Zwischen den Welten

12.

Jeremis begann, die Gesellschaft von Milan regelrecht zu genießen. Nachdem sie aufhörten, über so unangenehme Dinge zu reden, konnte er den Mann besser beobachten, ohne diese ständige Wut und Trauer in dessen Gesicht schmerzhaft sehen zu müssen. Er schaffte es einige Male, dass Milan lachte. Kurz nur, vielleicht auch eher der Höflichkeit halber, aber ein schöner Anblick. Es hellte das ernste, noch immer Müdigkeit ausstrahlende Gesicht auf, und das wärmte Jeremis.

Nach und nach begann er zu verstehen, warum er den jungen Mann trotz der merkwürdigen Umstände ihres Aufeinandertreffens im Keller doch sofort vertrauensvoll aufgenommen hatte. Es war mehr als nur die übliche Gastfreundschaft der Menschen auf Jume untereinander gewesen, und er wusste es, gab es nur nicht zu für sich.

Als sie ihren Rundgang über das Gut am Stall beendeten, erklärte Jeremis "Pferde, sie sind von der Erde mitgebracht worden. Eine zähe, kleine Sorte, die Racker haben einen sehr eigenen Kopf. Willst du dir eins aussuchen? Ich habe zwölf, vier kann ich empfehlen."

"Wenn du mir so viel Verstand zutraust?" Milan lachte, als er Jeremis schmunzeln sah, und folgte ihm in den großzügigen, hellen Stall. Knapp unter dem Dach zog sich auf beiden Seiten des Gebäudes eine Reihe offener Fenster entlang, die man mit Holzläden verschließen konnte. Rechts und links des Ganges, der breit genug war, dass ein Pferd sich darin umdrehen konnte, befanden sich je sechs Boxen, über deren halbhohe Türen man problemlos ins Innere schauen konnte.

Jeremis stellte ihm die Pferde vor, erzählte ein wenig von den Eigenarten der verschiedenen Tiere und nannte ihm die Namen, die sich Milan trotz der Übung, die er durch seine Schulklassen hatte, nicht einmal zur Hälfte merken konnte, so fremd klangen sie zum Teil. Interessiert hörte er zu, wobei er anhand dem, was Jeremis sagte, für sich herauszufinden versuchte, welches Pferd wohl noch am Ehesten Geduld mit einem kompletten Anfänger haben würde.

Schließlich entschied er sich für eine kleine, braune Stute mit dunkler Mähne und schwarzen Fesseln. Ihre großen Augen wirkten sanft, und er beschloss, dass sie ihn nicht abwerfen würde, wenn er Fehler machte. Mit einem Ellbogen stützte er sich auf der Oberkante der Tür ab, während er die Hand nach dem Pferd ausstreckte. Neugierig kam es näher, schnupperte an seinen Fingern und ließ sich dann widerstandslos streicheln.

"Ich glaube, sie mag mich." Er lächelte und wandte den Kopf zu Jeremis. "Zumindest behauptet sie im Moment nichts Gegenteiliges. Meinst du, dass sie mich für die Dauer eines Ritts erträgt?"

Jeremis streichelte der älteren Stute mit der flachen Hand einmal über das Maul, dann schlug er vor "Wir werden es gleich nach dem Kaffee herausfinden, Milan. Ihr Name lautet Tamai. Ihre älteste Tochter Rolaha ist mein Pferd, der Lichtfuchs dort drüben."

Milan ließ von Tamai ab und warf einen Blick in die Box, zu der Jeremis gezeigt hatte. Das helle Pferd machte auf ihn einen wesentlich lebhafteren Eindruck als die ruhige Stute, die er sich ausgesucht hatte, und er war froh, dass Jeremis nicht nur solche Tiere hatte.

"Kaffee? Die Idee finde ich gut." Er gähnte und streckte sich mit verschränkten Händen. "Den habe ich jetzt aber auch nötig. Man glaubt es kaum, ich habe so lange geschlafen und bin schon wieder müde." Zwar hatte er nicht besonders viel übrig für das bittere Getränk, aber mit viel Milch und Zucker ließ es sich halbwegs ertragen. Und etwas Koffein war mit Sicherheit nicht das schlechteste.

"Kees müsste uns eigentlich jeden Moment rufen. Er hält viel von regelmäßigen Essenszeiten."

Eine harsche Stimme erklang von der Stalltür und ließ sie herumfahren. "Deswegen wird er auch mollig."

Hame führte ein verschwitztes, graues Pferd am Halfter in einen der Stände und erklärte "Ich war am Steinbruch und hab die Hälfte der Felssplitter geholt."

Jeremis sah deutlich, dass sie den Menschen mit Eifersucht und Misstrauen betrachtete und musste grinsen. Jeder seiner Gäste fiel ihrem übermäßigen Beschützerinstinkt früher oder später zum Opfer. /Ich komme doch zurecht, Hame. Keine Angst. So etwas passiert mir nicht noch mal.../ Er warf einen Seitenblick auf den attraktiven, jungen Mann neben sich und fragte "Willst du schon einmal vorgehen, Milan? Wir kommen gleich in die Küche nach."

Milan sah kurz von Jeremis zu Hame und wieder zurück und lächelte. "Sicher, da kann ich gleich nachsehen, ob Niel schon wach ist und ihn im Zweifelsfall wecken. Bis gleich." Er nickte ihnen noch einmal zu, dann wandte er sich ab und verließ den Stall. Was immer sie zu besprechen hatten, war sehr offensichtlich nicht für seine Ohren bestimmt.

Hame striegelte den grauen Hengst mit langsamen Bewegungen, und ihr steifer Rücken zeigte Jeremis deutlich, dass ihr etwas nicht passte. "Du magst ihn nicht?"

"Er schläft mit einem Jumer."

"Du bist Jumer, genau wie ich, Hame."

"Das meinte ich nicht, Jer. Ich meinte: Wann und wer soll ihm mitteilen, was ihn erwartet? Er..." Sie zögerte und senkte den Kopf.

Jeremis trat zu ihr und fragte leise "Er soll sich nicht so zum totalen Idioten machen, wie ein gewisser Gutsherr deiner Bekanntschaft?"

Hame lachte und drehte den Kopf. "Genau. Das Wort, was mir in den Kopf kam, war Esel und nicht Idiot, aber dennoch liegst du richtig."

Jeremis musste auch grinsen. Es freute ihn, dass er mittlerweile darüber lachen konnte. Als kleine Rache für den Esel stellte er neckend fest "Du magst ihn, macht das deinen Kees nicht eifersüchtig? Ich habe es überwunden und überlebt, meinst du nicht, dass der junge Mann es auch schaffen kann? Weißt du, er hat sich in den Kopf gesetzt, wieder zur Erde zurück zu fahren."

Hame lachte kurz auf und versteckte ihr Erröten hastig, dann entgegnete sie schnippisch "Ich sollte mich berichtigen. Er ist bereits so ein Esel. Vielleicht kann ihn der Jumer ja noch umstimmen. Sie können das gut, nicht wahr? Kommst du? Kees ruft schon zum zweiten Mal." Rasch lief sie über den gepflasterten Platz davon.

Jeremis lehnte sein Gesicht an den warmen Hals seiner Stute und murmelte "Nicht nur Jumer können so etwas gut, Hame. Warum auch immer mein Leben so kompliziert sein muss, werde ich niemals begreifen."

 

Als Milan zum Wohnhaus lief, wanderten seine Gedanken zurück zu dem, was Jeremis ihm am Anfang seiner Führung über den Gutshof erzählt hatte. Er hatte sich ablenken lassen, nachdem er sich so über dessen Worte aufgeregt hatte. Er wollte ihn nicht beschimpfen, wollte ihn nicht verletzen, wenn er in seiner Wut unbedacht etwas sagte. Doch vergessen hatte er nicht.

Die Menschen, die hierher gebracht wurden, bekamen ihr Gedächtnis gelöscht. Selbst wenn dieses Leben schon dreißig Jahre gedauert hatte. Ob Kind oder Erwachsener war den Jumern gleich. Und niemand wollte laut Jeremis wieder zurück, verspürte auch nur den Wunsch zu erfahren, was in der Zeit davor passiert war. Was ihr Leben ausgemacht hatte. Der grünäugige Mann, der gern zu lachen schien, hatte sich erinnern müssen, und als er es erzählt hatte, war sein Gesicht dunkel gewesen. 'Frag deinen Jumer, warum ich so denke.'

Unwillig schüttelte er den Kopf. Warum nur musste Jeremis immer so anklagend klingen, wenn es um Niel ging? Als sei er für alles verantwortlich. /Ein Jumer der Oberschicht. Ich weiß so wenig über dich, mein Liebling. Wir müssen reden, unbedingt. Aber nicht jetzt. Heute Abend./

Als er die Tür zum Wohnhaus öffnete, kam ihm Kees entgegen, eine Kanne tragend und eingehüllt in eine Wolke von Kaffeeduft. Unwillkürlich verzogen sich Milans Lippen zu einem Lächeln. Zwar trank er Kaffee nicht gerne, aber der Geruch erinnerte ihn immer an Sonntagsfrühstück mit seinen Eltern und seiner Schwester. /Die ich vielleicht niemals wiedersehe.../

Der Stich in seinem Herzen war schmerzhaft, doch bevor er sich erneut in trüben Gedanken verlieren konnte, strahlte Kees ihn an. "Hallo Milan. Schön, dass ihr wieder zurück seid. Ich bin fast fertig. Wo hast du Jeremis gelassen?"

"Hame ist uns im Stall über den Weg gelaufen. Sie wollten noch kurz was besprechen, aber sie kommen gleich nach." Milan konnte nicht anders als lächeln. Die gute Laune des kleinen, rundlichen Halblings war einfach ansteckend. /Und eigentlich dürfte es dich nicht geben. Weil Jumer etwas dagegen haben./

Mit einem Mal merkte er, dass er aufpassen musste. Er war drauf und dran, alles mit langen, spitzen Ohren von vorneherein erst einmal als negativ zu betrachten mit Ausnahme von Niel.

/Weil sie mit Menschen umgehen wie mit dem letzten Dreck! - Nun, nicht ganz/, meldete sich eine kleine, sarkastische Stimme zu Wort. /Nur wie mit dem vorletzten. Immerhin dürfen sie nach fünf Jahren hier bleiben und sich etwas wie dieses Gut aufbauen ohne ihre Familien, ohne die Menschen, die sie lieben, ohne ihr Leben, ohne ihre Erinnerungen. Aber das ist doch schon mal etwas./ Milan brachte sie fürs Erste zum Schweigen. "Weißt du, ob Niel schon wach ist?"

Kees wirkte ein wenig angespannt, doch das fröhliche Lächeln wich nicht aus seinen Zügen, als er den Kopf schüttelte. "Sagen wir mal, er ist nicht runtergekommen. Kannst du ihn vielleicht wecken?"

"Klar, kein Problem. Hatte ich ohnehin vor." Ein wonniges Grinsen huschte über Milans Gesicht, als er an die übliche Methode dachte, um Dornröschen jeden Geschlechts aus den Federn zu bekommen, und es ließ ihn wünschen, dass er wirklich schlief und nicht nur leicht vor sich hin döste. Er stieg die Treppe empor und klopfte trotzdem vorsichtig an die Tür zu seinem und Niels Zimmer, wartete kurz und trat dann ein.

Niel schlief nicht, sondern starrte konzentriert an die Decke des Zimmers und überdachte seine Lage. Sie war durch die Informationen, die er gesammelt hatte, um einiges komplizierter geworden und das, obwohl er sich fest vorgenommen hatte, alles ganz ruhig, heimlich und vor allem ohne größeren Schaden am Ansehen seiner Familie hinzubekommen. Es sah nun leider ganz und gar nicht danach aus, dass er es würde schaffen können.

/Jeden weiteren Tag, den ich hier bleibe, mache ich es schlimmer. Wenn ich aber nach Jashuun rufe... Nein. Das ist außer Frage. Ich muss mir meine Worte erst noch zurecht legen. Warum immer ich?! Wie kann ich ihm das nur erzählen? 'Jashuun, ich liebe dich nicht mehr... Ich hab mich in einen Menschen verliebt, mit dem ich nun zusammen bin. Das verstehst du doch, oder?' Nein! Er würde mich auslachen und Milan einsperren lassen, wegen Unsittlichkeit oder so. Natürlich würde er das nicht verstehen! Verdammt! Verdammt, was für ein Chaos!/

Niel warf sich auf den Bauch herum und schlenkerte irritiert mit seinen Füßen. /Wenigstens wissen die Gutsleute noch nicht, wer ich bin. Solange können wir also noch hier bleiben, und ich kann mir meine Worte zurechtlegen. Außerdem hab ich Milan für mich, was sich in der Stadt dann wohl erledigt hat. Immerhin werden sie keinen Menschen mit Gedächtnis einfach so laufen lassen, oder? Es wäre schade, wenn er mich vergessen müsste, einfach so. Ob... Nein, ich kann ihn nicht fragen, ob er das will! Sei kein Idiot, Niel. Natürlich will er das nicht!/

Es klopfte und Milan trat ein, das hörte Niel an den Schritten. Die Art, in der sein Herz zu hüpfen begann, seine Finger mit nervösen kleinen Bewegungen anfingen, machte es ihm im nächsten Momen klar. Er dachte doch tatsächlich darüber nach, wie sein Hintern in der Farmerhose aussah!

/Ah, Niel! Du bist verknallt! Reiß dich zusammen!/ Das dämliche Grinsen war unbeeindruckt davon, als er sich zu Milan herumdrehte.

Milan schloss die Tür hinter sich und suchte den Blick der großen violetten Augen. /Schade, er schläft nicht/, huschte es durch seinen Kopf, dann waren alle Gedanken erst einmal weggewischt, alle Sorgen, selbst der letzte Rest seiner schlechten Laune, als sein Herz schneller zu schlagen begann und er Niels Lächeln erwiderte.

Er trat zum Bett und setzte sich auf dessen Kante, um sich dann über seinen Elfen zu beugen. Sacht fuhr er ihm durch das zerzauste Haar, ehe seine Hand auf dem Hinterkopf liegen blieb und er das zarte Gesicht näher an sich zog, um ihn zärtlich zu küssen.

Der Kuss wurde länger, als er geplant hatte, und so war er atemlos, als sie sich endlich wieder voneinander lösten. Grinsend berührte er mit der Nasenspitze die des Jumers, rieb sie sanft. "Ich hoffe, es waren nur Gedanken an mich, die dich vom Schlafen abgehalten haben", neckte er ihn. "Weil du mich so unsagbar vermisst hast."

"Das und daraufhin haben mich die Gedanken daran, was wir alles zu zweit in diesem Bett hätten tun können, abgelenkt", erwiderte Niel und zog sich Milans Gesicht zu einem zweiten Kuss heran. Er kuschelte sich an dessen Körper heran, schlang einen Arm um seine Hüfte und fragte "Wie gefällt dir das Gut?"

"Es ist groß, es ist schön, und man merkt, dass Jeremis es liebt." Milan hatte das Gefühl, als könnte allein die Nähe seines Geliebten alle trüben Gedanken auf Dauer vertreiben, als müsste er nur bei ihm sein, um alles erreichen zu können. /Und du denkst daran, nach Hause zurückzukehren? Wie kannst du das vereinbaren mit diesem Gefühl?/ Er wusste es nicht und wollte jetzt auch nicht darüber nachdenken. /Es wird sich ein Weg finden lassen./

Er lächelte, berührte Niels Lippen mit ein, zwei flüchtigen, liebevollen Küssen. "Kees hat mich gebeten, dich zu wecken, mein Liebling. Es gibt gleich Kaffee. Und danach wird mir Jeremis das Reiten beibringen, damit ich ihn zu den Steinbrüchen begleiten kann. Ich möchte mir gerne auf halbwegs bequeme Art die Gegend ansehen vorzugsweise nicht auf meinen eigenen Beinen." Er lachte. "Ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen. Wenn du Lust auf Amüsement hast, kannst du dir ja meine ersten, kläglichen Versuche anschauen."

Niel lachte auf. "Du wirst morgen vollkommen fertig sein und Schmerzen überall haben, mein Juwel! Wenn du noch nie geritten bist, dann wirst du erst einmal die Muskeln kennen lernen, die dazu nötig sind, um oben zu bleiben." Er lächelte und küsste Milan auf den Hals, bevor er sich geschmeidig aus dessen Umarmung wand. "Jeremis sieht mir wie ein geduldiger Mann aus, er wird dir das Reiten schon beibringen. Ich komme auch mit und schau zu."

Niel zog Milan an der Hand vom Bett und ging, die Finger der einen Hand in die seines Geliebten verschränkt, mit ihm zum Kaffeetrinken in das Wohnzimmer.

"Es ist auf Jume bei den Menschen so üblich, zum Kaffee nicht Kuchen zu essen, sondern Brote. Das ist gleichzeitig das Abendessen, denn man frühstückt hier so viel. Das machen sie, weil die meisten Menschen früh aufstehen und hart körperlich arbeiten und dann am Nachmittag schon hungrig sind", erklärte Niel die Auswahl belegter Brote auf dem niedrigen Couchtisch zwischen zwei Teekannen und einer Karaffe mit Wein, sowie einer Kanne mit Kaffee. "Wenn du lieber etwas Süßes magst, dann solltest du das Kees sagen, denn es gibt bestimmt auch noch Pudding, oder, Kees?"

Er hatte sich davon abgehalten, Halbling zu sagen, wollte es auch nicht, denn der jungen Halbling in diesem Haushalt war freundlich zu ihm. Aber Niel starrte auf den Tisch und das Geschirr, während er den Haushälter ansprach, der noch eine Platte mit Broten auf den Tisch abstellte.

"Brote? Oh. Ich hatte gehofft..." Milan unterbrach sich. /Andere Länder, andere Sitten./ Dennoch machte es ihn glücklich, dass Niel sich gemerkt hatte, was für eine Vorliebe er für Süßes hatte. Aber er spürte auch, wie er sich wegen des Verhaltens seines Geliebten dem Halbling gegenüber anspannte. /Das ist nicht fair!/, dachte er verärgert, doch er sagte nichts, merkte es sich für den Abend vor. /Immerhin bemüht er sich um Freundlichkeit, nicht? Gott, dieser Planet macht mir zu schaffen!/

Kees lachte, was Milan sich zu ihm umdrehen ließ. Der Halbling schob eine der Kannen ein Stück beiseite, um mehr Platz für die Platten zu haben und zwinkerte ihm zu. "Naschkatze, hm? Möchtest du Pudding? Es ist von gestern noch Schokoladencreme übrig."

Milans Wangen röteten sich, als er seinen Teelöffel verlegen von einer Seite der Tasse auf die andere schob. "Wirklich?", fragte er, während er sich verfressen schimpfte. Doch gerade jetzt erschien ihm der Gedanke an etwas Süßes, Cremiges äußerst verlockend. So verlockend, dass er sich einfach nicht davon abhalten konnte zu nicken. "Wenn es keine Umstände macht?"

Kees Grinsen wurde breiter. "Sicher, kein Problem. Wie gesagt, es ist noch da. Möchte sonst noch jemand? Jer, Hame, Niel?"

Niel lachte fröhlich und erklärte "Nein, ich koste nur mal ein wenig von Milan, aber ich esse lieber ein Brot."

Er sah sich zu Hame und Jeremis um, die gerade den Raum betraten und nahm dann nach einem Nicken vom Gutsbesitzer auf einem der Sofas Platz, um Milan mit sich zu ziehen.

Verschmust schmiegte er sich an seinen Geliebten heran und lehnte sich gegen dessen Schulter, während er mit den Fingern durch die längeren Haare im Nacken kämmte, sie zu kleinen Zöpfen flocht, die er wieder auflöste, nur um von vorn zu beginnen. Selig lächelnd wartete er, dass Kees zurückkam, um mit dem Tee- und Kaffeeausteilen zu beginnen.

Jeremis nickte Kees nur leicht zu und ließ sich in einen der Sessel nieder. Hame plumpste betont müde in das andere Sofa und beobachtete, wie ihr Mann eine Schale mit Schokoladencreme vor den Gast hinstellte.

Schweigen senkte sich über den Tisch, während Kees noch Zucker zwischen all die Teller platzierte und sich neben Hame setzte. Milan beobachtete, wie er sich zu ihr beugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte, was ihr ein Lächeln entlockte. Es ließ ihr strenges Gesicht gleich freundlicher wirken, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

Das Essen war schon um einiges entspannter als das davor. Milan stellte Fragen zum Gut, zum Reiten und zu der Umgebung, und Jeremis antwortete, gerne ausführlicher. Nach einer Tasse Kaffee mit viel Milch und Zucker, deren Geschmack Milan mit dem wirklich leckeren Pudding und viel Tee wieder vertrieb, fühlte er sich auch wesentlich wacher als zuvor und bereit, den Rest des Tages nicht nur auf der Couch oder im Bett mit Niel zu verbringen.

Sein Angebot wegen Hilfe in der Küche wurde von Kees jedoch energisch zurückgewiesen. Der Halbling zwinkerte ihm zu, während er das Geschirr zusammenräumte, und versicherte mit ausgesprochener Freundlichkeit "Das kannst du dann morgen machen, wenn du dich kaum noch rühren kannst vor lauter Muskelkater."

Milan verzog das Gesicht zu einer Grimasse und warf Niel einen Blick zu. "Da wirst du wohl nicht allzu viel Freude an mir haben", wisperte er ihm zu, ehe er es Jeremis gleich tat, der bereits aufgestanden war. Er streckte sich, folgte dem Gutsbesitzer und grinste. "Okay, dann wollen wir mal. Nachdem mir alle so viel Mut gemacht haben, kann eigentlich nichts mehr schief gehen."

Jeremis nickte leicht und rief Hame über die Schulter hinweg zu "Kannst du die Fässer noch mal auf Temperatur prüfen, wir kommen schon allein zurecht." Dann ging er mit Milan und dem freudig neben ihnen her hopsenden Niel zum Stall, wo er zuerst Milans Stute sattelte und den Gurt schon einmal soweit festzog, dass der junge Mann aufsitzen konnte. Mit ein wenig Hilfe und unter den besorgten Blicken des kleinen Jumers schaffte er es auch und hielt sich dann im Folgenden an dem Sattelknauf fest.

Jeremis sah Niel fragend an und wies einmal um sich "Willst du auch ausreiten? Such dir doch ein Pferd aus."

Der kleine Jumer blickte sich einmal in den Ständen um. "Welche Pferde darf ich denn nehmen? Mir ist es doch egal."

Jeremis holte ihm eine dunkelbraune Stute aus dem Stand, die sich mit Tamai, dem Pferd, das Milan sich ausgewählt hatte, gut verstand. Niel wehrte das Angebot eines Sattels ab und zäumte die kleine, ein wenig nervösere Stute nach Art der Jumer auf; sehr schnell und wie militärisch erlernt wirkten die Handgriffe des Jumers. Noch bevor Jeremis den Sattel auf den Rücken seines Pferdes geschwungen hatte, saß Niel auf der Stute und trieb sie zu Milan hin, um ihm die Handhaltung an den Zügeln zu zeigen.

Schließlich hatte Jeremis alles fertig und lenkte seine Stute zu Milan hin, während Niel ein wenig auf und ab trabte, Milan zurief, wie er seine Stute würde antreiben können.

Jeremis klopfte Milan mit der flachen Hand auf das Bein und erklärte "Ich ziehe den Sattelgurt noch mal an für dich, nimm mal das Bein zur Seite. Wenn wir gleich los reiten, dann lehn dich nicht vor, sondern lass dich zurücksinken, ja? Wenn du willst, dass Tamai langsamer wird, dann zerr nicht an den Zügeln, sondern gib ihr mehr Spiel, sie ist verfressen und wird anhalten." Er zurrte den Gurt fester und nickte Milan einmal kurz zu. "Du machst das schon, keine Sorge." Aus dem Augenwinkel sah er Niel dabei zu, wie dieser das Pferdchen in einer engen Pirouette drehte, um aus dem Stand anzugaloppieren. Es war erstaunlich, wie geschickt die Jumer mit den Tieren umgingen. "Auf geht's!"


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh