Unverhofft lebenslänglich

I - 11.

Daniel wachte früh auf, auch wenn er am Vorabend dank Adiva eher spät ins Bett gekommen war. Aber der Gedanke an seinen Plan ließ ihn keine Ruhe mehr finden, und so stand er gut gelaunt auf, um nach einer schnellen Dusche ein weißes Hemd, eine dunkelblaue Hose mit Jackett und dazu passende schwarze Schuhe anzuziehen. Beschwingt verließ er die Suite, um an der Rezeption in der Empfangshalle nach der Anwältin zu fragen. Die junge Frau hinter der Theke musste nicht einmal lange suchen, ehe sie ihm die Adresse nennen konnte. Es war auch nicht schwer, direkt einen Termin bei ihr zu bekommen, nachdem er gesagt hatte, wer er war und um was es ging. Nur wenig später war er mit seinem Wagen auf dem Weg in den ein wenig außerhalb gelegenen Wohnort.

Ihre Villa war genauso typisch nach Art der Abd Jabir gebaut wie das Haus, das Adiva bewohnte, jedoch deutlich größer. Daniel hielt auf dem Besucherparkplatz und durchquerte einen angenehm angelegten Garten, in dem Magnolienbäume und Palmen Schatten spendeten. In dem Empfangszimmer, in das er von einem Diener geführt wurde, nahmen Mosaike der Göttinnen die Wände ein, und anstelle von elektrischen Lampen spendeten stimmungsvolle Glasleuchter mit Kerzen und geschickt arrangierte Fenster ein gemütliches Licht. Der junge Mann reichte ihm gekühlte Limonade und bat ihn zu warten.

Daniel hatte sich kaum gesetzt und einen ersten Schluck des erfrischend säuerlichen Getränks getrunken, als die Anwältin bereits den Raum betrat. Er vermutete, dass sie es eilig hatte und stand auf, um sich höflich vor ihr zu verneigen. "Ich danke Ihnen, dass sie so schnell Zeit für mich gefunden haben."

"Natürlich. Wenn es um einem meiner Klienten geht, nehme ich mir die Zeit", erwiderte sie mit unbewegtem Gesicht. "Worum geht es denn?"

Daniel kam direkt zur Sache. Auch wenn sie sich angenehm unterhalten hatten, hieß das nicht, dass sie Lust hatte, sich mit einem Menschenmann in Smalltalk zu üben. "Ich habe gestern noch länger mit Adiva gesprochen, und er sagte, dass es ein Traum von ihm ist, nach Caley zu kommen. Außerdem habe ich von seinen finanziellen Problemen erfahren. Natürlich hat er kein Interesse daran, sich von mir helfen zu lassen, was ich vollkommen nachvollziehen kann. Ich bin jedoch in der glücklichen Lage, dass mich die Reisekosten nicht belasten würden. Deswegen wollte ich Sie fragen, ob es Ihnen möglich wäre, die Sache bei der Stiftung zu beschleunigen und in seine Richtung zu biegen, wenn ich der Stiftung eine Spende zukommen lasse. Vielleicht wäre es sogar möglich, dass ich einen Teil Ihrer Anwaltskosten übernehme und man das als Hilfe Ihrer Gesellschaft zum Schutz der Männchen ausgibt." Sein Gesicht blieb ebenso unbewegt wie das ihre, als er hinzu fügte "Unter der Voraussetzung, dass Adiva auf gar keinen Fall erfährt, was es damit auf sich hat."

Sie erwiderte seinen Blick einen Moment lang, dann entnahm sie einem Etui eine silberne Karte. "Kommen Sie doch morgen in mein Büro, da können wir sicherlich einen näheren Blick auf diesen Vorschlag werfen. Ist Mittags recht?"

Daniel nickte, während sich ein kleines Lächeln in seine Mundwinkel schlich, als er die Karte entgegen nahm. "Ich danke Ihnen", sagte er schlicht. Als er nur wenig später wieder auf dem Weg zurück in den Palast war, fühlte er sich so gut, dass er die Lieder im Radio mitsummte.

 

Devi blickte missmutig zur Dusche hin, darunter stand der Inhalt all seinen Sehnens, leider auch der Grund für all seine Qualen shampoonierte sich ab. Cedric und er waren am Strand ein wenig weiter gegangen, was das Körperliche zwischen ihnen anging. Es hatte ihn gerade so richtig erregt und damit unvorsichtig gemacht, so dass er zwischen Zärtlichkeiten noch einmal sein Heimweh und die Freude über eine Heimkehr mit Gefährten zu Ausdruck brachte, als Cedric sich abrupt von ihm abgewandt hatte. Wieso nur hatte der Mann dieses Unverständnis so tief in sich? Er schien es als eine Niederlage anzusehen, wenn er sich Devi mit dem Vertrauen hingab, das nun einmal nötig war.

Seufzend wandte Devi den Blick in Richtung Raumhafen, den man als Schatten jenseits des Himmels gerade so ausmachen konnte. Cedric hatte ein für alle Male und sehr definitiv wiederholt, dass er niemals nach Caley fahren würde. Seine eigenen Worte waren sogar noch drastischer. 'Nur über meine verrottende Leiche, Devi, hol dich der Teufel, nimm deine Finger da weg, verdammter Mist!'
Devi hatte klein bei gegeben, aber war prompt zum Schwimmen gerannt und hatte sich von einigen der Caley ein starkes Schlafmittel geben lassen. Die Kabine für die Überfahrt war bereits gebucht; dieser Daniel war nett, aber musste nichts weiter davon wissen, und Devi tat es nur leid, dass sein Schatz nicht hören wollte.

Cedric war sich sicher, dass es nicht funktionieren würde. Devi war ein Mann, und so gern er ihn hatte und so nett seine Massagen waren, war das keine Grundlage für eine Beziehung, wie der Caley sie sich vorstellte. Der Ausflug am Morgen war nur noch die letzte Bestätigung gewesen. Und ganz gewiss würde er sich nicht auf einen Planeten verbannen lassen, auf dem es nichts gab. Gar nichts, außer ein paar Inseln.

Zudem hatte Cedric endlich eine kurze Zusammenfassung aus einem von Daniels Büchern gelesen. Nach Caley fahren, zwei Kinder in die Welt setzen – auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, wie das bei zwei Männern funktionierte – und dann für die nächste Ewigkeit von Insel zu Insel zu reisen, war ganz gewiss nicht, wie er sich sein weiteres Leben vorstellte. Himmel noch mal, er wäre ja bereit, für ein paar Wochen, vielleicht sogar zwei oder drei Monate dort Urlaub zu machen! Aber jenseits aller Zivilisation für die nächsten dreißig Jahre oder so leben? Nein danke!

Cedric stieg unter der Dusche hervor und rubbelte sich nachdenklich trocken. Am besten, er sagte es Devi gleich. Energisch verdrängte er den Gedanken, dass er ihn vermissen würde, höllisch vermissen, aber es gab keinen Ausweg. Er zog seine olivgrüne Lieblingscargohose an und ein sandfarbenes, ein wenig ausgeleiertes T-Shirt, in dem er sich besonders wohl fühlte, dann ging er mit noch nassen Haaren und auf nackten Füßen in den Wohnbereich, in dem Devi auf dem riesenhaften Sofa fläzte.

Cedric versuchte, sich gegen den Zorn zu wappnen, der gleich über ihn hereinbrechen würde, gegen die Verzweiflung und wohl auch das Unverständnis. Aber Devi musste einfach einsehen, dass es keine Zukunft für sie gab. Ihre Vorstellungen vom Leben waren viel zu unterschiedlich. Cedric schnitt eine Grimasse und wurde gleich wieder ernst, als sich der Caley mit ein wenig düsterem Blick zu ihm umwandte. So schaute er schon seit dem Morgen.

"Devi, ich weiß, dass du es nicht gern hören wirst." Cedric kam ein wenig näher und stützte sich auf der Rückenlehne eines voluminösen, blauen Sessels ab. "Aber das hat so keinen Zweck. Ich habe es wirklich versucht, aber das ist nicht meine Welt. Lass uns hier einfach einen Schlussstrich ziehen. Du fährst nach Caley, und ich nehme einen Frachter ins nächste Sonnensystem, um dort unterzutauchen."
Gelassen betrachtete Devi seinen angespannten Schatz und hielt ihm lächelnd die Hand hin. "Komm her."

Cedric schüttelte den Kopf, verwundert darüber, dass Devi gar nichts darauf erwiderte. Im Gegenteil machte es ihn misstrauisch. "Nein, keine Berührungen, keine Umarmungen mehr. Das bringt nichts."

"Das ist so schade, Cedric. Aber wenn du es so willst." Devi sah seinem Schatz in die Augen. "Die anderen und ich werden in nicht mal mehr fünf Tagen fahren, kannst du nicht wenigstens so lange noch bei mir bleiben?"

Es passte nicht. Cedric sah ihn aus schmalen Augen an. Dafür, dass Devi behauptete, ohne ihn nicht leben zu wollen, nahm er es viel zu gelassen auf. "Wenn du glaubst, mich entführen zu können, damit ich mich dann ruhig in mein Schicksal füge, dann schlag dir das gleich aus dem Kopf. Selbst wenn dir eine so absurde Aktion gelingen sollte, hättest du damit nichts gewonnen außer jemanden, der dir ganz sicher eher den Kopf abreißen als mit dir schlafen, geschweige denn leben würde", warnte er ihn, auch wenn er nicht wirklich an so einen Verzweiflungsakt glaubte. Andererseits hatte Devi oft genug bewiesen, wie stur er war.

"Ich bin noch voll der Hoffnung, dass ich dich werde umstimmen können, mein Leben", verkündete Devi treuherzig und hechtete sich auf Cedric, um ihn ein wenig zu knuddeln und zu küssen, bis dieser schrill seine Freiheit verlangte.

Wütend befreite sich Cedric aus Devis Armen. Wütend, weil er ihn mal wieder angefasst hatte, wütend, weil Devi einfach nicht begreifen wollte, dass er nicht sein Geliebter war und weil er ihn wieder und wieder ignorierte. Aber leider auch wütend, weil er selber es zuerst zugelassen hatte, als würde es ihm gefallen.

"Ich sage es dir nur noch einmal, Devi", fauchte er. "Fass mich noch ein einziges Mal an, und du fliegst hochkant aus der Suite. Dann hast du mich das letzte Mal gesehen."

Devi seufzte und umschlang seine langen Beine mit den Armen, um sich so in den Sessel zurücksinken zu lassen, auf dem sie beide gelandet waren. "Tut mir leid, du bist einfach eine zu große Versuchung für mich. Allein dein Geruch..." Er schloss die Augen und atmete einmal tief ein. "Aber schöner noch ist das Gefühl, wie dein Herz gegen die Rippen schlägt, wie es schneller schlägt. Hin und wieder sogar, wenn du nicht böse auf mich bist."

Er öffnete die Augen wieder und murrte "Ich gehe zu den anderen Caley. Wenn du meine Gesellschaft willst, weißt du ja, wo du mich findest." Er sprang auf und zog sich eine helle Hose und ein leichtes ärmelloses Hemd an. Bevor er das Zimmer verließ, küsste er den im Sofa brütenden Cedric auf den Kopf und seufzte noch einmal leicht.

Cedric knurrte ihm hinterher und konnte sich erst entspannen, als er die Tür ins Schloss fallen hörte. Mit einem Aufseufzen ließ er sich zur Seite sinken und starrte den Tisch mit der dunklen Marmorplatte an, als könnte der kalte Stein seine ebenso düsteren Gedanken aufsaugen. Warum zur Hölle hatte Daniel ihm nicht schon längst von den Caley erzählt? Warum hatte er Devi berühren müssen? Und warum, warum, warum konnte er nicht einfach seine gepackten Koffer nehmen, sich für den nächsten Tag einen Platz in einem beliebigen Raumfrachter buchen und verschwinden?

Daniel würde nach Caley fahren, wenn die nächste Fähre ging; mit sehr selbstzufriedenem Ausdruck hatte sein Freund ihm erzählt, dass er es geschafft hatte, Adiva die Reise ebenfalls zu ermöglichen. Daniel ging auch davon aus, dass er sich zumindest mal auf dem Planeten umsehen wollte, und am Abend würde Cedric ihm sagen, dass er damit falsch lag. Je eher er sich von Devi trennte, auch räumlich, um so einfacher würde es sein. Er hatte sogar schon eine ungefähre Vorstellung davon, wo er hinwollte. Das Dreigespann der Kemjasheri'i-Planeten war sehr reizvoll; es eignete sich geradezu hervorragend für einen langen Reisebericht, und auch wenn sie etwas übermächtig waren, gab es dort sehr schöne Frauen.

"Weich, mit geschwungenen Hüften, schlanker Taille und mit Brüsten, einfach weiblich", grollte er und ärgerte sich gleich darauf, weil seine Gedanken schon wieder zu dem Caley abgewandert waren. Ein Zielort, ein Plan, Geld von Daniel, alles war perfekt. Also was hielt ihn noch? Ihm war, als würde der Duft nach Kräutern und sonnenwarmer Haut ihn umwehen, und unwillkürlich hob er den Kopf, um zu sehen, ob Devi schon zurück war. Gleich darauf ließ er sich wieder mit einem Stöhnen auf die Polster fallen. Dieser verdammte Kerl! Sollte er in dem ebenso verdammten Pool doch ertrinken! 'Aber schöner noch ist das Gefühl, wie dein Herz gegen die Rippen schlägt, wie es schneller schlägt. Hin und wieder sogar, wenn du nicht böse auf mich bist.'

Die Erinnerungen an den Morgen kamen zurück, bevor Devi diese saublöde Frage gestellt hatte, und erst, als Cedric merkte, dass er sich in ihnen zu verlieren drohte, dass sein Herz allein davon wirklich schneller zu schlagen begann, stand er vor sich hinfluchend auf. Er würde die Reise nach Vash'esi, dem Hauptplaneten der Kemjasheri'i, gleich buchen. Jetzt sofort.

Stattdessen zog er die Schuhe an und war schon auf dem Weg zu den Räumen der Caley, noch während sein Kopf mit der Reise zum Dreigespann beschäftigt war. Ehe er ihn sehen konnte, hörte er bereits Devis Stimme, so leise sie auch zu ihm herklang und so sehr sie sich auch mit den anderen vermischte. Wie dunkler, schwerer Honig war sie und weckte ein Sehnen in Cedric. Unwillkürlich beschleunigte er seinen Schritt, nickte einer ihn anstrahlenden Puppe mit einem zerstreuten Lächeln zu und winkte einer Gruppe anderer, ehe er in den weiten Innenhof trat.

Devi hob den Kopf, als er Cedric wahrnahm. Er lächelte und füllte ein zweites Glas mit Punsch. Die Caley feierten mit den viele Freunden und Unvorsichtigen mal wieder eines ihrer Feste, bei denen es vor Blumenranken, Obstpunsch und wilder Musik nur so sprühte. Die Menge war bereits sehr ausgelassen dabei, im Kreis zu tanzen, während er sich mit einigen Puppen beraten hatte, wie er Cedric am allerbesten beikommen konnte.

Doch alles war vergessen, als sein Schatz auftauchte, als er ihm folgte. "Da bist du ja!" Devi überreichte Cedric das Glas und beugte sich kurz herunter, um dem Mann einen flüchtigen Kuss auf die Wange zu hauchen. "Hm. Ich hab mich schon so nach dir gesehnt, Cedric", murmelte er leise an das Ohr seines Gefährten.

Cedric konnte nichts gegen den warmen Schauder tun, der seinen Rücken hinabrann und auch nichts gegen das schöne Gefühl, das ihm wie ein Nachhausekommen erschien. Beinahe hätte er sich gegen Devi gelehnt, an seine breite Schulter, in der Erwartung, dass ihn ein starker Arm umfing, ein wenig zu besitzergreifend, aber sicher und liebevoll. Er hielt sich zurück und erwiderte nur "Wenn ich gewusst hätte, dass ihr hier was zu feiern habt, hätte ich mir was Passenderes angezogen."

"Du siehst perfekt aus, mein Schatz." Mehr sagte Devi nicht, sondern genoss es einfach nur, dass er seinen Gefährten bei sich hatte, ohne dass es zu Streit kam. Der Abend war harmonisch und einfach nur wundervoll. Devi küsste Cedric nach einer Weile sogar wieder und kam ohne Strafpredigt damit durch. Cedric trank allerdings auch nicht wenig von dem Alkohol, und im Rausch ließ er sich sogar später in der Suite von Devi dazu überreden, nackt mit ihm im Bett zu liegen.

Leider blieb es beim Schmusen, und auch das war bei einem schlafenden Cedric sehr einseitig, wenn schon recht beglückend für Devi. Er liebte es, den kräftigen Körper seines Lieblings mit den Händen entlang zu streicheln und so immer wieder neu kennen zu lernen. Cedric machte diese zufriedenen kleinen Brummgeräusche, die Devi gern an ihm hörte, und er ließ sogar zu, dass Devi ihn fest an sich zog und ein Bein zwischen seine schob, um ihn, so eng es ging, bei sich zu haben, wenn auch nur im Schlaf.

Der Morgen wurde natürlich wieder ernüchternd. Devi erwachte, weil er Daniel und Cedric reden hörte, gleich darauf rief Cedric ihm betont locker zu, dass er und sein Freund einen kleinen Ausflug machen würden. Ohne Devi natürlich, und der kleine Ausflug begann mit einer Bootsfahrt, wie Devi hilflos vom Hafen aus sehen musste, zu dem er seinem Schatz und dem schlanken blonden Mann, gefolgt war. Das Vermissen setzte heftiger ein an diesem Morgen und tat fast wieder körperlich weh. Devi ließ sich sogar eine Weile lang am Hafen nieder, um die Rückkehr seines Lieblings abzuwarten und freute sich, dass es nur noch drei Tage dieses Wahnsinns waren.

 

Adiva wunderte sich sehr, dass seine Anwältin ihn schon so bald wieder in ihr Büro bestellte. Doch als er die dicken Formulare sah, schlug sein Herz gleich schneller. Sie erklärte ihm, dass die Forschungsgesellschaft Interplanet Interesse an einer Serie über Caley bekundet hatte. Zu einer Gruppe von Wissenschaftlern, vornehmlich von der Erde und vornehmlich bereits auf Caley gebunden, wollten sie auch sehr gern einen Arzt schicken. Da Adiva hin und wieder kleine Artikel über Interaktionen zwischen den Caley und den Menschen geschickt hatte, fanden die Vorstandsmitglieder ihn am besten geeignet.

Hafila wies ihn darauf hin, dass er zum Ausgleich für die nicht gerade geringen Aufwendungen, die er erhielt, mit jedem Frachter wenigstens einen Artikel mitsenden sollte. "Sie werden an den Professor für Forschung der Abteilung medizinische Planetenwissenschaften geschickt werden. Er ist ein Mensch, soweit ich informiert bin."

Adiva ließ sich alle Formulare geben und unterzeichnete sie mit großen Augen, konnte sein Glück noch immer nicht fassen. Dazu meinte Hafila, dass er bei seiner Rückkehr über einige Parties in ihrem Hause, zum Beispiel zur Verheiratung einiger ihrer Söhne, sicherlich in Kontakt mit freundlichen und an den Wissenschaften interessierten Weibchen gebracht werden konnte. Eine Heirat auf diese Art und Weise würde ihm eine Rückkehr in Sicherheit ermöglichen, so dass er sein Leben nicht fern von Jabir verbringen musste.

 

Daniel beobachtete seinen Freund kritisch, als das sehr vage einem altägyptischen Schiff nach empfundene Boot mit kräftigen Ruderschlägen auslief. Cedric winkte Devi zu, und seine ganze Haltung drückte die Erleichterung aus, endlich mal wieder einen Tag ohne den Caley verbringen zu können. Daniel hoffte jedoch, dass dieser Tag Wirkung zeigte. Er hatte nicht vor, Ced vor dem Abend wieder zurück zu Devi zu lassen, damit der Sturkopf endlich einsah, wohin er gehörte. Zumindest war das der Plan gewesen, als er nach einigem morgendlichen Knurren von Ced den Vorschlag gemacht hatte. Und das, obwohl er eigentlich hatte Adiva besuchen wollen.

'Du schuldest mir, Ceddy', dachte er mit einem Anflug von Belustigung, denn Ced würde das ganz anders sehen. Aber hoffentlich nur noch bis in einigen Stunden. Die Abfahrt der Fähre nach Caley rückte näher, und wenn bisher überhaupt eine Veränderung in Ceds Haltung zu dieser Reise zu bemerken war, dann war es ein rapider Anstieg seiner Ablehnung. Er war sogar derart dagegen eingenommen, dass Daniel fast vermutet hätte, dass die Caley nicht auf jeden Menschen eine einzigartige Anziehung hatten, wenn sie erst einmal mit ihm verbunden waren.

Doch dann gab es wieder die Momente, in denen Ced sich unbeobachtet fühlte, von sich selbst vermutlich genauso wie von der Welt, oder wenn Müdigkeit seine Abwehr untergrub. Momente, in denen er Devi mit einem derart zärtlichen Blick betrachtete, dass Daniel sich wie ein Eindringling fühlte, allein weil er im gleichen Raum weilte. Oder die Besorgnis, wenn sich Devi bei einer seiner Aktionen zum Abreagieren, weil Ced ihn mal wieder nicht an sich rangelassen hatte, verletzte. Oder das vertrauensvolle Anlehnen, als die beiden am Vorabend vom Fest zurückgekommen waren. Dann sah Cedric einfach nur glücklich aus, glücklicher, als Daniel ihn je gesehen hatte.

Cedric genoss es, dass er nicht ständig damit rechnen musste, von einem sehnsüchtigen Devi aus dem Hinterhalt angefallen zu werden. Dafür nahm er auch das traurige Gesicht in Kauf und die Einsamkeit, die den Caley umgeben hatte, als er ihm am Kai nachgesehen hatte. Die Welt würde nicht untergehen, wenn sie sich einen Tag lang nicht sahen, und hoffentlich hatte Devi das am Abend begriffen. Dann konnte er zumindest einigermaßen beruhigt auf seine Fähre steigen, auf seinen Planeten fahren und sich einen besseren Partner suchen. Wahrscheinlich nicht sofort, wie Cedric zugab, und allein der Gedanke, dass er Devi damit Schmerz zufügte, ließ ihn an der Weitsicht seines Planes, ihn zu verlassen, zweifeln, aber er würde nach einer Weile über die Trennung hinwegkommen. Immerhin waren sie nie ein Paar gewesen.

Daniel ließ auch nicht wirklich zu, dass er über die Art ihrer Beziehung oder Devi zu lange grübeln konnte. Sein Freund schien es sich energisch zur Aufgabe gemacht zu haben, ihn abzulenken. Daniel schleppte ihn bald zum Bug des Bootes, wo sie auf gemütlichen Polstern mit eisgekühlten Getränken die schwimmenden Gärten genießen konnten, zu denen ihnen eine Führerin interessante Fakten erzählte. Im Anschluss durchstreiften sie eine Art Erlebniseinkaufscenter, das weniger die Präsentation der Waren oder gar Übersichtlichkeit im Sinn hatte, als vielmehr ein Abenteuer daraus machte, die einzelnen Artikel in einem arrangierten Dschungel finden und zu bekommen. Auf diese Weise erstand Cedric einen breiten Bronzearmreif und verpackte ihn sorgfältig, um ihn Devi mitzubringen.

Pause machten sie danach im Fliegenden Juwel, dessen Tische tatsächlich in kleinen, verschiedenen Edelsteinen nachempfundenen Parzellen untergebracht waren, die sich, wenn man sie betreten hatte, vom Boden lösten und dem Himmel entgegen drifteten, so dass man eine herrliche Aussicht über weite Teile des Geländes hatte. Das Personal flitzte auf kleinen Gleitern dazwischen umher, um die Bestellungen aufzunehmen.

Doch Cedric konnte den wirklich atemberaubenden Blick schon nicht wirklich genießen. Seine Träume weilten bei Devi und wie viel schöner es sein könnte, wenn er hier wäre. Bestimmt würde es ihm gefallen. Cedric könnte ihm den Armreif geben und allein das Aufleuchten der goldbraunen Augen... Er unterdrückte ein Stöhnen, das Daniel nur zu Fragen gebracht hätte und versuchte, sich auf seinen besten Freund zu konzentrieren.

Es wurde nicht besser, im Gegenteil. Bald kreisten Cedrics Gedanken einzig darum, wie er Daniel unauffällig, und ohne dass dieser irgendwelche selbstzufriedenen Schlüsse ziehen würde, dazu bewegen konnte, ihren Ausflug abzubrechen.

'Das kann doch gar nicht wahr sein', dachte er verzweifelt. 'Nicht mal ein Tag! Ich will nicht ständig in der Gegenwart dieser Monsterklette herumhängen. Ich bin schließlich ein eigenständiger Mann und nicht die Hälfte eines Caley-Mensch-Konglomerats!'

Er hielt durch, aber er hatte keine Freude mehr daran und war nur noch dankbar, als Daniel feststellte, dass er ein wenig blass aussähe und sie wohl besser umkehrten. Er hatte nicht einmal mehr die Energie oder die Lust, ihn wegen des Spitznamens in die Mangel zu nehmen. Hölle noch mal, er sehnte sich nach Devi, dass es schmerzte, vermisste ihn so sehr, dass es beängstigend war.


© by Jainoh & Pandorah