Der falsche Arzt 7

 

Der falsche Arzt

7.

In dieser Nacht träumte Aron von Nick, das erste Mal seit langen Jahren wieder sehr erotisch. Aufzuwachen und festzustellen, dass der junge Mann nicht neben ihm lag, so dass er ihn an sich ziehen und die Träume in die Realität umsetzen konnte, war ernüchternd. Eine Weile wälzte er sich schlaflos im Bett herum, dann stand er auf, auch wenn die Sonne sich noch lange nicht zeigen würde. Es war sogar derart früh, dass nicht einmal Edward wach war. Aron zog einen dunkelblauen Seidenmorgenmantel über, dann ging er ins Arbeitszimmer hinüber, um vorzuarbeiten, so dass er am Tag mehr Zeit hatte, und um sich von den anregenden Gedanken um Nick abzulenken.

Als später Edward in sein Zimmer kam, musste Aron in sich hinein lachen. Der Butler mochte es gar nicht, wenn sein Herr vor ihm aufwachte, und das sah man seiner Miene an, natürlich nicht sehr deutlich, aber Aron kannte ihn lange genug. Er neckte ihn, indem er sich für seinen kurzen Schlaf entschuldigte, dann ließ er sich brav ein Frühstück bringen und seine Kleidung herauslegen.

Die Tage bis Weihnachten suchte er immer wieder Nicks Nähe, doch nun beließ er es nicht mehr dabei, nur mit ihm zu reden. Er gönnte sich die kleinen Berührungen, denen er vorher sorgfältig ausgewichen war. Es war nichts Aufdringliches, eine Hand auf der Schulter, um ihn in eine bestimmte Richtung zu dirigieren, ein Streifen der Finger, wenn Nick ihm etwas reichte, oder auch ein sanftes Zurückstreichen der Haare aus der Stirn, häufig gefolgt von einem Blick in diese schönen Augen.

Und Nick ermunterte ihn, scheu und schüchtern, wie er immer war, aber dennoch deutlich genug. Er lehnte sich in seine Richtung, wenn sie beieinander saßen, lächelte ihm zu, ohne den Blick sofort wieder abzuwenden und zuckte nicht mehr zurück, wenn sie sich berührten. Jede dieser vorsichtigen Annäherungen bewirkte, dass sich Aron immer mehr an ihn verlor. Abends galt sein letzter Gedanke nicht allein mehr Oliver, sondern vermehrt Nick, und morgens war er auch der erste, an den er dachte.

 

Aron, Nick schaffte es immer besser, als Aron von seinem Herrn zu denken, wurde immer freundlicher und zugleich auch immer deutlicher an ihm interessiert. Die Berührungen, die am Anfang noch den Anschein des Zufälligen gehabt hatten, wurden immer direkter, und immer mehr wünschte Nick es sich, dass er den Mut aufbringen konnte, um sie anders zu erwidern als mit einem scheuen Lächeln oder einem Erröten und der Flucht aus Arons Nähe.

Oliver lenkte Nick kurz vor dem Weihnachtsfest durch seine Einladung zum Silvesterball ab. Sie waren gemeinsam in der Kirche im nahegelegenen Kloster gewesen und danach zu einem Wildessen bei einem der Lords, der sein Jagdschloss ein wenig weiter entfernt im Winter einmal beleben wollte.

Bei diesem Essen war Oliver samt Nick als sein Erzieher in die Gesellschaft eingeführt worden. Alle waren sehr glücklich, dass es dem kränklichen Jungen wieder gut ging. Die jungen Witwen und Jungfrauen ohne Versprechungen aus der Umgebung befanden zudem, dass Aron wieder sehr interessant werden konnte, wenn der Junge seine Aufmerksamkeit nicht mehr vollkommen verbrauchte, und so folgten auf diese eine Gelegenheit eine wahre Flut von weiteren Einladungen zu Essen, Musikabenden, Lesungen und natürlich auch Bällen, bei denen die Töchter vorgeführt werden konnte.

Oliver war auf dem Silvesterball ebenfalls eingeladen worden und bat Nick beim Frühstück, ihm das Tanzen beizubringen. Zögerlich wandte Nick sich Aron zu und sah ihn fragend an.

"Eine ausgezeichnete Idee!" Aron winkte gleich nach Edward, während ihm bewusst wurde, was für eine herrliche Gelegenheit das bot, Nick noch ein wenig näher zu kommen. "Edward, lassen Sie eines der Nebenzimmer zum Ballsaal heizen und stellen Sie das Grammophon rein."

Begeistert von der Vorstellung, das Tanzen zu erlernen, fiel es Oliver schwer, noch länger ruhig bei Tisch zu sitzen, und so beendeten sie das Frühstück recht schnell, kaum das Edward gemeldet hatte, dass alles bereit war für die erste Tanzstunde des jungen Herrn.

Nick hatte das Tanzen von dem Arzt und dessen Schwester gelernt, die Spaß daran gehabt hatten, den vielen Kindern ihres Verwalters mit der Musik und den romantischen Beschreibungen von Bällen glänzenden Augen zu bescheren.

Am Anfang erklärte er Oliver die verschiedenen Tänze und wie er an der Musik erkennen konnte, welcher dran sein musste. Dann zeigte er ihm die Schritte der Polonaise, dem beliebtesten Tanz, bei dem auch die Kinder teilnehmen würden. Beim Walzer musste Nick sich konzentrieren, um die Schritte der Dame nachmachen zu können.

Eine Weile sah Aron ihnen zu und kurbelte immer wieder das Grammophon an. Nicks Tanz war in gewisser Weise anmutig und zierlich, wie alles, was Nick machte. Als Oliver außer Atem geriet, trat er schließlich zu den beiden. "Da Nick als Dame nun schon ein wenig geübt hat, werden wir dir einmal zeigen, wie es aussieht, wenn man den Walzer tanzt." Formvollendet verneigte er sich vor Nick. "Darf ich bitten?" Als er sich wieder aufrichtete und Nicks Hand nahm, zwinkerte er ihm zu, ehe er ihn in seine Arme zog, wenngleich er auch auf einen Abstand achtete, der bei einer Dame angemessen war.

Erschrocken ließ Nick sich herumziehen und nahm dann mittlerweile geübt Aufstellung ein. Es fühlte sich herrlich an, von Aron durch den Raum gelenkt zu werden, der Schimmer der Kerzen und die Musik wurden unwichtig, während Nicks eigener Herzschlag immer lauter zu werden drohte.

/Verliebt/, dachte er atemlos. /Schrecklich verliebt. Ich kann es bald nicht mehr aushalten, nicht mehr davor fliehen./ Fast wäre er durch diesen Gedanken abgelenkt gestolpert, aber Aron fing die Unachtsamkeit geschickt in einer Drehung auf. Nick umfing seine Hand noch fester und wagte einen Blick in die Augen des anderen Mannes.

Aron erwiderte den Blick und fühlte sich das erste Mal durch Olivers Anwesenheit gestört. Ohne den Jungen hätte er jetzt angehalten und ihn geküsst. Aber ohne ihn hätte Nick sich auch bestimmt nicht bereit erklärt, mit ihm zu tanzen. Aron lächelte weich und zog Nick ein wenig dichter an sich. Es fühlte sich herrlich an, den geschmeidigen Körper zu halten, den fester gewordenen Griff zu spüren und dabei den Zauber zu fühlen, der sich um sie legte. Dieser Moment gehörte ihnen. Zeit und Raum wurden bedeutungslos, aber schließlich endete das Stück, und Aron brachte sie mit einer letzten Drehung zu einem schönen Abschluss.

Aron ließ von Nick ab, verneigte sich vor ihm und deutete einen Handkuss an, was Oliver zum Lachen brachte. "Und dann geleitest du deine Dame zu ihrem Platz zurück und bedankst dich artig", erklärte Aron mit einem Grinsen in Richtung seines Sohnes, ehe er sich wieder zu Nick wandte. "Sie tanzen großartig. Ich danke für diesen Tanz."

Mit glühenden Wangen lenkte Nick rasch von dem Tanz ab, indem er sich und Oliver bei Aron entschuldigte, damit sie den gewohnten Unterricht, an diesem Morgen Geschichtsstunde, aufnehmen konnten. Um dann später studieren zu können, würde Oliver, wenn er sechszehn war, sicherlich auf eine der höheren Schulen geschickt werden, vielleicht gar eine Jesuitenschule, und dafür musste er viel lernen. Der Unterricht war durch die Krankheit viel zu lange ausgefallen.

Doch am Nachmittag, als Nick wusste, dass Aron und Oliver mit dem Schneider verabredet waren und somit sicherlich auf der anderen Seite des Gutshauses weilen würden, schlich er sich in den kleinen Ballsaal zurück und stellte leise das Grammophon ein. Der Walzer brachte sofort wieder die Erinnerung an Arons Blick in seine Augen zurück. Es hatte fast schon Zärtlichkeit darin gelegen und Begehren. Verwirrt und verliebt zugleich ließ Nick sich hinter den beiseite geräumten Sesseln auf den weichen Teppich sinken und schloss die Augen.

 

Aron sandte den Schneider direkt wieder nach Hause, kaum dass der ältere Herr den Raum betrat. Er war eindeutig krank, hustete, hatte eine rote Nase und wahrscheinlich auch Fieber. Aber er hatte den Lord und den jungen Herrn nicht enttäuschen wollen, die endlich zu Bällen gehen konnten. Aron konnte nur den Kopf schütteln. Sie machten einen neuen Termin kurz nach Weihnachten aus, und Aron nahm ihm das Versprechen ab, dass er einen Boten schicken würde, wenn es ihm nicht besser ging.

Oliver freute sich über die gewonnene Zeit und ließ sich die Erlaubnis geben, mit dem Stallmeister ausreiten zu dürfen. Nach einer Verwarnung, dass er es auf keinen Fall übertreiben sollte, ließ Aron ihn mit einem Lächeln gehen. Noch immer erschien es ihm wie ein Wunder, dass sein Sohn gesund war und voller Tatendrang, all das aufzuholen, was er in den vergangenen Jahren versäumt hatte. Und das verdankte er Nick.

Sein Blick wurde weich, als er sich daran erinnerte, wie es gewesen war, den anderen Mann im Arm zu halten und sich mit ihm zu den Klängen des Walzers zu drehen. Dieser Blick aus seinen grauen Augen, so warm und voller Gefühl, als hätte Nick in ihm versinken wollen. Ohne wirklich darüber nachzudenken, ging er zu dem kleinen Ballsaal, um noch ein wenig der Musik zu lauschen und zu träumen.

Leise öffnete er die Tür und trat beinahe verstohlen ein, als würde er etwas Verbotenes tun, und im Grunde war es das ja auch. Die Gesetze bestimmten, dass ein Mann nicht so für einen anderen Mann fühlen sollte, aber er tat es dennoch, und es war wunderschön.

Abrupt hielt er inne. Das Grammophon spielte bereits, und als hätte seine Sehnsucht ihn herbei gerufen, saß dort bei den Sesseln Nick auf dem Boden. Er hatte die Augen geschlossen, den Kopf an eine Armlehne gelegt und lächelte so verträumt, dass Arons Herz schneller zu schlagen begann. /Wie schön er ist, wie süß. Ich will ihn halten bis in die Ewigkeit und dafür sorgen, dass niemand ihm mehr weh tun kann. Niemals./

Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich. "Nick...?", sagte er leise und behutsam.

Der Traum schien wahr werden zu wollen, denn Arons Stimme, die sich in die Musik einfügte, hörte sich fast schon wie die Wirklichkeit an. Nick blinzelte und öffnete schließlich die Augen, um erschrocken zu sehen, dass Aron wirklich bei der Tür stand. "Aron, ich dachte, Sie und Oliver seien... Soll ich Oliver Gesellschaft leisten gehen?" Nicks Beine versagten jedoch vorerst noch den Dienst, weswegen er sitzen blieb, eine Hand auf die Sessellehne gelegt, um sich hochziehen zu können.

Aron lächelte. "Nein, Oliver reitet mit dem Stallmeister aus." Er drehte den Schlüssel einmal herum, damit sie nicht gestört werden konnten und ging dann zum Grammophon, um die kleine Kurbel zu betätigen und die Nadel weiter nach vorne zu setzen, während er erklärte "Der Schneider ist krank, ich habe den Termin verschoben. Aber ich gestehe, es kommt mir nicht ungelegen. Ganz besonders nicht, da ich Sie hier getroffen habe." Zu Nick tretend hielt er ihm die Hand hin, um ihm aufzuhelfen. "Sie tanzen wirklich sehr gut, es macht Freude, Sie als Partner zu haben. Darf ich um noch einen Tanz bitten?"

Nick ergriff die Hand und lächelte geschmeichelt und ließ sich hochziehen, auch wenn es ihm einen nervösen Stich beschert hatte, dass Aron den Raum abschloss.

Aron war der unsichere Blick nicht entgangen. Er ließ ihn gar nicht erst los, sondern legte gleich einen Arm um Nicks Taille und genoss es, ihn unbeobachtet halten zu können. "Was meinst du, was passiert, wenn jemand reinkommt und uns tanzen sieht? Deswegen die Vorsichtsmaßnahme." In einer Drehung zog er ihn verboten eng an sich und spürte gleich wieder dieses herrliche Prickeln.

Der Tanz war wirklich schöner, und Nick fand, dass die verschlossene Tür ihm Sicherheit gab. Die Sicherheit, die es für ihn brauchte, um dem fester werdenden Griff nachzugeben, bis seine Wange fast schon Arons Revers berührte. /Er hat 'du' gesagt.../

Der Walzer endete, ein anderes Stück begann, doch Aron ließ Nick nicht los. Mitten im Raum blieben sie stehen, und Aron schloss den jungen Mann gänzlich in seine Arme, lehnte das Gesicht in das weiche, duftende Haar. "Du bist wundervoll, Nick", murmelte er. "Ich bin so dankbar, dass du bei mir bist. Und wenn es nicht Oliver wäre, hätte ich einen anderen Grund finden müssen, um dich hier zu behalten."

Nick schloss die Augen und gab der Umarmung nach. Aron brauchte ihn, er selber und nicht nur Oliver. Das machte ihn glücklich. Zu glücklich zum Sprechen. Außerdem hatte er Angst, die Stimmung zu zerstören.

Die Art, wie sich Nick vertrauensvoll an ihn schmiegte, sagte Aron mehr als alle Worte, dass auch ihm ihre Nähe gefiel. Leicht begann er, über Nicks Rücken zu streicheln, und berührte den Scheitel mit den Lippen. Doch es war zu wenig, es reichte nicht aus. Er strich von Nicks Hand aus den Arm empor, bis er die Finger in seinen Haaren vergraben konnte. Sachte brachte er den Mann dazu, den Kopf zu drehen und ein wenig anzuheben. Einen kleinen atemlosen Moment lang sah er in das nun schon so vertraute Gesicht, das er bisher nur mit Blicken hatte berühren dürfen, ehe er die weichen Lippen küsste, vorsichtig und kurz nur, um Nick die Möglichkeit zu geben, sich zurückziehen zu können, wenn es ihm nicht gefiel.

Nick erwiderte den Kuss, nachdem er ihn einen Moment lang nur zugelassen hatte, indem er den Kopf ein wenig mehr in den Nacken legte und sich unbewusst dichter an Arons kräftigen Körper schmiegte. Es tat so gut, freundlich und selbstbewusst behandelt zu werden, nicht verhuscht, im Geheimen in einer dunklen Ecke, die dann doch noch immer nicht dunkel und abgelegen genug gewesen war. Er wollte den Kontakt nicht verlieren und öffnete fast bettelnd seinen Mund ein wenig.

Aron lächelte erleichtert auf Nicks Lippen, das war nun ganz und gar keine Ablehnung. Dann hörte er mit dem Denken auf und überließ sich ganz seinen Gefühlen, fast schon zu schön war es, Nick endlich so nah zu sein. Lange küsste er ihn, erforschte, was ihm so bereitwillig angeboten wurde und lockte ihn zu sich, um dann doch wieder seinen Mund einzunehmen. Einige Male versuchte er, es zu beenden, aber kaum trennten sie sich, sehnte er sich schon wieder nach dem Geschmack und dem Gefühl des jungen Mannes.

Es dauerte lange, bis das erste Sehnen so weit gestillt war, dass er von ihm lassen konnte. Zärtlich streichelte er mit dem Daumen über Nicks Wange und sah ihm in die verschleierten Augen. "Du bist ganz gewiss ein Engel", murmelte er. "Zu Beginn der Adventszeit gekommen, um die Botschaft der Liebe zu verkünden."

Nick lachte leise, weil es sich so kitschig und zugleich wunderschön anhörte. "Nein, ich bin nur ein..." Das Wort Erzieher wurde durch einen Kuss unterbrochen, und Nick hatte vergessen, was er sagen wollte, als er wieder zu Atem kam.

Grinsend barg Aron sein Gesicht an Nicks Hals und küsste ihn dort einige Male, ehe er leise fragte "Kommst du heute Nacht zu mir? Ich will dich bei mir haben."

Mit einem Lächeln stimmte Nick zu und ließ sich von seinem Geliebten führen, bis sie die drei Zimmer erreichten, die Aron allein bewohnte. Der Salon, in dem Aron häufiger auch frühstückte, war der einzige Raum, in den Edward hinein ging, wenn Aron dort weilte. Darauf folgte ein kleines Kaminzimmer und darauf erst das Schlafzimmer mit dem Bad. Ein Schlafanzug lag am Kachelofen bereit und die Pantoffeln waren so aufgestellt worden, dass sie aufgeheizt wurden. Auf dem kleinen Beistelltischchen am Fenster standen ein Glas und eine Karaffe mit Portwein bereit, daneben wurde Tee auf einem Stövchen warm gehalten.

Das große Bett war aufgedeckt. Etliche Kissen und Decken stapelten sich dort, so dass Nick sich schon förmlich vorstellen konnte, wie er darin versinken würde. Gleich darauf machte das Bett ihn nervös, und er wandte den Blick hastig wieder auf den Tee. "Möchten... möchtest du eine Tasse Tee?"

Aron nickte, weil Nick unsicher wirkte, streifte aber schon das Jackett und die Weste ab und legte sie auf einen Stuhl. Statt zuzulassen, dass sich sein Geliebter dann in einen Sessel ihm gegenüber setzte, nachdem er Tee eingeschenkt hatte, zog er ihn auf seinen Schoß und umarmte ihn mit einem kleinen Lachen. "Du glaubst doch nicht, dass ich mich jetzt von dir trennen kann, nachdem ich so lange auf dich warten musste?"

Aber vielleicht war es besser, wenn sie mit intimeren Zärtlichkeiten warten würden. Noch war es früher Abend, und Oliver musste später ins Bett verabschiedet werden. Sie hatten es in den vergangenen Wochen immer beide getan, wenn sie ohne ersichtlichen Grund plötzlich beide ihre Routine änderten, wäre das keine gute Idee. Und zudem hatte Aron nicht vor, seinen Sohn wegen seines Geliebten zu kurz kommen zu lassen.

"So lange?" Unsicher sah Nick auf ihre Hände, die sich über seinen Knien miteinander verflochten hatten. Er selber hatte sich ja auch fast auf den ersten Blick schon in den ernsten, gutaussehenden Mann verliebt, aber er konnte es einfach nicht glauben, dass es diesem begehrenswerten Mann ausgerechnet ebenso gegangen sein mochte. /Er versucht, dich um den Finger zu wickeln/, warnte eine kleine Stimme in Nicks Hinterkopf. Eine andere schlug vor, das Gute so lange zu genießen, wie es währen sollte.

Aron lachte leise und beinahe verlegen. "Nun, an dem Abend, an dem du die Eingangshalle von Leadon Hall betreten hast, habe ich bereits gedacht, wie gut du aussiehst. Und jeder Moment, den ich länger mit dir verbracht habe, hat mir gezeigt, dass ich dich bei mir haben will. Am besten für immer." Er legte ihm eine Hand auf die Wange und drehte sachte Nicks Gesicht zu sich, um ihn erneut zu küssen.

Eine lange Weile taten sie nicht viel mehr als zu schmusen und sich immer wieder zu küssen, bis Aron befand, dass es Zeit war, Oliver gute Nacht zu sagen. Danach gingen sie jeder in ihr eigenes Zimmer, um den Schein zu wahren. Das Warten auf Nick erschien Aron zu lang, und er freute sich schon auf das Stadthaus, wo es von seinem Schlafzimmer aus einen Geheimgang zu dem Zimmer gab, in dem in den Jahren zuvor die Geliebten des Hausherrn gelebt hatten. Aron hatte ihn bisher noch nicht genutzt, aber das würde sich ändern. Denn Nick war mehr als nur eine Liebelei.

Edward brachte ihm einen Tee zur Nacht, ehe er entlassen wurde, und selbst dann dauerte es noch, ehe es endlich zaghaft klopfte. Rasch ließ Aron seinen Geliebten ein und zog ihn gleich in die Arme, nachdem er abgeschlossen hatte. Und dieses Mal blieben sie nicht nur beim Küssen.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh