Unverhofft lebenslänglich

II - 12.

Adiva und die anderen Männchen waren in einen Salon geführt worden, der sich mit einem geräumigen angrenzenden Badezimmer ausgezeichnet zum Umkleiden eignete. Rasch entfernte Adiva die Schmucksteine für Ashiqa und wählte die Farben von Sahjid, passend zu den Kleidern, die er sich nun anlegte. Ein feines gewickeltes Hemd, das kurz unter der Brust endete und von schimmernden Kettchen gesäumt wurde, zu der leichten, geschlitzten Hose. Die anderen Männchen zogen sich ebenfalls um, legten ihre steifen Roben ab und freuten sich bereits darauf, ihren Weibchen zu gefallen. Insbesondere Hafilas Männchen waren um Aufmerksamkeit besorgt, da sie sehr viel Zeit außerhalb verbrachte und ihre Männchen nur wenig sah.

Als die Menschen und Abd Jabir Weibchen wiederkamen, warteten Adiva und die anderen Männchen bereits an den zu kleinen Cocktailtischchen auseinandergezogenen und umdekorierten Plätzen. Das Licht war nun gedämpfter und wesentlich intimer, die Orchester aus dem Garten kamen zu einem zusammen und bauten sich auf der kleinen Bühne auf. Ein Diskjockey, der später menschliche Musik machen sollte, begann bereits sein Programm in den Computer einzugeben. Adiva erhob sich schnell, um Daniel entgegen zu treten.

Lächelnd bemerkte er, wie Hafila voller Stolz sagte "Ich bin mir auch heute wieder sicher, dass meine Männchen die elegantesten und schönsten von ganz Jabir sind. Ich bin froh, euch alle um mich zu haben", bevor sie jedes einmal küsste, natürlich das erste, den Vater ihrer Tochter, als ersten.

Daniels Augen weiteten sich, dann breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, als er zu seinem Schatz trat. "Du siehst wundervoll aus, Liebling. Viel besser noch als in den Roben", flüsterte er und küsste Adiva auf den Mund. "Ich bin der entschiedenen Meinung, dass Hafila sich irrt, aber ich will ja nicht unhöflich sein und einem Weibchen deines Volkes widersprechen."

Adiva grinste verstohlen, während er sich von Daniel den Stuhl zurechtrücken ließ. Der Tanz war herrlich, und nach all den steifen Reden und Interviews genoss Adiva die ungezwungene Stimmung. Er genoss es vor allen Dingen, auch wieder mit anderen Abd Jabir reden zu können. Er sprach lange mit Hafila und der Frau seines Bruders über seine Arbeit auf Caley, und beide versprachen, sein geplantes Buch auch in der Heimat publik zu machen, auch wenn ihnen ein Volk aus kräftigen wilden Männchen sehr suspekt war.

Nach etlichen Kreistänzen waren die meisten Männchen müde und verabschiedeten sich in die Hotelzimmer, aber Adiva hielt durch bis zum Morgengrauen, bis die letzten Gäste sich verabschiedeten und Daniel bereits in leicht angetrunkene Diskussionen um Planetenentwicklung und Kleiderfragen verwickelt war.

Mit einem kleinen Stück hellrosafarbener Hochzeitstorte und einer Tasse Kaffee ließ Adiva sich in dem edlen und zu dieser Stunde stillen Wintergarten nieder und genoss sein neues Leben. Das Gefühl verheiratet zu sein, aber aus Liebe und aus freien Stücken, machte ihn glücklich.

Daniel genoss den Abend aus vollen Zügen. Nachdem die meisten der Gäste eingesehen hatten, dass sein Gatte und dessen Volk weder dumm und hübsch, noch ausschließlich gnadenlose Sklavenhändler waren, hatte er sich entspannen können. Cedrics Fehlen fiel zwar noch immer auf, aber er unterhielt sich gut mit Freunden und Bekannten und erfuhr von den Abd Jabir einiges über seinen süßen Schatz. Insbesondere die Gespräche mit den Männchen zeigten sich aufschlussreich, aber auch mit den beiden Weibchen ließ es sich gut reden, nun, da sie erkannt hatten, dass Menschenmänner der Erde nicht denen auf Jabir entsprachen. Er tanzte viel, am liebsten und häufigsten natürlich mit Adiva, so dass er seine Füße in den nicht ganz bequemen Schuhen schließlich sehr deutlich spürte.

Als er sah, dass sich sein Liebling zurückzog, entschuldigte er sich aus der kleinen Herrenrunde, was ihm nicht schwer fiel. Zigarren waren nicht gerade sein Spezialgebiet. Gemütlich schlenderte er auf den Wintergarten hinaus, sein Weinglas noch in der Hand. Er war angeschwippst, aber nicht ernsthaft betrunken, und der Alkohol hatte eine nette Leichtigkeit in seinen Kopf gebracht.

Mit einem fröhlichen Grinsen trat er von hinten an Adivas Stuhl und küsste seinen Mann etwas länger auf den Hals, ehe er um ihn herum ging und vor ihn hinhockte, sich auf seinen Knien leicht abstützend. "Und, bist du zufrieden mit deiner Hochzeit, mein Engel?"

Adiva nickte und hielt Daniel fragend den Kuchenteller hin. "Ich habe es sehr genossen, aber ich glaube, dass ich gleich zu Bett gehen werde. Immerhin müssen wir um drei am Nachmittag schon wieder bei deinen Eltern sein und die Geschenke durchgehen." Es waren sehr viele Geschenke, und die meisten waren in Adivas Augen sehr unbrauchbar.

"Danke." Daniel stibitzte ein Stück Torte, aber es schmeckte nicht mehr zu seinem Wein, also beließ er es bei der einen Gabel. "Wir müssen auch noch jede Menge Dankeskarten schreiben." Gedankenverloren streichelte er mit einer Hand über Adivas Oberschenkel. "Es sind Vordrucke, die wir hauptsächlich unterzeichnen müssen. Danach hast du dich schon fast an deinen neuen Namen gewöhnt. Aber danach... haben wir wieder Zeit für uns. Denn dann sind Flitterwochen angesagt. Hast du einen speziellen Wunsch, wo du hinmöchtest?" Er reckte ihm den Kopf entgegen und machte einen auffordernden Kussmund.

Darüber hatte Adiva noch gar nicht nachgedacht. Statt Daniel zu küssen, senkte er blinzelnd den Kopf. "Oh." Er aß noch ein wenig von dem süßen Kuchen und spülte die Süße mit dem bitteren Kaffee fort, dann meinte er bedächtig "Ich habe gelesen, dass ihr hier auf der Erde zu tropischen Inseln fahrt und euch verwöhnen lasst von Sonne und frischem Obst. Wäre da Caley nicht passend? Wäre es schlimm, wenn ich nicht vollkommen nur ausspanne, sondern bereits ein wenig an dem Buch arbeite?"

Daniel lachte auf. Das war so typisch sein Schatz! Zudem war er erfreut darüber, dass er nun an das Ende einer Hochzeitsreise Caley nicht mit einer Ausrede dranhängen musste, sondern dass sie direkt hinfahren würden. "Unter der Bedingung, dass du die erste Woche ganz mir gehörst und nicht von gleich welcher Arbeit auch immer abgelenkt wirst. Einverstanden?"

"Heißt das, du möchtest auch noch einmal nach Caley?" Neugierig erforschte Adiva das Gesicht seines Mannes und stellte ein verdächtiges Strahlen darin fest. "Aber eine Woche, die vergeht auf Caley so schnell, das verspreche ich dir natürlich gern." Er gähnte verhalten. "Wollen wir schnell in unsere Suite verschwinden? Ich habe gerade von dort vorn Stimmen gehört. Fast glaube ich, dass es deine schreckliche Trauzeugin ist."

"Chantal? So schlimm ist sie nicht." Daniel grinste und stand schwungvoll auf, um gleich seinen Gatten auf die Beine zu ziehen, froh darüber, dass er nicht weiter nachfragte. "Aber wenn sie angeschickert ist, wird sie anstrengend, also stimme ich dir als braver Ehemann natürlich zu." Er legte einen Arm um Adivas schlanke Taille und drückte ihn kurz an sich, ehe sie vor Chantal flüchteten.

 

Daniel war froh, dass sie nicht noch zu anderen Planeten oder einfach nur über die halbe Erde reisten, als er und Adiva die Raumfähre in Richtung Caley betraten. Zu gern wollte er seinem Schatz das Geschenk zeigen, das er bereits in die Wege geleitet hatte, noch ehe sie Caley verlassen hatten.

Alles weitere hatten Cedric und Devi erledigt, und Cedrics letzter Brief sagte aus, dass die Villa auf den Sieben Perlen fertig gestellt und zu einem Teil sogar schon eingerichtet war. Nicht nur das, die Gästezimmer waren bereits eingewohnt, denn mit der letzten Fähre waren derart viele Puppen samt ihren Eltern auf der kleinen Insel eingefallen, dass der Wohnraum knapp geworden war. Daniel grinste noch immer, wenn er an diesen Brief dachte, aber er erklärte Adiva nicht, was ihn so erheiterte, auch wenn er seinen fragenden Blick bemerkte.

Nach einem ereignislosen Flug, für dessen Ruhe Daniel sehr dankbar war, erreichten sie den Raumhafen auf Caley, und Daniel ließ Adiva gar nicht erst eine Wahl, indem er gleich die Überfahrt zu den Sieben Perlen buchte. Natürlich gab es keine direkte Verbindung zu der Insel der Sahjid, wie sie das Eiland nun für sich nannten, aber damit konnte Daniel leben. Natürlich hätte er auch das kleine Schiff zum Raumhafen ordern können, dass er auf den Planeten hatte bringen lassen, aber es lag in dem Moment am Kai neben der Villa, und Daniel wollte die Überraschung nicht zu früh auflösen. Denn wenn Adiva erst einmal das Schiff sah, konnte er sich denken, dass es kein kurzfristiger Aufenthalt war, den Daniel plante.

"Wir fangen bei den Sieben Perlen an mit unserer Hochzeitsreise. Ich dachte mir, dass du die Insel der Sahjid wiedersehen willst. Dann würde ich gerne zu den Kronenbergen, die wir das letzte Mal nicht besucht haben. Und im Anschluss hast du freie Auswahl, weil dann die Woche mit Sicherheit vorbei ist, die du mir versprochen hast. Das heißt, wir können danach auch Devi, Ced, Arkay und Jann besuchen", verkündete er, als er mit den Karten zu Adiva zurückkam, der auf einem der Koffer saß und direkt schon wieder Freundschaft mit einem Meta in Verwandlung und seinem Gefährten, der noch in der Puppenform war, geschlossen hatte.

Adiva nickte und erwiderte "Gern. Eine Woche lang gehöre ich ja dir." Auch wenn er sehr gern zuerst zu ihren Freunden gefahren wäre, wo die Geburt der Puppenlarve eigentlich nicht mehr fern sein konnte, fügte er sich natürlich den Wünschen seines Mannes.

Daniel sah, wie für einen ganz kurzen Moment Adivas Ohren herabsanken, sich gleich darauf jedoch wieder aufrichteten, und konnte sich denken, woran sein Schatz dachte. Aber er war zuversichtlich, dass sie rechtzeitig kommen würden. Mit dem Schiff waren sie nicht mehr auf die unregelmäßigen und langsamen Fähren angewiesen, und selbst wenn er so beharrlich auf der einen Woche bestanden hatte, so hatte das mehr dazu gedient, seinen Liebling direkt zu den Sieben Perlen zu lotsen, ohne dass sich Devi oder Jann verplapperten.

Zum Glück mussten sie weder auf die Fähre, noch auf den Anschluss lange warten. Natürlich setzte die Seekrankheit Daniel wieder zu, und so ignorierte er das Haus auf Sahjids Insel zuerst einmal, um sich auf dem Kai ein wenig zu erholen. Immerhin hatte es keinen Sturm gegeben, und die See war zu der Jahreszeit recht ruhig, so dass er nicht das Gefühl hatte, sterben zu müssen. Noch immer etwas unsicher auf den Beinen zog er jedoch schon wieder gut gelaunt Adivas Arm unter seinen und ging energisch mit ihm zum Hafen hin. Dort lief er aber nicht, wie sein Gatte es erwartet hatte, direkt geradeaus zum Haus ihrer ehemaligen Gastgeber, sondern bog nach links ab.

Sie ließen einige Häuser hinter sich und folgten dann einem schmalen, von zahllosen, farbenprächtigen Blumen gesäumten Weg erst ein Stück den Hang hinauf und gleich darauf wieder hinunter. Eine Bucht tat sich vor ihnen auf, deren hellrosa Sand wie Zuckerguss dahingeflossen schien. Ein Kai, an dessen Ende ein kleines Schiff leicht in der Dünung schaukelte, ragte in das violett schimmernde Meer, das aussah, wie direkt aus Cedrics Bildband genommen. Nur wenig vom Strand entfernt lag inmitten eines neu angelegten Gartens ein großes Haus.

Daniel hielt an, ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen. Cedric und Devi hatten sich wirklich ins Zeug gelegt, die Anlage übertraf seine Vorstellungen noch, die er ihnen vage unterbreitet hatte. "Gefällt es dir?"

Adivas Blick wandte sich von der herrlich romantischen Bucht zu dem langgestreckten Haus, aus dessen Küche bereits die wildlaute Musik der Caley zu ihnen drang. "Ja, es ist neu hier, nicht? Ich freue mich, dass sie noch einen so schönen Platz gefunden haben."

Daniels Lächeln vertiefte sich, und er drückte seinen Schatz an sich, der in der leichten Kleidung der Caley genauso niedlich aussah wie eine Puppe. "Das Haus ist mein Hochzeitsgeschenk an dich, Liebling. Ich habe es bauen lassen, weil ich dachte, du wolltest lieber hier als auf der Erde wohnen. Wie es klingt, haben wir bereits Gäste. Cedric hat geschrieben, wir hätten schon Besuch gehabt, noch ehe es richtig fertig gestellt war."

Adiva lachte mit vor den Mund gepresster Hand, dann umarmte er Daniel, wobei er die Reisetasche fallen ließ. Noch bevor er etwas sagen konnte, kamen die neuen Gäste aus dem Haus, um ihr Gepäck zu nehmen und sie fröhlich zu einem Abendessen zu bitten.

Die nächste Zeit wollte Adiva eigentlich ganz Daniel gehören. Es gelang ihm gerade einmal für zwei Tage, dann brach er schon mit einer Gruppe Caley auf einem Kahn mit Baumwollstoffen auf, um auf der Nachbarinsel mit dem Tischler zu verhandeln, damit er ihnen für das noch recht kahle Schlafzimmer Möbel nach Art der Abd Jabir herstellte. Da Daniel über die Abd Jabir einiges wusste, hatte er das Haus, so weit es möglich gewesen war, nach ihrem Vorbild bauen lassen.

Der langgestreckte Bau verfügte zwar anstelle des Empfangszimmers über die riesenhafte Wohnküche mit dem langen schweren Esstisch und der Stiege in den Keller, aber dafür konnte man über den Flur nicht nur in einen Trakt der Männchen gelangen, der hier zum Besucherflur umfunktioniert war, sondern auch zum Trakt der Weibchen und Clansoberhäupter. In ihrem Fall waren die Räume in zwei Arbeitszimmer und ein großes Schlafzimmer für Adiva und Daniel umfunktioniert.

In den nächsten Tagen sahen Adiva und Daniel sich zwar sehr regelmäßig, aber so recht in Ruhe beieinander sitzen und die Anwesenheit des anderen konnten sie nicht genießen. Zudem musste Daniel zwei Male zum nächsten Raumhafen, um von dort mit einem moderneren Comgerät als auf Caley vorhanden die Geschäfte zu regeln.

Deswegen freute Adiva sich sehr, als die Meldung von der Hauptinsel sie erreichte, dass Devis Puppenlarve zur Welt gekommen war und sie sich zur Namensfeier einfinden sollten, bevor der kleine Vielfraß sich einzuspinnen begann. Das waren natürlich Cedrics Worte, von etlichen Bildern mit einer wirklich hässlichen und immer irgendetwas mampfenden Kreatur zum Mittelpunkt.

Adiva zeigte Daniel die Bilder und meinte kritisch "Dieses Ding können wirklich nur die Eltern lieben. Ein Glück, dass es sich bald einspinnt und zu einer dieser wunderschönen Puppen weiter entwickelt." Er war ein wenig unglücklich, weil die Möbelherstellung verschoben worden war und sie noch immer kein anständiges rundes Bett hatten.

Daniel betrachtete die Bilder mit einer hochgezogenen Braue und grinste dann. "Man glaubt kaum, dass es die Fähigkeit hat, zu einer Puppe zu werden. Es ist wirklich abgrundtief hässlich. Und wo Devi Cedrics Augen sieht, ist mir schleierhaft. Ich glaube, an Ceddys Stelle wäre ich beleidigt. Ich bin wirklich froh, dass ich einen Abd Jabir gefunden habe und keinen Caley." Er dachte daran, dass er noch immer nicht angesprochen hatte, dass auch er Kinder wollte. Adoptiert ohne Zweifel, denn er traute den medizinischen Methoden nicht, mit denen zwei Männer zu Vätern werden konnten.

Die Beine lang unter dem Esstisch ausstreckend nahm er noch eine Portion des Fruchtsalates, den einer ihrer Gäste gemacht hatte. Sein Privatschiff lag wesentlich stabiler auf dem Wasser als die Caleyfähren, und so ging es seinem Magen hervorragend, auch wenn er gerade erst zu Hause angekommen war. "Aber es bietet sich an, zu ihnen zu fahren. Wenn wir zurück sind, haben die Schreiner das Bett vielleicht fertig, und du schaust nicht mehr so traurig."

Adiva nickte einmal, dann entschuldigte er sich für seine saure Miene und umarmte Daniel fest zur Begrüßung, weil er das mal wieder vergessen hatte. Aus der festen Umarmung wurde ein Kussaustausch, der sogar einem Caleypärchen zur Ehre gereicht hätte, daraus wurde Adivas Vorschlag, das falsche Bett doch noch einmal auszuprobieren. "Vielleicht, Daniel, muss man es einfach nur zu zweit versuchen, und dann ist es gar nicht so schlimm."

Sie schafften es, sich in aller Ruhe zu lieben, ohne Unterbrechungen durch irgendwelche Gäste oder neugierige Puppen. Als sie hinterher frisch geduscht auf die Terrasse kamen, auf der gerade ein kleines intimes Grillfest von zwei Caleyfamilien begann, hatte Adiva sich erneut wieder so verliebt wie am ersten Tag an Daniel geschmiegt und fühlte sich glücklich wie nie. Kein fehlendes Möbel konnte das Gefühl wirklich auslöschen.

 

Daniel bestand darauf, dass sie ihr Schiff zu der Insel nahmen, auf der ihre Freunde wohnten, anstatt sich einer Fähre anzuvertrauen. Nach einem gemütlichen, gemeinsamen Essen nahmen sie Kurs auf Arkays Heim. Am Mittag des zweiten Tages legte das Schiff am Kai an, und Daniel war wieder einmal froh, festen Boden unter den Füßen zu haben und zudem der Meinung, dass es keine gute Idee gewesen war, den Wünschen seines Mannes soweit entgegen zu kommen, ausgerechnet auf einem Planeten ihren Wohnsitz aufzuschlagen, der ein einziges Inselreich war. Eigentlich wäre es nicht so schlimm gewesen, wenn man ihm nicht die Erlaubnis verwehrt hätte, einen Gleiter hier zu stationieren, doch so war er immerhin schon über das stabile Schiff glücklich.

Auf dem Marktplatz stießen sie mit Cedric zusammen, der in seiner blauen Hose, in einer rot und gelb gemusterten Weste und mit einer den Caleymähnen ähnlichen Frisur fast selbst wie ein kleingeratener Meta wirkte. Freudig umarmten sie einander, und stolz berichtete Cedric auf dem Weg zu ihrem Haus von dem hässlichen Vielfraß. Mit sichtlichem Vergnügen lauschte er Adivas Schilderung der Hochzeit und brach in lautes Gelächter aus, als er von der Trauzeugin erfuhr. "Chantal? Ich habe nie verstanden, was du an ihr findest, Daniel. Nett, dass dein Mann der gleichen Meinung wie ich ist."

"Sie war vermutlich einfach nur neugierig auf diese fremde Rasse, der ich angehöre", milderte Adiva errötend ab.

Sie wurden wieder in dem Gästezimmer von Jann und Arkay untergebracht und mussten sich das kleine Vielfraß, das Devi in einem Tuch bei sich trug und auch nicht hergeben wollte, ansehen. Der Kleine war schon fett zu nennen und mampfte fleißig und sehr zur Freude einiger um Devi herum spielender Puppen alles, was man ihm hinhielt.

"Ist es nicht niedlich? Hässlich wie die Nacht, aber niedlich." Cedric lachte und stupste dem kleinen Wesen auf eine kaum vorhandene Nase. "Gell, du Wonneproppen?"

Er konnte Daniel ansehen, dass er ihm nicht zustimmte, aber es störte ihn nicht. Entgegen seiner Vermutung, aber sehr der Prophezeiung Arkays entsprechend, liebte er das kleine Würmchen, egal wie unansehnlich es war. Und er freute sich schon darauf, wenn es sich verpuppte und zu einem dieser süßen Jungs wurde. Da es in der Familie zu liegen schien, würde der Kleine wahrscheinlich einen Menschen in den Wahnsinn treiben und hierher verschleppen. Und auch darauf war Cedric schon gespannt, wie es wohl alle Eltern eines Caley waren.

Doch zuerst stand die Namensfeier des Wurms an, und ob der Ehrengast hässlich oder nicht war, erwies sich als nebensächlich, denn eines konnten die Caley zweifelsfrei, und das war feiern. Das Fest begann in Arkays und Janns Haus und wurde sehr schnell an den Strand verlagert, wo mehrere große Feuer entzündet wurden. Es gab reichlich Getränke, eine großen Auswahl an gutem Essen und natürlich ausgelassene Tänze, denen sich nach einer Weile selbst Adiva zugesellte.

Verschwitzt von dem wilden Herumgehopse ließ sich Cedric irgendwann neben Devi auf eine Decke fallen, wo auch Daniel saß und seinen Schatz mit einem verträumten Lächeln beobachtete. Grinsend stahl Cedric ihm sein Glas Feigenlimonade und trank es an einem Zug aus, was Daniel leicht angetrunken rächen musste, und so balgten sie sich einmal quer über die Decke, bis sie eine geknurrte Warnung von Devi darauf aufmerksam machte, dass sie der Larve zu nahe kamen. Einmütig standen sie daraufhin auf, um neue Getränke zu besorgen.

Mittlerweile hatte auch Adiva genug vom Tanzen und gesellte sich zu Devi, um sich mit ihm zu unterhalten und mit der Larve zu spielen. Cedric und Daniel beobachteten ihre beiden Liebsten vom Buffet aus, während sie die Gläser füllten.

"Als ich dir von dem kleinen Caley schrieb, hast du auch nicht gedacht, dass es dich zu dem Mann deiner Träume führen würde, hm?" Cedric grinste, als Adiva die Larve mit der Schwanzspitze kitzelte und das Kleine versuchte, danach zu haschen, um sie in den Mund zu stopfen.

"Nein, aber ich wäre noch viel schneller gekommen, wenn ich es geahnt hätte." Daniel lachte und trank sein Glas leer, um sich gleich Zitronenlimonade nachzuschenken.

"Ah, meine Rettung vor dem Metamonster war also nicht so wichtig?", neckte Cedric.

"Du siehst mir nicht unglücklich aus. Von daher - nein", gab Daniel schmunzelnd zurück und nahm zwei der Gläser auf, um zur Decke zurückzukehren.

Cedric lächelte und folgte ihm, ohne zu antworten. Sein Leben hatte sich von dem, was er für sich geplant hatte, vollkommen wegentwickelt. Doch als er sich neben seinen Gefährten setzte und ihm die Limonade reichte, als er sich an dessen starke Schulter anlehnte, seinen Arm um sich spürte und in das hässliche, geliebte Gesicht ihres Sohnes blickte, wusste er, dass er glücklicher war als jemals zuvor.


© by Jainoh & Pandorah
 
Ende