Unverhofft lebenslänglich

II - 4.

Adiva hatte Geduld haben müssen, weil einer der jahreszeitenüblichen Stürme die Meere zwischen den Sieben Perlen unsicher machte und die Fähren daher noch ungenauer fuhren als sonst. Aber die Zeit konnte er sehr gut nutzen, um seine nächsten Berichte fertig zu stellen. Er begann, sie sogar schon zu einem Buch über die biologischen Vorgänge in den Menschen auf Caley zusammen zu stellen.

Er konnte nicht direkt zur roséfarbenen Insel fahren, aber fand auf der nächsten Insel ein Paar zwischen Mensch und Caley, die gerade erst eingetroffen waren und konnte dem verwirrten Mann, einem Lagerarbeiter aus dem Raumhafen, noch ein wenig über die Anpassung hinweg helfen, bevor er aufbrechen musste.

Für die Fahrt hatte Adiva sich eine hellgrüne Shorts und ein dazu passendes Hemdchen aufdrängen lassen. Sie waren mit rosafarbenen Stickereien verziert, und die dazugehörigen Sandalen wurden ihm am letzten Tag seines Aufenthaltes noch überreicht. Für die Fahrt mit der kleinen offenen Fähre hatte Adiva sich zwei Lagen weiße durchscheinende Tücher mit den silbernen Spangen an den Ohren befestigt und vor seinem Körper zusammen gefasst. Eine der Lagen schlug er vor sein Gesicht.

Als die Insel in Sicht kam, seufzte er selig auf, weil sie wirklich aussah wie versprochen. Rosafarbener Steinfels färbte das Meer in hellem Violett, weil er überall durchschimmerte. Die Häuser waren aus demselben Stein und erhoben sich wie kleine Edelsteine, weil sie mit schimmernden Mosaiken verziert waren. Dahinter konnte man hellgrün die Tee und Gewürzplantagen sehen. Es war so wunderschön, dass ihm die Tränen in die Augen traten.

Zu seinem Glück hatte er Hilfe beim Landgang über den schwankenden Steg. Ein hochgewachsener Caley, der Tauschgeschäfte gemacht hatte, half ihm mit der Tasche und lud ihn auch gleich zu sich in das Haus ein, weil sein Gefährte ein Mensch war und dieser sehr gern über die anderen Menschen hören wollte, die Adiva schon untersucht hatte. Sie waren beide schon sehr alt und würden recht bald sterben, wie sie ihm mitteilten. Ein neuer, sehr interessanter Aspekt im Leben der Caley, den zu untersuchen Adiva nun schon fest vorhatte.

In der Menge sich begrüßender und küssender Caley und Menschen versteckte Adiva sich ein wenig in seinen Tüchern und huschte zur Seite auf einen Nebensteg, um sich im Schatten eines Baumes auf einer Bank zu fangen.

Daniel war nicht auf das schwindelerregende Gefühl der Erleichterung vorbereitet, das ihn erfasste, als er Adiva endlich sah. Zwar konnte er das hübsche Gesicht nicht erkennen, denn der kleine Abd Jabir hatte sich verschleiert, aber die schönen Augen schienen dadurch regelrecht dunkel zu werden inmitten der weißen Tücher und der weißen Haut. Daniel hatte sich alle möglichen Arten ausgemalt, wie er ihn ansprechen würde, von forsch direkt bis hin zu vollkommen sprachlos, und da er im Moment zur letzterer tendierte, wartete er erst einmal ab, um sich wieder etwas zu fangen, und beobachtete ihn nur mit einem glücklichen Lächeln.

Langsamer folgte er ihm, als er sich aus der Menge zurückzog, amüsiert über sein heftig klopfendes Herz und gleichzeitig auch nervös wegen all der Reaktionen, die Adiva zeigen konnte und die er sich ebenfalls in langen Nächten voll Hoffnung oder reinem Horror ausgemalt hatte. Die Wahrheit würde hoffentlich irgendwo dazwischen liegen.

Endlich ließ auch Daniel die letzten Caley hinter sich und trat entschlossen zu der Bank hin, auf der sein Abd Jabir saß, ein so schönes Bild, dass er sich unwillkürlich Cedric mit seiner Kamera herwünschte, um es für die Ewigkeit einfangen zu können. Adiva hatte den Blick abgewandt, zu dem Berg hin, dessen Spitze im hellen Sonnenschein glitzerte, und an dessen Hänge sich Häuser und Plantagen schmiegten, und bemerkte ihn so erst einmal gar nicht.

"Hallo, Adiva. Ich habe auf dich gewartet", sagte er leise, um die Aufmerksamkeit des kleinen Arztes auf sich zu lenken.

Adivas Kopf fuhr herum, als der Mann ihn ansprach, den er so sehr zu vergessen versuchte. Es war ihm natürlich nicht gelungen. Eine Hand an seinen Hals gelegt, starrte er Daniel an und schaffte es, nichts weiter als "Oh" zu sagen.

Daniel fasste es als positives Zeichen auf, dass Adiva nicht aufsprang und davon lief. Andererseits war er aber auch ein wohlerzogenes Männchen und fand eine solche Reaktion vielleicht nicht angemessen. Daniel verneigte sich leicht, auch wenn ihm vielmehr danach war, den anderen Mann in seine Arme zu ziehen, und reichte ihm dann die Rose. "Die ist für dich, ich hoffe, sie gefällt dir. Darf ich mich zu dir setzen?"

Unsicher sah Adiva sich um. Die Caley, die ihn aufnehmen wollten, kamen über den Steg zu ihnen. "Ich... wollen wir vielleicht bei meinen Gastgebern reden?", fragte er vorsichtig und blickte auf die Tuchtasche zu seinen Füßen.

"Wie es dir lieber ist." Daniel nahm die kleine Tasche auf, um dann doch noch eine von Umarmung und Küssen reiche Begrüßung von Adivas Gastgebern über sich ergehen zu lassen, selbst wenn er die beiden schon längst kannte. Da er ohne Caley-Gefährten war, kannte er mittlerweile jeden einzelnen Caley auf der Insel.

Die Häuser hier waren nicht in Stufen errichtet, sondern langgestreckt auf den schmalen Terrassen, die der Stein gelassen hatte. In der Mitte befand sich die Küche mit dem Esstisch, wo man sich eigentlich immer traf, zur linken und rechten verteilten sich die Schlafzimmer und Bäder. Adiva entschuldigte sich bei seinen Gastgebern und bei Daniel, der nur zwei Häuser weiter untergebracht war, um sich ein wenig frisch zu machen. Nervös entfernte er die Schleier und untersuchte, ob seine Augen noch passend geschmückt waren. Daniel war ihm nicht nur gefolgt, sondern hatte ihn auch noch abgepasst. Er hatte sich gemerkt, dass Adiva hier auf diese Insel auf jeden Fall fahren wollte. Es musste etwas wichtiges sein, das Daniel ihm sagen wollte.

Als er auf die kleine, von Blumenkübeln und Mäuerchen eingefasste Terrasse trat, saß Daniel dort schon mit einem Glas Kräuterlimonade. Er trug die Kleidung der Meta in fröhlichen Farben, die seinen leuchtenden Augen Konkurrenz zu machen versuchten. Adiva verbeugte sich einmal und ließ sich dann ihm gegenüber nieder. Seine Gastgeber riefen ihm zu, dass sie zunächst noch in der Gemeinschaftshalle die Verteilung der Tauschwaren hinter sich bringen mussten, und er versprach, dass er so lange einfach auf sie warten würde.

"Ich bin soweit", sagte er schließlich leise, den Blick auf seine Finger gerichtet.

Daniel hatte die Wartezeit genutzt, um zum Haus seiner Gastgeber zu eilen und dort den Brief von Adivas Ex-Frau und den Verlobungsschmuck zu holen. Dieser war in ein mit Mosaiken in Rot, Gold und Blau verziertes Kästchen verpackt, das er hier erstanden hatte, den Farben, die Adiva ihm als seine gesagt hatte. Er hoffte, es war passend, denn natürlich waren die Edelsteinchen des Verlobungsschmucks im Moment in den Farben von Adivas Geburtsgöttin.

Doch zuerst musste Daniel einfach über die Dinge sprechen, die ihn so sehr sorgten. "Du weißt, dass ich es bin, der dir diesen Aufenthalt hier so schnell ermöglicht hat, nicht?", fragte er ein wenig unsicher. Adivas verletzte Miene war Antwort genug. "Hast du... War es dir eine willkommene Ausrede, um vor mir wegzulaufen?"

"Ausrede?" Mit zitternder Unterlippe hob Adiva den Kopf, um den Blick gleich wieder zu senken, als er bemerkte, dass Daniel sein Gesicht genau studiert hatte. Dann schüttelte er den Kopf und hauchte "Nein, ich wollte nur nicht..." Er brach ab.

"Welch ein Glück..." Erleichtert merkte Daniel, wie die Anspannung aus seinem Körper wich und ein Prickeln in ihm hervorrief, während ihm gleichzeitig bewusst wurde, was für einen Kummer die Erkenntnis in Adiva ausgelöst haben musste. Rasch entschied er, dass sie den Rest würden später klären können, wenn Adiva wusste, wie ernst es ihm war. Hoffentlich konnte er dann verstehen, warum er so und nicht anders gehandelt hatte. Er holte den Brief und das Kästchen aus dem Beutel und schob beides über den Tisch zu Adiva hin. "Das... ist für dich", sagte er leise. "Bitte, magst du es ansehen?"

Unsicher streifte Adiva das Kästchen mit einem Blick, dann starrte er auf den Brief. "Das ist das Siegel der Rimon!" Angst begann ihn zu erfüllen. Hatte seine Frau etwas mit Daniels Einsatz für ihn zu tun gehabt? Mit zitternden Fingern öffnete er den Umschlag und entnahm die Karte. Doch statt eines Briefes, der ihn zu seiner Frau zurückschicken konnte, fand er die formelle Antwort auf eine der auf Jabir üblichen Entschuldigungen wieder. Seine Frau schrieb, dass sie es nicht verstehen könne, aber nicht übel nahm, wenn ein anderes Weibchen sich des von ihr verstoßenen Männchens annehmen würde.

Verwirrt sah Adiva kurz in Daniels Augen, dann öffnete er, nun doch neugieriger geworden, die Schachtel in Ashiqas Farben. Darin lag, in weiches Tuch eingebettet, ein sehr unkonventioneller und prächtiger Verlobungsschmuck. Die drei Ketten waren wie aus filigranen Zweiglein geflochten. Jeder Ring stellte zarte Blumenranken dar, die jedoch unterschiedlich waren. Die Schmucksteine darin konnte man heraus nehmen und austauschen, aber sie waren rosa und hellgrün und allein deswegen würde Adiva sie sicherlich nicht auswechseln. Neugierig suchte er nach einem Besitzzeichen, aber konnte keines finden. Verwirrt hob erneut den Blick, um Daniel anzusehen.

Immerhin war die Angst aus Adivas Augen verschwunden, und er sah auch nicht mehr so aus, als wollte er jeden Moment zu weinen anfangen. Daniel erwiderte den Blick hoffnungsvoll. "Willst du dich mir anvertrauen, Adiva? Willst du mich heiraten?"

Adiva blinzelte, dann lachte er leise auf. Glück sprudelte in ihm auf, als er die Ernsthaftigkeit in Daniels Augen sah. "Aber... geht das nicht ein wenig schnell, Daniel? Ich kenne dich doch kaum und bin gerade erst aus einer Ehe heraus." Er lehnte sich vor und flüsterte "Du musst mich nicht heiraten, nur die Verlobung verlangen. Und mich fragen brauchst du nicht. Du musst sagen 'Adiva, ich wünsche unsere Verlobung. Können wir die noch heute beginnen?" Er lehnte sich zurück und fragte "Von wem hast du all das über unsere Traditionen erfahren?" Über sein Erstaunen und die Freude vergaß er ganz und gar, dass er sich eigentlich schämen wollte, weil Daniel eben nicht von ihm all das Wissen hatte.

Daniel lachte auf und beugte sich vor, um endlich eine von Adivas Händen zu erobern. Er drückte einen keuschen Kuss auf die Fingerrücken, aber ließ sie dann nicht gehen. "Von Arkay natürlich, wem denn sonst? Er ist ein wandelnder Quell des Wissens, und ich bewundere ihn aufrichtig." Dann zwinkerte er ihm ausgelassen zu und sagte forsch "Adiva, ich wünsche unsere Verlobung. Wir werden sie noch heute beginnen. Keine Widerrede."

Adiva erhob sich und trat vor Daniel hin. "Wenn es dein Wunsch ist und meine Familie keinen Einspruch erhebt, will ich mich heute Abend bei dir vorstellen und dir sagen, ob auch ich keinen Einspruch finden kann", antwortete er ernsthaft, dann verbeugte er sich tief und sagte leise "Ich bin so glücklich", bevor er davon lief, das Kästchen mit dem Schmuck und den Brief fest an seine Brust gedrückt.

Überrascht richtete sich Daniel auf, verzichtete dann aber mit einem zufriedenen Seufzer darauf, ihm zu folgen. Adiva würde sich an diesem Abend mit ihm treffen, und so lange wollte er sich noch gedulden. Immerhin wartete er nun schon seit Tagen auf diesen Augenblick. "Ich bin auch glücklich." Er lächelte und stand auf, um zu seinen eigenen Gastgebern zurückzugehen.

Er wurde gleich von einem Schwarm an neuen Gästen begrüßt, umarmt und gedrückt und direkt mit in die Feier zu ihrem Willkommen gezogen, und lachend ließ er es sich gefallen. So ausgelassen wie jetzt hatte er sich nur selten gefühlt, und diese Freude zu teilen, machte sie noch einmal so schön.

Adiva war unendlich aufgeregt, als er den Verlobungsschmuck betrachtete. Es war schon verwunderlich gewesen, dass ihn der Schmied auf der großen Insel gebeten hatte, ihm einmal seine Schwanzmaße für Ringe zu nennen, aber zu dem Zeitpunkt hatte Adiva nicht so recht darüber nachdenken wollen. Er badete und striegelte sein Kopffell sehr sorgfältig, dann zog er sich traditionelle Abd Jabir Kleidung mit schmaler Hose und einer langen fließenden Tunika an, die weite Schlitze hatte. Er legte den Verlobungsschmuck an, der ihm perfekt passte und ihn sich sofort sicher und behütet fühlen ließ. Endlich umrahmte er seine Augen mit passenden Schmucksteinchen und einem Hauch grünsilberner Farbe.

Die Sonnen senkten sich langsam am Horizont hinter der nächsten der Sieben Perlen und verbreiteten eine traumhafte Atmosphäre. Frischer Wind kam auf und bauschte Adivas Tunika, als er mit vorsichtigen Schritten den Platz überquerte, um zu Daniel zu gehen. Er hoffte, dass er hübsch genug war für den schönen Mann, und dass dieser die Verlobung nicht nur wollte, um ihn an sich binden zu können. Die Caley aus dem Dorf hatten sich alle weitgehend am Hafen an einigen Tischen versammelt, Fisch wurde gegrillt und Krüge mit Wasser und Limonade wurden herum gereicht. Adivas Gastgeber fragten für ihn nach Daniel und brachten in Erfahrung, dass er noch im Haus seiner Gastgebern war.

Rasch lief Adiva daraufhin zum Haus der Caley und rief schon vom Eingang aus nach Daniel, hoffend, dass der Mann auch wirklich noch da war und der Nachmittag mit dem Antrag kein Traum. Natürlich war es kein Traum, die Ringe konnte Adiva deutlich spüren, aber ein wenig furchtsam war er dennoch.

Nachdem sich das Fest nach draußen und unten an den Hafen verlagert hatte, wo alle Familien zusammen trafen, hatte Daniel lange überlegt, was für den Abend passend sein würde. Bestimmt würden sie nicht allzu viel Zeit allein verbringen, nicht dass es unschicklich wurde. Deswegen entschied er sich schließlich für die Kleidung der Caley und wählte mit einem kräftigen Dunkelblau eine der Farben, die ihm am besten standen. Die dezenten Goldstickereien an den Säumen der Weste entsprachen seinem persönlichen Geschmack und wurden als Prägemuster auf den Ledersandalen wieder aufgegriffen.

Während er auf seinen komplizierten Liebling wartete, schmökerte er in einem Buch, das Arkay ihm über die Abd Jabir ausgeliehen hatte und trank die für diese Insel typische Kräuterlimonade. Als er Adivas aufgeregte Stimme nach ihm rufen hörte, legte er das Lesegerät eilig beiseite und lief nach vorne in den Eingangsbereich. Es erfüllte ihn mit freudigem Stolz, als er sah, dass der kleine Abd Jabir seine Ringe bereits angelegt hatte. Statt sich förmlich vor ihm zu verneigen, beschloss Daniel, dass es an der Zeit war, nicht nur Sitten der Abd Jabir zu beachten. Er umarmte ihn rasch und küsste ihn zur Begrüßung auf einen Mundwinkel. "Schön, dass du endlich bei mir bist!"

"Hey! Du hast doch noch gar nicht wirklich erfahren, dass ich nichts dagegen habe!", protestierte Adiva gutgelaunt und stellte sich rasch auf die Zehenspitzen, um Daniel auch auf den Mund zu küssen. "Ich habe keine Einwänden finden können, weder in der Tradition noch im Herzen. Ich freue mich, dass ich ab heute dir zugedacht bin und will die Trennungszeit beginnen." Freudig blickte Adiva Daniel an. "Fünf mal fünf Tage, an denen wir uns täglich sehen. Nach Ablauf dieser Zeit darf ich die Verlobungsringe wirklich tragen. Ich lege sie wieder ab, wenn du es angemessener finden solltest."

"Oh nein, auf gar keinen Fall." Daniel lachte ausgelassen. "Jeder soll sehen, dass du zu mir gehörst, mein schöner Verlobter. Und ich will auch nicht, dass du es wieder vergisst oder dir unsicher bist." Er zwinkerte ihm zu und löste sich dann wieder von ihm, um ihm den Arm anzubieten und ihn an den Kai zu führen, damit sie sich zu den Feiernden gesellen konnten. Zu feiern hatten sie wahrhaftig etwas.

Cedric hatte sich ein wenig schuldbewusst gefragt, ob er nicht hätte Daniel begleiten sollen. Immerhin war dieser die ganze Zeit für ihn da gewesen. Doch einerseits war die Situation eine andere – Daniel wollte bei Adiva sein und sträubte sich nicht dagegen – und andererseits konnte er Devi nicht allein lassen. Devi zu einer Reise ins Ungewisse zu überreden, war genauso wenig in Frage gekommen. Sein Schatz trug die Puppe in sich, und sie wussten ja nicht, wie lange man Adiva würde suchen müssen.

Dennoch ließen sich die leichten Schuldgefühle nicht einfach beiseite schieben, selbst wenn er ansonsten fast hemmungslos glücklich war. Natürlich gab es immer wieder kleinere Reibereien, und Devi schien mit einem Mal trotz anders lautender Ankündigungen im Palast kein größeres Interesse an Sex zu haben, aber alles in allem hatte Cedric die schönste Zeit seines Lebens.

An dem Tag, an dem er sich dazu entschieden hatte, Devi einfach wild entschlossen zu verführen, weil er keine Lust mehr auf Enthaltsamkeit hatte, traf die Fähre mit der Post ein. Sie lenkte ihn von seinem Plan ab, denn mit ihr kam ein Brief von Daniel und Adiva an. Das erste, was Cedric auffiel, war, dass der Absender beide Namen trug. Ohne ihn auch nur geöffnet zu haben, wusste Cedric, was das bedeuteten musste, und damit verschwanden die letzten der schlechten Gefühle.

Gut gelaunt und da er seinen Schatz schon zu vermissen begann, obwohl sie sich kaum eine halbe Stunde getrennt hatten, sprang er die Stufen empor, die vom Hafen zu ihrem Haus führten. Er legte den Stapel an Post für Arkay in dessen Arbeitszimmer und machte sich dann auf die Suche nach Devi, den er ziemlich schnell im Garten fand, wo er sich an die mühevolle Arbeit gemacht hatte, die neuen Tomatensetzlinge vorsichtig zu wässern. Rücksichtslos unterbrach Cedric ihn, um ihn zu umarmen und zu küssen und das Vermissen wieder auszulöschen.

Devi lachte und umarmte seinen Liebling. "Na? Hast du uns Post mitgebracht?" Vorsorglich wischte er sich die erdigen Hände ab, dann streichelte er Cedric durch das gebräunte Gesicht, aus dem ihm die Augen fröhlich entgegen leuchteten.

"Daniel und Adiva haben uns geschrieben. Zusammen", antwortete Cedric regelrecht triumphierend, auch wenn weder er noch Devi dafür verantwortlich waren, dass es dazu gekommen war, und genoss die Liebkosungen, mit denen sein Schatz ihn so freigiebig bedachte. "Und so langsam, wie die Post hier arbeitet, haben sie bestimmt schon die Hälfte der Verlobungszeit hinter sich gebracht."

Devi lachte und stand vom Beet auf, um noch eine Kanne mit Wasser für die Setzlinge zu schöpfen. "Dann hoffe ich, dass sie ihre Verbindung bei uns feiern wollen, sonst haben wir zwei ja gar nichts davon, hm?" Er seufzte und streckte den Rücken. "Leider kann ich keinen Wein mehr trinken." Seine Miene hellte sich auf. "Vielleicht brauchen sie ja auch noch ein paar Monate, bevor sie wieder kommen, dann haben wir die Puppe bei uns und ich kann feiern."

Cedric war von der Aussicht auf ein Kind noch immer nicht wirklich begeistert, aber da es sich beim besten Willen nicht verhindern ließ, hatte er sich mit dem Gedanken arrangiert. Lächelnd umarmte er Devi erneut von hinten und küsste ihn auf die Schulter. "Ich habe noch nicht geschaut, was sie geschrieben haben, aber der Brief kommt von den Sieben Perlen, und von dort werden sie mit Sicherheit nicht gleich wieder hierher zurückkehren. So wie ich Daniel kenne, werden wir noch ein wenig Zeit haben."


© by Jainoh & Pandorah