Unverhofft lebenslänglich

II - 3.

Adiva war von der Situation mit Daniel verwirrt und verunsichert. Von Arkay erfuhr er, dass der schöne Mann sich genauestens zu den Verlobungsgesetzen informiert hatte, aber Daniel sprach Adiva selber nie direkt dazu an. Wenn sie einander begegneten, eher zufällig, wie es Adiva vorkam, dann war Daniel die Liebenswürdigkeit selbst, ganz wie zu Beginn ihrer Beziehung. Stets verabschiedeten sie sich mit diesen weichen Küssen, die Adiva so schrecklich verträumt sein ließen.

Nach einigen Tagen ging es Cedric so gut, dass Adiva seine täglichen Kontrollbesuche abgeschlossen hatte und damit auch den zweiten seiner Berichte, über die Erholung nach einer schweren Anpassungsstörung. Cedric dachte offensichtlich darüber nach, ob er Devi ein intensiveres Zusammensein, wie die Caley es nannten, erlauben sollte. Adiva war sich fast sicher, dass Devi derjenige war, der es behinderte und herauszögerte.

Der dritte Bericht sollte sich um die Frau drehen, die ebenfalls eine sehr schwere Anpassungsstörung durchgemacht hatte. Sie war dem niedlichen schwarzhaarigen Caley mit den fast violetten Augen auf einer Station begegnet und war von ihm verschleppt worden, in betäubter Form ganz wie bei Cedric. Mit den Berichten, die er von Daniel hatte Korrektur lesen lassen, verabschiedete Adiva sich dann zum Raumhafen, um sie dort aufzugeben.

Daniel sagte er nichts davon, denn gerade über diesen Mann wollte er sich auch klar werden. Mit der Reisetasche für die nötigsten Dinge verbrachte er eine ruhige Überfahrt und kam bei der Ankunft auf der kargen und noch von vulkanischem Gestein bedeckten Insel zum Schluss, dass er Daniel frei heraus ansprechen sollte.

Die Poststelle war zugleich ein Café am Rande des Marktes für wartende Caley und andere Reisende, die den Fährhafen zu den kleinen Inseln im Auge behalten wollten. Die Fähren fuhren gerade auf diesen Nebenstrecken dermaßen unzuverlässig, dass man einfach mit seinen Taschen zum Hafen ging und dort warten musste, bis die richtige vorbei kam.

Adiva erhielt zwei Briefe. Der eine kam von seiner Anwältin, die ihm berichtete, dass seine Ex-Frau ihn offiziell freigegeben hatte. Sie fragte an, ob jemand ihn um seine Hand gebeten hätte und ob sie eine Heirat für seine Rückkehr arrangieren solle. Traurig schob er diese Anfragen erst einmal von sich weg, weil er noch gar nicht wieder an ein Leben als drittes oder viertes Männchen auf Jabir nachdenken wollte.

Der zweite Brief war von Interplanet und enthielt eine Bestätigung über seine weitere Zulassung. 'Über den Umfang der Zulassung', schrieben sie ihm allerdings dann, 'muss der Hauptsponsor Ihres Einsatzes, Daniel Rabenstein, noch entscheiden. Wir haben den Bericht bereits an ihn geschickt und warten auf eine Antwort. Senden Sie uns derweilen die anderen Berichte zu, denn die zeitliche Verzögerung behindert diesen Vorgang schon genug.'

Adiva starrte die Unterschriften an. Daniel bezahlte seinen Aufenthalt? Daniel war derjenige, dem er die Berichte schickte? Wieso hatte er nie was gesagt? Der einzig mögliche Schluss war eine bittere Erkenntnis. "Er hat zierliche Männer gern, und er hat mich als bezaubernd bezeichnet. Er ist reich und hat gern Dinge um sich, die ihm gefallen. Er umgarnt mich, ohne ernsthafte Absichten zu zeigen." Die Aufzählung tat weh und führte Adiva zu dem Schluss, dass er Daniel niemals wieder sehen wollte, nie wieder von ihm berührt werden. Er würde ihm von überall auf Caley Berichte zukommen lassen. Durch die zeitliche Verzögerung würde Daniel ihn nie finden, wenn er zeitig abreiste.

Der Entschluss war übereilt und in Trauer und Enttäuschung gefasst. Adiva gab seine Berichte auf und schrieb seiner Anwältin, dass er noch eine längere Zeit auf Caley sein würde, dass er sich melden würde, wenn er frei für eine Heirat wäre. Dann begab er sich auf die nächste auslaufende Fähre, die ihn in Richtung einer kleineren Insel führte.

Weil er weinte, fanden sich schnell einige Caley, die sich um ihn kümmern wollten. Er wurde auf der dritten der Sieben Perlen bei einem Schneider und seinem Gefährten gemeinsam mit einer wandernden Familie im Bett bei der Puppe untergebracht. Er verkroch sich, während alle anderen auf der Insel gemeinsam aßen und sangen, in dem Bett und weinte vor Enttäuschung.

 

Daniel hätte den Schmuckschmied küssen können, als dieser ihm die Nachricht überbringen ließ, dass der Verlobungsschmuck fertig war. Natürlich tat er es nicht, als er ging, um ihn zu holen. Es war eine herrliche Kreation aus Weißgold; reines Silber war Daniel zu kühl für seinen Abd Jabir erschienen. Die Kettchen, welche die drei filigranen Ringe verbanden, bestanden nicht aus einfachen Gliedern, sondern wiesen jede für sich eine einzigartige Form auf, was man nur bemerkte, wenn man sie genau ansah. Zudem hatte sich der Schmied die Freiheit genommen, die schlichten Schmucksteine nicht fest zu integrieren. Man konnte sie nach Bedarf auswechseln.

Es hob seine Laune wieder enorm, die doch ziemlich gesunken war, nachdem Adiva zur Hauptinsel gefahren war, ohne sich auch nur zu verabschieden. Zwar hatte sein kleiner Abd Jabir von Verlobung gesprochen, aber vielleicht war es ihm doch nicht so ernst damit? Oder fast noch schlimmer, vielleicht fragte er sich, ob Daniel das Interesse verloren hatte? Daniel hatte nach der überraschenden Nachricht, dass Adiva für eine Zeit weg war, schon überlegt, ob er ihn nicht doch fragen sollte, bevor alles bereit war, einfach um die Unsicherheit zu beseitigen. Aber so war es natürlich viel besser! Jetzt bräuchte er nur noch den Brief der Ex-Frau, um es perfekt zu machen, und wenn er Glück hatte, kam er mit der nächsten Fähre mit.

Regelrecht ausgelassen sprang er die Stufen der steilen Treppe hinab, die von dem Haus des Schmiedes hinunter führte und den kürzesten Weg zurück zu Arkays Haus darstellte. Wenn die Fähre ankam, wollte er Adiva abholen. Bestimmt wollte er sich erst ausruhen und duschen nach der Reise, aber danach würde er ihn fragen und ihm den Verlobungsschmuck geben. Und wenn er ihn dann trug, dann würde es eines der rauschenden Feste geben, für die Caley berühmt war. Er lachte, als er das Haus betrat und erzählte sofort Cedric und Devi von seinem Plan. Arkay kam dazu und nur Minuten später auch Jann, was dafür sorgte, dass es schnell jeder in dem Haus und von den Nachbarn wusste.

Als der Zeitpunkt näher rückte, an dem die Fähre ankommen konnte, bat Daniel die Puppe, die zu Gast war, am Hafen zu warten und ihm sofort Bescheid zu geben. Weil er sich mit dem zierlichen, schwarzhaarigen Jungen angefreundet hatte, stimmte dieser fröhlich zu, was sich zur Begeisterung steigerte, als Daniel ihm versprach, dass er sich Schmuck wünschen durfte. Danach wartete Daniel so ungeduldig, dass sich nicht nur Cedric über ihn amüsierte.

Kaum kam der Junge angerannt, um zu verkünden, dass man das Schiff am Horizont sehen konnte, machte Daniel sich bereit. Er duschte neu und rasierte sich frisch, wählte eine leichte, beige Hose und ein helles Hemd, was einen angenehmen Kontrast zu seiner mittlerweile gut sonnengebräunten Haut bildete und seine Augen leuchten ließ. Aus dem Garten pflückte er unter Janns strengem Blick rosafarbene Blumen, die mit ihren hellgrünen Stielen und Blättern den Farben von Adivas Schutzgöttin entsprachen, und bekam sie prompt abgenommen und erst zurückgegeben, nachdem Jann sie nett arrangiert hatte. Fast befürchtete Daniel, dass er deswegen zu spät zum Hafen kommen würde.

Aber seine Sorge erwies sich als überflüssig, leider ebenso wie seine Vorbereitung, als er mit vielen Caley am Kai stand und aufgeregt nach der zierlichen Gestalt Ausschau hielt, sich wie ein frisch verliebter Teenager fühlend. Meta mit ihren Gefährten stiegen aus, einige Familien mit Puppen kamen an, aber nirgends konnte er die weiße Gestalt Adivas erblicken. Die Caley und ihre Gäste gingen langsam, nachdem die fröhlichen, lautstarken Begrüßungen ausgetauscht worden waren, und es wurde ruhig. Daniels Herz sank. Als endgültig feststand, dass kein Abd Jabir sich mehr zeigen würde, suchte er enttäuscht und traurig die Fährleute auf, um sie zu fragen, ob sie nicht wenigstens eine Nachricht für ihn hatten.

"Du bist der Mensch ohne Gefährte, der bei Arkay und Jann wohnt, nicht?", fragte einer der beiden, ein wahrhaft riesenhafter Meta mit wilder roter Mähne fröhlich, und als Daniel nickte, bekam er einen ganzen Stapel an Briefen in die Hand gedrückt. Auf den ersten Blick konnte Daniel sehen, dass es längst nicht nur Post für ihn war, sondern hauptsächlich an Arkay.

Unglücklich starrte er die Briefe an, dann machte er sich wieder auf den Weg zurück zum Haus. Keiner stellte eine Frage, als er ankam. Jann klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und brummte freundlich "Die nächste Fähre kommt bestimmt", während Cedric ihm mit einem breiten Grinsen ein Glas Zitronenlimonade hinschob. "Mach nicht so ein Gesicht, als sei die Welt untergegangen. Dann kommt er eben später."

"Mach ich nicht", widersprach Daniel gereizt, sich dessen bewusst, dass er nicht ganz so schlimm wirkte, wie sein bester Freund tat, und musste gleich darauf lachen, als Cedric zweifelnd eine Braue hochzog. Sie hatten natürlich recht, aber besser fühlte er sich deswegen nur unwesentlich. Er hatte sich auf Adiva gefreut, auf das Leuchten in seinen Augen, wenn er ihn fragte. Sofort kamen die Zweifel zurück. Vielleicht wollte er ja gar nichts mehr näher mit ihm zu tun haben. Vielleicht war es nur eine Laune gewesen.

Energisch schob er die Grübelei beiseite, die ihn nicht weiterbringen würde, und setzte sich an den Küchentisch, um die Post durchzusehen. Hoffentlich hatte Adiva ihm wenigstens geschrieben. Der Stapel für Arkay wurde immer größer, auch für Devi waren einige Briefe dabei, und für sich fand er schließlich auch zwei nicht sehr auffällige Briefe. Aber keine Nachricht von Adiva.

Mürrisch öffnete er den ersten Umschlag, der von Adivas Ex-Frau kam, und grinste gleich, als er die unpersönlichen Zeilen las, die fast wörtlich dem entsprachen, was Arkay ihm in seinen Beispielen einer Antwort gezeigt hatte. Aber es machte ihn zuversichtlich und ließ seinen Verlobungsplan gleich in günstigem Licht erscheinen. Damit würde wirklich alles perfekt sein.

Der zweite Brief war von Interplanet. "Sehr geehrter Herr Rabenstein... Blablabla... da Sie ja der Hauptsponsor... blabla... anbei der Bericht ihres Begünstigten Adiva al Sahjid al Rimon..." Daniel stockte in dem Gemurmel, mit dem er die Zeilen leise überflogen hatte, und sah in den Umschlag. Tatsächlich hatten sie ihm auf einer Speicherkarte eine Kopie eben jenes Berichtes beigefügt, den er für Adiva Korrektur gelesen hatte. Schmunzelnd warf er den Umschlag Cedric zu. "Welch eine Ironie, nicht wahr?" Sein Lachen erstickte jedoch, als er weiterlas. Sie hatten Adiva Bescheid gegeben, dass der sehr geehrte Herr Rabenstein für den weiteren Umfang seiner Arbeit erst zu Rate gezogen werden sollte und dass sie deswegen dringlichst um Rückantwort baten. Daniel starrte den Brief an, als hätte er ihm Gift entgegen geschleudert. 'Diese verdammten...'

"Haben sie angekündigt, Adivas Ex kommt vorbei?", fragte Cedric und lehnte sich aus der Umarmung seines Schatzes nach vorne.

Daniel schob ihm mit unbewegtem Gesicht den Brief zu. "Ich muss zum Hafen." Ohne weitere Erklärung stand er auf und lief den Weg zurück, den er eben erst gekommen war. Dieses Mal hatte er Glück. Die Fähre lag noch am Kai, und die beiden Fährmänner waren an Bord. Auf seine Fragen hin konnten sie ihm sagen, dass kein Abd Jabir nach der nächsten Passage hierher zurück gefragt hatte, aber einer meinte, den kleinen Mann auf einem Boot in die andere Richtung gesehen zu haben. Leider konnte er ihm nicht sagen, wohin es abgelegt hatte.

Daniel brauchte keine Sekunde, um sich dafür zu entscheiden, ihm hinterher zu reisen, gleichgültig, wie sehr ihm seine Seekrankheit zusetzen mochte. Er musste es aufklären, solange sich Adiva noch nicht zu sehr damit abgefunden hatte und sein Herz gegen ihn verschloss. Bestimmt kam er sich gekauft, betrogen und ausgenutzt vor. Genau das, was Daniel hatte verhindern wollen. 'Verdammt! Es war fester Bestandteil dieser Sache, dass er nichts davon erfährt! Wer zur Hölle auch immer dafür verantwortlich ist, wird mir das ganze in einem sehr unangenehmen Gespräch erklären dürfen!'
Für seine Reisevorbereitung hatte er immerhin ausreichend Zeit. Die Fähre würde nicht vor dem nächsten Mittag ablegen, denn die beiden Fährleute wollten an einer oder allen Feiern teilnehmen, die von den Caley für ihre Besucher ausgerichtet wurden. Wütend stapfte Daniel zu Arkays Haus zurück, um mit dem Packen zu beginnen.

 

Adiva fühlte sich ein wenig zurückversetzt in die Zeit nach seiner Flucht. Irgendwie war er das nun schon wieder, auf der Flucht vor jemandem, von dem er abhängig war. Es war nur schlimmer dieses Mal. Er war es durch seine eigene Unvorsichtigkeit geworden und nicht durch ein Eheversprechen bei seiner Geburt.

Am Morgen besah er sich sein spärliches Gepäck und zog sich die knappe Shorts der Caley wieder an und das ärmellose Hemdchen, das seinen Bauch recht frei ließ. Um sich zu verhüllen, legte er sich dann zwei weite Kopftücher um, die er mit traditionellen silbernen Spangen an den Ohren befestigte. Die Tücher versteckten seinen Oberkörper weitgehend, und er konnte sie auch vor sein Gesicht ziehen.

Er wollte, bevor ihm Interplanet den Befehl zur Rückreise schicken würde, die Perleninsel in den Farben seiner Göttin Sahjid sehen. Leider würde die nächste Fähre dorthin von der Insel, auf der er sich nun befand, erst in einigen Tagen gehen. Seufzend beschloss er, dass er die Zeit nutzen und die dort lebenden Menschen untersuchen wollte.

Die Insel war eine der kleinsten, und das Dorf verfügte deswegen über einen gemeinsamen Essraum. Die Häuser waren alle nur Schlafstätten, das Leben spielte sich in dem eckigen und von Wasserzisternen und grün überwucherten Dachterrassen umgebenen Gemeinschaftshaus ab.

Dort erhielt Adiva einen Raum, in dem er seine Untersuchungen durchführen konnte. Er wollte seine Berichte über die Anpassungsstörungen der Menschen noch deutlich vertiefen und so viele wie möglich befragen. Leider waren die Menschen zu weiten Teilen noch nie einem Abd Jabir begegnet, so dass er sich sehr oft in angeregten Unterhaltungen über seine eigenen Kultur wiederfand, statt Informationen für seine Forschung zu sammeln.

 

Daniel war froh, dass er vor seiner Abreise noch eine Nacht in einem richtigen Bett hatte verbringen können. Seine Wut war abgekühlt und belastete damit seinen Magen nicht zusätzlich, der auf Schiffsfahrten ohnehin empfindlich reagierte. Am besten war es, wenn er vorne an Bug stand und sich den frischen Seewind um die Nase wehen ließ. Das tat er dann auch, während er darüber nachgrübelte, wie er sich Adiva am besten erklären konnte, und darum betete, dass er ihn möglichst schnell fand.

Seine Spur auf der Hauptinsel aufzunehmen, war nicht besonders schwer. Der zierliche Mann fiel allein deswegen auf, weil es auf Caley keine Abd Jabir gab, und Daniel dankte seinem Schicksal, dass er sich nicht in einen Menschen verliebt hatte. Er wollte gar nicht wissen, was für Schwierigkeiten bei einer solchen Suche auf ihn zugekommen wären. Schnell bekam er heraus, dass Adiva mit der nächst möglichen Fähre zu den Sieben Perlen aufgebrochen war, und wo er ihn dort finden würde, war klar.

Was sich leider nicht als ganz so einfach erwies, war eine Fahrmöglichkeit zu finden. Im Gegensatz zu weiten Teilen der Sternensysteme konnte Daniel nicht einfach ein privates Schiff mieten, und es kostete ihn viel Reden, Überzeugungskraft und Versprechungen, die beiden Caley der nächsten Fähre in Richtung der Sieben Perlen dazu zu bringen, einen Abstecher über die Insel zu machen, auf der die Farben der Göttin Sahjid vorherrschten.

Diese Reise bestand er nicht ganz so unbeschadet wie die erste; ein Sturm ließ seinen Magen revoltieren, und er verbrachte viel Zeit damit, sich über die Reling zu beugen. Alles in allem war er mehr als froh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, als das Schiff endlich anlegte. Seine Übelkeit hatte den Vorteil, dass ihn gleich mehrere Caley einluden, um ihn wieder aufzupäppeln. Nachdem er sich kurz umgehört und herausgefunden hatte, dass bisher kein Abd Jabir angekommen war, ließ er sich dankbar mit in eines der lang gestreckten, aus rosafarbenem Stein erbauten Häuschen ziehen und in eines der Gästezimmer verfrachten. Dort verbrachte er den Rest des Abends damit, sich zu erholen und seinen Magen zu beruhigen.

Die Caley nahmen Rücksicht, aber dafür wurde er am nächsten Morgen von allen Insassen des Hauses begrüßt, und das waren viele. Er kam eine Weile aus den traditionellen Küssen und Umarmungen gar nicht mehr heraus und hatte das dumpfe Gefühl, dass auch reichlich Gäste aus Nachbarhäusern unter den Puppen waren.

Die nächste Zeit war angefüllt mit Warten, und Daniel hatte es gründlich satt. Er ließ sich von einem Schneider Kleidung herstellen, die auf Caley üblich war, leichte Hosen und Westen in leuchtenden Farben, und bekam ausreichend Komplimente von seinen Gastgebern, als er es endlich wagte, sie auch einmal zu tragen. Er half bei der Gartenarbeit und in der Küche und lernte dabei Dinge, von denen er nicht geahnt hatte, dass sie Spaß machen konnten. Bei jeder Fähre, die ankam, stand er mit den anderen am Hafen und war enttäuscht, wenn wieder kein Abd Jabir dabei war.

Nach der dritten Fähre ohne Adiva fragte er sich sorgenvoll, ob sein Plan wirklich so gut war oder ob er hier nicht nur seine Zeit vergeudete. Er beschloss, noch ein Schiff abzuwarten, ehe er selber wieder aufbrach, und zwar zuerst einmal mit dem erklärten Ziel, ein Boot zu finden, das ihn unabhängig von den Fähren zu jedem Ort auf Caley bringen würde.

Angespannt stand er nur zwei Tage später inmitten der ausgelassenen Caley auf dem Anlegesteg, der weit ins Meer ragte, da die Strände ausgesprochen flach waren. In seiner neuen Lieblingskombination, einer weißen Dreiviertelhose mit blauen Stickereien an den Nähten und einer blauen Weste, fühlte er sich wohl und passend angezogen, um Adiva zu empfangen. Wieder hatte er eine rosafarbene Blume dabei, die leicht an eine Pfingstrose erinnerte und genauso betörend roch. Hier war es nicht schwer, etwas in Adivas Farben zu finden.


© by Jainoh & Pandorah