Unverhofft lebenslänglich

I - 10.

Adiva hob seinen Blick, den er auf die Mosaike in seinem Empfangszimmer gerichtet hatte. Gerade hatte er von der Göttin der Vorbesitzerin des Hauses anfangen wollen, als ein etwas säuerlicher Unterton ihn aufhorchen ließ. "Daniel? Habe ich etwas falsches gesagt?"

Daniel erschrak, als er merkte, dass er sich seinen Unmut hatte anmerken lassen. Dass sich der kleine Arzt fragte, ob er Fehler gemacht hatte, war nun wirklich nicht seine Absicht gewesen. Oder etwa doch? Nein, das wäre nicht fair. Er lächelte ihn entschuldigend an. "Nein, ganz gewiss nicht. Du bist ein aufmerksamer, zuvorkommender Gastgeber."

Adiva erwiderte das Lächeln kurz, dann führte er Daniel in die Küche, die er nur selten für mehr als das Frühstück verwendete. Von dort zeigte er ihm sein Arbeitszimmer, natürlich wies er auf die Türen zu seinem Schlafzimmer und Bad hin, aber zeigte die Räume nicht. Dann ging er in den hinteren Teil durch und sah sich seufzend in den geräumigen Zimmern mit den prächtigen Mosaiken um. "Hier ist der Trakt der Weibchen. Es ist mir nicht erlaubt, sie zu bewohnen, deswegen habe ich alles einfach leer gelassen."

Nachdenklich sah Daniel zu dem verloren wirkenden Mann hin und wünschte sich, ihn berühren zu können, um diese Wehmut zu vertreiben. "Verzeih meine Direktheit, wenn sie unhöflich ist. Aber du bist nicht mehr auf Abd Jabir, und du trennst dich gerade von deiner Frau. Würde es jemanden stören, wenn du die Zimmer benutzt? Oder... hoffst du darauf, dass dich bald wieder ein Weibchen zu ihrem Gemahl macht?" Vielleicht ein bestimmtes sogar?

Adiva ging aus den Zimmern heraus und kehrte zum Empfangsraum zurück. "Ich bin nicht mehr auf Jabir, aber es ist sehr schwierig, sich von dem Eheversprechen zu lösen. Das kann man nur, wenn man nachweisen kann, dass man falsch oder schlecht behandelt worden ist. Ich habe es nachweisen können. Dennoch ist es zu spät für mich, um auf eine weitere Ehe hoffen zu dürfen. Ich haben zwei Söhne, aus mir werden keine Kinder mehr entstehen können, und damit bin ich in den Augen der meisten Weibchen ein sinnloses Wesen."

Daniel zog die Brauen zusammen, während er ihm folgte; er mochte nicht, wie Adiva von seiner Situation sprach. Er hatte doch den Mut gehabt, sich von seiner Frau zu trennen und hierher zu fliehen, warum also klang er nun so hoffnungslos? Doch Adiva unterbrach ihn, bevor er etwas sagen konnte.

Adiva runzelte die Stirn, weil Daniel die Rede offensichtlich nicht zu gefallen schien. Rasch legte er ihm eine Hand auf den Arm und meinte schnell "Das macht nichts, Daniel! Ich habe mir aus den Weibchen nie viel gemacht. Sie sind mir zu... bestimmend vielleicht, vielleicht einfach nicht meine Sache. Aber allein zu bleiben ist..." Er sah sich unschlüssig um und hob die Schultern. Das Gefühl der Unzugehörigkeit war nicht leicht zu beschreiben.

Daniels Augen weiteten sich leicht, während ihm klar wurde, dass sich die zarte Hand auf seinem Arm sehr, sehr gut anfühlte. Nicht seine Sache? Mit dieser Anwältin hatte das eben aber anders ausgesehen. Vielleicht hatte er es nur falsch interpretiert? Immerhin kannte er kaum Abd Jabir, möglicherweise war ein Verhalten, wie Adiva es an den Tag gelegt hatte, einfach normal, wenn man eine Frau gern hatte, auf eine freundschaftliche Art? Seine Hoffnung kehrte zurück, viel zu rapide und zu warm.

Kurz umfing er die zierlichen Finger und drückte sie ermunternd, ehe er wieder von ihm ließ und nun ohne jede Schwierigkeit lächelte. "Du bist gewiss nicht sinnlos, und jemand wie du muss nicht lange allein bleiben, wenn er nicht will. Aber wenn du ohnehin keine Frau deines Volks glücklich machen willst, könntest du die Räume hinten anders einrichten, für dich, oder?"

"Das wage ich nicht. Meine Frau hat mich in einigen Mitteilungen bedroht, und es ist mir unangenehm, diese Räume auch nur zu betreten. Viel zu unschöne Erinnerungen. Alle Abd Jabir wohnen in dieser Art. Darum habe ich ja die Hoffnung, dass ich entweder von einem Männchen zur Familie hinzu gebeten werde, hin und wieder erlauben reiche Weibchen dies. Meine andere Hoffnung liegt auf der Möglichkeit, für einige Jahre nach Caley zu gehen, um dort zu forschen. Abd Jabir sind mit den Caley nicht zusammen zu bringen, weswegen ich dort niemanden für mich treffen könnte, aber ich hätte etwas zu tun, und es gäbe eine Gesellschaft, die mir Artikel für ihre Enzyklopädie abkaufen will."

Daniel hatte gerade sagen wollen, dass er sich dann doch ein anderes Haus nehmen sollte. Doch der Gedanke wurde gleich verwischt, und noch ehe er vernünftig werden konnte, hörte er sich schon sagen "Woran hängt diese Hoffnung? Wenn es nicht viel ist und nicht allzu lange dauert, was dich hindert, könnten wir gemeinsam gehen. Cedric wird bald nach Caley müssen, und ich wollte ihn begleiten, da ich die Caley sehr interessant finde und hoffe, vielleicht auf R. K. Richardson zu treffen – er ist eine Größe in der Planetenforschung, weißt du? Devi würde sich bestimmt freuen." Er zögerte und setzte dann doch hinzu "Und ich mich auch."

Adiva spürte, wie seine Ohren ein wenig heiß wurden, weil Daniel ihn so freundlich ansah. Doch etwas anderes drängte sich in den Vordergrund seiner Gedanken. "Arkay? Natürlich kannst du den Mann auf Caley treffen! Er ist, wenn ich mich nicht irre, Teil von Devis Familie! Frage Devi doch einmal nach ihm!" Dann seufzte er und setzte sich seine Tunika glättend auf die Bank. "Meine Fahrt hängt leider von Finanzen ab. Ich bin durch die Kosten für die Anwältin und die Piraten, die mir bei der Flucht geholfen haben, in Schulden geraten und kann mir solch eine Reise, selbst wenn ich wegen meiner Arbeitserlaubnis Urlaub nehmen muss, nicht leisten. Ich habe meine Frau damals um einen Sklaven erleichtert, den ich ihr auch noch erstatten muss. Vermutlich werde ich stattdessen frei als Arzt hier arbeiten, um meine Rechnungen begleichen zu können." Er blickte aus dem runden Fenster in den dunklen Garten hinaus. "Aber Caley einmal zu bereisen, wäre schon ein Traum von mir. Oh, wo bleibt meine Erziehung! Komm, ich gebe dir noch ein Glas Wein, oder willst du schon aufbrechen, Daniel?"

"Ein Glas Wein klingt gut. Warte, ich hole die Flasche und die Gläser herein." Beschwingt lief Daniel nach draußen. Als er zurückkehrte, hatte er zudem noch die Schale mit dem Obst mitgebracht und balancierte sie etwas ungeschickt mit den Gläsern aus, aber es gelang ihm, seine Last ohne Unfall auf dem Tisch im Empfangszimmer abzustellen.

Die kleine Pause hatte es ihm ermöglicht, seine Gedanken zu ordnen und sein weiteres Vorgehen abzuwägen, aber sicher war er sich immer noch nicht. Er wollte Adiva sehr gerne mit auf Caley dabei haben, nicht nur, weil er dadurch in seiner Nähe sein konnte. Mit seiner hilfsbereiten Art und wegen seiner Freundschaft mit vielen der Caleypuppen hatte er Beziehungen auf dem Planeten, und als guter Freund Devis wäre er bestimmt auch Richardson willkommen. Andererseits kannte Daniel ihn noch nicht lange genug, um ihm einfach die Reise zu finanzieren, wie er es bei Cedric getan hätte. Er würde es finanziell nicht einmal spüren, aber dem Arzt wäre es wohl unangenehm. Und wenn nicht?

Adiva schenkte ihnen ein, dann stießen sie einmal an und tranken einen Schluck. Daniel zupfte eine Traube aus dem Obstteller, aß sie aber nicht, stattdessen rollte er sie abgelenkt zwischen den Fingern.

"Ich möchte dich auf keinen Fall in Verlegenheit bringen, Adiva", begann er schließlich vorsichtig, "oder dich beleidigen. Also bitte verzeih mir, wenn ich etwas Unpassendes sage. Ich würde mich über deine Begleitung wirklich freuen, und wenn es nur an den Finanzen liegt... ich könnte für die Reise aufkommen. Es ist keine Belastung für mich, im Gegenteil hätte es sogar einige Vorteile." Rasch, bevor Adiva etwas sagen konnte, erläuterte er seine Gedanken und sah ihn dann gespannt an.

"Ich will dir so ungern schulden", murmelte Adiva unsicher zwischen Freude und Scham schwankend. Der Mann neben ihm hatte sicherlich mehr Geld, als er jemals würde ausgeben können. Die teuren Stoffe, die Art, wie er mit Diamanten verzierten Schmuck sogar zum Schwimmen anbehielt und seine Art, alles schlicht zu machen, Cocktails zu bestellen oder ein Boot zu mieten, was Adiva aus Devis Erzählungen wusste, zeigte sehr deutlich, dass er einfach zu viel Geld hatte. Aber dennoch wäre es eine erneute Form der Abhängigkeit, und das erklärte Adiva nun von verschiedenen Seiten.

"Meine Anwältin versucht, mich bei einer Stiftung für Planetenforschung beliebt zu machen, so dass von dort aus im Tausch für meine Berichte für diese Reise gezahlt wird. Aber ich mag nicht schon wieder von dem Geld einer anderen Person abhängig sein. Vor allem dann nicht, wenn ich die Person recht gern hab." Er blinzelte und nippte rasch von seinem Wein. So direkt hatte er es nicht formulieren wollen. Verstohlen blickte er zu dem blonden Mann hinüber, dessen blaue Augen im Dämmerlicht der Kerzen sehr dunkel wirkten, nicht weniger attraktiv als sonst, aber geheimnisvoller.
'Hoffentlich habe ich ihn nicht beleidigt', jammerte Adiva nun in Gedanken und senkte den Kopf.

Daniel hatte das erwartet, auch wenn er sich anderes erhofft hatte. Deswegen nickte er nur, mehr als entschädigt durch das Bekenntnis, dass Adiva ihn mochte. "Ich verstehe. Leider dauert es immer, bis Anträge bei Stiftungen anerkannt werden, also werden sich unsere Reisezeiten grundlegend unterscheiden. Ich wünsche dir von Herzen, dass du Erfolg haben wirst."

Adiva seufzte leise und blickte auf den Weinkelch in seinen Händen. "Danke. Ich wünsche dir auch viel Erfolg, Daniel", murmelte er leise. Irgendwie fühlte er sich nun, da er das Richtige getan hatte, nicht sonderlich wohl damit.

Daniel umfing den Arzt mit einem Blick; die Ohren schienen ein wenig tiefer zu sinken und die Schultern fielen um eine Kleinigkeit nach vorne. Glücklich wirkte er nicht mit seiner Entscheidung. Nachdenklich schwenkte Daniel sein Weinglas einmal und genoss den fruchtigen Duft, ehe er einen weiteren Schluck nahm. Er lächelte zufrieden, als ihm eine Idee kam. Wie war doch gleich noch einmal der Name der Anwältin? Hafila al Nahdi al irgendetwas. Aber es würde nicht schwer herauszufinden sein, und bestimmt würde sie ihm helfen können.

 

Devi kniete neben seinem Gefährten im weichen Sand einer einsamen Bucht, zu der sie am frühen Morgen hingefahren waren, um einmal aus dem Hotelzimmer heraus zu kommen. Das Rudern hatte ihm gefallen, und auch das Eincremen mit der Sonnenmilch gefiel ihm sehr. Zwischendurch von seinem Getränk nippend ließ er seine großen Hände noch immer von Cedrics Nacken an der Wirbelsäule entlang herab streichen, vor allen Dingen dort, wo Cedric jedenfalls nach der Meinung seines Therapeuten, von dem er bei Rückenschmerzen immer anfing, massiert werden musste.

Es gefiel Devi schon, seinen Schatz so vertrauensvoll genießen zu sehen, aber andererseits würden sie in nicht einmal einer Erdwoche abreisen, was ein Problem mit Cedrics Vertrauen geben konnte. Cedric wusste noch nichts davon, aber er würde Devi freiwillig oder nicht auf jeden Fall folgen. Der Frachter, der die Caleyinsel mit dem Raumhafen anflog, würde so bald nicht mehr fahren, und Devi wollte nicht aus Versehen auf einem falschen Planeten Vater werden.

Als Cedric leise seufzte, ließ Devi seine Finger ein wenig mutiger geworden weiter über den Rücken hinunter wandern als sonst. Den nackten Hintern von Cedric entlang, die Badehose hatte Devi ihm weggenommen, und auf die trainierten Beine hinunter.

Cedric hatte es genossen, sich in der Bucht austoben zu können. So schön die Suite war, die Daniel gemietet hatte und so groß und gut ausgestattet der Sportraum sein mochte, war ihm die Enge aufs Gemüt geschlagen. Er hatte das Gefühl, dort mittlerweile mit jeder Bodenkachel und jedem Mosaiksteinchen auf Du und Du zu sein. Jetzt genoss er es ebenfalls, auf dem übergroßen Badetuch zu liegen und dösend die geschickten Finger des Mannes zu spüren, der darauf bestand, sein Gefährte zu sein.

In diesem zufrieden halbwachen Zustand war es nicht einmal so schwer, das als ausgesprochen angenehm zu empfinden. Niemand störte sie, niemand würde kommen. Ein kleiner Schauer rann über ihn hinweg, als Devi seine Beine zu massieren begann. Schon lange hatte das niemand mehr bei ihm gemacht, und er überlegte, ob er sich mal wieder ein paar Massagen gönnen sollte, wenn er zu Hause war. Andererseits... war das offensichtlich nicht nötig, Devi konnte es hervorragend.

"Hm, das tut gut", brummelte Cedric und wunderte sich nur am Rande, wie sehr seine Stimme nach dem zufriedenen Schnurren einer Katze klang.

Devi legte den Kopf schief und blinzelte einmal, das hatte sich so gar nicht nach 'Finger weg!' angehört, was er sonst immer um die Ohren geschleudert bekam, sobald er dem Hintern seines Schatzes einmal zu nahe gekommen war. Vielleicht brauchte ein wundervoller Gefährte wie Cedric einfach nur mehr Zeit zur Gewöhnung. Er massierte zunächst die Beine entlang und dann die Füße ein wenig... er hatte sich bereits schier in diese niedlichen zweiten Zehen verliebt. Dann wurde er jedoch wieder neugierig und ließ seine Finger weiter hoch wandern, bis er den Po erreichte, der dank der Sonne die gleiche Tönung wie die Beine und der Rücken hatte. Nicht zu sachte, aber auch, wie er meinte, nicht zu fest strich er mit den flachen Händen darüber und lächelte, weil das Gefühl, das Kribbeln in den Fingern, schon wieder zunahm.

Cedric murrte ein wenig, aber er war viel zu wohlig entspannt, um ernsthaft zu protestieren. Zudem fühlte es sich gut an, so gut, als hätte Devi dort noch irgendwelche geheimen Verspannungen gefunden und streichelte sie nun weg. Devi sollte ihn dort nicht betatschen, dachte er träge, während sich Daniels Stimme in seine Gedanken wand und sich mit seinen Empfindungen vermischte. 'Es gefällt dir', hatte er gesagt, und ja, Cedric konnte nicht leugnen, dass er sich gerne von Devi anfassen ließ. Es fühlte sich immer gut an. Immer richtig.

Wärme ging von Devis Händen aus und erfüllte ihn. Fast wünschte er, dass sich der andere Mann einfach an ihn schmiegen würde, wie er es so oft tat. Cedric öffnete halb die Augen und sah durch seine Wimpern auf das glitzernde Meer hinaus. Gerade in dem Moment begann es gar nicht mehr so abwegig zu klingen, mehr mit ihm zu tun als nur Abend für Abend zu schmusen und Tätowierungen gegeneinander zu halten. Er musste ein wenig lächeln, wenn er sich vorstellte, wie entsetzt seine Eltern allein schon darüber sein würden.

Das leise Murren beendete Devis Streicheln. Doch als er sich neben seinen Schatz kniete, sah er ihn lächeln. "Worüber lachst du? Über meine albernen Versuche, dir nahe zu sein?" Er hatte nicht so beleidigt klingen wollen, aber nun war er es doch mit einem Mal. Empfindlich und ein wenig beleidigt.

"Nein." Cedric drehte sich leicht zur Seite und sah zu Devi hoch. Die Sonne liebkoste den braungebrannten, kräftigen Körper, auf dem sich die messingfarbenen Zeichnungen auf Brust, Schultern und den Armen schimmernd abhoben. Sie verlieh dem braunen, wild aufgestellten Haar einen goldenen Glanz, der es wie eine Art Heiligenschein wirken ließ. Doch in den schmalen goldbraunen Augen, die Cedric aus dem kantigen Gesicht entgegen leuchteten, lagen Sehnsucht und Traurigkeit. Er dachte nicht nach, als er den Arm hob und sachte über Devis Wange streichelte. "Sie sind nicht albern, genauso wenig wie du albern bist. Ich lache nie über dich." Statt ihn loszulassen, ließ er die Finger in seinen Nacken gleiten und verstärkte den Druck, um ihn dazu zu bringen, sich neben ihn zu legen.

Es schien der Tag der Überraschungen zu sein. Noch einmal blinzelte Devi, dann breitete sich ein Strahlen über sein Gesicht aus, das er nicht verhindern konnte. Anstelle vorsichtig zu sein, wie seine Instinkte es ihm rieten, schob er sich gleich, wie sein Körper es wollte, eng an Cedric heran, genoss den Duft seiner Haut, indem er sich mit dem Gesicht auf die Schulter seines Gefährten schmuste. Vorsichtig versuchte er ein Bein zwischen Cedrics zu mogeln, während seine eine Hand sich in den braunen Haaren vergrub und die andere sehnsüchtig über die Hüfte strich.

Cedric zuckte ein wenig zusammen über die Annäherung, die er beinahe als Angriff empfand. Er ließ nicht zu, dass sich das vorwitzige Bein zwischen seine schob, aber ansonsten gestattete er es Devi, ihm nah zu kommen. Nah waren sie sich schon oft gewesen.

'Ich könnte es ausprobieren', dachte er beinahe träge, während er mit einer Hand bereits den muskulösen Rücken hinab streichelte. 'Er ist schön, und er fühlt sich so gut an. Aber wenn es mir nicht gefällt, dann habe ich ihm Hoffnungen gemacht.'

Cedric wollte ihm nicht weh tun, das hatte er nie gewollt. Doch irgendwie war er in eine Situation manövriert worden, die ihm wenig Auswahl ließ. 'Und was, wenn ich es nicht versuche und Daniel recht hat?' Eine kleine, grummelnde Stimme im Hinterkopf knurrte, dass er schon deswegen nichts versuchen sollte, allein um Daniel eins auszuwischen, aber er hörte nicht auf sie.

Noch war er nicht wirklich bereit, sich auf Sex einzulassen, aber nach einem kurzen Zögern schob er ein Knie leicht über Devis Beine und lenkte dessen Kopf ein wenig von seiner Schulter weg, um sich über den Kiefer und das Kinn zu seinen Lippen vorküssen zu können. Eine ganze Weile liebkoste er den energischen Mund mit kleinen Küssen, ehe er ihn mit seinem bedeckte und sich vorsichtig mit der Zungenspitze vorwagte.

Es war so herrlich, wenn man Cedric davon überzeugen konnte, was das Beste für ihn war. Und küssen konnte der süße, kleine Mann so gut. Nun, klein war vielleicht reine Ansichtssache, aber Devis Sicht der Dinge war, dass Cedric, da er nicht wandeln konnte, in der Puppenform war. Da er selber gewandelt hatte, war er der Meta der Beziehung und würde es wohl noch eine ordentlich lange Zeit bleiben.

Er schob seinen Arm um Cedrics Schultern, um sie einander dichter zu bringen. Es fiel ihm zwar schwer, aber ansonsten überließ er Cedric die Führung, auch wenn dies bedeuten konnte, dass der Mann ihn mit weichen Küssen und sanftem Streicheln und Schmusen in die Verlegenheit brachte, sehr viel mehr zu wollen, es nicht zu bekommen. Schon spürte Devi, wie seine Mähne sich noch weiter aufrichtete, ein leichtes Kribbeln begann in der Zeichnung auf seiner Brust, auf den Schultern und dem Rücken. Er wusste, dass die Färbung an Intensität zunahm.

Cedric schloss die Augen, wenngleich Devi auch so nicht mit einer Frau zu verwechseln war. Dafür war er zu groß, zu flach, zu hart. Aber Cedric mochte den Geschmack des anderen Mannes, sehr sogar, und das weichraue Gefühl von seiner forschender Zunge im Mund.

Er mochte es, den Atem zu spüren, der seine Wange streifte und den festen Griff um seine Schultern, als würde Devi ihn nie wieder loslassen. Und ganz entschieden mochte er das Kribbeln, das in seinem Bauch begann, sich in seinem ganzen Körper ausbreitete und ihn sich leicht und schwebend fühlen ließ. Die Zeichnung auf seiner Brust fing an zu pulsieren, warm und sanft im Rhythmus seines Herzschlags, und ganz von allein brachte Cedric sie auf den Platz, an den sie gehörte, an Devis breite Brust, während er sich enger an ihn drängte.

Devi begann begeistert zu gurren und festigte seinen Griff um den Gefährten. Mit einem kleinen Trick brachte er ihn dazu, über ihn zu rollen, damit er ihn besser spüren konnte. Gemütlich ruckelte er Cedric zurecht, so dass sich ihre Zeichnungen erneut perfekt ergänzten, er aber zugleich auch spüren konnte, ob es seinem Schatz gefiel, wenn sie mehr machten. Entschlossen schob er eine Hand über den Hintern und streichelte Cedric von dort auf die Oberschenkel, von dort auf die Innenseite der Beine und dann wieder zurück. Es war einfach nur fantastisch zu fühlen, wie die Wärme und Leidenschaft in ihm sich weiter steigerten mit jedem Moment, den sie zusammen waren.

Es war ein kleiner Schock für Cedric, Devi noch deutlicher zu spüren, ebenso wie die längst nicht mehr so unschuldigen Liebkosungen. 'Ich sollte das nicht tun', dachte er erst erschrocken, jedoch beinahe im gleichen Moment 'Es ist herrlich...' Atemlos trennte er sich von Devis Mund und sah in das energische Gesicht hinab. Der Ausdruck der halb geschlossenen Augen und das leichte Lächeln, das um die Lippen seines Gefährten lag, waren der Untergang seiner leisen Vorwürfe. Devi wirkte einfach nur glücklich, so glücklich, wie er ihn nie zuvor gesehen hatte. Der verhangene Blick berührte Cedric in einer Weise, von der er nicht einmal für möglich gehalten hatte, dass es sie gab; ganz tief in ihm antwortete etwas darauf, voll Freude und Wärme.

"Oh Gott", murmelte er, "du bist... so..." Er fand keine Worte und lächelte hilflos, um ihn stattdessen erneut zu küssen, während seine Hände wie von allein mit dem Streicheln begannen. Über die Schultern mit den Zeichnungen, die Oberarme entlang und dann zu den Seiten hin, wo er Devis Atmung unter den Rippen spüren konnte.

"Ich bin so glücklich?", fragte Devi leise an Cedrics Ohr, um es auch gleich einmal mit der Zunge zu erkunden, bevor er weiter den Hals und die Schulter für sich eroberte. Cedrics Atmung beschleunigte sich, und alles in allem wirkte er angenehm erregt wie die Männer, mit denen Devi als Puppe schon geschlafen hatte. Lächelnd neckte er den weichen Mund ein wenig mit seinen Lippen und Zähnen. "Ich glaube nicht, dass du mich jetzt noch abhalten kannst, mein Glück endlich mit dir zu teilen", flüsterte er seinem Schatz mit einem Mal sehr sicher ins Ohr, dann rollte er noch einmal herum, dieses Mal, um Cedrics sich windenden Körper unter seinem zu begraben.


© by Jainoh & Pandorah