Unverhofft lebenslänglich

I - 16.

Daniel spazierte mit Adiva langsam von dem Fest davon, auf das Haus von Jann und Richardson zu. Die Stimmen hinter ihnen wurden leiser, und er genoss die Stille und den Mondenschein ebenso wie den zierlichen Mann an seiner Seite. Er sah zu ihm hin und lächelte. "Das hast du geschickt hinbekommen, meinen Respekt, Adiva."

"Was habe ich hinbekommen?" Verwirrt blinzelte Adiva den Mann an, mit dem er sich das Zimmer teilen würde. "Dass Cedric wieder ein wenig fröhlicher ist? Das wird nicht lange halten. Ohne Hautkontakt zu Devi wird er bald melancholisch werden."

"Sei nicht so bescheiden", neckte Daniel und sprang einen kleinen, unregelmäßigen Absatz in dem Felsweg hinab, um dann die Hand auszustrecken und Adiva überflüssigerweise, aber zuvorkommend zu helfen. "Cedric geht es besser, er ist nicht mehr unmittelbar bedrängt und kann trotzdem in aller Ruhe und vor allem in aller Nähe herausfinden, dass er Devi braucht. Wenn er es nicht mehr aushält, kann er zu ihm, anstatt irgendeinen Stationsarzt auf irgendeinem Raumschiff Richtung Vash'esi an den Rand der Verzweiflung zu treiben."

Adiva ließ sich mit einem leisen Dank über die Unebenheiten hinweghelfen, aber entzog Daniel seine Hand sogleich wieder. "Ich habe ein wenig Angst um ihn", gestand er.

Devi lugte über die kleine Treppe aus Steinen herunter und fragte mit gedämpfter Stimme "Blonder? Adiva? Wo ist mein Sturer? Ist er ins Meer gesprungen?"

Adiva hob den Kopf und schüttelte ihn dann gleich. "Mach dir keine Sorgen, Devi! Er ist bei Vinns Familie. Er braucht ein wenig Abstand, um seine Anpassungsstörungen zu überwinden, denke ich. Geh erst einmal schlafen und mach dir morgen wieder Sorgen, ja?"

Unsicher kam Devi ihnen entgegen und hob Adiva kurzerhand über das kleine Mäuerchen, mit dem sein Vater ihr Gemüsebeet gegen den Wind schützte. Der kleine Arzt quiekte erschrocken, so dass Devi ihn rasch wieder abstellte. "Du schaust morgen früh nach ihm, ja? Versprich mir, dass er nicht einfach allein gelassen wird und Dummheiten machen kann." Streng blickte er Daniel an. "Du auch, Blonder. Ihr müsst mir mit dem Aufpassen helfen, ja?"

"Sicher, er ist mein Freund." Devis Haltung irritierte Daniel ein wenig. Als ob er Cedric im Stich lassen würde! Mit einem kleinen Schulterzucken tat er das Gefühl ab. "Aber er ist so stur, dass er halt allein sehen muss, dass er dich liebt und braucht."

Devi machte eine wegwerfende Bewegung. "Es wird ihm sicherlich spätestens in ein paar Tagen schlecht gehen, dann braucht er mich, und ich muss den richtigen Moment abpassen. Ich geh jetzt besser schlafen, damit ich morgen ausgeruht genug bin."

Adiva nickte und bat Daniel, ihm das Zimmer zu zeigen. Das Wohnhaus von Jann und Arkay war schon recht umfangreich mit vier Wohnebenen und drei Dachterrassen, die von Weinlaub überwachsen und alle mit Sitzecken ausgestattet waren.

In der vierten Ebene lag das Gästezimmer und ein rundes Badezimmer mit eigener Wasserzisterne. Das Gästezimmer verfügte über zwei der traditionellen, von leichten Gardinen umgebenen Betten, die beide breit genug für zwei Personen waren. Adiva war erleichtert, dass nur er und Daniel hier untergebracht worden waren.

Rasch entschuldigte er sich und zog sich ein leichtes ärmelloses Hemd und eine dazu passende Shorts in hellem Grün an. Seit der Scheidung trug er kaum noch Schmuck, aber stellte dennoch den Schmuckteller im Badezimmer neben seiner Fellbürste und der Zahnbürste auf, damit er die kleinen Steinchen für sein Gesicht dort hineinlegen konnte. Er war zu müde, um sich noch zurecht zu machen, stattdessen wusch er sich die Bemalung um die Augen fort und tupfte nur erfrischendes Öl mit dezentem Duft um seine Ohren. Mit einem leisen Nachtgruß krabbelte er unter die leichte Decke und rollte sich zusammen.

Daniel ging nach ihm ins Bad und machte sich erneut für die Nacht fertig. Als er nur wenig später in sein eigenes Bett ging, lauschte er eine Weile auf den Abd Jabir, bis dessen Bewegungen ihm sagten, dass er wohl noch nicht eingeschlafen war.

"Adiva?", sagte er leise. "Kannst du noch einmal mit Devi sprechen? Ced muss seinen Sturkopf allein überleben."

Adiva schaffte es gerade so, seine Augenlider noch einmal zu heben. Müde erwiderte er "Devi weiß, was er tun muss. Es ist ein Instinkt bei Caley. Kümmere dich nicht weiter darum." Er seufzte, als seine Augen ihm wieder zufielen.

Daniel runzelte die Stirn und zog die Decke höher. Es mochte ein Instinkt für Caley unter Caley sein, aber Cedric war kein Caley, er war überzeugt davon, dass er nicht schwul war und er fühlte sich betrogen, benutzt und in die Ecke gedrängt. Daniel bezweifelte stark, dass Devi auf die Caleyart zu ihm würde durchdringen können. Leider merkte Daniel entgegen seines ersten Plans, dass er sich nicht damit abfinden konnte, die beiden allein streiten zu lassen, nicht, wenn es um Cedric ging.

'Im schlimmsten Fall bringe ich dich von hier weg, mein Freund. Ich hole einfach eines meiner Schiffe', dachte er schon im Halbschlaf gefangen. Natürlich bewachten die Daryller den Luftraum von Caley eifersüchtig, und bei diesem aggressiven Volk nutzte ihm sein ganzes Geld nichts, aber dieses Problem wurde in seiner Müdigkeit nebensächlich. 'Und irgendwo werden wir auch einen Arzt finden, der die Nachwirkungen einer Caleyverbindung aufheben kann. LeRoux vielleicht. Oder...' Noch während er darüber nachgrübelte, schlief er ein.

 

Cedric war nicht müde, immerhin hatte er die ganze Reise nach Caley verschlafen, ein weiterer Grund, der ihn wütend auf Devi machte. Nicht einmal davon hatte er etwas gehabt. Er verdrängte den Gedanken an den Dreckskerl rabiat und sah, auf dem großen Bett sitzend, an die Wand gelehnt und die buntgewebte Decke lose um die Schultern gehängt, zum Fenster hinaus.

Die Monde waren hübsch, wenn auch viel zu hell, aber dagegen gab es ja Fensterläden. Allmählich wurden die ausgelassenen Stimmen von den Wohnräumen her leiser, offensichtlich näherte sich das Fest seinem Ende. Er war dankbar dafür, dass er hier untergekommen war, und morgen würde er hoffentlich erfahren, wann die nächste Fähre ging. Daniel würde es herausbekommen, wenn niemand sonst ihm helfen wollte. Denn immerhin wusste jeder, dass sein Freund nur zu Besuch war.

Das war auch eines der Dinge, die ihn rasend machten. Niemand wollte ihn verstehen, als sei ein Zustand der vollkommenen Abhängigkeit von einem Mann, der ihn nicht mal anmachte, das erstrebenswerteste Ziel aller Galaxien. Sollten sie das doch genießen, wenn es das für sie war! Für ihn war es das nicht, und er zwang ja auch niemanden, mit jemandem zusammen zu sein, den er verachtete.

Mit einem Mal wusste Cedric, womit er sich während eines Teils der Wartezeit beschäftigen würde. Sobald er erst einmal seinen Fotoapparat und den Computer wieder hatte, würde er eine Reportage über Caley beginnen, die nicht die Vorzüge der Landschaft und die Warmherzigkeit der Bevölkerung pries. Oh nein, gewiss nicht.

Er rutschte zurück auf die Matratze und vertrieb sich die halbe Nacht mit Plänen und Formulierungen. Wenn er auch nur ein Wesen davor warnen konnte, ebenso blind wie er in diese Falle zu laufen, wäre es das den Aufwand schon wert.

In den frühen Morgenstunden fand er doch noch ein wenig Schlaf, wenn es auch mehr ein Dösen war. Nach einer raschen Dusche zog er sich an, sehnsüchtig schon auf seine Koffer wartend und ging in den Wohnraum hinab. Seine Gastgeber begrüßten ihn fröhlich, umsorgten ihn mit einem guten Frühstück und einem kaffeeartigen Getränk, das fast ebenso gut wach machte und bewiesen genügend Takt, ihn nicht ein zweites Mal auf Devi anzusprechen, als er die erste Andeutung gereizt blockierte.

Etwas später kam Daniel vorbei und machte, dass Cedric sich fast heimisch zu fühlen begann. Er tauschte die Jeans gegen eine braune Shorts und das alte gegen ein neues T-Shirt, dann saßen sie zusammen und redeten und lachten. Einen Vorteil hatte sein unfreiwilliger Aufenthalt hier, wie Daniel mit einem Zwinkern feststellte, und Cedric konnte ihm grummelnd Recht geben. Niemand würde ihn hier vermuten, so sehr wie er sich dagegen gewehrt hatte.

 

Devi verbrachte den Morgen damit, sich bei allen Nachbarn vorzustellen. Es war ein mühsames Unterfangen, weil die Häuser weitverzweigt bewohnt wurden, da die wandernden Puppen mit ihren Vätern und deren Gefährten sich ebenso eingliederten, um eine Weile auf einer Insel zu bleiben, bis sich die Puppe alle vorhandenen anderen hatten berühren können.

Anschließend tauschte Devi im Hafen einige der mitgebrachten Blumen gegen Dinge, die er nun brauchen würde. Einige Kleidungsstücke für sich und eine schöne Halskette mit braunen, dezent in Gold gefassten Edelsteinen, die sicherlich ganz ausgezeichnet zu Cedrics schönen Augen passen würden.

Er traf Vinn bei seinen Besuchen, und dieser erzählte ihm, dass Cedric noch immer sehr gereizt beim Wort 'Devi' reagierte, so dass es vielleicht besser sein mochte, wenn er noch einen Tag länger wartete. Seufzend half Devi seinem Vater den Nachmittag nach den heißen Stunden im Garten und begann, das Gärtnern von ihm zu lernen, da es vermutlich seine Hauptbeschäftigung sein würde.

Als der Abend mit den lauen Winden kam und Jann mit Arkay und Devi die Fische für sich, die Besucher und die zwei Puppen, die zu dem Zeitpunkt mit ihren Vätern und deren Gefährten bei ihnen wohnten, zubereitete, um sie draußen auf der größten Dachterrasse zu grillen, fühlte Devi dennoch eine gewisse Unruhe in sich.

Jann und Arkay küssten sich hin und wieder und berührten eigentlich immer, wenn einer von ihnen eine Hand frei hatte. Janns menschlicher Gefährte mit den gelockten schwarzen Haaren lachte über einen Scherz der Puppen und bot von sich aus an, dass er am anderen Tag einen neuen Krug Öl tauschen gehen wollte, aber Jann war strikt dagegen, weil Arkay sich beim letzten Mal den Rücken verhoben hatte. Verspielt stritten sie darum, wer besser wusste, was gut für den molligen Forscher war.

Traurig zog Devi sich zunächst auf die Treppe zur nächsten Etage zurück und blinzelte aus schmalen Augen in die Küche hinunter, in der die Meta alle zusammen ein Lied sangen, während sich die Puppen fröhlich kreischend im Bad nebenan duschten. Entschlossen sprang er endlich auf und zog sich eines der leichten weißen Hemden und seine Sandalen über. Er verstaute die Kette in einem Schächtelchen und sagte seinem Vater nach einem Kuss, dass er nur kurz fort wolle und zum Essen wieder da sein würde. Mit weiten Sätzen lief er durch die kleinen Gassen mit den vielen Treppen zur anderen Seite des Hangs, wo Vinn mit seinem Gefährten wohnte und wo Cedric sein würde. Nach einigen Fragen wurde ihm das richtige Haus gewiesen, und er sah schon von Weitem, dass die Gesellschaft dort sich ebenso auf der Dachterrasse zum Essen eingefunden hatte.

Devi hatte nicht vor, zu seinem Gefährten zu gehen, auch wenn er ihn vermisste und ihm so gern über die Zeit der Anpassung hinweg helfen wollte. Er wollte noch viel mehr als das, aber wagte es nicht, seinen empfindlichen Schatz zu erschrecken. Um nicht von ihm gesehen zu werden, lauschte er zunächst auf die Stimmen und schlich sich dann um Cedrics Stimme auf der ersten Dachterrasse herum in das Haus, um einer Puppe die Kette zu geben. "Gib sie ihm als Geschenk von mir. Vielleicht freut er sich ja."

Vinn betrat die Küche und blinzelte, bevor er mit seiner lauten Stimme rief "Devi! Bist du hier, um deinen Sturen zu besuchen?"

Devi schüttelte den Kopf und erwiderte ein wenig traurig "Ach nein. Noch will er mich sicherlich nicht sehen. Cedric ist nicht so leicht zu überzeugen wie ein normaler Mann. Aber ich bin stolz auf ihn. Bis bald, Vinn!" Er lief hastig aus dem Haus und beeilte sich so sehr, dass er vor dem Essen duschen musste.

Als er dann mit noch nasser Mähne und lediglich einer leichten Hose zu den anderen trat, legte Adiva ihm kurz besorgt die Hand auf den Unterarm und fragte "Ist etwas mit Cedric nicht in Ordnung?", aber Devi schüttelte nur den Kopf und schob sich ein besonders großes Stück Fisch auf den Teller, um sich neben seinem Vater auf der Bank nieder zu lassen.

Tröstend kraulte Jann ihm einmal durch die Mähne und meinte leise "Er ist wundervoll, dein Sturer. Die Puppe wird wundervoll, ihr solltet sie Stur nennen, nach ihm. Sie wird sicherlich seine Seele und seine Augen haben, Devi."

 

Cedric war zusammengezuckt, als er Vinn Devis Namen rufen hörte. Sofort ging er innerlich auf Abwehr, sein Magen krampfte sich vor Wut zusammen. Wenn der Kerl es wagen sollte, ihn auch hier noch zu belästigen... Natürlich konnte er ihm nicht verbieten, Freunde zu besuchen. Und so ignorant, wie Devi war, würde er es sich bestimmt nicht nehmen lassen, mit seinem arroganten Grinsen, von dem er meinte, dass es alles gut machte, bei ihm vorbei zu kommen, ihn zu drücken und zu küssen. Cedric hatte das sehr sichere Gefühl, dass er zuschlagen würde, sollte Devi ihn anfassen.

Doch Devi kam nicht; Cedric hörte nicht einmal seine Stimme. Endlich konnte er sich wieder entspannen, konnte auf die Scherze antworten und weiter essen. Aber auch wenn sein Verstand sich mit jeder Faser dagegen sträubte, den Caley auch nur noch einmal zu sehen, merkte er leider sehr deutlich, dass sein Körper da anderer Meinung war. Das altbekannte Ziehen und Sehnen setzte bereits ein, das sich nur mit einer Umarmung von Devi stillen lassen würde. Aber dieses Mal würde Cedric dem nicht nachgeben. Und irgendwann würde es aufhören. Die ersten Tage waren die schlimmsten, wenn es wie bei Zigaretten ablief. Nach zwei Wochen hatte man dann das Gröbste geschafft.

Im Moment war es die einzige Hoffnung, die er hatte, dass es eine begrenzte Zeit war, die er durchhalten musste. Auf seine Fragen hatte er nur verwundert zu hören bekommen, dass niemand sich je hatte trennen wollen, wenn er erst einmal mit einem Caley zusammen war. Kein Mensch schien es als grausames Schicksal zu empfinden, und die Caley natürlich erst recht nicht.

Schließlich entschuldigte er sich und ging auf sein Zimmer, um eiskalt zu duschen. Leider half es nicht viel, und er wünschte sich Daniel herbei, damit er ihn ablenkte. Aber der war gegen Abend wieder zu seinen Gastgebern Arkay und Jann zurückgekehrt, um mit ihnen zu essen. Natürlich wollte er nicht unhöflich sein, und zudem war jetzt auch Adiva bei ihnen. Cedric konnte nicht verlangen, dass sich wegen seiner momentanen Unpässlichkeit Daniels Welt um ihn zu drehen begann. Und er wollte es auch gar nicht. Ein schiefes Grinsen verzog sein Gesicht. Dann wäre er auch nicht besser als Devi.

Er zerrte eine blaue Sporthose und ein passendes T-Shirt aus einem der Koffer und beschloss, dass ein wenig Laufen ihn ablenken konnte, selbst wenn er eigentlich viel zu vollgegessen dafür war. Doch kaum hatte er sich umgezogen, klopfte es an die Tür. Eine Puppe stand davor und reichte ihm mit einem Strahlen ein Schächtelchen.

"Von Devi", verkündete der zierliche, schwarzäugige Junge entzückt. "Er hofft, dass du dich freust."

Braune Edelsteine, verknüpft mit etwas Gold, bildeten eine Kette. Cedric presste die Lippen zusammen, während sich seine Hand darum krampfte und er gegen das Bedürfnis ankämpfen musste, das hübsche Gebilde gegen die nächste Wand zu schmeißen. Es kostete ihn mehrere Atemzüge, ehe er sich soweit beruhigt hatte, dass er sie dem Jungen zurückgeben konnte. "Danke für deine Mühe. Aber behalte sie oder schmeiß sie ins Meer. Ich will sie nicht."

Mit einem Knall schloss er die Tür hinter sich und stürmte nach draußen. Er verfluchte sich für dieses unerträgliche Benehmen, als er viel zu schnell loslief. Doch er wusste ganz genau, woher es kam. Alles in ihm schrie danach, zu Devi zurückzukehren, während er exakt das nicht wollte. Dieser Zwiespalt machte ihn gereizt und unleidlich, und wie er befürchtete, würde es noch viel schlimmer werden. 'Verdammt! Verdammt, verdammt, verdammt!'

 

Devi hatte Mühe gehabt, sich auf die Unterhaltung zu konzentrieren. Vornehmlich redete Arkay mit Adiva und Daniel, und sie redeten mehr über die Caley als mit ihnen, was er aber als wissenschaftlichen Eifer anerkannte. Doch hin und wieder schoss einer der drei Gäste eine Frage zu ihm hinüber, die er dann nicht beantworten konnte, weil er in Gedanken bei seinem kleinen Schatz war, der so leiden musste.

Es wurde sogar noch schlimmer, als die Puppe, der er die Kettenschenkung übertragen hatte, weinend zu ihnen gelaufen kam. Der Kleine war sich sicher, dass er etwas falsch gemacht haben musste und hielt die Kette an sich gepresst, ließ sich nur mühsam beruhigen. Endlich erzählte er, dass Cedric aus dem Haus gelaufen war und sichtlich aufgeregt und wütend gewirkt hatte. Seufzend verließ Devi noch einmal das Haus, um nach seinem Liebling zu sehen, weil er sonst vor Sorge nicht würde schlafen können.

Da er keine Ahnung hatte, in welche Richtung Cedric gelaufen sein mochte, musste er ein wenig herum fragen, aber endlich wies ihn jemand auf den Pfad, der vom Hafen aus in Richtung der Weinberge auf den Südhängen führte. Rasch ging Devi weiter hoch und suchte die Hänge nach der vertrauten Gestalt ab.

Cedric war zu schnell gelaufen, vor allem, weil er es auch schon lange nicht mehr getan hatte. Jetzt bekam er kaum noch Luft, seine Beine taten ihm ebenso weh wie seine Lungen, und er fühlte sich schwindelig vor Erschöpfung. Trotzdem machte er weiter. Das Sehnen ließ einfach nicht nach, und es war viel unerträglicher und schmerzhafter als alles andere. Cedric wollte sich so sehr verausgaben, ehe er zurück zu seinen Gastgebern kam, dass er viel zu erschöpft war, um auch nur daran zu denken, Jann und Richardson noch einen Besuch abzustatten.

Es war nicht schwierig, Cedric auszumachen, zumal das helle Mondlicht die Weinberge überschien und die nachtaktiven Falter, Fledermäuse und Vögel durch das Keuchen und die schweren Schritte des Mannes aufgeschreckt wurden. Devi blieb unterhalb des Pfades stehen, als er Cedrics wirren Haarschopf zwischen den Weinstöcken entdeckte. Sein Gefährte wirkte müde und abgekämpft, aber schien sich noch nicht genügend selbst bestraft zu haben, er setzte seinen Weg mit schweren, aber unermüdlichen Schritten bergauf weiter fort.

Devi seufzte und behielt ihn aus der Ferne im Auge, nur für den Fall, dass der dumme Junge sich einen Knöchel verstauchen wollte oder vielleicht gar vor Erschöpfung zusammenbrach. Zudem sah Cedric im Mondlicht herrlich aus, er hatte sein wohl schon verschwitztes Hemd ausgezogen und in die Shorts gesteckt, seine Zeichnung schimmerte und hob sich durch die Feuchtigkeit seiner Haut sehr deutlich hervor. Sehnsuchtsvoll berührte Devi seine Brust, auf der genau der Teil der Zeichnung, den Cedric trug, fehlte.


© by Jainoh & Pandorah