Das Weihnachtsspiel 7

 

Das Weihnachtsspiel

7.

Raine hatte nicht einmal versucht, ihn zu drücken, hatte ihm auch jetzt nicht wie auch immer geartet gezeigt, dass er mit ihm sprechen wollte, und Timos Herz sank. Er wartete noch ein wenig am Rand des Raumes, aber Raine ging direkt, ohne auch nur nach ihm zu schauen, vom Bad zu seiner Mutter und Dieter hin, die inmitten einer ganzen Gruppe Leute standen, die allesamt vom Hof zu kommen schienen. Fröhlich wurde er umarmt, bekam auf die Schulter geklopft und erhielt einige Küsse.

Timo bekämpfte energisch, aber nicht sehr erfolgreich das Gefühl, nie dazu gehören zu können, als er hinten in die Garderobe ging, um seine bequemen Schuhe gegen die warmen Stiefel auszutauschen und in die fellgefütterte Cordjacke zu schlüpfen. Mit einem Mal sehnte er sich nach Daheim, nach seinem Bett, wo er die Decke über den Kopf ziehen konnte, oder einem langen Gespräch mit seiner Mutter. Aber er ließ die Regung nicht zu, weil er sich nicht ganz ausgrenzen wollte, und lief nicht ganz passend, weil still inmitten der ausgelassenen von dem Sekt schon ein wenig angeschwipsten Leute, mit einer der kleinen Gruppen zum Weihnachtsmarkt runter.

Raine hatte gedacht, dass Timo auf ihn zukommen und mit ihm reden wollte, aber dieser schlich sich dermaßen unauffällig hinter ihnen her, dass Raine ihn erst bemerkte, als jemand rief "Ich geb dir was aus, Timo!" Rasch wandte er sich um und entdeckte den schmalen jungen Mann, der nicht wirklich glücklich aussah inmitten der fröhlich feiernden Leute. Raine löste sich von Klaras Arm und ging direkt zu Timo. "Ich hab schon gedacht, dass du mir wieder abgehauen bist."

Empört sah Timo zu ihm hoch. "Ich dir abgehauen? Umgekehrt wird ein Schuh draus!"

Verwirrt blinzelte Raine und meinte dann "Ich hab doch gesagt, dass ich mich entschuldigen möchte. Soll ich etwa dafür auch noch hinter dir her hetzen?" Ein wenig verärgert blickte er zu Annette rüber, die sie mit beleidigtem Gesichtsausdruck beobachtete. "Mir ist nicht mehr nach Feiern. Wenn du doch reden willst, du weißt ja, wo ich wohne." Er trat im Vorbeigehen gegen einen der Mülleimer und winkte ab, als seine Mutter ihn verwundert rief.

Timo folgte ihm direkt, nach Feiern war ihm schon die ganze Zeit nicht. Das schnelle Tempo, das Raine vorlegte, ließ seine Hüfte wieder heftiger schmerzen, aber er ignorierte es mit zusammengebissenen Zähnen und humpelte weiter. "Jetzt bleib doch stehen! Ich habe auf dich gewartet, aber du schienst an keinem Gespräch mehr interessiert zu sein. Soll ich dir wie ein treudoofer Hund hinterher laufen und hoffen, dass der tolle Raine mir einen Blick gönnt oder was?"

"Nein, sollst du nicht! Ich will einen Freund und keinen Hund, verdammt! Aber dieses 'ja, nein, doch, vielleicht, nee doch nicht, vermutlich doch, wenn du nix sagst, sag ich auch nix und zicke rum, vielleicht aber doch, ach nein wieder nicht...' Spiel geht mir auf den Sack! Ich hab mich in dich verschossen, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, aber nur für Zuhause kann ich nicht mit dir zusammen sein! Wenn du den Ex geschasst hast, weil er dich auch in der Öffentlichkeit umarmen wollte, dann kannst du mich gleich von Beginn an vergessen, Timo. Aus Rücksicht auf irgendwelche Tusen halte ich mich erst Recht nicht zurück!" Es tat erstaunlich gut, Dampf abzulassen. Raine holte tief Luft und lehnte sich gegen eine Hauswand, um Timo anzusehen. Das bleiche Gesicht zeigte die Schmerzen mittlerweile noch viel deutlicher als zuvor. "Du hast dich verletzt. Komm mit zu mir, oder kannst du nicht mehr so weit laufen?"

"Ich kann auch noch viel weiter gehen", gab Timo pampig zurück und schlug die Richtung ein, in der er Raines Wohnung vermutete. Von dem einen Mal hatte er sich den Weg nicht so gut gemerkt, dass er aus allen Richtungen hinfand. Aber das fehlte noch, dass Raine mit irgendwelchen Mitleidsmaschen kam. "Und ich spiele keine Spiele, ich bestimmt nicht. Aber du bist gestern ja sofort beleidigt abgezischt, ohne mir auch nur einen Moment zu geben, um mich erklären zu können. Einen Tag später kommst du, sagst, du willst dich entschuldigen und ich hab wieder nur das Gefühl, dass ich Luft bin. Und dann werde ich auch noch angeraunzt, weil ich nicht zu Boden krieche und dankbar bin. Großartig! Wer hier Spiele spielt, ist immer noch die Frage!"

"Ich will mich auch entschuldigen." Raine hielt Timo an der Schulter auf, als dieser an der Abbiegung vorbei rennen wollte. "Aber dafür, dass ich dich geküsst habe, ohne vorher zu fragen, was für eine Beziehung du willst. Mir scheint, du willst gar keine Beziehung, sondern nur mal ein wenig bekuschelt werden."

Irgendwie schaffte Raine es, dass Timo immer wütender wurde. Was sollte das denn nun schon wieder heißen? Er streifte die Hand ab und verschränkte die Arme vor der Brust, während er zu Raine empor funkelte. "So einer bin ich nicht! Und wenn du das gedacht hast und wenn es das ist, was du suchst, können wir das wirklich hier und auf der Stelle beenden, noch bevor irgendwas angefangen hat. Aber eine Entschuldigung für Küsse, bei denen ich dachte, dass sie von beiden Seiten ausgingen, brauch ich wirklich nicht. Die kannst du dir sonst wo hin stecken!"

Raine musste lachen, weil Timo sich so aufplusterte. Er schloss die Tür auf und dirigierte den schmaleren Mann rasch in den Hausflur, damit er ihm nicht davon humpeln konnte. "Nein, ich will eine Beziehung, in der man füreinander da ist, und in der man es auch anderen zeigt", wiederholte er geduldig und schob Timo vor sich her die Stiegen hinauf. "Mit dir vorzugsweise."

"Und ich will keine Beziehung, in der es nur nach deinem Kopf geht", murrte Timo schon ein wenig friedlicher gestimmt, weil es so nett klang, was Raine sagte und weil er erleichtert war, dass sie endlich angekommen waren. Während Raine die Tür hinter ihnen schloss, zog er vorsichtig die Stiefel aus und schlüpfte in die selben dunkelblauen Pantoffeln mit den Sonnenstickereien wie beim letzten Mal. Dann hängte er die Jacke auf und humpelte gleich ins Wohnzimmer weiter, um sich setzen zu können. Leise seufzte er auf.

"Meine Güte, bist du zickig. Wenn ich das geahnt hätte", knurrte Raine ein wenig angenervt. Leider war Timo noch immer so verdammt niedlich, roch so lecker, brachte sein Herz dazu schneller zu schlagen. Allein, wie er dort auf dem Sofa hockte. "Wo hast du dich verletzt, zeig mal her."

"Auch nicht zickiger als du. Aber wenn es dir nicht passt..." Timo ließ den Satz unvollendet und dachte daran, dass er eigentlich keine Lust hatte, sich vor Raine auszuziehen. Nicht jetzt zumindest, nicht so. Und helfen würde Raine mit Sicherheit auch nicht können. Trotzdem knöpfte er nach einem kurzen Überlegen die schwarze Jeans auf und stand dann wieder auf, um sie herunterzuziehen. Gleich darauf wünschte er, es nicht getan zu haben. Ein wahrhaft riesiger dunkelblauer Fleck zog sich über den halben Oberschenkel und die Hüfte, und Timo wusste, dass noch ein zweiter auf Schulter und Oberarm war, aber auf denen musste er immerhin nicht laufen, weswegen es nicht so auffiel.

/Doch/, dachte Raine. Dann erblickte er Timos blaue Flecken und meinte erschrocken "Himmel und Hölle, hast du dich geschlagen?!" Er ging auf die Knie und drehte Timo ein wenig besser in das Licht der kleinen Wohnzimmerlampe. Prüfend schob er die Shorts ein wenig zur Seite.

Unbehaglich hob Timo die Schultern und zuckte zusammen, als Raine einen besonders empfindlichen Punkt berührte. "Ich bin vom Rad gefallen, als ich gestern von der Probe nach Hause gefahren bin. Oder eher, ich bin mit dem Rad gefallen. Ich war zu schnell und hab nicht richtig aufgepasst, da ist es mir weggerutscht. Zum Glück war an der Stelle einigermaßen Schnee, das hat gedämpft."

"Tut mir leid, sieht böse aus. Aber gebrochen ist ja nichts, oder? Ich hab noch Heparinsalbe da, soll ich dich einreiben?" Hoffnungsvoll strich Raine mit Blicken das Bein hinauf zu dem noch immer ein wenig knatschigen Gesicht.

Wieder zögerte Timo, sich nicht ganz sicher, ob er sich so viel von Raine berühren lassen wollte und weil er Angst hatte, dass es weh tat. Dann nickte er jedoch und sagte leise "Danke." Immerhin wollte Raine helfen, und die Salbe war bestimmt besser als gar nichts, was Timo gemacht hatte.

Raine ging auf kürzestem Weg durch das kleine Zimmerlabyrinth zum seinem Bad, wo er in einem der viele Hängekörbe Medikamente, zu weiten Teilen aus seiner Zeit als Zivi in der Rehaklink, aufbewahrte. Die Heparinsalbe war noch nicht abgelaufen. In diesem zickigen Zustand könnte Timo selbst das sicherlich gegen Raine auslegen. Raine zog sich den Pullover aus, weil die Dachwohnung angenehm warm war und beeilte sich, mit der Salbe zu seinem schwierigen Fall zurückzukehren.

"Hier. Fang an und ich mach weiter, wo du nicht ran kommst, nicht dass du behauptest, ich hätte dich unsittlich berührt." Raine sah Timo kurz in das Gesicht. "Oder soll ich das machen?"

Timo lachte nervös und fragte dann "Bin ich wirklich so schlimm?"

Raine nickte leicht, aber erwiderte "Das macht dich um so wertvoller." Er drehte den festgesetzten Verschluss der dicken Tube ab und ging wieder auf die Knie, um das Bein einzureiben. Sachte strich er unter der Shorts entlang und drehte seinen Freund ein wenig weiter, um auch oben an der Hüfte anzulangen. "Du bist viel zu niedlich für so ein Gesicht. Wo tut es noch weh, Sonnenschein?"

Berührungsschmerz wechselte sich mit angenehmen Schauern ab, und Timo begann, Raine sein dummes Verhalten vom Vortag zu verzeihen. Es war irgendwie rührend, wie er sich kümmerte, und wenn er so liebe Sachen sagte, ließ es ohnehin Timos Herz aufgehen. Er bückte sich und zog vorsichtig die Hose wieder hoch, ehe er das Hemd aufknöpfte und auszog und Raine eine fast ebenso verfärbte Schulter präsentierte. "Hier. Aber es ist nicht so schlimm wie die Hüfte und das Bein."

Lächelnd streifte Raine Timo das Hemd von den Schultern weiter herunter. "Sieht nicht so böse aus, stimmt." Er verteilte die Salbe dennoch gewissenhaft auf der Schulter und den Arm entlang. Endlich drehte er die Kappe wieder auf die Tube und warf sie achtlos auf das Sofa hinter ihnen, bevor er sich zu Timo umdrehte, der gerade dabei war, sein Hemd wieder anzuziehen. "Also, nur um Missverständnissen vorzubeugen. Darf ich dich in der Öffentlichkeit auch küssen?"

"Es ging mir gar nicht um die Öffentlichkeit, Raine. Ich wusste nur gar nicht, was zwischen dir und mir ist und hatte Annette nichts gesagt. Nicht mal, dass ich in... dass ich mich für dich interessiere. Ich wollte das erst mit dir klären, dann mit ihr reden." Timo stopfte das Hemd in die Hose zurück und verzog das Gesicht, als der blaue Fleck protestierte. "Ich glaub nicht, dass sie sauer ist, weil wir zusammen sind. Aber ich glaub, dass sie sich von mir hintergangen fühlt, und da kann ich sie verstehen." Mit einem kleinen, unbehaglichen Seufzen zog der die Schultern hoch. "Was haben wir denn jetzt? Willst du wirklich eine Beziehung mit mir? Ich meine, eine richtige?" Timo wurde rot. "Ich bin da ziemlich... spießig, in meinen ganzen Vorstellungen, weißt du?"

Annette war Raine herzlich egal, aber wenn sein Freund so sensibel für alle anderen sein wollte, bitte. "Ich will eine Beziehung von der Sorte, bei der man sich so eine ganze Weile lang regelmäßig trifft und dann hätte ich gern noch die Sorte, bei der man regelmäßig Intimitäten austauscht. Aber all das nur, wenn ich nicht brav zurückbleiben und Sitz machen soll, sobald eine fraglich empfindsame Person in der Nähe ist." Raine ließ sich auf das Sofa fallen und blickte nachdenklich an Timo entlang. "Was willst du von mir? Ich bin für vieles zu haben, nur Hü und Hott mag ich nicht."

"Du stellst dich an, nur weil ich versucht habe, Rücksicht zu nehmen? Wir haben uns für den gleichen Mann interessiert, der zufällig in keiner Beziehung war. Jetzt ist er das hoffentlich, da ist das was vollkommen anderes. Und was ich von dir will?" Timo setzte sich bedeutend vorsichtiger und mit ein wenig Sicherheitsabstand zu Raine, aber immerhin auf das gleiche Sofa. "Deine Definition hat schon einiges für sich. Dazu kommt, dass ich es gar nicht vertragen kann, wenn mein Freund ständig bei anderen im Bett zu finden ist. Ich fürchte, ich kann es sogar nicht ein einziges Mal vertragen. Und... dass man über Probleme reden kann, aber nicht vor einem Publikum. Dass mit der Scham, wenn man mich auch außerhalb in den Arm nehmen und küssen will, hab ich mir spätestens bei Martin abgewöhnt. Da hat er mich einfach ignoriert." Timo musste schief grinsen. Wie meistens, wenn es nicht nach Martins Kopf gehen sollte.

"Wenn du andeuten willst, dass ich wegen meiner Erziehung oder meiner Einstellung zum Leben gleichzeitig untreu bin, muss ich dich enttäuschen. Wenn ich nicht mehr auf meinen Freund kann, dann überlege ich wieso und zwar mit ihm zusammen. Was das Ignorieren angeht, soll ich dich ignorieren, wenn du dich rot angelaufen windest?" Raine warf einen Seitenblick auf Timo, aber blieb auf seinem Ende der Couch sitzen, noch wollte er nicht zu aufdringlich werden.

Unwillkürlich musste Timo kichern. "Dummerweise laufe ich schnell rot an, aber das heißt nicht, dass ich gleichzeitig endlos verlegen und verschüchtert bin. Ich kann das auch aus Freude oder Aufregung oder... noch anderen Dingen. Wenn ich mich rotangelaufen im Bett winde, dann hoffe ich sehr, dass du mich nicht ignorierst." Er hatte gar nicht so direkt sein wollen, aber jetzt war es heraus, und prompt wurde Timo rot. "Wie du siehst, geht es sehr schnell", witzelte er hilflos.

Raine lachte auf und erhob sich. "Apropos Bett. Komm mit." Er hielt auffordernd seine Hand in Richtung Timo auf.

Timo sah ihn erschrocken an, dann beschloss er jedoch, dass nicht einmal Raine so direkt, ohne jedes Vorgeplänkel und derart unromantisch zum Sex übergehen konnte, erst recht nicht, nachdem sie eben noch diskutiert hatten. Wahrscheinlich wollte er ihm nur etwas zeigen. Er stand auf und legte seine Hand in Raines, um sich von ihm führen zu lassen.

Raine schleifte Timo durch die zwei Zwergzimmerchen in sein Schlafzimmer, das auch nicht viel größer war. Den meisten Raum nahm sein von einem bunt bestickten Vorhang umgebenes Bett ein. Ein kleines schräges Dachfensterchen zeigte einen verhangenen Himmel, aus dem schon wieder kalter Regen fiel, und Raine zog das Rollo herunter, bevor er die Lichterkette einsteckte. "Leg dich hin. So kann ich dich nicht rumsitzen lassen, und ich will deine Zeit noch ein wenig beanspruchen." Er suchte eine weiche Hose und eines seiner gebatikten Langarmhemden heraus. "Wenn du magst, kannst du dich umziehen, ich gehe mal eben einen Tee kochen."

Neugierig fragte sich Timo, was Raine vorhaben mochte, aber er sprach es nicht laut aus. "Du kannst meine Zeit gerne lange und ausgiebig beanspruchen", versprach er ihm stattdessen großzügig und lächelte. "Und Tee ist immer eine gute Idee."

Er wartete, bis Raine das Zimmer verlassen hatte, dann zog er sich rasch aus und die bunte Kleidung von Raine über. Die Hose war ein wenig zu weit, aber gemütlich, und das Hemd sowieso. Timo grinste, sah an sich herunter und fühlte sich verkleidet, ehe er die Ärmel soweit hochkrempelte, dass er seine Hände wieder sehen konnte. Dann drapierte er einige Kissen auf dem Bett, so dass sie später gemütlich würden sitzen können und folgte Raine in die Küche, um ihm vielleicht mit dem Tragen von Tassen und der Kanne helfen zu können. Außerdem wollte er nicht auf ihn warten, zudem war er neugierig auf die Küche.

Raine hatte den kleinen Gasherd mit den drei Platten angeworfen, um Wasser zu kochen und war gerade dabei, in einem der großen weißen Holzkörbe nach dem Tee zu suchen, auf den er Lust hatte. "Timo!" brüllte er durch die Wohnung und schreckte zusammen, als der Verlangte gleich hinter ihm auftauchte. "Oh, da bist du ja. Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du Früchtetee magst. Schwarzen Tee so spät zu trinken, wäre vielleicht keine gute Idee, gell?" Er stellte zwei große Becher auf den kleinen Holztisch. "Oder möchtest du lieber Kakao? Ich hab grade gesehen, dass ich doch noch einen Liter Milch hier habe."

"Früchtetee ist in Ordnung. Heb die Milch lieber fürs Frühstück auf." Timo setzte sich auf einen Hocker neben dem Tisch, nachdem er ein Körbchen mit Flaschenöffnern, Glasperlen und ähnlichem Klickerkram weggestellt hatte, und sah sich in der kleinen Küche um, die genauso bunt und vollgestopft wie der Rest der Wohnung war. "Sag, kannst du romantisch sein? Nur damit ich weiß, worauf ich mich hier einlasse." Er grinste ein wenig.

"Kommt drauf an. Was willst du denn an Romantik geboten bekommen? Ich dachte, dass ich dich ein wenig umtüdele und du hier übernachten musst, und ich hatte geplant, noch ein wenig mit dir zu knutschen, zur Versöhnung sozusagen." Raine goss das kochende Wasser in die bauchige Teekanne, deren Deckel er schon zwei Male geklebt hatte, weil er sie nicht missen wollte. "Nimm mal das Stövchen und die Keksdose dort mit, ich komm mit Kanne und Bechern zurecht."

Timo lachte und stand auf, um sich des hübschen Messingstövchens und der Dose mit einer bunten, indischen Tänzerin zu bemächtigen. "Ich meinte es eher allgemein, aber das klingt nach einem sehr netten Plan. Mal sehen, ob du geschickt genug bist, um mich die Zeit vergessen zu lassen, wenn meine letzte U-Bahn fährt." Er zwinkerte ihm zu und ging voraus, um beides auf einem Tischchen neben dem Bett abzustellen. Mit gemischten Gefühlen schob er dafür einen Korb beiseite, der mit einem Haufen bunt verpackter Kondome gefüllt war, die sich den Platz mit Seidenblumen, Glasmuggeln, zwei bunten Feuerzeugen und einer Tube Gleitcreme teilten. Offensichtlich war Raine auf alle Eventualitäten gut vorbereitet, und Timo konnte nur hoffen, dass er das mit der Treue ernst gemeint hatte.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh