Unverhofft lebenslänglich

I - 18.

Devi hatte sich früh von seiner Wohngemeinschaft verabschiedet. Adiva und der Blonde waren ohnehin gemeinsam auf einer der kleinen Terrassen verschwunden, man konnte sie dort am Ecktischchen im Schein der Monde sitzen und Wein trinken sehen, vermutlich besprachen sie Cedrics Fall.

Devi selber wollte sich von genau diesem Fall und von seinem Wohlbefinden noch einmal selber überzeugen und lief zu Vinns Haus, wo gerade Ruhe eingekehrt war, weil die zwei Puppen ja abgereist waren und die nächste Fähre von anderen Inseln zu ihnen erst in einigen Tagen vorbei kommen würde. Nur kurz redete er mit Vinn und seinem Gefährten, dann schlich er sich zum Schlafzimmer von Cedric.

Die Fensterläden waren vollständig geschlossen, so dass er das Gesicht seines Lieblings nicht erkennen konnte, aber im schwachen Schein von der Flurlampe schimmerten die Kristalle auf, so dass Devi die Hoffnung hatte, dass ihm ein kleiner Blick und vielleicht eine leichte Berührung erlaubt sein würde. Er schlich sich näher an das Bett heran und betrachtete seinen Sonnenschein sorgenvoll. So gern würde er ihn in den Arm nehmen und seine Schmerzen lindern, aber das würde sie vermutlich verlängern. Die Symptome zu schwächen hieß vermutlich, Cedrics enorme Abwehr wieder zu stärken.

Cedric erwachte aus einem trotz der Kristalle unruhigen Schlaf. Alpträume hatten ihn heimgesucht, die sich alle um Devi drehten. Devi schlich sich heimlich in sein Zimmer, um seine Qual zu verlängern und seine Bemühungen unmöglich werden zu lassen. Devi holte ihn heim zu sich in sein Bett und ließ ihn nicht mehr gehen. Devi entführte ihn an einen Ort, an dem es nicht einmal mehr Daniel und Adiva gab. Nie tat Devi ihm weh, und seine Berührungen waren immer süß und so liebevoll, aber sie vernichteten all seine Hoffnungen, je von ihm loszukommen.

Cedric spürte Schweiß auf seinem Körper; das Bettlaken klebte an ihm. Gerade wollte er sich davon befreien und aufstehen, um noch einen Schluck Tee zu trinken, als er das leise Geräusch hörte. Er zuckte zusammen, und mit dem Atem einer zweiten Person im Raum wurde ihm klar, wer es war. Er musste ihn nicht sehen. Das Sehnen setzte so heftig ein, dass es ihn alle Kraft kostete, sich Devi nicht an den Hals zu werfen.

Und noch etwas wurde Cedric bewusst, als sich seine Hände in die zerwühlte Decke krallten. Wenn Devi ihn jetzt anfasste, wenn er alles zunichte machte, was er bisher erreicht hatte, würde es keinen zweiten Versuch geben. Genau zu wissen, dass er noch mal das durchmachen musste, was er die zwei Tage erlitten hatte und ständig zu fürchten, dass Devi sich wieder einfach in der Nacht zu ihm schleichen konnte, würde er nicht durchhalten.

"Verschwinde", flüsterte er heiser. "Hau ab und wag es nicht, mir zu nahe zu kommen."

Devi hatte schon eine kleine Bewegung in Richtung seines gequälten Lieblings gemacht, aber das heisere Zischen, mit der ehemals so weichklingenden Stimme von Cedric kaum mehr zu vergleichen, und der wilde, gehetzte Blick ließen ihn wieder innehalten.

"Entschuldige", murmelte er nur leise und wich rückwärts zur Tür zurück. "Ich wollte deinen Schlaf nicht stören."

"Ich glaub dir nicht. Ich glaub dir kein einziges Wort mehr!" Cedric wollte die Augen schließen, um ihn nicht mehr sehen zu müssen, selbst wenn Devi nur eine dunkle Silhouette vor noch dunklerem Grund war. Aber er wagte es nicht, weil er panische Angst davor hatte, dass er nicht bemerken könnte, wenn Devi die Richtung änderte und doch noch zu ihm hinkam. Und eigentlich wollte er ihn sehen, wollte noch viel mehr als das, wollte ihn halten, ihn küssen, ihn nahe bei sich haben...

Als sich die Tür endlich hinter dem Caley schloss, kam Cedric taumelnd auf die Beine. Ein Schloss gab es nicht, also verbarrikadierte er sie mit einem Stuhl. Dann stand er davor, beide Hände gegen das Holz gedrückt, am ganzen Leib zitternd, während ihm Tränen die Wangen hinabliefen. Das war Wahnsinn, warum tat er das? Warum tat er sich das an? Er wusste, er müsste nur nach ihm rufen, und Devi würde sofort umdrehen und es beenden. Er wäre bis ans Ende seines Lebens an ihn gebunden, an einen herrschsüchtigen Mann, an diese schrecklichen Inseln, an diesen verdammten Planeten. 'Es sind schon zwei Tage und fast drei ganze Nächte. Es kann... doch nur noch besser werden... Warum hilft mir denn keiner?'

Devi berührte das raue Holz der alten Tür und biss sich auf die Unterlippe. Das Schluchzen zu hören, tat ihm mehr weh als alles, was er wegen Cedric zuvor durchgemacht hatte. Selbst die Nacht, in der er aus Sorge drei Wachstumsschübe durchgemacht hatte, war kein Vergleich. Mit geballten Fäusten hielt er sich davon ab, zu seinem Schatz in das Zimmer zu stürmen, um ihn endlich in seine Arme zu schließen. Stattdessen ließ er sich vor der Tür mit einem Kissen auf den Treppenstufen nieder, um Cedric zu bewachen, dass er sich nicht vielleicht etwas antat.

Cedric schlief nicht mehr ein in dieser Nacht. Er trank den restlichen Tee aus, aber vielleicht wirkte er einfach kalt nicht. Er legte die Kristallträger auf, doch offensichtlich waren sie nicht mehr richtig eingestellt. Sich zu einer Kugel zusammenrollend zog er die Decke über sich, starrte ins Nichts und spürte, wie er tiefer und tiefer in dieses schwarze Loch in seinem Inneren sank, ohne dass er den Fall hätte aufhalten können.

 

Daniel hatte sich gewünscht, Cedric aus seinen Gesprächen mit Adiva für diesen Abend heraushalten zu können, aber es erwies sich als unmöglich. Im Schein eines flackernden Windlichts saßen sie gemütlich an einem mit hübschen Mosaiken belegten Tisch und tranken Wein. Ein leichter Wind ließ das üppige Blättergewirr der Pflanzen rascheln, die sich über kleine Säulen und an den Wänden empor gerankt hatten, um ein Dach direkt über der kleinen Terrasse zu bilden. Zahllose Sterne, die faszinierende Bilder formten, glitzerten am schwarzen Himmel. Es waren nicht so viele wie auf der Erde zu sehen, denn das Licht der Monde überstrahlte die schwächeren, aber der Anblick war dennoch wunderschön.

Trotz aller Romantik und Daniels Hoffnungen kamen sie ziemlich schnell auf Cedric zu sprechen. Er war es sogar, der das Thema anschnitt, aber er machte sich zu viele Sorgen um seinen Freund, um es auszusparen, da er den zierlichen Arzt endlich einmal für sich hatte.

"Hast du schon einmal einen so hartnäckigen Fall wie Cedric gehabt?", fragte er leise und schwenkte den Wein in dem gewölbten, unregelmäßig geformten Glas und genoss den fruchtigen Duft, ehe er einen Schluck nahm.

Adiva nickte leicht. "Habe ich nicht schon einmal davon erzählt? Der Bruder meines Helfers in der Klinik hat den Gefährten in einem sehr freiheitsliebenden Piloten gefunden. Dieser Mann hat sich mit dem Gedanken, nie wieder eine Fähre führen zu können, sehr schwer getan. Er hat mit seiner Raumfähre die Flucht ergriffen, könnte man sagen und ist fast gestorben. Ciso, hat einen schrecklichen Wachstumsanfall mit Tobsucht bekommen und ist ihm noch halb ausgewachsen nachgereist. Er hat ihn gerade noch rechtzeitig gefunden."

Adiva nippte von seinem Wein und lehnte sich entspannter zurück. Seine Nervosität über die Gesellschaft von Daniel besserte sich allmählich. "Ich weiß, dass Ciso und er nun eines der Fährboote betreiben, das Passagiere von einer zur anderen Hauptinsel der Sternformation bringt. Die Sternformation liegt auf der anderen Seite von Caley und ein wenig tiefer im Gebiet der Sonnenüberschneidung, dort ist es heißer. Wüstenklima haben meine Forscherkollegen berichtet, die dorthin gefahren sind, um auf der größten Insel eine Funkstation zu errichten."

"Gerade noch rechtzeitig, sagst du." Daniel runzelte die Stirn, stellte sein Glas beiseite und legte eine Hand auf die Armlehne des gemütlichen Korbsessels. Es wäre eine gute Möglichkeit, das Thema wieder zu wechseln, aber in dem Moment interessierte er sich nicht für irgendein Klima, gleichgültig, wie faszinierend die Tiere und Pflanzen dort sein mochten. "Ich habe einiges gelesen über die Caley, aber über diese, wie du es nennst, Anpassungsstörung nur recht wenig. Eigentlich nur, dass es sie gibt. Bedeuten deine Worte, dass es gar keinen Ausweg gibt? Dass Cedric, gleichgültig, wie sehr und wie lange er sich quält, entweder bei Devi bleiben muss oder stirbt?"

Adiva hob die Schultern. "Ich habe bislang erst diesen einen Mann mit Anpassungsstörungen untersuchen dürfen. Er wäre gestorben, er war dabei Selbstmord zu begehen, weil er so depressiv war. Meine Kollegin in der Klinik hat aber schon mehrere gesehen, die einige Tage lang störrisch waren, die Streit angefangen haben und die gleich Cedric in betäubtem Zustand nach Caley geflogen sind. Sie hat von einigen später Briefe bekommen, zum Teil mit Bildern von den Puppen oder von den Orten, die sie auf der Wanderung gesehen haben. Von anderen hat sie nie wieder etwas gehört, aber sie hat angenommen, dass es ihnen auch gut geht."

"Aber du hast von keinem gehört, der nicht bei seinem Caley blieb und überlebt hat? Alle sind im Endeffekt bei ihrem Partner gewesen."

Adiva schüttelte den Kopf. "Hier im Dorf gibt es jedenfalls keine alleinstehenden Väter, sie haben alle ihre Gefährten bei sich. Es ist unter anderem ja mein Forschungsziel, diese Verbindung näher zu untersuchen. Ich will herausfinden, ob es wirklich unausweichliches Schicksal ist und worin diese Sucht besteht. "

Er hob den Kopf und sah Daniel kurz an, dann wagte er, das Thema ein wenig zu ändern. "Ich habe meinen Bericht über Cedrics anfänglichen Verlauf beendet und will ihn mit dem nächsten Fährschiff zum Raumhafen bringen lassen, um ihn zur Gesellschaft zu schicken. Wärst du morgen früh vielleicht so freundlich, noch einmal drüber zu lesen? Du hast Cedric und Devi in den ersten Tagen sehr intensiv beobachten können und hast vielleicht noch Verbesserungsvorschläge. Das Fährschiff zum Raumflughafen geht erst in etwa fünf bis sieben Tagen, aber wenn ich Änderungen machen muss, dann hätte ich gern noch einen Tag, um sie ordentlich einzubinden."

Nervös zupfte Adiva an dem ärmellosen und bauchfreien Hemdchen, das er von Jann geschenkt bekommen hatte. Es war einmal Devis gewesen, als dieser noch Puppe war. Es war aus weichem, sehr hellem Wildleder und mit Goldfäden bestickt, so dass er Neferte damit ehren konnte. Die Shorts dazu trug er ebenfalls, auch wenn er sich nicht so wohl fühlte in der spärlichen Bekleidung.

"Sicher, gerne. Aber ich muss dich darauf hinweisen, dass ich mit medizinischen Ausdrücken kaum Erfahrung habe." Die Bewegung lenkte Daniels Aufmerksamkeit nicht zum ersten Mal an diesem Abend auf den flachen Bauch mit dem niedlich tropfenförmigen Bauchnabel. Sanft schwangen sich die Hüftknochen über den Bund der Shorts, eben gerade nur zu sehen, aber ausreichend, um Daniel zu sehnsüchtigen Gedanken zu bringen; den schlanken Schwanz hatte Adiva zierlich und elegant um ein Bein gelegt. Daniel beschloss, dass sie sich für heute genug über Anpassungsstörungen unterhalten hatten. Im Moment konnte er Ced ohnehin nicht helfen, und Devi gab sicher und zuverlässig auf ihn Acht. Er nahm sein Glas wieder auf und prostete Adiva mit einem Lächeln zu.

"Auf dass Interplanet mit deinem Bericht zufrieden ist." Sie stießen an und tranken beide einen kleinen Schluck, während Daniel seinen Blick nicht von Adivas großen, karamellfarbenen Augen löste. "Ich weiß, dass ich es dir schon einmal gesagt habe, aber die Kleidung der Caley steht dir ausgezeichnet", meinte er, als sie sich wieder zurücklehnten. "Sie betont, wie schön du bist."

Adiva lächelte und zupfte an dem kurzen Hemdchen. "Jann hat mir gesagt, dass ich meine flatterhaften Roben hier nicht tragen kann, sie behindern mich nur. Aber ich fühle mich irgendwie fast nackt darin." Errötend unterbrach Adiva sich hastig, um dann rasch hinzu zu fügen "Ich muss einmal versuchen, den Schneider zu finden, von dem alle geredet haben. Er könnte mir vielleicht Kleidung schneidern, die beides erfüllt, mich ausreichend bedecken und dem Wind und der Hitze angemessen sein."

"Gerade, dass sie dich nicht versteckt, macht sie so schön. Und hier gibt es niemanden, der es unangemessen finden könnte, wenn du dich den Sitten entsprechend kleidest." Mit einem kleinen Lächeln fuhr Daniel den Rand seines Glases nach, sich wünschend, es wären Adivas zarte Lippen. "Aber der Schneider wäre dennoch eine gute Idee. Ich sollte es dir nachtun; die Kleidung der Puppen ist mir zu klein, die der Meta zu groß. Sollen wir ihn gemeinsam finden? Dann kann ich Passenderes ordern und du etwas, in dem du dich wohl fühlst."

Adiva nickte zustimmend. "Wenn Cedric seine Probleme überwunden hat. Zunächst, befürchte ich, wird er uns keine Zeit für uns lassen." Erschrocken bemerkte er, dass man die Formulierung als aufdringlich bezeichnen konnte. Dennoch verbesserte er sich nicht, um es nicht schlimmer zu machen.
Stattdessen erzählte er Daniel von seinem Wissen über die Fähren und über die nächstliegenden Inseln. Noch überlegte er, wohin er als nächstes reisen würde, aber gab zu, dass die Sieben Perlen eine gewisse Sehnsucht in ihm ausgelöst hatten. "Es heißt, dass sie verschieden aussehen, alle sieben Inseln haben unterschiedliche Erdfarben, eine soll sogar roséfarbenen Sand haben. Dazu dann noch helles Grün der jungen Pflanzen, dann wäre es die Insel meiner Göttin Sahjid." Begeistert blickte er in Daniels Gesicht und fand sich im direkten Blick aus strahlend blauen Augen gefangen. Ein wenig verspätet meinte er leise "Deine Göttin ist sicherlich Ashiqa, die Schöne. Rot und Gold und das Blau der Himmel sind ihre Farben."

Ein sanftes Glühen erfüllte Daniel, und ohne sich von Adivas Blick zu lösen, beugte er sich vor, ergriff die schlanke Hand und zog sie an seine Lippen, um einen sanften Kuss auf die Fingerrücken zu hauchen. "Allmählich hoffe ich nicht nur für Cedric, dass sich dieses Problem bald lösen wird", gestand er. "Ich hätte gerne mehr Zeit. Um sie mit dir zu verbringen."

Adiva hielt den Atem an. So hatte er sich in seinem Leben noch nie gefühlt, es überforderte ihn und erfüllte ihn zugleich mit Jubel. Leise erwiderte er "Ich hoffe auch, dass Cedric bald gesund ist." Er entzog Daniel seine Hand nicht, bis sie sich zum Schlafengehen entschlossen, als die Monde ihre Bahn vollendet hatten und die dunklen Stunden der Nacht anbrachen, bevor die Sonnen wieder das wärmende Licht bringen würden.

Adiva schloss lächelnd die Augen, während er auf die leisen Laute aus dem Badezimmer lauschte. Daniel war ein wundervoller Mensch. Er dankte der Vorhersehung, die es ihm ermöglichte, seine Zeit mit ihm verbringen zu dürfen.

Er erwachte am Morgen aus einem ziemlich erotischen Traum, in dem Daniels schlanken geschickten Hände die Hauptrolle gespielt hatten. Verwirrt und beschämt schlich er sich mit der Kleidung vom Vorabend im Arm in das Bad, um dieses Kribbeln aus seinem Körper zu waschen, bevor er zu Cedric laufen wollte.

Daniel schlief noch, als Adiva sein Schreibbrett aufnahm und das Haus verließ, während die anderen Bewohner in der Küche mit dem Tag begannen. Die Straßen waren weitgehend leer, lediglich einige Puppen kehrten im frühen Morgenlicht in ihre Wohnhäuser zurück, offensichtlich war in der Nacht eine größere Feier gewesen.

Im Haus von Vinn herrschte ähnliche Ruhe wie in dem von Jann. In der Küche wurden die kleinen Teigstücke für das Frühstück in kochendem Wasser gewendet, gewürzt und in den Ofen geschoben. Der leichte Duft durchzog den unteren Teil des Hauses und erinnerte Adiva daran, dass er etwas essen sollte, bevor er es im Eifer wieder vergaß.

Vinn umarmte und küsste ihn, um ihn dann zu Cedrics Zimmer zu schicken, da er sich selber heftige Sorgen um den sturen Kleinen zu machen begann. Adiva brühte einen weiteren der beruhigenden, stimmungsaufhellenden Tees in einer großen Schale auf und machte sich seufzend auf den Weg zu seinem Patienten. Auf der Treppe stolperte er über Devi und schickte ihn in die Küche. "Ich rufe dich, wenn sich etwas ergibt, Devi."

Devi streckte die von der unbequem verbrachten Nacht schmerzenden Glieder aus und murmelte leise "Er hat mich gestern gesehen und hinaus geschickt. Ich hätte ihn am liebsten in den Arm genommen, aber er würde mich dann sicherlich nicht respektieren, nicht wahr?"

Adiva hob die Schultern. "Ich habe noch nie von einem derart sturen Fall gehört. Ich hoffe, dass er sich überzeugen lassen wird, Devi." Er wollte die Tür öffnen, aber sie war verrammelt, so dass er Devis Hilfe und einiges an Gewalt brauchte, um sie aufzustoßen. Bevor er sich noch mehr Sorgen machen konnte, betrat er das Zimmer von Cedric.

Zuerst fiel ihm auf, dass der Mann vollkommen verschwitzt war und die Luft im Zimmer förmlich stand. Schnell stellte er den Tee auf einem niedrigen Tischchen ab und öffnete die Fensterläden, um den Wind von der See einzulassen. Mit vorsichtigen Schritten näherte er sich dem Knäuel Mensch auf dem Bett. "Cedric? Ich bin es, Adiva. Ich habe dir noch einen Tee mitgebracht. Wie fühlst du dich heute?"

Cedric wusste, dass es irgendwo Licht, Luft und Wärme gab, aber er konnte sich kaum daran erinnern, wie es sich anfühlte, so tief war er in dieses Loch in seinem Inneren gefallen. Und jetzt kauerte er dort inmitten der Leere und klammerte sich fest an das Wissen, dass es mehr gab, um nicht noch tiefer zu sinken. Es hatte ihn nicht aus der Lethargie gerissen, dass die Tür gegen seinen ursprünglichen Willen geöffnet worden war, so lange nur Devi nicht noch einmal zu ihm kam. Schritte füllten den Raum, dann wurde es heller, und ein Hauch frischer Luft streifte ihn. Es erreichte ihn nicht wirklich, aber zusammen mit der leisen Stimme des Abd Jabir brachte es ihn dazu, den Kopf zu ihm zu drehen. Blicklos sah er ihn an.

"Oh, Cedric." Adiva seufzte leise. "Was kann ich nur tun, damit es dir besser geht? Sag es mir und ich tue es sofort."

"Hol mich hier raus", flüsterte Cedric und meinte weder das Haus, noch die Insel oder den Planeten. Er streckte die Hand aus und griff nach Adivas, doch es war, als würde er Watte fassen. Der zierliche Mann hätte genauso gut noch im Palast sein können.

Adiva setzte sich auf die Bettkante und senkte den Kopf. "Cedric, das würde ich so gern tun, aber du weißt und du spürst doch selber, dass nur einer das kann."

"Ich will ihn nicht." Müde drehte Cedric sich weg und starrte die Wand an. "Er wollte mich anfassen. Er wollte, dass die letzten Tage umsonst waren. Aber wenn... wenn... ich jetzt nachgebe, damit es leichter wird für den Moment... ich schaffe das nicht noch mal. Nicht, wenn ich weiß, was kommt und keine Ahnung habe, wie lange es dauert." Als er verstummte, spürte Cedric, wie er den Halt verlor und noch weiter fiel. Nicht einmal ein Arzt konnte ihm helfen. Er war allein.


© by Jainoh & Pandorah