Unverhofft lebenslänglich

I - 6.

Adiva war noch nie so sehr um einen Caley besorgt gewesen. Er hatte es hin und wieder erlebt, dass eine Puppe der Caley nach einiger Zeit in der Ferne die Hoffnung auf einen passenden Gefährten verloren hatte und zu ihm gekommen war, um in Frieden zu vergehen. Diese schwere Depression, die mit stiller Auflösung endete, war eine der traurigsten Sachen, die er je mitangesehen hatte.

Aber nun sorgte er sich, denn Devi verging nicht friedlich, er brüllte und weinte und kämpfte und warf sich immer wieder vom Krankenlager, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, seinem Schatz zu folgen. Wieder und wieder endeten diese Versuche mit einer Ohnmacht, und nicht selten machte er einen vor Sorgen umso heftigeren Wachstumsschub durch.

Endlich war Devi in eine derart tiefe Ohnmacht gefallen, dass Adiva ihm eine Schlafplatte auf den Kopf legen und einige Infusionsträger anbringen konnte, um seinen Körper mit Nährlösungen auf den Stand zu bringen, den er durch sein enormes Wachstum brauchte.

"Sonst benötigen wir immer Wochen, bis wir soweit sind. Er muss sich heftige Sorgen gemacht haben", erklärte die schwarzhaarige kleine Puppe der Caley, der ihm zur Zeit bei der Pflege half, voller Staunen und drehte Devis bereits kräftigen Hände einmal leicht hin und her, um einige Holzsplitter aus der Handkante zu ziehen. "Er ist bald fertig; bald wird er anfangen, unruhig und reizbar zu werden, ich hoffe, dass sein Gefährte Cedric sich dann wieder hier befindet."

"Oh", stöhnte Adiva leise auf. "Das hoffe ich aber auch, in seinem und in meinem Interesse. Ich erinnere mich noch an die Wandlung deines Bruders, der hat doch einen Gefährten in diesem Piloten gefunden. Als der Pilot abgeflogen ist, hat er vor Wut fast meine Krankenstation verwüstet, bevor er ihm nach ist."

Die Puppe kicherte leise. "Ich beneide ihn so. Ich will das auch bald hinter mir haben." Sachte fuhr er Devi durch die nun schon komplett zur Mähne um seinen Kopf aufgestellten Haare und legte zwei weitere Schlafplättchen über seine Schläfen, um sie mit einer Kette zu befestigen.

Ein leises Klingeln unterbrach Adivas Antwort, und er lief rasch nach vorn, um nachzusehen, wer seine Hilfe benötigte. Es war Cedric, der mit einem anderen Menschen zurückkehrte. Auf seiner Stirn hatte er eine dicke Beule, und er sah auch sonst nicht gerade gut aus. Tiefe Ringe unter den Augen und ein Bartschatten ließen ihn derart müde und abgekämpft wirken, dass Adiva seine Strafpredigt ausfallen ließ und ihn besorgt fragte, was vorgefallen war.

"Ist nicht so wichtig." Cedric winkte ab, auch wenn er sich elend fühlte und nur noch zu seinem kleinen Freund wollte. "Wie geht es Devi?"

Daniel unterbrach ihn mit einem Schnauben. "Doktor, er ist niedergeschlagen worden und war die ganze Nacht bewusstlos. Könnten Sie ihn bitte erst einmal untersuchen, ob er ein Wiedersehen mit einem besorgten Caley überlebt, bevor Sie ihn zu ihm lassen?"

Adiva lächelte leicht, zupfte einmal schnell an den weichen Tuchlagen seiner Kleidung, dann meinte er zuversichtlich "Es wird Cedric gleich besser gehen. Komm mit, Cedric, und erschreck dich nicht zu sehr, ja?" Er nahm Cedrics Hand und zog ihn mit sich zum Krankenzimmer, wo Devi noch immer bewusstlos gehalten lag. "Zieh dich aus und leg dich zu ihm."

Cedric erschrak dennoch; einmal davon, was aus seinem zierlichen Begleiter geworden war, so groß und breitschultrig, dass er ihn kaum noch wiedererkannte, aber noch viel mehr, wie schlecht er aussah. Das kantige Gesicht war blass und abgekämpft, und die wilde Mähne darum hatte keinen Glanz. Zudem sah er aus, als hätte er über längere Zeit zu wenig zu essen bekommen, was aber vermutlich eher daran lag, dass er binnen einer Nacht extrem gewachsen war.

Cedric zerrte sein Hemd so heftig über den Kopf, dass ihm schwindelig wurde und die abrupte Bewegung ihm wieder Übelkeit und Kopfschmerzen bescherte. Dann erstarrte er jedoch erst einmal und starrte an sich herunter, denn an der Stelle, die ihn so schrecklich gejuckt hatte in den letzten Tagen, begann sich eine V-förmige Zeichnung zu zeigen, wie eine Art Tribal-Tätowierung in Goldbronze.

"Oh Shit", murmelte er fassungslos und fuhr sie mit einem Finger nach. Nach einem weiteren Blinzeln beschloss er jedoch, dass es Zeit hatte und entledigte sich auch noch der Hose und der Schuhe, um sich zu Devi zu legen, eine leichte Decke über sie zu ziehen und ihn dann endlich in die Arme zu schließen. Es war wie Heimkommen, selbst wenn der große, kräftige Körper vollkommen unvertraut war, und beinahe sofort fühlte er sich besser. "Es tut mir leid", flüsterte er ihm zu, auch wenn Devi schlief oder bewusstlos war.

Adiva lächelte glücklich, als er sah, dass Devi sogar in der Bewusstlosigkeit gefangen seine Arme hob und fest um den mittlerweile gleichgroßen Körper seines Gefährten schloss. Sachte zupfte er an dem Hemd des blonden Mannes, der mit Cedric gekommen war und bat "Willst du mich nicht nach vorn begleiten und mir erzählen, was passiert ist?"

Daniel hatte fasziniert den kräftigen Mann betrachtet, der aus dem zierlichen Jungen geworden war, von dem Ced ihm Bilder geschickt hatte. Noch mehr faszinierte ihn allerdings, mit was für einer Sorge sein Freund sich diesem Mann zuwandte und wie überaus liebevoll er ihn ansah, hielt und streichelte.

"Da es Ceddy gut zu gehen scheint...", sagte er gedehnt und lachte auf, als er für den Spitznamen einen bösen Blick von seinem Freund zugeworfen bekam. Er nickte und folgte dem kleinen Arzt aus dem Raum. Erst jetzt merkte er, wie angespannt er gewesen war, denn die Erleichterung war in seinem ganzen Körper zu spüren. Höflich führte ihn der kleine, weißhäutige Mann mit den karamellfarbenen Augen, den Schlappohren und dem eleganten Schwanz zu einer Sitzecke mit gemütlichen Kissen, die sich um einen niedrigen Tisch gruppierten.

Ein interessantes Volk, die Abd-Jabir, über das viel zu wenig bekannt war, wenn es nach Daniel ging. Allerdings war es auch schwer, als Mensch auf Jabir zu forschen. Menschen waren für die großen, starken Weibchen der Abd-Jabir nur dann akzeptabel, wenn sie rasiert, erfasst und als Sklaven verkauft worden waren.

Dankend nahm er einen Tee an, dann reichte er dem zierlichen Mann die Hand. "Mein Name ist Daniel Rabenstein, ich bin ein guter Freund Cedrics. Bitte entschuldigen Sie meine Unhöflichkeit."

Ein schöner Mensch, wie Adiva befand. Es wunderte ihn, dass Cedric sich ihm nicht zugewandt hatte. Der Gedanke überraschte ihn sogleich, und er fragte sich, ob es indiskret war, wenn er Daniel fragte, ob Devis Wandlung ihm nun mehr als nur einen Freund fortnahm. Statt seine Gedanken auszusprechen hielt er die schlanke Hand einen Moment lang fest und blickte in die wunderschönen meerblauen Augen des Mannes hinauf, während er mit schüchternem Lächeln erwiderte "Wo bleibt meine Erziehung? Ich bin der Palastarzt hier, und mein Name lautet Adiva al Sahjid al Rimon. Alle nennen mich Adiva, und das kannst du auch gern tun, Daniel." Er entließ die Finger aus seinem Griff, um sich traditionell einmal zu verbeugen.

"Ich danke dir." Daniel erwiderte die Verbeugung höflich, ehe sie sich setzten. Er nahm einen Schluck des warmen, minzigen Tees, während er überlegte, inwieweit er dem Arzt die Wahrheit anvertrauen konnte. Da Cedric ihn aber in seinen Briefen nicht erwähnt hatte, waren sie wohl wenig bekannt, auch wenn er hier untergekommen war. Vielleicht ein Freund Devis?

"Ich bin eigentlich hergekommen, um Ced zu besuchen, auch weil er von dem Caley geschrieben hat", sagte er schließlich und stellte die zierliche Tasse ab, die zu dem Arzt passte. "Ich bin erst heute morgen eingetroffen und direkt zu ihm gegangen. Offensichtlich hat er Einbrecher in seinem Bungalow erwischt, auf jeden Fall fand ich ihn bewusstlos im Wohnzimmer liegen. Ihm war nicht nur davon übel, dass er von seinem Caley getrennt war."

"Oh. Und das angesichts der Tatsache, dass er gerade dort ausziehen wollte", meinte Adiva vorsichtig und sah zu Daniel hinüber, der es irgendwie schaffte, die rotgemusterten Kissen und seine kleinen hellblau-goldenen Teeschalen edel und teuer aussehen zu lassen. "Wohnst du auch hier im Palast der Schätze?"

"Ich habe eine Suite genommen, allerdings ohne Key. Keys... sind nicht mein Stil." Zwar waren die Paläste zumeist ein angenehmer Ort, aber mit dem Konzept der Keys konnte er sich nicht anfreunden. Daniel wandte seine Gedanken Angenehmerem zu und lächelte. "Zudem wollte ich Cedric und Devi zu mir einladen, denn zumindest für die nächste Zeit werde ich Ced wohl kaum alleine zu Gesicht bekommen. Aber ich glaube, er hat sich schon ganz gut an die Situation gewöhnt. Ist Devi ein Freund von dir?"

Adiva nickte leicht. "Ich bin der Freund aller Puppen. Sie kommen zu mir, wenn sie sich verletzt haben, wenn sie traurig sind oder wenn sie die Wandlung zu sehr mitnimmt. Da sehr viele Gefährten der Caley wenn schon nicht Caley, dann sehr häufig Menschen sind und ich auf dem Gebiet Krankheiten der Menschen spezialisiert bin, sehe ich viele mit den ersten Symptomen, dem Juckreiz und der Unruhe, so wie bei Cedric."

Aus dem Augenwinkel bemerkte Adiva den Caley, der ihm zur Zeit half und musste amüsiert über den Raubtierblick im Gesicht der Puppe lachen. Der Kleine schlich sich förmlich an Daniel an, um ihn rasch, dafür aber sehr sanft und zärtlich mit den Fingern am Nacken entlang zu streichen. Der Kleine zog eine leichte Schnute, dann meinte er "Ich mache mich mal auf den Weg, die Shuttle kommen gleich zur Halle." Er küsste Adiva auf den Mund und zwinkerte Daniel zu, dann tanzte er mit fliegendem Hemd und leise klingelndem Schmuck in Richtung des Haupthauses davon.

Daniel war zusammengezuckt, konnte dann aber mit Adiva lachen. "Ich muss gestehen, sie gefallen mir vor ihrer Verwandlung besser als danach", sagte er freimütig, "deswegen halte ich mich lieber von ihnen fern. Aber wie mir scheint, muss ich mich hier mehr vorsehen. Wobei, wenn mich einer einfangen würde, wäre ich wahrscheinlich im Endeffekt haltlos glücklich. Sie sind ja genauso schlimm wie die Daryller mit ihren Gefährten. Diese Art der Partnerfindung ist schon sehr faszinierend."

Adiva kicherte hinter vorgehaltener Hand, dann nickte er. "Ja, wenn man ihre Metaform nicht gern hat, dann muss man sich wirklich vorsehen. Aber andererseits kenne ich keinen einzigen unglücklichen Partner eines Caley. Auch Cedric war sehr dagegen am Anfang." Er legte den Kopf schief. "Was die Daryller angeht, bin ich froh, dass die Caley kein Blut verlangen, so wie diese gefährlichen Wesen." Ein wenig unglücklicher fügte er an, während er noch ein wenig Tee in die Schalen goss "Es ist immerhin schöner, wenn man erwählt wird, als einfach der Traditionen und der Politik wegen verheiratet."

Nachdenklich ließ Daniel seinen Blick über den zierlichen Abd Jabir gleiten, während er sich zu erinnern meinte, dass in diesem Volk die Männchen noch immer einfach verheiratet wurden, wie es am besten in die Familien passte. Aber da er nicht ganz sicher war, stimmte er nur unverbindlich zu und begann, den Arzt dann mehr zu den Caley auszufragen, von denen dieser erstaunlich viel wusste.

 

Devi erwachte und fühlte sich gut, was ihn ein wenig erstaunte. Die Nacht zuvor war die Hölle gewesen, Verlustangst und Wut darauf, dass er noch nicht in der Lage war, seinen Schatz zu verteidigen und einzuholen, hatten ihn wild gemacht. Fern jedes ruhigen Gedanken hatte er sich selber vermutlich mehr geschadet als geholfen.

Er war tüchtig gewachsen und war nun schon so groß wie sein Gefährte. Ein gutes Stück zu schnell war es gewesen, er hatte gar keine Gelegenheit gehabt, seine neuen Arme und Beine kennen zu lernen, und nun verlangte sein Körper bereits nach Bewegung, damit sich die Gelenke und Muskeln besser aufeinander einspielen konnten.

Ein wenig schmerzten seine Gelenke noch, aber er fühlte sich sonst zutiefst zufrieden. Der Grund dafür war natürlich Cedric, der sich mit dem Gesicht an seinen Hals geschmiegt hatte. Devi schlang die Arme fester um ihn und drückte ihn einmal kurz, dann schloss er die Augen wieder und seufzte leise.

Cedric schien eingeschlafen zu sein, und so hielt er ihn nur und wartete, dass er sich kräftiger fühlen würde, denn dann würde er sofort aufstehen und etwas essen, er hatte schrecklichen Hunger. Und gleich danach würde er im nächsten Pool einige Runden schwimmen müssen, Cedric würde natürlich mitkommen. Wie von allein rückte Devi seinen Schatz so zurecht, dass sich die Zeichnungen auf der Brust besser berührten und vervollständigen konnten.

Cedric erwachte, als er herumgeschoben wurde, und es war wesentlich angenehmer als das Mal davor, selbst wenn er statt eines vermeintlichen Angreifers Daniel vor sich gehabt hatte. Leise murrte er, weil er noch nicht wach werden wollte, aber der große, harte Körper an seinem war unvertraut und verlangte Aufmerksamkeit.

Müde blinzelte er, spürte noch immer leichte Kopfschmerzen, aber sie waren vergessen, als ihn Devis goldbraune Augen anstrahlen, in denen er erst jetzt leichte Schatten von Grün sah. Unwillkürlich musste Cedric lächeln, und nur nach und nach fiel ihm wieder auf, wie kantig das zarte Gesicht seines Kleinen geworden war, allein das eckige Kinn und der energische Mund hatten jeden Ausdruck von Androgynität verloren.

Irgendwie kam ihm die Vorstellung, dass er den breitschultrigen Mann vor sich nicht mehr so einfach auf seinen Schoß würde ziehen können und er musste lachen. Eigentlich war die ganze Situation lachhaft; er lag mit einem nackten Mann nackt im Bett, den er erst ein paar Tage kannte und der dennoch beanspruchte, sein Gefährte zu sein. Er vermisste ihn, sobald sie nur etwas länger getrennt waren, was gleichermaßen unglaublich war. Absurd, um genau zu sein, und dennoch fühlte er sich wohl.

Dann erinnerte er sich, wie schlecht Devi ausgesehen hatte, als er nach einer ganzen Nacht zu ihm zurückgekehrt war, und gleich musterte er aufmerksam und besorgt das Gesicht vor sich. "Ich wollte dir nicht fern bleiben, Kleiner. Ganz gewiss wollte ich auch nicht, dass es dir deswegen schlecht geht. Wie fühlst du dich?"

"Du bist bei mir", antwortete Devi, seine Stimme war heiser und dadurch kaum hörbar, auch sie wandelte gerade. Er küsste Cedric eine Runde auf den Mund, dann bestimmte er "Wir müssen essen. Ich auf jeden Fall und du..." Er rückte ab, runzelte die Stirn und machte mit einem Mal schmale Augen. "Wer hat dir das angetan?!", zischte er wütend, während seine ihm selber noch ungewohnten Finger sich zaghaft der blauen Beule auf der Stirn seines Geliebten näherten.

Erst jetzt fiel Cedric auf, dass er sich außergewöhnlich wenig Gedanken um den Angriff gemacht hatte, weil er viel zu sehr mit Devi beschäftigt gewesen war. Überrascht blinzelte er und fragte sich, ob sein Verstand unter dem Einfluss des Caley litt. Dennoch antwortete er beinahe amüsiert "Er besaß nicht den Anstand, sich vorzustellen. Offensichtlich hat er etwas in meinem Bungalow gesucht und nicht gefunden. Dafür hat er aber die Bilder von dir auch nicht mitgenommen." Er zuckte zusammen, als Devis Berührung ihm die Beule schmerzhaft ins Bewusstsein rief.

"Wenn ich nur schon fertig wäre!" Noch immer wütend zerknüllte Devi mit einer Hand die Bettdecke. Er war gerade dabei, sich aufzusetzen, was ihm noch immer schwer fiel, vor allen Dingen, weil er Cedric dabei nicht loslassen wollte, als Adiva mit einem Tablett und einem blonden Mann herein kam.

"Ich bringe dir ein wenig zur Stärkung, Devi", beschrieb Adiva das übervolle Tablett mit einem Lächeln und stellte es neben dem Bett ab. "Vorher muss ich aber einmal nach Cedrics Kopf schauen. Ich weiß, dass es dir schwer fallen wird, aber du musst ihn einen Moment lang los lassen. Geht das, Devi? Kannst du das eben mal tun, bitte?" Während er sprach, entzog Adiva die Nährschläuche aus Devis Armen und nahm die verbrauchten Schlafkristalle von seiner Stirn herunter.

Devi knurrte ein wenig, aber nickte nach einem Weilchen. Der Doktor wollte nur nach seinem Schatz schauen, und er selber brauchte in diesem Augenblick ohnehin beide Hände zum Essen. "Aber nur kurz!", warnte er und starrte den fremden Menschen sogleich misstrauisch an.

"Ich habe dir gesagt, dass ich das eifersüchtige Getue nicht ausstehen kann. Und daran hat sich nichts geändert", grollte Cedric und rutschte demonstrativ ein Stück von Devi weg, ehe er Daniel einen giftigen Blick zuwarf, weil dieser so unverschämt breit grinste. "Das Grinsen mit dem Mann dran ist übrigens ein Freund von mir – Daniel. Wir werden, sobald der gute Doktor uns entlässt, bei ihm wohnen. Schließlich können wir die Krankenstation nicht auf Dauer blockieren." Er wandte sich Adiva zu und lächelte freundlicher. "Du hättest mich wirklich warnen können, auf was ich mich mit dem Monster dort einlasse. Kannst du mir vielleicht etwas gegen die Kopfschmerzen geben? Dann hätte ich zumindest ein Problem weniger."

Adiva nickte. "Ihr solltet noch bis heute Abend bleiben, bis Devi stabil ist. Ich denke, dass er, sollte er sich nicht noch einmal so schreckliche Sorgen machen müssen, eine Weile lang nur noch wenig wachsen wird." Er legte einen hellgelben Kristall auf Cedrics Stirn und brachte einen dunkelgrünen über der Beule an, beide wurden mit einer leichten Kette befestigt. "So. Gleich geht es dir wieder besser." Nur kurz beließ er die Kristalle und blickte derweilen forschend in Cedrics Augen, um sogleich einige Werte auf einem Kristallbrett zu vermerken, bevor er Kristalle und Kettchen wieder entfernte.

Devi hatte derweilen mit erstaunlichem Tempo bereits die Hälfte der Gerichte auf dem Tablett vernichtet und reichte Cedric, sobald der Arzt die Kristalle wieder von ihm genommen hatte, eine Schale mit Kaffee. "Komm hierher, geh nicht so weit weg", verlangte er mit einer lockenden Geste der Finger.

Es war eine enorme Erleichterung für Cedric, als die Schmerzen gewichen waren, und gleich fühlte er sich auch wieder stark genug, um mit einem besitzergreifenden Caley umgehen zu können. Zu seiner Frustration folgte er der Geste trotzdem und rückte, vorsichtig auf den Kaffee achtend, näher zu dem Mann hin, um sich gleich darauf an ihn ziehen zu lassen. Nun, immerhin hatte er ihn die Nacht über allein gelassen, selbst wenn es gegen seinen Willen gewesen war, und Devi hatte möglicherweise Nachholbedarf an Nähe. Zum Glück hatte Daniel sich wieder soweit unter Kontrolle, dass er eine freundliche Miene machte, anstatt seine frohlockende Belustigung zu zeigen und damit Cedrics Laune zu verschlechtern. Wenn er und der Arzt gegangen waren, mussten sie dringend noch mal über Devis Art reden, ihn kommandieren zu wollen.

Bewusst neutral fragte er Daniel noch einmal, wo seine Suite zu finden war, weil er es in der Aufregung um Devi und den Überfall vergessen hatte, worauf Daniel ihm versprach, sie am Abend abzuholen, so dass sie dann auch alles weitere würden besprechen können. Dabei warf er einen unauffälligen Blick auf den Doktor, und Cedric schüttelte einmal kurz den Kopf. Adiva wusste danke Devi ohnehin zu viel.

Taktvoll ignorierte Adiva, dass die beiden Männer sich offensichtlich nicht in seiner Nähe sicher fühlten und verbeugte sich einmal schnell. "Ich gehe nun auf Hausbesuche. Wenn ich nachher wieder komme, bringe ich dir eine passende Hose mit, Devi", versprach er leise und zog sich mit einem Nicken zurück, um seine Tasche zu holen.

Devi streckte sich zwischen zwei Bissen vom Brot mit Fisch und Gurken und meinte, nachdem er ausgekaut hatte "Und wir gehen gleich schwimmen, oder tut der Kopf noch weh?" Daniel existierte nicht für ihn; ein fremder Mann, der ihm den Gefährten nicht streitig machen wollte, war nicht mehr interessant in diesem Moment.

"Du kannst gerne schwimmen gehen, wenn dir der Sinn danach steht", antwortete Cedric und hielt seine schon wieder aufkommende Verärgerung aus der Stimme. "Ich werde hier bleiben und einige Dinge mit Daniel besprechen. Wir haben uns lange nicht gesehen, und zudem gibt es aktuell auch einiges, bei dem ich dringend seiner Hilfe bedarf."

Mit schmalen Augen fuhr Devi zu Daniel herum und festigte gleich seinen Griff um die Hüfte seines Gefährten. "Nein." Seine Stimme war nur ein heiseres Fauchen, und das ärgerte ihn, aber er spürte, dass seine bereits ordentlich aufgestellte Mähne sich eine Spur weiter aufbürstete.

Cedric zog die Brauen zusammen und starrte den Mann wütend an. "Doch." Dessen Besitzansprüche schienen mit seinem gewachsenen Körper auch größer geworden zu sein, und Cedric wusste mit einem Schlag, dass es ein gewaltiges Problem werden würde. Energisch befreite er sich von Devis Griff, was gar nicht so einfach war. "Ich sage dir etwas, Kleiner. Es gibt ein paar Dinge, die lasse ich nicht mit mir machen." Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass Daniel diskret das Zimmer verließ, was ihn einerseits dankbar, andererseits aber noch zorniger machte. Er wollte jetzt mit seinem besten Freund reden, nicht mit diesem Caley streiten, weil der vollkommen übersteigerte Vorstellungen hatte. "Und dazu gehört, dass ich ganz bestimmt nicht dein Besitz bin. Ich habe ein eigenes Leben und brauche einen gewissen Freiraum. Dazu gehört auch, dass ich dich nicht ständig und ununterbrochen um mich haben werde. Und genauso wenig lasse ich mich von dir herumkommandieren!"

Stur blickte Devi seinem Gefährten in das merkwürdig unpassend wütende Gesicht. Allerdings war es meistens so, dass der Beginn der Caleybeziehungen mit Wesen von fremden Völkern, so hübsch sie sein mochten, stets ein holpriger war. "Du kannst nicht ohne mich sein. Nicht, wenn du nicht ohnmächtig bist", erwiderte Devi gelassener, als er sich bei dem Gedanken, dass Cedric ihn verlassen könnte, tatsächlich fühlte. "Es tut zu sehr weh. Dir und vor allem noch mir."

Cedric schnaubte. "Ich rede nicht davon, dass ich bis an mein Lebensende ans andere Ende dieser Galaxie gehen werde, sondern davon, dass du ohne mich zum Pool und dort ein paar Runden schwimmen sollst, während ich mich mit einem alten Freund unterhalte. Wenn du nicht einmal so etwas akzeptieren magst, wird es schwer sein, irgendetwas zu führen, was den Namen Beziehung verdient. Denn dann werde ich mir das mit dem anderen Ende der Galaxie sehr schnell überlegen."

"Wenn das dein Wunsch ist, dann versuche ich es zu ertragen. Es ist nur sehr schwer für mich, solange ich wandle." Devi blickte unschlüssig auf den Körper seines geliebten Partners, dann ballte er seine Hände zu Fäusten und sprang mit einem Satz vom Bett, stieß sich den rechten Ellenbogen am Rahmen, den Fuß an der Tür und den Kopf dann gleich noch am Türbogen. Wütend schrie er die Tür an, die nichts zu seiner Ungeschicklichkeit konnte, und ging mit sehr mühsamen Schritten aus dem Zimmer, die Tür zu schließen brachte er nicht über sich. Sehnsucht brannte in ihm, während er zugleich bemerkte, dass er mehr Gewalt über seinen Körper gewann und jeder Schritt sicherer wurde.

Er hatte lediglich eine Shorts von einem großen Menschen an, die ihm Adiva angezogen haben musste, aber mehr brauchte er auch nicht, um an dem nächsten Pool baden gehen zu können. Es war der Pool der Angestellten, zumeist ohnehin Caley und einige quirlige Ajester, die sich neugierig nach einem Gefährten umsahen und seine beginnende Zeichnung bestaunten. Wütend auf sich und auf die Sturheit seines Partners begann er, sich im Wasser auszutoben, bis er Sterne sah und fast unterging, weil er gegen eine Wand schwamm.


© by Jainoh & Pandorah