Zwischen den Welten

7.

Niel erwachte, als der Morgen graute und fühlte sich durchgefroren. Das umliegende Gras sowie Milan und er waren von feinem Tau überzogen, der in den ersten Strahlen der großen Sonne Vila sanft zu schimmern anfing, während die eben aufgehende kleine Sonne Hale dem Schimmern und Glitzern noch einen zarten Roséton hinzufügte.

Niel wand sich vorsichtig aus Milans Umarmung hervor und stützte sich auf, um ihn zu betrachten. So entspannt wirkte das ernste Gesicht noch schlanker. Die Nase, der Mund, der Schnitt der Augen, alles war wie aufeinander abgestimmt, war symmetrisch zueinander angeordnet. Diese Kombination ließ Milans Gesicht so elegant und zugleich auffallend wirken. Der scharfe Kontrast zwischen dem hellen Gesicht und den schwarzen Haaren tat ein Übriges, um aus dem Menschen eine Attraktion zu machen. /Ob er weiß, wie hübsch er ist?/

Niel konnte sich nicht beherrschen und streichelte einige Haarsträhnen hinter eines der süßen, runden Ohren. /Oh, ich würde einiges für so kleine Ohren geben! Wieso nur bin ich so hässlich?/ Er ließ seine Finger abwesend darüber streichen, während er den Blick abwendete.

Er erinnerte sich, wie er ein Gespräch belauscht hatte, in dem die beiden sich darüber lustig machten, dass Niels Vater ihm schon einen Lehrer als Geliebten kaufen musste, weil niemand sich für den kleinen, großohrigen Sohn interessieren könnte.

Niel versuchte diese Gedanken zu vertreiben, aber vermutlich der Hunger oder seine Nervosität, weil er den Mann neben sich so schön fand, machten ihn anfällig. Rasch wendete er sich ab und unterdrückte ein Schnüffeln, kämpfte mit sich, weil er diese Gefühle unter Kontrolle bekommen wollte.

Er wusste, wie Jashuun reagiert hatte, als Niel ihn darauf angesprochen hatte. Jashuun hatte ihn mit reichlich Schwung niedergeschlagen, weil er es als Beleidigung empfand, dass Niel ihm vorwarf, sich und seine Gefühle kaufen zu lassen.

Nachdem der Schmerz verebbt war, hatte Niel auch begriffen, dass Jashu ihn also ehrlich gern hatte. /Aber habe ich Jashu ehrlich gern? Nicht genug, wenn ich wegen eines hübschen Menschen mit süßen Ohren so abwegig zu fühlen beginne, oder?/ Niel schnüffelte noch einmal und beschloss, sich in einer stilleren Stunde darüber klar zu werden.

Langsam begann sich auch Milan zu regen. Mit einem leisen, unverständlichen Murmeln tastete er neben sich nach. Als er nichts fand, hielt er inne, dann blinzelte er verschlafen aus halb geöffneten Augen auf den Platz neben sich. Er fror erbärmlich, und das, was ihn geweckt hatte, war der Verlust der kleinen Wärmequelle gewesen, die sich ihm irgendwann entzogen hatte.

Müde und frierend stellte er fest, dass der Elf von ihm abgerückt war und für einen winzigen Moment fragte er sich, ob er etwas falsch gemacht hatte. /Dummkopf, du hast geschlafen. Du kannst nichts falsch gemacht haben/, schalt er sich grummelnd. /Er wird sich im Schlaf weggedreht haben. Himmel, wie muss er erst frieren!/

Vorsichtig rutschte er wieder an ihn heran und schmiegte sich an den ausgekühlten Rücken des Elfen. /Ist mir scheißegal, was irgendjemand denken mag! Mir ist saukalt!/, erklärte er sich entschieden, als er den Arm wieder um den schlanken Körper legte. Der nackte Bauch war überraschender Weise warm, allzu lange konnte er noch nicht von ihm abgerückt sein. Doch es ließ ihn nur noch mehr frösteln, machte ihm die Kälte erst recht bewusst.

/Ich könnte aufstehen und irgendetwas tun, damit mir wärmer wird. Ich kann ihn doch nicht wecken. Wenn er noch schläft, hat er es nötig./ Aber er fühlte nicht wirklich Lust, sich jetzt schon wieder auf die Beine zu begeben. Er würde noch den ganzen Tag laufen dürfen.

Während er Faulheit und Kälte gegeneinander abwog, betrachtete er gedankenverloren das spitze Ohr vor sich, dessen sanft geschwungene Außenkante von mehreren kleinen Ringen durchbohrt war. Er zählte sie, ohne sich die Anzahl zu merken und entdeckte auf mehreren von ihnen dezente, feine Muster. Unwillkürlich kniff er die Augen zusammen und kam noch ein wenig näher, um mehr erkennen zu können, doch es waren nur Ornamente oder vielleicht für ihn nicht zu entziffernde Schriftzeichen.

Sein Atem streifte das Ohr, und er gab sich eine Weile der Vorstellung hin, wie es wäre, es zu küssen, sanft an den Ringen zu knabbern. Seine Ex-Freundin hatte darauf gestanden; ob der kleine Elf es ebenso gern mochte? /Spinner/, dachte er träge und näherte sich noch mehr, bis er das kalte Metall federleicht mit den Lippen berührte.

Niel war gerade soweit in Gedanken versunken, dass er Ort, Zeit und seinen Begleiter ausgeblendet hatte, als ein Arm ihn zielstrebig umfasste und er gegen den warmen Körper gepresst wurde. Niel stockte erst, doch dann erschlaffte er und kuschelte sich dichter an den anderen und ließ die Augenlider zudriften, obwohl er permanent daran dachte, dass sie längst hätten weiterlaufen sollen.

Als nächstes geschah etwas, das seine Gedanken sehr rasch verwischte und in andere Bahnen lenkte. Warmer Atem streifte seine Ohrmuschel, der Griff um seine Körpermitte verstärkte sich ein kleines Bisschen, dann berührten ihn die Lippen des Menschen.

Niel riss die Augen auf und fragte sich, ob er sich geirrt haben konnte, doch dann spürte er den Atem des anderen wieder an seinem Ohr entlang streifen und stöhnte verhalten auf. Langsam legte er seine Finger über den Unterarm, der ihn hielt und streichelte leicht und aufmunternd daran entlang.

Milans Augen weiteten sich überrascht, und der letzte Rest an schläfriger Müdigkeit verschwand auf einen Schlag. /Er ist wach!/, dachte er erschrocken und spürte, wie sich die Härchen auf seinem Unterarm aufrichteten, als der leichten Berührung ein angenehmes Kribbeln folgte. In einem winzigen Moment spielte er alle Möglichkeiten durch, die ihm zur Verfügung standen, von aufstehen und so tun, als sei nichts geschehen, bis hin zu – ungerechtfertigter – Wut. Doch er blieb liegen, drückte den schlanken Körper noch enger an sich, während er mit den Lippen sacht über die Ringe streifte, die weiche, kühle Haut dazwischen immer wieder berührend.

"Du schläfst ja gar nicht mehr", hauchte er in das schlanke, große Ohr und lächelte verhalten.

Niel streckte seine Zehen ein wenig, weil ein wundervoller Schauer dem anderen seine Wirbelsäule herab folgte, dann murmelte er verträumt "Schlafen? Um das hier zu verpassen? Wie könnte ich?"

Milans Lächeln vertiefte sich. Die Situation erschien ihm ein wenig bizarr, doch sie gefiel ihm ausgesprochen gut. Den Elfen im Arm zu halten, ihn zu spüren, war schön. Zu hören, dass es ihm auch gefiel, machte ihm unerwarteter Weise Lust auf anderes, auch wenn er sich sagte, dass es keine gute Idee war. Selbst die Kälte und sein Hunger waren mit einem Mal ziemlich in den Hintergrund gerückt.

"Ich dachte, du würdest noch schlafen", flüsterte er und streichelte sacht den weichen, flachen Bauch, knabberte an dem zarten Ohrläppchen. /Er hat einen Freund, und du bist nicht schwul, Milan. Hör auf damit./ Aber er hielt nicht einmal inne.

Niel lachte leise auf und verschränkte seine Finger in die von Milan, womit er die streichelnden Bewegungen verfolgen konnte. Wonnig schmuste er sich noch näher an den anderen heran und drehte sich halb zu ihm um. "Wie hast du denn gelernt, womit man Jumer in den Wahnsinn treibt?"

Er hörte seine eigene Lust schon aus der Stimme heraus und wollte sich fest entschlossen zusammenreißen, aber andererseits erhitzte sich sein Blut bei jeder Berührung seiner Ohren um so mehr. /Wenn ich nicht gleich eine kalte Dusche bekomme, dann fall ich über ihn her. Hoffentlich bringt er mich dann nicht um... oh, genau da... das macht er extra.../

Milan lauschte fasziniert auf Niels Stimme, auf den leicht heiseren Unterton. Dass dessen Ohr derart empfindlich war, hätte er nicht gedacht, sonst hätte er es in Ruhe gelassen. /Hätte ich das? So?/ Er musste sich eingestehen, dass es aufregend war. Und anregend. Ein warmes Prickeln erfüllte ihn und ließ ihn sich mehrere Sachen zugleich wünschen. Ein warmes Bett, eine vorherige Dusche, dass Niel keinen Freund hatte. /Du bist zu anspruchsvoll und unfair./ Auf die ersten beiden Dinge konnte er auch im Moment verzichten, nur der Freund machte ihm ein schlechtes Gewissen.

Trotzdem konnte er nicht von dem Elfen lassen. Der Duft, die Weichheit der Haut, dessen Reaktion. Seine Lippen fanden ihren Pfad weg vom Ohr, knabberten an dem warmen Hals entlang. Er richtete sich ein wenig auf und brachte Niel dazu, auf den Rücken zu rollen, so dass er dessen süßen, verlockenden Mund erreichen konnte. Sacht fuhr er ihn mit der Zungenspitze entlang, erkundete die geschwungene Form der Oberlippe, die weiche Linie der Unterlippe, die sich so hervorragend zum Schmollen eignete, kostete den Geschmack des Elfen. /Hör auf... Milan, hör auf.../

Niel seufzte leise und erschauderte wieder, als Milan seinen Hals entlang fuhr, die Lippen übten genau den richtigen Druck aus, der Atem streichelte und die Finger auf seinem Bauch zeichneten kleine Kreise; er streckte sich noch mehr. Dann küsste Milan seinen Mund, und Niel ließ seine Lippen langsam auseinander driften, ließ sich einnehmen und drehte sich zugleich weiter zu Milan herum.

Er küsste so gern, es machte ihm mehr Spaß als alles andere im Bett, und man konnte es überall machen. Mit Milan zu schlafen, fiel ihm nicht ein in dem Moment, der Gedanke lag ihm allein deswegen fern, weil er sich zu sehr nach einer warmen Wanne mit duftenden Ölen sehnte, um sich überhaupt ausziehen zu wollen.

Aber küssen, ihn streicheln, den hoch gewachsenen und kräftigen Körper erkunden, wollte er dennoch sehr gern. Gemächlich schob er seine Finger unter den groben Hemdstoff, um die ausgekühlte Haut auf dem Rücken bis zu seinen Schulterblättern hinauf zu streicheln. Fasziniert verfolgte Niel die Bewegungen der Muskeln, als dieser sich ein wenig anders drehte.

Milan erkundete jede Stelle des fremden Mundes, die er mit Lippen und Zunge erreichen konnte, während er das Gefühl von Niels Hand auf seinem Rücken genoss. Sie war wärmer als er, und sie sandte angenehme Schauer durch ihn hindurch. Die sanfte Berührung war genau richtig, es fühlte sich einfach gut an. Zu gut...

/Milan, verdammt! Du weißt, dass das falsch ist!/ Nach einem letzten zarten Zungenspiel löste er sich wieder von dem Elfen und hob den Kopf. Verlegen grinste er ihn an, küsste trotzdem noch einmal die kleine Nasenspitze.

"Ich werde jetzt nicht behaupten, es tut mir leid", sagte er leise, ehe er sich aufrichtete. "Auch wenn ich weiß, dass ich das besser gelassen hätte."

Niel knurrte leise und verkündete dann seufzend "Ich hasse es, vernünftig zu sein, aber wir sollten uns wirklich langsam auf den Weg machen, denn unsere Früchte reichen nur noch für heute, und es ist noch wenigstens ein Tagesmarsch bis zu den Bergen. Dort finden wir bestimmt jemanden, der uns aufnimmt für die Nacht und vielleicht jemanden, der uns ein Bad gönnt. Hm... Baden!"

Er lehnte sich vor und küsste Milan noch einmal scheu auf den Mundwinkel. "Hoffentlich ist die Wanne dann auch groß genug für zwei, das wäre noch schöner", hauchte er mehr zu sich selber, während er aufsprang und sein Hemdchen gerade zog.

Milan spürte, wie seine Wangen sich röteten und wandte sich unwillig ab. Er sammelte den Overall ein, stand auf und knotete ihn sich wieder um die Hüfte. "Ein Bad wäre grandios", stimmte er Niel zu. "Hauptsache schönes, heißes, sauberes Wasser. Und ein gutes Steak würde ich auch nicht ausschlagen." Er warf dem Beutel mit den restlichen Früchten einen missmutigen Blick zu. "Ich bin dafür, wir essen im Gehen. Je eher wir ankommen, um so besser."

Je höher die beiden Sonnen stiegen, um so wärmer wurde es. Bald fror Milan nicht mehr, und nur kurze Zeit später war er wieder am Schwitzen. Doch zumindest zu Beginn fand er es noch angenehm, zu gut war die eisige Nacht in seinem Gedächtnis – und das morgendliche Aufwachen.

Während er dem fröhlichen Niel hinterher lief, seine geschmeidigen Bewegungen beobachtete, seine Anmut, seinen schönen, schlanken Körper, fragte er sich, was in ihn gefahren war. Er wusste, dass er nicht auf Männer stand, er hatte schon zwei Freundinnen gehabt, und er war in beide verliebt gewesen, mit beiden im Bett und bei beiden war es schön gewesen.

/Aber warum war es dann so wundervoll, diesen Elf zu küssen?/ Er erinnerte sich zu gut an das Prickeln, als Niels Hand seinen Unterarm entlang gestrichen war, an die Wärme, die der lustvolle Ton in dessen Stimme verursacht hatte. /Ist es nur das Neue? Die ungewohnte Situation? Hat es sich einfach so ergeben?/ Die leisen Worte mit dem Wunsch nach einer Wanne zu zweit fielen ihm wieder ein, und er stellte sich für einen Moment vor, wie es wohl wäre, nackt mit Niel...

Der Gedanke schickte einen angenehmen, kribbelnden Stich durch seine Magengrube und trieb ihm wieder das Blut in die Wangen. /Hör schon auf/, schimpfte er. /Du bist nicht schwul! Und Niel hat einen Freund! Einen eifersüchtigen Freund!/ Aber warum war allein die Vorstellung schon so verlockend? /Und wenn du nicht nur auf Frauen stehst? Erinnere dich, es gab schon das ein oder andere Mal, als du fandest, dass.../ Er knüppelte die unwillkommene Stimme erbarmungslos nieder und starrte wieder auf den Boden, um Niel nicht anzusehen.

Niel verzweifelte an der Langsamkeit des Menschen. Milan war erschöpft und bremste die Wanderung über die Ebene deutlich. Zudem war der Mensch so schweigsam, was Niel verunsicherte. Er hätte ihn gern wieder geküsst, aber wagte es nicht einmal, ihm in die Augen zu sehen, als sie am Nachmittag eine Pause einlegten, um etwas zu essen und das restliche Wasser aus der Flasche unter sich aufzuteilen.

Auch Milan sah nicht auf, er brütete noch immer dumpf vor sich hin; der Geschmack der letzten Früchte war auch nicht so berauschend, dass er seine Aufmerksamkeit gefordert hätte.

Aufmunternd legte Niel eine Hand auf Milans Arm, was den Menschen wie aus tiefen Gedanken aufschrecken ließ. Er murmelte aufmunternd "Wir schaffen es bis heute Abend. Es wird vielleicht schon dunkel sein, wenn wir an den Gutshöfen ankommen, aber wir schaffen es zu einem Bad und einem weichen Bett." Er hoffte es auch, denn von der letzten Nacht hatte er mit Sicherheit blaue Flecken an den Hüften, und er fühlte sich schrecklich verdreckt.

Plädierend blickte Niel schließlich in Milans Augen, nahm seinen Mut zusammen dafür und bereute es dann doch, weil sein Herz mit einem Mal zu schnell und hart schlug. Der Mensch sah ihn so merkwürdig an, stimmte etwas nicht? Hatte er etwas falsch gemacht? Angst begann in seinem Inneren zu keimen und schnürte ihm die Luft ab. Niel öffnete den Mund, um noch eine Versprechung zu machen, aber bekam die Worte nicht zusammen, kam sich dumm vor.

Milan erwiderte den Blick dieser violetten, atemberaubenden Tiefen und spürte wieder das Kribbeln, das von der Hand auf seinem Arm nur noch verstärkt wurde. Die Berührung war warm und fühlte sich gut an. Zu gut. /Was mache ich da? Er ist kein Mensch, er kommt nicht mal von der Erde, wohin ich zurück will. Und zudem ist er auch noch ein Mann./ Und er sah wunderschön aus, trotz der Dreckflecken im Gesicht, trotz der leichten Schatten unter den Augen, trotz der mittlerweile ziemlich verfilzten Haare und den unübersehbaren Anzeichen von Müdigkeit. Und obwohl er einen eifersüchtigen Freund hatte und... /Angst?/

Milans Augen weiteten sich. /Wegen mir?/ Ohne nachzudenken griff er nach ihm, vergrub eine Hand in den zerzausten Haaren und zog den Elfen an sich, um ihn zu küssen. Und es war genau das, was er wollte. Den Geschmack spüren, seine Nähe, seine Berührung. Genau das, genau jetzt.

Niel sank überrascht und vor Freude schwindelig zusammen und ließ sich küssen. Milan schmeckte nach den Früchten, die er auch nicht mehr sehen konnte, aber dann auch noch nach ihm selber, ein wenig herb, ein wenig ungewohnt, aber so richtig.

Niel schloss die Augen und drehte sein Gesicht zur Seite. Er öffnete seinen Mund für die Zunge des anderen, während seine Hände ihren Weg über die Schultern um den Nacken fanden. Leise seufzend unterbrach er den Kuss nach einem Moment wieder und blickte erneut in diese wunderschönen Augen, dann krabbelte er auf Milans Schoß und begann von sich aus einen zweiten Kuss.

Milans Lider sanken herab, als er die Arme fest um den schlanken Körper schloss und ihn eng an sich zog, ganz in diesem Kuss versank. Seine Zunge umwarb die des Jumers, streichelte dessen Mund, neckte ihn, liebkoste ihn. Leicht löste er sich von ihm, um an den weichen, vollen Lippen zu knabbern und den Kuss dann wieder zärtlich, ein wenig fordernd zu vertiefen, während seine Hände sacht über den Rücken des Jumers glitten. Er fuhr unter das kurze Oberteil, zeichnete das Rückgrat und die Rippenbögen nach, spürte fasziniert die weiche, warme Haut unter seinen Fingern.

Niel genoss die Zärtlichkeiten wie lange nicht mehr und zeigte dies auch deutlich, indem er zu stöhnen, zu seufzen und Milan umwerbend zu gurren begann, während er ihn zaghaft den Rücken entlang streichelte, bis der Hosenbund und seine Unsicherheit ihm ein Ende setzten und er seine Finger wieder zu den Schultern zurück schickte.

Nach einer Weile begann Niel seine Umgebung und seine Angst zu vergessen und drängte Milan leicht rückwärts, damit dieser sich hinlegte. Er wollte ihm zu gern zeigen, wie sehr er ihn mochte und begehrte. Leise murmelnd begann Niel den Hals des Mannes zu küssen und mit der Zunge und den Zähnen entlang zufahren.

Milan seufzte leise auf, ließ sich ins Gras drängen und legte er den Kopf in den Nacken, um Niel mehr Freiheit zu geben. Es fühlte sich einfach zu schön an, es war wundervoll, prickelnd, atemberaubend. Seine Hände liebkosten Niels Schultern, hielten ihn dann fest, um auf ihn zu rollen. Sich mit einem Arm abstützend, um nicht sein ganzes Gewicht auf dem zarten Körper unter ihm lasten zu lassen, fand er erneut diese süßen Lippen und küsste sie innig, während seine freie Hand an den Seiten Niels hinab glitt. Die leisen Laute, die der Elf von sich gab, bewirkten, dass er mehr wollte, dass er ihn lauter hören wollte. Doch das Aufstöhnen, als er sich von dem Schmollmund zum Ohr vor küsste und an diesem zu knabbern begann, ließ ihn innehalten.

Schwer atmend hob er den Kopf und betrachtete das schöne Gesicht mit den geröteten Wangen, sah ihm in die dunklen, tiefen Augen. "Wir sollten das nicht tun", sagte er mit leicht heiserer Stimme und lächelte schief. "Sonst erreichen wir das versprochene Bad und Bett heute nicht mehr." Erneut küsste er ihn, einmal, zweimal, dreimal. "Ich kann ja jetzt kaum noch die Finger von dir lassen."

Niel öffnete die Augen kurz, dann ließ er sich zurückfallen und klappte seine Lider wieder zu. "Oh nö, Milan", maulte er, dann setzte er sich wieder auf und schob seinen neuen Geliebten, wie er es nun sah, von sich herunter, um aufstehen und das Gras von sich abklopfen zu können. "Du hast so recht, das hasse ich!", stellte er als nächstes grinsend fest und küsste Milan noch einmal auf den verschwitzten Nacken, bevor er ihm aufhalf.

Rasch stellte er sich auf Zehenspitzen auf dessen Schuhe und krallte sich an ihm fest, bevor er ihm ernsthaft zuflüsterte "Aber schön ist es auch ohne Bad und Bett schon. Mit wird es unerträglich schön werden." Er ließ der Feststellung noch einen Kuss folgen, dann hüpfte er rückwärts von dem anderen fort und rief "Die Sonnen neigen sich zwar fast schon, aber ich denke, dass wir nicht mehr weit gehen müssen bis zum nächsten Gutshaus. Dort hinten sind schon die Mauern zu sehen, die das Gras von den Feldern fern halten sollen!"

Was Niel als nah bezeichnete, kam Milan noch eine Ewigkeit weit entfernt vor, als er in die angewiesenen Richtung sah, doch er nickte ergeben. Die Wärme in seinem Magen von Niels Blick, seinen gewisperten Worten und dem Kuss hielt an und ließ ihn alles wesentlich rosiger sehen. Selbst weitere, stundenlange Fußmärsche lagen plötzlich im Bereich des Erträglichen. Milan gestand sich ein, dass er sich verliebt hatte. Egal, was dagegen sprach.


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© by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh