Unverhofft lebenslänglich

I - 5.

Adiva hatte bereits mit Besuch von Cedric, dem netten und hübschen Menschenmann, und dem Caley Devi gerechnet. Es hatte nicht ausgesehen, als würde Cedric sich mit den Verbindungen der Caley auskennen. Nun steckte Adiva in der brisanten Lage, dass es ein unausgesprochenes Gesetz war, dem Ahnungslosen nichts über sein Schicksal zu verraten, wenn dieser sich nicht von allein bereits gefügt hatte.

Cedric zeigte sich höchst besorgt über den Juckreiz auf seiner Brust, weswegen ihm Adiva neben beruhigenden Worten noch ein wenig Lotion anmischte. "Devi kann sie auftragen, das sollte besonders lindernd wirken."

Für Devi hatte er schon einen Tee, der Energie ersetzte und das viele Essen nicht so unbedingt nötig machte, sowie ein leichtes Schmerzmittel für die Zeit, in der er Cedric nicht berühren oder zumindest nahe sein konnte. "Komm wieder zu mir, wenn die Zeichnung beginnt und die Haut sich schält", bat er Devi und meinte zu Cedric "Wenn es schlimmer wird, komm gleich zu mir, dann kann ich dich auch gern über Nacht hier aufnehmen."

Es erschreckte Cedric, dass sein erster Gedanke 'Nicht ohne Devi!' war. Grübelnd sah er zu dem Caley hin, der blass und mitgenommen wirkte und schob erst einmal seine eigenen Sorgen beiseite. Zurück im Bungalow verordnete er ihm direkt Bettruhe und legte sich gleich zu ihm, um mit ihm zu kuscheln, da die Nähe dem Kleinen gut zu tun schien. Natürlich war es ein netter Nebeneffekt, dass er sich selber wohl dabei fühlte, aber dennoch wurde ihm bald langweilig, und er holte den Computer ins Bett. Während Devi den Kopf in seinem Schoß gebettet hatte und Cedric seine Haare kraulte, las er die verwirrende Nachricht von Daniel, der nur lakonisch feststellte 'Es ist also doch etwas passiert. Ich denke, ich nehme deine Einladung an und komme wirklich vorbei. Du wirst die moralische Unterstützung deines besten Freundes brauchen.'

"Was meint er damit, dass ich Unterstützung bräuchte, weil ich dich berührt habe?", fragte Cedric, während er Daniel antwortete, dass er, wenn er wirklich kam, gerade in seiner Wohnung vorbeigehen und ihm einerseits die Wertpapiere und andererseits das Notizbuch mit den Adressen mitbringen konnte.

Devi schmuste vor sich hindösend mit Cedric und stopfte sich zur selben Zeit mit salzigen Energieriegeln voll. Er mochte die Musik, die Cedric im Hintergrund seiner Aktivitäten an seinem Computer laufen ließ und fühlte sich vollends wohl mit dem Gefühl der Veränderung. "Ich denke, dass er die Wandlung meint. Aber ich bin ja bei dir, und du hilfst mir dabei. Eigentlich brauchen wir niemanden sonst. Vielleicht noch Adiva, der uns ein wenig von seinen Heilmitteln gibt."

Cedric beließ es bei dieser Erklärung, auch wenn sie ihn nicht zufrieden stellte. Er mailte einigen anderen Freunden, bekam von seinem Verlag eine weitere Nachricht, dass nun sogar gegen diesen Drohungen ausgesprochen worden waren und schaltete daraufhin den Computer auf Standby, um lieber noch etwas mehr mit Devi zu kuscheln. Mehr als schmusen taten sie nicht, und Cedric hatte auch kein Verlangen nach Sex, was ihn im gleichen Maße beruhigte wie verwirrte. So wie mit Devi hatte er sich noch nie gefühlt, aber offensichtlich war er dennoch nicht verliebt, auch wenn er kaum die Finger von ihm lassen konnte und sich bereits Sorgen um ihn machte und sich nach ihm sehnte, wenn sie nur für wenige Stunden getrennt waren.

Schließlich dösten sie gemeinsam ein. Es war bereits später Abend, als der charakteristische Laut weiterer Nachrichten Cedric weckte. Er prüfte sein Emailfach, weil er noch immer auf eine Antwort seiner Eltern hoffte, stattdessen war es eine weitere Mail von Daniel.

'War gerade in deiner Wohnung, Ceddy. Es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alles durchsucht, aber bis auf dein Adressbuch und einige deiner persönlichen Speicher im Safe fehlt nichts. Die Polizei ist alarmiert. Ich glaube, du bist mit deinem letzten Artikel zu vielen Leuten auf die Zehen getreten. Pass auf dich auf; ich mach mir Sorgen um dich. Komme, so schnell ich kann. Gruß, Daniel'

Eine Weile starrte Cedric die Nachricht an, während sich ein unangenehm kaltes Gefühl in seinem Bauch auszubreiten begann. Er schauderte und klappte den Computer heftig zu, als könnte das etwas ändern. Von der abrupten Bewegung wurde auch Devi wach und für einen Moment, als sein Blick ihn nur aus den Augenwinkeln streifte, hatte Cedric den Eindruck, sein kleiner Caley war gewachsen. Die aufkeimende Angst verdrängte es jedoch gleich wieder, und gedankenverloren streichelte Cedric ihm über den Kopf. Es gefiel ihm nicht, was er jetzt würde tun müssen, aber er hatte keine Wahl, wenn er den empfindlichen Mann nicht in Gefahr bringen wollte.

"Devi, ich begleite dich jetzt besser zu Adiva, und da bleibst du. Ich... habe mich in eine unschöne Sache reingeritten, die zu gefährlich wird, als dass ich mit reinziehen möchte", sagte er leise und schauderte. Kein Geld, so dass er sich hier würde ausschreiben müssen, die Adressen seiner Freunde bekannt, so dass er dort keinen Unterschlupf würde finden können. Aber immerhin war die Miete hier ein paar Tage im Voraus bezahlt, so dass er auf Daniel warten konnte, und zusammen mit ihm würde ihm hoffentlich etwas einfallen.

"Nein." Mehr konnte Devi eine Weile lang nicht sagen. Endlich, als Cedric schon längst mit seinen Taschen und Toilettensachen hantierte, offensichtlich um sich eine schnelle Abreise zu ermöglichen, fand er zwischen dem Zusammenräumen seiner eigenen Sachen die Gelegenheit, noch einmal zu sagen, dass er Cedric niemals verlassen würde.

Sein Jammern half nichts, er wurde mit zu der Praxis des kleinen Arztes gebracht, wo ein Notruf Adiva von seiner privaten Wohnung herbei fahren ließ.

Adiva brachte Cedric und Devi, bei dem die Haare mittlerweile schon wild abstanden, zu einem seiner besseren Krankenzimmer mit eigenem Bad und einem leidlich breiten Bett. "Bleibt doch heute Nacht einfach beide hier", schlug er leise vor, als ihm Devi von dem Wirrwarr in Cedrics Leben erzählte, mit einer Freimütigkeit, die dem Menschen nicht so recht zu sein schien. "Vielleicht sieht morgen ja schon alles wieder besser aus."

Devi musste noch ein wenig von dem schmerzlindernden Mittel nehmen, dafür versprach Adiva ihm, dass er sicherlich sehr bald kräftiger werden würde. Kräftig genug, um seinen Schatz beschützen zu können.

"Ich hoffe es, Adiva. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht in der Lage bin, meinen Sonnenschein zu behüten", wisperte Devi dem Arzt zu, während Cedric grummelnd verschlüsselte Nachrichten schickte.

Am anderen Morgen ging es Devi wieder eine Spur schlechter, und er schloss gleich wieder die Augen, um gar nicht erst wach werden zu müssen. Das Jucken auf seinem Kopf ging mit dem ersten Schälen einher, und er fand seine Haare schuppig vor, als er sich dann endlich aus dem Bett rollte, weil Cedric offensichtlich schon in das Café gegangen war. Im Spiegel sah ihm ein kantigeres Gesicht entgegen, und seine Haare standen wild ab, feine Schuppen flogen zu allen Seiten, als er sich derb durch die Haare wuschelte.

In der Dusche stieß er sich den Ellenbogen, und beim Anziehen passte ihm seine hellbeige Lieblingsshorts nicht mehr. Nackt und schluchzend warf sich Devi unter die Decken vom Bett und rollte sich zu einem Ball zusammen. Sehnsucht nach Cedric ergriff ihn ungeahnt heftig, so dass er sein tränennasses Gesicht fest in dessen Hemd vom Vorabend presste.

 

Eigentlich hatte Cedric sich zurückgezogen, um vernünftig nachzudenken, denn solange Devi in seiner Nähe war, schien er, was den Caley betraf, keinen klaren Gedanken fassen zu können. Leider halfen weder die Distanz, noch ein starker Kaffee, so dass er bald wieder zurück in die Krankenstation ging. Besser war es eigentlich ohnehin, wenn ihn niemand mehr zu Gesicht bekam. Als er das kleine Zimmer betrat, sich unverhältnismäßig auf Devi freuend, empfing ihn leises Schluchzen. Sofort schoss Sorge in ihm hoch; er zog die Tür zu und war mit wenigen Schritten beim Bett, um seinen kleinen Freund in die Arme zu nehmen.

"Ich war doch nur draußen, bin doch da", murmelte er und strich durch das wirre Haar. Als Devi zu ihm hochsah, erschrak er noch viel mehr. Irgendwie erschien er deformiert oder zumindest anders als sonst. Das Kindliche, Unschuldige in seinen Zügen wich, und von dem, wie er sich anfühlte, war er auch gewachsen. Als er Verwandlung gesagt hatte, hatte er wohl exakt das gemeint. Ein Schauder rann Cedrics Rücken hinab, während er sich vorzustellen versuchte, wie dieses zierliche Wesen am Ende aussehen mochte. "Hey... hey, hör auf zu weinen. Soll ich Adiva rufen? Tut dir was weh?"

Devi schüttelte leicht den Kopf, dann wimmerte er klagend mit leicht heiserer Stimme "Ich bin so hässlich!" Bezeichnend hob er seinen Arm, während er den anderen um Cedrics Körpermitte schlang. Seine Proportionen gerieten aus der Form, und das belastete ihn, sobald er allein war. Doch nun war Cedric da, und sein Schmerz und die Scham verschwanden. "Aber du bist da, und jetzt weiß ich wieder, weswegen ich all das durchmachen muss."

Cedric zuckte zusammen. Daniel hatte gesagt, er sollte keine Caley anfassen und dass er bald seine Hilfe brauchen würde. Ihm wurde kalt, und er umfasste das aus der Form geratene Gesicht Devis. "Bin ich Schuld?", fragte er heiser. "Ist es das? Musst du wegen mir leiden? Hört es wieder auf oder... oder..." Oder würde er sterben? Es nur zu denken tat scheußlich weh, viel mehr, als die kurze Zeit ihrer Bekanntschaft eigentlich hätte vermuten lassen.

Devi lachte auf. "Ach, natürlich ist es alles nur wegen dir! Aber ich bin so froh! Du bist wunderschön, und wenn ich erst einmal durch das hier durch bin, werden wir sehr glücklich sein."

Adiva kam herein, nachdem er seine Runde Hausbesuche bei einigen Keys und ein paar Gästen, die sich eine Fischvergiftung zugezogen hatten, beendet hatte. Er sah nur kurz zu seinen beiden Patienten herein und meinte, dass er noch viel zu tun habe und erst am späteren Abend wieder da sein würde. "Ich schicke dir noch mehr Essen hierher, Devi. Die Küche vom Palastcafé weiß Bescheid, und ich habe dem Fischrestaurant vorn auch gesagt, dass sie am Abend noch jemanden für dich schicken sollen."

Cedric stellte fest, dass es mit dem Appetit seines Begleiters wohl noch schlimmer werden würde, denn dieses Essensarrangement galt neben den normalen Mahlzeiten, die sie ohnehin bekamen. Als Adiva wieder gegangen war, blieben sie weiter gemeinsam auf dem Bett liegen; einmal rieb Devi seine juckende Brust mit der Lotion ein, was Cedric gleich darauf zurückgab, indem er den ganzen Caley eincremte, den es überall juckte und schmerzte. Es schien ihm aber wirklich besser zu gehen, wenn sie sich berührten, so wie Cedrics Juckreiz ebenfalls besser wurde.

Während Devi schließlich in seinen Armen eindöste, versuchte Cedric, das an Wissen zu sortieren, was er über die Caley bisher hatte. Er kam zu dem Schluss, dass durch die Berührung eines anderen Wesens, das wohl in gewisser Weise zu dem Caley passen musste, eine Art Wandlung ausgelöst wurde, die den knabenhaften Mann in unglaublicher Geschwindigkeit wachsen ließ. Zudem schien sie ihn an das Wesen, dass diese Verwandlung ausgelöst hatte, zu binden. Cedric konnte nur hoffen, dass es eine zeitliche Begrenzung dafür gab.

Unwillig schnitt er eine Grimasse und beschloss, dass es an der Zeit war, endlich zu tun, was er sich schon vor Tagen vorgenommen hatte. Immerhin hatte er jetzt genügend Muße dafür. Vorsichtig küsste er den nicht mehr ganz so kleinen Begleiter auf die Schläfe und murmelte "Bin gleich wieder bei dir, keine Sorge." Dann stand er auf, um den Computer zu holen.

'Wenn ich schon mal dabei bin, kann ich eigentlich auch gleich noch das an Bildern aufbereiten, was ich angefertigt habe. Vielleicht kann man ja trotzdem was draus machen.' Die Speicher waren schnell gefunden, doch dann entdeckte Cedric, dass er ausgerechnet den mit den Bildern von Devi im Bungalow liegen gelassen hatte. Er fluchte leise. So süße Bilder würde er nie wieder mit ihm machen können, wenn sein kleiner Schatz mit der Geschwindigkeit weiterwuchs. 'Er ist nicht mein Schatz!'

Mit einem Blick auf das Bett, von dem ihm Devi mit einem erschöpften Blinzeln aus bei seiner Suche zugesehen hatte, entschied er sich, allein zurückzugehen. Noch war bestimmt alles ruhig, und selbst wenn nicht war er wohl kaum in Lebensgefahr. Er setzte sich auf die Bettkante, beugte sich vor und küsste Devi erst auf den Mundwinkel, dann voll auf die Lippen. "Ich geh noch mal rasch zum Bungalow zurück; ich habe dort etwas liegen lassen. Bleib hier und ruh dich aus, mein Kleiner. Ich bin wieder da, so schnell es geht."

Alarmiert hob Devi den Kopf. "Bitte, Cedric, kann das nicht Adivas Helfer morgen früh machen?" Er setzte sich unruhig auf, aber war zu schwach und unsicher mit seinen ungleichen Gliedern, die noch immer stetig in Veränderungen gefangen zu sein schienen. "Oder vielleicht einer der anderen Caleys? Sie werden sicherlich morgen nach mir sehen."

Beruhigend umfing Cedric ihn, drückte ihn an sich und streichelte durch das nun so unansehnlich struppige Haar. "Ich komme zurück, du musst dir keine Sorgen machen, dass ich verschwinde. Versprochen. Und weißt du", er schnitt eine Grimasse, als er zugab "es ist ausgerechnet der Speicher mit den Bildern von dir, den ich habe liegen lassen. Wenn jemand kommt, um nach mir oder Beweisen zu suchen, wird das in der Nacht sein. Ich habe die Befürchtung, dass er morgen nicht mehr da sein könnte." Rau küsste er ihn erneut auf den Mund, festigte seine Umarmung noch einmal kurz und ließ ihn dann los. "Sie sind mir wichtig, weil sie von dir sind."

Nein, das konnte er unmöglich gesagt haben. Unbehaglich zog Cedric die Schultern hoch und stand auf. Wenn es Devi besser ging, mussten sie dringend klare Fronten schaffen. Sehr dringend. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn er jetzt ginge und nicht mehr zurückkäme. Er war vielleicht Fotograf mit einem Auge für Schönheit, aber er war nicht schwul. Und doch... Mit Schritten, die energischer waren, als er sich fühlte, verließ er das Zimmer.

Devi wimmerte leise auf, aber konnte nichts weiter tun, als seinem durchs Schicksal erwählten Lebensgefährten beim Fortgehen zuzusehen. Sein störrischer Körper beantwortete einen energischen Versuch, Cedric zu folgen, mit einem Schwall an Schmerzen, und Devi blieb nichts weiter übrig als stöhnend zurückzusinken.

 

Cedric fühlte sich nicht gut, als er Devi verließ. Das Jucken auf seiner Brust nahm wieder zu, dazu gesellte sich ein dumpfes Drücken in ihm, nicht wie körperlicher Schmerz, sondern in seinen Gefühlen, ein Sehnen, zu dem Caley zurückzukehren, obwohl er kaum den Krankenbereich verlassen hatte.

Stur ging Cedric dennoch weiter; unmöglich, dass er jetzt nicht mehr für längere Zeit von der Seite seines Begleiters weichen konnte. Er war immer gekommen und gegangen, wie er es gewollt hatte und gedachte nicht, das einzustellen. Er würde sich auch nicht an einen Mann binden, ganz bestimmt nicht an nur einen und den Rest seines Lebens in trauter Treue verbringen. Das war einfach nicht sein Ding.

Er zählte noch mehr Gründe auf, gefühlsmäßige ebenso wie logische. Doch Vernunft half genauso wenig wie Schimpfen, und seine Sehnsucht nach Devi wurde größer, je weiter er sich von ihm entfernte. Er verfluchte sein Schicksal und freute sich gleichzeitig darauf, den Kleinen bald wieder in den Armen halten zu können und war alles in allem nur noch gereizt, als er endlich in der Dämmerung den Bungalow erreichte.

Wütend öffnete er die Tür und wunderte sich im gleichen Moment, dass sie nicht abgeschlossen war. Licht empfing ihn und ließ ihn blinzeln. Die Gedanken an Devi wurden unwichtig, als er jemand an einer der Kommode zwischen geöffneten Schubladen und herausgerissenen Sachen stehen sah. Ein gewöhnlicher Einbrecher, oder hatte das hier etwas mit seinen Problemen zu tun? Cedric hatte nicht vor, das herauszufinden. Er war unbewaffnet und wusste nicht, wie viele Komplizen der andere hatte.
Doch seine Pläne, die Tür einfach wieder zuzuziehen und dann zu rennen, was das Zeug hielt, wurden von einem Geräusch hinter ihm unterbrochen. Er wirbelte herum, sah aus den Augenwinkeln eine weitere Gestalt, dann spürte er nur noch einen stechenden Schmerz, als ihn etwas hart am Kopf traf.

 

Daniel hatte eine angenehm kurze Fahrt gehabt, als er auf dem kleinen, aber luxuriösen Shuttlelandeplatz nahe des Palastes ausstieg. Zum Glück hatte er sich nicht allzu weit von diesem Sonnensystem aufgehalten, und er hatte noch eine ordentliche Summe ausgegeben, um die schnellste Verbindung zu bekommen. Das war aber auch schon alles, was er positives über diese Reise sagen konnte. Er vertrug weder die hohen Geschwindigkeiten noch den Sprung durch die Tore, und zudem hatte ihn die Sorge um Ced geplagt. Dass sein bester Freund auch immer so ein verdammt ungeschicktes Timing haben musste! Den Caley hätte er doch wirklich vor oder nach den Problemen wegen dieser Sache mit den Palästen kennen lernen können.

Dennoch musste er schmunzeln, als er endlich wieder den festen Boden eines Planeten unter den Füßen hatte. Wie nach jedem Sprung rückte er erst einmal sein kurzärmliges, blaues Hemd und die cremefarbene Hose zurecht und fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das blonde Haar, als würden ihn die vertrauten Gesten erden und ihm zeigen, dass er wirklich sicher gelandet war. Energischer folgte er dann einem Pagen in die Empfangshalle. Der Caley würde Ced gut tun, der noch nie wirklich verliebt gewesen war und von sich behauptete, auch unfähig dazu zu sein. Ein hübsches Jungelchen war es, mit dem er sich da verbunden hatte, leider würde er nun wie alle Caley zu einem Riesen von fast zwei Metern heranwachsen mit entsprechend breiten Schultern und großen Händen.

Darauf stand Daniel nun überhaupt nicht, und so vermied er es, den Caley zu berühren, der ihm mit großen Augenaufschlag und einem süßen Lächeln einen Begrüßungsdrink reichte. Man wusste nie, ob man nicht ausgerechnet auf einen genetisch passenden stieß, bis es zu spät war. An dem Drink nur nippend mietete er sich in eine Suite ohne Schlüssel ein, wehrte auch die Angebote nach Begleitern ab und erkundigte sich stattdessen, wie er Cedric finden konnte, der so klug gewesen war, sich unter einem Pseudonym einzumieten. Zwar war er bei seinem Vornamen geblieben, was unvernünftig genug war, aber alle anderen Angaben entsprachen nicht der Wahrheit.

Er ließ sich einen der kleinen Gleiter geben und folgte dem Navigationssystem, während er die schönen Anlagen bewunderte, die sich harmonisch zwischen Palmen und um Pools gruppierten. Auch hier in den billigeren Bereichen hatte sich die Leitung um das Beste bemüht. Ein angenehmer Ort, um Zeit zu verbringen.

Er parkte das Gefährt auf dem ausgewiesenen Stellplatz und ging dann beschwingt zu dem Bungalow hin. Ced und er hatten sich schon viel zu lange nicht mehr gesehen, und er freute sich auf seinen Freund, vor allem auch darauf, ihn mit jemanden turteln zu sehen. Ein breites Grinsen überzog sein Gesicht und ließ seine blauen Augen vergnügt aufblitzen. Flirten konnte Ced gut, aber obwohl sie sich seit der Schule kannten, hatte er ihn noch nie turteln sehen.

Er hob die Hand, um an die von rotblühenden Kletterlilien umrankte Tür zu klopfen, doch stockte mitten in der Bewegung, als ein leichter Windhauch sie schwingen ließ. Eine unangenehme Kühle erfasste ihn, als die Angst um Ced wieder hochkamen, die ihn erfasst hatte, als er das Chaos in dessen Wohnung zu Gesicht bekommen hatte. "Ced? Ceddy?"

Vorsichtig stieß er die Tür ganz auf und wurde von einem ähnlichen Bild begrüßt. Schubladen waren aufgerissen worden, Decken und Kissen auf dem Boden verteilt. Aber inmitten der Unordnung lag die kräftige Gestalt seines besten Freundes reglos auf dem Boden. Die Kühle wurde zu einem eisigen Schreck, als Daniel zu ihm hinstürzte und bei ihm niederkniete. "Cedric!"

Das sonnengebräunte, vertraute Gesicht war blass, und er hatte eine dicke, verfärbte Beule an der Schläfe; Blut war unter seiner Nase und in den Mundwinkeln verkrustet, aber eine hastige Untersuchung zeigte, dass er atmete. "Verdammt, Ceddy!", knurrte Daniel, um seiner Sorge Herr zu werden. "Jag mir doch nicht solch einen Schreck ein!" Er griff nach seinem Handy, um den Notdienst zu rufen, doch in dem Moment bewegte sich Ced und gab ein leises Wimmern von sich.

Cedric fühlte sich, als sei ein Aktenschrank auf ihn gefallen und hätte ihn unter sich begraben. Sein ganzer Körper schmerzte, ihm war schlecht und er konnte kaum die Augen öffnen. Doch undeutliche Geräusche und eine Stimme hatten ihn geweckt, und irgendwie war ihm bewusst, dass er wieder zu sich kommen musste, sonst würde ihn jemand umbringen. Statt einer diffusen Gefahr, die er auch nicht hätte benennen können, sah er sich jedoch Daniel gegenüber, der mit angespannter Miene neben ihm kniete.

"Nenn mich nicht Ceddy", brauchte er heiser hervor und versuchte sich aufzurichten. Zuerst wurde ihm schlecht, aber als Daniel nach ihm griff und ihn einen Moment festhielt, damit er nicht gleich wieder zusammen sackte, ging es ihm schnell besser. Dann kam die Erinnerung zurück, und er stöhnte auf. Seine erste Frage war jedoch "Wie spät ist es?"

"Früher Vormittag. Ich hole besser den Notarzt und den Wachdienst, Ced. Jemand hat dich niedergeschlagen und den Bungalow durchwühlt." Besorgt wollte Daniel wählen, doch Cedric hielt ihn auf.

"Verdammt! Devi wird tot vor Sorge sein!" Und bestimmt ging es ihm auch dreckig, vielleicht würde er sogar denken, dass sich Cedric aus dem Staub gemacht hatte. Allein der Gedanke entlockte Cedric ein weiteres Stöhnen. "Ich muss zurück, ich war die ganze Nacht weg!"

"Ced..."

"Nichts Ced! Du hast bestimmt einen Wagen, bring mich zur Krankenstation, da wartet er auf mich."

Es brauchte ein paar Minuten, ehe Daniel seinen Freund zu einer vernünftigen Erklärung bewegen konnte, dann kamen sie jedoch überein, dass der Wachdienst keine gute Idee war, da sonst Cedrics gefälschte Identität in Gefahr geriet. Daniel würde ihn zur Station fahren, dann wieder in den Bungalow kommen und oberflächlich aufräumen, und sobald es Cedric etwas besser ging, würde er den Vertrag kündigen, um mit Devi zu Daniel in die Suite zu ziehen.

Cedric wusch sich das Gesicht und richtete sich wieder halbwegs ansehnlich her, dann suchten sie den Speicher mit den Bildern, wegen dem er zurückgekommen war und auf den er stur bestand, und fanden ihn zum Glück schnell. Es fehlte auch sonst nichts, was Daniel zur Vermutung brachte, dass jemand Hinweise auf Cedric Kelsea gesucht, aber nicht gefunden hatte, da die Kamera und der Computer bereits weggebracht worden und alles andere nicht verräterisch war.


© by Jainoh & Pandorah