Zwischen den Welten

9.

Milan wäre am liebsten einfach unten auf den Polstern liegen geblieben und hätte weiter geschlafen oder wäre zumindest jetzt sofort wieder ins Bett gefallen. Doch er würde sich hüten zu meckern. Auch wurde die Aussicht auf ein heißes Bad, um anschließend sauber in ein weiches Bett zu fallen, von Minute zu Minute immer verlockender. Er nickte und sah dem Mann dann hinterher, bis er das Zimmer verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hatte. /Rasierzeug? Ja, ich glaube, ich werde mich gleich mehr als himmlisch fühlen. Wenn ich dann in einem gut riechenden Bett liege, selber nicht mehr stinke, mit einem gut riechenden Niel in den Armen.../

Er musste grinsen und sah zu seinem auf der flauschigen Badematte zusammengerollten Elf hinab, ehe er hastig aus Hose und Hemd schlüpfte und die vor Dreck starrende Kleidung mit einem ebenso dreckigen Fuß in eine Ecke schob. /Wir sehen aus wie die letzten Vagabunden. Ein Wunder, dass uns der Kerl nicht gleich rausgeworfen hat!/

Er warf einen kurzen Blick zu der Wanne, doch das Wasser war noch nicht einmal halb hoch. Nach kurzem Zögern begann er, Niel zu entkleiden. /Ich werde einfach mit ihm in die Wanne steigen, ich denke, das ist am einfachsten./ Er lächelte und strich dabei immer wieder forschend und tastend über die weiche, helle Haut. /Selbst so schmutzig ist er wunderschön./

Niel rekelte sich ein wenig und gähnte herzhaft, dann schmiegte er sich enger an Milan heran. "Hm, lass mich noch ein wenig schlafen, Milan", murmelte er undeutlich und quälte seine Augen einen Spalt weit auf. Milan zog ihn aus, das nahm er verwaschen wahr, als nächstes hörte er Wasserplätschern und sah sich um. "Oh, wir haben eine Wanne gefunden, wie schöhöön." Er gähnt noch einmal.

Träge hob Niel einen Arm, dann den anderen, so dass Milan sein Oberteil ausziehen konnte, dann ließ er zu, dass ihm die Schuhe und die Hose ausgezogen wurden. Unterwäsche trug er ohnehin nicht. Er streckte seinen nackten Körper und sank auf dem Toilettendeckel zusammen, auf dem Milan ihn ablegte. /Baden, mit Milan zusammen, hmm..../ Leider war er zu müde, um den schönen Gedanken wirklich weiter verfolgen zu können.

Jeremis fluchte verhalten, weil er sein Rasierzeug erst nach langem Kramen in einer der hinterletzten Schubladen seiner Kommode fand. Rasch nahm er noch zwei Handtücher und ihm geeignet erscheinende Schlafsachen auf und kehrte zum Bad zurück.

Der Jumer saß an die Wand gelehnt mittlerweile nackt und noch immer schlafend auf dem Toilettendeckel. Aus Takt sah Jeremis weder zu ihm noch zu dem Menschen länger hin, sondern legte nur die Sachen ab und murmelte "Ich gebe euch noch etwas anzuziehen. Du passt vermutlich in eine von meinen Hosen, und dem Kleinen geben wir ein Nachthemd von Hame. Ich leg das auf das Bett, durch diese Tür einfach durchgehen. Macht nicht zu viel Lärm."

Rasch verließ er den Raum und schloss die Tür auf seiner Seite ab. Er ging auf dem Flur zur Tür des Gästezimmers und verschloss es, nachdem er die Sachen auf die frischbezogene Decke gelegt hatte, von Außen. Nur für den Fall, dass diese Gäste gedachten, vor ihm zu flüchten, bevor sie ihm erzählen konnten, woher sie kamen und wieso der Mensch noch nicht registriert worden war.

/Dieser Mensch. Merkwürdig, ich hab ihm gleich vertraut, dabei sieht er doch gar nicht so aus. Wie kann einer nur so dumm sein und sich in einen von ihnen verlieben? So, wie er den Kleinen ausschaut... eine Dummheit, gnadenlose Dummheit./

Jeremis löschte das Licht und lauschte auf das Plätschern von Wasser vom Nebenraum und auf die leisen Stimmen. Der Jumer war wohl doch wach mittlerweile. /Er wird so leiden, wenn der Kleine genug von ihm hat. Woher kam mir das Gesicht nur bekannt vor?/ Jeremis konnte den Gedanken nicht weiter verfolgen, dazu war er zu müde.

/Gnadenlos dumm, aber auch gnadenlos hübsch ist der Mensch./ Er erinnerte sich an die aufgerissenen Augen. Ein warmer Goldton, wie ein dunkler Weinbrand seiner hellen Trauben, voller Gefühle und die Müdigkeit, die im Gesicht stand, noch weiter betonend. /Er kann mich gar nicht anlügen, er wird nicht davonlaufen./

Als die große Wanne voll war, drehte Milan das Wasser ab und untersuchte die verschiedenen Flaschen, hinter denen er Badezusatz vermutete. Er konnte die Zeichen nicht lesen, die vermutlich die Schrift darstellten, deswegen entschied er sich für den ersten, dessen Geruch ihm zusagte, frisch und nach aromatischen Kräutern duftend, die er nicht kannte und vermutlich auch nicht kennen konnte.

Er schauderte in wohliger Vorfreude, seine Müdigkeit war für den Moment in den Hintergrund gedrängt. Wahrscheinlich würde er später im Bett zusammenklappen, doch gerade jetzt hatte sein Körper in der Aussicht auf ein heißes Bad irgendwelche letzten Reserven mobilisiert.

Er lächelte wieder, als sein Blick auf den im Sitzen schlafenden Niel fiel. Eine kleine Weile sah er ihn nur an, bewunderte seine Schönheit, die helle Haut, der man aber ansah, wo die Kleidung aufgehört hatte. Der Jumer hatte einen dunkleren Streifen um den Bauch, ob nur vom Dreck oder auch von der Sonne konnte Milan nicht sagen. Auch die Arme waren leicht gebräunt, und die Schnitte vom Gras häuften sich auch an diesen Stellen, was Milan leicht das Gesicht verziehen ließ. Es würde brennen.

Sein Blick glitt über die glatte Brust, auf der sich die rosigen Brustwarzen erhoben, und der Gedanke, sie zu berühren, rief ein leises Kribbeln in Milan hervor. Scheu streifte er den Schoß, dann die schlanken Beine, um wieder zum Gesicht zurückzukehren, das im Schlaf so entspannt und niedlich war.

/Du bist doch viel zu müde für mehr als ein kurzes Bad/, dachte er leicht belustigt, als er sich zu seinem kleinen Elfen beugte und ihn hochhob, sich wundernd, wie leicht der schlanke Körper war. Vorsichtig stieg er ins Wasser, genoss das heiße Kribbeln an seinen Beinen, das immer höher kroch, als er sich langsam setzte, bis er auch Niel sacht hineingleiten ließ, um ihn zu waschen.

Niel fühlte sich gut, träge und gut. Es war warm, es roch angenehm um ihn her, und er wurde gestreichelt. Von warmem Wasser ebenso wie von kräftigen Händen. Er streckte sich katzenhaft, dann lehnte er sein Gesicht an Milans Brust und ließ sich über den Rücken, über die Beine und mit ein wenig ablehnendem Schnauben schließlich auch über das Gesicht waschen. Endlich, als er spürte, wie Milan begann, sich selber ebenso mit einem Waschlappen zu bearbeiten, wurde er wacher und rückte ein wenig von dem Menschen ab, um unterzutauchen und die Haare zu waschen.

Er schaffte es, sich ohne die Augen zu öffnen zu waschen und das, obwohl er sich nach dem Anblick eines nackten Milan und dazu noch eines sauberen so sehr verzehrt hatte. Mühsam quälte er ein Auge auf, um die Brust und den Bauch seines Gefährten zu betrachten und ein wenig darüber zu streicheln, doch die Welt verschwamm und schwankte zu sehr.

"Hab zu viel... getrunken", stöhnte er leise und tauchte noch einmal unter, um die Seife von sich zu spülen.

Milan lachte und stützte Niel ein wenig, damit er nicht unter Wasser blieb, falls sein Gleichgewichtssinn oder sonst etwas nicht mitspielen sollte.

"Das habe ich gemerkt", stellte er belustigt fest und half ihm auf, als er merkte, dass sein kleiner, mittlerweile sauberer Elf aus der Wanne wollte. /Aber zu mehr als baden bin ich eh nicht mehr in der Lage. Ich falle selber gleich um vor Müdigkeit./ Er merkte, wie sich seine letzte Kraft mit zunehmender Geschwindigkeit verbrauchte, und das warme Wasser bewirkte nicht gerade, dass er wacher wurde.

Unsicher sich am Rand der tiefen, bauchigen Wanne aus hellgrüner Keramik festhaltend, kletterte Niel schließlich aus dem Wasser und ließ sich auf dem Badezimmerteppich nieder, um sich dort, vor Stürzen in Sicherheit, in eines der großen, flauschigen Handtücher zu hüllen. Unter dem Handtuch hervor beobachtete er, wie Milan sich wusch und abspülte, wie der große Mann gähnte und einige der Schnitte inspizierte, die seinen Körper überzogen.

"Wo ist... das Bett? Hast du uns auch ein Bett besorgt, Milan?" Niel krabbelte auf allen Vieren zu einer der Türen, doch die war verschlossen.

"Warte, Niel. Ja, es gibt ein Bett. Unser Gastgeber hat mir gesagt, wo es sein soll. Ich bringe dich gleich hin."

Erst jetzt fiel Milan auf, dass er nicht einmal wusste, wie der Mann hieß, der sie aus seinem Keller gesammelt und der sie ohne jedes Wissen, wer oder was sie waren, derart freundlich aufgenommen hatte, dass er ihnen sogar ein Gästezimmer anbot. Er tastete nach seinem Halsband und stellte fest, dass er das Tuch gar nicht mehr trug. /Stimmt, ich hatte es ja für die Früchte genommen. Mist!/ Gleich morgen musste er das ändern.

Vielleicht lag die Freundlichkeit des Mannes daran. Entweder hatte er es gesehen und wollte sich ein nettes Sümmchen verdienen, indem er sie in die nächste Stadt karrte und ihn dort verkaufte oder er wusste, was es hieß, Sklave zu sein. Der Mann im Transporter hatte ja gemeint, dass er noch einen recht guten Job abbekommen hatte. Möglicherweise war es diesem nicht so gegangen, und er wollte ihm deswegen helfen.

Milan stieg aus der Wanne und nahm sich das andere Handtuch. Heute konnte er nicht mehr genug denken, um sich irgendwelche Folge zu überlegen, die sowohl aus der einen, wie auch der anderen Möglichkeit resultieren mochten. Und irgendwie glaubte er nicht, dass ein so offenes Gesicht ihnen böses wollte. "Ich bin gleich soweit, Niel."

 

Jeremis war noch wach und lauschte auf das Plätschern und die leise Stimme des Jumers. Seine Gedanken kreisten jedoch um den Menschen. /Nicht registriert. Er kann sich retten, vor der Mine, vor den Plantagen, vor den anderen, die wie eine Viehherde sein werden! Ich muss unbedingt mit ihm reden! Wir müssten... vielleicht könnten wir... Du denkst wirr, Jer! Hör auf, des Nächtens voller Sorgen im Bett zu liegen!/ An seiner Tür wurde gerüttelt, dann vernahm er die Stimme des Kleinen und stand auf.

"Alles in Ordnung bei euch da drinnen?" Vorsorglich öffnete er die Tür und lugte in das Bad, wo sein Blick auf den noch nassen und halb schlafenden Jumer fiel, der ziemlich betrunken auf dem Teppich saß, das Handtuch wie ein Cape um die Schultern und den Kopf geschlungen. Niedlich war der Kleine ja, das musste Jeremis dem Menschen zugestehen, aber er schätzte ihn auf wenigstens achtzig, vermutlich mehr Jahre.

/Der Mensch weiß vielleicht nichts von dem Alter der Jumer? Davon, dass man altert und sie nicht? Er wird noch viele Schmerzen aushalten müssen, der Arme./ Nach einem schnellen Blick auf den Menschen erklärte Jeremis "Ich bring den Kleinen ins Bett, sieh zu, dass du auch Schlaf bekommst... Milan." Dann sah Jeremis, welche Flasche der Mann zum Waschen verwendet hatte und lachte leise, während er Niel samt Handtuch aufnahm.

Er trug den Jumer zum Bett, wo er ihn unsanft abwarf und das Nachthemd ignorierend unter die Decke schob. Dann ging er in das Bad zurück. "Das, womit du deinen kleinen Schatz gewaschen hast, ist Hundeshampoo, Milan. Aber macht nichts, sauber ist sauber, und Schnapper wird ihn dann morgen früh recht gern haben." Er lachte dumpf und ging zu der Tür zu seinem Zimmer zurück.

Milan war ihm in das Gästezimmer gefolgt, eingewickelt in das flauschige, große Handtuch. /Ist das mit uns so offensichtlich? Nun, er hat uns Arm in Arm... Hundeshampoo?!/ Er errötete und strich verlegen sich die nassen Haare mit beiden Händen aus dem Gesicht.

"Oh Mist", murmelte er und grinste schief. "Warte... danke für alles! Ich weiß noch nicht einmal deinen Namen. Ich mache es wieder gut, wenn ich kann."

Jeremis drehte sich zu dem jungen Mann um und kratzte sich peinlich berührt über den Kopf, was seine Haare noch schlimmer durcheinander brachte, als sie ohnehin schon waren. "Ich war so unhöflich, weil ich noch immer, nach all den Jahren, die Zeit mit dem Transmitter, an dem jeder meinen Namen ablesen kann, gewohnt war. Mein Name lautet Jeremis."

Er ging die wenigen Schritte in sein Gästezimmer zurück und reichte seinem verwirrten Gast die Hand. Er hielt sie noch einen Augenblick länger fest und sah ihm in die Augen, bevor er leise sagte "Du brauchst mir nicht danken. Ich bin froh, noch einmal einen zu sehen, der ihnen entkommen ist."

Milan errötete leicht und verfluchte den Transmitter stumm, an dem man ihn sofort als entlaufenen Sklaven erkennen konnte. Er musste dringend die Sprache lernen und ihn dann so schnell wie möglich loswerden. Mit ein wenig Werkzeug oder vielleicht auch Niels Hilfe sollte das doch gehen. Er konnte nur hoffen, dass Jumenisch nicht zu kompliziert war.

Er drückte Jeremis' Hand und lächelte ein wenig, zu erschöpft für mehr. "Ich danke dir trotzdem. Ich glaube nicht, dass wir zu vertrauenserweckend ausgesehen haben können. Nicht nach der Zeit ohne Bad." Die Worte des anderen Mannes hallten in seinem Kopf nach und klangen, als könnte er ihm wertvolle Hinweise geben, doch er war einfach nicht mehr in der Lage, noch klar zu denken. "Ich wäre froh, wenn wir morgen reden könnten. Doch heute... heute bin ich zu nichts mehr fähig."

Jeremis lächelte ein wenig, dann nickte er "Ja, da hilft nur schlafen, Milan. Wir sehen uns morgen beim Frühstück." Er besah sich noch einmal den Jumer, der schon selig schlummerte, dann fügte er im Geiste hinzu /Oder beim Mittagessen./

Milan nickte, und kaum, dass Jeremis das Zimmer verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hatte, warf er das Handtuch auf einen Sessel und fiel neben dem leise schnarchenden Niel ins Bett. Er krabbelte zu ihm unter die Decke, ohne sich die Hose anzuziehen, die ihr Gastgeber ihm hingelegt hatte und schmiegte sich an den warmen Körper des anderen. Für einen winzigen Moment dachte er noch, wie schön es war, es warm und weich zu haben, sauber zu sein, doch schon der Gedanke verschwamm binnen Sekunden im Nebel des Schlafes.

 

Jeremis saß nach einer wenig erholsamen Nacht mit Hame und Kees allein am Frühstückstisch, keiner seiner beiden Gäste hatte sich blicken lassen. Kees hatte ihnen Rühreier mit frischen Kräutern aus seinem Garten aufgetischt und schnitt das Brot, als Hame es nicht mehr aushielt und mit der flachen Hand auf den Tisch schlug, bevor sie ihre geringe Größe aufrichtete, um resolut zu verlangen "Was ist nun mit den merkwürdigen Rumtreibern?! Los, spuck 's schon aus, Jer!"

Jeremis sah kurz über Hames silberblonden Wuschelkopf aus dem Fenster und murmelte "Die Post ist da, holst du sie rein, Hame?"

Das Halbwesen riss die Augen empört auf und holte schon Luft, um lauthals zu meckern, als Jeremis ihren Protest mit einem Blick abschnitt. Er brauchte nichts mehr zu sagen, Hame kannte ihn mittlerweile gut genug. Schnaubend stand sie auf, schob den schweren Holzstuhl absichtlich mit einem hässlichen Kreischgeräusch über die rotbraunen Fliesen, bevor sie zur Tür ging, um den kleinen Würfel entgegenzunehmen, in dem die Nachrichten des Tages aus der Stadt und die Briefe für Jeremis und seine beiden Haushälter gespeichert waren.

Während sie vor der Tür mit dem Boten redete, wendete Jeremis seine Aufmerksamkeit dem Eibrot zu, um Kees dann leise zu erklären "Ich weiß selber noch nichts über sie. Ich weiß nur, dass sie keine Diebe sind. Wenn die beiden heute im Lauf des Tages bei dir in der Küche auftauchen, dann schick sie nach einem ordentlichen Essen doch bitte in mein Arbeitszimmer, ja?"

Kees nickte fröhlich und warf einen kurzen Blick zum Fenster, durch das er Hame sehen konnte, ehe er sich wieder zu Jeremis umwandte. "Sicher. Wenn sie wirklich so aussehen, wie du sagst, werden sie einen ordentlichen Hunger haben. Ich päpple sie schon wieder auf. Mach dir da keine Sorgen. Und anschließend zu dir." Er lachte. "Dafür werde ich schon sorgen, weil Hame sonst vor Neugierde platzt, wenn du ihr nicht bald mehr erzählst."

Jeremis füllte seine bauchige, gelbe Tasse noch einmal mit dem strengen Tee, gab Milch und reichlich Zucker dazu, während Kees bereits mit dem Abräumen begann. Dann ging er langsam in sein Arbeitszimmer hinüber und ignorierte Hames giftige Bemerkung, als diese ihm den Würfel auf den kleinen Tisch knallte.

Betont lächelnd schloss Jeremis die Tür zum Flur und zu den Geräuschen aus der Küche, in der Kees nun vermutlich mit dem Abwasch beginnen würde. Was für ein Putzteufel dieses Wesen doch war! Jeremis ließ sich in seinen Ohrensessel sinken und lehnte den Kopf gegen das dunkle Leder zurück. Eigentlich sollte er seine Rechnungen schreiben. Das konnte er nicht besonders gut, und er brauchte immer viel zu lange dafür, aber seine Gedanken wanderten zu dem eigenartigen Besuch der beiden zurück.

/Sie sind ein Paar. Der arme Mensch. Wovor fliehen sie denn? Erlaubt ist es doch allemal. Der Kleine... Er kam mir bekannt vor, woher nur? Ich sollte längst die Rechnung schreiben, verdammt! Bevor diese beiden nicht aus ihren Verstecken kommen, kann ich nichts herausfinden!/ Dennoch richtete Jeremis seinen Blick auf seinen Weinberg und träumte in Überlegungen versunken vor sich hin.

 

Milan wachte von einem leisen, wohligen Seufzen und Sonnenstrahlen auf, die ihn an der Nase kitzelten. Er fror nicht, es war nicht nass, und es war herrlich still. Nur leises Vogelgezwitscher drang gedämpft wie durch ein geschlossenes Fenster herein, neben ihm schnarchte leise eine zweite Person. Jemand, der sich an ihn geschmiegt und einen Arm um ihn geschlungen hatte.

Milan blinzelte verschlafen, aber nicht mehr müde, und allein das war ein Wunder. Für einen winzigen Moment gab er sich der Illusion hin, dass er zu Hause in seinem eigenen Bett lag. Doch die Decke seines Schlafzimmers war nicht grün, und er hätte mit Sicherheit keinen Mann neben sich gehabt, was er eindeutig spüren konnte. Aber nicht einmal, dass er auf einem fremden Planeten gestrandet war, konnte ihm seine friedliche, gute Laune verderben.

Mit einem lang gezogenen Gähnen streckte er sich, ohne Rücksicht auf seinen kleinen Elfen zu nehmen, der sich davon auch nicht stören ließ. Er warf einen kurzen Blick auf das friedliche Gesicht und musste lächeln. Sacht gab er ihm einen Kuss auf die Stirn, ehe er sich vorsichtig von ihm löste und aufstand. Seine Blase drückte und forderte unnachgiebig ihr Recht, so dass er sich erst einmal ins Bad aufmachte.

Als er dort nach vollendetem Geschäft einen Blick in den Spiegel warf, ihm ein stoppelbärtiges Monster daraus entgegen sah und er sich an das Rasierzeug erinnerte, dass Jeremis am Abend zuvor schon gebracht hatte, war er auch erst einmal für eine Zeit beschäftigt, ohne dass es seine Gedanken zu sehr gefordert hätte. Sie wanderten auch sofort ab, um die Situation zu überdenken, in der er und Niel sich befanden.

/Jeremis... ich muss mich noch mal bei ihm bedanken. Allein, dass er uns nicht gleich rausgeworfen hat, ist mehr, als wir hätten erwarten können. Aber was machen wir jetzt? Wir müssen ihm irgendwie etwas zurückgeben. Vielleicht kann ich hier auf dem Gut helfen? Und dann? Ich muss die Sprache lernen. Ich muss mehr über diesen Planeten lernen. Ich muss einen Weg finden, wie ich wieder nach Hause kann./ Er hielt inne und starrte sich in die bernsteinfarbenen Augen. /Und Niel?/ Ein leichtes Kribbeln durchfuhr ihn, als er sich daran erinnerte, dass sein kleiner Elf nackt in dem großen Bett lag. /Ich bin verliebt... in einen Mann... ein Alien./

Mit einem Mal hatte er es eilig, zurück in das Gästezimmer zu kommen. Er rasierte sich hastig fertig und zwinkerte sich im Spiegel einmal zu, ehe er wieder zu Niel zurückkehrte. Lächelnd betrachtete er die kleine, schlafende Gestalt, die in dem großen Bett so verloren und niedlich wirkte. Er kletterte zu ihm aufs Bett, schlug die Decke ein wenig zurück und beugte sich über ihn. Sein Lächeln vertiefte sich, als er den frischen Duft einsog, der von Niel ausging. /Hundeshampoo... und er. Er riecht so gut./

Das Prickeln in ihm verstärkte sich, als er sich neben ihm ausstreckte und ihn in den Arm zog. Sacht küsste er eine nackte, schmale Schulter, ließ seine Lippen dann weiter nach oben wandern, zart über den Hals bis hin zu dem Ohr, von dem er wusste, wie empfindlich es war. Neckend begann er, daran zu knabbern.

"Aufwachen, mein kleiner Elf", flüsterte er liebevoll.

"Milahaaan?" Niel rollte sich wohlig erschaudernd ein wenig weiter herum, weit genug, um ein Bein über die Beine von seinem hübschen Menschen schieben zu können, womit er ihn sich nun gesichert hatte, um ihn in Ruhe etwas näher kennen zu lernen.

Niel strich, seine Augen noch geschlossen haltend, mit den Fingern über Milans Brust zu den Schulter hinauf.

"Hast du gut geschlafen?", fragte er flüsternd und schmiegte sein Gesicht enger an den Mann neben sich, bevor er den ganzen Körper gegen ihn presste und seine Hände sich hinter Milans Nacken schlossen, um seinen Kopf für einen Kuss dichter zu ziehen.

"Besser als all die Nächte davor", antwortete Milan leise, ehe er Niel nachgab und sich an ihn ziehen ließ. Kurze Zeit liebkoste er nur dessen Lippen, dann ließ er seine Zunge darüber gleiten und forderte sanft Einlass. Sein Elfchen schmeckte einfach himmlisch, und es vertrieb alle Bedenken, die kurz aufgeflackert waren, dass das erste, was sie nach dem Aufwachen in einem vollkommen fremden Haus taten, war, übereinander herzufallen. Aber Niel war schon die Tage davor so verlockend gewesen. Jetzt, wo er sauber war und so verdammt gut roch, konnte er ihm einfach nicht wiederstehen.

Er legte eine Hand auf Niels Knie über seiner Hüfte und wanderte langsam nach oben, streichelte die weiche Haut des Oberschenkels, des Hinterns, neckte die kleine Kerbe am Ende des Rückgrats, ehe er weiter hinauf fuhr, die einzelnen Wirbel ertastete.

Niel wand sich genießend und ertastete mit den Lippen, wie glatt und weich die Haut an Milans Wangen sich anfühlte. "Hm, du bist rasiert..." Er seufzte leise, als die große Hand vorsichtig über seinen Po glitt und rekelte sich unter den Berührungen des anderen. Er wollte Milan so sehr er konnte zeigen, dass er dies genoss, denn er hatte den Verdacht, dass sein Geliebter sich noch nicht so gut auskannte in der Liebe. Nicht in der Liebe jedenfalls, nach der Niel der Sinn stand.

Leise lächelnd gab Niel sich noch einen kleinen Schups und rollte auf Milans Körper, um sich auf seinen Hüften aufzusetzen. Er zog die Decke weiter um sich, dann legte er sich auf die Brust und begann erneut, mit den Lippen nach Milans Mund zu suchen. Küssen konnte der Mensch so unglaublich gut. Zärtlich und doch fordernd, so dass Niel sich noch mal so begehrenswert fand. /Er hat mich wirklich gern.../

Milan ließ beide Hände über Niels Rücken streicheln und zurück zu dessen Hintern wandern, um ihn sanft zu massieren, forschend zu erkunden, während er den Kopf ein wenig anhob und den Kuss erwiderte. Es war ungewohnt, die nackte, flache Brust auf seiner, Niels eindeutig männlichen Schoß zu spüren, und gleichzeitig enorm prickelnd.

Niemals zuvor war er einem Mann auf diese Art so nah gewesen, auch wenn er es sich manchmal vorgestellt, davon geträumt hatte. Es jetzt auszuprobieren, einen so süßen, begehrenswerten Körper erkunden zu dürfen, war viel besser als jeder Traum, und Milan gedachte, es ausgiebig auszukosten. Niel schien alles andere als abgeneigt zu sein, was in Milan ein erwartungsvolles Kribbeln auslöste, gemischt mit ein wenig Nervosität.

Niels Zurückhaltung löste sich gänzlich auf, als er Milans Finger erneut auf seinem Po spürte. Er lehnte sich weiter vor und begann seinen Schoß gegen Milans zu pressen, der im Gegensatz zu ihm noch eine Hose trug. Störend, aber darunter konnte Niel schon dessen Erregung spüren. Er wollte ihn so gern ganz haben, Haut auf Haut und nicht nur so halb.

Ungeduldig küsste er Milan noch einige Male, dann streichelte er an dessen Seiten herunter und hakte seine Finger fragend in den Hosenbund, während er sich aufrichtete und ein wenig zurück rückte. /Bitte... das wäre so schön jetzt... Willst du nicht auch?/ Er wagte es nicht zu, sah dem Mann nur in die schönen Augen und wartete dessen Reaktion ab.

Milan nickte kaum merklich und hob sein Becken an, um es Niel zu ermöglichen, ihm die Hose auszuziehen, während er den Blick unverwandt erwiderte. Es kostete ihn Überwindung, diese letzte Barriere aufzugeben, aber er wollte es, wollte Niel ganz und gar. Als sich der Elf dann jedoch wieder an ihn schmiegte, keuchte er leise auf. Ja, es war gut, die richtige Entscheidung gewesen. Haut an Haut, es war wie Feuer und Eis zugleich. Erregung strömte heiß durch seinen Körper, er schlang die Arme um Niel und rollte herum, so dass er auf ihm zu liegen kam.

"Du bist so wunderschön, Niel", wisperte er heiser und bedeckte das zarte Gesicht und den schlanken Hals mit kleinen Küssen, ehe er tiefer wanderte. Seine Zunge zog eine feuchte Spur von Niels Kehle zwischen den Schlüsselbeinen hindurch die Brust hinab, um sich dann einer Brustwarze zuzuwenden. Er umkreiste sie in immer enger werdenden Spiralen, bis er sie schließlich erreichte und die Lippen darum schloss. Zart bearbeitete er sie mit den Zähnen, saugte leicht daran, während seine Finger ein ähnliches Spiel mit der anderen wiederholten.

Niel stöhnte auf und drängte sich gegen Milan. /Schön... wunderschön... hat er gesagt./ Träge öffnete er die Augen und sah auf den dunklen Schopf hinab. Er konnte Milan so nicht küssen, aber dafür konnte er dessen Schultern und Rücken mit den Fingern erforschen und streicheln. Als nächstes umschlang er Milans Hüfte mit den Beinen, presste ihre Körper aneinander und bewegte sich gegen ihn. Obwohl er selber es schon zu ungeduldig fand, konnte er sich davon nicht mehr abhalten.

Seine Verliebtheit war bereits vor dem ersten Kuss Begehren gewesen, und dieses hatte sich mehr und mehr gesteigert, so dass er nach kurzer Zeit spürte, dass er dem Höhepunkt entgegenstrebte, auch wenn er dies noch viel, viel länger spüren wollte. Milans warme Haut, die Muskeln, die sich am Rücken und den Schultern bewegten, seine Berührungen, der Atem, der über die feuchte Haut an Niels Brust strich, waren zu herrlich. Niel seufzte und griff nach Milans Po, um den Mann noch enger an sich ziehen zu können.

Milan schob sich wieder an Niel empor, um seinen Schoß gegen den seines Elfen zu pressen und sie gegeneinander zu reiben. Er spürte, wie Niel immer unruhiger wurde, lauschte fasziniert auf die lustvollen Laute, die der andere von sich gab und die seine eigenen Erregung wie auch jede Bewegung weiter ansteigen ließen. Niels Hände auf seinem Hintern, die Beine um seine Hüften hielten ihn gefangen und gaben einen immer schneller werdenden Rhythmus vor, dem Milan nur zu gerne folgte.

Für einen Moment huschte der Gedanke durch seinen Kopf, wie seltsam es war, dass er mit einem Mann schlief, dass er es so sehr wollte... Doch er ging unter in der wachsenden Hitze, die mit jedem Herzschlag durch seinen Körper raste. Dann zog sich seine Welt zusammen auf einen einzigen Punkt, und so sehr er sich auch zurückzuhalten versuchte, konnte er doch nicht verhindern, dass er mit einem heiseren Aufstöhnen kam.

Niel flüsterte Milans Namen einige Male, während er sich an den bebenden Körper presste, sich noch eine kurze Weile weiter bewegte, bevor er mit einem leisen Aufschrei auch kam und sich japsend an Milan krallte, das Gesicht an seiner Halsbeuge barg und die Augen geschlossen seine Gefühle genoss. Er lehnte, nach einem Augenblick der Stille zwischen ihnen, während Milan ihm sachte über den Kopf und die Ohren streichelte, den Kopf in den Nacken, um seinen Gefährten zu küssen, dann flüsterte "Ich liebe dich."

Milan sah auf und in die dunklen Augen seines kleinen Elfs. Er lächelte und küsste ihn kurz und zart auf die Lippen. Ein warmes Glücksgefühl durchströmte ihn, das sich mit der wohligen Schwere ihrer gerade genossenen Liebe mischte. Sanft strich er Niel ein paar dunkelblonde Strähnen aus der verschwitzten Stirn.

"Ich liebe dich auch", wisperte er und fühlte sein Herz schneller schlagen. /Ja, ich liebe dich. Ich liebe dich, obwohl du ein Mann und ein Alien bist. Ein süßes Alien./ "Mit den schönsten Augen der Welt."

Niel stützte sich auf die Ellenbogen auf und grinste frech, dann fragte er mit einem Augenaufschlag "Und was, bitte, ist mit meinen Ohren?"

Er lachte lauthals auf und duckte sich in Sicherheit. Es tat so gut, albern sein zu dürfen. Fröhliche Scherze zu machen und nicht geschlagen zu werden oder ermahnt. Jashuun war so streng gewesen, Niel hatte zunehmend darunter gelitten. Die liebevolle Bewunderung und Fürsorge von Milan war für ihn wie Wasser für eine Wüstenblume. Er spürte, wie er sich Tag um Tag mit Milan wohler fühlte.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh