Unverhofft lebenslänglich

I - 4.

Devi musste sich zusammenreißen, um seinen Schatz nicht zu sehr zu bedrängen. Es begann ihn bereits nervös zu machen, wenn sie sich nicht berührten. Das Jucken hinter seinen Ohren hatte aufgehört, aber setzte sich nun über den Kopf weiter fort und zog sich schon fast zu den Schläfen hin. Ein leiser Schmerz in seinen Knien und der Hüfte erinnerte ihn daran, dass er nun zu wachsen begann.

Er hatte ein wenig Trinkgeld von seinen anderen Herren und Damen hier erhalten. Da er sehr bald neue Kleidung brauchen würde, erinnerte er sich nun daran. Während Cedric mit seinem Computer spielte und eine Kameraausrüstung in einem Rucksack für Tagesausflüge unterbrachte, zog Devi sich eine knappe Badehose unter die weißen und durchscheinenden Sachen, bevor er sich auf dem Fußboden vor seiner kleinen Tasche sitzend mit dem Zählen seines Geldes befasste.

"Cedric, hilf mir doch mal bitte!", rief er endlich und hielt die verschiedenen Münzen und Karten hoch. "Kann ich mir hiervon eine neue Hose kaufen?"

Cedric sah auf den Kleinen hinab, der zwischen mehreren Geldhäufchen kniete und in seiner Verlorenheit einfach nur niedlich wirkte. Leise lachte er auf und erhob sich, um sich neben ihn zu hocken. Ganz selbstverständlich legte er einen Arm um die schlanke Taille, während er überschlug, was Devi ausgebreitet hatte. "Sicher, auch für mehr." Rasch küsste er Devi auf die Schläfe. "Kommst du mit der Währung nicht zurecht oder kannst du nicht gut rechnen?"

"Ich kann nur ein wenig zählen und rechnen, das braucht man bei uns daheim nicht." Devi schob das Geld nachlässig in die Tasche zu den Shorts und Hemdchen zurück. Es klickte hinter ihm, als Cedric ein Foto von ihm auf allen vieren vor seiner Tasche schoss, und Devi posierte lachend für einige weitere, bevor der Bringservice sie vom Zimmer abholte.

Die Fahrt führte zunächst durch die schönsten Anteile des Palastes, von denen Cedric ebenfalls kleine Filme machte und Fotos knipste. In einem der Jachthafen bestiegen sie mit einer Gruppe Menschen und anderer Wesen einen ausladenden schlohweißen Katamaran, dessen Fläche auf Deck von weiten Segeln überspannt zum Genießen der Fahrt in Halbschatten einlud.

Devi hatte den Arm um Cedrics Hüfte geschlungen, die Finger auf seine Haut unter der Hose gemogelt. Seine Haare wurden vom Wind zerzaust, so dass nicht einmal auffiel, wie sie schon allmählich ihre glatte weiche Form verloren und sich hier und dort aufstellten. Und das Beste an der Fahrt war das reichliche Essen, dem Devi herzhaft zusprach. Das Personal versorgte ihn lachend mit immer mehr, als sie erfuhren, dass er ein Caley in der Wandlung war, und Cedric war mit einem Mal zu beschäftigt, die anderen Gäste unauffällig zu fotografieren, um ihn so recht zu beachten.

Es war Devi nur recht, denn die Schmerzen in seinen Knien nahmen zu und machten, dass er sich ungelenk und angreifbar fühlte. Unglücklich kaute er auf noch mehr Sandwichs herum und beobachtete jeden Schritt von Cedric mit schmalen Augen. Einige Male zischte er andere Keys warnend an, wenn sie seinem Schatz zu nahe kamen.

Das Jucken auf Cedrics Brust nahm zu und lenkte ihn ab, und er fragte sich, ob er eine Allergie zu entwickeln begann. Der Gedanke behagte ihm nicht, so dass er sich vornahm, am nächsten Tag noch einmal bei dem zierlichen Doktor vorbeizuschauen, wenn es nicht besser wurde. Mit einem unwilligen Brummen verdrängte er den Gedanken wieder und fotografierte lieber Devi, als dieser gerade mürrisch zu einem weiblichen Key schaute, mit dem Cedric ein paar Worte gewechselt hatte.

"He, lächle, mein Hübscher!", rief er ihm mit einem Grinsen zu und wurde dafür mit einem so strahlenden Blick bedacht, dass er fast vergessen hätte, den Auslöser der Kamera zu drücken.

Doch schnell kehrte Devis sauertöpfische Miene zurück, und die besitzergreifende Art begann Cedric, erneut auf die Nerven zu gehen. Schließlich setzte sich er sich zu ihm, zog ihn ruppig auf seinen Schoß und hielt ihn fest, um ihm unauffällig sagen zu können "Hör zu, Süßer. Ich mag dich wirklich gern, aber wenn du mit diesem Gehabe, als sei ich dein Eigentum, nicht aufhörst, mache ich meine Drohung wahr und suche mir morgen einen anderen Begleiter. Wir sind kein Paar, in keiner Art, und du hast keinerlei Recht auf Eifersucht. Wenn du damit nicht umgehen kannst, ist es besser für uns beide, wenn wir diesen Vertrag so schnell wie möglich beenden."

Devi blickte Cedric verständnislos an, aber dann fiel ihm ein, dass Arkay, der auch Mensch war, es ebenso unangenehm gefunden hatte, als er und Jann sich verbunden hatten. "Ich weiß, dass ich noch kein Recht darauf habe. Ich bin noch nicht fertig. Aber ich kann nichts dafür, es liegt in meiner Natur und ist Bestimmung. Fühlst du das denn nicht auch?", fragte er ein wenig verwirrt.

Cedric zog verärgert die Brauen zusammen. "Nein. Zudem hast du nicht nur noch kein Recht darauf, sondern wirst auch nie welches dazu haben. Und wenn es in deiner Natur liegt, dann werde ich mir morgen definitiv einen anderen Begleiter suchen. Denn diese Natur gefällt mir nicht. Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich zu tun habe und gewiss auch nicht von jemandem einschränken, mit wem ich wie zu verkehren habe." Unwirsch schob er Devi von seinem Schoß und ging ans andere Ende des Katamarans, um sich zu einer kleinen Gruppe Gäste zu gesellen, mit denen er sich bereits vorher schon gut unterhalten hatte.

Devi folgte ihm, sein leichtes Humpeln unterdrückend. Die ziehenden und in den Gelenken brennenden Schmerzen nahmen zu, und er wusste, dass es ihm schwer fallen würde, in der nächsten Zeit auf Cedric Acht zu geben, wenn dieser nicht auch beginnen würde, Fieber oder dergleichen schwächende Beeinträchtigungen zu spüren. Mit sehnsüchtigem Blick hing er an seinem Schatz und Glück und verfolgte leise knurrend und leidend, wie Cedric sich von einem freien Key, einem Weibchen der Menschen, umflirten ließ. Es trieb ihm die Tränen der Wut und des Schmerzes in die Augen, aber Cedric beachtete ihn nicht.

Als der Katamaran anlegte und die Gäste sich auf mehrere kleine Boote verteilten, um die Mangroven zu besichtigen, gelang es Cedric zu seiner Erleichterung, es so einzurichten, dass er auf einem anderen Boot landete als Devi. Es brauchte zwar keine Viertelstunde, ehe ein aufgeregter Veranstalter sich für dieses Versehen entschuldigte, dass man ihn von seinem Begleiter getrennt hatte, aber nicht nur genoss Cedric die Ruhe, die er mit einem Mal hatte, er bekam sogar noch als Entschuldigung mehrere Gutscheine für diverse Aktivitäten versprochen.

Sehr zufrieden genoss er die Tour, amüsierte sich über das geziert erschrockene Aufschreien einiger Damen, als riesenhafte Alligatoren nahe ans Boot kamen, machte weitere Fotos von den Wäldern und noch mehr von den Herrschaften mit Schlüsseln. Allmählich nahm das Jucken auf seiner Brust jedoch wieder zu, und als stünde es damit in irgendeinem Zusammenhang, was natürlich absurd war, musste er ständig an Devi denken. Ob er zu harsch mit ihm war? Hoffentlich ging es ihm gut, er hatte eigentlich so ausgesehen, als fühlte er sich nicht wohl, krank irgendwie. Vielleicht war er deswegen so seltsam? Wie ein Kind, das nicht ganz gesund war, suchte der Kleine möglicherweise einfach nur Nähe. 'Absurd!', dachte Cedric übellaunig, aber die Sorge und ein Gefühl fast wie Sehnen ließen sich einfach nicht vertreiben.

Devi verbrachte die Bootsfahrt mit Essen und sehnsüchtigem Starren. Es tat ihm weh, Cedric nicht berühren zu dürfen. Der Hautkontakt minderte die Schmerzen und das Jucken, das ihn nun in vollem Umfang zu plagen begann. Als sie auf dem herrlichen puderweichen Sandstrand mit den muschelförmigen Sitzgruppen um kleine, romantische Feuerstellen anlangten, konnte Devi es nicht ändern, er stürzte weinend auf Cedric zu und presste sein Gesicht fest gegen die Brust des Mannes, zu aufgelöst, um etwas sagen zu können.

Cedric drückte den schlanken, bebenden Körper an sich, flüsterte Devi dummes Zeug ins Ohr und schimpfte stumm und wütend mit sich, den Kleinen allein gelassen zu haben. Gleichzeitig fühlte er unsagbare Erleichterung, ihn wieder halten zu können. Nachdem er ihn einen Moment lang einfach nur gestreichelt und getröstet hatte, lotste er ihn zu einer der Sitzgruppen, um sich dort niederzulassen und ihn ein wenig außer Sicht der anderen Gäste, die sich zum Teil offensichtlich über sie amüsierten, auf seinen Schoß ziehen zu können. Sachte wischte er die Tränen von dem zarten Gesichtchen, küsste Devi einmal auf seinen Schmollmund und fragte dann leise und besorgt "Geht es jetzt ein wenig besser?"

Devi nickte und wischte sich unwirsch über das Gesicht. Jucken und Schmerzen waren vergessen, Cedric hielt ihn und küsste ihn. Er strahlte sein Ein und Alles an und genoss mit halbgeschlossenen Augen, wie dieser ihn streichelte, während er ihm die Bilder von den exotischen Vögeln und Krabbensorten zeigte, die er eben gemacht hatte.

Einige Palastangestellte murmelten mitleidige oder belustigte Kommentare, die meisten freuten sich, dass der Mann sich offensichtlich nicht weiter zur Quälerei am armen Caley hinreißen lassen wollte. Unaufgefordert brachte einer beruhigenden Eistee und ein schmerzlinderndes Mittel für Devi, der sich leise bedankte.

Einige Gäste ließen sich mit Booten zum Riff hinausfahren, und Devi fragte, nachdem er mal wieder etwas gegessen hatte, ob er und Cedric nicht auch baden gehen wollten. Freudig zog er sich nackt aus, um seinen sich für ihn bereits ungewohnt anfühlenden Körper in der Sonne und dem leichten Wind zu strecken.

Cedric ließ sich gern dazu überreden; eine Weile tollten sie im warmen Wasser und beteiligten sich an dummen Spielen, die von den Angestellten organisiert worden waren. Irgendwie konnte Cedric seine Finger nicht mehr von Devi lassen. Ständig hatte er das Bedürfnis, ihn zu berühren, zu drücken und zu küssen, ihm durch die unordentlichen Haare zu fahren oder ihn auf den kleinen Hintern zu klapsen. Ein wenig unbehaglich beschloss er, dass es sein schlechtes Gewissen sein musste, das ihn so handeln ließ.

Später, als sie wieder in ihrer Sitzmuschel saßen und dem Tanz zuschauten, der viel mit Schleiern, wirbelnden Bändern und Lichtspielen zu tun hatte, ließ er Devi nicht von seinem Schoß, streichelte ihn unablässig über jede Stelle nackter Haut, die er zwischen den dünnen Stoffen erwischen konnte und fühlte sich auf eine angenehm verträumte Art wohl, die er nicht hätte beschreiben können.

Devi war glücklich. Endlich hatte Cedric begriffen, wie es um sie beide stand, und das Wissen um die Zukunft mit seinem Liebsten machte all das Zerren in seinen Muskeln und das Kribbeln und Krabbeln in ihm erträglich. Mehr als das zärtliche Streicheln wollte Cedric nicht, und damit war Devi dann auch sehr zufrieden, denn für mehr eignete er sich gerade nicht. Sie berührten einander für die restliche Zeit des Ausflugs, und so war Devi ausgeglichen wie nie, als sie spät in der Nacht in ihrem Zimmer wieder eintrafen und er sich nach einem weiteren Snack nackt ins Bett legte, um auf Cedric zu warten, der mit dem Computer versuchte, Freunde und Verwandte zu erreichen.

Cedric schickte einige der Fotos von Devi samt einem schnellen Bericht an seinen besten Freund Daniel, zusammen mit einer durchaus ernsthaft gemeinten Einladung, ihn im Palast der Schätze zu besuchen. Natürlich rechnete er nicht damit, dass Daniel die Zeit oder die Lust hätte, mehrere Sonnensysteme zu überwinden, nur um für ein paar Tage herzukommen, wenngleich das Geld mit Sicherheit keine Rolle spielte. Daniel hätte sich sogar eine Suite mit Schlüssel leisten können, wenn er gewollt hätte.

Als er die Mail abgeschickt hatte, dachte Cedric bei sich, dass es vielleicht auch besser war, wenn sein Freund nicht herkam, denn dann hätte er bei all dem Geschmuse am Ende erklären müssen, was sein Verhältnis zu diesem Begleiter denn nun wirklich war. Und das konnte er zumindest gerade im Moment nicht. Währenddessen holte der Computer automatisch die eingegangenen Nachrichten ab; Cedric überlegte für einen Augenblick, ob er überhaupt die Lust hatte, sie anzuschauen, oder ob er nicht gleich zu Devi ins Bett gehen sollte. Es war jedoch nur das Übliche, und er entschied sich, es schnell abzuhaken.

Die Mail seines Verlages war nicht besonders ermunternd, und unwillkürlich zog Cedric den Kopf ein wenig zwischen die Schultern. Sein Pseudonym war aufgeflogen, und einige hohe Herrschaften waren nun sehr erbost, dass er es war, der ihren Namen in den Schmutz gezogen hatte. Eindringlich forderte sein Verleger, dass Cedric den Ball flach und sich für die nächste Zeit ein wenig bedeckt halten sollte.

Die Mail seiner Eltern hingegen brachte Cedric dazu, sich aufzurichten und den Bildschirm anzublinzeln, froh darüber, dass er auf Textformat geschaltet hatte. Der Zorn schlug ihm schon allein aus den schlichten Zeilen entgegen, was er sich erlaubt hatte, diesen Manager und diese und jene Vorstandsvorsitzende bloßzustellen. Geschäfte waren geplatzt, Ehen standen kurz vor der Scheidung. Es berührte Cedric nicht sonderlich, aber dieses Mal waren die Drohungen seiner Eltern nicht leer, als sie ihm mitteilten, dass er von ihnen keinerlei Unterstützung mehr bekommen würde. Als er seine Konten überprüfte, konnte er einsehen, dass Daueraufträge storniert waren und zwei kleine Firmen, die ihm hätten gehören sollen, nun an seine Schwester übertragen worden waren.

Leise fluchte er und rieb sich den Nacken. Wunderbar! Das konnte er nun überhaupt nicht brauchen. Das Geld seines Verlages reichte nicht, um die Kosten für den Aufenthalt hier zu decken, und das, was Cedric jetzt noch hatte, würde auch bald ausgehen. Eine Weile starrte er den Bildschirm an, dann schrieb er seinen Eltern zurück und schaltete den Computer aus. Wenn er Glück hatte, hatten sie sich in ein paar Tagen wieder beruhigt, wie sie es eigentlich immer taten. Allerdings waren sie dieses Mal tatsächlich nicht nur bei Drohungen geblieben. Seine Laune war nicht zum Besten, als er zu Devi ins Bett kroch.

Bekümmert betrachtete Devi das düstere Gesicht seines Geliebten. "Was ist geschehen?", fragte er endlich, während er sich sorgfältig der Länge nach an Cedric heran schmiegte.

Gleich fühlte Cedric sich ein wenig besser, auch wenn ihm klar war, dass er es Devi nicht wirklich sagen konnte. Mit einem Seufzen schmuste er sein Gesicht in die weiche Halsbeuge seines kleinen Begleiters. "Meine Eltern sind sauer auf mich und haben mir erst mal das Geld gestrichen. Ich hoffe, sie überlegen es sich anders, bevor meine eigenen Ersparnisse aufgebraucht sind."

"Du kannst sonst gern bei mir im Haus der Caley wohnen. Wir haben dort eigentlich immer zwei, drei Betten frei, und alle aus meinem Volk werden froh und glücklich sein, dir zu helfen." Er drückte Cedric einen dicken Kuss auf die Schläfe und befahl gähnend "Aber das ist jetzt nicht wichtig, schlaf erst einmal, dein Körper braucht auch viel Energie."

 

Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, als Devi davon erwachte, dass er Hunger hatte und seine Hüften schmerzten. Er biss sich auf die Unterlippe und unterdrückte ein leises Wimmern, während er aufstand, um sich abzuduschen. Seine Haare waren leidlich verwirbelt und standen hier und dort ein wenig ab, was er mit einem raschen Kämmen gegen den Strich ausglich. Noch passten ihm einige seiner Kleider, und so zog er sich eine Shorts über und ging leise in das Schlafzimmer zurück. Cedric schlief noch, aber Devi machte ihm einen großen Becher Kaffee und stellte ihn auf dem Tischchen neben der Hollywoodschaukel warm, wo er sich mit Blick auf das Bett niederließ, um ein Auge auf seinen Sonnenschein zu haben.

Cedric hatte das diffuse, verschlafene Gefühl, dass ihm etwas fehlte. Zudem juckte seine Brust fast unerträglich, so dass er sich bereits kratzte, noch ehe er die Augen aufgeschlagen hatte. Es half nicht wirklich, und fluchend rollte er sich nach einem unbewussten Tasten nach Devi zur Seite, um aufzustehen. Erst dann blinzelte er, um nicht gegen irgendwelche Pfosten zu laufen und erhaschte direkt einen Blick auf seinen kleinen Begleiter. Noch ehe er guten Morgen oder sonst etwas hatte sagen können, noch ehe er überhaupt irgendetwas gedacht hatte, kam ihm der Kleine schon entgegen, und Cedric hielt ihn bereits in den Armen, bevor er sich dafür oder dagegen hatte entscheiden können. Aber es war gut, und irgendwie ließ der Juckreiz nach.

Cedric seufzte und küsste Devi rasch auf den Mund. "Na, gut geschlafen?", fragte er und küsste ihn erneut, bevor ihm bewusst wurde, dass er sich irgendwie verliebt verhielt. Knurrig drängte er den Gedanken beiseite, ließ von Devi ab und streckte sich. Dann entdeckte er die Kaffeetasse; er musste unwillkürlich lächeln, als er sich auf die Hollywoodschaukel fallen ließ und Devi sich prompt wieder an ihn kuschelte. "Danke dir", sagte er, schob ihn jedoch gleich wieder ein bisschen auf Abstand. "Tut mir leid, Kleiner, aber ich habe da so einen komischen Juckreiz; vielleicht ist es ansteckend. Halt besser ein bisschen Distanz zu mir."

"Das ist normal, keine Sorge, Cedric." Devi erfreute sich an dem Gefühl der Richtigkeit und streckte seine irgendwie zu langen Beine aus, bevor er leise fragte "Geht es dir wieder besser? Ich wäre so traurig, wenn mein Vater mir böse wäre." Allerdings konnte er sich Jann niemals böse vorstellen. Nicht einmal mürrisch. Arkay hatte mal behauptet, dass Jann unausstehlich hatte werden können, als man sie einmal getrennt hatte, aber das war ja sicherlich auch nur normal. Nie wollte Devi von seinem Cedric getrennt werden. "Ich wollte heute wegen meiner Wandlung zu Adiva hingehen, vielleicht kann er dir auch ein wenig helfen. Er kennt sich gut mit Caley und Menschen aus."

Ein wenig gereizt zuckte Cedric mit den Schultern. Normal? So ein Jucken war auf gar keinen Fall normal. "Sie sind mir öfter mal wegen irgendetwas böse, aber sie beruhigen sich zumeist auch recht schnell wieder." Mit einem Seufzen trank er einen Schluck Kaffee und befand, dass einerseits Devi nichts dafür konnte und zum anderen die Idee mit dem Arzt eine gute war. Das hatte er ja ohnehin geplant, und da er besser daheim blieb und an keinen Ausflügen teilnahm, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, verschwendete er damit auch keine Zeit. "Was für eine Wandlung meinst du?"

"Es ist eine kulturelle Sache in meinem Volk. Ich werde Meta. Wir haben einander berührt, da passiert es. Keine Angst, sehr bald bin ich fertiger Meta und dann ist der ganze Ärger vorbei. Immerhin tun dir nicht alle Gelenke weh, oder doch?" Besorgt sah er Cedric an, denn sein Schatz war ein wenig zu gereizt für ein kleines Jucken, wo sicherlich die Zeichnung entstehen würde. "Wo juckt es denn?"

In dem Moment begann Cedric zu fürchten, dass er sich mit einer Caleykrankheit angesteckt haben könnte, die für einen Caley recht harmlos war, aber für einen Menschen... 'Unfug, dafür haben sie in diesem Palast zu absolut hundert Prozent gesorgt, dass so was nicht passieren kann. Das können sie sich gar nicht erlauben.' Er zeichnete nach, wo es kratzte, eine V-förmige Stelle, die von der linken Seite seiner Brust zur rechten führte, mit der tiefsten Spitze nahe seinem Magen.

"Aber das macht fast gar nichts", meinte er mit einem Mal voll Sorge, als ihm klar wurde, was Devi angedeutet hatte. "Dir tun alle Gelenke weh? Seit gestern schon? Deswegen bist du so empfindlich, nicht? Warum hast du nichts gesagt, dann hätte ich dich gar nicht erst zu dem Ausflug mitgeschleppt!" Vorsichtig küsste er ihn auf den Mundwinkel, ehe er aufstand. "Wir gehen direkt zum Arzt."

Verträumt fuhr Devi mit den Fingerspitzen gerade die Zeichnung nach, die man noch gar nicht sehen konnte und lächelte, als Cedric beschloss, mit ihm zum Arzt zu gehen. "Du machst dir Sorgen! Das ist so lieb von dir. In einigen Tagen ist das schlimmste vorbei, dann schält sich noch die Haut und ich bin wie neu. Dann bin ich auch endlich nicht mehr so hilflos."

Cedric schauderte es. Die Haut schälte sich? Hoffentlich kannte der Arzt irgendeine Medizin, die seinem armen, kleinen Schatz das Leben leichter machen würden! "Du bleibst sitzen", kommandierte er und ging nach drinnen, um dem ungeheuren Appetit seines Begleiters gerecht zu werden und für ihn ein Frühstück zu richten. Er brachte es auf einem Tablett nach draußen, holte dann seinen Computer und prüfte Mails. Seine Eltern hatten ihm nicht geantwortet, aber von Daniel war eine Nachricht angekommen. Sie war ungewöhnlich kurz. 'Ein Caley, und du hast ihn angefasst? Warst du betrunken? Na, da kannst du ja von Glück sagen, dass nichts passiert ist! Schreib dir nachher mehr, Daniel'

Cedric runzelte verwirrt die Stirn und dachte bei sich, dass durchaus etwas passiert war und dann auch wieder nicht. Er erinnerte sich daran, dass er mehr über die Caley hatte nachlesen wollen, aber nicht dazu gekommen war. Rasch schickte er eine Bitte an Daniel, ihm Informationen zukommen zu lassen, dann schaltete er den Computer wieder aus und half seinem Caley bei der Vernichtung des Frühstücks.


© by Jainoh & Pandorah