Whispering Wind

5.

"Gehofft?", brachte Aurel verblüfft hervor. Die Verwunderung verdrängte alle anderen Gedanken. "Ich bin ein dreckiger Vagabund, der so mir nichts, dir nichts in dein hübsches Zimmer gefallen ist, überall Dreckflecken hinterlassen und dich fast zu Tode erschreckt hat!"

Amaiis biss sich auf die Unterlippe und wich seinem Blick aus, ein kleines, verlegenes Lächeln huschte über sein Gesicht. "Herr, vergebt mir... es war... oh Herr, es war einfach.... Ihr wart so... unbedarft... so goldig. Ich hatte Angst, bevor Ihr gekommen seid. Man hatte mir berichtet, mein neuer Herr sei eingetroffen. Und es war... sie hatten gesagt, Ihr wäret... Ihr hättet eine Waffe auf Fíonán gerichtet. Aber dann habt Ihr die Tür geöffnet und Euch umgesehen und Eure staunenden Augen... und das Lächeln... und Euer Lachen... die Begeisterung... und..."

Jedes Wort schien das Rot seiner Wangen zu vertiefen, während er immer leiser wurde, bis er schließlich verstummte. Mit gesenktem Kopf sah er zu Aurel empor. Schuldbewusstsein, Scham und Verlegenheit spiegelten sich in seinen Augen wieder.

"Herr, Ihr seid bestimmt hungrig. Seit Eurem Frühstück ist viel Zeit vergangen", flüsterte er. "Es ist angerichtet. Ich werde Euch etwas Bequemeres zum Anziehen holen, dann könnt Ihr sofort essen."

Abrupt wandte er sich ab und floh regelrecht vor ihm.

"Goldig", wiederholte Aurel fassungslos. Er konnte sich nicht erinnern, dass ihn irgendjemand in den vergangenen zwanzig Jahren als goldig bezeichnet hatte. Mit beiden Händen strich er sich das Haar aus dem Gesicht und verharrte so einen Moment, die Hände auf dem Hinterkopf. Dann ließ er die Arme sinken, drehte sich um und starrte zu dem Vorhang, hinter dem der Junge verschwunden war. "Goldig! Er fand mich... goldig."

Es dauerte nicht lange, ehe Amaiis wieder zurückkam, den grünen Morgenmantel gegen die Brust gedrückt und den Blick verschämt gesenkt. Noch immer waren seine Wangen gerötet. Vor Aurel ging er in die Hocke und legte das Kleidungsstück auf dem Boden ab, ehe er sich wieder aufrichtete.

"Lasst mich Euch helfen, Herr", wisperte er.

Aurel sah auf den schwarzen Schopf hinab, während die schlanken Finger die Kordel fanden, die seine Hose hielt, und den Knoten lösten. Mit einem leisen Rauschen glitt die Seide hinab, als sie ihres Halts um seine Hüften beraubt wurde. Langsam ging Amaiis erneut in die Hocke, nahm den Morgenmantel und stand wieder auf. Seine Finger zitterten, als er den glatten Stoff zu ordnen versuchte.

Sacht umfing Aurel sie mit seinen Händen und hielt sie fest. Der Junge zuckte verschreckt zusammen, dann blieb er vollkommen reglos stehen.

"Ich weiß nicht genau, warum du dich jetzt fürchtest." Ein wenig unsicher schaute Aurel ihn an. "Aber ich kann dir versprechen, du hast jetzt noch viel weniger Grund dazu als gestern."

Einen Moment schien Amaiis nicht zu reagieren, doch dann hob er den Kopf und erwiderte hilflos Aurels Blick. "Es tut mir leid, Herr. Ich... ich fürchte mich nicht... nicht vor Euch... ich... ich rede nur zu viel, ich sollte... mehr nachdenken, wenn ich etwas sage", flüsterte er. "Es tut mir leid."

Aurel musste lachen und zwinkerte ihm zu. "Deswegen? Oh, vergiss es. Ich fand es sehr angenehm zu erfahren, was man so im allgemeinen von mir denkt. Goldig..." Er schenkte ihm ein verschmitztes Grinsen und zog die schlanken Hände an seine Lippen, um einen Kuss darauf zu hauchen.

Im nächsten Moment ließ er sie auch schon wieder los und entwendete ihnen den Morgenmantel. Rasch warf er ihn sich über die Schultern und zog ihn zu, als ihm bewusst wurde, dass er schon wieder vollkommen unbekleidet war. /Warum zur Hölle stört mich das bei ihm?/ Während er den Gürtel zu einem losen Knoten schlang, sah er sich demonstrativ im Raum um. "Du erwähntest etwas zu essen? Ich glaube, mein Magen ist mittlerweile zu einem kleinen schwarzen Loch geschrumpft."

Amaiis kicherte auf. "Vergebt mir meine Unachtsamkeit, Herr. Ich hätte Euch direkt an der Tür mit etwas empfangen müssen. Nehmt Platz, ich hole es sofort." Er wies mit einer kleinen, anmutigen Geste auf die Sitzkissen vor dem Tischchen, an dem Aurel bereits gefrühstückt hatte.

Zufrieden lächelnd ließ sich Aurel sich mit unterschlagenen Beinen nieder. Ihm war das dankbare Aufleuchten in Amaiis' Augen nicht entgangen, als er das Thema gewechselt hatte. Und er genoss es wirklich, ihn lachen zu hören.

/Sag mal, wolltest du nicht packen und gehen?/, fragte die kleine, nervende Stimme irgendwo in seinem Hinterkopf. /Das kann ich auch noch mit vollem Magen, nicht wahr?/, antwortete er sich selber murrend und verdrängte es augenblicklich wieder. Dafür hatte er wirklich noch die ganze Nacht Zeit.

Amaiis kam mit einem großen Tablett wieder, das fast zu schwer für ihn zu sein schien, und das bei Aurel das Bedürfnis weckte, aufzuspringen und es ihm abzunehmen. Doch noch bevor er den Gedanken ausführen konnte, hatte der Junge es bereits auf einem der Beistelltischchen abgesetzt und begann von dort aus, flink seinen Tisch zu decken. Wie auch beim Frühstück war die Auswahl überwältigend, und Amaiis verstand es, alles so anzuordnen, dass es auch noch dekorativ wirkte.

Bei dem Anblick konnte Aurel seinen Magen knurren hören. Es war wirklich schon eine Weile her, dass er das letzte Mal etwas zu sich genommen hatte. Wie spät war es eigentlich? Als er die Gemächer der Herrin der Winde verlassen hatte, war die Sonne bereits am Sinken gewesen. Ein kurzer Blick zur Fensterfront bestätigte ihm, dass sie untergegangen war. Die Sterne glitzerten kalt im nachtschwarzen Himmel, doch in dem Raum verbreiteten die versteckten Lampen ein angenehm warmes Licht.

Amaiis zündete die Dreiergruppe Kerzen an, die er auf den Tisch gestellt hatte, dann schenkte er mit der ihm eigenen Anmut goldenen Wein aus einer Glaskaraffe in das ziselierte, langstielige Glas. "Ich hoffe, er mundet, Herr. Ich wusste nicht, was Ihr mögt, deswegen habe ich einen Coubrinne, Jahrgang 32, halbtrocken, gewählt."

Mit einem verlegenen Grinsen kratzte Aurel sich am Kopf. "Weißt du, Junge, ich bin mir sicher, er ist hervorragend. Aber ich habe von Erdenweinen nicht die geringste Ahnung."

Für einen winzigen Moment stockte Amaiis, dann stellte er die Karaffe ab und hob die Hand vor den Mund, nur um sie sofort wieder sinken zu lassen und ein kleines Lächeln zu offenbaren. "Herr, vergebt mir, aber Coubrinne ist nicht von der Erde, deswegen habe ich ihn ausgesucht. Ich dachte, Ihr würdet ihn kennen."

Verdutzt sah Aurel ihn an, dann lachte er auf. "Gut, ich gebe zu, ich kenne mich mit Weinen überhaupt nicht aus. Ich trinke, was mir in die Finger kommt, wenn es mir schmeckt - und manchmal auch dann, wenn es mir nicht schmeckt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du eine ausgezeichnete Wahl getroffen hast."

Kurz zögerte er, doch dann machte er sich daran, Amaiis' sorgfältige Kreation zu zerstören, indem er sich Bratenscheiben auf den Teller lud und von den diversen Salaten daneben schaufelte, die er zu einem Großteil nicht einmal kannte. "Ehrlich, ich bin kurz vor dem Verhungern, Junge", grinste er. "Auch wenn ich damit dein Kunstwerk vernichte. Willst du nicht mitessen?"

"Nicht, wenn Ihr nicht darauf besteht, Herr", sagte Amaiis leise und lächelte. Er setzte sich auf seine Fersen und strich sich das Haar hinter die Schultern. Die Bewegung ließ die Glöckchen silberhell klingen. "Aber wenn Ihr erlaubt... darf ich für Euch tanzen?"

Aurels voll geladene Gabel hielt auf dem halben Weg zu seinem Mund inne. "Tanzen?", fragte er, als hätte er nicht richtig verstanden.

Amaiis nickte schüchtern. "Ich tanze gerne, Herr", gestand er leise. "Ich dachte, es könnte Euch vielleicht gefallen."

Zögernd sah Aurel ihn an und ließ die Gabel sinken. /Tanzen?/ Er hatte schon einiges an Tänzen gesehen, und es waren nicht gerade die harmlosen Varianten, die ihm durch den Kopf schossen, ganz im Gegenteil. Er war drauf und dran, abzulehnen, als er die Bitte in Amaiis' Augen las. /Komm, hör auf, er hat gesagt, er tut es gerne. Und es wird ihm wohl kaum Vergnügen machen, sich vor dir auszuziehen. Bestimmt ist es 'ne Art Schwerttanz oder so, was er dir vorführen will. Und verbieten ist nicht. Okay? Genauso wenig wie zu etwas zwingen./

"Hm", murmelte er unsicher, dann nickte er. "Wenn du willst... aber nur, wenn du wirklich willst, ja?"

Das Strahlen, das über das zarte Gesicht huschte, war Antwort genug. "Danke, Herr!" Begeistert sprang Amaiis auf und brachte so erneut die Glöckchen zum Klingen. "Ich bin sofort wieder da, ich ziehe mich nur schnell um." Leichtfüßig lief er davon.

Aurel seufzte unhörbar und fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, erst zu essen und dann zu gehen, doch jetzt war es ohnehin zu spät. Hungrig machte er sich über den Inhalt seines Tellers her.

Erst, als das Licht plötzlich gedimmt und der Raum in Dämmerung getaucht wurde, sah er wieder auf. Leise, ruhige Musik setzte ein, die aus dem Nichts zu kommen und wie schwerelos durch den Raum zu schweben schien. Amaiis' zierliche Gestalt huschte durch das Zimmer und entzündete Kerzen, die er an Stellen platzierte, wo ihre Flammen keines der von der Decke herab hängenden Tücher erreichen konnten.

Aurel folgte ihm mit den Blicken. Der Junge hatte sowohl den Sarong als auch die Weste abgelegt; dafür trug er jetzt eine Art knielangen Lendenschurz aus einem schweren, violetten Stoff, der golden schimmerte, wann immer Amaiis sich bewegte. Jeder Schritt ließ ihn zur Seite fließen und offenbarte die langen, schlanken Beine. Gehalten wurde er von einem aufwendig verzierten, knapp auf der Hüfte sitzenden breiten Gürtel, in dessen geschwungene Ornamente kleine Amethyste eingelassen worden waren, die im Licht der Kerzen glitzerten. Ein weiterer Amethyst verzierte den Bauchnabel des Jungen. Sein Oberkörper war nackt, jedoch trug er passend zum Gürtel einen breiten Halsschmuck, der die Schultern und den oberen Teil der Brust verbarg. Im warmen Licht der Kerzen wirkte die helle Haut fast golden.

Amaiis wandte sich zu Aurel um und lächelte. Seine Augen schimmerten geheimnisvoll, als er in die Mitte des Raumes lief und sich dort reglos hinstellte, den Rücken durchgebogen und den Kopf in den Nacken gelegt, so dass das lange, dichte Haar wie eine schwarze Flutwelle den Rücken hinabfloss.

Aurel fühlte sich eigenartig und ein wenig unsicher, während er den Jungen beobachtete. Er tastete nach dem Weinglas und nahm einen tiefen Schluck, um sich zu beruhigen. Der Wein war frisch mit einem Hauch Süße und prickelte kaum wahrnehmbar in seinem Mund. Ein angenehmer Geschmack, den Aurel nicht wirklich zu würdigen wusste.

/Wieso bist du nervös? Er wird tanzen, mehr nicht. Und er ist auch nicht nackter als sonst./ Gerade, als er sich davon überzeugt hatte, sich wieder dem Essen zu widmen, änderte sich die Musik; sie wurde schneller und verlor die fast meditative Ruhe, leise, aber wahrnehmbar schlängelte sich Rhythmus in die Klänge.

Amaiis' schlanker Körper streckte sich, als er in einer federnden Bewegung die Arme über den Kopf hob. Seine ersten Schritte wirkten tastend, fast zögernd, und doch passten sie zu der Musik. Dann gewann er an Sicherheit, während sich das Tempo allmählich steigerte, um zu einem abwechslungsreichen Rhythmus zu finden, in den sich der Elf fallen ließ.

Aurel konnte den Blick nicht mehr von dem geschmeidigen Körper lassen, der mit der Musik zu schweben schien, in ihr flog, sich mit ihr wiegte. Die Melodie umwob ihn, trug ihn, pulsierte durch sein Blut.

Verführerisch näherte sich Amaiis ihm, bog sich, streckte sich, seine Hände zeichneten grazile Muster vor seiner Brust, lockten Aurel, nur um sich dann wieder zu entfernen. Fliegendes Haar umhüllte ihn gleich einem dunklen Schleier, verbarg für einen Moment alle Sicht, nur um dann wieder zurück zu gleiten und die helle, vor Schweiß glänzende Haut zu offenbaren. Das flackernde Licht der Kerzen malte ein unruhiges Lichterspiel auf seinen Körper, umschmeichelte ihn und hob ihn verlockend hervor.

Schließlich sank Amaiis mit einem letzten Trommelwirbel in einer anmutigen Bewegung zu Boden, die Arme umfingen ein Bein, die Haare flossen wieder in einer nachtschwarzen Flutwelle nach vorne und raubten Aurel die Sicht.

Für einen Moment verharrte der Junge so, dann hob er den Kopf und strich sich das Haar aus dem Gesicht. Ein wenig scheu, aber glücklich lächelte er Aurel an. "Habe ich Euch gefallen, Herr?", fragte er schwer atmend.

"Atemberaubend", brachte Aurel hervor, ehe er bemerkte, was genau Amaiis gefragt hatte. Er schluckte trocken und nahm erneut einen tiefen Schluck Wein. Flüchtig registrierte er, dass die goldene Flüssigkeit mittlerweile lauwarm war. /Er hat nicht danach gefragt, ob mir der Tanz gefiel... Bei allen Dienern der Tak'shi! Du musst nicht tanzen, um mir zu gefallen!/

Amaiis' von der Anstrengung gerötetes Gesicht wurde um noch eine Stufe dunkler, seine Augen leuchteten. "Danke, Herr", wisperte er.

Geschmeidig erhob er sich. Schweiß hatte sich in der kleinen Kuhle zwischen den zarten Schlüsselbeinen gesammelt, ein Tropfen löste sich und rann allmählich die sich noch immer heftig hebende und senkende Brust hinab. Gebannt verfolgte Aurel den Weg mit den Blicken, wie er langsamer wurde, bis er sich mit einem anderen vereinte, den leicht definierten Muskeln des Bauches folgte und kurz am Bauchnabel hängen blieb, den Weg wieder aufnahm, bis er an dem breiten Gürtel verschwand.

Wie schlafwandelnd streckte Aurel die Hand nach Amaiis aus, berührte ihn sacht mit den Fingerspitzen. Hauchzart verfolgte er die glitzernde Bahn, die der Schweißtropfen hinterlassen hatte, um dann innezuhalten, als er das kühle Metall des Gürtels berührte. Eine Ewigkeit verharrten sie reglos, während der Atem des Jungen sich langsam ein wenig beruhigte. Dann hob Aurel den Kopf und sah ihm ins Gesicht.

Mit verschleierten Augen erwiderte Amaiis seinen Blick, seine leicht geöffneten Lippen glänzten feucht. Aurel verlagerte sein Gewicht und richtete sich aus dem Schneidersitz auf die Knie auf, während er ihn weiterhin unverwandt anschaute. Er griff nach ihm, legte ihm die Hände auf die Hüften und zog ihn näher an sich. Willig gab der Junge ihm nach. Als Aurel seine Lippen auf den schweißnassen Bauch presste, spürte er, wie sich Amaiis' Finger in sein Haar gruben. Seine Zunge schnellte hervor und berührte die glatte Haut; er konnte den salzigen Schweiß und einen Hauch von Zitrone schmecken. Spielerisch umkreiste er den kleinen Edelstein im Bauchnabel, was Amaiis leise aufkeuchen ließ.

Es war ein anderer Laut als vorhin beim Tanzen, lustvoll, heiser, und er brachte Aurel wieder zur Vernunft. /Das muss ein Ende haben. Auf der Stelle/, dachte er benommen. /Schick ihn weg, bring dich zur Ruhe... du musst gehen. Du darfst ihn nicht anfassen. Nicht so. Das führt zu nichts Gutem. Nicht bei ihm./

"Du solltest kurz ins Wasser springen und dir dann was trockenes anziehen", flüsterte er auf die feuchte Haut. Er spürte das Zittern, das bei diesen Worten durch den Körper des Jungen rann, die Hände, die seinen Kopf fester umfassten.

"Warum, Herr?", fragte Amaiis leise, ohne sich von der Stelle zu rühren. "Ich verstehe nicht..."

Aurels Atem ging flach; er lehnte die Stirn gegen Amaiis' Bauch, roch den betörenden, frischen Duft mit der darunter liegenden, schweren Note, der von ihm ausging. /Ich doch auch nicht./ Nur zu gerne hätte er der Lust in sich nachgegeben, hätte den Jungen ganz an sich gezogen.

"Ich will dir nicht weh tun, Kleiner", sagte er rau und zwang sich, ihn loszulassen. Er sah ihn nicht an, als er sich zurück auf das Kissen sinken ließ. Amaiis' Hände lösten sich fast widerwillig aus seinem Haar, kühle Finger streiften seine Wangen.

Er erwartete nicht, dass der Junge übersah, wie sehr er ihn begehrte, die dünne Seide des Morgenmantels war nicht dazu geeignet, es zu verbergen. "Du sollst nichts tun, was du nicht willst, nur weil du meinst, du musst, verstehst du? Ich kann nicht verhehlen, dass ich dich will. Aber das ist kein Grund, dass du mir gefällig sein musst. Ich will nicht, dass du dich dazu verpflichtet fühlst, nur weil du mir..." Er brachte das Wort nicht über die Lippen. Es klang falsch und einfach nur abartig. "...weil ich diesen Schlüssel habe."

"Herr", wisperte Amaiis. Mit einem Schritt war er bei ihm und kniete neben ihm nieder. "Oh Herr..." Zaghaft legte er seine schmale, helle Hand auf Aurels dunklere Faust, die auf seinem Oberschenkel ruhte. Für einen Moment verharrte sie dort, dann begannen seine schlanken Finger filigrane, hauchzarte Muster auf das Handgelenk zu zeichnen. "Und ich dachte, ich würde etwas falsch machen. Weil... Ihr wolltet mich doch... und dann wieder nicht... und dann seid Ihr heute morgen... Oh Herr, danke." Er verstummte, und seine Fingerkuppen glitten langsam Aurels Unterarm empor.

Wie gebannt sah Aurel ihnen zu, während sich sein Körper erneut daran zu entzünden schien. Langsam öffnete er die Faust und drehte sie um. Amaiis Finger glitten zurück und zwischen seine, umfingen sie sanft, bis auch Aurel seine Hand wieder schloss. Klein und verletzlich wirkt die von Amaiis' in seiner und unendlich beschützenswert. "Du solltest wirklich gehen", sagte er kaum wahrnehmbar.

"Und wenn ich nicht will, Herr? Werdet Ihr mich trotzdem wegschicken?", hauchte der Junge.

Als Aurel den Blick hob, sah er die Unsicherheit in den klaren, großen Augen. Unsicherheit, ob er es wagen durfte, sich ihm zu widersetzen, aber gleichzeitig auch Wärme und Verlangen. Aurel zog die zarte Hand an seine Lippen und küsste sie hilflos. Er konnte ihm nicht wiederstehen, es war unmöglich. "Willst du denn bleiben?"

Amaiis nickte scheu. "Ja, Herr."

Die Antwort ließ Aurel warm lächeln. Erleichterung strömte durch ihn hindurch, gemischt mit kribbelnder Erregung. Ihm war, als sei es mehr als nur die Erlaubnis für Zärtlichkeiten gewesen. /Er vertraut mir, warum auch immer./

Vorsichtig löste er seine Finger von Amaiis', nur um dessen Hand umzudrehen und die Innenfläche zu küssen. Er ließ sich Zeit dabei, liebkoste sie ausgiebig mit Lippen und Zunge, ehe er zu der empfindlichen Haut des Handgelenks weiterwanderte und dann allmählich den weichen Unterarm eroberte. An der Armbeuge verharrte er wieder eine Weile, um dann gemächlich den Oberarm zu erkunden. Seine Zunge zog eine feuchte Spur das Schlüsselbein entlang, bis er die kleine Kuhle an dessen Ende erreichte. Zärtlich leckte er den Schweiß auf, der noch immer nicht getrocknet war.

Dann hielt er erneut inne und hob den Kopf, um Amaiis ansehen zu können. "Eine Bedingung, Junge. Du musst mir versprechen, wenn du etwas nicht magst oder wenn ich dir weh tue, dann sagst du es."

Ein Leuchten huschte über Amaiis' Gesicht. Er schlang die Arme um Aurel und küsste ihn, nur um errötend wieder von ihm zu lassen. "Ja, Herr", wisperte er.

Mit einem leisen Lachen zog Aurel ihn auf seinen Schoß. "Und noch etwas. Tu einfach, was du tun willst. Nichts ist falsch. Wenn ich etwas nicht mag, werde ich es dir schon sagen."

Wieder nickte Amaiis und verbarg verschämt sein Gesicht an Aurels Halsbeuge. Aurel fühlte den warmen Atem auf seiner Haut, und ein leichter Schauer rann durch ihn hindurch. Am liebsten hätte er keine Zeit mit dem Vorspiel verloren, ausgehungert wie er war, doch der Junge wirkte so unsicher, obwohl er in diesem Palast lebte so unschuldig, dass er nicht konnte.

Sanft glitten seine Hände unter das dichte Haar, um Amaiis' Rücken zu streicheln. Seine Finger zeichneten Muster auf die glatte Haut, tasteten das Rückgrat hoch, bis er auf das kühle Metall des Halsschmucks stieß. Er fuhr an dem Rand entlang bis zu den Schultern und an den Seiten wieder hinab, während seine Lippen das kleine, spitze Ohr fanden und zu liebkosen begannen.

"Du bist unwiderstehlich", hauchte er verlangend.

Leise seufzte Amaiis auf, als Aurel langsam über seinen Bauch streichelte und zur Brust glitt. Die Brustwarzen versteiften sich augenblicklich unter der Berührung der tastenden Finger. Sacht begann Aurel sie mit den Daumen zu umkreisen, während er mit den Lippen Amaiis' Kiefer entlang glitt, bis der Junge ihm entgegenkam. Ihre Lippen fanden sich zu einem zärtlichen Kuss.

Amaiis richtete sich ein wenig auf Aurels Schoß auf, ohne den Kuss zu unterbrechen. Seine schlanken Hände glitten von Aurels Nacken weg, die Brust hinab, bis er auf den Knoten des Gürtels traf. Ohne Probleme löste er ihn und streifte Aurel den Bademantel von den Schultern.

Kurz hielt Aurel in seinen Liebkosungen inne, um sich von der kühlen Seide zu befreien, die an seiner feuchten Haut klebte. Federleicht strichen Amaiis' Fingerspitzen über seine Brust, fuhren die alten Narben nach, glitten Muskeln entlang.

Aurel keuchte leise auf, als der Junge seine Liebkosungen nachahmte und seine Brustwarzen zu umkreisen begann. Amaiis löste sich von seinen Lippen und sah ihn unsicher an. "Gefällt es Euch, Herr?", fragte er leise.

"Oh ja", murmelte Aurel mit einem Lächeln. Er streichelte erneut an Amaiis' Seite hinab und den festen Oberschenkel entlang bis er das Knie erreichte, um dann die weiche Innenseite wieder empor zu gleiten. Fast augenblicklich hielt Amaiis mit seinen Zärtlichkeiten inne, seine Lippen teilten sich, und er schien sich nur noch auf die Gefühle zu konzentrieren, die Aurel in ihm hervor rief.

Fasziniert beobachtete Aurel, wie sich Amaiis' Atem beschleunigte, als er seine Hand immer höher wandern und unter den Lendenschurz schlüpfen ließ, nur um festzustellen, dass der Junge darunter nicht nackt war. Kritisch betrachtete er den aufwendigen Gürtel und versuchte herauszufinden, wie man ihn öffnen konnte. Ohne Ergebnis.

"Hm, wie bekomme ich das auf?", fragte er leise und blies seinen warmen Atem über Amaiis' schweißnassen Hals. Er konnte den Schauer fühlen, der durch den schlanken Körper ging.

Der Junge lächelte und tastete blind an der Seite nach irgendeinem Mechanismus. Mit einem leisen Knacken öffnete sich eine Schnalle und erlaubte es Aurel, ihm das Kleidungsstück abzustreifen, während sich Amaiis hastig des Halsschmucks entledigte, der einen ähnlich unsichtbaren Verschluss aufwies.

Das erste Mal ließ Aurel seinen Blick bewusst und ohne schlechtes Gewissen über Amaiis gleiten. Die schlanken Beine, das dunkle Schamhaar, das wie Flaum wirkte. Und ganz offensichtlich war der Junge genauso erregt wie er. Aurel spürte die Erleichterung darüber, auch wenn er nicht gemerkt hatte, dass er deswegen angespannt gewesen war. Der flache Bauch mit dem tropfenförmigen Bauchnabel, in dem der Amethyst glitzerte. Die glatte Brust mit den dunkleren, aufgerichteten Brustwarzen, die schmalen Schultern. Der lange, schlanke Hals. Und das atemberaubende, zarte Elfengesicht, dessen große Augen seinen Blick erwartungsvoll erwiderten.

"Du bist so wunderschön", sagte Aurel leise und zog Amaiis wieder an sich, um die verlockenden Lippen zu küssen. Haut berührte Haut und jagte einen heißen Schauer durch seinen Körper. Er legte seine Hand erneut auf Amaiis' Oberschenkel und streichelte ihn sanft, aber fordernd.

Amaiis' Mund öffnete sich, und die Zunge des Jungen glitt tastend über Aurels Lippen. Ein wenig überrascht von dem unerwarteten Vorstoß öffnete Aurel sich ihm und ließ ihn ein. Zart fuhr Amaiis über die Innenseite seiner Unterlippe, ehe er die glatte Fläche der Zähne zu erkunden begann und sich dann zaghaft tiefer wagte, Aurels Zunge sacht mit der Spitze berührte.

Als Aurel ihm entgegenkam, seufzte der Junge leise in seinem Mund auf. Er löste eine Hand von Aurels Nacken und ließ sie langsam die Brust des Mannes hinab gleiten. Suchend wanderten die Finger tiefer, bis er die harten Brustwarzen erreichte und sie zart zu streicheln begann.

Aurel wünschte sich sehnsüchtig, er würde etwas anderes streicheln, als die Hitze von den sanften Fingern bis direkt in seine Lenden schoss. Ihm war heiß, unendlich heiß. Er zog Amaiis näher an sich, spürte den warmen Schenkel gegen seine Erektion drücken und stöhnte leise auf.

Amaiis reagierte augenblicklich auf die stumme Aufforderung. Seine Hand glitt tiefer, strich sanft über Aurels Bauch, bis er mit den Fingerkuppen die ersten Haare erreichte und wie verschreckt innehielt.

/Nicht aufhören! Hier muss doch... Gleitcreme. Irgendwo... immerhin ist das hier.../ Aurel streichelte Amaiis' Rücken hinab, bis er den festen Hintern erreichte. Seine Finger wanderten tiefer. Als er die kleine Öffnung berührte, zuckte Amaiis leicht zusammen.

Mühsam löste Aurel sich von den süßen Lippen und holte keuchend Luft. "Alles okay?", fragte er heiser.

"Ja, Herr", flüsterte der Junge atemlos und japste auf, als Aurels andere Hand in seinen Schritt glitt und ihn zu streicheln begann. Er hob ihm die Hüfte entgegen und drängte sich gegen ihn, umschlang wieder Aurels Hals mit beiden Armen.

Gefesselt beobachtete Aurel, wie sich das Rot auf seinen Wangen vertiefte. Die klaren, hellen Augen waren verschleiert und halb geschlossen, während sich die feuchten Lippen leicht öffneten. Mit einem Aufstöhnen wölbte sich Amaiis der fordernden Hand erneut entgegen. Der vor Schweiß glänzende Brustkorb hob und senkte sich in rasender Geschwindigkeit. "Herr!"

Verlangend küsste Aurel seinen Hals; er saugte an der weichen Haut, neckte sie mit der Zunge, während sich seine Finger um Amaiis' pulsierende Erektion schlossen. Die lustvollen Laute, die Amaiis von sich gab, jagten Explosionen durch seinen Körper. /Nur noch ein wenig, dann ist er so weit, dass ich... wo zur Hölle kriege ich Gleitcreme her?/

"Ich heiße Aurel", wisperte er heiser. "Und wo..."

Der schlanke Körper spannte sich an, dann warf Amaiis mit einem heiseren Schrei den Kopf in den Nacken und bäumte sich auf, während er sich haltsuchend an Aurel klammerte.

Aurel hielt mit seinen Liebkosungen inne, als klebrige, warme Flüssigkeit über seine Hand rann. Nur Augenblicke später kam die sich windende Gestalt in seinen Armen zur Ruhe und entspannte sich. Schwer atmend schmiegte sich der Junge an ihn, das Gesicht an seinen Hals gepresst, während Aurel ihn fassungslos ansah. /Nein. Neinneinneinnein, das ist nicht wahr.... Das war zu schnell! Wieso... das ist nicht... das war, als wäre... Nein! Zu schnell, viel zu schnell! Sag nicht, dass ich die einzige Jungfrau des gesamten Palastes in meinen Armen halte! Götternochmalverdammtescheiße!/

Als hätte er die Gedanken gelesen, bewegten sich Amaiis Hände zaghaft über seine Schultern. "Es tut mir leid, Herr", flüsterte er. "Ich wollte nicht... es war so plötzlich... ich wusste nicht.... es tut mir leid..."

/Es ist wahr. Wie kann er... Er ist doch.... Himmel noch mal!/ Vage fühlte Aurel sich um etwas betrogen, während er gleichzeitig erleichtert darüber war, dass es für Amaiis ein derartig abruptes Ende genommen hatte. Bevor er etwas getan haben konnte, was der Junge im Endeffekt bereuen würde. Denn mit Sicherheit machten sie auch mit seiner Jungfräulichkeit Geschäfte. /Und irgendwann bekommt sie ein Kerl, der ihm weh tut./ Unwillkürlich schloss er die Arme fester um den Jungen.

"Pscht", murmelte er und presste die Lippen auf Amaiis' Hals. "Du musst dich nicht entschuldigen. Du hast noch nie mit einem Mann geschlafen, nicht? Mir tut es leid. Wenn ich das gewusst hätte..."

Ja, was wäre dann? Hätte es etwas geändert? Hätte er ihn abgewiesen? /Nein, aber ich hätte es anders angefangen... mehr Zeit gelassen, zärtlicher... Aber ist wohl mal wieder Handarbeit angesagt./

"Oh Herr!" Verdutzt hob Amaiis den Kopf und sah ihn verwirrt an. "Ihr müsst Euch doch nicht deswegen entschuldigen. Ich gehöre Euch. Es ist Euer Recht!"

Er richtete sich auf; die Bewegung ließ seinen Oberschenkel über Aurels mittlerweile fast schmerzhafte Erektion streifen. Aurel biss sich auf die Unterlippe, um nicht aufzustöhnen. /Nein, ist es nicht./ Doch bevor er widersprechen oder Amaiis von sich schieben konnte, um im Bad zu verschwinden, war der Junge von seinem Schoß geglitten. Sanfte Hände fanden seine Schultern und drückten ihn nach hinten in die Kissen.

"Vergebt mir, Herr. Ich werde es gut machen, wenn Ihr mir gestattet", hauchte Amaiis und beugte sich über ihn, um seinen Hals zu küssen. Zärtliche Finger wanderten federleicht über seine Brust und hinterließen Flammenspuren.

Für einen winzigen Moment erwog Aurel zu wiedersprechen, wollte ihm erklären, dass es nicht nötig war, dass er durchaus... der Protest erstickte in einem Aufstöhnen, als Amaiis seine Brustwarzen erreichte. "Oh Götter!"

Die kühlen Lippen hinterließen Feuermale auf seiner Haut, als der Junge langsam tiefer wanderte; jeder kleine Kreis, den er mit der Zunge zeichnete, schien Explosionen durch Aurels Blut zu jagen. Sein Herz raste, der Brustkorb war zu klein, um es zu fassen; schmerzhaft hämmerte es gegen die Rippen. Die Finger ließen von den Brustwarzen ab, nur um durch einen heißen Mund ersetzt zu werden.

Aurel keuchte auf, als Amaiis sanft erst an der einen, dann an der anderen saugte. Sein Atem flog. Fahrig griff er nach dem Jungen und schob ihn tiefer; er wollte mehr. Gehorsam folgte Amaiis der Aufforderung. Die feuchten Lippen streiften Aurels Bauchnabel, glitten aber sofort weiter.

Mit einem Aufschrei bäumte Aurel sich auf, als sie seine glühende Erektion umfingen. /...vielleicht doch keine Jungfrau...?/, taumelte für einen winzigen Moment der Gedanken durch seinen Kopf, nur um wieder im Schleier von Lust und Ekstase zu verschwinden, als Amaiis Zunge und Lippen geschickt einsetzte, um ihn höher und höher zu treiben.

Feuer raste durch seine Adern, pulsierte in heißer Glut durch seinen Körper und ließ ihn sich unter den lockenden Zärtlichkeiten winden. Fern hallte sein Stöhnen in seinen Ohren wieder, fremd in dieser Zügellosigkeit. Die Flammen verdichteten sich, schienen ihn zu verbrennen.

"Jamesh ka-eezi!", keuchte er und wusste im gleichen Moment, dass Amaiis es nicht verstehen würde. "Ich komme.... weg...!"

Erschrocken zuckte Amaiis zurück; irgendetwas in diesem Blick... es war zu spät, Aurel schloss die Augen. Mit einem Aufstöhnen spannte er sich an, als das Feuer in seinem Inneren in gleißender Helligkeit explodierte.

Schwer atmend blieb er eine Weile liegen, ehe er es wagte, die Augen wieder zu öffnen und nach Amaiis zu sehen. Der Junge war vor ihm zurückgewichen, aber nur einen Schritt von ihm entfernt sitzen geblieben. Verwirrt beobachtete er ihn, Unsicherheit flackerte in den blauvioletten Tiefen auf, als ihre Blicke sich trafen.

"Habe ich etwas falsch gemacht, Herr?", fragte er nach kurzem Zögern leise.

Aurel schüttelte den Kopf und grinste verlegen. Er streckte die Hand nach ihm aus und wartete, bis Amaiis sie zaghaft ergriff. Sacht zog er ihn an sich und nahm ihn in die Arme, die verwunderte Stimme in seinem Kopf unterdrückend, die ihn fragen wollte, was er da gerade tat. /Aufstehen und duschen, anziehen und gehen, das wäre die richtige Reaktion. Mach es wie immer./ "Nein, Junge. Aber ich hatte nicht allzu viel Zeit mehr für lange Erklärungen. Und die meisten mögen es nicht, wenn sie es in den Mund bekommen."

Verdutzt sah Amaiis ihn an, dann kicherte er auf und vergrub das Gesicht an Aurels Schulter. "Das wäre nicht schlimm gewesen, Herr. Ich hätte es überlebt."

Aurel genoss das Gefühl der samtweichen Haut unter seinen Fingern, als er selbstvergessen die Hände über Amaiis' Rücken wandern zu lassen begann, den noch immer frischen Geruch, der ihn einhüllte. Er lächelte. "Hm, aber das klingt so, als hättest du es nicht besonders gemocht. Also war es besser so."

Amaiis gab einen leisen, wohligen Laut von sich und schmiegte sich noch enger an Aurel. Seine Lippen berührten Aurels Hals, während er sprach, sein Atem streifte die noch immer feuchte Haut. "Ich weiß es nicht, Herr. Ich habe es noch nie versucht. Wenn Ihr wollt, kann ich es gerne ausprobieren."

Für einen Moment hielten Aurels Hände inne, ehe sie ihre Bahn wieder aufnahmen. "Nicht, wenn du nicht willst. Es gibt mir nichts, wirklich." Sein Blick wanderte durch das Zimmer, bis er wieder zu dem Jungen in seinen Armen zurückkehrte. Etwas wie ein schlechtes Gewissen regte sich in ihm. "Du hast noch nie vorher mit jemandem geschlafen, kann das sein?", fragte er leise genug, dass Amaiis es überhören konnte, wenn er wollte.

Amaiis hob den Kopf und berührte Aurels Lippen mit den seinen, ehe er lächelte. "Ja, Herr. Und es war wunderschön. Ich danke Euch dafür. Auch wenn..." Er errötete und stockte kurz. "Auch wenn ich viel zu schnell war", meinte er kläglich. "Ihr hattet Euch mehr versprochen, nicht wahr?"

Zärtlich ließ Aurel seine Finger über die schmalen Schultern wandern, die Seiten hinab, um den kleinen, festen Po zu umfassen. "Nein", widersprach er, um dann mit einem Auflachen doch die Wahrheit zuzugeben. "Ja, hatte ich. Aber das macht gar nichts. Es war auch so der absolute Wahnsinn. Und wenn ich es gewusst hätte,... ach, egal." Er grinste schief. "Aber wieso bist du... ich meine, du bist hier und..."

"Ich hatte noch nicht so viele Herren, Herr. Ihr seid erst mein dritter", erklärte Amaiis und lächelte. "Mein erster Herr war schon etwas älter, und es hat ihm gereicht, dass ich da war. Er mochte es, mich einfach nur anzuschauen. Manchmal hat er sich vorlesen lassen oder ich durfte tanzen oder ihm vorspielen. Das höchste, was er wollte, waren Küsse." Sein Lächeln vertiefte sich; er sah Aurel schelmisch an. "Auf die Lippen oder die Wange, nicht das, was Ihr so gerne mögt." Er beugte sich zu ihm herunter und ließ seine Zunge liebkosend über Aurels Mund gleiten, bis dieser sich für ihn öffnete.

Eine Ewigkeit schienen sie in diesem Kuss zu versinken, und sie waren beide außer Atem, als sie sich schließlich doch wieder von einander trennten.

Aurel grinste. "So, du machst es also nur, weil ich es so gerne mag, ja?"

Amaiis kicherte vergnügt und nickte mit einem übertrieben unschuldigen Blick. "Natürlich, Herr. So etwas würde mir von allein nie im Traum einfallen."

"Nein, natürlich nicht. Das hätte ich auch nie von dir gedacht." Auflachend zauste Aurel ihm durch das Haar. /Ich mag dich, weißt du das?/ Der Gedanke ließ ihn irritiert innehalten und wurde sofort wieder weggeschoben, doch er hinterließ ein ungutes Gefühl in ihm. "Und dein zweiter Herr?", wechselte er abrupt das Thema.

Trauer huschte für einen Sekundenbruchteil über Amaiis' Gesicht, verschwand aber sofort wieder, um einer lächelnden Maske zu weichen. Aurel wunderte sich, dass er sie als solche erkannte.

"Mein erster Herr hat mich an ihn verkauft, weil er kein Geld mehr hatte, um mich zu unterhalten", erzählte der Junge leichthin, doch seine Augen waren dunkler als zuvor. "Ich habe ihn nur einmal gesehen, als er kam, um mich anzuschauen. Gestern habe ich dann erfahren, dass ich schon wieder einen neuen Herrn habe. Und was seither geschehen ist, wird Euch wohl kaum interessieren", schmunzelte er. "Oder soll ich es Euch erzählen, Herr?"

Aurels Blick war härter geworden, ganz tief in sich spürte er etwas, das er selber nicht wirklich einordnen konnte - oder wollte. Angst? Sorge? Vielleicht Wut? Er weigerte sich, genauer hinzusehen. "Hat er dir weh getan, der zweite?" Er konnte sich nicht hindern, es zu fragen.

Verwirrt sah Amaiis ihn an. "Nein, Herr. Er hat mir ein wenig Angst gemacht, weil er so... so kräftig war, als er mich berührt hat, aber er hat mir nicht weh getan. Wie kommt Ihr darauf?"

"Hm..." Verlegen fuhr sich Aurel mit einer Hand durch das Haar und grinste dann schief. "Ich dachte nur... deine Augen... sie waren plötzlich so dunkel", versuchte er zu erklären und kam sich mit einem Mal ziemlich dumm dabei vor.

Er wollte das Thema wechseln, doch Amaiis' Blick verhinderte das. Er wusste nicht, was er darin las, aber es ließ ihn atemlos zurück und mit dem brennenden Wunsch, diesen Jungen zu schützen, zu halten und nie mehr loszulassen. /Oh Götter... wer bist du? Was machst du mit mir?/

"Ich habe meinen ersten Herrn gemocht, Herr", gestand Amaiis schließlich nach einer scheinbaren Ewigkeit so leise, dass es kaum zu hören war. "Es ist bestimmt albern.... aber er ist gegangen, ohne sich zu verabschieden. Plötzlich war er weg, und ich hatte einen neuen Herrn. Das war es, was mir weh getan hat."

Ohne nachzudenken, schlang Aurel beide Arme fest um den Jungen und drückte ihn eng an sich. Er erinnerte sich an sein Versprechen, ihm nicht weh zu tun, wollte es wiederholen und konnte doch nicht.

Stattdessen wisperte er seinen Namen, hielt ihn fest, streichelte ihn. Angst kroch in ihm empor, und er betäubte sie, indem er Amaiis küsste, lange und leidenschaftlich. Amaiis erwiderte den Kuss, erwiderte die Zärtlichkeiten, bis sich alles in einer Woge an Erregung auflöste und nur Lust zurückließ.

Sie liebten sich noch ein weiteres Mal in dieser Nacht, und schließlich trug Aurel den vor Erschöpfung eingeschlafenen Amaiis zum Bett zurück. Er legte sich neben ihn und deckte sie beide zu. Als er die Augen schloss, fühlte er sich leicht, fast schwerelos, und berauscht wie von Drogen. Und gleichzeitig ausgebrannt und leer.


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© by Meike "Pandorah" Ludwig