Unverhofft lebenslänglich

II - 1.

Die Reisenden kamen schließlich frisch geduscht zu ihnen, und die schwarzhaarige Puppe stellte sich bei artig vor und küsste alle, insbesondere Daniel und Adiva, zur Begrüßung auf den Mund. Sie erzählten ebenfalls von den Sieben Perlen, und Adiva beschloss, dass diese Inseln sein nächstes Ziel sein würden, weil sich dort etliche Menschen hatten niederlassen müssen, die er gern untersuchen und befragen wollte. Er überlegte sich sogar, ob er Daniel nicht bitten sollte, ihn zu begleiten, aber wagte es nicht anzusprechen.

Ein wenig unbehaglich war Daniel noch immer, wenn ihn Puppen das erste Mal berührten. Er wartete immer auf einen Schock und war erleichtert, dass er nie kam. Er warf einen Blick zu Devi und Cedric und lächelte ob der innigen Eintracht, die endlich zwischen ihnen herrschte. Ced war zwar blass, aber es ging ihm erheblich besser, und sehr offensichtlich hatte er sich zumindest im Moment mit seiner Lage sehr gut arrangiert.

Während die Neuankömmlinge von den Inseln berichteten, beobachtete Daniel jedoch Adiva, dessen Augen so herrlich leuchten konnten, wenn er sich freute. Seine Ohren mit den herabhängenden Spitzen drehten sich hierhin und dorthin und verrieten, wo seine Aufmerksamkeit war, und manchmal, wenn er sich besonders lebhaft an der Unterhaltung beteiligte und sich ein wenig vergaß, wippte seine Schwanzspitze.

'Cedric geht es gut, und bestimmt wollen die beiden nun eher etwas Ruhe haben anstatt Gäste, um die sie sich kümmern müssen', dachte er nachdenklich und fühlte einen warmen Schauer im Bauch, als er einen von Adivas unbeschreiblich lebendigen Blicken auffing. Er beugte sich zu ihm und fragte leise dicht bei ihm "Wenn du dir wirklich sicher bist, dass ich und die Caley nicht kompatibel sind... Hättest du etwas dagegen, wenn ich dich begleite?"

"Nein, warum sollte ich? Aber wenn du mir nicht vertraut hättest, wärst du dann überhaupt nach Caley gefahren?" Adiva fand den Gedanken merkwürdig, dass jemand zu diesem Planeten fahren wollte, wenn er wusste, was ihm hier widerfahren konnte und dies nicht wollte.

Daniel lachte. "Kalkuliertes Risiko. Es herrscht zwar hier eine gewisse Caleyfluktuation, doch es sind nicht so viele wie die Menge, der ich bei weiteren Reisen begegne. Aber du hast recht, eigentlich habe ich dir von Anfang an vertraut. Ich wollte mich nur noch einmal vergewissern, denn die Nervosität bei jeder neuen Puppe, die mich berührt, spüre ich nach wie vor."

"Das Gefühl hatte ich am Anfang auch, bis ich Forschungsergebnisse gefunden habe, die meine Theorien bestätigt haben. Es gibt nur wenig Rassen, die mit den Caley kompatibel sind. Einmal Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe und dann noch zwei weitere humanoide Rassen, ebenfalls nur für den Fall, dass sie eine bestimmte Blutgruppe tragen. Aber das leichte Kribbeln, wenn eine Puppen einen ansieht und berührt, ist immer noch da, auch bei mir, obwohl die Abd Jabir gänzlich unpassend sind." Er streifte Devi und Cedric mit einem kleinen Blick. Cedric war eingeschlafen, und Devi hatte seine Arme um ihn geschlungen, eine Hand hatte er um Cedrics Kopf gelegt, um ihn zu stützen. "Ich würde es nicht als ein Unglück empfinden", meinte er leise.

"Nein, wenn man erst mal die Anpassungsstörungen überwunden hat, ist es das bestimmt nicht mehr", stimmte Daniel zu, als er Adivas Blick folgte. "Aber ich glaube, wenn es mich jetzt mit einem Caley treffen würde, würde es mich zerreißen." Er hatte es nur denken wollen und erschrak ein wenig, als er sich hörte. Aber nun ja, Adiva müsste ohnehin blind und taub sein, wenn er nicht bemerkt hätte, was er für ihn empfand. Und er wollte es auch nicht verstecken.

Besorgt legte Adiva eine Hand auf Daniels Arm. "Sag so etwas nicht. Man weiß nie, was einen trifft, nicht wahr? Die Caley sind eine sehr bestimmende Rasse, und man entkommt ihnen nicht so leicht, wenn sie einen zu ihrem Gefährten gemacht haben, aber auch andere Beziehungen verlangen Verantwortung, nicht?"

Daniel lächelte und umschloss die zarten Finger mit seiner Hand. "Das war nicht, was ich gemeint habe, Adiva. Natürlich verlangen auch andere Beziehungen Verantwortung, und ich hoffe, ich bin niemand, der sich vor Pflichten drückt."

Adiva nickte einmal und erhob sich. "Das habe ich auch nie von dir gedacht", sagte er leise. "Ich werde jetzt meine Sachen packen gehen, denn ich soll ab morgen bei einigen Caley oben am Weinberg wohnen. Ihre Einladung besteht schon sehr lange, und ich will sie nicht länger unhöflich ignorieren. Bis nachher im Zimmer, ja?" Rasch beugte er sich vor und hauchte einen Kuss auf Daniels Wange. Dann ging er zu Jann und Arkay, die er genau wie Devi zur Nacht ebenfalls küsste, bevor er im Haus verschwand.

Es war das erste Mal, dass Adiva ihm von sich aus näher gekommen war, und Daniel konnte sich eines weichen Lächelns nicht erwehren. Zudem klang das leise Verabschieden, als wollte er auf ihn warten. Dennoch bedauerte er, dass sie nun wieder getrennte Quartiere haben würden. Er plauderte noch eine Weile mit dem Gefährten des Caley, der hier zu Gast war, während er seinen Wein trank, dann stand auch er auf und verabschiedete sich weitaus zurückhaltender als Adiva für die Nacht.

Höflich klopfte er an die Tür ihres gemeinsamen Zimmers an, als er den Lichtschein sah, der durch den Spalt am Boden fiel, dann erst trat er ein. Adiva war schon fast fertig, wie es aussah, und ein neugieriger, aber diskreter Blick in seinen Koffer zeigte Daniel, dass er sehr ordentlich und penibel gepackt hatte, wie es zu dem zarten Mann passte.

"Ich bin froh, dass du einer gemeinsamen Weiterreise zugestimmt hast", sagte er leichthin und schloss die Tür hinter sich. "Sonst würde ich jetzt Sorge haben, dass sich unsere Wege trennen."

"Ach, man kann sich auf Caley aber auch gut verfehlen. Die Fähren sind zwar überall unterwegs, aber der Fahrplan ist sehr... ungenau." Adiva klappte den Koffer seufzend zu und meinte entschuldigend "Ich werde die meisten der Sachen in diesem Koffer vermutlich auf der größten Insel lassen. Die Kleider eignen sich nicht für das Leben hier. Nur die Kleidung für meine Göttin werde ich mitnehmen müssen." Er drehte seine Hände ein wenig. "Allzu viel Schmuck darf ich ja nicht mehr tragen..." Mit einem Lächeln wies er dann auf das Badezimmer. "Ich bin schon fertig. Du kannst gern gleich das Bad haben, ich muss ohnehin meinen Bericht noch ein letztes Mal ansehen. Du wirst ihn morgen für mich lesen, nicht wahr?"

"Sicher. Eigentlich wollte ich das ja schon heute machen, aber gewisse... Umstände namens Cedric hielten mich davon ab." Daniel lachte leise und beschloss, dass er Adiva seine Schmucklosigkeit ausreden musste. Später wollte er ihn gerne beschenken, wenn sie zusammen waren. 'Hoffentlich...' Zu Beginn einer Beziehung, gerade dann, wenn da noch nichts war, was diesen Namen verdiente, war er immer vorsichtig mit Geschenken. Er wollte nicht, dass sich jemand gekauft vorkam. Oder ihn nur des Geldes wegen näher kennen lernen wollte.

Und der zierliche Abd Jabir sah auch ohne jeden Schmuck, ohne die geschminkten Augen und ohne seine kleinen Edelsteinchen einfach nur bezaubernd aussah. 'Wie kann jemand nur derart niedlich und gleichzeitig so atemberaubend schön sein', dachte er gebannt, während sein Blick die zarte Gestalt umfasste. Mit zwei Schritten war er bei ihm, umfasste seine Hände und zog sie an die Lippen, um sie beide zu küssen. "Adiva, was ich vorhin meinte, war, dass in meinem Herzen bereits jemand anderes als ein Caley ist. Ich habe dort keinen Raum mehr für irgend einen anderen Mann."

Adiva hielt den Atem an und blickte in die blauen Augen des Mannes hoch. "Ja?", fragte er endlich leise. "Jemand anderes?"

"Ein wundervoller Mann, der mich seit der ersten Begegnung so sehr fasziniert, dass meine Gedanken beständig bei ihm weilen und nach dem ich mich sehne, selbst wenn ich mit ihm zusammen bin", sagte Daniel leise und erwiderte unverwandt den Blick. Er ließ eine der Hände los, um mit den Fingerrücken über Adivas Wange zu streicheln, den Hals entlang, bis er die Hand sachte in seinem schlanken Nacken ruhen ließ. Leicht beugte er sich vor und streifte Adivas Lippen mit seinen, hauchzart nur.

Adiva lehnte den Kopf leicht ein wenig zurück und fand mit seiner freien Hand Halt an Daniels Brust, wo er sich vorsichtig abstützte, während er versuchte, seine Auge offen zu behalten und auf das Gesicht des anderen Mannes gerichtet. 'Er sehnt sich...'

Daniel ließ auch Adivas zweite Hand los, legte den Arm um ihn und zog ihn an sich. Wie wundervoll der zierliche Körper sich anfühlte, warm und geschmeidig und so, als gehörte genau hierher, zu ihm. Daniel lächelte träumerisch und küsste Adiva endlich auf den Mund, ein weicher Kuss voll Zärtlichkeit, lockend, nicht drängend, und das süße Gefühl ließ ihn die Augen schließen.

Mit leisem Seufzen erwiderte Adiva den Kuss, aber hielt mit einer Hand den kleinen Abstand zwischen ihren Körpern. Immerhin war er ein traditionell erzogenes Männchen und wollte sicherlich auch dann nicht die Gesetze umgehen, wenn alles um ihn her neu und unbekannt war. Allein das Gefühl, von einem wundervollen Menschen, der frei war und kein Sklave, begehrt zu werden, machte ihn glücklich. Als Adiva nach einigen sanften Küssen die Augen wieder aufschlug, bemerkte er, dass auch Daniel mit niedergeschlagenen Lidern ganz darin versunken war.

Vorsichtig machte Adiva sich aus der Umarmung los und trat mit einer Verbeugung einen Schritt zurück. "Du machst mich sehr glücklich, Daniel", begann er unsicher, sein Blick huschte durch das Zimmer. "Du kennst ja unsere Gesetze, nicht wahr?", fragte er dann ein wenig nervös nach, weil er nicht wusste, wie ernsthaft Daniel die Sache zwischen ihnen betrachtete.

Irritiert und mit unangenehm erwachender Sorge über die plötzlich wieder aufgekommene Förmlichkeit hob Daniel die Brauen. Er dachte an all die Texte, die Adiva ihm über die Abd Jabir gegeben hatte, aber ihm wollte nichts einfallen, was ihre Situation betraf, vor allem nicht, da sich der Arzt in Scheidung befand und damit nicht mehr auf seine Ex-Frau hören musste.

"Nur wenige", gab er zu. "Ich habe viel gelesen, aber in die juristischen Tiefen von Jabir habe ich mich nicht begeben."

"Nun, von den Verlobungsgesetzen", meinte Adiva kleinlaut.

"Verlobungsgesetze?" Daniels Augen weiteten sich, als er überrumpelt das Wort ausstieß.

Peinlich berührt wich Adiva zurück. "Ich... das tut mir so leid, ich wollte das hier nicht falsch verstehen. Aber so, so kann ich das nicht... entschuldige." Hastig wandte er sich ab und lief über die Treppen davon, wobei er Devi ausweichen musste, der Cedric gerade ins Bett trug.

"Adiva?" Daniel brauchte einen Moment, von der Reaktion des Abd Jabir genauso überrascht wie von dessen Worten und davon, dass er gleich von Verlobung sprach. Er folgte ihm, doch Adiva war schon nicht mehr zu sehen. So konnte er das nicht? Was konnte er nicht? Keine Beziehung ohne Verlobung? Aber ging das überhaupt? Und wollte er das wirklich? Güte, war er wirklich so davon überzeugt, dass sie zusammen passten? Ohne jedes Ausprobieren, ohne ein sich Näherkommen?

'Ich hätte mir doch einen Caley suchen sollen, die machen das vollkommen unkompliziert und ohne jedes Wenn und Aber', dachte er verwirrt. Aber da sein Herz einem Abd Jabir gehörte, einem komplizierten Abd Jabir, würde er sich beste Mühe geben, die Abgründe seiner Traditionen zu erforschen.

Entschlossen machte er sich auf die Suche nach Arkay, von dem er bereits einiges Interessante über die Abd Jabir erfahren hatte. Er traf den dunkelgelockten Mann mit dem kleinen Bauch, dem man seine Vorliebe für gutes Essen ansah, zum Glück für seinen nächtlichen Seelenfrieden noch in der Küche an, wo er damit beschäftigt war, einige Teller wegzuräumen. "Arkay, kann ich dich jetzt noch stören oder muss ich mich dafür mit Jann anlegen? In letzterem Falle werde ich mich unauffällig wieder zurückziehen und bin niemals hier gewesen."

Arkay hob den Kopf und blinzelte den attraktiven Mann an. Ein Mann von der Sorte, nach der er sich früher sicherlich verzehrt hätte, aber nun hatte er Jann und war mit seinem Gefährten mehr als nur glücklich. "Nein, Jann hilft den neuen Puppen und ihren Väter, sich einzurichten. Ich bin hier gleich fertig und wollte mein Glas Wein draußen noch austrinken und das Buch beenden, das Adiva mir geliehen hat, aber eine Unterhaltung ist dem immer vorzuziehen." Arkay stellte die letzten eben abgewaschenen Teller fort und wischte den Spülstein sorgfältig aus, bevor er Daniel winkte und mit ihm auf die Dachterrasse zurück ging.

"Danke dir." Daniel folgte ihm, ein neues Glas mitnehmend, da seines schon abgeräumt war. Er schenkte sich ebenfalls Wein ein, ehe er sich zu Arkay an den Mosaiktisch in einen der gemütlichen Korbsessel setzte. Die Monde waren im Untergehen begriffen, so dass ihr Schein die Tiefen der Terrasse nicht mehr erreichte, was den in bunten Windlichtern flackernden Kerzen mehr Wirkung verlieh.

"Du dürftest bemerkt haben, dass ich für Adiva... nun ja, mehr als nur freundschaftliche Gefühle hege", begann er unsicher mit gedämpfter Stimme, noch immer von Adivas Reaktion aus dem Konzept gebracht. "Leider habe ich trotz mannigfaltiger Lektüre ein ziemliches Defizit, was Traditionen und Verhalten betrifft, besonders da ich in den letzten Tagen durch Cedric ziemlich abgelenkt war. Und offensichtlich habe ich eben einen Fehler begangen." Er sah in den hellen Wein und trank einen kleinen Schluck. "Ich gebe zu, mein Kuss war mit Sicherheit anders gemeint als die zahlreichen, die hier auf Caley so freigiebig verteilt werden. Aber er erwähnte sogleich Verlobungsgesetze." Daniel dämpfte mürrisch die Stimme noch ein wenig mehr. "Und ist mir davongelaufen, weil ich überrascht war und nicht sofort wusste, was er wollte."

Arkay hob eine Braue. "Oh. Dass Adiva derart schnell etwas Ernstes sucht, hätte ich nicht gedacht." Er lehnte sich vor. "Auf Jabir gibt es viele Menschen. Sie alle sind aber aus so genannten Züchtungen. Sie sind mit Sendern versehen, registriert, und es gibt Menschenschutzvereine, sie werden gekauft und verkauft. Wenn ein Abd Jabir Männchen normal auf Jabir eine Beziehung mit einem Menschen haben möchte, dann muss er eigentlich nur sein Weibchen oder das Weibchen, das den Menschen besitzt, um Erlaubnis fragen. Förmlichkeiten sind nicht erforderlich." Arkay blickte Daniel in das angespannte Gesicht. "Offensichtlich sieht er dich jedoch eher in der Rolle eines Weibchens, also in der Rolle einer freien und ihm gleichwertigen, wenn nicht gar übergeordneten Person." Seufzend rieb Arkay sich einmal das Gesicht. "Das macht es natürlich komplizierter für dich, denn zum Schutz der schwachen und sehr abhängigen Männchen auf Jabir gibt es eine Reihe von so genannten Beziehungsgesetzen. Wenn du magst, leihe ich dir meine Erkenntnisse darüber aus." Er lachte. "Sei froh, das du dich nicht in einen Kemjasheri'i verliebt hast."

Daniel verzog das Gesicht. "Ich war es einmal, sie sind hübsch, die Kemjasheri'i. Natürlich ist nichts daraus geworden, so streng religiös wie die meisten sind. Aber Adiva – er ist nicht mehr auf Jabir, er ist nicht mehr verheiratet, und ich bin ganz bestimmt kein Weibchen." Der Gedanke ließ ihn auflachen, doch gleich wurde er wieder ernst. "Ich habe auch nicht erwartet, dass er so schnell eine Verlobung anspricht. Aber da er das nun einmal getan hat und es ihm offensichtlich auch sehr wichtig ist... erzähl mir davon, Arkay."

"Nun. Um ihn ehrbar zu machen, musst du zunächst einen Brief an sein ehemaliges Weibchen schreiben, in dem du um Verzeihung bittest, weil du ihrem Urteil von seinen Qualitäten als Männchen nicht Glauben schenkst. Das kann ein kurzer Brief sein, Beispiele hatte ich irgendwo in meinen Schriften einmal gesehen. Dann musst du ihm Treue versprechen und ihn um seine Hand bitten, damit es ernsthaft wird. Dann müsst ihr euch an fünf mal fünf aufeinander folgenden Tagen sehen, aber dürft nichts ernsthaftes tun, am allerbesten und empfohlensten ist das Treffen in Tempelgärten, aber so genau muss man das sicherlich nicht nehmen. Und natürlich musst du ihm den traditionellen Verlobungsschmuck schenken, der aus drei Ringen für den Schwanz besteht und bis zur Eheschließung getragen wird. Das dürfte bei den schmuckversessenen Puppen auf Caley kein Problem darstellen. Nach den fünf mal fünf Tagen könnt ihr zusammen wohnen, sogar miteinander schlafen, die Hochzeit kann bis zu einigen Jahren aufgeschoben werden, aber die ersten Schritte wären Pflicht."

Arkay lehnte sich seufzend zurück und streckte den Rücken. "Jetzt frag dich nicht zu sehr, woher ich das alles weiß, Daniel. Ich war selber einmal in ein Abd Jabir Männchen verschossen. Aber es hat nicht für all diese Regeln gereicht bei mir, so ernsthaft wollte ich die Sache nicht angehen, und unsere Wege haben sich daraufhin getrennt."

"Tja, so etwas ist immer der beste Lehrmeister." Daniel grinste leicht und rieb sich das Kinn, auf dem er bereits Stoppeln spürte. War es ihm so ernst? Nun, wenn die Hochzeit aufgeschoben werden konnte, bis sie sich sicher waren, dass sie auch auf längere Zeit und engeren Raum so gut wie jetzt harmonierten... "Und was mache ich, wenn seine Frau mir nicht antwortet? Oder mir gar etwas Garstiges zurückschreibt?", fragte er beklommen.

"Die meisten alten und mächtigen Clans haben eine Standardantwort, eine Karte, die sie immer schicken, gleich wer ihnen was schreibt. Wenn die Antwort hier angekommen ist, wird eure Wartezeit aber vermutlich schon um sein, Post braucht immer eine Weile. Die Hauptfrage wird eher sein, ob du das wirklich willst. Denn ich muss dir sagen, Adiva ist mir zwar noch nicht so lange persönlich bekannt, eher von seinen Briefen, aber ich würde es nicht gern sehen, wenn ihm jemand das Herz bricht."

Daniel neigte den Kopf ein wenig zur Seite und sah den anderen ernst an. "Ich kann dir versichern, dass ich kein leichtfertiger Mensch bin, Arkay. Und Adiva das Herz zu brechen, ist nun das letzte, was ich mir wünsche. Er bedeutet mir viel." Sehr viel, um genau zu sein. Außerordentlich viel. Sonst hätte er gar nicht erst begonnen, sich um ihn zu bemühen. "Ich wäre dir dankbar, wenn du mir bei Gelegenheit die Beispielbriefe heraussuchen könntest."

Nachdem Arkay, immer noch ein wenig zögerlich, wie es Daniel schien, zugestimmt hatte, bedankte er sich erneut und verabschiedete sich für die Nacht. Dieses Mal dachte er sogar daran, sein Glas selber in die Küche zu bringen. Leider war ihr gemeinsames Zimmer leer, und obwohl er sich im Bad Zeit ließ und noch lange auf Adiva wartete, bekam er den kleinen Abd Jabir an diesem Abend nicht mehr zu Gesicht. In Träume von seinen Küssen und dem Gefühl seines zierlichen Körpers in seinen Armen versunken, schlief er schließlich ein, auch wenn die Kerze noch brannte.


© by Jainoh & Pandorah