Unverhofft lebenslänglich

II - 6.

Adiva eilte mit hüpfenden Sätzen über den runden Platz, um sich im Dorfgemeinschaftshaus im Schatten mit seinem Schreibbrett niederzulassen und auf Daniel zu warten. Es war die letzte der Sieben Perlen. Daniel und er hatten sie alle bereist, um die dort lebenden Menschen zu befragen. Die Trennungszeit kam Adiva nicht zu lang vor. Er hatte Daniel sehr lieb, und er küsste ihn sehr gern, aber es war ihm eigentlich noch immer sehr recht, wenn sie nicht mehr machten und sich am Abend zu unterschiedlichen Gastgebern verabschiedeten.

Peinlich genau achtete Adiva darauf, dass sie sich nur an Orten trafen, die öffentlich oder wo sie zumindest nicht allein waren. Daniel respektierte seine Wünsche, und Adiva schämte sich, weil er vergessen hatte, Daniel von seiner Kultur zu erzählen, bevor er nach ihrem ersten Kuss weggelaufen war.

Die letzte der Sieben Perlen war eine kleine, eher flache Insel, auf der vornehmlich Salz gewonnen wurde. Gemeinsam mit den Gewürzen von den anderen Inseln wurde das Salz sehr oft mit tiefliegenden Lastenbooten zur größten Insel der Gegend gebracht. Mit einem solchen Lastenboot wollten Adiva und Daniel auch am nächsten Morgen zurückfahren, um ihre offizielle Verlobung mit Cedric, Devi, Jann, Vinn und ihren anderen Freunden zu feiern. Die Fahrt würde zwar über einen Tag dauern, aber Adiva rechnete sich aus, dass er währenddessen seine letzten Berichte fertig stellen konnte, um sie dann von der großen Insel gleich an Interplanet weiter zu schicken.

Daniel konnte man deutlich ansehen, dass er in den letzten Tagen sehr viel mit den Caley im Freien gewesen war. Der Planetenforscher hatte sich zudem auch leidenschaftlich interessiert mit den Menschen auf Caley unterhalten, um ihre Geschichten ebenfalls aufzuschreiben. Er plante ein Buch mit Arkay gemeinsam zu veröffentlichen, um den Menschen in seiner Heimat diesen Planeten und die sehr eigenartige Kultur näher zu bringen. Lachend erfuhr Adiva, dass Cedric trotz seines persönlichen Glücks darauf bestand, dass dieses Buch mit einer Warnung vor den Caleypuppen und den Auswirkungen einer Berührung beginnen sollte. Adiva selber wollte einen Absatz einfügen, in dem er seine momentanen Erkenntnisse um die immunen Blutgruppenträger und Rassen einbringen wollte.

Das Projekt machte Adiva sehr viel Freude, und er konnte sich nun ohne weiteres vorstellen, dass er noch einige Jahre auf Caley verbringen wollte. Zunächst wollte er jedoch Daniels Eltern kennen lernen, worum er ihn auf der Überfahrt bitten wollte. Darüber hatten sie nie geredet, aber Adiva interessierte sich für das Oberhaupt der Familie, Daniels Mutter, und wollte sich bei ihr vorstellen.

Daniel beobachtete seinen Verlobten, der am Gemeindehaus im Schatten des überhängenden Daches saß und eifrig auf seinem Schreibbrett Notizen machte. In dem roséfarbenen Hemdchen und der gleichfarbigen Shorts mit den hellgrünen Stickbordüren, den schlanken Katzenschwanz zierlich um sich gelegt, sah er nicht aus wie ein Arzt, sondern wie ein gestaltgewordener Traum, und Daniel fragte sich, warum er sich noch immer nicht an diesen Anblick gewöhnt hatte. Nach wie vor schlug sein Herz schnell, und die Woge der Zärtlichkeit, die ihn erfüllte, wurde eher größer, als dass sie verebbte.

Von Tag zu Tag wuchs sein Sehnen nach mehr Nähe zu diesem Mann an, wenngleich er die Zeit mit ihm genoss. Adiva entzog sich ihm wie ein scheuer, schöner Schmetterling, und auch wenn er ihm immer wieder sein bezauberndes Lächeln, weiche Küsse und tiefe Blicke aus seinen seelenvollen Augen schenkte, wusste Daniel manchmal nicht wirklich, was Adiva für ihn empfand. War es angenehm für ihn, umworben zu werden? War es vielleicht nur nett, durch den Schmuck eine gewisse Sicherheit zu bekommen? Energisch verbot er sich solche Gedanken, so etwas würde Adiva niemals tun. Und er hatte die Verlobung gewollt. Daniel ertappte sich bereits jetzt dabei, noch bevor sie offiziell war, dass er schon an Heirat dachte. Er liebte den empfindlichen Abd Jabir, wollte ihn vor allem schützen und ihn an sich binden.

Seinen Eltern hatte er bereits von seinem Verlobten und den Plänen erzählt, und mit sehr viel Verspätung war auch eine Antwort eingetroffen. Sie wollten ihn kennen lernen, und seine Mutter drohte scherzhaft, dass sie kein Wort mehr mit ihm sprechen würde, sollte er die Hochzeit genauso schnell und heimlich ausrichten wollen. Sie wollte ein großes Fest, einen regelrechten Ball. Daniel verzog ein wenig zweifelnd das Gesicht und fragte sich, wie er das seinem Schatz beibringen sollte. Aber auch dieser Gedanke wurde erst einmal auf nach die offizielle Verlobung verwiesen. Sie hatten Zeit.

Er trat in den Schatten des Gemeindehauses, wo ihn angenehme Kühle empfing, und ging zu Adiva. "Da bin ich, Liebling. Hast du lang warten müssen?"

Adiva hob das Kinn, um einen Kuss erhaschen zu können. "Ach, die Zeit vergeht hier anders. Eben gerade habe ich mich erst hierher gesetzt, dachte ich zumindest."

Daniel hockte sich neben ihn und küsste ihn, ehe er einen neugierigen Blick auf die Schreibtafel warf. Mit einem leisen Lachen stellte er fest "Ah, die Berichte, die ich bald wieder zugeschickt bekomme. Aber vielleicht haben sie ja auch eingesehen, dass es sich nicht lohnt, mir etwas zu schicken, das ich bereits Korrektur gelesen habe." Er war dankbar, dass Adiva es ihm nicht übel genommen hatte und nun sogar glücklich darüber war, dass er so und nicht anders gehandelt hatte. "Cedric hat mir neue Photos geschickt, zum Teil für das Buch und zum Teil einfach so, Familienleben. Magst du sie sehen?" Er grinste. "Eines hat er so hinbekommen, dass Devi beinahe ein wenig schwanger aussieht. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat."

"Eigentlich sieht man es den Caley nur an der Zeichnung an, wenn sie eine Puppe austragen", meinte Adiva mit einem Lächeln und besah sich die Bilder, die Daniel auf sein Schreibbrett aufgeladen hatte. Es zeigte vornehmlich das Leben im Haus von Jann und Arkay, das zur Zeit auch noch das Haus von Devi und Cedric war. Er lächelte, als er sah, dass alles so statt fand, wie er es für Cedric und Devi gehofft hatte.

"Unser Boot läuft morgen sehr früh aus. Der Händler hat mir vorhin Bescheid gegeben, dass er die Nacht noch abwarten will, aber bereits im Morgengrauen ablegen, sobald die tanzenden Fische sich beruhigt haben und seinen Kahn nicht zum Kentern bringen können. Wollen wir die Nacht vielleicht auf dem Boot schlafen? Sie haben dort ein Zelt aufgebaut für uns, damit wir nicht in der Sonne sitzen müssen auf der Fahrt."

Daniel bekam schon von dem Gedanken ein mulmiges Gefühl im Magen und schüttelte mit einer Grimasse den Kopf. "So sehr mir der Gedanke gefällt, mit dir in einem kleinen Zelt zu schlafen, romantisch unter den Sternen, das weite Meer vor uns... nein, ich stehe lieber auf, noch bevor die Sonnen den Himmel einfärben. Sonst ist mir übel, bevor die Fahrt auch nur begonnen hat." Ihm war ohnehin nicht so wohl bei dem Gedanken an den recht kleinen Kahn, der in den Wellen unruhiger tanzen würde als die behäbigen Fähren, und er betete, dass nicht wieder ein Sturm aufkam. "Es sei denn, du verlangst das als Opfer deines Verlobten", neckte er. "Ist es wieder eine Sitte der Abd Jabir, die ich nicht kenne?"

Adiva lachte auf. "Nein. Das würde ich niemals verlangen! Dann machen wir es doch so, dass ich auf dem Boot schlafe und dich hole, wenn sie auslaufen wollen." Er drückte Daniels Hand einmal kurz, dann senkte er seinen Kopf wieder über sein Schreibbrett und tippte weiter an dem letzten Text.

Daniel lehnte sich an einen der von violettblühenden Pflanzen umwucherten Säule, die das Dach stützten, und sah mit einem Lächeln seinen Geliebten an. Immerhin hatte Adiva vorgeschlagen, dass sie zusammen in einem Raum schlafen sollten, obwohl es niemanden gegeben hätte, der bei ihnen war. Vielleicht wollte er doch ein bisschen mehr Nähe, aber vor allem hieß es, dass er ihm vertraute, und das fühlte sich gut an.

 

Als sie am nächsten Morgen mit der Dämmerung ablegten, war Daniel froh, dass er nicht bereits die Nacht auf dem Boot verbracht hatte. Während sich Adiva mit dem Gefährten des Händlers unterhielt, kämpfte Daniel bereits nach einer halben Stunde mit seinem Frühstück, um es bei sich zu behalten. Er wollte vor Adiva nicht ein solch jämmerliches Bild abgeben. Sehnsüchtig wünschte er sich eines der schön beruhigten Boote aus dem Palast der Schätze her, auf denen er von seiner Seekrankheit gar nichts gespürt hatte. Aber ein Vergnügungsboot auf einem See ließ sich nicht mit einem Händlerkarren im offenen Meer vergleichen.

Als der Wind auffrischte und der Seegang heftiger wurde, verlor er seinen mühsamen Kampf. Es war nicht so schlimm wie in dem Sturm auf dem Weg zu den Sieben Perlen, doch Daniel hockte lieber am Bug, starrte in die Wellen und wartete sehnsüchtig auf das Ende der Fahrt. Adiva kümmerte sich rührend um ihn, bis Daniel ihn mit einem schiefen Grinsen zu den Berichten scheuchte, die sein kleine Arzt noch fertig stellen wollte. Helfen konnte er ihm ohnehin nicht.

Daniel war sehr erleichtert, als sie endlich die Hauptinsel erreichten, und freute sich auf eine Nacht in einem ruhigen Bett. Doch zu seinem Entsetzen fuhr die Fähre zu ihrem Ziel bereits in zwei Stunden, so dass ihnen gerade genug Zeit für das Umsteigen blieb. Die nächste zu nehmen kam nicht in Frage. Wann genau die fuhr, wusste ohnehin keiner, und Adiva und er hatten geplant, dass sie ein paar Tage vor Ende der Trennungszeit zurück sein wollten, um die Feier vorbereiten zu können. Es war ohnehin knapp, denn selbst mit diesem fast perfekten Anschluss hatten sie nur zwei Tage.

Adiva streichelte besorgt über Daniels Rücken. Auf der Fähre ging es ihm besser als auf dem Lastenkahn, aber noch immer war sein Gesicht von einem ungesunden Grünton bestimmt, und er konnte gar nichts essen, nicht einmal etwas trinken wollte er.

Deswegen war Adiva froh, dass Jann und Devi sie vom Hafen abholen kamen und ihr Gepäck nahmen. Adiva ließ sich von Cedric, Devi und einigen ihm noch unbekannten Caley beglückwünschen und schaffte es, eine Einladung zur Verlobungsfeier zwischen die aufgeregten Worte zu bekommen. Er brachte Daniel in Janns Haus gleich dazu, sich hinzulegen und braute ihmeinen beruhigenden Kräutertee.

Während sein Verlobter schlief, untersuchte Adiva Cedric noch einmal zum Abschluss und war sehr zufrieden. Der junge Fotoreporter sah blendend aus, die Zeichnungen auf seiner Brust leuchteten schon fast in weichem Kupferton und zeigten an, dass er und sein Gefährte eine Puppe haben würden. Devi selber ließ Cedric noch nicht für lange Zeit los, so dass Adiva leise vermutete "Ihr habt euch bis jetzt nicht richtig verbunden, nicht wahr? Du bist so abhängig von ihm."

Cedric verzog das Gesicht und beschimpfte in Gedanken mal wieder die Caley, ihre komische Biologie und ganz besonders sein eigenes Unvermögen, sich Devi nicht einfach anvertrauen zu können. "Du hast entschieden zu viel über die Caley gelernt, mein Lieber", sagte er dann aber mit einem Grinsen. "Und dich ihnen zu sehr angepasst. Nicht nur, dass du über alles Bescheid weißt, nein, du wirst auch langsam genauso direkt." Dann fügte er mit einem liebevollen Blick zu seinem Gefährten, der sich mit seinem Vater um einen Beutel mit Saatgut balgte, hinzu "Es ist nicht seine Schuld, zur Abwechslung mal."

Adiva hob die Schultern und verteidigte sich mit einem schwachen "Es ist keine Neugierde, nur eine Nachfrage als dein Arzt. Na, ich will noch einige Besuche machen und Einladungen verteilen. Vielleicht kannst du ja in der Zwischenzeit einmal nach Daniel sehen."

Wieder war Cedric froh, dass er mit Devi zusammen gekommen war und sich nicht mit einem empfindlichen Abd Jabir herumplagen musste. "Es war nicht böse gemeint, Adiva. Aber ich werde gerne nach Daniel schauen, nachdem er sich so hingebungsvoll um mich gekümmert hat." Zwar würde es nicht viel geben, was er tun konnte. Cedric kannte es zu genüge. Daniel würde sich ausschlafen, dann runterkommen und seinen beruhigten Magen mit allerlei Leckereien verwöhnen, besonders da er wohl seit fast zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Aber es schadete auch nicht.
Als Adiva das Haus verlassen hatte, suchte er das Gästezimmer auf und warf einen Blick auf seinen schlafenden Freund, ehe er nach unten zurückkehrte, wo Devi den Kampf um den Saatbeutel verloren hatte. "Wir müssen langsam etwas dagegen unternehmen, dass ich nicht weit von dir weg kann", sagte er unzufrieden und konnte sich nicht davon abhalten, Devi zu umarmen.

"Gern, wann immer du es versuchen magst", erwiderte Devi und sah seinem Vater hinterher, der sich zufrieden mit dem Ergebnis im Nahkampf in den Garten begab. "Adiva wird übermorgen das Ende der Trennungszeit, was auch immer das sein mag, mit Daniel feiern. Ich wollte ein paar Speisen vorbereiten. Obst in Weinbrand einlegen und einen Schinken tauschen, hilfst du mir?"

Cedric lachte, war sich jedoch viel zu sehr bewusst, dass es an ihm lag, dass sie nicht weiter waren, und schob seine Hand in Devis, während er ihm in die Küche folgte. "Trennungszeit ist das, was ich dir auferlegt hatte. Du darfst schmachten, wünschen, wollen, du musst das Objekt deiner Begierde täglich sehen, aber du darfst nichts tun. Fünfundzwanzig Tage lang." Als Devi irritiert befand, dass es eine dumme Sitte war, konnte Cedric ihm nur zustimmen.

Später am Tag kam Daniel zu ihnen. Er sah deutlich besser aus und tat genau das, was Cedric vorher gesehen hatte. Ausgehungert stürzte er sich auf die Reste eines Gemüseeintopfs und die frisch gemachte Orangenlimonade, ehe er wieder ansprechbar war. Wobei Cedric zugeben musste, dass bei Daniel selbst das irgendwie elegant und kultiviert wirkte. Er selbst war in solchen Fällen nur hungrig, und gewiss nicht gutaussehend. Dann widmete Daniel sich tatkräftig den Vorbereitungen der Verlobungsfeier, während er Cedric und Devi von der Reise über die Sieben Perlen berichtete und ihnen vorschlug, selber einmal dort hinzureisen.

"Ich komme noch früh genug dahin", gab sich Cedric missmutig, doch der Blick, den er auf Devis flachen Bauch warf, war so voll Wärme, dass Daniel nur grinsen konnte.

 

Es war noch nicht spät, aber Adiva war erschöpft, als er sich endlich von den vielen Caley befreit hatte, die ihn unbedingt noch einmal sprechen wollten, und zu Daniel, Cedric und Devi in das Haus zurückkehren konnte. Er winkte nur in die Küche, um gleich eine Dusche zu nehmen.

Da er den Abend nur auf einer der Dachterrassen verbringen wollte, zog er sich Kleidung aus seinem großen Koffer an, den er vor seiner dummen Flucht bei Jann hatte stehen lassen. Eine rein weiße schmale Hose und eine ebenso weiße, lange Tunika, die jedoch am Hals weit ausgeschnitten war, weil Adiva im Geheimen die Hoffnung hatte, dass Daniel vielleicht schon wieder munter genug war, um ihm die Schultern zu massieren. Die taten Adiva von der Nacht auf dem harten Schiffsdeck ziemlich weh. Mit ein wenig frischduftendem Öl kehrte er in die Küche zurück, von wo er das Gelächter von Cedric und Daniel gehört hatte.

Daniel war gerade dabei, Obst für den Nachtisch klein zu schneiden, was Jann ihm freundlich überlassen hatte, als Adiva in der Küchentür erschien. Ganz in Weiß gekleidet mit seiner weißen Haut und dem zierlichen Körper erschien er ihm fast unwirklich. Daniel lächelte ihm zu und unterbrach seine Arbeit, um aufzustehen, ihn mit einem sanften Kuss zu begrüßen und ihm dann einen Stuhl neben sich zurechtzurücken. "Ich habe mir sagen lassen, dass du sehr fleißig warst, mein Liebling, während ich einfach nur geschlafen habe. Werden denn alle kommen?"

Adiva lachte und nickte. "Sie wussten zum Teil schon, dass es eine Feier geben wird. Offensichtlich hat Jann die meisten eingeladen, nachdem unser Brief hier angekommen ist." Er ließ seinen Blick seufzend über die Essensvorbereitungen gleiten und gab Daniel dann einen zaghaften Kuss auf die Wange. "Ich werde mich mal hinten auf der Dachterrasse im Schatten ein wenig erholen. Mir ist gerade nicht mehr nach viel Gesellschaft." Er nahm sich ein Glas Limonade und eines der von Arkay für das Abendessen geschmierten Brote und huschte wieder fort.

Daniel beendete schnell das Zerkleinern der letzten zwei Äpfel, um Adiva dann begleitet von Cedrics Frotzeleien folgen zu können. Er klopfte an der Türöffnung an, ehe er auf die Terrasse trat. Adiva sah wirklich erschöpft aus. "Kann ich etwas für dich tun, Liebling? Deine müden Füße vielleicht massieren?" Adiva hatte wirklich süße, zarte Füße, und Daniel hatte sich in sie genauso verliebt wie in den ganzen Mann.

Mit einem dankbaren Blick hob Adiva die Flasche an. "Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass du mir so etwas anbietest. Könntest du mir die Schultern massieren, Daniel? Ich schenke dir auch eine Belohnung."

Daniel trat hinter ihn, stützte sich auf der Lehne ab und küsste Adivas weiße Schulter, von der das Oberteil heruntergerutscht war. "Ich tue es auch ganz ohne Belohnung, aber wenn du mir etwas schenken willst, machst du mich noch ein bisschen glücklicher, als ich ohnehin schon bin."

Sachte über die weiche Haut streichelnd befreite er auch Adivas zweite Schulter, dann ließ er sich die Flasche reichen und goss sich reichlich Öl über die Hände, ehe er ihn zu massieren begann. Es war ein Genuss, Adiva so berühren zu dürfen und bedeutete ihm viel mehr, als deutlich intimere Begegnungen mit anderen Männern. Eine Weile knetete und streichelte er nur stumm die verspannten Muskeln, liebte es zu fühlen, wie sich sein Schatz mehr und mehr entspannte unter seinen Griffen.

"Bist du schon aufgeregt?", fragte er schließlich leise. "Immerhin feiern wir unserer Verlobung bald offiziell."

Ein Schauer hatte Adiva erfasst. Die Berührungen von Daniel stellten Dinge mit ihm an, die er zuvor noch nie gespürt hatte. Die Massage allein entspannte nicht nur seine Schultern, sondern schuf eine fremde Wärme in Adivas Körper und ein Sehnen nach dem anderen Mann, das er so zuvor noch nicht erlebt hatte. Daniels leise Stimme jagte ihm ohne erkennbaren Grund eine Gänsehaut über und stellte seine feinen Haare ein wenig auf. Er senkte den Kopf noch ein wenig mehr, dann nickte er. "Ja. Ich bin schrecklich nervös, dass ich doch nicht bin, was du willst." Oder aber, dass mit Adiva zusammen zu sein, ihm Rechte auf Zuneigung zuzugestehen und das bis an das Ende ihrer Tage, nicht Daniels Sache sein mochte.

Daniel erschrak über dieses Bekenntnis. Er hatte damit gerechnet, dass Adiva einfach vor diesem Schritt ein wenig nervös sein mochte, davor, sich so eng zu binden, jedoch nicht mit Zweifel an ihrer Beziehung! Ob er zu zurückhaltend gewesen war? Aber er hatte Rücksicht nehmen und Adiva nicht bedrängen wollen, und eigentlich hatte er immer den Eindruck gehabt, dass es seinem Liebling gefiel. Er küsste Adiva auf das weiche, kurze Kopffell und schmuste kurz seine Wange dagegen, ehe er flüsterte "Du bist alles, was ich will, mein Schöner. Mit jedem Tag mehr."

Adiva drehte sich um und kniete sich auf den Stuhl, um Daniel fest zu umarmen. Leise flüsterte er dann an das Ohr seines Verlobten "Ich glaube, dass ich mich zu sehr in dich verliebt habe. Ich habe Angst, dass ich nicht gut genug bin für jemanden, der so begehrenswert ist wie du." Er schloss die Augen und schmiegte sein Gesicht gegen Daniels Hals. Wie immer roch der Mann nach edlem und genau zu ihm passenden Rasierwasser, und der Stoff des legeren Hemdes fühlte sich wie fein gebürstetes Fell an.

Erst versuchte Daniel noch, seine Hände von dem hellen Oberteil fernzuhalten, weil er keine Ölflecken darauf machen wollte, doch als Adiva sich an ihn drückte, legte er die Arme um den schlanken Körper und erwiderte die Umarmung. Ihn zu halten und endlich sicher zu wissen, dass Adiva seine Gefühle ebenso tief erwiderte, machte ihn glücklich.

"Denk so etwas nicht", murmelte er und lächelte. "Du bist wundervoll und der faszinierendste, liebenswerteste Mann, dem ich je begegnet bin. Wir gehören zusammen, und morgen verkünden wir es der ganzen Welt."


© by Jainoh & Pandorah