Unverhofft lebenslänglich

I - 3.

Selbst wenn der Kleine ganz schön bestimmend war, genoss Cedric das Essen. Devi konnte auf unnachahmlich sinnliche Art an seinem Saft nuckeln, seine zierlichen Gesten unterstrichen seine Fragen, und der Blick der goldbraunen Augen, die im Flammenschein der Feuer geheimnisvoll leuchteten, wich kaum einmal von Cedric. Es gefiel ihm, Devis ungeteilte Aufmerksamkeit zu besitzen, auch wenn der Kleine das bestimmt hervorragend spielen konnte.

Leicht berauscht, wenn auch noch weit von betrunken entfernt, fand Cedric es nicht einmal störend, dass Devi ein männliches Wesen war. Hier kümmerte es ohnehin niemanden. Mit einem trägen Lächeln beugte er sich vor und strich mit den Fingerspitzen über Devis nackten Unterarm, auf dem sich nicht einmal die kleinen Härchen befanden, die jeder Mensch hatte. Es war ein seltsames Gefühl, das ein Prickeln in Cedric weckte, das anderes war als alles, was er je zuvor gespürt hatte. Ein wenig verwirrt hielt er inne, beschloss dann aber, es dem zuzuordnen, dass es ein Mann war, den er berührte, anstatt eine Frau. Er umfing die zarte Hand mit seiner und zog auffordernd daran.

Devi blinzelte, als der Hauch von einer Ahnung zu sicherem Wissen wurde. Er blickte Cedric in die Augen und lächelte strahlend. "Du hast mich berührt", flüsterte er leise. Dann lachte er auf, umschlang Cedrics Hals mit seinen Armen und drückte sich fest an den Mann heran. "Jetzt ist alles sicher! Ich muss mich nicht mehr zurückhalten!", rief er glücklich auf und küsste die weich rasierte Wange.

Cedric zog den schmalen Körper eng an sich und rückte ihn bequemer auf seinem Schoß zurecht. Es fühlte sich gut an, und er wusste mit einem Mal mit absoluter Sicherheit, die nur von einem Zuviel an Wein kommen konnte, dass er seinen Aufenthalt hier wirklich genießen würde, auch wenn es einen Mann in seinem Bett bedeutete. "Sicher?" Er lachte leise und legte eine Hand auf Devis Wange, um sein Gesicht zu sich umzudrehen. "Was ist sicher? Dass ich dich als meinen Begleiter will? Das wollte ich schon vorher, wirklich." Er küsste ihn auf den weichen Mund, hielt inne und küsste ihn gleich noch einmal, überrascht von der Süße der Lippen, die mit jeder Frau mithalten konnten.

"Hm... Ich bin mir sicher, dass wir einander für eine lange Zeit haben werden, mein Schatz", murmelte Devi zwischen Küssen. Nach einer Weile schmuste er sich an den Mann heran und begann mit Lippen und Fingern, den Körper kennen zu lernen, den er nun sein Eigen nennen konnte. Doch ein frischer Wind und ein Auflachen am nahen Tisch machten Devi darauf aufmerksam, dass er sich noch immer mit seiner Beute im Restaurant befand. "Hm, ich will dich für mich allein haben, Cedric. Komm mit." Entschlossen umfing er die Hand seines Lieblings und zog ihn vom Tisch fort und zum Wagen zurück. "Ich fahre, du hast getrunken."

'Oha.' Cedric war noch lange nicht angetrunken genug, damit seine Sinne nicht allesamt auf Warnung schalteten. Er bremste den Caley aus, ihm hatte der Sinn nach Schmusen und einer netten Knutscherei gestanden, nicht nach mehr, und ganz gewiss nicht nach etwas, das Devi zu Kosenamen wie diesem Hoffnung gab.

"Ich bin nicht dein Schatz", korrigierte er, konnte sich aber dennoch nicht davon abhalten, einen Arm um ihn zu legen und ihn an sich zu drücken. "Und ich bin viel zu müde für mehr als das, was wir eben gemacht haben."

"Mehr werde ich auch eine Weile nicht machen können, Cedric." Mühsam hielt Devi sich davon ab, Cedric anders zu nennen. Noch war er zu schwach und konnte nichts tun, um den Mann zu verteidigen, natürlich hatte er da das Recht zu mehr Intimität noch nicht erworben, wenn sein Schatz es nicht wollte.

Als sie am Bungalow ankamen, schmiegte er sich deswegen nur an ihn heran, aber küsste ihn nicht und streichelte ihn auch nicht, obwohl ihm sehr danach war, den Körper zu spüren. Stattdessen zwang Devi sich, eine warme Dusche einzuplanen, um den Goldstaub von sich herunter zu waschen. Er sah Cedric aufmerksam an. "Ich gehe duschen, bevor ich das Bett mit Gold verziere, magst du nicht zu mir kommen?" Lockend zupfte Devi an den Fingern. Ein wenig hatte Cedric in der Schwüle draußen schon geschwitzt.

Cedric zögerte, aber dann kam es ihm albern vor, erst nach Devi zu duschen. Entweder war er wirklich zu müde, dann würde er die neugierigen Hände des Kleinen schon abwehren können oder er war es nicht, und wer wollte ihn dafür verdammen? Den zierlichen Körper nassglänzend zu sehen, war bestimmt ein lohnenswertes Erlebnis. 'Wie kommst du nur die ganze Zeit auf solche Gedanken?', fragte er sich verwirrt, erklärte es sich aber sofort auch selber wie so oft schon. Als Fotograf hatte er nun mal ein Auge für Schönheit, und dass Devi schön war, ließ sich nicht bestreiten.

Mit einem Lächeln folgte er dem Kleinen ins Bad. Während er sich auszog, sah er immer wieder zu ihm hin und fragte dann auch schließlich, als sie gemeinsam in die flache, große Duschwanne stiegen "Sag, hast du schon einmal überlegt, dich als Aktmodell zur Verfügung zu stellen? Von dir kann man bestimmt herrliche Fotos machen."

Devi schnupperte an Cedrics Haut an der Brust, dann wählte er zielsicher ein Duschgel aus, bevor er erwiderte "Du kannst mich soviel fotografieren, wie du willst. Ich zeige mich gern." Er lockte Cedric unter den weichen Wasservorhang, der sie beide einhüllen konnte und drehte ihn mit dem Rücken zu sich um. "Du bist doch auch wunderschön, willst du nicht auch mal Bilder von dir machen lassen?" Sachte kreisend verteilte er das Duschgel auf den Schultern.

"Ich stehe lieber hinter, als vor der Kamera." Cedric ließ es sich eine Weile gefallen, Devis Finger waren geschickt darin, ihn zu streicheln und zu massieren; dann drehte er sich jedoch entschieden um. Es war nicht seine Art, nur zu genießen und ruhig zu halten, zudem wollte er selber ein wenig erkunden, wie sich Devi anfühlte, wo er schon so nett anzuschauen war. Er seifte ihn gründlich ein, überließ es jedoch ihm, die empfindlichsten Körperpartien selber zu waschen, während er ein Shampoo auswählte. Irgendwie machte es ihm Freude, sich um den jungen Mann zu kümmern, einfach, weil es angenehm war, ihn zu berühren und zu umsorgen. Vorsichtig drückte er ihm einen Kuss auf den Nacken, ehe er damit begann, ihm den Kopf einzumassieren.

Das Jucken hatte schon begonnen, gleich hinter dem Ohr, und so empfand Devi es eher als störend, wenn er dort berührt wurde. Dennoch hielt er still und schloss genießend die Augen, weil Cedric ihn gern berührte, was ihn freute. Der Beginn der meisten Beziehungen der Caley, vor allen Dingen wenn sie dieser Art waren, begann mit Missverständnissen, Streit, Verfolgung und Flucht. Aber all das würden er und Cedric offensichtlich nicht ausstehen müssen.

Während sie sich abduschten, gegenseitig abtrockneten, eincremten und dabei immer wieder küssten und streichelten, geriet Devi mehr und mehr in das Rauschgefühl, über das er sonst immer nur Lieder gehört hatte. Er befahl Cedric endlich zu sich in das Bett und entließ ihn nicht mehr aus seinem Arm, zwang ihn sogar, die Schlafsachen auszulassen, um ihren Hautkontakt zu intensivieren, während er sich wie eine Schlingpflanze um ihm schmiegte, um mit einem satten und zufriedenen Lächeln einzuschlummern.

Cedric schlief nicht so leicht ein; er fühlte sich trotz seiner Müdigkeit nicht wirklich in der Lage dazu, die Zeitverschiebung machte ihm noch immer zu schaffen. Gedanken huschten durch seinen Kopf, nicht wirklich zu fassen, aber auch zu deutlich, um sie zu ignorieren. Devi war niedlich, aber am nächsten Tag würde er ihm einige Takte dazu sagen müssen, wie er ihn herumkommandierte. Das war nicht sein Ding, und er gedachte nicht, es ihm länger durchgehen zu lassen. Noch war es angenehm, besonders weil es zu einem anschmiegsamen Körper in seinen Armen geführt hatte, an einem Ort, an den er ohnehin hingewollt hatte. Doch wenn er so weitermachte, würde Cedric schnell die Geduld verlieren.

Vorerst gähnte er aber nur, vergrub das Gesicht in dem weichen, vom Trocknen fast fedrigen Haar und schloss die Augen, um das Gefühl zu genießen und den sanften Duft nach Blüten zu riechen, während er darauf wartete, einschlafen zu können.

 

Cedric wachte zu früh auf; die Sonne hatte gerade den Horizont rötlich gefärbt, was er eben so durch das Fenster sehen konnte, und er fühlte sich wie erschlagen. Er brauchte eine Weile, bis er soweit aus dem Schlaf empor gedämmert war, dass er zu vermuten begann, dass es vielleicht auch die unbequeme Lage sein konnte, in der er mit dem Körper in seinen Armen, halb unter und halb auf ihm, regelrecht verknotet war.

Nachdem er eine Zeit lang versucht hatte, wieder einzuschlafen, ruckelte er sich schließlich erst einmal zurecht, wurde dadurch jedoch eher noch wacher, und so stand er schließlich auf, als der Himmel in Rot und Gold getaucht wurde. Gedankenlos kratzte er sich durch die Haare auf der Brust, während er müde in die Küche tappte, um Kaffee zu ordern.

Bald saß er auf der Terrasse in der bequemen Hollywoodschaukel, ein Bein untergeschlagen und auf dem Knie die große Tasse abgestellt, und sah über die sich gegen das Licht wie Scherenschnitte abhebenden Silhouetten von Palmen hinweg, noch immer dösend, aber die frische Luft und den Anblick genießend.

Devi wusste ja, dass er in der nächsten Zeit viel Energie brauchen würde, aber der Hunger, der ihn erwachen ließ, überraschte ihn dennoch. Mit knurrendem Magen setzte er sich auf, sein erste Blick galt Cedric, der sich zum Glück gleich in der Nähe befand.

Da der Mann keine Anstalten machte, um zu flüchten oder sich in Gefahr zu begeben, machte Devi sich rasch im Bad frisch, um nicht verschlafen und zerknittert zu ihm zu gehen. Seine Haare begehrten an den Schläfen und hinter den Ohren ein wenig auf, er fuhr sich lediglich mit ein wenig Wasser hindurch, was sie niedlich verwuschelt aussehen ließ.

Nackt, wie er war, lief er zu seinem Schatz hin und schmiegte sich nach einem Kuss auf dessen Hals an ihn, während er mit einer Hand die Kaffeetasse stabil hielt, als die Schaukel sachte zu schwingen begann. "Ich bin verschlafen, das tut mir leid. Eigentlich hab ich vor dir aufwachen wollen."

"Macht nichts. Ich bekomme den Kaffee gerade noch so selber von dem Replikator." Cedric lächelte und legte aus Reflex einen Arm um den Kleinen, der sich so vertrauensvoll benahm. Es verwunderte ihn immer wieder ein wenig, wie perfekt Schlüssel Nähe vorspielen konnten, aber mehr noch verwunderte ihn, dass er dieses Mal darauf herein fiel und sich ihm sogar fast nahe fühlte, als würden sie sich schon länger als nur vom Vortag kennen. "Magst du hier frühstücken oder lieber mit mir in ein Restaurant gehen?", fragte er, die seltsamen Gedanken beiseite schiebend und hielt ihm seine Tasse hin. "Willst du einen Schluck?"

"Ich würde dir gern das Café im Tempelgarten der Abd Jabir zeigen. Dort haben sie ein hervorragendes Frühstück", schlug Devi vor und schlang ein Bein leicht um Cedrics. "Ich muss in der nächsten Zeit sehr viel essen. Außerdem treffe ich vielleicht auch meinen Freund Adiva dort, ich wollte ihn dir gern vorstellen."

Cedric hob leicht die Brauen und dachte bei sich, dass er mit dem Kleinen wohl wirklich etwas vorsichtiger sein musste. Freunde vorzustellen war wenig professionell, andererseits konnte ihm das vielleicht mehr Einsichten bescheren, wenn der Freund bereits länger hier war als sein zierlicher Begleiter.

"Nun, mehr zu essen kann dir nicht schaden", sagte er scherzhaft und ließ die Hand über Devis Rippen gleiten, die deutlich unter der weichen Haut zu spüren waren, ehe er die letzten Schlucke seines Kaffees austrank. Dann schob er sachte das Bein von sich, wand sich aus den irgendwie besitzergreifenden Armen und stand mit einem kleinen Grinsen auf. "Dann sollten wir uns fertig machen, denn so kannst weder du, noch ich gehen."

Er brauchte nicht lange, um sich nach einer schnellen Dusche für eine grüne Hose und ein beigefarbenes, kurzärmliges Hemd zu entscheiden. Mit gespreizten Fingern brachte er seine Haare in Form, trocknen würden sie von allein.

Devi hatte sich, ohne Cedric aus den Augen zu lassen, nur rasch eine leichte Shorts angezogen und streifte, um die Tempelregeln nicht zu verletzen, ein Hemdchen mit halblangen Armen über, das dafür aus durchsichtigem Stoff war, der ihn leicht umwehte. Seufzend legte er den Schmuck, den er aus Gewohnheit bereits gegriffen hatte, wieder ab. "Das steht mir nicht mehr zu, schade."

Vor dem Bungalow überreichte er Cedric die Schlüssel zu seinem Wagen und ließ sich neben ihm auf dem weichen Sitz nieder, um ihm den Weg anzusagen. Mit einer Hand hatte er Cedrics freie Hand ergriffen und ihre Finger verflochten.

Cedric ließ es geschehen, auch wenn ihm nicht ganz wohl dabei war. Das Fahrgefühl des kleinen Wagens gefiel ihm jedoch, und so fand er es fast schade, als Devi ihn nur wenig später auf einen Parkplatz diktierte, so dass sie den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen konnten. Aber es hatte sich gelohnt, denn nur wenig später erstreckte sich vor ihnen eine hübsch angelegte Landschaft aus zierlichen kleinen Tempeln, die sich harmonisch in ein farbenfrohes Blumenmeer einfügten.

Devi führte ihn jedoch rasch hindurch, bis sie das kleine Café erreichten, das ähnlich wie die Tempel gestaltet war, jedoch aus mehreren Pavillons bestand, die mit durchscheinenden Tüchern in kleine Nischen unterteilt waren. So bestimmend wie immer zog der Caley ihn an einen niedrigen Tisch und dann mit sich auf die Sitzpolster nieder.

Cedric runzelte die Stirn und schob Devi, der sich schon wieder an ihn kuscheln wollte, auf Armeslänge von sich. "Was hältst du davon, wenn du mal fragst und nicht gleich entscheidest? Ich schätze das nicht, Devi."

Lächelnd nickte Devi leicht. "Natürlich nicht, Cedric. Ich denke, dass du den Jasminkuchen am liebsten isst, habe ich das richtig gesehen?" Liebenswürdig wies er auf die Kuchenauslage. Er selber wollte Adiva kurz fragen, ob es seine Richtigkeit hatte und er wirklich zu essen beginnen sollte, aber er hatte schon diverse Gerichte vor Augen, die sein gesteigerter Appetit sicherlich bezwingen konnte.

"Nein", antwortete Cedric griesgrämig. "Kein Jasminkuchen für mich. Und wenn du so weitermachst, werde ich mir einen anderen Begleiter suchen."

"Cedric, das kannst du nicht mehr", widersprach Devi seinem Erwählten bestimmt und winkte Adiva freudig zu, als er ihn, wie immer in hellgrüne und zartrosafarbene Tücher gehüllt, aus dem Garten kommen sah. "Da ist Adiva."

Adiva streifte sich die Tücher vom Kopf auf die Schultern herunter und trat lächelnd an den niedrigen Tisch, an dem er ein sehr typisches Paar zwischen Caley und Ahnungslosem sah. Der Kellner brachte gerade den Begrüßungstee und fragte den Mann nach seinen Wünschen, Devi hob natürlich an, eine Bestellung für beide aufzugeben, wurde vom Mann gereizt unterbrochen, und alles in allem musste Adiva beinahe lachen.

Stattdessen bestellte er Jasminkuchen und einen leichten Tee für sich und verbeugte sich tief vor dem Mann. "Guten Morgen, mein Name ist Adiva al Sahjid al Rimon, ich bin der Palastarzt für die Menschen", stellte er sich vor und befahl gleich im Nebensatz "Ich weiß, dass es dir schwer fällt, Devi, aber du musst den armen Mann ein wenig zu Atem kommen lassen. Bitte geh und hol den Kuchen und Tee vorn vom Tresen ab."

Devi blickte unsicher auf den Mann an seiner Seite, dann nickte er und eilte davon.

Adiva lächelte entschuldigend. "Es ist schwierig, einen Caley in diesem Zustand rational zu beeinflussen, aber er wird immer bereit sein, für seinen Liebsten etwas zu tun, solange er ihn nicht aus den Augen lassen muss. Ist alles in Ordnung?"

"Liebster? Er ist mein Begleiter, nicht mein Geliebter", stellte Cedric verärgert klar und registrierte vor Missmut über den zierlichen Jungen nur am Rande, wie seltsam die Farbkombination der Kleidung des Arztes war. "Und wenn er nicht bald damit aufhört, suche ich mir einen anderen." Dann riss er sich zusammen und lächelte den weißen Mann mit den tierhaft anmutenden Schlappohren an, der Devi nicht an Zierlichkeit nachstand. "Aber damit will ich Sie gar nicht behelligen; danke für Ihre Sorge."

"Nein, behellige mich ruhig, wie war dein Name?", fragte Adiva noch sanfter nach. "Nenn mich einfach Adiva, das tun hier im Tempel und in der Klinik alle." Innerlich fragte er sich, ob der Mann von den Caley noch nie etwas gehört haben mochte. Selten für Reisende in dieser Gegend. Die putzigen Puppen der Caley waren doch immerhin allgegenwärtig, und die Folgen ihrer Fortpflanzungsart waren, um es milde auszudrücken, recht eindrucksvoll für die Betroffenen.

"Cedric Kelsea. Cedric reicht." Nein, Cedric gedachte nicht, sich vor diesem Fremden, der noch dazu ein Freund seines Begleiters war, noch einmal gehen zu lassen. Stattdessen verwickelte er ihn in ein Gespräch über den Palast und seine Krankenstation, um gar nicht erst wieder in Versuchung zu kommen, weiterzuschimpfen. Allein wenn er an Devis Art dachte, ärgerte er sich und das ärgerte ihn nur noch mehr, denn eigentlich sollte er in der Lage sein, es zu ignorieren. Er wusste gar nicht, wieso es ihn so aufregte. Als

Devi mit dem Tee und den Tellern mit Kuchen, Obstsalat und Quark zu ihnen kam, während ein Kellner starken Kaffee und mehr vom Frühstückstee brachte, sagte Adiva bestimmt "Du musst dem Mann mehr Freiraum gewähren, Devi. Er ist die Caley nicht gewohnt und muss sich in diese Situation erst einmal einfinden." Dann lenkte er das Gespräch auf die Umgebung und die besten Ausflugsziele und empfahl die Palastneuigkeiten, eine Art Informationsblatt, in dem auch Tratsch über die Gäste und natürlich Tipps für Tagesreisen zu finden waren.

Cedric ließ es sich gleich von einem Kellner bringen. Während sich die beiden Freunde über Dinge unterhielten, die ihn nicht interessierte, selbst wenn er mit halber Aufmerksamkeit auf vielleicht Wichtiges lauschte, blätterte er das nostalgisch aufbereitete Blättchen durch, um sich einen Überblick zu verschaffen. Tagesreisen in die Umgebung, Abendveranstaltungen, Kurse für die diversen Sportarten... Die Teilnehmerzahlen samt freien Plätzen wurden trotz der altmodischen Art des Heftchens immer aktuell angezeigt, und vieles war bereits ausgebucht. Devi sah ihm natürlich ständig über die Schulter, auch wenn Cedric ihn einmal schon recht ungehalten wegschob, als er zu dicht aufrückte; doch das beeindruckte den Caley offensichtlich nicht.

'Wenn er sich bis morgen nicht bessert, miete ich mir wirklich einen anderen Begleiter', dachte Cedric gereizt. Dennoch erwies sich dessen aufdringliche Art mit einem Mal als wertvoll, als er den kleinen Arzt fröhlich auf eine Tour für den Nachmittag hinwies und dieser eigentlich nur in einem Nebensatz erwähnte, dass der Besitzer mehrerer wichtiger Planeten, auf denen viele Firmen ihre Hauptsitze hatten, samt einigen Freunden daran teilnehmen würde. Cedric lächelte und buchte direkt zwei der verbliebenen drei Plätze, ehe er das Prospekt Devi hinschob. "Wir nehmen heute Nachmittag daran teil", erklärte er bestimmt und deutete auf die Beschreibung.

"Wundervoll! Ich freue mich!" rief Devi aus und hielt sich zurück, Cedric zu küssen. Stattdessen aß er noch zwei Kuchen auf und verabschiedete Adiva schließlich, der Cedric noch einmal bat, zu ihm zu kommen, wenn es mit der Art der Caley Probleme geben sollte.

Cedric wunderte sich ein wenig, wie viel der Kleine essen konnte, gerade bei dessen zierlicher Statur; vielleicht hatte Devi es am Vortag deswegen gesondert aufgezählt. Ihm sollte es recht sein. Mit einem Grinsen wuschelte er einmal durch die glatten Haare seines Begleiters, während er sich auf den Nachmittag zu freuen begann. Eine Fahrt durch den nahegelegenen Mangrovenwald in einem klimatisierten Boot mit Glasboden, abends mit Buffet und traditioneller Tanzvorführung an einem romantischen Strand, an dem natürlich sicher gestellt war, dass weder lästige Insekten, noch gefährliche Tiere nahe kommen konnten. Die Bilder von dem mit kleinen Lämpchen erleuchteten Strand mit den Sitzinseln waren hübsch gewesen, und Cedric sah sich schon gemütlich in einer von ihnen liegen, einen anschmiegsamen und zur Abwechslung mal nicht herrischen Devi in seine Arme gekuschelt.

Irritiert von diesem Bild sah er auf und zu seinem Begleiter hin, der die letzten Reste des Kuchens vertilgte, den er selber übriggelassen hatte. Zierlich oder nicht, Devi war ein männliches Wesen, und Cedric würde sich hüten, etwas Ernsthaftes mit einem Mann anzufangen. Einmal abgesehen davon, dass seine Eltern das auf keinen Fall billigen würden, stand er viel zu sehr auf Frauen, um schwul zu sein. Devi hob den Kopf und strahlte ihn mit seinen großen, goldbraunen Augen an, und Cedric ertappte sich dabei, dass er zurücklächelte, während sich ein eigenartig warmes Gefühl in seinem Bauch ausbreitete.

Ein flüchtiges Jucken überzog seine Brust und lenkte ihn zum Glück ab. Cedric rieb sich einmal rasch darüber, dann widmete er sich noch einmal dem Blättchen, bis Devi fertig war. Er ließ es sich sogar gefallen, dass der Kleine die Hand in seine schob, während sie zum Wagen zurückliefen.


© by Jainoh & Pandorah