Zwischen den Welten

34.

Jeremis hatte noch nicht gewusst, wie viel Selbstbeherrschung in ihm gesteckt hatte, aber in den nächsten Tagen auf dem Gut mit Milan zusammen, erfuhr er mehr darüber. Milan war misstrauisch und dennoch nähebedürftig.

Beides auf einmal bot eine irritierende Mischung aus durchkuschelten Stunden am Kamin und getrennt verbrachten Nächten in einem kühlen, leeren Bett mit sich. Zu mehr als einem Gutenachtkuss kam Jeremis nicht, wollte er auch nicht. Er wollte, dass Milan seinen kleinen Jumer vergaß, bevor er etwas Ernsteres mit ihm anfing. Vor allem wollte er nicht mit dem schlanken, wendigen Körper, den feinen Glieder, der weichen Haut und zärtlichen Art des Kleinen verglichen werden. Er war ein Mensch, ein älterer und einer, der länger schon keine Beziehung mehr gehabt hatte.

Der Gedanke an Milan in seinen Armen, in seinem Bett, brachte neben einer nicht zu leugnenden Erregung auch stets eine nicht zu unterdrückenden Nervosität mit sich, die Jeremis unerträglich fand. Zu unerträglich, um Milan von sich aus den Vorschlag zu machen, mehr zu tun.

Milan liebte es, mit Jeremis zu schmusen, zu kuscheln. Jedes Mal, wenn der andere Mann ihn in den Armen hielt, fühlte er sich sicher, warm und geborgen. Es war anders als mit Niel, bei Jer konnte er sich mehr anlehnen, wie er es im Grunde schon von Anfang an getan hatte, wenn auch nicht körperlich. Irgendwie war Jeremis immer für ihn da gewesen.

Gerne hätte er auch mehr getan, doch er war sich unsicher. Unsicher darüber, was Jer wollte, was er selber wollte. Zudem plagte ihn nach wie vor das schlechte Gewissen. Er war erst so kurz von Niel getrennt, aber hatte direkt nur wenige Stunden danach bereits jemand anderen gehabt. Als ob es mit dem Jumer nichts gewesen wäre. Doch das war es nicht.

Und da lag sein zweites Problem. Niel war ihm nach wie vor wichtig. Noch immer spürte er den Schmerz, wenn er an den zierlichen Mann dachte, daran, dass er jetzt ganz allein bei diesem kalten General war. Das Schuldgefühl, das er deswegen Jer gegenüber empfand, ließ ihn nicht zu mehr kommen. Wenn er neben ihm saß, an ihn geschmiegt und auf diese fast sehnsüchtige Art an den Jumer dachte, kam es ihm beinahe wie ein kleiner Verrat vor. Er wollte nicht mit ihm ins Bett gehen und dabei dann ebenfalls an Niel denken.

Doch zunehmend spürte er Jeremis' eigene Unsicherheit, spürte sein Begehren. /Ich muss endlich einen Schlussstrich ziehen. Es ist nicht fair Jer gegenüber./ Nachdenklich sah er zu dem Mann hinüber, den er liebte. Jeremis hockte vor dem Kamin und legte Holz nach. Milan betrachtete seine kräftigen Schultern, den breiten Rücken, den festen Hintern. /Und gesagt habe ich es ihm auch noch nicht. Bei Niel ist es mir so leicht über die Lippen gekommen./ Schon wieder Niel! Er musste wirklich damit aufhören.

Jeremis blickte zufrieden in das Feuer; es war ihm gut gelungen, die Holzscheite so aufzustapeln, dass ein gleichmäßiges Feuer entstand und er sich nun den Abend über nicht mehr darum kümmern musste. Hame schaute kurz in das Zimmer hinein und wünschte knapp wie immer eine gute Nacht, dann kehrte Ruhe im Erdgeschoss ein, und Jeremis lächelte dem Feuer zu.

/Hame und Kees sind weg, das Feuer brennt gut, Schnapper hat gefressen und war eben draußen, der Keller ist abgeschlossen. Alles, worum ich mich jetzt noch kümmern muss, ist Milan./ Das war ein wirklich herrlicher Gedanke.

Milan und ihn schien jedoch noch immer nur Freundschaft zu verbinden. Eine von Zärtlichkeit und Nähe begleitete Freundschaft, aber eben keine Liebesbeziehung, wie er es gern hätte. /Ich kann ihn damit nicht überfahren, nach dem Lichterfest, nachdem all meine Freunde hier waren, finden wir zwei schon genügend Zeit, um uns näher zu kommen./

Entschlossen, solange noch zu warten, drehte er sich zu Milan um und setzte sich zu ihm. Milan hatte versprochen, ihm etwas Neues vorzulesen, was auch ein schöner Gedanke war. Jeremis ließ es sich dennoch nicht nehmen, den Arm um Milans Schultern zu legen, um ihm durch die Haare zu streicheln und den Nacken entlang, während er nach seiner Seite suchte.

"In fünf Tagen kommen ja meine Freunde schon an. Aus Jumelaan, aus Laanenver und dann von noch weiter aus Karashlaan. Das ist zwar zum einen schön, aber zum anderen werden wir noch jemandem zu dir im Gästezimmer unterbringen müssen. Ich werde auch jemanden aufnehmen. Ich hoffe, dass es dir nichts ausmacht, es ist ja nur für die acht oder so Nächte."

Unwillkürlich versteifte sich Milan in dem Arm, in den er sich eben noch so gemütlich hinein gekuschelt hatte. /Er will.../ Für einen Moment presste er die Lippen zusammen, dann schüttelte er den Kopf.

"Doch, es macht mir sehr wohl etwas aus", rutschte es ihm heraus. Er sah auf und Jeremis ärgerlich an. "Warum soll ich jemand in mein Zimmer aufnehmen und du auch? Warum... Oh." Seine dunkle Miene wich sehr schnell einem schiefen Lächeln, als er Jeremis' Blick traf. "Du versuchst schon wieder Rücksicht zu nehmen, nicht wahr?" Er streckte sich ein wenig und berührte den Mund seines Freundes mit den Lippen, küsste ihn kurz, aber zärtlich. "Warum teilen wir nicht ein Zimmer?"

Jeremis hob eine Augenbraue, während er den Kuss erwiderte, dann lächelte er Milan warm an. "Entschuldige. Ich wollte es dir nicht so vorschlagen, dass es sich für dich anhört, als müsstest du mit mir in einem Zimmer schlafen, wenn du es nicht willst. Von mir aus natürlich sehr, sehr gern." /Schon gestern eigentlich, aber Zeit haben wir ja genug, bloß nichts übereilen./

"Dann werden Kees und ich morgen die Betten verteilen, damit alle es gemütlich haben, wenn die Feiern beginnen. Es werden einige Gutsbesitzer aus dem Süden da sein, hauptsächlich kommen die alten Ganoven immer, um hier mit den Schlitten hinter meinen Pferden auf der Steppe Rennen zu fahren. Das macht aber Spaß. Willst du dir nicht ab morgen von Hame zeigen lassen, wie man die Schlitten lenkt? Ich wollte auf jeden Fall mitfahren, letztes Jahr habe ich sogar gewonnen!"

"Dann feure ich dich vom Rand aus an." Milan lachte. "Ich lerne lieber erst mal das eine, und momentan bin ich mit Reiten vollkommen beschäftigt." Nachdenklich sah er ihn an, streichelte mit den Blicken seine Gesichtszüge, ehe er eine Hand hob und sie sacht mit einem Finger nachfuhr.

"Jeremis... Ich weiß, dass du mich zu nichts drängen willst. Das ist eine dieser wundervollen Eigenschaften", er zögerte, nur um ihn erneut zu küssen, länger dieses Mal, wenn auch noch immer nicht so leidenschaftlich wie in Jumelaan, "die ich an dir so liebe", sagte er dann leise, als er sich wieder von ihm löste.

Jeremis lächelte leicht, dann nickte er und versprach "Das wird sich auch nicht ändern, Milan." Er grinste ihn schräg an und fügte hinzu "Es sei denn, du willst, dass sich was ändert." Er strich seinem Freund eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn und murmelte "Eigentlich wäre es schön, einmal wieder das Bett zu teilen. Schon bei Raoul hab ich besser geschlafen als je zuvor."

Milan lächelte ein wenig verlegen und schmiegte sich enger an ihn. "Ja, das war schön. Auch wenn ich da nicht unbedingt so viel daran gedacht habe. Aber ich war dir so dankbar. Für deine Nähe, deine Sorge. Überhaupt... war Jumelaan sehr schön." Seine Wangen röteten sich, als er an den Kuss in dem Geschäft und im Hinterhof dachte.

"Jer, küss mich noch mal so wie da", wisperte er und hob ihm das Gesicht entgegen.

Jeremis spürte sein Herz deutlich schlagen, als er Milans Gesicht mit einer Hand zu sich drehte, um seine Lippen in einem deutlich intensiveren Kuss einzufangen. Er brach den Kuss auch nicht so rasch und zurückhaltend ab wie sonst, sondern fuhr mit den Fingern der einen Hand in Milans Haare, um dessen Kopf besser halten zu können, während er mit der anderen Hand über seine Schultern und den Rücken streichelte.

Nach einem Moment schloss er seine Augen und ließ die Zungenspitze über Milans Unterlippe gleiten, nahm den Geschmack von viel zu süßem Früchtetee wahr, den sein Freund zum Abendessen getrunken hatte. Er lächelte leicht an seinem Mund, dann stupste er ihn noch einmal fragend mit der Zunge an, bat um Einlass. Zugleich fragte er sich, ob es schlau war, so rasch auf Milans Angebot und Bitte einzugehen und strich mit der Hand auf dessen Hüfte, um ihn an sich zu ziehen.

Mit einem leisen Seufzen wandte sich Milan vollkommen zu ihm um. Während seine Hände ihren Weg über Jeremis' Oberkörper suchten, um dann in seinen Nacken zu gleiten, öffnete er seinen Mund, kam Jers Zunge mit seiner entgegen. Fast schüchtern berührte er sie, stieß sie erst nur zaghaft an, zog sich zurück, um ihm dann erneut zu begegnen und ihn in einen sanften Tanz zu verwickeln.

Jeder Gedanke verschwand aus seinem Kopf, als er nur noch fühlte, schmeckte. Er schlang die Arme fester um seinen Geliebten, folgte der Aufforderung von dessen Hand und drehte sich ihm noch weiter zu. Fast selbständig glitt ein Bein über Jeremis' Schenkel, bis er ganz auf dessen Schoß saß, sich eng an ihn schmiegend und den Kuss noch weiter vertiefend.

Jeremis stützte Milan mit einem Arm im Rücken und erwiderte die Küsse leidenschaftlicher. /Wie da... wie im Hof... Ich möchte eigentlich mehr, so viel mehr tun für dich, Milan./

Jeremis wusste, dass Milan und Niel sehr viel mehr getan hatten, der quirlige Prinz war nicht gerade zurückhaltend gewesen und auch nicht besonders leise. Aber noch immer war und blieb das eine gänzlich andere Situation. Unsicher begann Jeremis sich nun zu fragen, was Milan gern hatte, wie er denn etwas für ihn tun konnte.

Er blieb deswegen für das erste dabei, ihm das Hemd langsam aus dem Hosenbund zu ziehen, damit er seine Haut spüren konnte, während er kleine Muster auf den Rücken an der Wirbelsäule entlang zeichnete. Milans Geschmack, dieses Mal intensiver, als Jeremis es in Erinnerung hatte, brachte seinen Körper allein schon durcheinander, aber ihn dann dazu noch auf dem Schoß sitzen zu haben, seine Finger zu spüren, die sich ihrerseits in seine Haare und Schulter gruben, war schon fast zu viel. /Wir sollten besser aufhören... es sei denn... ob er vielleicht... Vielleicht möchte er es ja auch? Schon? Das wäre wundervoll!/

Jeremis hatte sehr wohl bemerkt, dass Milan noch oft an seinen Prinzen dachte und wollte ihn auch deswegen schon nicht drängen. Doch nun, während sie mit den Zungen und Lippen spielten und sich streichelten, während er die bloße Haut von Milan spürte, traten seine Bedenken in den Hintergrund, und er begann sich mehr als nur zu wünschen, dass sein Freund den anderen vergessen konnte.

Als nächstes bemerkte er auch schon erschrocken, dass seine Hand unter dem Hemd hervor getaucht war, um Milans Hintern zu umfassen, damit er ihn noch dichter zu sich ziehen konnte.

Milan löste sich von ihm, um nahezu erschrocken nach Luft zu schnappen, als sein Becken gegen Jeremis gepresst wurde und ein Gefühl wie von einem Stromschlag durch ihn hindurch schoss. Jers Finger hatten brennende Bahnen auf seinem Rücken hinterlassen, und er hatte diese Zärtlichkeiten so sehr genossen, dass sie ihm fast wie Wein zu Kopf gestiegen waren. Die Hand auf seinem Po aber, die ihn an den Körper seines Freundes drückte, holte ihn weit genug zurück aus diesem Rausch, um ihm klar zu machen, dass Jeremis mehr wollte.

Milans Atem ging schneller, als er auf das Gesicht des anderen Mannes hinabsah. In seine grünen Augen mit den hellen, winzigen Flecken. Die geraden Brauen. Die kleinen Fältchen in den Augenwinkeln, um den Mund, auf der Stirn. Die leicht geöffneten, feuchten Lippen. Und wieder in die tiefen Augen. Er wusste, wenn er nicht wollte, würde Jer aufhören. Er würde nie weiter zu gehen versuchen. Niemals. Sein Herz schlug heftiger bei dem Gedanken, und eine warme Welle überspülte ihn. /Ich liebe ihn. Oh Gott, ich liebe ihn so sehr!/

Ein kleines Lächeln schlich sich in seine Züge, und er küsste Jeremis kurz und schnell, wieder und wieder und wieder.

"Ich liebe dich", flüsterte er zwischen den Küssen und schmiegte sich erneut eng an ihn. Suchend wanderten seine Hände über dessen Schultern, den Rücken hinab. Er zog an dem Hemd, zerrte es aus Jers Hose. Die nackte Haut war warm unter seinen Fingern, als er sie unter den dichten Stoff gleiten ließ, und fühlte sich wundervoll an. Wieder ließ er seine Zunge über Jeremis' Lippen fahren und in dessen Mund schlüpfen, um seinen herrlichen Geschmack erneut zu kosten.

Jeremis hatte sich schon erschrocken, über sich selber, über sein Verlangen, aber auch über das Zusammenzucken seines Freundes. Doch dann sah ihn dieser mit einem derart hitzigen Blick an, dass ihm klar wurde, dass er nichts falsch gemacht hatte.

Gleich drauf fuhren Milans Finger über seinen nackten Rücken, während er ihm atemlos 'Ich liebe dich' sagte. Mit einem Mal pries Jeremis, dass Milan so leidenschaftlich war, in allem, was er tat. Er schloss die Augen und drückte Milan fest an sich, während er den Kuss erwiderte, verlängerte und genoss. Atemlos machte er sich dann ein wenig frei und sah seinen Schatz kurz an.

Dessen Wangen waren gerötet, die hellen Augen wirkten fast ein wenig glasig, und die schlanke Brust hob und senkte sich schnell. Jeremis zog Milans Arme von sich fort und umschloss dessen Finger mit einer seiner Hände. Mit der anderen Hand zog er Milans Hemd gerade und streichelte dann die zerzausten Haare aus dessen erhitzen Gesicht.

"Ich liebe dich auch, viel mehr, als ich sagen oder zeigen kann. Ich bin so glücklich, dass du hier bist." Er lächelte und stand langsam auf, ließ Milan von sich rutschen, hielt ihn, als sie voreinander standen, jedoch noch immer fest. Er küsste ihn noch einmal lange und strich ihm wieder und wieder über die Haare und das Gesicht, dann trat er von ihm zurück und umfing die schlanke Hand, um leicht daran zu ziehen. "Kommst du mit?"

"Nein", sagte Milan atemlos und grinste, während er ihm bereits folgte. "Ich werde jetzt keusch und brav in mein Zimmer zurückkehren und hoffen, dass diese unsittliche Anwandlung schnell vorüber geht."

Auf der Treppe hielt er abrupt an und schmiegte sich eng Jeremis, um ihn erneut heftig und ausgiebig zu küssen. "Oder ich falle gleich hier und jetzt über dich her", brachte er hervor, als sie sich wieder voneinander lösten. Spielerisch biss er seinem Freund in den Hals. "Aber dann würden wir Kees und Hame um den Schlaf bringen."

Er wartete auf keine Antwort, sondern zog Jeremis eilig nach oben. Die Berührungen, die Küsse hatten sein Verlangen endgültig geweckt, und die Reaktionen seines Freundes erhitzten es nur um so mehr. Er wollte nicht getrennt von ihm sein, wollte ihn ganz spüren, ohne störenden Stoff zwischen ihnen, Haut an Haut, wollte ihn streicheln, liebkosen, seine Hände, Lippen, Zunge fühlen, einfach alles.

Jeremis begann sich ernsthaft zu fragen, warum ihm Milans stürmische Art zuvor nicht gefallen hatte. Als dieser ihn auch noch zart in den Hals biss, war er bereit, alles umher zu vergessen und auf den Vorschlag, gleich auf der Treppe zu bleiben, einzugehen.

Doch irgendwie gelangten sie in das Gästezimmer, stolperten gemeinsam, sich immer wieder küssend über die Türschwelle. Noch während Milan die Tür mit einem Fuß zuschob, begann Jeremis die Knöpfe an seinem Hemd zu öffnen.

Genießerisch fuhr er mit den Handflächen über die Rippen zu Milans Schulterblättern herum und von dort an dem Rücken entlang, wobei er das Hemd zugleich von ihm abstreifte. Atemlos beugte er sich dichter zu ihm, um seinen Hals und die Schultern mit tastenden, forschenden Lippen kennen zu lernen.

Milan seufzte leise auf. Für einen Moment hielt er inne, legte den Kopf zur Seite, um Jeremis mehr Fläche zu geben und spürte mit geschlossenen Augen den Berührungen nach. Das Prickeln in ihm verstärkte sich noch, folgte in heißen Spuren den Stellen, die Jer liebkoste, und ließ sein Begehren weiter anwachsen.

Ungeduldig knöpfte er weiter, ließ eine Hand bereits über Jeremis' Brust gleiten, bevor er das Hemd ganz geöffnet hatte. Die warme Haut war nicht so glatt, wie er erwartet hatte, ebenso wenig, wie er mit Haaren gerechnet hatte. Doch es irritierte ihn nur für einen kurzen Augenblick. /Er ist ein Mensch, kein Jumer./ Er schob das Hemd auseinander und streifte es ihm von den Schultern, während er seinerseits Jers Hals zu küssen begann, sich über die Schlüsselbeine mit Lippen und Zunge weiter nach unten vortastete.

"Du schmeckst so gut", murmelte er und ließ wie zur Bestätigung seine Zungenspitze über eine Brustwarze schnellen.

Jeremis seufzte leise auf und strich Milan einmal durch die Haare, streichelte seinen Hals und von dort über die Brust und den Bauch hinab bis zum Hosenbund. Er zögerte ein wenig, dann hob er den Kopf und glitt mit den Fingern an Milans Körper wieder entlang nach oben, um sein Kinn für einen weiteren Kuss zu heben.

"Ich begehre dich viel zu sehr", flüsterte Jeremis ihm heiser zu, streichelte bewundernd erneut über den schlanken Körper des anderen. "Ich hab Angst zu weit zu gehen, hilfst du mir?"

Milan lächelte und erwiderte den Kuss sanft und leidenschaftlich zugleich, ehe er antwortete. "Ich glaube nicht, dass du etwas tun kannst, was ich nicht mögen würde. Ich begehre dich auch... Jetzt gerade in dem Moment so sehr, dass ich dich überall spüren, berühren möchte."

Er zog ihn auf das Bett und küsste ihn erneut, während seine Hände begannen, den kräftigen, muskulösen Oberkörper zu erkunden, der so anders war als der von Niel oder gar der einer Frau. Doch Milan dachte nicht wirklich an jemand anderen, er war viel zu trunken von Jeremis, seinem Geschmack, seinem Geruch, seinem Begehren.

Jeremis streifte seine Hausschuhe von den Füßen und legte sich auf die Seite, zog Milan zu sich, um ihn gleich wieder zu küssen und mit den Händen zu erkunden. Sachte fuhr er über dessen Seite und begann dann nach einem vorsichtigen Blick in das erhitzte Gesicht seines Geliebten dessen Hosenknöpfe zu öffnen.

Milan trug wieder eine von den festen Arbeiterhosen aus seinem Schrank, weil es so kalt geworden war. Das hatte den Vorteil, dass am Hosenbund noch ordentlich Platz für Jeremis' Finger war, den er, gleich nachdem er die Knöpfe geöffnet hatte, auch ausnutzte, um ihm nun nur noch durch den dünnen Unterhosenstoff getrennt über den Hintern zu streicheln. Entschlossen festigte er seinen Griff und zog Milan noch weiter zu sich herum und über sich.

Milan stöhnte leise auf. Für einen Moment presste er sich enger an Jeremis, rieb sein Becken gegen das des anderen Mannes und spürte den köstlichen Hitzeschauern nach, die durch ihn hindurch rieselten. Dann verlagerte er sein Gewicht, um an Jers Hose zu gelangen und sie ebenfalls aufzuknöpfen. Während er damit beschäftigt war, begannen seine Lippen eine leidenschaftliche Wanderung weg von dem verlockenden Mund über den Hals und hin zur Brust. Er liebkoste ihn ausgiebig mit der Zunge, knabberte an den empfindlichen Brustwarzen, sich gleichzeitig darum bemühend, die Hose von Jers Hüften zu ziehen.

Jeremis schob Milan sachte von sich fort, stand kurz vom Bett auf und zog sich allein das Hemd und die Hose aus. Sie streiften die Hosen gleichzeitig und mit der gleichen Hast von den Beinen herunter, und Jeremis hechtete schnell unter die sichere Decke. Zum einen war diese warm, zum anderen war er ein wenig geschützt vor den Blicken von Milan, der seine Narben an den Armen und der Hüfte nicht sehen sollte. Erinnerungen an die Minen, schlechte Erinnerungen. Ihretwegen hatte er Niel und Milan damals geholfen, als diese in seinen Keller gestolpert waren. Er hatte sich geschworen, dass er jedem helfen würde, überallhin zu gelangen auf Jumelaan, nur um die Minen niemals kennen zu lernen.

Sie hatten keine Lampe angemacht, aber Milan stand von silbernem Sternenlicht umspielt direkt vor ihm und Jeremis genoss den Anblick so sehr, dass er das Zähneklappern seines Geliebten erst verspätet bemerkte. "Oh, entschuldige, Lieb... ling." Rasch setzte er sich gegen das Kopfteil seines Bettes auf und zog Milan zu sich unter die Decke, wo er sofort begann, ihm über den ausgekühlten Körper zu streicheln. /Liebling... Das ist er wirklich für mich. Mein Schatz, mein Liebling./ Vorsichtig schob er Milan die Haare aus der Stirn und küsste ihn auf den Haaransatz.

Doch dann nahmen Jeremis' Hände schon von allein den bereits bekannten Weg über den mittlerweile durch die Reiterei trainierten Rücken zum Hintern und wieder zurück zu Milans Schultern auf, während Jeremis' Lippen über Milans Wangen zu dessen Hals wanderten.

Milan schmiegte sich an den kräftigen Körper, genoss die Wärme, die langsam wieder in ihn zurückkehrte, und die Liebkosungen, während seine Finger langsam Jeremis zu erkunden begannen. Alles an dem anderen Mann war durchtrainiert, die Arme, die Schultern, der Rücken. Er fuhr die Muskeln entlang, ertastete die Wirbelsäule und die Rippen, wanderte weiter hinab, um die Hände um den festen Hintern zu schließen und ihn sanft zu massieren. Mit einem leisen Seufzen presste er die Lippen auf Jers Schulter, knabberte sanft an der warmen Haut und kitzelte ihn mit der Zunge, um ihn zu schmecken.

"Ich liebe deinen Geschmack", murmelte er und küsste sich langsam zum Ohr empor, um ihm ein weiteres "Ich liebe dich..." zuzuflüstern. /So sehr... so sehr... so sehr. Ich liebe dich. Ich liebe dich!/

Es fühlte sich so gut, so richtig an, mit Jer hier zusammen zu sein. Und er wollte mehr, viel mehr. Sacht drängte er gegen ihn, bis Jeremis nachgab und nach hinten in die Kissen sank. Milan folgte ihm, schmiegte sich gleich wieder an ihn und bedeckte das geliebte Gesicht mit kleinen, federleichten Küssen, während er seine Finger über Jeremis' Hüfte wandern ließ, die unebene Haut ertastete, wie von Narben gestört, und die Hände dann erneut um Jers Hintern schloss.

Milan so fordernd zu spüren, erregte Jeremis noch mehr, als er gedacht hätte. Ungeduldig beinahe verfolgte er die Wege der Hände auf seinem Körper, während er Milans leise geflüsterten Sätze erwiderte, unbewusst beinahe schon, aber dennoch ernst gemeint. "Ich liebe dich auch. Deinen Geschmack, wie du dich anfühlst, wie du bist, was du mit mir tust." Die Liste der Dinge, die Jeremis zu lieben und zu brauchen begann, wurde mit jedem Augenblick länger.

Allerdings wurde er sich bewusst, dass Milan sich vorsichtig gab, noch immer ertastete, wie weit er gehen konnte, wie weit er sich sicher fühlte. Jeremis hätte es auch gern genauso gemacht, aber ihm blieb nichts weiter übrig, als in dieser Nacht herauszufinden, ob Milan wirklich ernstlich mehr wollte, mehr zuließ. Sachte schob er Milan auf das Kissen hinunter und beugte sich über ihn, um seinen Oberkörper entlang zu küssen.

Die Linien über dem Brustbein, zu den Rippen hinüber, ganz vorsichtig an den Brustwarzen entlang und bis zum Bauchnabel. Mit den Fingern streichelte er über Milans Hüfte und seinen Oberschenkel bis zu den Knien. Vorsichtig lauschte er dabei jedoch stets auf die Reaktionen seines Geliebten.

Da Milan stets deutlich reagiert hatte, wusste er auch jetzt, dass er ihm bestimmt gleich zeigen würde, wenn er etwas nicht mochte. Mit einem Lächeln streifte er den Weg seiner Lippen noch einmal mit der Zungespitze entlang, während er sich zwischen Milans Beine kniete, um sich besser über ihn beugen zu können.

Milan stöhnte leise auf. Die Gefühle, die Jer in ihm auslöste, ließen ihn schwindlig werden. Sein ganzer Körper kribbelte und sehnte sich nach mehr von allem, mehr Berührungen, mehr Liebkosungen. Er wollte ihn überall gleichzeitig spüren, ihn überall berühren. Er streichelte Jeremis' Kopf, sein zerzaustes, widerborstiges Haar, seine Schultern, wusste nicht genau, ob er ihn weiter nach unten drücken oder ihn wieder zu sich empor ziehen sollte.

Zugleich begann er sich zu fragen, was Jer eigentlich wollte, was er mochte, was ihm gefiel. Es war so anders als mit Niel. Bei dem kleinen Jumer hatte es kein Innehalten gegeben, das ihn hatte nachdenken lassen. Doch als Jer ihn wieder berührte, verschwanden die flüchtigen, fragenden Gedanken, als hätte es sie nie gegeben, und mit einem Aufkeuchen hob er ihm unwillkürlich die Hüfte entgegen.

Milans Hände griffen mit einem Mal mehr nach Jeremis, als dass sie ihn streichelten, und sein Geliebter begann schon nach den wenige Berührungen sich zu winden und leise zu stöhnen. Milan sah so erotisch aus, unter ihm, auf der Matratze ausgestreckt, das Haar um sich verteilt und die Wangen schon ein wenig gerötet. Jeremis seufzte verhalten. Über seine Handlungen nachzudenken, gab er nach einem Blick auf Milans geschlossene Augen, auf seine sich durch die deutlich beschleunigte Atmung rasch hebende und senkende Brust einfach auf.

Stattdessen strich er Milan mit der flachen Hand und leichtem Druck langsam über den Körper, an den Beinen entlang, und nach einem Moment, während er Milan küsste, streichelte er ihm neckend über den Schritt entlang auf den Bauch zurück. Er wartete noch ein wenig ab, dann hakte er seine Finger in den Bund der Shorts, um diese fragend zu fassen und daran zu ziehen.

Milan öffnete die Augen und suchte nach Jeremis' Blick. Das Verlangen darin bewirkte, dass er sich mit einem Mal begehrenswert vorkam, und es ließ ihn lächeln. Er nickte kaum merklich und hob das Becken an, um es Jer zu erleichtern, ihn ganz auszuziehen.

Jeremis lächelte leicht und zog seinem Schatz vorsichtig die Wäsche über die Beine. Natürlich hatte er die Erregung seines Geliebten schon gespürt, aber in dem wenigen Licht, das durch die Sterne in das Zimmer fiel, dessen nackten Körper vor sich zu sehen, die schlanken, kräftigen Glieder und der Haarschatten, der sich vom Bauchnabel her abwärts zog, war noch schöner, als er es sich in den letzten Tagen immer geträumt hatte.

Zart und bewundernd streichelte Jeremis Milan, umging seinen Schoß dieses Mal auch nicht, auch wenn er sich nicht dort aufhielt. Er genoss das leise Stöhnen, mit dem Milan ihm zeigte, dass er es mochte, berührt zu werden, beinahe mehr, als ihn überhaupt berühren zu dürfen.

Nach einigen Blicken legte Jeremis sich dicht neben ihn und küsste ihn erneut, begann nun jedoch zielstrebiger und weniger vorsichtig zu streicheln. Über die Brust und an den Armen entlang, über den Bauch und die Hüften bis zwischen seine Beine. Zugleich verwickelte Jeremis ihn in einen langen Kuss, sie schlossen beide die Augen.

Milan vertiefte den Kuss leidenschaftlich; er konnte nicht genug von dem Geschmack seines Freundes bekommen. Fordernd begann er mit einer Hand, seine Bahnen über den Körper des anderen Mannes wieder aufzunehmen, während er sich ihm entgegen drängte, sich zu ihm drehte. Er schob ein Bein über Jeremis' Hüfte und zog ihn näher an sich. Der wenige Stoff von Jers Unterhose begann störend zu werden, als er ihn an seinem Unterleib spürte. In kleine Kreisen wanderten seine Finger an dem breiten Rücken hinab, bis er den Bund spürte. Ungeduldig zog er daran, streifte sie ihm über den Hintern und löste sich dann von Jers Mund, als er seinen Geliebten auf den Rücken drängte.

Für einen Moment sah er auf ihn hinab, in die vor Erregung dunklen Augen, und lächelte. Schnell küsste er ihn noch einmal, ehe er ihn ganz auszog. Sein Blick blieb an dem erregtem Schoß hängen, und anstatt wieder zu den verlockenden Lippen zurückzukehren, kniete er sich zwischen die Beine seines Freundes. Abwechselnd federleicht und kräftig begann er, die Innenseiten von Jeremis' Oberschenkeln zu streicheln. Kurz sah er zu ihm empor, und sein Lächeln vertiefte sich, als er sich hinabbeugte und die empfindliche Haut um dessen Schoß mit Lippen und Zunge zu liebkosen begann.

Jeremis wusste nicht, wie ihm geschah, Milan tat einfach die Dinge, von denen er nur geträumt hatte. Die er nie gewagt hätte, von ihm zu erbitten. Seine Finger vergruben sich in Milans Haaren, und er konnte ihn dennoch nicht davon abhalten, ihn mit der Zunge zu streicheln und zu reizen.

Schon bald jedoch schob er Milans Kopf unter Aufbringen all seines Willens ein wenig fort und lächelte ihn entschuldigend an. "Du beendest das hier einfach zu schnell, Liebling." Jeremis sah seinen Geliebten warm und vor Gefühlen übersprudelnd an, bevor er ihm leise Worte flüsternd ebenfalls über den Bauch bis zu seinem Schoß hin küsste.

Er zögerte dieses Mal nicht, bevor er begann, Milan mit der Zunge zu berühren, ihn zugleich zu streicheln und festzuhalten. Dies verhinderte, dass Milan ihn nun auch fortschieben konnte. Sein Geliebter schmeckte einfach zu verführerisch, zu sehr, wie er ihn sich immer erträumt hatte. Das Gefühl, mit ihm zusammensein zu können, ihn berühren zu dürfen, umgab Jeremis derart stark, dass es jeden seiner Gedanken ausschaltete, er konnte nur noch seinem Körper gehorchen, der ihn dazu brachte, immer mehr von Milan berühren, spüren und schmecken zu wollen.

Milan wand sich unter ihm, konnte sich nicht mehr davon abhalten; er wollte ihm entkommen, um es hinauszuzögern und gleichzeitig wollte er, dass es nie wieder aufhörte. Seine Erregung wuchs mit jedem Augenblick, mit jeder Berührung, jedem geflüsterten Wort und ließ ihn aufstöhnen.

"Jeremis", wisperte er atemlos. "Jer..."

Jeremis hörte nicht auf, und Milan hatte nicht genug Kraft oder den Willen, um nachdrücklicher zu werden. Er ließ sich in seine Gefühle fallen, krallte die Hände in das Laken und hob sich seinem Geliebten entgegen. "Jeremis!" Seine Welt zog sich in einem undefinierbaren Punkt in seinem Körper zusammen, um von dort aus in heißen Wellen zu explodieren.

Jeremis war nach Lachen zumute, aber zugleich war er noch immer sehr erregt, auch wenn Milan ihm recht schlaff in den Armen zusammengesunken war. Allerdings hatte der Anblick schon weitgehend ausgereicht für ihn. Allein, dass Milan dort lag, unter ihm, verschwitzt, schwer atmend, deutlich seine Gefühle zeigend, ihm vertrauend, bedeutete ihm mehr als alles andere zuvor. Langsam legte er sich mit einem Bein über Milans Hüften auf ihn und streichelte ihn leicht über die Brust und Schulter.

"Ich liebe dich", flüsterte er schließlich leise an sein Ohr. Anders ließen sich seine Gefühle nicht zusammenfassen.

Milan lächelte erschöpft, hätte sich in dem Moment am liebsten nicht weiter bewegt, doch er spürte Jers Erregung deutlich an seinem Unterleib. Er drehte den Kopf ein wenig, berührte Jeremis' Wange sacht mit den Lippen, während er wieder begann, sich gegen ihn zu bewegen und sein Becken gegen das seines Geliebten kreisen zu lassen. Seine Hände wanderten über Jers Seiten hinab, bis er dessen Hintern erreichte. Er umfasste ihn und drückte ihn gegen sich, massierte ihn, streichelte ihn.

Jeremis lachte nun doch auf, Milan war zu lieb. Er bemühte sich, obwohl er deutlich müde war. Aber die Berührungen auf seinem Hintern und gegen seinen Schoß reichten auch so schon wirklich aus. Verhalten stöhnend erreichte Jeremis schon nach kurzer Zeit den Höhepunkt und sank neben Milan in die Kissen. Er dachte kurz über eine Dusche nach, aber konnte und wollte sich noch nicht rühren.

Ein Blick auf seine kleine Uhr neben dem Bett zeigte ihm, dass es noch lächerlich früh war, dass sie zu dieser Uhrzeit eigentlich sonst immer noch gesessen und gelesen hatten, doch sein Körper zog ihn schwer in einen Halbtraum. Unfähig, sich zu viel zu bewegen, zog Jeremis Milan mit einem Arm enger an sich und schlang sein Bein weiter um die Beine seines Geliebten. So glücklich und zufrieden wie seit ewigen Zeiten nicht mehr, schloss er seine Augen und lehnte das Gesicht in Milans Halsbeuge. Er küsste Milan noch ein letztes Mal, dann seufzte er und sank langsam in den Schlaf. /Von dir will ich niemals wieder getrennt sein!/


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh