Das Weihnachtsspiel 6

 

Das Weihnachtsspiel

6.

In der Weihnachtswoche sollte das Stück mehrfach aufgeführt werden, und so fiel die Generalprobe mit allen Leuten auf den Samstag davor. Raine hatte schon mit einigen verabredet, dass man sich hinterher doch noch gut in einer Kneipe in der Nähe der Universität zusammensetzen und das Ereignis feiern konnte und freute sich darauf, Timo zu sehen. Er hatte ihm Luft lassen wollen, da er sich gut daran erinnerte, dass Timo sich von seinem Exfreund bedrängt gefühlt hatte. Schon von Weitem konnte Raine seinen Freund in einem Kapuzenpulli auf der Bühne sitzen sehen, Annette hockte daneben und auch von den anderen waren fast alle vollzählig. Raine ließ sich Zeit, seine Jacke auszuziehen, um sie samt seinem grünrosafarbenen Ringelpulli zum Trocken aufzuhängen.

Timo hatte festgestellt, dass er keine Telefonnummer von Raine hatte, als er am Tag nach diesem spektakulären Kuss mit ihm hatte sprechen wollen. Ein Anruf bei Dieter, der sie mit Sicherheit kannte, kam nicht in Frage, dafür war er zu unsicher, und im Telefonbuch fand er ihn nicht. Dementsprechend war ihm die Wartezeit auf die Probe extrem lang vorgekommen, besonders auch, weil er langsam ein schlechtes Gewissen wegen Annette bekam.

Sie hatte ihm so vertrauensvoll von ihrer Verliebtheit erzählt, während er ihr gegenüber gar nichts erwähnt hatte, in der festen Annahme, ohnehin keine Chancen bei einem Mann wie Raine zu haben. Aber jetzt... ja, jetzt hatten er und Raine irgendetwas, das noch nicht mal feststand, und Timo befürchtete, dass Raine es nicht bei ihrem freundschaftlichen Verhältnis belassen wollte und so tun, als sei nichts geschehen. Es begann, ihm ein ungutes Gefühl im Bauch zu bereiten. Er wollte Annette nicht verletzen, aber wie sollte er mit Raine darüber sprechen, wenn er ihn nicht erreichen konnte?

Als er schließlich vor der Generalprobe mit Annette auf der Bühne saß, während um sie herum die Schauspieler geschminkt und letzte Änderungen an den Kostümen vorgenommen wurden, wünschte er sich heftig, er hätte seine Schüchternheit überwunden und bei Dieter nach Raines Nummer gefragt. Oder er wäre einfach bei ihm vorbei gegangen. Aber jetzt war es zu spät.

Endlich kam Raine, und Timos Bauch begann, allein von seinem Anblick freudig zu kribbeln, und sein Herz schlug gleich schneller. Eigentlich wollte er direkt zu ihm hingehen und sich an ihn schmiegen, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen, aber so ging das nicht. Dennoch sprang er von der Bühne und sagte rasch zu Annette "Bleib sitzen, bin gleich wieder bei dir."

Die freudige Erwartung wurde von Nervosität aufgelöst, als Timo durch den großen Raum zur Tür hinlief, um auf zwei Schritt Sicherheitsabstand vor Raine stehen zu bleiben. "Hey", sagte er leise und lächelte trotzdem, er konnte einfach nicht anders.

Raine lächelte und vernichtete den Abstand zwischen ihnen. "Na, Sonnenschein?" Rasch umarmte und küsste er Timo. "Ich hab was für dich."

Timo erschrak und wand sich gleich aus seinen Armen, während er vor Freude, Verlegenheit und Unsicherheit errötete. "Nicht... nicht hier!" Er warf einen Blick zur Bühne zurück und fühlte, wie ihm kalt wurde. Mit aufgerissenen Augen sah Annette wie erstarrt zu ihnen herüber, und Timos Schultern sackten herab. Natürlich hatte sie hergesehen, immerhin stand er bei Raine. Er hätte es ihr gleich sagen sollen, nicht erst auf Raine warten, um zu sehen, wie er überhaupt dazu stand. Warum war warten nur immer ein Fehler? Abrupt rutschte Annette von der Bühne herab und verschwand nach hinten in eines der kleinen Zimmer, wo sie die Requisiten aufbewahrten. Timo begann sich elend zu fühlen.

Raine sah Timo verwirrt an, dann folgte er seinem Blick und sah Annette verschwinden. Er legte den Kopf schief und meinte leise "Tut mir leid, Timo. Ganz oder gar nicht. Halbgares mache ich nicht, nicht einmal mit dir." Dann ging er, auch wenn es weh tat, einfach weg von seinem Freund, um sich zu den Jungs zu gesellen, mit denen er die erste Szene haben würde.

Timo wollte es ihm gerne erklären, aber nicht vor den anderen, die er kaum kannte. Wahrscheinlich waren die Raine völlig egal, wahrscheinlich würde er sogar vor anderen ausdiskutieren wollen, wie es im Bett am Nettesten war, aber Timo konnte das nicht. Er schluckte die Mischung aus Wut und Schmerz, weil Raine sich einfach abgewandt hatte, ohne ihm auch nur die Chance zu einer Erklärung zu geben, herunter, wo sie wie ein eisiger Klumpen in seinem Bauch lag. An sich klang ganz oder gar nicht ja wunderbar, aber darum ging es einfach nicht!

Er biss sich auf die Unterlippe, straffte dann die Schultern und ging, ohne Raine noch mal anzusehen, an der Gruppe vorbei, um Annette zu folgen. Hoffentlich ließ sie mit sich reden! Hoffentlich weinte sie nicht. Hoffentlich war der Requisitenraum halbwegs leer. Timo konnte Persönliches nicht vor so vielen Leuten ausbreiten, von denen er die meisten nur vom Sehen her kannte.

Natürlich herrschte geschäftiges Treiben; die Requisiten für die erste Szene waren größtenteils schon auf der Bühne, die anderen wurden jedoch in der Reihenfolge bereit gestellt, in der man sie brauchen würde. Timo entdeckte Annette bei den Straßenlaternen, wo sie sich mit einer Freundin unterhielt. Sie wirkte so blass und klein und verloren, dass Timo sich noch viel mehr schämte. /Aber ich kann doch auch nichts daran ändern/, dachte er bekümmert. /Raine hat gesagt, dass er mehr auf Männer steht, und wenn ich es nicht wäre... aber ich hätte es ihr sagen müssen. Ich hätte sie vorwarnen müssen. Verdammt, das war so sehr die Holzhammermethode!/

Unsicher ging er zu ihr hin, um sie zu fragen, ob sie kurz mit ihm rausgehen würde, damit sie reden konnten, doch noch ehe er sie erreicht hatte, drehte sie sich zu ihm um und funkelte ihn an. "Verschwinde, du Arsch! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!"

Der heftige Ausbruch war unerwartet, und Timo zuckte zusammen, während der Klumpen in seinem Bauch kälter und härter wurde. "Annette, es tut mir leid. Ich hätte... Lass es mich dir erklären?"

"Danke, du brauchst gar nichts zu sagen. Ich habe Augen im Kopf, und das war nicht missverständlich! Lass mich in Frieden!" Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sehr viel leiser setzte sie hinzu "Verschwinde einfach, okay? Ich kann das jetzt gerade gar nicht vertragen."

Annettes Freundin sah verwirrt zwischen ihnen hin und her, und als Timo nickte und sich abwandte, sah er noch, dass sie Annette in den Arm nahm. Es half ein wenig, dass sie jemanden hatte, der sie tröstete, aber es half gar nicht, dass er sie zum Weinen gebracht hatte und dass Raine so ein unsensibler Klotz war. Timo war froh, dass er sich schnell in seinen Souffleurskasten zurückziehen konnte, auch wenn es hieß, dass er für die nächste Zeit ständig diesen unsensiblen Klotz vor Augen hatte.

Timo sah ihn nicht mehr an und redete nicht mit ihm, so dass Raine enttäuscht und verärgert annahm, dass er eine Beziehung offensichtlich nur in den eigenen vier Wänden wollte und nirgends sonst. /Vermutlich ist der andere auch zu aufdringlich geworden und ist deswegen geflogen./ Noch viel mehr nervte ihn jedoch Annettes Leidensmiene. Als die Generalprobe zuende war, hastete Raine deswegen hinter ihr her, um sie am Fahrradständer einzuholen, noch bevor die anderen sich wieder um sie versammeln konnten.

"Weißt du, Annette, vermutlich wird es mir jetzt als gefühllos oder so ausgelegt, dass ich nicht sofort reagiere, wenn man mich anschmachtet. Ich mag Frauen genau wie Männer, aber mit Leidensmiene durch die Gegend schleichen, wenn man nie auch nur einen Blick riskiert hat, ist bigott. Fang mal an, selber zu leben." Er wandte sich ab und schnappte sich sein Fahrrad, um wegzukommen, bevor Timo ihn noch einholen konnte.

Am Abend in seiner Wohnung ärgerte er sich, weil er diesen Mann sicherlich nicht so schnell würde vergessen können. Wie hatte er aber auch annehmen können, dass Timo, der so schüchtern und angepasst durchs Leben huschte, mit ihm wirklich zusammen sein wollte. Sicherlich war es die Aufregung gewesen, die ihn unvorsichtig auf die Küsse hatte eingehen lassen.

Timo hätte heulen können, als Raine nach der letzten Probe so schnell verschwand, dass es unmöglich war, mit ihm zu reden. Annette war auch schon weg, und Timo fühlte sich sehr allein, als er sein Fahrrad loskettete. Der Klumpen in seinem Bauch breitete sich bis in seine Brust und höher aus und ließ seine Kehle eng werden. Wie hatte er nur denken können, dass Raine was von ihm wollte? Ausgerechnet von ihm! Einem... wie hatte es gesagt? Einem spießigen Studenten! Wahrscheinlich hatte Raine doch nur mit ihm ins Bett gewollt, hatte es als eine kleine Herausforderung gesehen. Ein wenig nett sein, Komplimente verteilen und bei geeigneter Gelegenheit dann ab in die Kiste. Sobald es nicht so lief, wie der Herr das wollte, wurde es jedoch zu anstrengend. Klasse.

Timo fuhr zu schnell und zu angestrengt, um nur nicht weinen zu müssen, und dazu zu unkonzentriert, so dass es kein Wunder war, dass er schließlich ausrutschte und auf dem Bürgersteig landete. Der Schnee dämpfte seinen Sturz, aber es tat dennoch höllisch weh. Einen Moment lang blieb er liegen und schnappte nach Luft, dann nahm er den Schmerz in seiner rechten Schulter und am Oberschenkel als willkommene Ausrede, um doch weinen zu können.

"Scheiße", fluchte er leise und wischte sich schniefend über die Nase, als er sich wieder aufrappelte. Den restlichen Weg legte er humpelnd zurück und schob sein Fahrrad. Dieses Mal benutzte er den Aufzug, um zu seiner Wohnung zu gelangen. Festentschlossen, wegen Raine keine Träne mehr zu vergießen, schälte er sich aus der nassen Kleidung, stieg in die Jogginghose und schimpfte erneut, als er den großen, roten Fleck auf seinem Oberschenkel und der Hüfte sah, der bis zum nächsten Tag bestimmt in den leuchtendsten Farben schillern würde. Er suchte sich einen frischen Pullover heraus, um den Schlabberpulli in die Wäschetruhe zu schleudern, als könnte er mit dessen Geruch auch Raine aus seinen Gedanken verbannen.

Dann machte er sich eine große Tasse heiße Schokolade, füllte eine Schale mit Plätzchen und ging in sein Zimmer, um es sich bei weihnachtlicher Musik auf dem Sofa gemütlich zu machen. Stattdessen zappte er frustriert durch das Fernsehprogramm, blieb bei einem Märchenfilm hängen, doch er folgte der Handlung kaum, während er immer und immer nur an Raine denken musste.

 

Raine hatte den Abend lang überlegt, ob er Timo vom Buchladen aus anrufen sollte, weil er selber kein Telefon hatte. Aber noch immer war er sich nicht sicher, was er dem hübschen Jungen sagen sollte. /Ich lieb dich, auch wenn du es verheimlichen willst? Bestimmt kann ich das nicht./ Mutlos und schlecht gelaunt verwarf Raine die Idee und ging dann endlich in den Buchladen, um stattdessen bei seiner Mutter anzurufen und sie zu fragen, was sie ihm raten konnte.

Ärgerlicherweise war Klara noch immer in der Schweiz, das hatte Raine komplett vergessen. Er erreichte nur Dieter, der ihn auf unnachahmliche Weise dazu brachte, alles zu erzählen. Schließlich meinte sein Stiefvater nachsichtig, dass er Timo immer als sehr ernsthaft eingeschätzt hätte und dass Raine sich vielleicht zu schnell zu viel versprochen hatte. "Rede noch mal mit ihm, Sommertraum. Du bist so frei und unbesorgt, aber das ist nicht jeder. Wer weiß, was Timo schon durchgemacht hat."

Missmutiger als vorher legte Raine auf und beschloss, dass er Timo vor der Aufführung des Stücks am nächsten Abend ansprechen wollte. Wegen dieses Plans fuhr er sogar früher zur Uni hin, was zur Folge hatte, dass er in der Garderobe helfen musste, weil eine der Helferinnen dort wegen Krankheit ausgefallen war.

 

Timo kam so spät, wie es nur ging, ohne dass es auffiel. Er war fest entschlossen, sich die Aufführung nicht durch Raine verderben zu lassen, selbst wenn der ständig präsent auf der Bühne rumspringen würde. Er hatte noch versucht, Annette anzurufen, aber sie hatte sich von einer ihrer Mitbewohnerinnen entschuldigen lassen. Timo war dennoch zuversichtlich, dass er es wieder würde hinbiegen können. Wenn es ihr wieder besser ging, würde sie mit sich reden lassen, ganz bestimmt.

Was Raine betraf... Timo hatte gehofft, dass es nach einer Nacht mit viel Schlaf schon besser sein würde, aber so einfach war es nicht. Einerseits hatte er nicht schlafen können, weil seine Gedanken nur mit diesem schrecklichen Mann beschäftigt waren, und zum anderen wurde das Vermissen und Sehnen mit jeder Stunde, die verstrich, heftiger, mit jedem Wunsch in seine Richtung, mit jedem Traum, der aufkam und gleich wieder zerplatzte. Es hatte es nicht besser gemacht, dass sein Arm und sein Bein schmerzten und er auf der rechten Seite gar nicht liegen konnte. Statt mit dem Rad war er dementsprechend auch mit der U-Bahn gekommen.

Bemüht, das Humpeln nicht zu offensichtlich werden zu lassen, ging er gleich nach hinten durch und spürte einen Stich in der Brust, als er Raine sehr beschäftigt in der Garderobe sah. Bewusst den Blick abgewandt versuchte er, ihn zu ignorieren, so wie Raine ihn am Vortag ignoriert hatte und hörte doch gleich wieder seine Stimme in sich, wie sie ihn Sonnenschein nannte. Mit einem Mal begann es, ihn vor der Party im Anschluss zu grausen, und während er einen der nervösen Hirten beruhigte, versuchte er bereits jetzt, glaubhafte Ausreden zu finden, um sich im Anschluss so schnell wie möglich zurückziehen zu können.

Sie würden die Besucher mit einem Lied vom Chor begrüßen und dann das Stück beginnen, nachdem Dieter und eine Frau von der Universitätsverwaltung eine Rede gehalten hatten. Erst hatte Raine nur den Eindruck gehabt, doch als der Chor abtrat und Dieter in seinem schrecklich geschmacklosem lila Jackett auf die Bühne kam, sah er deutlich, dass Timo humpelte.

Er trat zu ihm in die Ecke und drehte ihn zu sich um. "Hast du dich verletzt?" Besorgt musterte er Timos Gesicht und wünschte sich, dass er nicht so abweisend war. Raine stellte fest, dass er das hübsche Gesicht, den leichten Duft der Haut und der Haare schon vermisst hatte. Sein Körper reagierte bereits freudig auf die Nähe und teilte Raine mit, dass er nicht mehr so weit von Timo weg zu sein wünschte.

Timo erschauderte leicht. Die weiche, dunkle Stimme und die sorgenvolle Miene machten, dass er sich an Raine anlehnen, ihn umarmen und die Nervosität, die nun auch ihn befiel, obwohl er sich nur zum Singen zeigen musste, einfach wegstreicheln lassen wollte. Er wollte ihm Glück wünschen und ihm sagen, dass er einfach nur großartig war und auch geschminkt in seinem Kostüm für den Auftritt atemberaubend aussah.

Aber Raine wollte ihn nicht als Freund, sondern einen Mann, der sich so verhielt, wie er es wünschte, und das konnte Timo nicht. Eine Bettgeschichte wollte er nicht werden, die sich mal hier und da drücken ließ, aber sobald es Schwierigkeiten gab, abgeschoben und nicht mal eines Gesprächs für wert befunden wurde.

"Bin vom Rad gefallen, war aber nicht schlimm", sagte er knapp und wandte sich halb ab, um seine Aufmerksamkeit Dieter zuzuwenden, selbst wenn sie doch bei Raine blieb.

"Hast du nach dem Stück noch Zeit für mich?" Es nervte Raine, dass er mit Timos Hinterkopf sprechen musste, aber überhören konnte der andere ihn sicherlich nicht.

Timo schwankte zwischen 'Mal sehen' und einem entschiedenen 'Nein', aber er machte den gleichen Fehler, wie er ihn auch bei Martin nie vermeiden konnte. Er warf ihm einen kurzen Seitenblick zu und meinte schließlich "Lässt sich mit Sicherheit einrichten. Ich glaube nicht, dass ich allzu viele Autogramme geben muss."

Raine lachte leise, aber wurde von einigen Leuten zur Requisite beordert. Hastig flüsterte er "Schön. Ich will mich nämlich entschuldigen."

Timo blinzelte verwirrt, aber dann zog ein hoffnungsvolles Lächeln über sein Gesicht, wenngleich er sich dafür im Geheimen einen Idioten nannte. Es konnte genauso gut ein Versuch von Raine sein, den Fehler wieder gut zu machen, weil er ihn so nicht ins Bett bekam. /Aber so berechnend ist er nicht, oder? So eklig und oberflächlich?/

Es taute auf jeden Fall den Eisklumpen in Timos Bauch und Brust auf, und selbst die Prellungen schienen nicht mehr ganz so schmerzhaft zu sein, auch wenn er vor dem Raus und Rein aus und in den Souffleurskasten Angst bekam.

Es war genauso schmerzhaft, wie er befürchtet hatte, aber es ließ sich ertragen, und das Singen bereitete Timo Freude, jetzt wo er auch wieder neue Hoffnung wegen Raine hatte. Das Publikum war angenehm, lachte an den richtigen Stellen, klatschte auch zwischendurch, und nicht einmal die Szene, vor der Timo ein wenig besorgt gewesen war, wurde schlimm. Aus seinem Kasten heraus konnte er sehen, dass Raine Marie zwar küsste aber anders, als er ihn geküsst hatte, und das machte ihn zufrieden. Nach einer letzten Verbeugung und einer Zugabe des Chors, als sie sich alle lachend umarmten, fiel Timo erst auf, dass die Schauspieler ihn nicht einmal gebraucht hatten.

Raine nahm einen tüchtigen Schluck aus der kreisenden Sektflasche, ließ sich noch einmal hier und dort umarmen und knuddelte einige der anderen ein wenig. Annette ignorierte ihn noch immer, und Timo hielt sich verdächtig weit von ihm entfernt. Sie würden sich alle zu einem letzten Umtrunk auf dem Weihnachtsmarkt wieder treffen, und die meisten wollten vorher noch mal schnell mit ihren Freunden sprechen, die im Vorraum zur Aula warteten. Raines Mutter und Dieter standen natürlich mit etlichen der bunt angezogenen und fröhlichen Kommunenmitbewohnern, die es sich nicht hatten nehmen lassen, die Aufführung ebenfalls zu besuchen, vor der Bühne.

"Klara! Ich komme gleich zu euch!", verabschiedete Raine sich schnell, bevor er sich eines der Handtücher aus der Maske nahm und in das kleine Bad hinter der Bühne ging, um sich das Gesicht zu waschen.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh