Unverhofft lebenslänglich

II - 2.

Adiva kehrte spät zurück und überlegte, ob er den längst schlafenden Daniel wecken sollte, aber brachte es nicht über sich. Nervös schlief er nur wenig und erwachte sehr früh am Morgen. Er kleidete sich in den Sachen der Caley und schlich sich mit seiner kleinen Reisetasche aus dem Zimmer.

In der Küche traf er auf Arkay. Der Wissenschaftler genoss seinen starken Kaffee und las die Post, die am Abend zuvor mit der Fähre gekommen war. Als der Abd Jabir zu ihm trat, meinte er "Daniel war gestern bei mir und hat sich die Gesetze von Jabir erklären lassen, Adiva."

"Oh. Und?"

Arkay lächelte. "Er wollte es sich überlegen. Es war ihm nicht bewusst, wie ernsthaft eine solche Geschichte auf Jabir gesehen wird, weil er ja Mensch ist." Zögernd nippte Arkay noch einmal von dem bitteren Getränk und beobachtete, wie Adivas Katzenschwanz sich nervös zuckend von der einen auf die andere Seite bewegte. "Ich finde es fantastisch, Adiva, dass du ihn so ehrst, indem du ihn gesetzlich wie ein Weibchen behandelst."

Adiva senkte den Kopf ein wenig weiter über den Tee, den er sorgfältig in eine Tasse seihte. "Ich tue das, weil ich solch eine Beziehung will und nicht dieses bedeutungslose Zusammensein. Ich habe ja über die Menschen gelesen, bei ihnen ist es umgekehrt, sie wollen es erst versuchen und dann dazu stehen, aber das kann ich nun einmal nicht."

 

Als Daniel aufwachte, war Adiva weg. Nicht einfach nur schon aufgestanden oder nicht zurückgekehrt für die Nacht, sondern ausgezogen, denn die Reisetasche für seinen Aufenthalt bei den Freunden war verschwunden. Zwar war der Koffer noch da, aber den hatte er ja ohnehin hier unterstellen wollen. Daniel verfluchte seinen festen Schlaf und begann den Morgen schlecht gelaunt mit Duschen und Rasieren, während er darüber nachgrübelte, was er in Bezug auf seinen empfindsamen Abd Jabir am Besten tat. Als er schließlich in eine hellgraue Hose schlüpfte und das dazu passende hellblaue Hemd zuknöpfte, war er zu der Einsicht gelangt, dass er nichts überstürzen sollte, zumindest nicht aus Adivas Sicht. Wenn er ihn jetzt um seine Hand bat und mit all den Formalitäten begann, würde sich Adiva vielleicht nur fühlen, als wollte er ihn in Sicherheit wiegen und ihn dennoch zu etwas überreden.

Wieder etwas zufriedener mit sich und der Welt verließ Daniel das Zimmer, nicht mehr so unglücklich darüber, dass Adiva ausgezogen war und nun getrennt von ihm wohnte. Da es sich offensichtlich auch nicht gehörte, in der ersten Zeit zusammen zu leben, passte es eigentlich wunderbar in Daniels Plan, selbst wenn er den Arzt schon ein wenig zu vermissen begann.

Bei einem gemütlichen Frühstück, während dem er sich still über Cedric und Devi amüsierte, die aus dem Turteln kaum herauskamen, erzählte ihm Arkay, dass Adiva bereits zu den Caley am Weinberg aufgebrochen war. Daniel nickte und wandte seine Aufmerksamkeit von seinem Freund ab und zu dem Wissenschaftler hin.

"Das habe ich mir schon gedacht; es sieht ihm ähnlich. Aber es ist mir ernst mit ihm. Kannst du mir die Briefe heraussuchen? Und ich bräuchte die Adresse von einem guten Schmuckschmied. Aber Arkay", er sah ihn ernst an, "erwähne Adiva nichts gegenüber. Ich will ihm alles auf einmal präsentieren können, damit auch er überzeugt ist, dass ich mehr will als nur ein kleines Techtelmechtel."

Nachdem Arkay es ihm versprochen und ihm eine Wegbeschreibung gegeben hatte, bat Daniel die Puppe, die seit dem Vorabend zu Gast war, ob sie für ihn zu Adiva laufen und nach dem Bericht fragen könnte. Immerhin hatte er ihm versprochen, diesen noch durchzusehen, aber er wusste nicht, ob Adiva ihm nach dem Kuss nicht aus dem Weg gehen wollte. 'Er hat sich nicht einmal verabschiedet', stellte Daniel wieder trauriger fest. Doch dann richtete er sich entschlossen auf und machte sich, unterstützt von einigen Aufzeichnungen Arkays, was Verlobungsschmuck der Abd Jabir betraf, auf den Weg zum Schmuckschmied.

Es war nicht einfach; um genau zu sein hatte Daniel nicht geahnt, wie viel er über Schmuck nicht wusste. Allein die Größe der einzelnen Ringe war ihm ein Rätsel. Doch schließlich hatten er und der blonde Schmuckschmied sich auf ein Design geeinigt, die Einzelheiten festgelegt und der Caley versprach ihm, unauffällig die Größe in Erfahrung zu bringen. Daniel nahm noch eine zierliche Taillenkette mit, um sich bei der Puppe dafür zu bedanken, dass sie sich so bereitwillig auf den Weg zu Adiva gemacht hatte, dann bereitete er sich auf die nächste Mission vor, den Brief an Adivas Ex-Frau.

 

Als Adiva nach dem Begrüßungsfrühstück bei seinen neuen Gastgebern wieder bei Janns Haus anlangte, war Daniel bereits im Ort unterwegs, um Besorgungen zu machen. Ein wenig erleichtert darüber, dass er noch nicht in eine Aussprache verwickelt wurde, hinterließ Adiva seinen Bericht und versprach, dass er am Abend noch einmal vorbei kommen würde, um die Änderungen mit Daniel zu besprechen.

Den Tag über fand er auch keine Gelegenheit, um an den Mann zu denken, denn die neuen Gastgeber hatten von der gerade angekommenen Fähre ein Paar zu Gast, das aus einer menschlichen Frau als Gefährtin bestand. Interessiert ließ er sich von der Seidenkünstlerin berichten, wie sie ihre Anpassungsstörungen erlebt hatte. Sie war eine Seltenheit auf Caley, zumeist ereilte die Verbindung eher die männlichen Menschen. Glücklich über diesen außergewöhnlichen Fallbericht arbeitete Adiva und schrieb daran, bis ihn seine Gastgeber erinnerten, dass es für ihn Zeit war, noch einmal zu Jann zu gehen.

Eilig zog sich Adiva eine hellblaue Shorts und ein violettes Hemd mit weiten durchsichtigen Ärmeln über, die ihn zwar hindern, aber der Göttin gefallen würden. Die silbern verzierten Sandalen passten ausgezeichnet dazu, und er fühlte sich mittlerweile schon recht wohl mit den kurzen Hosen. Er nahm noch einen Krug Wein mit zu Jann und Arkay und freute sich darauf, Daniel wiedersehen zu können, auch wenn es ein Abend der Entscheidung sein würde, was sein Herz nervös hüpfen ließ.

 

Daniel war glücklich, als Jann ihm den Bericht gab und ihm gleichzeitig versicherte, dass Adiva am Abend kommen und mit ihm sprechen wollte. Also ging er ihm doch nicht aus dem Weg. Der Junge, der umsonst zu Adiva gegangen war, freute sich sichtlich über die kleine Kette, und alles in allem war Daniels Tag rundum gut gelaufen, als er endlich auch den Brief an Adivas Ex-Frau fertig und Arkay noch einmal drüber hatte lesen lassen.

Er war gerade dabei, den Bericht des kleinen Arztes durchzusehen, sehr fasziniert über die Zusammenhänge, die dieser entdeckt hatte und die ihm nicht aufgefallen waren, als Adiva ankam. Er sah hinreißend aus, und am liebsten hätte Daniel ihn in die Arme geschlossen und ihn nicht mehr losgelassen. Stattdessen stand er nur von dem Tisch auf und kam deutlich langsamer, als das ausgelassen Stürmen, zu dem ihn sein Inneres drängte, auf ihn zu. Mit einem Lächeln verneigte er sich vor ihm. "Du siehst bezaubernd aus."

Adiva verneigte sich ebenfalls und bedankte sich. "Hattest du Gelegenheit, meinen Bericht noch einmal anzusehen, Daniel?", erkundigte er sich dann, während er sich von Devi auf einen Platz an dem großen Esstisch in der Küche dirigieren ließ.

"Du bist eine Kleinigkeit zu früh gekommen, sonst wäre mein Tag von der Planung her perfekt gewesen. Mir fehlen noch zwei Seiten. Warte, ich hole ihn gerade." In einem war Daniel sich sicher, als er Adiva für einen Moment verließ, um den Bericht zu holen. Es würde sehr, sehr schwer werden, ihn in der nächsten Zeit nicht zu küssen oder ihn an sich zu ziehen, um ihn so zu spüren wie am Abend zuvor. Besonders auch, weil er jetzt wusste, dass sich der kleine Mann so herrlich in seinen Armen anfühlte. Dennoch war er fest entschlossen, ihm zu zeigen, dass es ihm ernst war, indem er seine Traditionen respektierte.

Als er in die Küche zurückkehrte, setzte er sich auch nicht ungebührlich nah zu ihm, sondern hielt einen höflichen Abstand. "Mir sind ein paar Unklarheiten aufgefallen und drei oder vier Flüchtigkeitsfehler. Zudem verstehe ich einige Abschnitte nicht, was wohl an den medizinischen Begriffen liegt. Aber alles in allem finde ich es sehr interessant zu lesen. Faszinierend. Du solltest es Cedric mal geben, damit er weiß, worunter er alles gelitten hat."

Adiva hob leise lachend eine Hand vor den Mund, dann nickte er. "Ich werde es ihm zu lesen geben, wenn er sich ein wenig mehr erholt hat." Ein rascher Blick auf den sturen Mann hatte ihm gesagt, dass die zehrende Anpassungsstörung noch immer deutlich ihre Spuren in seinem Gesicht und in der Art, wie er sich bewegte, zeigte. Der ehemals energische und kräftige Mann brauchte beim bloßen Gehen noch immer die Stütze, die ihm Devi jedoch auch voller Begeisterung sein wollte.

Adiva verbrachte den Abend damit, Arkay und Daniel seine neusten Erkenntnisse über die Frau zu erzählen und versprach, dass er sich regelmäßig melden wollte. Als er sich verabschieden musste, brachte Daniel ihn bis auf die schmale Gasse, die über verwinkelte Treppchen an unzähligen Blumenbeeten vorbei in die Weinberge führte. Unsicher blickte Adiva ihm in das Gesicht und meinte schließlich leise "Ich will dich zu nichts drängen, Daniel. Ich bin gerade erst freigesprochen worden und sollte Zeit haben. Entschuldige, wenn ich gestern so empfindlich war." Er gab sich einen Ruck und küsste Daniel, seine Oberarme leicht umfassend, auf die Wange. "Gute Nacht."

Rasch, bevor Adiva sich wieder entfernen konnte, küsste auch Daniel ihn auf die Wange. Die Haut war so weich, und gerne hätte er auch noch das kurze Kopffell gestreichelt, liebevolle Dinge in seine süßen Ohren geflüstert... er riss sich zusammen und lächelte. "Ich will nichts falsch machen, Adiva. Ich brauche noch ein bisschen Zeit. Ich wünsche dir schöne Träume."

Adiva träumte schon auf dem Rückweg sehr schön, von himmelblauen Augen, von sanften Händen und einer Stimme, die stets sein Herz zum schneller Schlagen brachte, zum freudigen Hüpfen. Glücklich verbrachte er den nächsten Tag noch, gab seinen Bericht zum Raumhafen auf und freute sich an dem Inhalt für den zweiten Bericht. Interplanet würde es niemals bereuen, dass sie ihr Vertrauen in ihn gesetzt hatten.

 

Die ersten Tage nach seiner selbsterwählten Niederlage verbrachte Cedric in einem Dämmerzustand. Er schlief viel, aß viel und selbst wenn er wach war, gab es Phasen, in denen er nicht alles um sich herum mitbekam. Zuerst machte es ihm Angst, aber Devi gelang es jedes Mal, ihn zu beruhigen, und da die Phasen täglich kürzer wurden, glaubte Cedric ihm.

Ebenfalls Angst machte ihm, wenn Devi ihn zu lange allein ließ, und die Zeitspanne, die er als zu lang empfand, war erschreckend kurz. Er bemerkte es, als Devi auf Toilette verschwand, wohin er ihm natürlich nicht folgte. Doch anschließend duschte sein Schatz, und obwohl er seine Stimme hörte, weil Devi fröhlich sang, kam die Kälte zurück. Er kämpfte dagegen an, doch es half nicht, und als Devi wieder bei ihm war, zitterte er am ganzen Körper.

Danach musste er sich erbost dagegen wehren, dass sein Schatz sich ausschließlich um ihn kümmerte und kaum noch Augen für irgendetwas anderes hatte vor Sorge. Zu seinem Glück besserte sich auch das, Cedric hatte die dumpfe Vermutung, dass er sonst nicht wegen Devis Abwesenheit sondern wegen seines gluckenhaften Verhaltens wahnsinnig geworden wäre.

Während er und Devi ansonsten nahezu ein Herz und eine Seele waren und Cedric seinen Himmel auf Erden genoss, der ihm um so kostbarer war, da er die Hölle durchgemacht hatte, amüsierte er sich damit, den Tanz von Daniel und Adiva zu beobachten. Sie bewegten sich umeinander, als würden sie auf rohen Eiern laufen, dabei war deutlich zu sehen, dass sie sich zueinander hingezogen fühlten. Cedric lernte in kurzer Zeit über die Abd Jabir ebenso viel wie über die Caley, denn Daniel erzählte ihm natürlich von dem, was ihn bewegte, und das war deutlich kein Caley.

In Devis Arme geschmiegt, eine große Tasse kalten Kakaos vor sich, den er seit neuestem dem Kaffee vorzog, sah er aus halb geschlossenen Augen zu dem Tisch hin, an dem die beiden saßen, peinlich genau auf einen Sicherheitsabstand achtend, den sie beidseitig jedoch immer wieder in ihrem angeregten Gespräch durchbrachen, um gleich darauf zurückzuzucken.

"Ich glaube, ich kann mit meinem Caley doch ganz glücklich sein", brummte Cedric und drückte einen Kuss auf Devis kantige Kinn. "Der ist zwar herrschsüchtig und besitzergreifend, aber immerhin hat er gleich deutlich gemacht, was er will."

Devi nickte zufrieden und entgegnete "Und ich bin froh, dass ich einen ordentlichen Gefährten hab und nicht so ein fipseliges kleines Dingelchen." Er warf einen Blick über den Tisch hinweg. "Auch wenn es ein sehr hübsches Dingelchen ist." Er war gerade mit der Arbeit beschäftigt, Blumensamen zu trennen, was seine Konzentration kostete, während er die kleinen Töpfchen beschriftete und die Samenkörner einzeln hineinfallen ließ. Cedric war noch nicht für diese Arbeiten zu gebrauchen. Er döste noch immer weg, wenn man ein Weilchen nicht mit ihm sprach, aber Devi bemerkte, dass sein Schatz von Tag zu Tag stabiler wurde. Die Anfälle, die Cedric zu einem weinenden zitternden Häufchen machten, nur weil Devi ein Fass in den Keller brachte und ihn deswegen ein kleines Weilchen nicht berühren und beruhigen konnte, nahmen ab.

Als sie im gemeinsamen Bett lagen, lange nachdem Adiva sich verabschiedet hatte, schmiegte Cedric sich dennoch so dicht an ihn, wie er konnte, und machte es Devi schwer, ihn nicht küssen und streicheln zu wollen. Sorgfältig achtete Devi jedoch darauf, dass er seinen Schatz nicht falsch berührte, um ihn nicht zu verunsichern.

Die ersten Abende war Cedric immer sofort eingeschlafen, sobald sie ins Bett gegangen waren. Doch langsam kam er wieder zu Kräften, und da er tagsüber nicht allzu viel machen konnte, weil er entweder döste oder mit Devi kuscheln musste, war er abends nicht mehr wirklich müde. An seinen Schatz geschmiegt, dessen starken Arme sicher um seinen Körper gelegt, fragte er sich, ob er bis ans Ende seines nun sehr langen Lebens enthaltsam bleiben wollte.

Verwirrend genug, dass ihm die Erinnerungen an frühere Affären gar nicht mehr so aufregend erschienen, begann immer wieder ein Kribbeln in ihm, wenn Devi ihn doch einmal nicht ganz so keusch berührte, auch wenn er sich Mühe gab, um ihn nicht zu drängen. Das Kribbeln setzte auch ein, wenn sie wie jetzt beieinander lagen und er nicht einschlief, dafür umso deutlicher den starken Körper unter sich spüren konnte. Träge war Cedric bewusst, dass Devi sich vermutlich bis ans Ende der Zeit zurückhalten würde, wenn er selber nicht wollte, und das machte ihn glücklich. Herrschsüchtig, ja. Besitzergreifend, ja. Aber rücksichtslos, nein, das war Devi nicht. Er lächelte an Devis Schulter und streichelte mit den Fingerspitzen über die breite Brust, neugierig auf Devis Reaktion lauschend.

Mit einem gemütlichen Brummen drehte Devi sich weiter zu Cedric hin und legte die Handarbeit beiseite, die er eigentlich noch am Abend hatte fertig machen wollen. Cedric wurde gesund. Die Schwächung ließ nach, und schon bald würden sie nicht mehr so intensiv miteinander schmusen müssen.

"Bald brauchst du mich nicht mehr so viel und lang berühren, dann reicht es, wenn wir uns in der Nacht berühren und einige Male am Tag. Wie findest du das, Cedric?", fragte Devi endlich leise und hob das Kinn seines Gefährten leicht an, um einen Kuss auf seinen nachdenklich verzogenen Mund zu drücken.

"Ausgezeichnet", antwortete Cedric mit einem kleinen Seufzen der Erleichterung. "Dann kann ich ein wenig mehr machen als nur auf deinem Schoß sitzen und mich von dir wie ein Säugling behandeln lassen. Sehr liebevoll, sehr fürsorglich und sehr nervig." Er grinste und ließ seine Fingerspitzen von der Brust auf die Schulter wandern, dann den Arm hinab, bis er Devis große Hand erreichte und seine Finger zwischen die seines Schatzes gleiten ließ. "Andererseits genieße ich deine Aufmerksamkeit, wie ich zu meiner Schande gestehen muss." Sich ein wenig reckend küsste er Devi zurück. "Und ich werde mir Mühe geben müssen, damit du nicht denkst, dass ich dich nicht mehr gern bei mir habe, nur weil ich dich nicht mehr so dicht brauche", fügte er leise hinzu. "Ich habe es vorhin schon mal gedacht, aber ich sollte es dir vielleicht sagen. Ich glaube, ich hab durch die Hölle gehen müssen, um zu merken, dass ich den Himmel aufzugeben bereit war."

Devi hob seine Augenbrauen, dann drückte er seinen Liebling ein wenig und lachte. "Als Himmel bezeichnest du das hier mit mir? Du bist wirklich der beste Gefährte von allen!" Dann brachte er seinen Mund dicht vor Cedrics Ohr und raunte "Und wenn du einmal mehr wie mein Gefährte als wie eine junge Puppe behandelt werden willst, dann sag mir Bescheid, ich glaube, das könnte ich einrichten."

Ein warmer Schauer rann durch Cedric hindurch, und er grinste. Auffordernd knabberte er mit den Lippen an Devis Hals und zeichnete mit der Zungenspitze einen Kreis auf die empfindliche Haut, ehe er antwortete "Ich wollte noch nie wie eine Puppe behandelt werden, Kleiner. Vielleicht könntest du genau jetzt und genau hier damit aufhören?"

Devi blinzelte erstaunt, dann seufzte er leise und streckte sich, während er probehalber mit einer Hand über Cedrics Körper bis auf seine Hüfte streichelte. Cedric trug eine leichte Hose, weil er noch immer schnell fror. Lächelnd zupfte Devi das Band, das sie hielt auf und schob seine Hand unter den Bund auf die warme Haut, um die Hüfte und den Oberschenkel seines Schatzes entlang zu streicheln. "Nicht mehr wie eine kleine, noch nicht flügge Puppe, hm? Na, das will ich mal versuchen."

Cedric erschauderte leicht. Das letzte Mal, als Devi in diese Regionen vorgedrungen war, hatten sie das angenehme Spiel nur wenig später unterbrochen – natürlich, weil er nicht damit klar gekommen war, nicht wegen Devi. Aber kam er das jetzt? Plötzlich hatte er Zweifel. Devi war noch immer ein Mann, er selber war noch immer nicht schwul, seine Eltern und all ihre Freunde...

'Wie klinge denn ich?', dachte er spöttisch. 'Meine Eltern sind ohnehin sauer auf mich, und zwar nicht wegen irgendwelchen Männergeschichten, und ihre Freunde waren noch nie die meinen. Und außerdem, will ich wegen so etwas, wegen irgendjemanden, wegen irgendetwas Devi unglücklich machen?'

Er richtete sich leicht auf, so dass er in das energische Gesicht sehen konnte, aus dem ihm die goldbraunen Augen voll Wärme und voll Liebe entgegen blickten. Eine solche Zärtlichkeit erfüllte Cedric mit einem Mal, dass er die Luft anhielt. 'Wahnsinn, kann das echt sein? Oder ist das nur ein Schub in die andere Richtung, nachdem ich so lange von ihm getrennt war?' Eigentlich war es egal. Niemand außer diesem Mann konnte solche Gefühle in ihm hervorrufen, gleichgültig welcher Art. Niemand außer diesem Mann, der nun ein wenig irritiert wirkte.

Cedric lachte auf und küsste ihn stürmisch, drängte ihn auch gleich, die Lippen zu öffnen und kämpfte dann eine Weile mit ihm um die Vorherrschaft, wessen Zunge in welchen Mund durfte. "Du bist Wahnsinn", brachte er schließlich atemlos hervor. "Purer Wahnsinn."

Devi blickte kurz forschend in die Augen seines Lieblings, aber Wahnsinn bedeutete in diesem Zusammenhang etwas gutes. Cedric sah herrlich aus, drängte sich wundervoll an ihn, und er machte diese kleinen Geräusche beim Atmen, als ob er gerannt war. Devi erwiderte die Küsse voller Begeisterung, aber dachte bei sich, dass Cedric für die intensive Berührung zwischen ihnen zum einen noch nicht bereit war, er war noch zu schwach, zum anderen würde der Mann dadurch von der Pflicht, in Devis Nähe zu bleiben, für eine Weile befreit, und das wollte Devi ihm bei aller Liebe noch nicht erlauben. Die Gefahr, dass Cedric sich mit der Freiheit auch wieder von ihm abwandte, weil er noch immer so stur war, konnte schlecht abgeschätzt werden. Deswegen streichelte Cedric seinen Liebling nur, während er ihn sogar bei dem Kampf ihrer Zungen gewinnen ließ.

Auch wenn Cedric gerne weiter gegangen wäre, und wäre es nur, um herauszufinden, ob er dem Sex mit seinem Schatz nicht vielleicht doch deutlich mehr abgewinnen konnte, merkte er bald, dass Devi Recht hatte mit seiner offensichtlichen Zurückhaltung. Erst ärgerte sie ihn, und er überlegte, ob er noch mal einen Kommentar dazu fallen lassen sollte, dass er nicht wie eine Puppe behandelt werden wollte. Aber schnell stellte er fest, dass ihm die Kraft durch solch simple Dinge wie leidenschaftliches Küssen und etwas Streicheln ausging.

Schließlich sank er einfach nur wieder auf Devi zusammen, der ihn gleich stützend umfing, und knurrte "Wie ätzend, ich bin im Moment wirklich zu gar nichts zu gebrauchen."

"Ach, bald ist das vergessen, mein Liebling. Jetzt schlaf aber erst mal, morgen haben wir im Garten viel zu tun, und da werden wir leider früh aufstehen müssen." Devi drückte Cedric einen dicken Kuss auf und schaffte es, ihn von der Hose zu befreien, damit sie nackt aneinander geschmiegt schlafen konnten.


© by Jainoh & Pandorah