Unverhofft lebenslänglich

I - 19.

"Nein, wenn er dich wirklich hätte anfassen wollen, Cedric, dann hätte er es getan. Cedric? Cedric!" Erstaunt starrte Adiva auf den Mann, der ihn nur noch mit leerem Blick betrachtete und nicht mehr reagiert. Adiva unternahm eine schnelle Untersuchung. "Kein Schmerzreiz, keine Antwort, die Pupillen sind starr und die Reflexe sind nur noch schwach auslösbar", notierte er hastig, dann rief er nach Devi.

Devi hatte sich geduscht und gerade einen Schluck Tee getrunken, als die helle Stimme des Arztes nach ihm rief. Voller Sorge folgte er dem Rufen in Cedrics Zimmer und kniete sich neben das Bett.

"Er antwortet nicht mehr, starrt nur noch vor sich hin", berichtete Adiva. "Es hat eben gerade angefangen."

"Was soll ich nur tun? Soll ich ihn doch anfassen? Ich weiß doch, dass er dann wieder gesund wird, aber wird er mir dann gleich wieder davon laufen und alles fängt von vorn an?" Unglücklich blickte Devi von seinem Liebling zum Arzt und zurück und rang die großen Hände hilflos.

Wärme hüllte Cedric ein, schwach nur, aber in der eisigen Leere deutlich zu spüren, und die dunkle, sorgenvolle Stimme brachte das Licht zu ihm. Er folgte ihm, weil er es nicht mehr aushielt, weil alles in ihm schmerzte. Mit einem Blinzeln drehte er den Kopf und sah ihn. So nah, so dicht, so warm, so hell. Er konnte den Duft nach Sommerkräutern und sonnenwarmer Haut riechen; die goldbraunen Augen hielten seinen Blick gefangen. Cedric richtete sich auf. So einfach, es war so einfach, er musste nur die Hand ausstrecken. Nur die Hand ausstrecken, ihn berühren, und all der Schmerz, die Einsamkeit, der Hunger und die Sehnsucht wären vorbei. Die Aussparung auf Devis Brust, dort wo Cedric sein eigenes Zeichen trug, schien genauso leer wie er sich fühlte, und er konnte sie füllen. Wenn er nur...

Seine Hand ballte sich zur Faust, kaum eine Fingerbreite von Devi entfernt. "Bitte, geh...", flüsterte er, unfähig, selber zurückzuweichen. "Bitte, geh. Bitte, bitte, bitte, bitte."

Devi hatte schon seine Arme gehoben, um Cedric endlich wieder an sich drücken zu können, aber wich erschrocken zurück, weil sein Schatz so gepeinigt klang. "Natürlich, Cedric. Natürlich, siehst du, ich bin schon aufgestanden und gehe weg. Mach dir keine Sorgen, ich mache auch die Tür zu." Er schloss die Augen und fügte mit rauer Stimme an "Und ich fasse dich nicht an." Mit schnellen Schritten ging er vor die Tür und lehnte sich draußen gegen die Wand, Tränen prickelten in seinen Augen, ein ungewohntes Gefühl. Seit er keine Puppe mehr war, hatte er nicht mehr geweint.

Weinend sackte Cedric in sich zusammen, als ihm mit Devis Verschwinden alle Kraft geraubt wurde. Warum tat er das nur? Devis Blick verfolgte ihn und ließ ihn zittern, als er sich an das Kissen klammerte. "Bitte, bitte, bitte", flüsterte er in einer immer wiederkehrenden Schleife, lediglich dann unterbrochen, wenn er Luft holen musste.

 

Daniel hatte wunderbar geschlafen, von süßen Träumen begleitet, aus denen ihn Adivas große, leuchtende Augen begleiteten, als er aufwachte. Natürlich war der kleine Arzt schon weg, bei Cedric vermutlich, wie jedes Mal vor dem Frühstück. Daniel schwang gut gelaunt die Beine aus dem Bett und suchte sich eine weiße Hose und ein blaues Shirt aus seinem Koffer, um dann für eine Dusche und eine sorgfältige Rasur im Bad zu verschwinden. Während er die Zähne putzte, überlegte er, dass er nicht bei Arkay essen würde, sondern dass er lieber Adiva ablösen, ihn vielleicht noch einmal umarmen und diese niedliche Röte auf seinen Wangen hervorrufen und dann Cedric bei Vinn in den Wohnbereich schleppen wollte. Ein bisschen mehr Gesellschaft tat ihm vielleicht ganz gut.

Sehr zufrieden mit diesem Plan erklärte er Jann, was er vorhatte und ging dann mit beschwingten Schritten und sogar leise vor sich hinsummend die malerischen Wege entlang zu Vinns Haus. Seine gute Laune verflog erst, als er vor Cedrics Zimmer auf Devi stieß, in dessen Augen Tränen standen. In seiner ersten, eiskalten Furcht dachte Daniel sofort, dass sich Cedric aus dem Fenster gestürzt oder sonst eine Dummheit begangen hatte, doch dann hörte er das Wimmern von drinnen. Er hätte nicht gedacht, dass es ihn irgendwann mal erleichtern würde, seinen besten Freund weinen zu hören, aber das tat es.

"Wir kriegen das hin", versprach Daniel ein wenig hilflos und drückte Devi kurz die Schulter, ehe er das Zimmer betrat. Adiva stand an Cedrics Bett und sah genauso hilflos aus, wie er sich fühlte, und Cedric... sein Freund war nur noch ein schluchzendes Bündel. Mit zwei schnellen Schritten war er bei ihm, setzte sich und zog ihn in die Arme. Cedric klammerte sich an ihn, als wäre er am Ertrinken und Daniel sein einziger Halt. Daniel wiegte ihn sachte und murmelte eine Weile unsinnige Dinge, ehe er mit einem Blick zu Adiva zu fragen wagte "Was ist denn passiert?"

"Er war nicht mehr ansprechbar, da habe ich Devi hinzu gerufen. Leider war das erste, das Cedric bei seinem Erwachen aus diesem Zustand sagen konnte, dass Devi gehen solle. Das hat Devi auch getan, aber es wird immer schlimmer." Adiva schüttelte den Kopf und legte Cedric eine der feinen Ketten um den Kopf, um einen kleinen Kristall einzuspannen, der den Mann wenigstens etwas beruhigen sollte. "Ich weiß nicht, was ich noch tun kann." Er hob das Gesicht und blickte Daniel in die Augen, dann flüsterte er niedergeschlagen "Ich mache mir schreckliche Sorgen. Vielleicht war es falsch, Devi zu sagen, dass er auf Cedrics Wunsch achten soll."

Erschrocken sah Daniel zu Ced hinab, der nun ganz reglos in seinen Armen lag, aber er schien nicht auf sie zu achten, ganz in seiner eigenen dunklen Welt gefangen. Er sah furchtbar aus, blass und unrasiert, mit Ringen unter Augen, denen jeder Glanz fehlte. Rote, aber zum Glück nicht blutige Striemen auf der Brust wirkten, als hätte er versucht, die Zeichnungen halbherzig wegzukratzen. "Wie kann man nur so stur sein..." Liebevoll strich Daniel ihm das strähnige Haar aus der Stirn, um ihn dann wieder enger an sich zu drücken und das sachte Wiegen erneut aufzunehmen.

"Ich weiß es nicht", antwortete er schließlich leise. "Wenn Devi schon wieder missachtet, was er will... aber ich weiß gar nicht, ob er das überhaupt noch wirklich will oder nur daran festhält, weil es alles ist, was er in diesem Zustand zu haben meint." Er presste die Lippen zusammen und spürte die Kälte der Angst in seinem Bauch. Was für ein Glück, dass Ced hier war und nicht auf dem Weg nach Vash'esi oder sonst wo hin. "Den Tag zumindest sollten wir noch warten. Und am Abend neu entscheiden, je nachdem, wie es ihm geht. Vielleicht wird es ja besser. Er selbst hat es mit Drogenentzug verglichen."

Adiva seufzte. "Aber es ist gut, wenn man einen so schweren Verlauf der Anpassungsstörung einmal dokumentieren kann. Ich hoffe nur, dass du Recht hast und Cedric keine bleibenden Schäden davon trägt. Ich folge seinem Wunsch, aber wenn er Krämpfe bekommt oder tiefer in diese Starre fällt, hören wir mit seinen Entzugsversuchen auf", entschied er endlich und zog sich für einen Moment auf die Sitzbank am Fenster zurück, um die Ergebnisse einzutippen.

Daniel nickte. "Du bist der Arzt." Ein leichter Schauder durchlief ihn, als er daran dachte, wie leicht es hätte sein können, dass Adiva gar nicht hier auf dem Planeten gewesen wäre. "Ich bin froh, dass du da bist. Sehr, sehr froh."

Adiva lächelte und nickte. "Und ich bin froh, dass du hier bist", erwiderte er und vergaß hinzuzufügen, dass er natürlich vor allem froh war, weil Daniel seinem Freund zur Seite stehen konnte. "Ich lasse euch zwei ein wenig allein und trinke mit Devi einen Tee, er macht sich schreckliche Sorgen." Mit einem Nicken und einem letzten Blick auf den verschwitzten und abwesenden Cedric ging Adiva zu Devi, dem mittlerweile neben Vinn auch sein Vater Jann zur Seite stand. Gemeinsam saßen sie am Tisch auf der kleinen Dachterrasse in der Nähe des Schlafzimmers von Cedric und warteten.

Daniel versuchte alles, was ihm einfiel, um Cedric aus dieser schrecklichen Lethargie zu reißen. Er redete mit ihm, versuchte ihn aufzuziehen und zu necken, massierte ihm die Schultern, erzählte ihm sogar irgendwann von Devi, doch selbst das rief kaum eine Reaktion hervor. Cedric wollte nichts essen und nichts von Adivas Tee trinken, er schien kaum zu merken, dass Daniel ihm eine Tasse an die Lippen hielt, drehte nur matt den Kopf beiseite. Als Daniel sich dabei ertappte, dass in seinem begrenzten Repertoire nach dummen Witzen suchte, merkte er, wie verzweifelt er war. Ceds Verhalten war unheimlich, und irgendwann beschloss er, dass er besser Adiva wieder holen ging.

Doch als er die Tür öffnete, ging das erste Mal eine Veränderung durch Ced. Er zuckte zusammen und starrte wild zu ihm hin, ehe er wieder zusammensackte. Daniel konnte ihn kaum hören, aber dennoch war er sich recht sicher, dass vom Bett ein geflüstertes "Bleib" gekommen war.

"Natürlich, Ced", meinte er hilflos und sah auf den leeren Flur. Die Puppen, die zu Gast gewesen waren, fehlten. Man konnte niemanden mal eben losschicken. Daniel kehrte zu seinem Freund zurück und setzte sich ans Bett. "Puppen sind auch nur dann da, wenn man sie nicht braucht", sagte er, eigentlich nur, um nicht zu schweigen, nicht weil er mit einer Antwort rechnete. Dann wurde es still, ihm fiel nichts mehr ein. Eine ganze Weile saß er da, brütend, wie er helfen könnte, ob Adiva nicht Recht hatte und man Cedrics Sturheit zu seinem eigenen Wohl ignorieren sollte.

Cedrics heisere Stimme ließ ihn zusammenzucken, als sie vollkommen unvermittelt erklang. "Er hat mich angeschaut, als hätte ich ihm das Herz rausgerissen", flüsterte er. "Als hätte ich es ihm rausgerissen, und er müsste trotzdem weiterleben. Ich kann das nicht, Daniel. Ich kann das nicht. Und er hat doch die Puppe..." Er begann zu weinen, ganz leise nur und als hätte ihn jede Kraft verlassen.

"Soll ich ihn holen?", fragte Daniel und warf einen Blick zum Fenster hin. Bestimmt würde es ausreichen, laut nach ihm zu rufen. Wenn Adiva ihm erzählt hatte, wie schlecht es Ced ging, würde er nicht weit entfernt sein. Als keine Antwort kam, wiederholte er die Frage drängender.

"Ich brauche ihn." Es war kaum zu verstehen in dem leisen Wimmern, aber es reichte aus. Daniel trat zum Fenster, streckte den Kopf raus und sah zu seiner Erleichterung eine Etage unter sich auf einer Eckterrasse Adiva, Jann, Vinn und Devi sitzen. "Devi!"

Devi hob müde den Kopf und sah in Richtung des Blonden. Dieser machte einen derart besorgten Gesichtsausdruck, dass er gleich aufsprang und zum Schlafzimmer von Cedric lief. "Ist etwas mit meinem Schatz? Soll ich etwas tun?" Unruhig blickte er zum Bett hin, aber blieb im Türrahmen stehen.

"Devi!" Cedric verhedderte sich in der Decke und fiel fast vom Bett in seinem Bemühen, so schnell wie möglich zu ihm zu gelangen.

Aufgeregt lief Devi zu seinem Schatz hin und fing ihn auf, als er auf ihn zugestolpert kam. Erst zögerte er leicht, doch dann umarmte er Cedric fest. Die Wärme in ihm war wieder da, als hätte es die Kälte und Dunkelheit allein gar nicht gegeben. Lachend drückte er Cedric an sich und weinte zugleich vor Freude darüber, dass sein Schatz endlich bei ihm war.

Cedric presste ihn an sich, mit der ganzen Kraft, die er aufbringen konnte und merkte gar nicht, wie Daniel sich unauffällig zurückzog und leise die Tür hinter sich schloss. Alles, was zählte, war Devi, den er endlich wieder halten konnte. Die Dunkelheit wich nur zögernd, aber sie wich, und mit jedem Moment kamen die Wärme und das Licht weiter zu ihm durch.

"Es tut mir leid", flüsterte er. "Es tut mir so leid. Wie fühlst du dich? Wie geht es der Puppe? Ist alles in Ordnung mit euch?"

Devi hob Cedric hoch, um ihn zum Bett zurück zu tragen. Die Laken waren verschwitzt, und überhaupt war auch sein Schatz in bemitleidenswertem Zustand. "Es geht uns beiden wieder gut, mein Liebling. Ich bin so dankbar, dass du jetzt bei mir bist." Er küsste Cedrics stoppelige Wange und fragte leise "Wie wäre es, magst du ein Bad nehmen und dann erst einmal eine ordentliche Runde schlafen?"

Es klang beides himmlisch; Cedric war ausgelaugt und fühlte sich dreckig, aber dennoch ging ein Beben durch ihn, als er daran dachte, ohne Devi zu sein. "Bleib bei mir. Lass mich nicht los."

"Nein. Niemals", versprach Devi seinem Liebling ernsthaft und hielt sich daran. Erst einmal brachte er ihn mit Hilfe des kleinen Reittiers von einem Nachbarn zum Haus von seinem Vater. Die Freude aller war groß, aber Devi ließ niemanden zu Cedric, weil sein Schatz noch viel zu schlapp war. Stattdessen half er ihm beim Baden und trug ihn zu ihrem gemeinsamen Schlafzimmer, schloss die Tür und nahm ihn in den Arm, um seine noch leicht feuchten Haare aus der Stirn zu streicheln.

Nach einigen Küssen murmelte er "Ich habe solche Angst um dich gehabt, mein Schatz. Du hast einen unheimlich festen Willen, ich bewundere das. Ich hoffe, dass unsere Puppe deinen Willen hat." Er lächelte und berührte Cedrics Lippen sachte mit seinen. "Und deinen schönen Mund vielleicht auch", flüsterte er noch dazu.

Cedric ruckelte sich ein wenig zurecht, so dass sich die Zeichnungen auf ihrer Brust ergänzten. Er seufzte leise, als das Gefühl, endlich wieder vollständig zu sein, ganz allmählich in jedes seiner Glieder sickerte und die Leere ausfüllte. Es war seltsam, dass Devi ihm nicht gram war wegen seines Verhaltens, ebenso seltsam, dass keiner lachte, weil er aufgegeben hatte. Und noch viel seltsamer, dass es sich so herrlich anfühlte, verloren zu haben. Trunken fuhr er mit den Fingerspitzen die Zeichnungen auf Devis Rücken nach, er musste sie nicht sehen, er konnte sie in sich spüren. Warum noch mal hatte er nicht mit ihm zusammen sein wollen? Ach ja, Devi war herrschsüchtig und hatte ihn gezwungen, mit nach Caley zu gehen. Und er war ein Mann. Der warmherzigste, liebevollste Mann von allen.

"Es war meine Angst um dich und die Puppe, die mich... hm, ich sollte wohl sagen, zur Vernunft gebracht hat", brummelte er auf Devis Lippen, küsste ihn leicht und lehnte sich dann gerade weit genug zurück, damit er ihm in die goldbraunen Augen sehen konnte. "Und der Schmerz in deinem Blick. Ich glaube, da habe ich erst gemerkt, dass ich dir schon wieder weh tue. Es tut mir leid."

Devi drückte Cedric fest an sich "Es tat dir viel mehr weh. Ich bin so glücklich, dass du bei mir bist." Schweigend genoss er es, Cedrics Finger auf seinen Schultern zu spüren, und er genoss es, wie sie sich ergänzen konnten. Das schönste Gefühl von allen, und er wollte nie wieder darauf verzichten müssen. Den Nachmittag über hielt er Cedric allein bei sich im Bett. Sein Gefährte war vollkommen ausgelaugt und schlief rasch in seinen Armen ein. Nach einigen Stunden weckte Devi ihn sachte auf und half ihm beim Anziehen, stützte ihn auf dem Weg in die geräumige Küche, in der das Abendessen vorbereitet wurde.

"Komm, setz dich hierher, gleich essen wir erst einmal etwas, und du trinkst einen starken Kräutertee, damit du die Augen wieder aufbekommst." Cedric hatte ihn grummelig angesehen, weil er noch weiter schlafen wollte, aber Devi machte sich Sorgen, dass sein Schatz nicht genug zu essen und trinken bekommen hatte und versprach, dass sie gleich nach dem Abendessen wieder ins Bett gehen würden.

Lächelnd hielt er Cedric im Arm an sich gedrückt, während er ihm mit der freien Hand den Tee einschenkte. Sein Vater Jann und Arkay freuten sich mit ihm und bereiteten schon die Feier zu Cedrics Ehren vor.

Als Daniel und Adiva in die Küche kamen, ließ Devi seinen Liebling doch einmal für einen kurzen Moment los, um die zwei zu umarmen und küssen. "Ich kann mich gar nicht genug bei euch beiden bedanken. Wenn ihr nicht gewesen wärt, hätte ich meinen Schatz vielleicht noch immer nicht bei mir!"

Daniel hatte sich noch immer nicht an die Herzlichkeit der Caley gewöhnt, bei der jede Freude gleich mit jeder Menge körperlicher Berührung einher ging. Dieses wilde Umarmen und Küssen, auch wenn sie nicht verwandt und auch nicht wirklich befreundet waren, irritierte ihn, doch er ließ es geduldig über sich ergehen. Er konnte Devis Freude verstehen, immerhin teilten sie diese. Etwas unsicher erwiderte er die Umarmung kurz.

"Ich bin froh, dass wir uns recht gut ergänzt haben", grinste er. "Du hast ihn nicht ans andere Ende der Galaxie gelassen, ich habe dafür gesorgt, dass er sich nicht allein, verlassen und ausgenutzt vorkam und dass du nicht noch mehr Fehler machst, und Adiva hat verhindert, dass er zwischen uns beiden einfach zusammengeklappt ist." Er grinste breiter und zwinkerte Cedric zu, der zu seiner großen Erleichterung wesentlich besser aussah, wieder mehr wie ein Lebewesen anstatt eines Zombies. Und rasiert war er auch. "Stimmt 's, Dickschädel?"

Cedric schnitt ihm eine Grimasse, stand dann aber auf, um die beiden ebenfalls zu umarmen und sich zu bedanken. Noch immer war er ziemlich wackelig auf den Beinen, als hätte er eine schwere Krankheit hinter sich und wäre nun das erste Mal seit Wochen wieder aus dem Bett aufgestanden. Es ärgerte ihn, aber im Moment konnte er nichts dagegen tun. Prompt brachte ein übervorsichtiger Devi ihn auch gleich wieder auf seinen Platz zurück, doch Cedric konnte ihm nicht böse sein. Dieses Mal nicht.

Der Abend war herrlich. Cedric stänkerte zwar beim Essen herum, weil er nicht wie ein rohes Ei behandelt werden wollte, aber schmuste gleich darauf, als Devi nur kurz in der Küche etwas aufräumen und ihn deswegen allein lassen musste, um so heftiger und befahl Devi, ihn wirklich nicht mehr loszulassen.

Da Jann und Arkay noch eine neue Puppe mit ihrem Vater und deren ebenfalls menschlichen Gefährten aufzunehmen hatten, gingen sie nach dem Abendessen zu Hafen hinunter, um die Reisenden abzuholen. Devi wollte sie ebenfalls kennen lernen und ihre Geschichte hören, weswegen er sich in einen der breiten Korbsessel auf ihrer großen Dachterrasse setzte. Cedric zog er quer über seinen Schoß und ließ ihn mit dem Kopf auf seiner Schulter ein wenig dösen, während er sich mit Adiva und Daniel unterhielt und von dem Saft trank, den sein Vater gerade frisch getauscht hatte.

Es verwunderte Cedric nach wie vor, dass ihm niemand wegen seiner Sturheit Vorwürfe machte, aber eigentlich war es ihm egal, so lange Devi bei ihm war. Im Halbschlaf gefangen lauschte er der tiefen Stimme seines Schatzes, die um so voller war, weil er dicht an seinem Körper lehnte. Devis Fürsorge war anstrengend, aber gleichzeitig auch schön, seit er sie halbwegs zulassen konnte. 'Herrschsüchtiges Monster', dachte er, und seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. Es störte ihn nicht mal sonderlich, dass er auf Devis Schoß saß und nicht umgekehrt, dass er sich anlehnte und gehalten wurde statt andersherum.


© by Jainoh & Pandorah