Der falsche Arzt 3

 

Der falsche Arzt

3.

Die Berichte seiner Güter stapelten sich in Arons Arbeitszimmer, und die Lohnabrechnungen wollte er ebenso selber überprüfen, weil es zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Doch er konnte sich kaum auf die langweilige Arbeit konzentrieren, wenn es um das Leben seines Sohnes ging. Er beobachtete Oliver mit Sorge und verbrachte noch mehr Zeit als sonst bei ihm. Doch schadete ihm das Absetzen der Medikamente wohl nicht. Erst nahm der Husten ein wenig zu, aber mit dem neuen Tee bekam Gouran es schnell in den Griff, und das Kräuterblut wirkte offensichtlich hervorragend gegen die Krämpfe.

Aron betete, dass er sich nicht zu früh Hoffnungen machte, dennoch konnte er nicht verhindern, dass er mit einem Mal die Zukunft bedeutend heller sah. Oliver gefiel die zusätzliche Aufmerksamkeit natürlich, und nicht nur einmal versicherte er Aron, dass er den neuen Arzt sehr viel lieber mochte als Doktor Joseph.

"Ich muss nicht mehr diese schrecklichen Dampfbäder machen!", erzählte er fröhlich, auch wenn Aron das längst wusste. "Und ich glaube", er senkte die Stimme zu einem Flüstern, "Doktor Gouran mag mich."

Aron lachte und drückte seinen Sohn, ehe er gut gelaunt Frances das Feld räumte, die Oliver beim Anziehen half, damit sie einen kleinen Spaziergang im Hof machen konnten. Er verließ das Kinderzimmer und suchte Gouran in seinen Räumen auf. Manchmal hatte Aron wirklich das Gefühl, der Arzt versteckte sich dort. Und das war schade. Er war niedlich, und ein so hübsches Gesicht sollte man nicht nur hinter Büchern verbergen.

Er klopfte an und trat nach einer leisen Aufforderung ein. Wirklich saß Gouran wieder an dem kleinen Tisch unter dem Fenster und stöberte in seinem Notizbuch herum. Nach einer kurzen Begrüßung sagte Aron "Sie lieben das Lesen, wie ich sehe. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen gerne meine private Bibliothek zur Verfügung stellen. Ich habe sogar einige medizinische Werke dort, wenngleich ich auch leider noch nicht dazu gekommen bin, sie zu lesen. Haben Sie Interesse?"

Nick hatte den Morgen über seine Beobachtungen zu Oliver niedergeschrieben, nachdem er mit ihm in einer Erzählung gelesen hatte. Die Zuneigung und das Fordern seiner Konzentration gefielen dem Jungen, der in den vergangenen Monaten eigentlich nur noch geschont worden war. Nick selber träumte davon, Olivers Hauslehrer werden zu können. Nicht nur, um in der Nähe des aufgeweckten Jungen bleiben zu können, sondern auch wegen dessen Vater.

Gerade hatte er an ihn gedacht, als der Earl ihn auch schon in seinem Zimmer aufsuchte. Er trug wieder eine dunkelblaue Samtweste und sah vortrefflich darin aus. Nick strich sich unbewusst die Kleider entlang, während er sich höflich erhob. Auf die Frage hin wagte er ein Lächeln. "Das würde mich sehr freuen. Ich lese für mein Leben gern", gestand er ein.

"Wunderbar, kommen Sie." Aron machte eine auffordernde Geste und ließ Gouran den Vortritt, um sich im Flur gleich an seine Seite zu gesellen. "Ich zeige Sie Ihnen, dann können Sie sie jederzeit besuchen. Sie verbringen so viel Zeit in Ihrem Zimmer, dass ich mich schon zu fragen beginne, ob ich ein schlechter Gastgeber bin."

Er führte ihn über eine der Galerien, die Treppe zum dritten Stock empor und dann in den großen Raum, in dem sich seine Bibliothek befand. Aron mochte Bücher, selbst wenn er nicht allzu viel Zeit mit ihnen verbrachte, und das merkte man an diesem Raum. Große Fenster ließen viel Licht hinein, und Spiegel lenkten es auch in die weiter hinten gelegenen Ecken. Edward achtete darauf, dass die Kachelöfen im Winter immer geheizt waren, und einige gemütliche Lesesessel waren dicht zu ihnen gerückt. Aron erklärte Gouran, nach welchem Prinzip die Bücher sortiert waren und wies dann auf das kleine Regal nahe der Tür, in dem er die neuangeschafften Medizinbücher aufbewahrte. "Das dürfte Sie wohl am meisten interessieren, nicht?"

Er lächelte, als er die glänzenden Augen des Arztes bemerkte. Jetzt wirkten sie gar nicht mehr düster wie eine Sturmnacht, sondern heiter und ruhig wie ein früher Frühlingsmorgen. Das kleine Prickeln in Arons Bauch machte, dass er unbedacht fragte "Wollen Sie mir heute Gesellschaft beim Abendessen leisten? Ich möchte Ihnen für das danken, was Sie für Oliver getan haben und noch immer tun."

"Sie sind sehr großzügig. Ich würde es nie wagen, abzulehnen." Nick berührte die Buchrücken zaghaft mit den Fingerspitzen. "Aber Oliver ist ein Patient, wie man ihn sich wünscht, er tut mehr für mich als ich für ihn." Fast ein Geständnis, wie Nick mit roten Wangen bemerkte.

Aron hob überrascht die Brauen. "Wie meinen Sie das? Doch nicht etwa, weil Sie als sein Arzt hier Unterkunft haben? Sie würden bestimmt auch sonst..." Er unterbrach sich, sah in das errötete Gesicht und dachte an die Kleidung, in der Gouran in Leadon Hall angekommen war, bis auf den Arztkoffer und eine kleine Tuchtasche vollkommen ohne Gepäck. Nein, sonst hätte er vielleicht keine so gute Unterkunft gehabt. "Oliver ist ein lieber Junge", wechselte er das Thema, um Gouran nicht noch mehr in Verlegenheit zu stürzen. "Wollen Sie uns begleiten? Wir werden einen kleinen Spaziergang machen, das Wetter ist so schön. Nicht weit, nur ein wenig durch den Hof. Er ist schon länger nicht mehr wirklich draußen gewesen. Die alten Medikamente haben ihn ein wenig lichtempfindlich gemacht. Aber dank Ihnen fühlt er sich schon so viel besser, dass er gerne raus möchte." Er verstummte und fügte dann leiser an "Allein dafür bin ich Ihnen sehr dankbar."

Nick blinzelte vom Themawechsel ein wenig überrascht und erleichtert und sagte gleich zu. Auch Stiefel und einen Mantel hatte er von seinem großzügigen Gönner geschenkt bekommen, und so war der Spaziergang eine herrliche Erfahrung. Der Wind zauste ihm durch das Haar und versteckte seine noch immer durch die Nervosität geröteten Wangen durch eine Röte im gesamten Gesicht. Die Tränen in den Augen, als er Oliver und seinen Vater miteinander lachen sah und daran denken musste, dass der alte Arzt den Jungen und diesen Mann so lange gequält hatte, konnte er ebenfalls dem Wind zuschreiben.

Verstohlen blickte er in den sturmgrauen Himmel und schickte ein Dankgebet hoch, weil es ihm möglich geworden war, etwas Gutes zu tun, dafür auch noch solch umfangreichen Lohn zu erhalten, womit er niemals gerechnet hatte. Der Nachmittag war der schönste seit langem in Nicks Erinnerungen.

Aron genoss den kleinen Spaziergang aus vollen Zügen. Seinen Sohn so ausgelassen zu sehen, war wundervoll, und die frische Luft und die Bewegung vertrieben die krankhafte Blässe aus seinem Gesicht. Beinahe wirkte er gesund, wie er neben ihm herlief, mit roten Wangen und blitzenden blauen Augen. Dennoch machten sie sich bereits nach zwanzig Minuten wieder auf den Weg zurück, als Gouran bestimmte, dass es genug für den Anfang war. Oliver war auch schon ein wenig außer Atem und erschöpft. Kurzerhand nahm Aron seinen Sohn Huckepack, was von diesem mit Quietschen und noch mehr Gelächter quittiert wurde.

Als er ihn vor dem Haupteingang wieder herunter ließ, überraschte Oliver ihn, indem er direkt zu Nick lief und ihn umarmte. Strahlend sah er in das gerötete Gesicht des Arztes. "Danke, Doktor Gouran. Sie sind der beste Arzt von allen!"

Damit ließ er von ihm ab und hüpfte die Treppe empor, um an Edward vorbei zu rennen und direkt von Frances empfangen zu werden, der er aufgeregt zu erzählen begann. Der Blick der alten Amme, mit dem sie Gouran bedachte, sprach Bände, ehe sie den Jungen an der Hand nahm und mit ihm nach oben ging. Aron lachte leise. "Sollte ich es jemals wagen, Sie ungerecht zu behandeln, werde ich mich vor einer feuerspeienden Frances rechtfertigen müssen."

Die Warmherzigkeit weckte Vertrauen in Nick und er beschloss, dass er gleich am nächsten Tag, wenn es Oliver wirklich weiterhin deutlich besser ging, das Geständnis ablegen wollte. Am Abend erschien es ihm nicht schlau, da er in der Nacht nicht abreisen konnte, aber die einzig mögliche Antwort auf seinen Betrug sicherlich ein Verweis vom Gut sein würde.

Zudem freute Nick sich auf das Abendessen mit dem Earl. Er wollte ihn ein letztes Mal betrachten dürfen, um ein letztes Mal von ihm träumen zu können, bevor er fort musste. Er war sich sicher, dass er diesen Mann niemals würde vergessen können.

Trotz seiner Pläne verbrachte Nick den Nachmittag, während Oliver seinen Erholungsschlaf einhielt, mit dem Büchern in der Bibliothek. Nach einer etwas länger als geplant ausgefallenen Visite bei Oliver, bei der er dem Jungen vornehmlich ein Geschicklichkeitsspiel mit einem Bindfaden beibrachte, musste Nick sich beeilen, um sich für das Abendessen herzurichten, an das er unnachahmlich zurückhaltend durch Edward erinnert worden war.

Aufgeregt wartete Nick in seinem Zimmer, bis Edward ihm durch ein leises Klopfzeichen mitteilte, dass der Earl von seinem Abendbesuch bei Oliver nun die Treppe in Richtung Speisezimmer hinunter ging.

Aron freute sich, als Gouran aus seinem Zimmer kam, um sich ihm anzuschließen. Ein wenig zurecht gemacht in der grauen Hose passend zur schwarzen Weste und dem grünen Jackett sah er gleich noch einmal so hübsch aus. Die Jacke saß ein bisschen zu weit um die Schultern, und Aron notierte sich im Geist, dass der Kutscher bei seinem nächsten Besuch im Ort gleich noch einen Schneider mitbringen sollte.

"Ich freue mich, dass Sie mir heute Gesellschaft leisten wollen, Doktor." Aron nickte ihm zu, bevor sie den Weg gemeinsam fortsetzten. "Vielleicht wird Oliver auch bald dabei sein können. Er war sehr müde, als ich vorhin bei ihm war. Er wird gut schlafen heute Nacht. Habe ich berechtigte Hoffnung, dass er wieder gesund werden kann? Oder mache ich mir was vor?"

Edward öffnete ihnen die Tür und rückte erst Aron, dann Nick den Stuhl zurecht. Aron hatte mit Bedacht das Zimmer gewählt, in dem er auch sonst immer zu Abend zu essen pflegte. Es war klein, beinahe intim, und man saß nicht weit voneinander entfernt an einer langen Tafel, sondern in angenehmer Entfernung, um sich unterhalten zu können, an einem Mahagonitisch. Die hellgelben Seidentapeten machten ihn auch bei düsterem Wetter freundlich und sonnig, und man hatte durch die hohen Fenster einen schönen Blick über die Küste. Außerdem mochte Aron das Bild, das über dem Kamin hing und einen nackten griechischen Helden im Kampf mit einem Zentauren zeigte, deren Pose eher einer Umarmung glich.

"Ach, ein Abendessen von Erwachsenen ist für ein Kind doch meistens langweilig. Ich bin mir aber sicher, dass seine Müdigkeit daher rührte, dass er es in seinem neugewonnenen Übermut natürlich übertrieben hat." Nick ruckelte sich ein wenig auf seinem Stuhl zurück und schnupperte unwillkürlich lächelnd, als Edward ihnen je eine Terrine mit kräftiger Ochsenschwanzsuppe auftrug.

Frischgebackenes helles Brot wurde in einem Porzellankorb bereit gestellt, dessen maritimes Dekor zu den Tellern und dem schweren Silberbesteck passte. Nick saß mit Blick auf die stürmische Nacht, da die schweren Vorhänge noch offen waren. Wolken hetzten über den schwarz erscheinenden Himmel, und Schnee wurde hin und wieder an die Fenster getrieben. Erschaudernd wandte er sich seinem Gastgeber zu, der das Glas mit Rotwein bereits angehoben hatte. Rasch kopierte Nick die Bewegung und richtete den Blick höflich in Arons Augen, auch wenn es seinen Herzschlag merklich beschleunigte.

Aron hielt inne, als sich ihre Blicke trafen, und mit einem Mal wurde ihm klar, dass er Nick Gouran auch unabhängig von Oliver in Leadon Hall behalten wollte. So hatte er schon sehr lange nicht mehr gefühlt, und selbst wenn es Probleme barg, freute er sich über das Kribbeln, das ihn durchzog. Auch wenn der Arzt seine Gefühle nicht in der gleichen Weise erwiderte, war es schön, ihn in seiner Nähe zu haben.

"Auf dass alles zu dem Ende kommt, das wir uns wünschen", sagte er bewusst zweideutig und mit einem Lächeln, ehe er das Glas in Nicks Richtung leicht anhob und dann einen kleinen Schluck trank.

Mit einem Blinzeln hob Nick sein Glas ein wenig weiter an, konnte dem aber nichts hinzufügen. Er brauchte einen Augenblick, bevor sein Magen die mit einem Mal aufgekommene Aufregung verkraftet hatte, dann tastete er, Aron unauffällig beobachtend, nach seinem Löffel. Sie aßen die Suppe in Schweigen gehüllt, aber begannen eine ungefährliche Unterhaltung über die Hausmittel der Leute in dieser Gegend. Viele Mittelchen hatten mit der Seefahrt zu tun, mit Aberglauben und mit einer Spur Hexerei, aber in sehr vielen der Mittel steckte auch die Weisheit und Erfahrung von Jahrhunderten.

Es folgte Geflügel, dann kalter Aal. Zu beidem tranken sie den schweren Rotwein weiter. Nick versuchte nur zu nippen, aber der Aal war salzig, und sein Durst brachte ihn dazu, doch drei Gläser geleert zu haben, als Edward ihnen zum Abschluss zunächst würzigen Käse aufgetischt hatte.

Ihm war ein wenig schummerig zumute, als der Earl ihn mit einer freundliche Geste bat, ihm zu folgen. In der Konversation waren sie gerade bei der Seefahrt in die Ferne angelangt, und sie redeten auf dem kurzen Weg in das Herrenzimmer zu gemütlichen Ledersesseln an einem Kaminfeuer schlicht weiter. Nick verlor die Furcht vor dem Mann nicht vollkommen, aber es machte ihm Spaß, in der Unterhaltung gleichwertig behandelt zu werden.

Edward reichte ihnen starken Kaffee und Schokoladenkuchen und blieb in stummer Frage nach weiteren Wünschen noch in der Nähe der Tür stehen. Nick gab Sahne zu seinem Kaffee, dieses Getränk hatte er erst einmal trinken können, und es hatte ihn sehr aufgeregt, seinen Herzschlag beschleunigt und seinen Schlaf vernichtet, so dass er froh war, dass sie aus zierlichen Tässchen nippen würden. Der Schokoladenkuchen hingegen duftete hinreißend.

Nach einer Weile entließ Aron Edward, damit sich sein Butler zurückziehen und den Abend beenden konnte, während er sich weiter mit Nick unterhielt. Es war schön, einfach nur mit ihm zu reden, und Aron wünschte, er wäre schon früher auf die Idee gekommen, ihn zu einem Abendessen zu bitten. Andererseits war es vielleicht auch ganz gut, dass sie sich erst einmal etwas aneinander hatten gewöhnen können, sonst wäre Nick jetzt bestimmt unsicher und nervös anstelle von entspannt.

Irgendwann verstummte die Unterhaltung, und Aron sah zufrieden und müde ins Feuer, sich dessen bewusst, dass sie diesen angenehmen Abend bald beenden sollten. Ein diskreter Blick zur Uhr auf dem Kaminsims bestätigte diese Vermutung, und ein weiterer zu Nick zeigte ihm, dass der junge Mann bereits in dem schweren Sessel eingedöst war. Aron lächelte und genoss diesen unverhofften Moment, der es ihm gestattete, den anderen ungestraft betrachten zu können. Die sonst so blassen, sorgfältig rasierten Wangen waren vom Wein gerötet, und das dunkelblonde, leicht gewellte Haar hatte sich im Laufe des Abends der Form widersetzt, in die Nick es gekämmt hatte, um ihm nun verspielt in die Stirn zu fallen.

Es lockte Aron, die Strähnen aus dem Gesicht zu streichen, und noch ehe er sich dessen wirklich bewusst werden konnte, war er aufgestanden und zu Nick getreten. /Du bist ein so schöner Mann, Nick Gouran. Dazu herzensgut, lieb und intelligent. Kann man es mir verdenken, wenn ich dich hier behalten möchte?/ Nicks Kopf war leicht zur Seite geneigt und entblößte den schlanken Hals, so dass Aron gegen das Bedürfnis ankämpfen musste, ihn dort zu küssen. Aber es war zu riskant; er hatte nicht die leiseste Ahnung, ob der Arzt für ihn empfand, selbst wenn er hoffen konnte, so oft, wie der andere errötete. /Ich werde es herausfinden, doch es braucht Zeit./

Er gab seinem ursprünglichen Bedürfnis nach und berührte die sandfarbenen Haare mit den Fingerspitzen. Ganz vorsichtig strich er über den Hals und fühlte einen köstlichen Schauer, ehe er die Schulter fester packte. "Doktor Gouran? Sie sollten besser in Ihrem Bett schlafen als hier."

Nick zuckte leicht zusammen und blickte als erstes, als er die schweren Lider hob, in das amüsierte Gesicht des Earls. Erschrocken blinzelte er und rappelte sich auf. "Oh, Verzeihung, das ist mir... ich wollte nicht einschlafen, der Wein war ungewohnt", stammelte er.

"Oh bitte, Sie müssen sich nicht entschuldigen. Ich trinke normalerweise auch nicht allzu viel Alkohol. Beim nächsten Mal werde ich darauf achten, dass nicht nur Wein auf dem Tisch steht." Aron ließ ihn los und trat wieder einen Schritt zurück, auch wenn er es nicht gerne tat. "Wollen wir diesen Abend beenden? Ich bin ebenfalls müde, aber ich danke Ihnen für die Gesellschaft, es war sehr angenehm." Er zögerte, dann lächelte er. "Einer der angenehmsten Abende seit langem."

"Danke." Als Antwort auf die rhetorischen Frage erhob Nick sich mit steifen Gliedern aus dem Sessel. "Für mich war es der schönste Abend überhaupt", gestand er noch immer schlaftrunken ein. Mehr sich selber als dem Mann neben ihm. "Gute Nacht, Earl Wrothston, bis morgen."

Aron wurde vollkommen überrascht von der Welle der Zärtlichkeit, die ihn überkam und die wollte, dass er diesen Mann einfach in den Arm nahm, hielt und ihn vor allem Übel der Welt beschützte. Fast erwog er, ihm in diesem Moment anzubieten, auf seinen Titel und einen Gutteil der Förmlichkeiten zu verzichten und ihn einfach bei seinem Namen zu nennen, doch dafür war es zu früh, und er hielt sich gerade noch zurück. "Gute Nacht, Doktor Gouran."

Er begleitete den Arzt bis fast zu seinem Zimmer, ehe er zu dem Treppenaufgang ging, der in seine Räume führte, während ein beständiges Lächeln seine Lippen umspielte. Möglicherweise waren seine Chancen bei Nick sogar deutlich besser, als er gehofft hatte. Auf jeden Fall würde er alles daran setzen, ihn hier zu behalten. Einem Mann wie ihm begegnete man selten, vielleicht sogar nur einmal im Leben. Oliver mochte ihn sehr, Edward war von seiner Höflichkeit eingenommen worden und Frances nicht nur von seinem Verhalten dem Jungen gegenüber, sondern auch von seiner schüchternen Art. Es würde keinerlei Probleme geben mit denen, die Aron wichtig waren. Sein Lächeln wurde weicher, als er sich eingestand, dass er sich verliebt hatte.


Kommentare, Kritiken, Lob?
 
by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh