Zwischen den Welten

42.

Jeremis hatte ganz entschieden die schönste Zeit seines Lebens bereits hinter sich, als er mit Milan aus dem Gleiter stieg, der sie zum Schloss gebracht hatte. Sie waren zusammen mit einem gemütlichen Transporter vom Gut zur Stadt geflogen. Es war nicht zu vergleichen mit dem letzten Flug, auf dem Jeremis sich einsam gefühlt hatte, einsam und zu alt, um noch mit den sorglosen Ajestern zu feiern.

Der Flug wurde übertroffen, als er mit Milan all die Orte aufsuchte, an denen sie gemeinsam gewesen waren. Sogar den stickigen Hausflur fanden sie wieder, wo sie sich hinter der Holztür geküsst hatten. Der quirlige Schneider im ajester Viertel stellte ihnen neue Anzüge für die Feier her, wofür sie einige Male zum Anpassen hingehen mussten. Aber es machte Jeremis Spaß zu sehen, wie der kleine Schneider bewundernd um Milan herumsprang, wie er den Körper ausmaß, wie der Anzug sich an die Form der Schultern, der Hüften anzupassen begann, die Jeremis sofort wiedererkennen würde, weil er Milan mittlerweile so gut kannte.

Sie verbrachten zudem sehr angenehme Abenden mit Raoul und Kenny. Es war eine entspannte Atmosphäre, vor allem, weil Kenny nun ja wusste, dass sein Raoul nicht mehr in Gefahr war. Und die Nächte in dem Gästebett würde Jeremis niemals wieder vergessen.

Doch erstaunlicherweise war die Hochzeitsfeier, auf die sie sich beide schon sehr gefreut hatten, wirklich gefreut, eine schreckliche Enttäuschung für ihn. Es war eine zu feine Feier. Mit verschiedenen Sälen, in denen unterschiedliche Themen dekoriert worden waren. Die Orchestergruppen war jeweils abgestimmt auf die Büfetts und die Tischdekorationen. Jeremis fühlte sich trotz seines angemessenen Anzugs fehl am Platze.

Es waren auch nur wenig Menschen da. Die meisten Gäste entstammten dem jumenischen oder ajester Adel, und abgesehen von einigen fragenden Blicken, wohl deswegen, weil man vermutete, dass Milan und er zum Personal gehörten, beachtete sie niemand.

Jeremis hatte gerade beschlossen, sich mit einigen sehr teuren und guten Weinen zu betrinken, um seine Situation dann endgültig zu verschlimmern, als Milan abgeholt wurde. Von dem schwarzen General natürlich.

Zunächst ließ Jeremis sie gehen, doch dann erfasste ihn eine tiefe Sorge. Unbegründet vermutlich. Es sollte ein Abschiedsgespräche zwischen Niel und Milan werden und damit wäre er das Problem mit dem kessen Kronprinzen mit Sicherheit los, aber ein kalter Schauer ließ ihn erschaudern. Er fühlte sich unwohl, und sein Misstrauen trieb ihn dazu, die Verfolgung heimlich aufzunehmen.

Sein Weg endete sehr abrupt an dem Beginn eines Wassergartens, der typisch für jumenische Tempelgarten nach einem festgelegten System um einen Tempel herum angelegt wurde und wie ein Labyrinth nur dann zu passieren war, wenn man die Brücken in der richtigen Reihenfolge und Richtung überschritt. Nicht die Verwirrung hielt ihn jedoch auf, denn man hatte einen festen Weg für die Gäste abgesteckt, sondern Cahal Maeldun. Schweigend verstellte der General Jeremis den Weg und schüttelte leicht den Kopf, bevor auch er in der Dunkelheit verschwand.

Frustriert wartete Jeremis deswegen am Eingang zum Wassergarten, einen der bunten ajester Drinks in der Hand und den Blick sorgenvoll und sehnsüchtig auf die kleine Brücke gerichtet, über die Milan vermutlich kommen musste.

Milan entdeckte seinen Geliebten direkt am Eingang des Gartens. Es überraschte ihn, doch er war erleichtert darüber, dass er ihn in den überfüllten Sälen nicht hatte suchen müssen. Unwillkürlich huschte ein Lächeln über sein Gesicht, als er zu ihm lief und ihn einfach umarmte, kaum Rücksicht auf den Drink nehmend. Seine Nähe war gut, vertraut, beruhigend, warm und nahm einen Teil der Angst von ihm.

"Ich liebe dich", murmelte er und küsste ihn flüchtig.

Jeremis drückte seinen Geliebten kurz an sich und küsste ihn noch einmal auf den Mund. Irgendwie schienen sie sich in dieser ungewohnten Atmosphäre einander noch näher zu fühlen. Das zu spüren, machte diese Feiern schon wieder wertvoll.

"Ich will nicht zurück zu den Jumern und Ajestern, fürchte ich", sagte Milan leise ohne sich aus Jeremis' Armen fortzubewegen und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. "Zumindest nicht sofort. Hättest du etwas dagegen, wenn wir ein wenig hier bleiben, in dem Garten? Er ist ruhig und sehr schön." Und irgendwie musste er ihm von dem Gespräch mit Niel erzählen, möglichst schnell. Jedoch nicht unter lauter Jumern.

Jeremis lachte leise. "Ich habe gerade gedacht, dass ich meinethalben gar nicht zu ihnen zurückgehen muss. Es sei denn, du willst noch tanzen oder dich betrinken. Aber der Vorschlag, in den Gärten ein wenig umherzulaufen, klingt auch sehr angenehm." Er legte den Arm um Milans Schultern und fragte "Wollen wir gleich hier in den Wassergarten gehen? Hast du den Tempel in der Mitte gesehen?"

Milan lehnte sich an ihn, schob eine Hand um Jers Taille und schüttelte den Kopf. "Nein, habe ich nicht. Der General hat mich direkt zu Niel gebracht, der irgendwo dort drin auf einer Bank saß." Für einen Moment lächelte er. "Weißt du, dass sie ein Paar sind? Ausgerechnet Niel und dieser unberührbare Jumergeneral?"

Langsam schlenderten sie Arm in Arm über die nur spärlich erleuchteten Pfade, und Milan fühlte sich wohl, so nah bei seinem Geliebten, abseits der Feierlichkeiten, die nicht seine Welt waren. Über den Bäumen blitzten immer wieder farbenfrohe Lichter auf, als das Feuerwerk seinen Höhepunkt erreichte, und hin und wieder konnte man besonders laute Explosionen hören. Doch in Gedanken war er noch immer bei dem Angebot, dass Niel ihm gemacht hatte.

An einer Bank, die von Buschwerk halb verborgen war, hielt er inne und nahm Platz, zog Jer mit sich, um sich dann erneut an ihn zu lehnen. Der kleine Teich, um den der Weg führte, den sie gekommen waren, glitzerte im Licht der Sterne und dem von mehreren winzigen Schiffchen, auf denen Kerzen flackerten. Niemand sonst war zu sehen, vermutlich waren alle Gäste beim Feuerwerk.

Jers Hand an seiner Schulter streichelte ihn sacht, und für einen Moment brachte Milan keinen Ton hervor; er wollte die friedliche Stimmung eigentlich nicht stören. Wollte eigentlich nur Jers Nähe genießen, die Nähe zwischen ihnen, die in dem Augenblick fast greifbar war.

"Niel und ich... Wir haben nicht viel miteinander reden können", begann er schließlich leise, empfand seine eigene Stimme als störend in der Ruhe um sie herum. "Er musste ziemlich schnell wieder weg. Aber er hat mir einen Kristall gegeben, mit dem ich eine Audienz bei ihm bekommen kann."

Er verstummte und starrte blicklos auf die glitzernde Wasseroberfläche, ehe er angespannt und noch leiser fortfuhr "Wenn ich mich entschieden habe, ob ich sein Angebot annehme und mit dem nächsten Flug in zehn Tagen zur Erde zurückkehre."

Jeremis stockte das Herz. Er hatte gerade überlegt, ob er Milan nicht schon viel zu lange nicht geküsst hatte, als das Wort Erde ihn aus seinem weichen, sicheren Traum herauskatapultierte. Er blinzelte einige Male, während Panik ihn zu erfassen begann. Milan sollte wegfliegen, fort von ihm, zur Erde zurück?! Das würde er nicht aushalten, nicht, nachdem er so lange schon auf ihn gewartet hatte.

"Liebling, die Erde? War das... Das war ein Scherz, oder?" Er versuchte ein Lachen, das ihm leider misslang. Seine Hände begannen zu zittern, als ihm nach und nach immer mehr Details einfielen, die mit einem Flug zur Erde im Zusammenhang standen. /Seine Erinnerungen würden gelöscht, er würde Jume vergessen, mich vergessen, als hätte es mich niemals gegeben... als hätte es uns nie gegeben!/ Doch dann fielen ihm die Worte auf, die Milan verwendet hatte.

"Wenn du dich entschieden hast? Ah, sie haben dir eine Wahl gelassen, immerhin", kommentierte er betont neutral.

"Natürlich", sagte Milan leise, der Klang in Jeremis' Stimme verletzte ihn, weil er wusste, wie sehr er seinem Geliebten weh tat. Er wünschte, er könnte es für ihn irgendwie einfacher machen, aber auch für sich. Er griff nach Jers Hand, umfasste die zitternden Finger, um sie zu drücken. "Niel hat sich für mich eingesetzt, um mir einen Rückflug zu meiner Familie zu ermöglichen. Weil er nicht wollte, dass ich hier allein mit meiner Erinnerung sein muss. Er wusste nicht, dass wir zusammen sind." Endlich gelang es ihm, aufzusehen, und er erschrak, als er entdeckte, wie blass Jeremis war.

"Ich will nicht weg von dir. Ich will dich nicht verlassen", flüsterte er und hob Jeremis' Hand an seine Lippen, um sie zu küssen und dann an seine Brust zu pressen. "Ich liebe dich. Und ich weiß, dass du nicht die Wahl hast, mit mir zu kommen, weil du dann Jume vergessen müsstest, und Jume ist alles, was du hast. Aber auf der anderen Seite stehen meine Familie, Jens, meine Freunde. Sie wissen nicht einmal, was mit mir passiert ist. Für sie muss ich verschollen sein. Ich weiß nicht, was ich tun soll, Jer. Ich weiß nur, dass ich dich liebe, dass ich sie liebe und dass das, was ich am liebsten will, nicht möglich ist."

Jeremis verfiel in eine noch schlimmere Verzweiflung, als er sich den Zwiespalt klarmachte, in dem sein Geliebter nun steckte. Er streichelte dessen Hand einen Moment lang, dann murmelte er "Du hast einige Tage Zeit, Milan. Denk in Ruhe darüber nach. Ich kann verstehen, dass du in Jume nicht das gefunden hast, was ich hier habe, eine wirkliche Heimat. Das wird für dich doch immer die Erde bleiben, nicht wahr? Aber für mich, da hast du Recht, gibt es die Erde nicht mehr. Wenn man mir meine Erinnerungen an Jume nimmt, dann habe ich gar keine Erinnerungen mehr."

/Nein, ich würde mein Gut und Hame und Kees auch niemals verlassen, Raoul, meine Freunde in den anderen Provinzen, meine Pferde... Ich habe hier alles, was ich brauche... außer.../ Er sah Milans Gesicht von der Seite her an. Gut sah er aus, er konnte diese feinen Anzüge tragen. Sein Gesicht wirkte ein wenig zu hell, von den Strapazen des Winters zu blass, aber er hatte doch bis eben noch so zufrieden gewirkt. Sollte all diese Freude am gemeinsamen Leben mit ihm nur eine Art schlaffes Akzeptieren gewesen sein?

/Unsinn! Ich darf das nicht als Prüfung ansehen, ob er mich liebt oder nicht. Immerhin geht es hier um seine Familie! Er hat doch außer mir hier niemanden, der ihn hält. Immerhin, die Zeit war so schön, das kann mir doch keiner nehmen. Ich sollte glücklich sein, auch wenn es nur noch für zehn Tage währen kann./

Entschlossen legte er den Arm wieder um Milans Schultern und sagte leise "Überleg es dir in Ruhe, ich mische mich nicht ein. Du weißt sicherlich, dass ich dich sehr liebe, dass ich nichts mehr wollte, als immer mit dir zusammensein, aber es ist deine Entscheidung. Ich respektiere das, egal wie du entscheidest."

Er holte tief Luft und lächelte ein wenig, obwohl es ihm verdammt schwer fiel, Milan nicht auf Knien anzuflehen, bei ihm zu bleiben.

/Immer mit mir zusammen sein... Und wenn du das irgendwann nicht mehr willst? Was dann? Dann bin ich allein. Dann habe ich niemanden mehr./ Doch wenn Milan ehrlich war, war das nur eine angstvolle Ausrede. Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass er und Jer sich irgendwann nicht mehr lieben sollten. Er sah den traurigen Blick, sah sein schmerzliches Lächeln, und es trieb ihm die Tränen in die Augen.

"Gott, Jer", wisperte er erstickt. "Ja, ich weiß das. Und ich liebe dich auch. Ich liebe dich so sehr." Und in diesem Moment noch viel mehr, weil er ihm die Wahl lassen wollte. Weil er ihn nicht überreden wollte. Er schlang die Arme um seinen Freund und verbarg das Gesicht in dessen Halsbeuge. "Danke, mein Schatz. Ich liebe dich..."

Er spürte, dass seine Wangen nass wurden, Tränen fielen auf Jers Hemdkragen. /Bis eben ist alles noch so schön gewesen. Ich war glücklich hier, Jer war glücklich. Wie kann ich ihn verlassen? Wie kann ich nur daran denken, ihn unglücklich zu machen?/ Die Antwort war einfach, als er an Jens dachte. Er wusste, wie sein bester Freund aussah, wenn er weinte. Und er wusste, die Nachricht von seinem spurlosen Verschwinden würde ihn zum Weinen gebracht haben. Und seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester. /Ich kann zurück zu ihnen. Es ist schon über zwei Monate her, aber ich kann zurück zu ihnen. Nur ohne Jer. Ohne meinen über alles geliebten Jeremis./

Mit einem Aufschluchzen schmiegte er sich noch enger an ihn, klammerte sich haltsuchend an ihn und wusste doch, dass Jer eigentlich selber Trost brauchte.

Jeremis umarmte und streichelte Milan eine Weile über den Rücken. Während er flüsternd beruhigenden Worte in sein Ohr sagte, kreisten seine Gedanken wieder und wieder darum, dass er nun die zehn schlimmsten, angespanntesten Tage seines Lebens haben würde.

"Komm, Liebling. Ich glaube, wir haben genug gefeiert. Lass uns nach Hause fahren." Er lenkte Milan zu den wartenden Gleitern und ließ ihn weder auf der Fahrt, noch für die restliche Nacht los, vor allem, weil Milan ihn nicht loslassen wollte.

Doch als die Sonnen aufgingen und sein Geliebter endlich schlief, wand Jeremis sich frei und schlich sich leise auf den Balkon, wo er sich mit einer Tasse starkem Kaffee in einem der Korbsessel niederließ und mit starrem Gesichtsausdruck auf die Dächer blickte.

Mit einem Mal fühlte er sich alt. Alt und abhängig. Es war ihm, als hätte er sein Glück und den Lebensinhalt in den letzten Wochen von Milans Glück abhängig gemacht. Wenn Milan nicht zufrieden war, konnte er es auch nicht sein. Als die Sonnen begannen, seine Füße mit brennenden Vormittagsstrahlen zu berühren und seine Tasse längst leer war, hatte er einen Entschluss gefasst.

 

Niel schleppte sich rechtschaffen müde von der Eskorte begleitet durch die langen, kühlen Gänge der östlichen Pyramide bis zu den privaten Gemächern, in denen er stark hoffte, einige Getränke, etwas Kleines zu essen und seinen Geliebten, der ihn damit fütterte, vorzufinden.

Dies war leider nicht der Fall. Es standen zwar dekorierte Obstschalen herum, jedoch lag nichts bereit, das er schnell hätte essen können. Frustriert pellte er sich aus seiner schrillbunten Verkleidung und ließ sich nackt, wie er war, auf eine breite, sanft zwischen zwei Bäumen schaukelnde Hängematte fallen.

/Milan war nicht nur froh... Er war mit Jeremis zusammen. Verdammt! Hätte ich ihm dieses Angebot nicht machen sollen? Hab ich schon wieder einen voreiligen Fehler begangen? Ich wünschte so sehr, ich hätte geschwiegen, nachdem er erzählt hat, dass er mit dem muffeligen Gutsbesitzer zusammen ist. Ach ja, das hat er erst hinterher erzählt... Hätte ich doch gewartet!/

Genervt und unsicher drehte er sich auf den Bauch und hampelte mit den Beinen. Im Hintergrund gingen die Sonnen langsam auf, und er beschloss, auf Cahal und nebenbei auch auf das Frühstück zu warten, bevor er sich schlafen legen wollte.

Als Cahal in den großen Raum kam, entdeckte er als erstes die ausgesprochen attraktive Aussicht auf den knackigen Hintern seines Geliebten. Er war müde von der durchwachten Nacht, den vielen Tänzen und den unzähligen Dingen, die er hatte koordinieren müssen, doch der Anblick ließ ihn wieder wacher werden.

Rasch trat er zu ihm und beugte sich hinab, um ihm einen Kuss auf den verlockenden Hintern zu drücken und dann zu lachen. "Guten Morgen. Leben deine Füße noch nach der durchtanzten Nacht?" Er hockte bei ihm nieder und küsste ihn noch mal auf den Mund, als Niel den Kopf hob. "Und wo kommen die Wolken in deinen Augen her? Was ist los, mein Liebling?"

Niel drehte sich vollends um und zog Cahal zu sich, auch wenn die Hängematte bedenklich zu schaukeln begann. Er kuschelte seinen mittlerweile doch ein wenig ausgekühlten Körper in Cahals Arme, dann erklärte er mit leiser Stimme "Ich war mal wieder voreilig und habe nicht lange genug nachgedacht. Weißt du, ich dachte, dass ich mich beeilen muss, weil es ja um die Menschen ging, die doch so bald immer schon sterben. Das war aber falsch. Ich hätte warten sollen. Was kann ich denn jetzt nur tun?"

"Hm? Von was sprichst du?" Sacht streichelte Cahal den weichen Rücken seines Geliebten mit den Fingerspitzen, während er ihn fragend ansah.

Niel genoss es, endlich wieder Cahal nahe sein zu können, ihn zu spüren und begann, ihn ebenfalls zu streicheln, begann mit den Fingern unter sein Hemd zu fahren, während er erklärte, dass er Schuldgefühle hatte, weil er Milan nun in die knifflige Situation gebracht hatte, zwischen der Erde und Jeremis wählen zu müssen.

"Deswegen verzweifle ich nun schon wieder! Immer muss ich so voreilig sein! Kann ich denn nicht endlich lernen, einmal abzuwarten? Was soll ich denn nun tun? Milan wird doch traurig sein... Obwohl, er verliert ja jegliche Erinnerung an... Mist, Jeremis wird auf jeden Fall eine schwere Zeit haben. Ich bin so ein... Idiot, Cahal!" Aufstöhnend warf Niel sich in die Kissen zurück und zerraufte seine Haare.

"Ja, das bist du!" Cahal grinste ein wenig, während er ihn mit einem Arm festhielt und gleichzeitig versuchte, das heftige Schwanken der Hängematte auszugleichen, das durch Niels unkontrollierte Bewegungen entstanden war. "Wenn du so weitermachst, brechen wir uns beide den Hals."

Er fing Niels Hände, hielt sie fest und zog sie an seine Lippen, um sie zu küssen. "Immerhin kannst du von dir sagen, dass du den größten Mist aus den besten Absichten baust", erklärte er tröstend. "Du hast ihm überhaupt erst eine Entscheidung gegeben. Ich finde zwar nach wie vor, dass du dir viel zu viele Gedanken um diesen Menschen machst, aber wenn du es unbedingt willst, könntest du ihm die Wahl noch viel leichter wieder abnehmen, indem du ihm erklärst, dass es ein Irrtum war. Offensichtlich kann er wie alle anderen Menschen auch hier glücklich werden, womit dann deine beiden Schützlinge zufrieden wären, weil sie einander haben. Oder du machst zur Abwechslung einfach mal gar nichts und lässt ihn entscheiden. Es kommt einfach darauf an, wo deine Prioritäten sitzen. Möchtest du auf jeden Fall Jeremis glücklich sehen oder Milan?"

Wieder küsste er Niels Hände und lächelte. "Aber ich glaube, du hast das richtige getan. Wenn er sich dafür entscheidet hier zu bleiben, kann er in jedem Fall niemals voller Enttäuschung sagen, er hätte keine Wahl gehabt. Geht er, nun, dann denkt er höchstens noch über die Gedächtnislücke nach. Und Jeremis kann jemanden suchen, der ihn genug liebt, um bei ihm zu bleiben."

"Hm..." Niel war noch immer grummelig, obwohl Cahals Art, ihn so verständnisvoll anzusehen, es ihm schon fast zu schwer macht, seine Mundwinkel weiterhin hängen zu lassen. "Ich lasse ihm die Wahl. Das ist vermutlich im Nachhinein noch immer das Beste. Wenn ich das nächste Mal einen hübschen Menschen kennen lerne, dann werde ich ihm gleich die Erinnerung nehmen, wie es sich gehört."

Er sah, dass Cahal seine Augenbrauen hob, vermutlich um die Sache mit den hübschen Menschen anzusprechen, deswegen lehnte er sich schnell vor und küsste seinen Geliebten auf den Mund. "Bist du zu müde, um mit mir zu schlafen, Liebling?" Kess ließ er seine Finger über Cahals Körpermitte streichen.

Cahal lachte leise auf. "Du bist ein Meister im Ablenken. Aber nein, bestimmt nicht, wenn du mich so ansiehst, mich so berührst und so verführerisch nackt auf mir liegst. Dann will ich alles, und zwar von dir." Er schob eine Hand in Niels Nacken, zog ihn zu sich runter und küsste ihn lange und leidenschaftlich, während er mit der anderen Hand schon begann, ihn fordernder zu streicheln.


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by Meike "Pandorah" Ludwig & Jainoh