Der Weihnachtsgast 6

 

Der Weihnachtsgast

6.

Unsicher sah Klemens zur Küche hin, in die Holger so plötzlich verschwunden war. Wenn Holger nicht gerade Holger gewesen wäre, hätte er sich jetzt zu fragen begonnen, ob dieser nur mal hatte schauen wollen, ob er mit seinem Charme auch an einen Hetero rankam. /Oder jemanden, der sich dafür hält. Aber wenn ich mich in ihn verliebt habe, dann bin ich das ja nicht mehr. Dann bin ich zumindest bi... Bin ich in ihn verliebt?/ Die Angst kam zurück und nagte in Klemens' Bauch, als er ins Wohnzimmer trottete und sich durch die verbliebenen Kartons zu wühlen begann. /Ja, das bin ich wohl. Verdammt./

"Aber irgendwie scheint das auch nicht richtig zu sein", murmelte er und holte eines der sorgfältig verpackten CD-Regale samt Inhalt hervor. Er knibbelte die Klebstreifen auf und stieß auf Klassik, dann erinnerte er sich, dass seine Lieblings-CDs bereits in der Küche lagen. /Na ja, Klassik zu Weihnachten ist nicht schlecht, ob er das mag?/

Klassische Musik erklang aus dem Wohnzimmer und zeigte Holger, dass Klemens sich offensichtlich über seine Kartons hergemacht hatte. Seufzend zog er eine Flasche Rotwein auf und holte die schönen Kristallgläser von Klemens aus dem Vitrinenschrank, den dieser einen Tick schief angedübelt hatte. Mit den Gläsern und dem ersten Teller ging er in das Wohnzimmer und setzte beides auf den niedrigen Couchtisch.

Klemens war wirklich nicht auf der Höhe, sie mussten dringend reden, und mit einem Mal musste Holger über sie beide lachen. "Klee, du hast deine Jacke noch immer an. Wird dir das nicht ein wenig zu warm werden?", neckte er, bevor er in die Küche ging, um den zweiten Teller zu holen. Er brachte auch gleich noch Servietten und die Stumpenkerzen mit. "Möchtest du noch etwas anderes trinken als Rotwein?"

"Deine Schuld! Du musstest mir ja gleich all die tollen Möbel zeigen", schimpfte Klemens scherzhaft und musste auch lachen, während er sich eilig die Jacke und seine Stiefel auszog und beides in die Diele brachte. "Saft, sonst bin ich ziemlich schnell blau, und das wollen wir ja nicht, ne?" Oder vielleicht doch? Würde das helfen?

Er erhaschte einen Blick auf seine Knöchel, als er die Stiefel abstellte, was ihn bemerken ließ, dass er wieder mal eine zu kurze Jeans trug. Der nächste Blick galt seinem geliebten Ringelpullover, dessen Ärmel ebenfalls Hochwasser hatten, und prompt kam ihm Holgers Stimme in den Kopf, die sich deswegen beschwerte. "Bin gleich wieder bei dir!", rief er in die Küche, holte eine schwarze Jeans und den passenden Pullover aus dem Kleiderschrank und verschwand rasch ins Bad, um sich umzuziehen. Zufrieden sah er sich im Spiegel in die Augen, bürstete sich noch schnell durch die Haare und wurde dann erst rot, als er merkte, dass er sich für Holger zurecht gemacht hatte.

"Wenn er jetzt lacht, komme ich mir richtig dumm vor", murmelte er seinem Spiegelbild zu. Er wartete einen Moment, bis sich seine Wangen wieder etwas entfärbt hatten und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

Holger hatte noch ein weitere Glas für Klemens geholt und Saft und Wasser in die Nähe gestellt, auch wenn er die Weingläser ebenso stehen ließ. Die Lichter in der Wohnung hatte er gelöscht, und nur der weiche Schein vom Tannenbaum und von den Kerzen auf dem Tisch erhellte den Raum, da es draußen dämmrig wurde. Die Musik war eben gerade im Hintergrund zu hören, Bachkantaten, sehr weihnachtlich und wenig störend.

Als Klemens wieder in den Raum trat, war er umgezogen. Eine ihm passende schwarze Hose und der Pullover, der Holger schon zuvor so gut gefallen hatte. Er sah nett aus, sein Gesicht wirkte mit einem Mal edel, die Augen kamen zur Geltung, und Holger beschloss, die elenden geringelten Sachen in die Altkleidersammlung zu geben, wenn er auch nur einen weiteren Tag mit der Wohnung allein war.

Klemens blieb in der Tür zögernd stehen, wirkte schüchtern und unsicher mit einem Mal. Mit einem leisen Lachen streckte Holger ihm die Hand hin. "Komm schon her, Klee. Ich beiße dich nicht, auch wenn du mich offensichtlich dazu bringen willst."

Das ließ Klemens wieder erröten, wenn auch auf eine angenehme Art, trotzdem ärgerte er sich darüber. Wenn er nicht so verflixt helle Haut hätte, würde das gar nicht auffallen. So hoffte er, dass das gedämpfte Licht es verbarg. Er kam zu dem anderen Mann hin, umfing die ihm dargebotene Hand mit seiner und merkte erneut, wie gut sich die kräftigen Finger anfühlten. Holger zog ihn zu sich, und Klemens ließ sich neben ihm auf der Couch nieder, wobei er bemerkte, dass die Weingläser noch nicht gefüllt waren.

Ein kleiner Schwips würde ihm bestimmt gegen diese vermaledeite Nervosität helfen. So nervös war er sonst nie, nicht mal bei seiner ersten Freundin war er das derart gewesen. "Schön hast du's gemacht", sagte er und lächelte, weil er das wirklich fand. "Sogar mit Baum." Richtig romantisch-kitschig. Klemens mochte es.

Holger goss sich ein Glas Rotwein ein und hielt Klemens die Flasche fragend hin. "Ein Schluck zum Essen? Oder willst du an Weihnachten abstinent bleiben?"

Klemens musste grinsen. "Nee, will ich nicht. Ich meinte vorhin ja nur, dass ich zusätzlich was zu trinken will, nicht dass ich komplett auf den Wein verzichte."

"Prima. Dann lass uns einmal anstoßen. Worauf, was meinst du? Auf den Grund, aus dem du hier bist? Warum bist du hier, Klee?" Das Glas in der Hand sah er Klemens in diese unglaublich babyblauen Augen. Ein wenig befürchtete Holger, dass er den Abend gerade versaute, aber die Spannung war nicht auszuhalten, er wollte Klarheiten, gleich.

"Weil du hier bist." Klemens konnte dem Blick nicht standhalten und schaute auf Holgers Mund, was nicht unbedingt besser war, während sein Gesicht schon wieder heiß wurde. Kleine, nervöse Stiche jagten durch seinen Bauch, die immer unangenehmer wurden und ihm klar machten, dass sie wirklich nicht einfach darum herum reden konnten. Aber es auszusprechen war schwer. So etwas sagte man nicht zu einem anderen Mann, und es war, als würde es seine Ängste greifbar werden lassen. Realer als diese diffusen Befürchtungen, die in seinen Gedanken herumspukten und die man tot diskutieren oder beiseite schieben konnte. /Nein, eben nicht mehr. Sonst wäre ich nicht hier./ Sein Herz schlug schmerzhaft bis zum Hals, als er endlich wieder in Holgers Augen sah und so gleichmütig wie möglich sagte "Weil ich mich wohl auch in dich verliebt habe."

Erschrocken bemerkte Holger, dass er es geschafft hatte, dass sein Klee sich nicht wohl fühlte. "Tut mir leid, ich bin bescheuert. Komm her, entschuldige", murmelte er, während er die Weingläser in Sicherheit brachte, um Klemens umarmen und an sich ziehen zu können. Er strich ihm mit der flachen Hand über die Schulter und meinte nach einem Augenblick, den er einfach genoss, dass er Klee so spüren konnte "Ich bin ein Trampel und mache es dir schwerer als nötig, dabei machst du den Tag gerade zu meinem schönsten Weihnachten überhaupt."

Klemens verspannte sich, kaum dass die kräftigen Arme ihn umfingen. Für einen Moment schrie alles in ihm danach, Holger von sich zu stoßen und aufzuspringen, doch dann begann der andere, ihn zu streicheln, leicht nur, aber sehr angenehm. Klemens seufzte leise auf, erwiderte die Umarmung und lehnte nach einem kurzen Zögern seinen Kopf gegen Holgers Schulter. Mit geschlossenen Augen spürte er der Hand auf seinem Rücken nach, genoss Holgers Geruch, der ihn einhüllte und den er so vermisst hatte, und entspannte sich langsam. So seltsam es war, so schön war es auch. Und mit einem Mal fühlte es sich richtig an.

Nach und nach gelang es Holger sein Hirn wieder einzuschalten, das Klemens so leicht derart zerstreut hatte, dass kein vernünftiger Gedanke mehr gelungen war. /Denken an. Klee losgelassen. Erst mal was essen/, befahl er sich selber. "So, aber jetzt tafeln wir erst einmal, bevor ich dich noch mehr erschrecke."

Klemens nickte und ließ von Holger ab, nicht ganz sicher, ob er erleichtert oder bedauernd sein sollte. Sein Blick fiel auf die beiden Teller und die vollen Weingläser, und plötzlich musste er lachen. "Meine Güte, was ist denn nur los? So verkrampft war ich nicht mal am ersten Morgen, als ich fest gestellt habe, dass du nicht nur von meiner Trunkenheit vorgegaukelt worden bist, sondern ganz real. Unmöglich." Das Lachen tat gut und löste etwas in ihm, mehr noch als Holgers Nähe. Grinsend schüttelte er den Kopf und griff nach dem Weinglas, um mit dem anderen Mann anzustoßen. "Zum Glück kennst du mich nun schon, sonst würdest du dich bestimmt fragen, wie komisch ich denn drauf bin."

Holger trank einen Schluck Wein, dann ergriff er sein Besteck und rückte ein wenig weiter von dem anderen ab, um seine Sinne etwas wenigstens von ihm zu befreien. "Das denke ich sowieso, Klemens. Ich frage mich zur selben Zeit aber auch, wie komisch ich denn bitte drauf bin. So dusselig und ungeschickt wie mit dir hab ich mich noch nie benommen." Dankbar bemerkte er jedoch in dem Augenblick, dass er verdammt hungrig war und gleich darauf fiel ihm auf, wie lecker das Essen schmeckte. Schweigend aßen sie eine Weile, wobei Klemens ein für seine Figur ordentliches Tempo vorlegte und sich sogar noch einmal Soße und Klöße nachnehmen ging, während Holger noch immer an seiner ersten Portion kaute.

Erst als sie satt und zufrieden nach dem Nachtisch, bestehend aus Zimteis von Holger und einem starken Espresso, nebeneinander saßen, wagte er es wieder, das Thema vom Essen und Kochen und Weihnachtsrezepten der Familien auf ihre Beziehung zu bringen.

"Teller sind weggeräumt, das Eis ist alle, der Espresso schmeckt dir nicht und meine Tasse ist leer. Wir haben leckeren Cognac vor uns stehen. Jetzt fehlt mir nur noch eines, ein wenig Durchblick, was dich angeht", fasste Holger den Abend zufrieden zusammen und klopfte auf den Platz neben sich auf dem Sofa, weil Klemens während des Essens nach dem zweiten Gang auf dem kleinen Hocker gesessen hatte. "Komm doch mal her, damit ich dich besser sehen kann", befahl er leise mit einem fiesen Grinsen.

Klemens zog die Augenbrauen hoch. "Na, das sollte ich mir vielleicht noch mal überlegen, wenn du so guckst", sagte er, grinste aber ein wenig. Dennoch hatte das Essen und der Abstand wieder ausgereicht, um ihn erneut unsicher werden zu lassen, jedoch nicht genug, um nicht aufzustehen und sich neben Holger zu setzen. Vor allem wünschte er sich wieder sehnsüchtig das Gefühl der Richtigkeit, das er in Holgers Armen empfunden hatte.

Klemens' Art sich zu zieren und ein wenig zu erröten, obwohl sie eigentlich schon sicher waren, dass sie beide das gleiche wollten, verunsicherte Holger wieder so sehr, dass er innerlich am Fluchen war, wieso es ihn ereilen musste, sich in einen solch merkwürdigen Mann zu verlieben. Er konnte ihm nicht aus eigenen Erfahrungen heraus helfen, denn er hatte das Schwulsein zunächst als Irritation, dann jedoch als Lichtblick in dem sonst für ihn immer tristen Zusammensein mit anderen angesehen. Schon nach der ersten Nacht war er sich sicher gewesen, dass es genau sein Ding war, dass all die Unsicherheiten und das unbefriedigte Aufwachen neben seiner Exfreundin dort genau die Ursache und die Heilung gefunden hatte.

Ganz offensichtlich war Klemens aber nicht so gestrickt. In seinem Gesicht stand nicht Erregung und Freude, stand schon gar nicht Erleichterung und Wissen, sondern Unsicherheit und Furcht. "Du hast gesagt, dass du dich auch in mich verliebt hast, Klee. Ich fühle, dass ich mich in dich verliebt habe, an zwei Dingen. Zum einen denke ich immerzu an dich, zum anderen will ich dich immerzu berühren. Woran hast du es gemerkt?"

Schon wieder Fragen. Schon wieder reden. Damit hatte Klemens nicht gerechnet. /So wird das nichts/, dachte er unzufrieden. /Einander gegenübersitzen und reden. Gleich haben wir es tot geredet, und ich trau mich gar nichts mehr, weil ich immer mehr darüber nachdenke und mir all das einfällt, warum ich es nicht tun sollte, warum es nicht sein darf. So viel redet er doch sonst nicht!/ Erst in dem Moment wurde ihm klar, dass Holger mit ihm offensichtlich genauso unsicher war wie umgekehrt.

"Deine Kerle vor mir waren alle offen schwul, nicht? Und wussten das schon seit Jahren", sagte er, ohne auf die Fragen einzugehen. "Ich nicht. Ich hab mich nie nach anderen Männern umgeschaut, du bist der einzige, der mir Herzflattern beschert. Ich habe bei meinen Eltern ständig an dich gedacht, aber ich habe auch an daran gedacht, was das bedeutet. Für meine Eltern, für meine Freunde, für mich. Ich weiß nicht, wie's für dich war... für mich ist es nicht so leicht, das zu ignorieren." Er legte Holger die Finger auf die Lippen, als er den Mund öffnete. "Aber ich bin hier. Bei dir. Weil ich hier bei dir sein will, okay?"

Holger seufzte, dann nickte er. Klemens hatte Recht. Die Kerle vor ihm waren alle schwul und sich sehr sicher damit gewesen. Sie alle hatten Holger angemacht und mitgenommen, er hatte nie wirklich anbaggern müssen zuvor, nur mitmachen, im Bett dann all die Dinge tun, die er mit ihnen machen wollte, es schien ihnen immer gefallen zu haben. Klee war hier, bei ihm. Allein das machte ihn glücklich, aber auch sehr nervös, denn die Frage war nun, wozu war er da?

"Es ist nur, ich trau mich einfach nicht, all die Dinge mit dir zu machen, nach denen mir ist, die ich bei jedem anderen einfach gemacht hätte." Nervös wandte Holger sich wieder von Klemens ab und trank einen großen Schluck von seinem Cognac.

"Das von dir zu hören ist seltsam." Klemens betrachtete das abgewandte Profil, den Kiefer, den Hals. Eindeutig männlich, eindeutig verlockend. Bis jetzt schien es nichts gegeben zu haben, das ausgerechnet Holger unsicher werden ließ. Aber es machte ihm Mut. Holger war nicht perfekt, er musste es auch nicht sein. Er beugte sich vor und küsste genau die Stelle des Halses, die er eben noch angeschaut hatte. Es war ein aufregendes Gefühl. "Versuch 's einfach?" Mit einem Mal konnte er grinsen. "Scheint mir gar nicht so schwer zu sein."

Ein Schauder überzog Holger mit einer leichten Gänsehaut, und so unerwartet, wie Klemens sich vorwagte, so herrlich war es für Holger, ihm nun schlicht zu folgen. Er drehte sich zu Klemens zurück und stellte das Glas ab, um seine Hände zu ergreifen. "Einfach versuchen, na gut. Ich probier das mal", meinte er gedehnt und berührte zunächst die ein wenig kühle Handfläche des anderen mit den Lippen, bevor er ihn leicht an sich zog, ihn mit dem anderen Arm umschloss und vorsichtig fragend den nächsten Kuss auf seinen Mund platzierte.

Hm. Klee war lecker und fühlte sich herrlich an, wie Holger es sich erträumt, aber nicht wirklich erwartet hatte. Leicht geöffnete Lippen, der weiche Duft frischer Gräser im Haar und das Gefühl ordentlich rasierter Wangen, deren Hitze nicht zu den kühlen Fingern passen wollte.

Klemens hatte gedacht, dass sich etwas in ihm sträuben würde, dass er sich unwohl fühlen und erst mehrere Anläufe brauchen würde. Aber das Unwohlsein verschwand bereits, als er Holgers Mund an seiner Hand spürte. Die kleine Geste war unerwartet und rief ein Prickeln in ihm wach, das sich nur noch verstärkte, als er an den anderen gezogen und dann wirklich geküsst wurde. Nichts fühlte sich an wie bei einer Frau, und Klemens stellte fest, dass gerade das herrlich war. Dann hörte er auf zu vergleichen und umarmte Holger, um den Lippen, die ihm wieder entzogen wurden, zu folgen und sie zurückzufordern.

Gleich auf den ersten Kuss folgte der zweite und ging über in eine längere Knutscherei, von der Holger sich endlich atemlos zurückzog, weil sich seine Erregung sehr unweihnachtlich und unangenehm bemerkbar machten. "Wenn du nicht schwul bist, Klee, fresse ich 'nen Besen. Dafür küsst du zu unverschämt gut und gern, obwohl ich nicht rasiert bin", kommentierte er trocken, aber ließ seinen Freund nicht entkommen, sondern umfing den zarten Nacken mit einer Hand und begann, mit der anderen über das Gesicht und den Hals zu streicheln.

"Ich bin nicht schwul, ich bin höchstens Holgersexuell", konterte Klemens und grinste. Seine Lippen brannten von den Bartstoppeln wirklich, aber es störte ihn nicht. Er legte den Kopf ein wenig zur Seite, um Holger mehr Raum zu geben und begann seinerseits, den anderen Mann zu streicheln. Vorsichtig zunächst ebenso nur den Hals und das Gesicht, dann aber neugierig auch die Schultern, die muskulösen Oberarme und die Brust.

Holger lachte laut auf. "Holgersexuell?", prustete er endlich, aber fuhr fort, seine Hände über Klemens' Schultern streichen zu lassen. "Das ist ja gut, dann gehst du mir sicherlich nicht mit nem anderen Kerl fremd", murmelte er leise, dann schob er seine eine Hand unter Klemens' Pullover und ließ die Fingerkuppen über sein Rückgrat hinaufwandern.

Eine prickelnde Gänsehaut zog sich von Holgers Fingern ausgehend über Klemens' Rücken. Er lehnte sich dichter zu Holger und küsste seine stachelige Wange, ehe er direkt neben seinem Ohr murmelte "Mach ich sowieso nicht. Ich hoffe, du entsprichst auch in dieser Hinsicht nicht dem Klischee der Schwulen." Sachte biss er ihn ins Ohrläppchen, knabberte daran und kitzelte ihn mit der Zungenspitze, während er Holgers Pullover etwas hochschob und vorsichtig die warme Haut kurz über dem Hosenbund entlang streichelte.

Holger hatte mit vielem gerechnet, wenn es zu Klemens kam, aber nicht mit solchen Attacken. /Wenn er sich entschieden hat, dann hat er sich entschieden, wie mir scheint./ Er streichelte den schlanken Körper ein Weilchen weiter, dann schob er den Pullover hoch über den Lockenkopf. Lächelnd warf er das Kleidungsstück hinter sich und beugte sich vor, um den Hals und die Brust seines Freundes zu küssen. Er war schmal und nicht gerade muskulös, aber der helle Körper, den er schon einmal nassgeduscht und dampfend hatte bewundern können, gefiel ihm immer mehr.

Erst als Holgers Lippen von seinem Mund zu seiner Brust wanderten, wurde Klemens bewusst, dass sie dabei waren, mehr zu tun als nur zu schmusen und zu küssen. Er erschrak ein wenig über die Geschwindigkeit, doch dann streifte Holgers Zunge eine Brustwarze und schickte damit das Kribbeln, das er die ganze Zeit schon spürte, bis in seinen Schoß. Leise seufzte er auf und hielt damit inne, Holger zu liebkosen.

Wollte er das? Jetzt schon? Die Antwort kam prompt und deutlich. /Ja. Jajaja!/ Es war einfach nur herrlich, was Holger mit ihm machte, und es würde bestimmt nur noch herrlicher werden. Und dann könnte er sich wirklich sicher sein. Entschlossen zog er Holger den Pullover ebenfalls über den Kopf.

Es hatte sich als gut erwiesen, Klemens einfach zu überfahren und Dinge zu tun. Er würde schon das Stoppschild auspacken, wenn ihm etwas nicht passte, da war Holger sich sicher. Ihm den Pullover mit gierigen Fingern vom Leib zu reißen, sah nicht wirklich wie ein Stoppschild aus.

Kaum war die störende Wolle beseitigt, als sie sich auch schon wieder aufeinander stürzten. Zuerst küssten sie sich und streichelten von Kleidung befreit über den Körper des anderen, dann begann auch Klemens, mehr machen zu wollen. Zur selben Zeit begann Holger, das plüschige, kleine Sofa, auf dem sie noch immer saßen, als Einengung anzusehen.

"Klee?" Er küsste ihn noch einmal auf die Wange, dann auf den Mund. "Wie wäre es, wenn wir..." Verdammt, der andere war so lecker, er verwickelte ihn kurze Zeit lang in einen Zungenkuss, der sich nur schwer beenden ließ. "... wenn wir zum Bett gehen würden? Is' ungemütlich hier."

Klemens nickte nur und eroberte Holgers Mund zurück. Er war mittlerweile viel zu erregt, um auch nur den Gedanken zu hegen, Einwände haben zu müssen. Schließlich gelang es ihnen aufzustehen und ohne die Hände voneinander lassen zu können, ins Schlafzimmer umzuziehen. Auf dem kurzen Weg wurden sie beide ihre Hosen los, und Klemens konnte sich nicht daran erinnern, jemals einen so erotischen Anblick vor sich gehabt zu haben wie Holger, als dieser nur mit Shorts bekleidet und deutlich erregt vor ihm auf dem Bett saß.

"Du bist der helle Wahn", brachte er atemlos hervor, als der andere ihn wieder zu sich zog und er sich nur Momente später halb unter ihm liegend befand.

Holger holte erst einmal Atem, dann grinste er frech und zog Klemens mit einer Hand auf dem Hintern näher. "Hm, da ist mal was, das ich geringelt und zu knapp an dir mag, mein Lieber." Er rollte Klemens herum, zerrte die süße Retroshorts, von der die Rede gewesen war, ein wenig herunter, um in den kleinen Hintern zu beißen.

Klemens gab einen Laut von sich, den er peinlicherweise nur als ein überraschtes Quieken beschreiben konnte, dann lachte er jedoch auf. "Ich mag geringelt immer. Vielleicht lasse ich mich aber dazu überreden, es etwas weniger zu tragen, wenn du gute Argumente hast."

Er drehte sich vom Bauch auf die Seite und richtete sich auf den Ellbogen auf, um den anderen Arm um Holger zu schlingen. Sich zu ihm ziehend küsste er den flachen Bauch, kitzelte den kleinen, ovalen Nabel mit der Zungenspitze und biss leicht zu. Dann fiel sein Blick auf den noch von der Shorts verborgenen Schoß. Es schickte ein heißes Prickeln durch ihn hindurch, das sich bis in seine Lenden fortsetzte. Dass er ohne jede Erfahrung mit Männern so viel Erregung verursachte, machte ihn zudem schon etwas stolz.

Klemens drängte Holger zurück auf die Matratze und begann, ihn mit flachen Händen zu streicheln. Erst die Brust und den Bauch, die Beine, bis er sich mit einer Hand in den Schritt wagte. Es fühlte sich gut an und machte ihn noch mehr an, und rasch sah er Holger ins Gesicht, um zu schauen, ob es ihm auch gefiel.

Dafür, dass Klemens behauptet hatte, nicht schwul zu sein, war er überraschend enthusiastisch, wenn es um den Körper eines anderen Mannes ging, und Holger sah sich in der glücklichen Lage, all den Enthusiasmus seines Freundes für sich allein zu haben. Unterdrückt stöhnend hob er sich den Händen entgegen. Er wollte Klemens eigentlich tun lassen, was er wollte, aber vor ihm kommen und dann einschlafen und den Abend ruinieren, das wollte Holger auf gar keinen Fall. Zunächst nutzte er Klemens' Unachtsamkeit aus, um ihn von der Unterwäsche zu befreien.

Der Anblick war nicht gemacht, um seine Erregung zu mindern. Sachte begann Holger, die Finger seines Freundes von sich wieder abzulenken, begann ihn zu küssen und über sich zu ziehen, während er mit einer Hand an seiner Unterwäsche zog, um sich ebenfalls zu befreien.

Klemens half ihm dabei, wollte selber gerne seinen Freund nackt spüren. Als die lästige Shorts endlich beseitigt war, Holger ihn ganz auf sich zog und ihn mit den Händen auf seinem Hintern gegen sich presste, stöhnte er auf. Ganz von allein begann er, sich auf ihm zu bewegen und sich gegen ihn zu reiben, brauchte dazu nicht die Aufforderung der kräftigen Finger, die sich dennoch genau dort, wo sie lagen, herrlich anfühlten.

Eine Hand schob Holger über Klemens süßen Hintern und zwischen seine Beine, um ihn dort neckend und auch forschend zu streicheln, die andere brachte er zwischen sie, um seinen Freund zusätzlich noch zu umfassen, während dieser seinen Mund attackierte, als würde es kein Morgen mehr geben. So leidenschaftlich hätte Holger ihn nicht eingeschätzt und auch nicht so verdammt geschickt. Allein diese Hüftbewegungen fühlten sich grausam sexy an. Seufzend und leise stöhnend rieb Holger sich an ihm, aber blieb darauf bedacht, dass Klemens zuerst kommen sollte.

Als sie beide dicht davor waren, zog er seine Hand zurück und schob statt dessen seinen Oberschenkel zwischen Klemens' langen Beine, um seine Hüfte mit festem Griff gegen sich zu pressen.

"Oh, Gott!" Klemens umfing Holgers Schultern und drückte sich an ihn, schon längst nicht mehr fähig zu irgendwelchen gezielten Handlungen. Holger schien viel zu gut zu wissen, was er brauchte. Er spürte den Höhepunkt heranrasen, und selbst wenn er gewollt hätte, hätte er ihn nicht mehr aufhalten können. Mit einem erstickten Aufschrei kam er und sackte dann nur noch matt und schwer atmend auf seinem Freund zusammen.

Holger schob Klemens leicht zur Seite. Sein Körper war verschwitzt und angespannt, zu erregt, um einfach aufzuhören und abzuwarten. Er musste sich nur noch einige Male streicheln, um selber zu kommen. Keuchend ließ er sich in die Kissen fallen und zog eine Bettdecke über ihre Körper.

"Lieb dich, Klee", flüsterte er schließlich, als er wieder ein wenig Atem geschöpft und sich beruhigt hatte, in ein rotes Ohr. "Bin ich froh, dass du eingesehen hast, wie gut Holgersexualität für dich ist."

Klemens kuschelte sich eng an den Mann, der von seinem Mitbewohner so unerwartet zu seinem Freund geworden war, und lächelte, während er träge den feuchten Rücken streichelte. "Viel zu gut. Das war mit Abstand der beste Sex, den ich je hatte." Er hob den Kopf und küsste Holger auf einen Mundwinkel, wobei er feststellte, dass seine Lippen noch viel mehr brannten als im Wohnzimmer. "Jetzt bist du auch nicht mehr auf Wohnungssuche, ja?", murmelte er.

"Der beste Sex? Meine Güte! Das war noch gar nichts, Klee. Und was die Wohnungssuche angeht, diese hier ist sehr schön eingerichtet, und ich mag die Atmosphäre, und ich mag... den Vermieter." Er küsste das Ohr entlang zu Klemens' Mund hin. "Sehr sogar. Wenn ich darf, bleibe ich erst mal."

"Dann freue ich mich schon auf die Male, nach denen du dann nicht behauptest, dass es nichts war. Das heißt wohl, dass ich wirklich schwul bin." Klemens grinste ein wenig, und in diesem Moment, in Holgers Armen und auf so wunderbare Weise erschöpft machte ihm der Gedanke keine Angst mehr. "Oder sehr extrem Holgersexuell. Was natürlich bedeutet, dass du nicht nur bleiben darfst, sondern erst mal bleiben musst, wenn du mich nicht sehr einsam machen willst. Wie viele derart attraktive Holgers gibt es denn schon in dieser Stadt?" Und nicht einmal seine schmerzenden Lippen konnten ihn davon abhalten, seinen Freund zu küssen, dessen Mund schon wieder auf seinem war.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh