dies überhaupt noch möglich war, das Essen nicht vergaß.


© by Jainoh & Pandorah